Ich sitze in der Elbphilharmonie und höre Tschaikowski. Dieser Satz hört sich in dieser Woche für mich selbst an, als wäre er aus einem Science Fiction Film.

Ab nächster Woche haben wir neue Corona Regeln, und Konzerte gehören zu den Erlebnissen, die dann – vorerst für einen Monat – nicht stattfinden. Dabei ist Tschaikowski eine so wunderbare Begleitung durch den November! Zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode getrübt war er den Russen zu europäisch. Und die Europäer sagen, er schreibt so russische Musik. Alles eine Sache der Perspektive.

Das versuche ich diese Woche auch mit Corona. Von wo betrachte ich die Situation, damit sie mir schmeckt?

Diese und andere guten Fragen sind diese Woche in meinem Kopf aufgetaucht. Es ist überhaupt mal wieder klar und deutlich in meinem Kopf. Nicht nur laut und viel. Ein gestimmtes Orchester statt des Gebrabbels im Foyer. Meine Freundin Birgit meinte, ich hätte mich gewandelt. Von einem Perlwein zu Champagner. Dieses Bild gefällt mir, denn ich weiß, Corona hat dabei eine Rolle gespielt.

Wenn die Dinge schwierig werden, ist es leichter zu entscheiden, was wirklich wichtig ist.

Wenn nicht alles wie bisher möglich ist, dann ist es klarer, was jetzt wirklich gebraucht wird.

Familie. Umarmungen. Zusammenhalt. Unterstützung. Tschaikowski ist eine Kirsche auf dem Cocktail. Muss nicht. Aber wenn schon, dann bitte so wie gestern. In der Elbphilharmonie. Mit einem sagenhaften Solisten an einer Paganini Geige.

Dass das Zupfen und Zerren an einem Rosshaar solch wunderbare Töne hervorrufen kann! Hach!

Ich sitze da und verabschiede mich. Es fühlt sich seit der letzten Woche schon nach Abschied an. Jetzt fallen die Blätter von den Bäumen und machen mit ihrer Bodenbedeckung die Metapher komplett. Irgendwas ist vorbei. Over.

Loslassen, gedanklich umarmen und loslassen. Das wird schon. Wenn du mir nicht glaubst, schalte dir etwas von Tschaikowski ein. Mit Harfe und Glöckchen.

petranovskaja Unterschrift signatur

Mein Corona-Tagebuch