“Shit in, shit out” hüpft es plötzlich aus meinem Mund. Wir sprechen über Führung und über Corona. In vielen Unternehmen hat Corona zu vielen Veränderungen verholfen. Leider ist das Thema Führung meistens nicht angefasst worden. Meine Teilnehmer – mit mir zusammen auf der Pausen-Terrasse eines Seminarhotels – gucken mich verwundert an. Solche Worte sage ich selten.

Wir sprechen über viel zu viele Meetings, die zu lange dauern, nicht vorbereitet und schlecht moderiert werden. Wir sprechen darüber, ab wann es die Verantwortung jedes einzelnen Mitarbeiters ist, diese Kette zu durchbrechen und wie man auf verschiedene Arten und Weisen Nein sagt.

Es ist ein überwältigendes Gefühl, wieder mitten drin zu sein. In keiner der online Sessions konnte ich mit den Teilnehmern so tiefe Einblicke in die Kultur der Firma oder in die Philosophie der Führung gewinnen. Es ist für mich einfach anders, in Präsenz zu arbeiten.

Praise in, praise out

Wir sprechen über Feedback, Lob und Kritik. Ich präsentiere die umgekehrte Glücksformel von Shawn Anchor. Zuerst wird diese massiv in Frage gestellt. Dann bringen die Teilnehmer plötzlich nach und nach eigene Beispiele, wie diese funktioniert. Erinnern sich an Situationen, in dene sie genau das erlebt haben. Wir feiern diese Erkenntnis und gehen eine halbe Stunde früher aus dem Seminarraum.

Drei Tage zuvor beschließe ich, die Arbeit Arbeit sein zu lassen und mich bewusst der Freizeit hinzugeben. Das geschieht immer noch unter dem Einfluss des wunderbaren “Do nothing” Buches, und ich bin überglücklich und leicht.

In diesem Zustand schaffe ich alle Aufgaben von meiner To Do Liste in der Hälfte der geplanten Zeit und telefoniere kreuz und quer durch meine Freundesliste. Es fühlt sich an wie ein Paralleluniversum. So viel Zeit und so viel Freude, und das nur, weil ich mir selbst erlaubt habe, Spaß und Freude zu haben!

petranovskaja-begegnungen

Shit in, shit out

Heute war in Hamburg übrigens wieder “Friday for future”, was bedeutet, dass die Autos auf der Straße vor meinem Büro zehn mal so laut waren wie sonst wegen Hupen, quietschenden Bremsen und Anfahren. Dazu etliche Blaulichtfahrzeuge. DAs alles war hoffentlich eine erfolgreiche Energie- und Nerveninvestition in unsere umweltfreundliche Zukunft.

Warum mein Satz so zweifelnd klingt? Weil ich das gern anders erreicht hätte. Mit weniger Kampf, mit weniger Gegnerschaft und Protest. Weil mich diese Aggression wieder an “Shit in, shit out” erinnert. Wie du in den Wald hinein rufst… Ich bin immer wieder sehr nah an etwas, was sich als eine Möglichkeit anfühlt, das zu erreichen. Die Intuition braucht nur etwas mehr Ruhe, um die Antwort zu flüstern.

Und die Ruhe kommt aus dem herrlichen Nichtstun, Dolce Far Niente (it) oder Leisure (en).

In diesem Sinne, schönes Wochenende!

petranovskaja Unterschrift signatur

Mein Corona-Tagebuch