Wir ziehen morgen um, und heute feiern wir zusammen mit den Nachbarn die Ausweihung. Es ist wie Einweihung rückwärts. Und wie so oft, liefert mir das reale Leben eine Inspiration, und ich frage mich: was wäre, wenn wir jetzt – mitten in der Corona-Phase – beschließen würden, aus der “alten Welt” in die “neue Welt” umzuziehen? In der Wondercards-Starfish Methode gibt es dazu fünf strukturierende Fragen:

  • Was lassen wir wo es ist? (keep)
  • Was werfen wir weg? (stop)
  • Was bekommt im neuen Leben mehr Platz (more)?
  • Was bekommt im neuen Leben weniger Platz (less)?
  • Was besorgen wir neu? (start)

In unserem Fall haben wir – weil die neue Wohnung kleiner, dafür mit Balkon ist – weniger Klamotten und mehr Farbe als Antworten. Neu ist für uns, dass wir nur noch 10 Minuten ins neu geschaffene coworking Büro haben und dadurch viel mehr Fahrrad fahren werden. Und beim kleinen Demeter-Laden um die Ecke einkaufen statt in einem große Supermarkt. Und Urlaub auf Balkonien statt auf den Bahamas, auch das klingt bei den 30 Grad Außentemperatur nach einer tollen Alternative.

Vielleicht magst du dir diese fünf Fragen auch stellen? Ich finde, Corona ist eine gute Gelegenheit, eine Ausweihung zu feiern und sich in den Neuanfang zu begeben.

Eine gute Gelegenheit, sich mit der Frage nach einer möglichen Zukunft zu beschäftigen, ist übrigen das u-lab von Otto Scharmer. Auch dort geht es um die emergente Zukunft, in der wir noch so vieles nicht kennen, welche wir jedoch selbst – in einem co-kreativen Miteinander – gestalten können.

petranovskaja ausweihung
Überall Kisten und Kartons und in mir drin Tausende verschiedener Gedanken und Gefühle…

Weitere Fragen zur Reflexion könnten sein:

  • Was ich vermissen werde
  • Was ich nicht mehr vermissen werde
  • Was sich neu und ungewohnt anfühlt
  • Welche Sehnsucht nun nicht mehr befriedig werden möchte, weil es jetzt passt

Mein Papa sagt…

Mein Papa ist Wissenschaftler, er arbeitet an einer Hochschule in Mexiko, direkt am Pazifik. Er ist zwar schon 72, aber in Mexiko herrscht lebenslanges Arbeitsrecht, und so genießt mein Papa den Kontakt zu jungen Leuten und der Wissenschaft, und das hält ihn jung.

Mein Papa sagt, es wird keine Zeit nach Corona geben. Corona ist jetzt für immer mit uns. Wie die Grippe, wie das Aids. Weder ich, noch jemand anders weiß, ob diese Aussage stimmt, aber der Gedanke, dass es kein “nach Corona” gibt, hilft mir, mich zu sortieren.

  • Wir werden das schon schaukeln.
  • Wir werden das beste daraus machen.
  • Wir werden menschlich bleiben: unvernünftig, leidenschaftlich, verträumt, verspielt und emotional.

Unsere Maler machen heute den Endanstrich. Der Malermeister (ein wunderbarer Mensch!!) singt dabei immer. Meistens sind das Lieder von den Hamburger Liedermacher Hans Albers, hoch und runter wurden sie hier rezitiert und heute – wie es sich für das Finale gehört – ist nun auch das berühmteste Lied dran, das so gut wie kein anderes zu den heißen Tagen in Hamburg passt:

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins
Ob du’n Mädel hast oder ob kein’s
Amüsierst du dich
Denn das findet sich
Auf der Reeperbahn nachts um halb eins
Wer noch niemals in lauschiger Nacht
Einen Reeperbahnbummel gemacht
Ist ein armer Wicht
Denn er kennt dich nicht
Mein Sankt Pauli, Sankt Pauli bei Nacht

Hans Albers

Ob Corona oder nicht, lass dein Hirn auch mal frei, gehe raus und stelle dir vor, du könntest einfach eine Ausweihung feiern

petranovskaja Unterschrift signatur

Mein Corona-Tagebuch