Was werden wir in den nächsten zwölf Monaten tun? Nun, ich bin kein Zukunftsforscher, aber ein sehr zukunftsorientierter Mensch und ich denke gerne nach.

Freitag, der 13. März

Liebes Tagebuch, heute ist Freitag der 13. Ich glaube, heute ist auch der Anfang von einem neuen Lebensabschnitt für sehr viele von uns. Ich glaube, dass dieser Virus viel weiter reichende Folgen haben wird, als uns heute schon bewusst ist. Hier sind ein paar Gedanken aus meiner Perspektive. Ich werde diesen Blogbeitrag einfach regelmäßig um Fakten und weitere Gedanken erweitern.

1. Es trennt sich Spreu vom Weizen

Die nächsten ein paar Monate werden zeigen, wer nun wirklich agil ist. Denn es reicht gerade in diesen Zeiten überhaupt nicht, Scrum-Zertifikate zu besitzen. Was wir brauchen, ist eine agile Haltung. Eine wirkliche Bereitschaft, uns auf das Neue, auf das komplett Unbekannte einzustellen. Dieses neue mit Freude zu begrüßen.

Es kommt auf gute Führung an, auf eine gute Unternehmenskultur und auf eine klare Vision. Wer hier blank ist, wir das in den nächsten 12 Monaten schnell zu spüren bekommen.

2. Change Management Praxis

Wir werden auch endlich lernen, welche Teile vom Change Management nun totaler Quatsch sind und was wirkt und gebraucht wird. Heute werden die Grenzen zwischen Europa und USA für 30 Tage geschlossen. Das hat für mich eine klare Konsequenz: ich kann meinen Vater, nicht wie geplant, Ende März besuchen. Auf meine (leicht ketzerische) Frage bei Twitter, wie man nun Betroffene zu Beteiligten macht, bekam ich zum Beispiel folgende Antworten:

  • Einbinden durch freiwillige Teilhabe und Mitbestimmung
  • Erst einmal verstehen, was Veränderungen in Menschen auslösen können
  • Man müsse den Betroffenen zuhören
  • „Lies mein Buch“
  • Kommunikation und Vertrauen
  • Druck x Vision x Können > Widerstand“ aus Klaus Doppler
  • wir sind alle Betroffene

Wie der Leser mit Leichtigkeit erkennt, ist keine der Antworten aus meiner persönlichen Betroffenen Sicht auch nur irgendwie hilfreich, weil nur schöne Theorie. Wir müssen uns meistens in solchen Fällen selbst um uns kümmern.

Und das wird auch in sehr vielen Unternehmen genauso passieren, es wird kein Change Manager geben, der vorbeikommt und sich darum kümmert, wie es den Menschen in dieser Situation (Home-Office, sich allein fühlen, Fragen haben) geht. Oder doch?

Und wieder kommt es auf Führung, Unternehmenskultur, Menschen an.

Eine Vermutung: in den nächsten zwölf Monaten werden wir uns viel mit diesem Thema auseinandersetzen, allerdings praktisch. Wir werden sehr viel über Change lernen.

3. Lernen, lernen, lernen

Apropos Lernen. Ähnlich wie der Robinson Cruso, der auf einer Insel ausgesetzt wurde und alles from Scratch lernen musste, werden auch wir sehr viele Dinge sehr schnell lernen müssen. Dazu gehören unter anderem sehr viele digitale Kompetenzen, über die in vielen Unternehmen bis heute nur theoretisch gesprochen wurde.

Laptops sind gerade Mangelware. Sie wurden von sehr vielen Unternehmen leer gekauft, um ihre Mitarbeiter spontan ins Home-Office schicken zu können. Nun lernen wir alle, wie man mit zahlreich vorhandener Software umgeht, wie wir uns selbst organisieren und trotz Remote produktiv bleiben. Es sind sehr spannende Zeiten!

Als jemand, der sein Geld unter anderem mit Trainings und Lernen verdient, frage ich mich, welche Themen wir in den nächsten zwölf Monaten vor der Brust haben werden, in denen ich die Unternehmen unterstützen kann. Wenn du eine Idee hast, schreibe diese gerne in den Kommentaren.

4. Aus dem Hamsterrad aussteigen

Natürlich werden wir in den nächsten zwölf Monaten erst mal versuchen, alles soweit beim Alten zu belassen, wie nur möglich. Das ist nicht nur die Change Management Theorie, das ist einfach menschlich.

Wir werden allerdings nach und nach feststellen, dass das nicht funktioniert. Was ist das Leben von uns in den nächsten zwölf Monaten verlangt, ist, dass wir aus diesem verdammten Hamsterrad aussteigen. Dazu gehören:

  • Besinnung: Start with WHY
  • Reduzierung: Weg mit Business Bullshit
  • Bereinigung: Weniger Schein, mehr Sein
  • Humanisierung: durch Remote werden wir (paradoxerweise) menschlicher

5. Hast du mehr als Stammhirn?

Fight, Flight oder tot stellen, die drei Überlebensstrategien des Stammhirns. In den nächsten zwölf Monaten kommt es darauf an, wer mehr drauf hat, als nur zu überleben.

Wer hat Resilienz in sich? Wer kann gelassen sein? Auch hier gibt es Tausende Bücher, und sehr viele von uns haben sie gelesen. Worauf es jetzt ankommt, ist, dieses Wissen anzuwenden. Also: einatmen, ausatmen.

Apropos überleben: ich glaube, in neun Monaten könnten die Geburtenraten steigen. 😉

6. Cynefin, VUCA, Stacey und Co.

Lasst uns in den nächsten zwölf Monaten viele Geschichten darüber sammeln, wie verschiedene Modelle, die Komplexität erklären, nun endlich zur Anwendung kommen. Ich bin sehr gespannt, was wir alles sehen und mit Hilfe dieser Modelle besser verstehen werden.

Hallo, neue Zukunft!

Für heute reicht es an Gedanken, glaube ich. Stand heute sind alle meine Trainings und Workshops der nächsten 8 Wochen verschoben oder abgesagt. Ich habe jetzt also sehr viel Zeit, etwas Gutes für diese Welt zu machen – ohne mein eigenes Hamsterrad. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass das tolle Geschichten sein werden.

Entscheidend ist nicht, was uns passiert, sondern wie wir die Fakten für uns auslegen.

Entscheidend ist nicht, was wir erleben, sondern was wir daraus lernen.

Entscheidend ist nicht, was wir können, sondern was wir mit unserem Können anstellen.

Packen wir es an!

Ich würde mich sehr freuen, zu erfahren, was du denkst. Nutze gerne die Kommentarfunktion!