Ich liebe Metaphern und Bilder im Kopf, und dann werde ich manchmal beschenkt mit einer Wortverdrehung wie “Porzellan im Elefantenladen” (statt “Elefant im Porzellanladen”). Dafür bin ich dem Leben sehr dankbar.

Als die Corona-Pandemie began, habe ich jede Woche ein Blog-Tagebuch geführt. Das hat gut getan. 37 Wochen am Stück. Dann war ich eine Weile Tagebuch-müde, und heute tut es wieder gut, mir selbst zu schreiben und mir selbst zuzugeben, wie es mir geht. Denn regelmäßige Rituale tun gut. Und eins meiner neuen Rituale ist der halbe Hahn am Donnerstag.

Donnerstags gibt es Hähnchen

Donnerstags gibt es Hähnchen. Der Wagen steht immer Donnerstags vor dem Rewe um die Ecke meines Coworking Space, und zum Coworking Space sind es nur 1,6 km von zuhause. Das Leben in der Pandemie hat meine äußere Welt kleiner gemacht, weil ich mich nur noch im Radius von 5 km von meiner Wohnung bewege.

Ich habe keine Lust mehr. Ich sehe andere menschen nach Dubai und Südafrika fliegen, und ja, natürlich könnte ich auch genau das tun, doch es fühlt sich falsch an.

Ich höre Geschichten von Parties, geheim natürlich und mit ganz vielen privaten Vorkehrungen, und ich habe nicht mal Kraft, da etwas dazu zu sagen.

Still und klein zu sein ist mein “new normal”. In einem wunderbar inspirierenden Artikel von Sara Huang habe ich gelesen, dass wir als Menschen (und zu einem großen Teil sind wir ja immer noch ein Tier) ein Territorium brauchen. Dass das Ausmaß, in dem wir als Menschen Territorien beanspruchen können, die Wahrnehmung der eigenen Identität, Sicherheit und Freiheit beeinflusst.

Kein Wunder also, dass wir von dem Lockdown im unterschiedlichen Maße beeinflusst werden. Mein Territorium ist gefühlt zwischen Singapur und der Pazifik-Küste. Ich bin ein Kosmopolit, ich fühle mich wohl in großen Städten und in Menschengruppen. Und ich fühle mich zunehmend unwohl, je weniger ich an einem Flughafen oder in einem Raum voller Menschen bin.

Doch Donnerstags gibt es Hähnchen. Ein Ritual, der nicht nur satt macht, sondern auch zufrieden. Für den Moment.

Frühjahrsmüde

Morgens nehme ich immer Vitamine zu mir. Ich habe gelesen, dass eine Kombination aus A, D und E besonders wirksam sei und das Immunsystem stärkt. Vitamin A ist außerdem gut für meine Augen. Und obwohl ich auch Vitamin C und Zink zu mir nehme, bin ich unglaublich frühjahrsmüde.

Wie langweilig das doch manchmal ist, alles richtig zu machen! Viel schlafen, viel trinken (Wasser, versteht sich), Gemüse essen und viel an der frischen Luft sein. Statt eines Dankeschön ist mein Körper träge, meine Beine schwer wie Baumstämme und mein Geist lustlos und faul.

Würde viel Wein und wenig Schlaf diese Situation bessern?

Porzellan im Elefantenladen

In einem Gespräch kam ein wunderbarer Freudscher Versprecher zustande: Ich meinte, ich fühle mich wie Porzellan in einem Elefantenladen. Und plötzlich waren all die Bilder da. Von der gefühlten Zerbrechlichkeit, von der gefühlten Ohnmacht und dem überwältigenden Gefühl des Kleinseins.

Es macht wenig Sinn, dieses Gefühl zu verdrängen oder zu ignorieren Es möchte da sein und mir etwas sagen.

Ich höre eine Weile zu. Vielleicht sind die Elefanten ja auch ganz lieb…

Danke dir fürs Lesen.

petranovskaja Unterschrift signatur

Mein Corona-Tagebuch