Heute nur Musik
Zum Jahres-Arbets-Auftakt eine Entdeckung, die mich schon mehrere Stunden begeistert…

Zum Jahres-Arbets-Auftakt eine Entdeckung, die mich schon mehrere Stunden begeistert…

Der Regen tropft leise gegen die Windschutzscheibe, und ich bleibe im geparkten Auto sitzen, um den letzten Song – “Song for you” ausklingen zu lassen. Manche Lieder sind so lala, manche gut für Gänsehaut, zwei werde ich in meine Jogging-Playlist übernehmen. Dass es drei Alternativen von bereits bekannten Songs gibt, zeigt mir zwei Dinge: zu früh und zu spät. Zu früh ist Amy abgedüst und zu spät ist es, darüber zu sprechen.
Eine Frage hab ich noch: on Amy, ob Michael Jackson, ob andere Künstler oder Surfer – Rampensau auf der Bühne oder auf der Welle und scheu bis lebensunfähig abseits davon. Sind wir alle so?
Eines Tages kam meine Tochter von einer Freundin, Mama Mia summend und überzeugt, das wäre cooles Zeug. als das Summen nicht nachließ, fragte ich sie, ob ich das Lied auflegen soll. cool, sagte meine Tochter zu ihrem Bruder, Mama hat immer die moderne Musik auf CD. ich schmunzelte.
Es ist zwei Wochen her. nun sitze ich im Ledersitz unserer Familienkutsche auf dem Rückweg vom Tagesausflug, die Füße müde vom wälzen gelber Blätter. natürlich hören wir Abba, ab und zu kommt die Frage, was gesungen wird und ich wundere mich, wie wenig ich mich bisher mit den Texten der vertrauten Lieder beschäftigte. die Eindrücke des Tages, die Texte, die gemütliche Alleenfahrt – alles vermischt sich, und plötzlich habe ich das Gefühl, dass mein Leben ein Film ist, der gleich vorbei ist, und völlig unerschrocken schlafe ich ein.
Ich habe zwei Karten für Katie Melua bekommen. und gestern war das Konzert. und als Vorgruppe trat ein Yoav auf, er hat viel mit seiner Gitarre gezaubert und hat trotz fehlender mainstream-melodischer Liedchen uns in eine musikalische Stimmung geschaukelt. und mich überzeugt, seine CD zu erwerben. und mit 37 Jahren besitze ich mein erstes Groupie-Autogramm! yeah!
Der Künstler selbst erschien sehr schüchtern. fleissig, als würde sein Manager ihm im Naken stehen, hat er all die deutschen “für Silke” und “für Sibille” auf seine CD Cover geschrieben, aber weder mit uns geflirtet noch sonst irgendwelche Star-Alluren gezeigt.
Doch im Vergleich mit der nach ihm aufgetretenen Katie Melua hat er sich wie Robbie Williams benommen. Freulein Melua, das süße Kind mit schwarzen Korkenzieher-Locken wußte scheinbar nicht, als was sie von uns wahrgenommen werden möchte – als geniale Musikerin, als amerikanische Folk- und Blues-Sängerin oder als Vamp mit schräger Musik und schrägen Titeln wie “Devil on the bass and God on drums”. und immer wieder erschien sie mir so fern und so fremd. bis auf die drei Lieder, die sie ganz allein, ohne Band, auf der riesengroß erscheinenden Gitarre zupfte.
Und auf dem Rückweg dachte ich mir, wie es wohl mit mir steht, als was meine Welt mich wahrnimmt und ob ich selber weiß, als wer ich auf der Bühne stehe und als wer ich durch die Straße gehen möchte und ob ich das je in meinem Leben in Erfahrung bringen werde, denn über mich kann man ja keine Rezension in der Zeitung finden…….
Gestern Abend haben wir in Brauberger in Lübeck einen netten Kollegen gefeiert, der bald das Projekt verlässt (eine Brezel und zwei Apfelschorlen für Nadja, dass man davon satt und lustig wird hätt ich nicht gedacht). irgendwann kamen wir auch auf weltliche Themen zu sprechen und eins davon war “früher”. und alle erzählten etwas, und meine Geschichte kam zum Schluss:
In meiner russischen Scgule mit erweitertem Deutschunterricht bekamen wir mal Besuch von einer Klasse aus einer deutschen Schule, ich glaube, es war der erste Schülerbesuch aus der damaligen BRD. wie es sich für Gastgeber gehört, haben wir ein Programm vorbereitet, unter anderem haben wir paar Lieder aufgeführt, “Kalinka” und “Katjuscha” kannten die Schüler sogar und haben fröhlich mitgeklatscht. und dann fragte unser Schuldirektor, ob unsere Gäste nicht auch etwas singen möchten. die Schüler haben dich beraten, kamen auf die Bühne und donnerten ein sehr überzeugendes “Eisgekühlter Blmelunder”.
Sehr lange Zeit hielt ich dieses Lied für ein nationales deutsches Volkslied.
Weiter in Lübecker Abendprogramm redeten wir lange darüber, wie es kommen kann, dass die Deutschen so wenig singen. und wenn, dann eher englisch oder Hansi-Lieder. wir Sprachen auch über Oslo und waren uns fast einig, Lena hätte doch lieber deutsch singen sollen. für ein bisschen Frieden.
Auf dem ZDF Doku Kanal hüpfen die Fanta Jungs bereits zwei Stunden auf der Bühne. ich sitze ab und an regungslos davor, unfähig, mich fit und beweglich zu fühlen. um mir selbst zu beweisen, dass ich noch lebe, stehe ich ab und zu auf und schleppe mich irgendwohin, um dort schnell etwas zu erledigen und einen Grund zu haben, wieder zurück aufs Sofa zu fallen.
Ich wär ja gern da, wo ich mir mich wünsche – fit und beweglich, ohne Atemnot im dritten Stockwerk und mit einer Chance, meine Kinder beim Fangspiel zu erwischen.
Wenn ich nur wüßte, wo mein “Disziplin an” Knopf sitzt, würde ich den sofort anknipsen.
Die Fantas machen es einem ganz einfach, zu beschließen, dass das Leben toll ist. danke, Junx! *ein wenig mitwipp*