Ein Warnsignal

Ein Warnsignal

Mein Unbewusstes sendete mir heute ein Warnsignal, denn heute Nacht träumte ich vom Reisen. Ich sah mich, die Flughafenhallen, meinen goldgelben Koffer und ich wusste sogar, von wo nach wo ich fliege. Es ging von einem wichtigen Meeting aus Los Angeles zurück nach Hamburg. Meine Kollegin musste nach Dubai mit Umsteigen irgendwo auf der Ostküste.

Bevor ich stundenlang weitere Details meines Traumes aufliste: worum ging es wirklich?

When day comes we ask ourselves,
where can we find light in this never-ending shade?

Amanda Gorman

Alles wie vorher

Es war alles wie vorher. Wir standen eng an eng in der Schlange an einem Flughafen – Halle aus Beton. Die Security Kontrolle dauerte ewig. Wir unterhielten uns wirklich auf dem besten Business-Kasper Niveau darüber, wer von wo nach wo fliegt und warum. Wir holten alle Flüssigkeiten aus dem Handgepäck.

Es war alles wie früher.

Dämmert es?

Mein Unbewusstes (oder wo auch immer meine Träume so herkommen) hätte alles auf der Welt auf die innere Projektionsfläche werfen können. Ich könnte zum Mars fliegen. Oder ein Fisch sein. Aber nein, ich sah mich im Traum etwas tun, was ich sehr gut kenne.

Hypothese eins:es ist m eine Sehnsucht nach dem Reisen, dem Erleben.
Hypothese zwei: es ist ein Warnsignal.

Ich entscheide mich für das Warnsignal

Was, wenn wir die Situation, in der wir gerade sind, NICHT dafür nutzen, etwas zu verändern? Was, wenn wir die Gelegenheit verpassen, unser Leben neu zu gestalten und zu transformieren? Was, wenn wir – geimpft oder anderswie für den Virus unangreifbar gemacht – einfach zurück kehren in das Leben vor Corona und nichts, gar nichts mitnehmen außer der Anekdoten über das Toilettenpapier?

Wovor wollte mich mein Denksystem noch warnen?

Vielleicht davor, dass ich in diesem ganzen Geschehen eine Rolle spielen könnte? Dass ich mich entscheiden kann, ein Teil der Lösung zu werden statt ein Teil des Problems zu bleiben?

Fragen

  • Wie sollen wir denn etwas gestalten und verändern, wenn ein Teil von uns kaum weiß, wovon morgen die Miete bezahlt werden soll?
  • Wie sollen wir denn klar denken, wenn uns die (oft echt bekloppten) Schlagzeilen immer wieder in Angstzustände schicken?
  • Wie sollen wir unternehmerisch und mutig handeln, wenn wir – Kraft der Situation – immer weniger selbst entscheiden dürfen?

Was macht es mit dir?
Was macht es mit uns?
Was können wir damit machen?
Was machen wir daraus?

Ein Wortspiel muss nicht ein Wortspiel bleiben. Wer meinen Blog regelmäßig liest, der weiß, wie sehr ich mich dafür einsetze, dass wir mündig, mutig und selbstbewusst durch das Leben gehen.

Manchmal helfen dabei schon recht kleine Dinge. Hier eine Liste von Wunderwaffen, die du nutzen kannst, um Menschen um dich herum zu ermutigen, zu stärken und zu erinnern, wozu wir als Gemeinschaft in der Lage sind:

Fünf Wunderwaffen einer Gemeinschaft

Die Wunderwaffe #1: Atme tief ein und bitte dein Gesicht darum, ein kleines Lächeln auf die Lippen aufzusetzen. Diesen Schritt nenne ich Wunderwaffe, denn dieses kleine, wirklich fast nur für dich selbst bemerkbare Lächeln, über ein paar Minuten auf dem Gesicht verbleibend, sendet deinem Gehirn einen Befehl: starte Produktion von Glückshormonen. Und bist du erstmal im Zustand der “gehobenen Gestimmtheit“, sind tausende von Problemen plötzlich absolut unwesentlich. Und andere anstecken tust du mit deinem Lächeln auch.

Die Wunderwaffe #2: Wenn du mit jemandem sprichst, höre zu. Wahrhaftig, aufmerksam und ohne antworten zu wollen. Frage nach, höre hin, nimm die Signale wahr, die nicht in den Worten, sondern in der Stimme oder der Geschwindigkeit des Gesprochenen versteckt sind. Sage, was du hörst: benenne die Emotion, die bei dir ankommt. Wie empfindest du den Menschen, der dir gerade etwas erzählt. Fühle mit. Sei mit deinem Gesprächspartner in seinem Raum.

Die Wunderwaffe #3: Sage etwas Nettes. Das klingt so banal, und dennoch tun wir das so selten. Wenn du sagst, dass du dich freust, deinen Gesprächspartner zu sehen, dann füge hinzu, warum. Was lösen eure Gespräche (beruflich oder privat) bei dir aus?

Wunderwaffe #4: Biete deine Hilfe an. In nur wenigen Fällen wird die Hilfe wirklich abgerufen, aber das Gefühl, nicht allein zu sein und im Zweifelsfall jemanden fragen zu können, wirkt Wunder.

Wunderwaffe #5: Frage nach Hilfe. Die andere Seite der Medaille wirkt deswegen, weil andere Menschen auch gern helfen und sich dabei großartig fühlen. Und wir rücken stärker zusammen, zu einer Gemeinschaft, die alles schaffen kann.

Du könntest mir zum Beispiel helfen, diese Liste zu vervollständigen. Was würdest du in dieser schwierigen Zeit als Wunderwaffe für mehr unternehmerisches und mutiges Denken und Handeln?

Ich freue mich über Ideen!

When day comes we step out of the shade, aflame and unafraid
The new dawn blooms as we free it
For there is always light,
if only we’re brave enough to see it
If only we’re brave enough to be it

Amanda Gorman
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Mein Corona-Tagebuch

Tschaikowski (Woche 34)

Tschaikowski (Woche 34)

Ich sitze in der Elbphilharmonie und höre Tschaikowski. Dieser Satz hört sich in dieser Woche für mich selbst an, als wäre er aus einem Science Fiction Film.

Ab nächster Woche haben wir neue Corona Regeln, und Konzerte gehören zu den Erlebnissen, die dann – vorerst für einen Monat – nicht stattfinden. Dabei ist Tschaikowski eine so wunderbare Begleitung durch den November! Zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode getrübt war er den Russen zu europäisch. Und die Europäer sagen, er schreibt so russische Musik. Alles eine Sache der Perspektive.

Das versuche ich diese Woche auch mit Corona. Von wo betrachte ich die Situation, damit sie mir schmeckt?

Diese und andere guten Fragen sind diese Woche in meinem Kopf aufgetaucht. Es ist überhaupt mal wieder klar und deutlich in meinem Kopf. Nicht nur laut und viel. Ein gestimmtes Orchester statt des Gebrabbels im Foyer. Meine Freundin Birgit meinte, ich hätte mich gewandelt. Von einem Perlwein zu Champagner. Dieses Bild gefällt mir, denn ich weiß, Corona hat dabei eine Rolle gespielt.

Wenn die Dinge schwierig werden, ist es leichter zu entscheiden, was wirklich wichtig ist.

Wenn nicht alles wie bisher möglich ist, dann ist es klarer, was jetzt wirklich gebraucht wird.

Familie. Umarmungen. Zusammenhalt. Unterstützung. Tschaikowski ist eine Kirsche auf dem Cocktail. Muss nicht. Aber wenn schon, dann bitte so wie gestern. In der Elbphilharmonie. Mit einem sagenhaften Solisten an einer Paganini Geige.

Dass das Zupfen und Zerren an einem Rosshaar solch wunderbare Töne hervorrufen kann! Hach!

Ich sitze da und verabschiede mich. Es fühlt sich seit der letzten Woche schon nach Abschied an. Jetzt fallen die Blätter von den Bäumen und machen mit ihrer Bodenbedeckung die Metapher komplett. Irgendwas ist vorbei. Over.

Loslassen, gedanklich umarmen und loslassen. Das wird schon. Wenn du mir nicht glaubst, schalte dir etwas von Tschaikowski ein. Mit Harfe und Glöckchen.

petranovskaja Unterschrift signatur

Mein Corona-Tagebuch

Gegenwart (Woche 32)

Gegenwart (Woche 32)

Gegen was ist die Gegenwart? Oder was wart sie?

Ich liebe die deutsche Sprache, und das Wort “Gegenwart” reizt mich immer wieder. Es ist wie eine kleine Schatztruhe voll mit möglichen Überraschungen. In der Gegenwart passiert stets so viel, und die letzte Woche zusammenzufassen hat dieses Mal wieder etwas länger gedauert.

Teresa Werner

Das Kennenlernen von neuen Menschen ist für mich immer wieder wie Weihnachten, und diese Woche hat so viele Weihnachtsgeschenke für mich gebracht! Das eine davon möchte ich mit euch teilen, und dieses Geschenk ist Teresa. Sie spricht am laufenden Band faszinierende Sätze, und mein Kopf schafft es einfach nicht, da gleichzeitig zuzuhören und mitzudenken. Das eine Zitat, das mich sofort zum Ausflippen gebracht hat, war die Abwandlung des Kant’schen:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

E. Kant

Aufklärung spielt in der Coronazeit eine wichtige Rolle bei uns, und jawohl, diese Zeit bringt viele mündige Menschen hervor. Die Teresa hat ihre eigene Version geschaffen, und diese geht so:

petranovskaja gegenwart zitat aufklärung
Zitat von Teresa Werner

Bumm! Das hat gesessen. Das hat mich mitten im Herzen getroffen, tue ich doch gefühlt seit Jahrzehnten nichts anderes, als genau dies. Nur ohne so viel Klarheit. Mit einer anderen Klarheit. Und ich spüre: ich wünsche mir etwas anderes.

Verwirrung und Erschöpfung

Ich fühle und ich nehme um mich herum zwei Dinge wahr: Verwirrung und Erschöpfung. Wir sind Corona-müde. Viele, die wie ich, in ihrer Selbständigkeit Gott und die Welt auf den Kopf gestellt habe, ihr Business neu erfunden haben, tausend neue Dinge gelernt haben, mit den Kunden in völlig neuen Diskussionen gesteckt haben, sind erschöpft. Müde. Haben leere Batterien. Manche fangen sogar an, öffentlich darüber zu sprechen, und das trifft.

Ich spüre meine eigene Müdigkeit und verschreibe mir ein ruhiges Wochenende. Alleine. Viel frische Luft, Hamburger Nebel und Hamburger Sonne, viel Schlaf, gutes Essen und gute Bücher … nein, keine Bücher. Filme, Telefonate mit Freunden, lange nicht mehr gehörte Platten.

Weniger müssen. Mehr sein. Spürend as da ist. In der Gegenwart verweilen. Die Gegenwart wahrnehmen. Der Gegenwart etwas beisteuern, wahrgeben nennt das die Birgit Dierker. Raus aus Resignation und Leere, das sind Bewertungen der Gegenwart. Rein ins zuhören, sein, atmen und durch rein ins wahr werden. Werden, wer wir sind. Raus aus der selbstverschuldeten Menschlichkeit.

Dave Snowden

Während ich mit diesen mantraartigen Gedanken meinen Tee in die Tasse gieße und nichtsahnend im Computer rumklicke, spült der Ozean aus allen möglichen Informationen mir mit der nächsten Welle vier Aussagen von Dave Snowden vor die Füße. Sie sind so bitterböse wie zuckersüß. Wunderbarst treffend und gleichzeitig eine große Bühne für Diskussionen und Auseinandersetzungen. Hier eine Übersetzung:

Wenn du wirklich etwas verändern willst, dann hör auf, Listen mit idealisierten Qualitäten zu erstellen, wie die Dinge sein sollten – sie werden immer als belanglose Plattitüden enden – konzentriere dich auf das Verstehen und kritisches Agieren in der Gegenwart, um die Dinge in eine bessere Richtung zu lenken.

Ein guter Orientierungssinn und ein Verständnis dafür, was möglich ist und was Optionen offen hält, ist wichtiger als irgendeine messianische Zukunftsvision; letzteres, was auch immer die Absicht sein mag, ist nur eine Ausrede dafür, sich nicht mit der gegenwärtigen Realität auseinanderzusetzen.

Und höre endlich mit dem paternalistischen Versuch auf, zu definieren, wie Menschen denken und eine XYZ-Kultur entwickeln, und konzentriere dich stattdessen darauf, Verbindungen zu schaffen und zu verändern und Menschen in kleine Aktionen im Hier und Jetzt zu verwickeln. Bewusstseinswandel hat den Beigeschmack von Belehrung.

Oh, und es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Verständnis, dass alles miteinander verbunden ist, dass kleine Dinge bedeutende Veränderungen und unbeabsichtigte Folgen katalysieren können auf der einen Seite und der Illusion, dass man das System als Ganzes sehen kann oder sollte.

Dave Snowden, übersetzt

Ich habe ein weiteres Bumm! in meinem Schädel und bin dankbar. Ich denke nach. Ich höre meinen Gedanken zu. Ich sehe innerlich eine Medaille, die sich ständig dreht und mir in jeder Sekunde beide Seiten zeigt.

  • Laut und leise
  • Neu und alt
  • Bunt und grau
  • Müde und begeistert
  • Zerstörerisch und schöpferisch

Es ist kein “entweder-oder” in diesem Hier-und-Jetzt möglich. Sobald ich mich für eine Seite dieser Medaille entscheide, sehe ich schon wieder die andere. Sehe ich das Gute in der Situation, fordert etwas Trauriges meine Aufmerksamkeit. Entschiede ich mich für müde und traurig sein, weckt etwas mein Interesse und lockt mich in die Ekstase der Schöpfung.

Der Krisenbegleiter

Denn diese Woche haben wir den Krisenbegleiter in den Druck geschickt, ein zweites Selbstcoaching-Buch von Birgit Dierker und mir. Einen Begleiter in den Zeiten der Verzweiflung, des Nicht-mehr-weiter-wissens, der Müdigkeit und der Leere.

Ein Buch, das Snowden und Werner vereinend, in kleinen Aktionen im Hier-und-Jetzt jedem von uns zurück zu unserer Menschlichkeit hilft. Ein außen grünes, innen mit 41 farbigen Seiten buntes Ergebnis unserer Kreativität und Schreibkraft, mitten in dem Corona-Sommer als Idee entstanden und nun umgesetzt.

Jetzt erst recht!

Mein rebellisches Ich will nicht Krise schieben oder bekämpfen, ich will leben, mit einem großen Lächeln und einem weit reichenden Leuchten. Ich ziehe mich hübsch an, gehe in die Maske, tanze zu meinem Lieblingslied und gehe raus. Ich spaziere in der bunten Herbstluft, ich genieße den Cappuccino bei Jacqueline (der es leider immer noch sauschlecht geht wegen Corona) und schiebe mit einem lauten Rauschen die Blätter durch die fast menschenleeren Straßen.

Wie viele verschiedene Gefühle passen eigentlich gleichzeitig in ein Gemüt?

Später gehe ich am Strand spazieren und genieße solche und andere Fragen. Die Wellen, unermüdlich den Sand leckend, erinnern mich daran, dass Aufgeben keine Option ist. Die Stimmen der Zitate in meinem Kopf erinnern mich daran, dass ich zu keinem Zeitpunkt – niemals – alleine bin oder war, und mit dieser Gewissheit lässt sich die große Unsicherheit dieser Zeit ein Stückchen besser aushalten.

Oder?

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Mein Corona-Tagebuch

Shit in, shit out (Woche 29)

Shit in, shit out (Woche 29)

“Shit in, shit out” hüpft es plötzlich aus meinem Mund. Wir sprechen über Führung und über Corona. In vielen Unternehmen hat Corona zu vielen Veränderungen verholfen. Leider ist das Thema Führung meistens nicht angefasst worden. Meine Teilnehmer – mit mir zusammen auf der Pausen-Terrasse eines Seminarhotels – gucken mich verwundert an. Solche Worte sage ich selten.

Wir sprechen über viel zu viele Meetings, die zu lange dauern, nicht vorbereitet und schlecht moderiert werden. Wir sprechen darüber, ab wann es die Verantwortung jedes einzelnen Mitarbeiters ist, diese Kette zu durchbrechen und wie man auf verschiedene Arten und Weisen Nein sagt.

Es ist ein überwältigendes Gefühl, wieder mitten drin zu sein. In keiner der online Sessions konnte ich mit den Teilnehmern so tiefe Einblicke in die Kultur der Firma oder in die Philosophie der Führung gewinnen. Es ist für mich einfach anders, in Präsenz zu arbeiten.

Praise in, praise out

Wir sprechen über Feedback, Lob und Kritik. Ich präsentiere die umgekehrte Glücksformel von Shawn Anchor. Zuerst wird diese massiv in Frage gestellt. Dann bringen die Teilnehmer plötzlich nach und nach eigene Beispiele, wie diese funktioniert. Erinnern sich an Situationen, in dene sie genau das erlebt haben. Wir feiern diese Erkenntnis und gehen eine halbe Stunde früher aus dem Seminarraum.

Drei Tage zuvor beschließe ich, die Arbeit Arbeit sein zu lassen und mich bewusst der Freizeit hinzugeben. Das geschieht immer noch unter dem Einfluss des wunderbaren “Do nothing” Buches, und ich bin überglücklich und leicht.

In diesem Zustand schaffe ich alle Aufgaben von meiner To Do Liste in der Hälfte der geplanten Zeit und telefoniere kreuz und quer durch meine Freundesliste. Es fühlt sich an wie ein Paralleluniversum. So viel Zeit und so viel Freude, und das nur, weil ich mir selbst erlaubt habe, Spaß und Freude zu haben!

petranovskaja-begegnungen

Shit in, shit out

Heute war in Hamburg übrigens wieder “Friday for future”, was bedeutet, dass die Autos auf der Straße vor meinem Büro zehn mal so laut waren wie sonst wegen Hupen, quietschenden Bremsen und Anfahren. Dazu etliche Blaulichtfahrzeuge. Das alles war hoffentlich eine erfolgreiche Energie- und Nerveninvestition in unsere umweltfreundliche Zukunft.

Warum mein Satz so zweifelnd klingt? Weil ich das gern anders erreicht hätte. Mit weniger Kampf, mit weniger Gegnerschaft und Protest. Weil mich diese Aggression wieder an “Shit in, shit out” erinnert. Wie du in den Wald hinein rufst… Ich bin immer wieder sehr nah an etwas, was sich als eine Möglichkeit anfühlt, das zu erreichen. Die Intuition braucht nur etwas mehr Ruhe, um die Antwort zu flüstern.

Und die Ruhe kommt aus dem herrlichen Nichtstun, Dolce Far Niente (it) oder Leisure (en).

In diesem Sinne, schönes Wochenende!

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Mein Corona-Tagebuch

Zukunft? Egal! (Woche 24)

Zukunft? Egal! (Woche 24)

Alle reden sie von der Zukunft. Natürlich ist Corona nah wie vor mitten drin und schmeißt Pläne um oder zeigt uns, was es bedeutet, wenn nicht alles “einfach so weiter geht”. Wieso überhaupt weiter? Hier ist es auch schön!

Die Zukunft, das ist so ein schwer greifbares Mysterium. Mein Vater würde sagen: die gibt es nicht. Wir können eh nur in der Gegenwart sein und in der – stark persönlich gefilterten – Vergangenheit herumwühlen.

Wozu also all diese Zukunftsgedanken und Gespräche? Wie viele Kongresse, Konferenzen, Barcamps finden weltweit statt, die versuchen, etwas Zukunft zu greifen… (so auch das PM Camp in Berlin :-))

Zukunft ist langweilig. Zukunft ist echt total egal.

zukunft egal
Wohin? Egal!

Das ist falsch!

Dass Zukunft egal ist, ist falsch? Überzeuge mich vom Gegenteil! Was ist denn verkehrt an der Gegenwart? Was fehlt im hier-und-jetzt, um glücklich zu sein? Warum müssen wir uns Gedanken machen? Wozu die ganze Aufregung? Wozu was strukturieren, formen, erfinden?

Wir haben alles. Uns geht es gut.

Wozu dann Zukunft malen?

Lasst uns hier und jetzt genießen und einfach nur (wie Loriot oder Astrid Lindgren) hier sitzen.

petranovskaja Zukunft egal

Meine These ist: nur wer die Gegenwart nicht genießen kann, macht sich dauernd Gedanken um die Zukunft. Es wurde mal gesagt, die Unzufriedenen erfinden Neues, erschaffen Parteien und Lobbies und finden andere, mit denen sie dann auf die Barrikaden gehen.

Wer nicht zufrieden ist mit dem, was er hat, der wäre auch nicht zufrieden mit dem, was er haben möchte.

Berthold Auerbach

Wenn ich genauer hinsehe, könnte ich so weiter machen.

  • Bekloppte Chefs, die ihre Mitarbeiter quälen? Sind unzufrieden.
  • Gierige Kapitalisten, die alles für Profit tun? Können den Hals nicht voll kriegen, weil sie nicht glücklich sind mit dem, was sie schon haben.
  • Faule Lehrer, die weder kreativ noch initiativ sind bei der Umgestaltung des Unterrichts? Haben keine Lust auf die Kids und ihre Arbeit.

Im Hier-und-jetzt zufrieden zu sein und sich gar nichts zu wünschen… wer in deinem Umfeld kann das richtig gut? Wie oft reden diese Menschen davon, dass wir eine andere Zukunft brauchen? (Achtung, es ist immer noch eine Hypothese!)

Ja, ich bin gerne Psychologin und ich beschäftige mich sehr gern mit den Fragen, was uns antreibt und was uns zufrieden macht. Ich habe auf sehr viele Fragen keine Antwort, und das stört mich nicht, denn manchmal sind gute Fragen schon Impulse genug.

Darüber hinaus befasse ich mich sehr gern mit der Zukunft. Ich wäre gern auf dem PM Camp Berlin dabei, um zu erleben, was uns bewegt und welche Fragen wir uns stellen. In der Tat beschäftigt es mich regelmäßig, was wir aus dieser Corona-Phase machen werden, und genau deswegen gibt es auch diesen wöchentlichen Blog.

Zukunftsfähigkeit

Lustigerweise habe ich mich lange damit beschäftigt, was ein Team oder ein Unternehmen zukunftsfähig macht. War auf ein paar Konferenzen und Kongressen und habe einen dicken Ordner mit Dateien dazu auf der Festplatte. Was immer seitdem passiert ist, ich empfinde das Versuchen, die Zukunft zu sehen oder zu planen grundlegend falsch. Es sei denn, du bist eine Hexe oder ein Zauberer und kannst die Zukunft sehen, das ist dann natürlich eine besondere Gabe. Bei “Man in black” gab es mal einen Alien, der konnte alle möglichen Zukunftsszenarien gleichzeitig sehen und wusste dennoch nicht, welches davon eintreten wird.

Weil es einfach zu komplex ist, und jedes einzelne Szenarium ist möglich.

Was macht ein Team oder ein Unternehmen zukunftsfähig? (Im Sinne des kapitalistischen “höher-weiter-besser” Überlebenswillens):

  • Nachhaltiges Handeln (sehr schön beschrieben von Hans-Peter Dürr)
  • Bewusstheit über das WARUM
  • Gelassenheit
  • ein gutes humanes Miteinander

Keine Hexenkunst, und dennoch selten vorzufinden. Die Liste ist natürlich weder wissenschaftlich belegt noch vollständig :-)

Die Welt steht Kopf, das gibt uns neue Perspektiven

Sich am Strand mit der Zukunft zu befassen, das funktioniert überhaupt nicht, darüber habe ich letzte Woche geschrieben, und diese Woche habe ich es einfach nochmal genossen. Was am Strand gut geht, ist kreativ im Flow sein. So wird es demnächst eine virtuelle Version des Create-Your-Year Formats geben und einen Krisen-Begleiter, beides bereits vorbestellbar.

Darüber hinaus wächst und gedeiht unser Handbuch der Entscheidungen. Es nimmt Form und wird mit dem Feedback der Leser immer nützlicher. Wenn du magst, trage dich in unseren Buch-News Verteiler ein.

Und dann noch das New Work Format – Journeython, mit dem Disclaimer, dass wir selbst recht kritisch mit dem Wort “New” umgehen.

Und ein virtuelles Format aus der Wondercards-Schmiede: eine Facilitation School für Agile Coaches und Scrum Master. Und natürlich auch für alle anderen, die mit Gruppen arbeiten. Ist in der Testphase und wird voll lustig, ich sag nur: cat content!

Mach dir nicht so viele Gedanken!

Jemand sagte mir diese Woche, ich soll mir nicht so viele Gedanken um die Zukunft machen Da habe ich mich selbst dabei ertappt, zu grübeln, statt den Moment zu genießen, Und zu genießen gab es so viel! Den Sommer, die Sonne, den Strand und die vielen guten Gespräche, die sich teils spontan und teils aus “aufgeschoben ist nicht aufgehoben” ergaben.

Jetzt genieße ich meinen Kaffee und wünsche dir vom Herzen, dass du ein Lächeln auf deinen Lippen hast.

So long,

petranovskaja Unterschrift signatur

Mein Corona-Tagebuch

Das Boot (Woche 20)

Das Boot (Woche 20)

Neulich war ich Boot fahren. Es hat total Spaß gemacht, und ich merkte, wie sehr eine Sehnsucht nach mehr Leben sich in mir ausbreitete. Schließlich bin ich seit März fast arbeitslos, habe dennoch viel zu tun – vor allem wegen der Wohnung.

Ich merkte, wie schnell ich schlechtes Gewissen bekam. Dass ich so wenig arbeite und dass ich mir auf diesem Boot mehr solcher Tage wünschte. Als ob das verboten sei.

Ja, das ist ein Bestandteil unserer Kultur. Irgendwann Ende des 18. Jahrhunderts ing es an, dass es mehr verpönt erschien, nicht zu Arbeit zu kommen als nicht zu Kirche zu gehen.

Und dann war da noch das eine Buch, das ich (parallel zu anderen Büchern) zur Zeit lese. Auf dem Titel steht: “Do nothing. How to break away from overworking, overdoing and underliving”.

Underliving. Ja, das ist das Wort. Die stille Sehnsucht nach mehr Leben pro Tag, nicht mehr Geld und nicht mehr Ruhm oder Erfolg. Mehr am Meer sein, Freunde treffen, Musik hören, Füße ins Wasser stecken – all das sind Dinge, die kein Geld kosten und dennoch so wertvoll sind.

Ist Corona gar keine Krise?

Aus den vielen Gesprächen mit Kollegen und Freunden weiß ich, dass ich nicht allein bin mit diesen Gedanken. Bei manchen sind diese durch das starke und intensive Familienleben hervorgerufen, bei anderen durch die neue Nähe mit Eltern und Nachbarn. Die Sehnsucht lässt sich von solch einfachen Dingen nähren wie gemeinsame Pizzaabende, Spaziergang und Aufräumen.

Zeit haben. Corona ist aus dieser Perspektive keine Krise für mich. Ja, die Wirtschaft leidet. Und ja, es ist anders, als vorher. Doch die Krise, diese Bewertung, die kommt aus dem, was uns wichtig erscheint. Zum Beispiel, dass es einfach so weitergeht, wie bisher. Vielleicht war alles, was vor Corona war, Krise. Vielleicht ist jetzt hier der Gegenteil da und wir haben eine Gelegenheit, eine wunderbare, humane und menschenorientierte Zukunft aufzubauen.

Ein Bekannter von mir kommt aus Finnland und arbeitet dort auf einem Boot. Da haben wir es wieder, ein Boot. Eigentlich hat er Urlaub, dennoch geht es ihm oft wie mir: wenn die Inspiration erst mal da ist, möchte man ihr folgen. Was er festgestellt hat: ein Boot als sehr ungewöhnliche Arbeitsumgebung ist extremst inspirierend.

Dieser Gedanke schließt sich wunderbar an meinen Blogbeitrag von letzter Woche an: was genau ist Arbeit? Warum nennen wir manche Tätigkeiten Arbeit, andere erscheinen uns wiederum nicht richtig in diesem Zusammenhang? Darf man das „arbeiten“ nennen, wenn man auf einem Boot ab und zu E-Mails abruft und diese beantwortet? Darf man das arbeiten nennen, wenn man auf einem Boot über die Zukunft nachdenkt?

Was denkst du darüber und was ist deine ungewöhnlichste Arbeitsumgebung?

petranovskaja segelboot
Neulich an der Alster in Hamburg
petranovskaja umzug
Der Umzug: Arbeit und Genuss zugleich.
petranovskaja reparatur 1
Das Zauberwort heisst ENDANSTRICH. Bald fertig!
petranovskaja reparatur 2
An manchen Stellen entsteht spontane Kunst

Mein Corona-Tagebuch