10 Regeln für ein leichteres Leben

10 Regeln für ein leichteres Leben

Frisch im Internet gefunden: Irische Weisheiten vom Kneipenfenster

  1. Beurteile den Tag nie nach dem Wetter.
  2. Die besten Dinge im Leben sind keine Dinge.
  3. Erzähl immer die Wahrheit, dann musst du dich an weniger erinnern.
  4. Sprich leise, trag ein auffälliges Hemd.
  5. Ziele täuschen. Ein Pfeil, der nicht gezielt ist, geht nie daneben.
  6. Wer mit viel Kram stirbt, ist trotzdem tot.
  7. Alter ist relativ, wer über den Berg ist, wird schneller.
  8. Es gibt zwei Wege um reich zu sein- mehr verdienen oder weniger wollen.
  9. Schönheit ist etwas Inneres- Aussehen bedeutet nichts.
  10. Kein Regen heisst: kein Regenbogen.

Zugegeben, das mit dem auffälligen Hemd habe ich nicht verstanden, aber um so mehr gefällt mir die Idee mit den Zielen und den Pfeilen.

Kennst du so was ähnliches? Weisheiten zum lächeln und nachdenken?

Nadja Petranovskaja Signatur

Eat, Drink, Man, Woman

Eat, Drink, Man, Woman

Meine Freundin Vera wohnt auf dem Land, in einem Paradies aus Platz, Sonne, Natur und Ruhe. Seit 20 Jahren treffen wir uns mindestens einmal im Jahr dort und reden.

Letztes Wochenende war es wieder so weit. Wir trafen uns, haben zusammen gekocht und gegessen, waren im großen Garten unterwegs, haben Walnüsse gesammelt und mit den Kindern zusammen die Fauna entdeckt – Schnecken, Reiher, Frösche… Blick auf den herbstlichen Gemüsegarten, ja, der Sommer war gut, dann noch einen Tee und das alles begleitet mit Gesprächen. Und als ich wieder auf dem Rückweg war, merkte ich, dass es mir sehr gut geht nach diesen Begegnungen.

Weil es uns um das Wesentliche geht.

Eat. Drink. Man. Woman.

Wir essen und kochen gern, beide können wir gut genießen. Das Trinken wird seit je her von den köstlichen selbstgemachten Säften und Sirup-Kombinationen aus dem Garten geprägt. Und dann die Gespräche rund um Männer und Frauen. Liebe. Trennung. Hass. Kinder kriegen. Keine Kinder kriegen können. Verlieben. Gemeinsame Zeiten. Feste. Tränen. Schmerz. Wieder Liebe.

Seit 20 Jahren begleiten wir einander und zu dieser wertschätzenden Freundschaft passt sehr gut eine Indianerweisheit, die ich letztens gefunden habe. Ein paar Zeilen, die mir zeigen, was unsere Freundschaft zusammengehalten hat all die Jahre. Eine Haltung, die – wenn du sie annehmen kannst – dir in sehr vielen Beziehungen helfen kann.

Eine Weisheit über dich

Es interessiert mich nicht, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst.
Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.
Es interessiert mich nicht, wie alt du bist.
Ich will wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen, um deiner Liebe und deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendig seins.
Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen.
Ich will wissen, ob du den tiefsten Punkt deines eigenen Leids berührt hast, ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob du verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual.
Ich will wissen, ob du mit dem Schmerz – meinem oder Deinem – dasitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen.
Ich will wissen, ob du mit der Freude – meiner oder deiner – da sein kannst, ob du mit Wildheit tanzen und dich von der Ekstase erfüllen lassen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.
Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist.
Ich will wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selber treu zu sein. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.
Ich will wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher vertrauenswürdig.
Ich will wissen, ob du Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist und ob du dein Leben aus Gottes Gegenwart speisen kannst.
Ich will wissen, ob du mit dem Scheitern – meinem und deinem – leben kannst und trotz allem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmondes rufst: “Ja!
Es interessiert mich nicht, zu erfahren, wo du lebst und wie viel Geld du hast.
Ich will wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung, erschöpft und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust, was für deine Kinder getan werden muss.
Es interessiert mich nicht, wer du bist und wie du hergekommen bist.
Ich will wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.
Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du gelernt hast.
Ich will wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt.
Ich will wissen, ob du allein sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gerne mit dir zusammen bist.

Und weil ich weiß, wie schwer es in unserer quirligen Welt ist, mit dir selbst zusammen zu sein – ohne Ablenkung, ohne Störung und ohne das bunt hüpfende Gehirn, wünsche ich dir vom ganzen Herzen, dass auch du einen Freund oder eine Freundin hast, mit der du dich gelassen fühlen kannst, ausgelassen lachen kannst und wenn nötig auch bitterlich weinen kannst.

Denn all das bist du!

Großartig, einmalig, liebenswert.

petranovskaja_signatur

 

Ein neues Land zu bereisen ist wie sich selbst neu zu entdecken

Ein neues Land zu bereisen ist wie sich selbst neu zu entdecken

Urlaub ist bekanntlich dafür gedacht, dass man sich erholt. Das macht jeder auf seine Weise. Die einen fahren Fahrrad, die anderen liegen am Strand. Ich setzte mir irgendwann das Ziel, möglichst viele Länder dieser Erde zu besuchen, und so ist Urlaub für mich meistens mit etwas Neuem verbunden.

Diesmal war es Türkei. Das Land Nummer 40 auf meiner “Wo ich schon war” Liste. Und das Land, in dem ich mir sehr viele Fragen über mich selbst gestellt habe.

Zum Beispiel:

  • Bin ich gern Frau oder wäre ich lieber ein Mann?
  • Bin ich verwöhnt?
  • Was trägt zu meiner Entschleunigung bei?
  • Warum wollte ich nie einer Religion angehören?

Das mit Frau und Mann ist ganz einfach: In manchen Ländern ist es gut, eine Frau zu sein (man wird in Russland zum Beispiel immer eingeladen, die Herren der Schöpfung wissen, wie man Türen aufhält und in die Mäntel hilft). In anderen dagegen könnte ich niemals allein reisen (zum Beispiel will ich gern nach Georgien…) Und ja, in der Türkei würde ich mich als alleinreisende Frau auch nicht wohl fühlen. Welch Glück, dass ich nicht alleinreisend bin!

Die Frage mit dem verwöhnt sein kommt schnell, wenn man sieht, mit wie wenig man hier glücklich ist. Einfaches und gesundes Essen, dazu Ayran und Tee. Bescheidenheit und Stolz im Gesicht, großes Herz für Touristen, Hilfsbereitschaft ohne Aufdringlichkeit. Das allein ist schon eine tolle Grundlage sich auf das Wesentliche zu besinnen: das Sein.

Sonne, Wind, Meer. Obst, Teppiche, Minarett-Türme. Viel schlafen, viel trinken, viel laufen. Wenig arbeiten ;-) – eine Entschleunigungs-Kur erster Klasse! Könnte ich zuhause auch so toll entschleunigen? Was brauche ich (oder was müsste ich abschaffen), um mich auch in Hamburg so entspannt zu fühlen, wie im Urlaub?

Und das mit der Religion, hm. Ich habe schon mit sehr vielen Menschen diskutiert, dass Religionen dieser Welt – wo immer sie herkamen – eine sehr schöne Komponente in sich tragen, und das ist die Besinnung. Das bewusste Ansprechen eines anderen Wesens und das Formulieren von eigenen Bedürfnissen.

Das regelmäßige Singen von den türkischen Minarett-Türmen habe ich für mich zum Anlass genommen, jedes Mal daran zu denken, was ich gerade am meisten brauche und wie ich dieses Bedürfnis befriedigen / stillen kann.

Trotz Klima und Gastfreundlichkeit ist Türkei leider nicht das Land, das ich wieder aufsuchen will. Außer vielleicht Istanbul, weil es eine große Stadt ist.

Stattdessen zieht es mich weiter südlich. Nahost und Afrika. Dieses Jahr will ich Giraffen sehen. Aber das sagte ich ja schon.

Wie sieht es mit deinen Reiseplänen aus? Und mit deinen Reisegedanken? Schick mir eine Postkarte von unterwegs ;-)

petranovskaja_signatur

Von Russen lernen heisst leben lernen

Seit der Krise in der Ukraine werde ich regelmäßig danach gefragt, was ich darüber denke.

Meine Antwort: Ich rede nicht über Politik.
Geboren und aufgewachsen in Russland, bin ich zur Hälfte Ukrainerin, und so sind beide Länder ein Teil von mir, doch auch das spielt wenig Rolle bei der Frage nach der Lage in der Ukraine, denn

ich finde alle Kriege doof.

Und: Ich bin gern in Russland (meistens in meiner Heimatstadt St. Petersburg, und wenn ich „Russen“ schreibe, meine ich die Bewohner dieser wunderbaren Stadt).

Weil ich schon sehr lange in Deutschland lebe, fallen mir in Russland zuerst immer zwei Sachen auf: wie chaotisch und wie unpünktlich die Menschen hier sind. Wenn ich mich bei diesem Gedanken ertappe, weiß ich, ich bin ganz schön deutsch geworden. Denn eine Verspätung von 45 Minuten ist in Russland im privaten Rahmen normal und wird selten als Unpünktlichkeit aufgefasst.

Wenn die Russen aufeinander warten, lesen sie meistens. An jeder U-Bahn Station, auch in den unterirdischen Übergängen zwischen den Stationen gibt es Zeitungskioske, die auch Bücher verkaufen. Ein Buch kostet ungefähr zwei Euro.

Früher waren Bücher nicht unbedingt teuerer, aber gute Bücher gab es nicht überall zu kaufen, und ich kann mich daran erinnern, dass es bei meinen Eltern so etwas wie Gehaltsprämie in Form von Büchergutscheinen für bestimmte Bücherserien gab. In unserer Wohnung mit vier Meter Decke und Stuck waren die meisten Wände von unten bis oben mit Bücherschränken verkleidet.

Wenn man Russen über die Sanktionen und die Krim fragt, lautet die Antwort meistens ziemlich deutlich:

Die Krim gehört zu uns.

Die Sanktionen treiben den Dollar- und Eurokurs in die Höhe (ein gutes Argument für eine Reise nach St. Petersburg!). Steigender Dollarkurs und niedriger Ölpreis sind für viele Unternehmer und Bauherren eine Katastrophe, denn immer noch werden viele Vertragssummen in einer westlichen Währung zum tagesaktuellen Kurs abgeschlossen.

Darüber hinaus tun die Sanktionen Russland richtig gut. Ja, das meine ich ernst. Wenn es keinen Parmesan-Käse mehr gibt, weil die Lieferungen aus Italien eingestellt wurden, dann wird eben lokale Produktion hochgefahren. Meine Mutter, Käseliebhaberin durch und durch, behauptet, dass der neue lokale Käse viel besser geworden ist, seit die finnischen Nachbarn nichts mehr liefern dürfen. Überall sprießen Marken hoch, die jetzt eine Chance haben, gegen das gigantische Marketing der ausländischen Großkonzerne anzutreten und sichtbar zu werden. Manche wünschen dem Land sogar, dass die Sanktionen noch 2-3 Jahre andauern, dann wird die lokale Produktion stabil laufen.

Die Tatsache, dass Russen Krisen gewohnt sind, lässt sie erfinderisch werden. Hier sind ein paar Dinge, die ich in meiner alten Heimat lernte:

Sei gut vernetzt

Russen sind ständig am kommunizieren. Chatten, telefonieren, sich verabreden, gemeinsam irgendwohin fahren, Foren füllen, Meinungen teilen. Wenn man sich in St. Petersburg Sushi bestellen möchte, ruft man einfach paar Leute an und fragt, ob jemand etwas Gutes kennt. 10 Minuten später gibt es mehrere Rückrufe, weil jemand, der jemanden kennt, jemanden anders kennt, und der sagt … Das Gleiche gilt für Ärzte, Autowerkstätten und so weiter. Ein schlechter Service oder ein schlechtes Produkt hat in diesem Netzwerk kaum eine Chance.

Sei geduldig

Krise kommt, Krise geht. Wer zu schnell aufgibt, verpasst unter Umständen die nächste gute Welle und kann dann nicht mitsurfen. Galgenhumor gibt es hier kaum. Eher ein entspanntes Lachen über sich selbst. Die Russischen Comedy-Stars haben oft einen überdurchschnittlichen IQ und erklären die politische und ökonomische Lage der Nation besser als jede Nachrichtensendung. Als Russe lernt man schnell, sich Vorräte anzulegen und aus wenig viel zu machen. Grundgelassen und geduldig ertragen die Russen ihre Regierung, die schlechten Straßen und die vielen Veränderungen. Nicht auszumachen, was passieren würde, wenn sie diese Geduld nicht hätten und alle auf die Barrikaden gehen würden…

Sei bescheiden

Wer sich keinen hohen Lebensstandard aufbaut, der kann nicht tief fallen. Die „normalen“ Bürger der nördlichsten Großstadt Europas fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln und essen kein Kaviar zum Frühstück. Dennoch ist das neue Ballett ausverkauft (Ticket im Parterre: 120 Euro). Wie machen sie das, frage ich meine Mutter. Die richtigen Prioritäten setzen, sagt sie. Vielleicht weil es hier keine Tschibo-Shops in jeder Supermarkt-Filiale gibt, sparen die Russen sich das Geld für etwas Schönes und geben es nicht für bunte Haushaltsgegenstände aus. Geburtstage werden meistens in den großen russischen Wohnküchen gefeiert, die Gäste bringen Salate, Süßes zum Tee und Getränke selbst mit, so ist ein Tisch schnell mit Leckereien gefüllt und das Geburtstagskind muss nicht in der Küche stehen.

Sei ästhetisch

Vielleicht hängt es mit der Schönheit dieser Stadt zusammen – die Menschen hier sind wunderschön anzusehen! Russinnen sind ja sowieso die schönsten Frauen der Welt, da gibt es nichts zu diskutieren ;-) Um mit ihren weiblichen Zeitgenossinnen mitzuhalten, geben die russischen Männer einiges! Ob Frisur, Mützen, ausgefallene Jeansmarken, wildgemusterte Hemden, glänzende Jacken oder Accessoires – so eine Vielfalt von sich zurecht machenden Herren habe ich bisher nur in Miami angetroffen. Übrigens finden es die Russen witzig, dass es in Deutschland neuerdings so viele Bartträger gibt. Seit Peter der Erste das Tragen von Bärten am Hof per Gesetz verboten hat, sind Bärte in Russland ein Zeichen für Landei – und nicht für moderne Großstadt wie Berlin.

Sei vielseitig

Wohin man fragt, haben die meisten Menschen mehrere Berufe oder Tätigkeiten. Mal etwas saisonales dazu, mal etwas, was man am Wochenende macht, dann etwas mit Frühstücks-Klub, das sei in Russland richtig wirksam. Dazwischen irgendein relativ stetiger Job. Die russische Werbung ist erfrischend frech, die Großstadtmenschen sind wählerisch und ungeduldig zugleich. Wenn ein Stuhl von IKEA in einem russischen Kinderzimmer zu schnell kaputt geht, muss IKEA ein neues Produkt speziell für kräftige russischen Kinder erfinden. Kaum waren Mc. Donald Restaurants populär geworden, wurden sie von mehreren russischen Fast Food Ketten mit original russischer und größtenteils viel gesünderen Küche platt gemacht. Russen sind wunderbare und sehr ausdauernde Problemlöser, die ein „nein“ nicht akzeptieren wollen und so lange nach einer Lösung suchen, bis sie eine finden. Vielleicht liegt es daran, dass diese Menschen in einem Land aufgewachsen sind, das zwei Weltkriege gewonnen hat. Das prägt, ganz sicher.

Sei Familienmensch

Zusammen arbeiten, zusammen verreisen, zusammen viel Zeit verbringen. Während ich die Besuche bei den Eltern in Deutschland oft eher als „Empfang“ empfunden habe, zu dem man sich hübsch anzeigen musste und bei dem man sich artig benehmen muss, erinnert mich die Zusammenkunft der russischen Familien oft an Erdmännchen. Alle passen aufeinander auf, helfen einander, bekochen sich gegenseitig, leihen sich gegenseitig Geld, und alle fühlen sich wohl und entspannt. Kinder – egal welchen Alters – können Kinder sein, gleichzeitig werden Eltern mit viel Respekt behandelt. Das ist einer der Gründe, warum ich gern zu meiner Familie nach Russland fahre – da kann ich auch unter vielen Menschen einfach ich sein.

Meine Neffen und Nichten laufen um mich herum. Zusammen mit mehreren Generationen feiern wir Sylvester. Es gibt – mitgebrachte – Salate, Fisch und Kaviar. Als Anekdote der Familie wird erzählt, wie der kleine Felix, nachdem er zum ersten Mal vom schwarzen Kaviar probiert hat, wochenlang geschimpft haben soll, wie schlecht dagegen der rote sei.

Statt Neujahrsspaziergang machen wir zu acht eine Stadtrundfahrt in einem Doppeldeckerbus. Bei Minus 15 Grad und strahlendem Sonnenschein kann ich es selbst kaum glauben, in so einer wunderschönen Stadt aufgewachsen zu sein.

Hier sind ein paar kurze Impressionen:

 

 

Zwei Tage später sitze ich im Flugzeug und will hier nicht weg. So geht es mir jedes Mal, seit 22 Jahren bereits. Und dennoch ist mein Zuhause in Hamburg, und da werde ich dieses Jahr einige der letzten Lektionen aus meiner Heimat umsetzen. Den Spruch “Von Sowjetunion lernen heisst siegen lernen” habe ich kürzerhand umgeschrieben. Denn wo die Rede vom Sieg ist, ist auch Kampf oder sogar Krieg. In meinem Leben soll es nur Frieden geben. Das wünsche ich dir für dein Leben ebenfalls!

petranovskaja_signatur

Sechs Videos, die du gesehen haben solltest

Manchmal ergeben sich im Zeit-Raum-Kontinuum Abschnitte, in denen so unendlich viel möglich zu sein scheint. Tiefe Einblicke in mein eigenes und in das Leben anderer Menschen. Mitfühlen, intuitives Spüren, was richtig ist, Entscheidungsfreude, Kraft und Mut.

Während eines solchen Abschnittes ist mir der Film “Words & Pictures” in die Hände gefallen, in dem es – unter anderem – darum geht, ob nur Worte oder Bilder bedeutsamer sind. Dieser Film hat mich deswegen so bewegt, weil ich selbst seit ein paar Jahren viel mit beiden Medien arbeite – fotografieren und schreiben sind zwei meiner Lieblingsaktivitäten.

Ich würde sagen, im Film hat der Worte-Mann verloren. Aber nicht weil er nicht gut in seiner Disziplin war, sondern weil er für die Bilder-Frau Gefühle empfand und nicht siegen wollte.

Im Nachklang des Films habe ich mich gefragt, inwiefern Videos eine Brücke zwischen den beiden Welten darstellen. Zum Beispiel finde ich einen TED Talk viel eindrucksvoller, als puren Vortragstext, weil neben Text auch Bilder vom Redner vorhanden sind. Klar, wenn beide Gehirnhälften mit der Aufnahme der Information beschäftigt sind, sind die Eindrücke intensiver. Geht das auch andersrum? Also wenn zu Bildern passende Worte dazu kommen?

Hier kommen sehs Video-Vertreter, die aus meiner Sicht absolut sehen- und hörenswert sind.

Zuerst möchte ich dir zwei Videos vorstellen, bei denen es um Poesie geht – und die auf verschiedene Weise mit Bildern viel eindrucksvoller sind.

Wie Intuition einen Text auch ohne Worte versteht

Ein bereits erwähnter TED Talk. Ja, dieser ist – wie alle TED Talks – auf Englisch. Und nein, mein Englisch ist nicht so gut, als dass ich das Gedicht verstanden hätte. Also mein in Worten denkendes Hirn hat es nicht verstanden und musste erstmall Begriffe googeln, bis ich wusste, worum es geht. Meine Intuition, die nicht in Wörtern denkt, musste nicht googeln und fand das Gedicht auf anhieb klar und emotional enorm aufwühlend. Prüfe selbst, ob es dir auch so geht:

Blond und weise

Ja, es geht um Julia Engelmann. Ihr Video hat sich seit 2013 mehrfach wunderbar viral verbreitet, und es war so schön, an den Gesprächen dazu teilzuhaben. Ob das Gedicht nur populär sei, weil sie jung und hübsch ist? Mir egal. Das Video ist so simpel, dass man sich total gut auf den Inhalt konzentrieren kann und – aus dem Mund einer bezaubernden jungen Frau – den einen oder anderen Merkzettel verpasst bekommt.

Um einen Kontrast zu schaffen – schaue dir mal an, wie Cameron Diaz im Film “In den Schuhen meiner Schwester” ein Poem vorträgt (“I Carry Your Heart With Me” – “Ich trage dein Herz”). Halb so eindrucksvoll.

Bilder, die nur wenige Worte brauchen

Ein Video, das ich sehr gern mag. Weil es eine einfache und mächtige Wahrheit trägt.

Finde raus, ob du eine Parallele zwischen dir und dem Missing Piece findest…

Ohne Worte keine Bilder

Dann war da noch der Dove Real Beauty Film. Eindrucksvolles Experiment, bei dem aus Worten Bilder wurden, und wo man die direkte Verbindung zwischen den Gedanken, Worten und dem bildlichen Ausdruck dazu sieht.

Eine fast schockierende Weise zu zeigen, warum wir stets gut über uns denken und sprechen sollten – aus unseren Gedanken werden Eindrücke, die andere Menschen empfinden, und daraus ergibt sich oft ein Teil unseres Schicksals.

Mit diesen Bilder wurden Worte mächtiger

Ein Video, das mich regelmäßig in die Tränen treibt, weil es etwas sehr tiefes in mir berührt, etwas reines und klares. Es ist ein fernöstlicher Kurzfilm, der simpel ist und dennoch eine Wucht. Ich bin mir sicher, dass ohne Bilder, ohne DIESE Bilder der dort verwendete Text – auch in sehr großen Buchstaben – nicht zur gleichern Wirkung geführt hätte.

Bilder als Stellvertreter

Warum wir seit Uhrzeiten Geschichten erzählen? Geschichten sind Stellvertreter. Für Abläufe und Wege, die ein Leben nehmen kann, wenn man sich entscheidet. Oder nicht entscheidet. Man kann sich nicht NICHT entscheiden. Das Video, das ich als Nummer sechs vorschlage, ist so ein Stellvertreter. Eine Geschichte, die viele Botschaften enthält – und du kannst deine entnehmen. Meine Botschaften waren:

  • es ist nie zu spät
  • was zählt wirklich?
  • was passiert, wenn ich mich nicht entscheide?

Viel Spaß!

Hast du auch Lieblingsvideos? Oder Lieblingsbücher? Lieblingsschallplatten? Was bewegt dich, was weckt dich auf? Was regt dein Nachdenken an? Wenn du magst, teile es in den Kommentaren ;-)

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Früher (eine Ode an die schöne Kindheit)

Früher (eine Ode an die schöne Kindheit)

Früher, als meine Oma noch lebte, lebte sie genau drei Tage Zugfahrt von Sankt Petersburg entfernt. Und Sankt Petersburg hieß früher Leningrad, und in Leningrad wuchs ich auf.

Da die Sommerferien in Russland genau drei Monate dauern (Juni, Juli und August), und kein Angestellter dieser Welt so viel Urlaub hat, verbrachten mein Bruder und ich viel Zeit bei unserer Oma. Die Zugfahrt – mit Umsteigen in Moskau – führte durch relativ flaches Land und über eine Menge Brücken. Auf den größeren Bahnhöfen warteten lokale „Babuschkas“ auf unseren Zug mit frisch gekochten warmen Pellkartoffeln und Piroschki, das sind gefüllte Teigtaschen mit Pilzen, Äpfeln, Kohl, Quark, was immer die Fantasie und das Können der jeweiligen Frau zuließ. Wir haben uns auf jede Station gefreut – zum einen, weil wir dann ein wenig laufen konnten, zum anderen, weil es uns so gut geschmeckt hat, was wir von den Babuschkas gekauft haben.

Meine Oma hatte sich im Badezimmer eine Dunkelkammer eingerichtet. Das bedeutet, ein Gitter auf die Badewanne gestellt und dort auf gefühlt zwei Quadratmetern all die Fotos gemacht, die ich von meiner Kindheit habe. Hätte meine Oma nicht die Ausdauer, die Geduld und die Hartnäckigkeit gehabt, wüßte ich vermutlich nicht, wie ich als kleines Kind ausgesehen habe.

Danke, Oma!

Im Garten von meinem Opa wuchsen all die Obst- und Gemüse-Produkte, die wir heute in der Gemüseabteilung kaufen. Bis auf die ganz exotischen, die eh kein Mensch braucht. So lernte ich, dass Erdbeeren angehäuft werden wollen und wie man den Kartoffelkäfer bekämpft. Ich weiß auch, dass kein Biogemüse dieser Welt an die duftende und mundwassertreibende Qualität des selbstgezüchteten und selbstgeernteten Gemüses ran kommt. Die Äpfel haben wir dann nach der Ernte in Scheiben geschnitten und auf selbst gebastelten Gittern auf dem Balkon getrocknet. Im Winter gab es daraus Kompott, die Süße und der Duft des Südens im dunklen verregneten Leningrad. Niemand vermisste Cola.

Nach ein paar Jahren hat sich etwas verändert, und wir konnten plötzlich mit einem Flugzeug zu Oma. Das waren damals noch Flugzeuge, in denen Hutablagen aus Holz waren und wo es kein Bordservice gab. Jede Flugzeugreise endete mit einer vollen Kotztüte, doch als Belohnung nach den überstandenen Strapazen gab es einen riesigen roten Apfel von Oma und eine voll abenteuerliche Fahrt mit Opa’s Volga. Abenteuerlich allein deswegen, weil wir als Stadtkinder sonst nie mit einem Auto fuhren, denn früher waren Autos nur etwas für Bonzen oder Menschen mit wichtigen Posten in den sogenannten Strukturen, und mein Opa war zwar kein Bonze, aber Abteilungsleiter in einer Fabrik, und so bekam er ein Auto zugeteilt. Dieses Auto, das herrlich nach Benzin roch und so wunderbar brummte, wurde nur an besonderen Tagen aus einer Garage abgeholt, und diese Rituale machten den Besuch bei Opa und Oma für mich zu einem Urlaub im Zauberland.

Abends haben wir dann alle zusammen frisch geerntete Kartoffeln mit Butter gegessen, dazu gab es fleischige Tomaten mit Schmand und Salz, und ich kann mich in meinem Leben nur noch an ein paar andere Momente erinnern, in denen ich das Essen so sehr genossen habe, wie diese einfachen Mahlzeiten aus dem selbst geernteten und mit dem Volga-Auto transportierten Gemüse.

Nach dem Essen mussten wir Kinder natürlich früh schlafen, was wir aber nicht taten, denn es gab bei Oma Bücher, die wir noch nicht gelesen hatten, und wozu gibt es Taschenlampen, wenn nicht für diese heimlichen Lesestunden?

In den Monaten zwischen den Sommerferien schrieben meine Oma und ich uns Briefe. Das waren meistens mehrere Seiten Text, alles mit einem Kugelschreiber auf dem karierten Schulheftpapier. Bestimmt streckte ich dabei meine Zunge raus, den ich schrieb meiner Oma sehr gern, und es war keine Last, ihr alles zu erzählen, was ich erlebte. Meine Briefe von damals kann ich leider nicht mehr lesen, aber ich trage bei jedem Umzug die Briefe meiner Oma mit mir in einem Schuhkarton. Viele Seiten Text, frei von Sensationen und Schlagzeilen, beruhigend wie das Schnurren einer Katze.

Warum schreiben wir uns heute so nicht mehr?

Früher gab es kein Internet. Kein Skype. Kein Facebook. Entschleunigung, Achtsamkeit, Genussfähigkeit – all das, was wir heute vermissen und wieder lernen, war früher inklusive. Wir hatten für alles Zeit.

  • Was mache ich aus diesen schönen Erinnerungen?
  • Wie gehe ich im Hier-und-Jetzt mit Sehnsucht nach Simplifizierung und Klarheit des Lebens um?
  • Was kann ich meinen Kindern bieten, damit sie eines Tages auch so begeistert von ihrer Kindheit berichten und die Tage bewusst erleben – als eine Zeit voller Geräusche, Farben, Gerüche, Geschmäcke und Berührungen und nicht nur als einen endlich abgelaufenen Wartebalken im Monitor?

Was denkst du?

petranovskaja_signatur

 

 

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