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Warum es gut ist, ein Narr zu sein

Warum es gut ist, ein Narr zu sein

In Russland gibt es ein Sprichwort, das heißt: Lebe 100 Jahre, lerne 100 Jahre, stirbst als Narr. Meine Mutter sagte es immer dann auf, wenn sie etwas Neues für sich entdeckte und sich darüber freute.

In der heutigen Zeit, mit so unfassbar viel frei verfügbarem Wissen um uns herum, fällt es schon mal schwer, sich selbst und anderen zu sagen, man lerne noch. Xing und LinkedIn Profile und so viele Büroräume werden mit Zertifikaten geschmückt. Dies dient als Nachweis, man hätte was drauf, man sei durch die harte Schule des (auswendig) Lernens durch.

(Kurzer Exkurs: Früher war es in einem Menschenleben normal, so linear zu denken. Heutiges Berufsleben eines Menschen sieht etwas anderes aus:)

petranovskaja drei felder des lebens

Warum es gut ist, ein Narr zu sein

Fassen wir zusammen, worüber sich die Welt einig zu sein scheint:

1. Dass die Welt sich ändert. Wir sprechen von New Work, von VUCA, von Dynaxity. Taylor-Wanne, Disruption, Ambidextrie – all diese Wörter klingen wie eine Diagnose für eine seltsame neue Krankheit, unter der unsere Welt leidet.

petranovskaja dynaxity modell

2. Dass man die Probleme nicht mit gleichen Mitteln lösen kann wie die, mit denen man diese Probleme auf die Welt gebracht hat. Obwohl der Spruch dazu schon etwas älter ist, zitieren wir den guten Alfred Einstein in diesen Tagen öfter denn je.

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. –Albert Einstein

3. Dass Kompliziertes und Komplexes auf verschiedene Art und Weise behandelt werden müssen. Nicht erst mit dem Anmarsch der Agilität, auch vorher schon – und spätestens mit dem allgemein Bekanntwerden des Cynefin Modells – haben wir uns darauf geeinigt, dass Best Praxis (früher das gängigste Mittel zum Lösen der meisten Probleme und die Wunderwaffe der Unternehmensberater) im komplexen Umfeld wenig wirksam ist. Lernende Organisation (das entsprechende Buch dazu schrieb Peter Senge bereits 1990) wird heute zwar nicht so genannt, aber mit Stand Up Meetings und Retrospektiven so geführt. Kollegiale Beratung (eine in den 80ern entwickelte Methode) wird heute Mastermind oder WOL Circle genannt. Die Popularität dieser co-kreativen Formate zeugt vom Verständnis, dass man komplexe Probleme nicht allein lösen kann, sondern nur gemeinsam mit anderen Menschen, die unter Umständen (und manchmal notwendigerweise) ganz anders denken.

petranovskaja cynefin

4. Dass wir neue Kompetenzen brauchen und dass viele der heutigen Berufe in Zukunft obsolet werden. Teilweise geben wir Standard-Abläufe an Roboter ab, teilweise entstehen Berufsbilder, für die es noch keinen Bachelor-Lehrgang gibt. Immer mehr Menschen sind erfolgreich im Business ohne je in einer Fach- oder Hochschule gewesen zu sein. Wir lernen von Bloggern und Influencern, wir lernen in MOOCs (Massive Open Online Course) und auf YouTube. Und währen die Führungskräfte der „alten Schule“ das Führen der Generation Y & Z als ihre größte Herausforderung beschreiben, wuseln diese Generationen sich durch die sich rasch verändernde Business-Welt und bauen sich ihre eigene auf.

Was nun?

Wenn du, werter Leser, ein Mensch um oder über 40 bist, dann ist mein herzlicher Appel an dich: sei ein Narr! Öffne dich der Möglichkeit, noch nichts oder nicht genug zu wissen. Nimm die Haltung an, dass die Welt voller Wissen ist, welches dir zur Verfügung steht. Sei im Vertrauen, dass jedes deiner Probleme dir eine Gelegenheit zum Lernen gibt. Öffne deine Filter, probiere neues aus, mache Dinge neu. Ein Anfang könnte sein, Zähne mit linker Hand zu putzen, verschiedenfarbige Socken anzuziehen oder im Restaurant etwas anderes zu bestellen als sonst.

Lebenslang lernfähig

Gerald Hüther nennt die Fähigkeit unseres Gehirns, lebenslang Neues zu lernen „Plastizität des Gehirns“. Neue synaptische Verbindungen entstehen zu lassen, das geht am Besten, wenn man gemeinsam mit einer Gruppe neue Erfahrungen macht. Das Gehirn sei laut Hüther im Laufe der Evolution nicht zum Auswendiglernen optimiert worden, sondern zum Lösen von immer neuen Problemen. Es sei keine Rechenmaschine, sondern ein „soziales Organ“. Folgen wir dieser Erkenntnis der Hirnforscher und Psychologen, steht dem lebenslangen Lernen von neuen Sprachen, Methoden, Lösungswegen nichts im Wege.

petranovskaja zukunft

Fazit

Verbindet man die Russische Volksweisheit „Lebe 100 Jahre, lerne 100 Jahre, stirbst als Narr“ mit den Erkenntnissen der modernsten Hirnforschung, besteht große Hoffnung, dass wir –trotz aktueller leichten Überforderung – die neuen Probleme meistern werden. Zwei Dinge brauchen wir dafür:

  • wir öffnen uns einander, hören einander aufmerksam zu und freuen uns an den Differenzen in Meinungen und Weltansichten
  • wir nehmen eine Haltung an, die es gut findet, (egal im welchen Alter und mit wie vielen Zertifikaten) noch sehr vieles lernen können

Stay foolish!

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Warum es mit Working Out Loud besser ist als ohne

Warum es mit Working Out Loud besser ist als ohne

Working Out Loud (WOL) springt mir auf allen Kanälen ins Auge. Da dachte ich, ich schreibe mal was darüber.

Prolog

Die Lieblings-Boygroup meiner Tochter heisst One Direction. Die Lieblings-Boygroup meiner Mutter war Beatles.
Warum das im Zusammenhang mit Working Out Loud“ steht? Das erzähle ich gern.

Kurzfassung

Jede Generation hat seine Idole. In der Musik sind es Musiker, in der Wirtschaft sind es Modelle oder Methoden. Wir wechseln Namen, Erscheinungsbilder, Farben. Wir jagen eine Sau durchs Dorf. Wir entwickeln uns. Und jede Entwicklung ist mit Lernen verbunden. Ich finde, dass es besser ist mit Working Out Loud zu lernen und Zukunft zu gestalten als ohne. Egal wie sehr die WOL Methode kritisiert oder gefeiert wird.

Lange Fassung

Was ist WOL

(du kannst diesen Abschnitt gern überspringen wenn du mit WOL bereits vertraut bist)

Wikipedia behauptet, WOL wäre eine Mentalität der Zusammenarbeit und eine darauf aufbauende Selbstlern-Methode. Entstanden 2010, wurde es entwickelt und von John Stepper unter anderem durch einen TED Talk bekannt gemacht. Selbstverständlich gibt es auch ein Buch dazu. Die Methode (eine selbstorganisierte Lernreise mit 4-5 Teilnehmern in einem WOL Circle) ist frei unter der Creative Common Lizenz verfügbar.

In Deutschland wurde die Methode (weniger die Mentalität) vor allem dadurch bekannt, dass große Konzerne (AUDI, BMW, Bosch, Continental, Daimler, Deutsche Bank, Telekom, Siemens) sich zu einer Community of Practice zusammengeschlossen haben und sogar den HR Excellence Award gewonnen haben – für ihre selbstorganisierte unternehmensübergreifende Zusammenarbeit und Austausch. Wenn das nicht ein Beispiel für „Nieder mit dem Silo-Denken!“ ist…

Um die Methode kennenzulernen, haben vier selbständige Kollegen und ich die 12 Circle Treffen und die darin enthaltenen Übungen und Aufgaben absolviert. Wir haben durchaus verstanden, dass manche Impulse in einer Konzern-Kultur revolutionär klingen können. Die positive, gut gemeinte, auf unsere Zukunft der Arbeit ausgerichtete Intention ist also durchaus klar. Das wird auch der Grund sein, warum die Zahl der WOL Circle stetig wächst und unter dem WOL Dach alles mögliche an Veranstaltungen, Formaten und Diskussion-Foren entsteht.

Sau durchs Dorf jagen

The more I see, the less I know for sure. – John Lennon, The Beatles

Nun kommen wir zur dunklen Seite der Macht. Wo etwas wächst und gedeiht, wo etwas populär und leicht zu haben ist, da sind natürlich Zweifel, Kritiker und Trittbrettfahrer nicht weit. Mir Schmunzeln las ich die WOL Beschreibung von Lars Vollmer:

Working out loud (abgekürzt: WOL) ist eine modische Managementmethode, bei der die Mitarbeiter im Konzern auf den Komplexitätsdruck der Digitalisierung mit der Vernetzung von Menschen reagieren. So weit, so gut: Da treffen sich also regelmäßig und in vorkonzipierten Circles Menschen kreuz und quer aus der Organisation und erklären sich gegenseitig, woran sie gerade arbeiten. Oder sie schreiben einen Blogartikel darüber, damit andere im Unternehmen und außerhalb davon erfahren können. Sie machen die eigene Arbeit irgendwie sichtbar und hörbar und reden dann darüber mit denen, die es interessiert. Das ist alles. Viel spannender wird es nicht.

Lars kritisiert vor allem den geglaubten Zusammenhang zwischen dem, was Mitarbeiter in den WOL Circles (meist in ihrer Freizeit) machen und der Verbesserung des Zusammenarbeit und der Umsätze.

Lieber Lars, ich verstehe deine Position, und ich möchte an dieser Stelle zwei Punkte vorbringen:

a) wenn etwas neu ist und hipp, dann sagen wir dazu „Da wird schon wieder eine Sau durchs Dorf getrieben!“ und wenden uns gern etwas verachtend ab. Mag eine hilfreiche Haltung sein, um sich auf die eigenen Themen besser fokussieren zu können. Mag aber auch (mal) komplett falsch sein. Wir werden erst hinterher erfahren, welche Sau doch keine Sau war und tatsächlich zu einer Transformation geführt hat. Das bringt mich zu Punkt

b) die Abwesenheit von Beweisen für etwas bedeutet nicht, dass es diese Zusammenhänge nicht gibt. Sprich, nur weil das WOL Vorgehen (methodisch) oberflächlich, vorkonzipiert, seicht erscheint, können wir dennoch nicht verhindern, dass es auch zur Änderung der Mentalität führt und die fünf Prinzipien von WOL erlebbar macht:

  1. Fördern von Beziehungen (Relationships)
  2. Großzügigkeit (Generosity)
  3. Sichtbarmachung der Arbeit (Visible work)
  4. zielgerichtetes Verhalten (Purposeful Discovery)
  5. wachstumsorientiertes Denken (Growth Mindset).

Nassim Taleb würde dazu sagen: Abwesenheit von Beweisen ist nicht dasselbe wie Beweise für eine Abwesenheit.

Warum New Work die Working Out Loud Mentalität braucht

Ich erspare uns den langen Text darüber, dass wir in einer VUCA Welt leben und alles um uns herum so furchtbar schnell und komplex ist. Gleich zum Punkt kommend, möchte ich auf die Themen kommen, die in sehr vielen Unternehmen bewussten Eingang in die gestalteten Transformationen fanden:

  • Selbstbestimmung und Selbstorganisation
  • Co-Creation und Ambiguitätstoleranz
  • Anerkennung und Wertschätzung
  • Sinnstiftung und Integration in das große Ganze

Betrachten wir die Ziele von WOL, sehen wir große Überlappungen. Mir persönlich fehlt nur die Integration in das große Ganze – und das (so verstehe ich die Kritik) ist auch der Punkt von Lars Vollmer.

Darüber hinaus finde ich auch viele Brücken zwischen den WOL Prinzipien und dem Manifest Generation Global vom Zukunftsinstitut, unter anderem bei den Stichworten

  • Wir sind mutig und probieren neue Arten der Lebensgestaltung aus
  • Vernetzung ist unser Normalzustand
  • Gemeinschaft ist unser höchstes Gut. Wir wählen unsere Communitys selbst.

Und dennoch

I don’t need the perfect one, I need the one who will make me feel like I’m the only one. – Zayn Mailk, One Direction

Jede Methode hat ihre Schwachpunkte. Jedes Modell vereinfacht die komplexe Realität. Jede Sau, die durchs Dorf getrieben wird, ist irgendwann aus dem Dorf raus, und da es ganz ohne langweilig werden könnte, freuen wir uns immer wieder auf die nächste Sau. Diese betrachten wir eine Weile und dann gibt es meistens „dafür“ und „dagegen“ Lager.

Ob du dich nun für das „dafür“ im Working Out Loud entscheidest oder dagegen, eins ist und bleibt extrem wichtig: die Auseinandersetzung, das Lernen, das Erkennen der eigenen Themen. Anregende Anekdote dazu:

Sitzen zwei Männer in einer Bar irgendwo in der Wildnis von Alaska. Der eine ist religiös, der andere Atheist, und die beiden diskutieren über die Existenz Gottes mit dieser eigentümlichen Beharrlichkeit, die sich nach dem, sagen wir mal, vierten Bier einstellt. Sagt der Atheist: „Pass auf, es ist ja nicht so, dass ich keine guten Gründe hätte, nicht an Gott zu glauben. Es ist nämlich nicht so, dass ich noch nie mit Gott oder Gebeten experimentiert hätte. Letzten Monat erst bin ich weit weg vom Camp in so einen fürchterlichen Schneesturm geraten, ich konnte nichts mehr sehen, hab mich total verirrt, vierzig Grad unter null, und da hab ich’s gemacht, ich hab’s probiert: Ich bin im Schnee auf die Knie und hab geschrien: Gott, wenn es dich gibt, ich stecke in diesem Schneesturm fest und sterbe, wenn du mir nicht hilfst!“

Der religiöse Mann in der Bar schaut den Atheisten ganz verdutzt an: „Na, dann musst du jetzt doch an ihn glauben“, sagt er. „Schließlich sitzt du quicklebendig hier.“

Der Atheist verdreht die Augen, als wäre der religiöse Typ der letzte Depp: „Quatsch, Mann, da sind bloß zufällig ein paar Eskimos vorbeigekommen und haben mir den Weg zurück ins Camp gezeigt.“

Ob wir an etwas glauben oder nicht, wir finden die Bestätigung dafür. In diesem Sinne wünsche ich uns allen:

  • frischen Kopf für gute Erkenntnisse
  • mutiges Herz für das Alte verwerfen und Neues aufnehmen
  • dass wir fürs Leben lernen und dennoch kindisch aufgeschlossen sind gegenüber Dingen und Erlebnissen, die nicht sofort in eine bereits existierende Schublade passen.

Epilog

Früher waren es Beatles. Dann kamen Back Street Boys und heute sind es One Direction. Jede Generation hat ihre Boygroup, jede Ära hat ihre Methoden und ein Etwas, das begriffen und implementiert werden möchte. So wie eine Boygroup eine Nachfrage bedient, tut auch WOL eine aktuelle Nachfrage unserer Arbeitswelt bedienen.

Es handelt sich dabei nur um ein Beispiel, und ein sehr gutes für die Haltung, die da heisst: Mit diesem Etwas (WOL, Agile, Intrapreneurship, Blabla, Whatever) ist es besser als ohne, weil mit etwas aktiv tun, weil wir Dinge ausprobieren und somit lernen. (Eine Auseinandersetzung damit, WIE wir diese Etwas behandeln und ggf. in existierende Unternehmensprozesse übernehmen, könnte diesem Artikel folgen.)

Danke für das Lesen! Ich bin gespannt auf Meinungen und Kommentare und freue mich, wenn sich etwas Neues daraus ergibt.

petranovskaja Unterschrift signatur

PS: Eine umsetzbare WOL Inspiration findest du hier:

petranovskaja wol contribution list

Photo by Oleg Laptev on Unsplash

Flugunterricht für Vögel

Flugunterricht für Vögel

Ob Vögel Flugunterricht brauchen? Heute setze ich mich mit meinem eigenen Beruf kritisch auseinander. Das passiert weder aus Frust noch aus Neid, vielmehr aus dem Wunsch, unsere Arbeitswelt um ein paar Aspekte reicher zu machen und das Gestalten der Zukunft mit mehr Freude und Elan anzugehen. Lesedauer: ca. 5 Minuten.

Fast jede Woche spreche ich als Beraterin mit mittleren und großen Unternehmen über das Thema „New Work“. Meine Fragen dazu:

  • Was bedeutet der Begriff „New Work“?
  • Was ist zu diesem Thema bereits in der Umsetzung? (aus der Phase des Redens raus)

Die Antworten sind verschieden. Frau X wäre auf einer Konferenz gewesen. Es seien Berater im Haus, die etwas untersuchen und ein Konzept vorstellen wollen. Man wolle noch nicht in die Umsetzung gehen, bevor man sich sicher sei, was genau man tun sollte. Und ob ich ein Buch oder so etwas empfehlen könnte.

Prolog: Flugunterricht für Vögel

Stell dir vor, eine Gruppe smarter, gut aussehender Berater (teilweise in Anzügen, teilweise eher Berlinerisch leger und mit einem langen gepflegten Bart ausgestattet) von einem oder mehreren namhaften Unternehmen bringt einem Schwarm Gänse das Fliegen bei. Dazu haben die Berater vorher die Vögel untersucht und einen Konzept aufgestellt. In der sehr langen PowerPoint Präsentation mit sehr viel Text (in Schriftgröße 10 und kleiner) findet man neben den Erkenntnissen der Analyse-Phase auch eine ausgiebige Anleitung dazu, wie man abhebt, fliegt, in der Luft navigiert und wieder landet. Nachdem die Präsentation den schnatternden Vögeln vorgetragen wurde, heben diese in die Luft und fliegen davon. Die Berater schreiben die Rechnung.

Das Umkehren

Ich lese hundert Mal so viel wie ich schreibe. Daher weiß ich mit Sicherheit nicht mehr genau, aus welchem Buch oder Blog ich die Weisheit bezogen habe, dass es in der VUCA Zeit nicht mehr darum geht, Konzepte zu schreiben und umzusetzen, sondern viel mehr darum, Steine aus dem Weg zu nehmen. Welchen Weg ich meine?

Ich bin mir sicher, dass Vögel selbst wissen, wie man fliegt. Und ich bin fest überzeugt, dass – gerade weil wir so viel über VUCA sprechen – die neue Realität nicht auf alte Art und Weise geschaffen werden kann. Während wir also an sehr vielen Baustellen in der Wirtschaft immer noch versuchen, uns dem Thema „New Work“ auf alte, uns vertraute Art und Weise zu nähern, frisst sich das Neue unaufhaltsam durch unsere Welt.

Das Neue aus New Work kann man nicht aufhalten. Nicht planen. Nicht in Prozesshandbücher packen.

Wir können, wir dürfen dem Neuen vertrauen und ihm die Steine aus dem Weg räumen. Dafür sorgen, dass es sich dort entfaltet, wo wir es brauchen. Zum Beispiel in den Abteilungen, die vom Fachkräftemangel betroffen sind (oh ja, es gibt ihn doch, diesen Mangel!). Zum Beispiel in den zahlreichen Führungskräfte-Programmen, die (viel zu oft) immer noch als PowerPoint Schlacht ablaufen. Oder im Mittelstand – weil diese Unternehmen wendiger und an sich agiler sind als Großkonzerne und so gutes stabiles Mittelfeld der Zukunft sind.

Der Kern

Giso Weyand, ein Mensch, den ich sehr schätze, hat in seinem wunderbaren Buch eine Aufgabe, die lautet: Stell eine Liste der Dinge zusammen, die dich (als Berater) in den letzten Monaten geärgert haben. Als ich die Übung machte, dachte ich nicht viel über die Folgen nach.

Doch jetzt weiß ich: ich ärgere mich seit einer längeren Zeit darüber, wie viel über das Thema New Work gesprochen, geschrieben und diskutiert wird – und wie wenig in die Tat umgesetzt. Das Festhalten an der alten Überzeugung, auch dieses hochkomplexe Thema könnte man mit Hilfe von linear nach vorne schauenden Konzepten lösen, macht mich traurig. Die (zum Teil sehr erfolgreiche) Versuche, aus der Verwirrung der Unternehmen Geld zu machen – mit Konferenzen (wo man den Vögeln das Fliegen beibringt in Form von Vorträgen), mit Büchern (wo man berichtet, wie Vögel fliegen), mit schlauen neuen Berater-Titeln (New Work Evangelist oder Senior New Work Enabler).

Verständlich, dass dieses Vorgehen vorerst mehr Verwirrung schafft, als Klarheit. Das führt selbstverständlich dazu, dass noch mehr Flugunterricht-Stunden verschrieben werden.

Der Dunning-Kruger-Effekt

Meine Aufregung wurde diese Woche kanalisiert. Ein Teilnehmer meiner Führungs-Werkstatt hat mich auf den Dunning-Kruger-Effekt hingewiesen. Dieser Effekt, von zwei Psychologen entdeckt, beschreibt die Neigung inkompetenter Personen, das eigene Können zu überschätzen und den Ausmaß ihrer Inkompetenz nicht zu erkennen. Gleichzeitig werden diejenigen mit echten Kompetenzen häufig mit Zweifeln an ihren Fähigkeiten geplagt.

Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. […] Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, [sind] genau jene Fähigkeiten, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen. – David Dunning

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Der britische Philosoph Bertrand Russell hat bereits einige Jahrzehnte davor erkannt:

Das Problem mit der Welt ist, dass die Dummen schwärmerisch sind und die Intelligenten voller Zweifel.

Petranovskaja Fresse halten

Wie kommen wir zur Lösung?

Das berühmte Kurzvideo mit dem Pinguin, der sagt, was zu tun ist, wenn man keine Ahnung hat, ist millionenfach geteilt und zitiert worden. Resultate? Unbekannt.

Gern zitiere ich den Einstein, der sagte, dass man Probleme nicht mit der gleichen Denkweise lösen kann, durch die diese entstanden sind. Wenn wir uns also im postindustriellen Zeitalter einen Weg in das New Work suchen, wäre mein absolut größter, laut auszusprechender Appel:

Lasst es uns tun!

  • Tun im Sinne von Kindern, die spielerisch lernen, wie etwas geht
  • Tun im Sinne der Agilität: Experimentieren, Prototypisieren, Neuland entdecken (New Work ist doch Neuland, oder?)
  • Tun im Sinne eines mutigen Unternehmertums
  • Tun im Sinne von Corporate Rebellen
  • (Liste ist bestimmt nicht vollständig!)

We are largely better at doing than we are at thinking. – Nassim Taleb, Antifragile

Wer lieber analysieren und Konzepte schreiben will, bitte schön!  Der von mir tief bewunderte Nassim Taleb, dem ich die Metapher mit dem Flugunterricht für Vögel geklaut habe, meint dazu:

Praktiker schreiben nicht, sie handeln. Vögel fliegen, und diejenigen, die ihnen das Fliegen beibringen wollen, sind dieselben, die ihre Geschichte aufzeichnen. Man kann also unschwer erkennen, dass Geschichte tatsächlich von Losern geschrieben wird, die über viel Zeit und einen sicheren akademischen Posten verfügen.  – Nassim Taleb, Antifragilität

Zeit, mich selbst an die eigene Nase zu fassen

Was tue ich hier? Ich schreibe.

Als Bild dazu: Ich schreibe in einer Flughafenlounge, während ich auf meinen Flug warte (genau, ich kann fliegen! :-)). Ich habe gerade drei Tage in einer Führungswerkstatt mit einer Gruppe von Führungskräften gearbeitet, und wir haben viel daran gearbeitet, wie man die Mitarbeiter und unternehmerische Werte in der Zeit voller Unsicherheit, Sprunghaftigkeit und Komplexität, behalten und entwickeln kann. Nein, wir haben das nicht New Work genannt. Aber wir waren uns alle einig, dass wir die Zukunft entwickeln, und dass es sich anfühlt, als wären wir auf einer portugiesischen Karavelle, die zwar Richtung Indien aufgebrochen ist, aber eventuell in Amerika landen wird.

Ich bin ein Praktiker. Ein leidenschaftlicher, recht pragmatischer Macher. Ein Umsetzer. Und – bekannter weise – jemand, der andere sehr gern in dieses Tun schubst.

petranovskaja grosses entstehen

Hier kommt also der große Schubs zum New Work:

Lasst uns zusammen aufbrechen! Keiner von uns weiß, wie New Work geht – dann sind wir alle in der gleichen vorteilhaften Situation. Wir können es alle zusammen entdecken, kartografieren, benennen und erkunden. Wir können von oben – aus der Flughöhe – neue Erkenntnisse über die Lage gewinnen. Wir – Berater und Unternehmen – sind auf diesem Weg in die Zukunft ein Team, eine Gruppe voller neugieriger Unternehmer. Wir können dem Neuen die Steine aus dem Weg räumen und lernen, wie wir es in das „Alte“ integrieren können. Lasst uns zusammen testen, wie breit unsere Flügel sind und wie weit sie uns tragen können.

Lasst und fliegen!

#schubs

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Photo by Gary Bendig on Unsplash

Genial einfach – einfach genial

Genial einfach – einfach genial

Das Glück gehört denen, die sich selbst genügen. Denn alle äußeren Quellen des Glückes und Genusses sind ihrer Natur nach höchst unsicher, misslich, vergänglich und dem Zufall unterworfen.
Arthur Schopenhauer

Der Schopenhauer hat ohne Zweifel Recht. Die äußeren Quellen des Glücks sind hoch unsicher – wir wissen nicht, ob es sie überhaupt gibt und wenn, wann sie zu uns kommen.

Doch was auch wahr ist: oft sehen wir unser Glück nicht. Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die das Große zusammen ergeben, und heute möchte ich drei Stories meines kleinen Lebensglückes erzählen – genial einfach und einfach genial.

Szene eins: Heizung kaputt

Na gut, richtig kaputt war die Heizung nicht, aber es war Freitag, und die Heizung machte komische Geräusche, und so rief ich an, um zu fragen, ob jemand vorbeikommen kann. Zum Glück hatte Uli Zeit. Er kam, stellte Diagnose und wollte kurz ein Ersatzteil holen. Ob er auf dem Rückweg beim Bäcker vorbei kommt, fragte ich. Er schaut, antwortete er.

Uli und ich haben uns bis zu diesem Freitag drei mal gesehen, einmal pro Jahr zur Heizungswartung. Als er dann halbe Stunde später mit dem Ersatzteil und einer großen Tüte vom Bäcker in der Tür steht, bin ich aus dem Häuschen. So eine nette Geste, unerwartet und … einfach genial!

Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich.
André Gide

Später sitzen Uli und ich in der Küche, trinken Tee und reden über das Leben. Die Apfeltaschen und die Donuts schmecken köstlich und versüßen den grauen Tag. Die Heizung schnurrt wie ein Kätzchen. Warum er so viel Gebäck geholt hat, frage ich. Ich habe doch auch Mann und Kinder, antwortet Uli. Er strahlt dabei. Man sieht ihm an, dass er das vom ganzen Herzen gemacht hat.

Bevor er geht, sagt er, mein Sohn soll unbedingt Tanzkurs machen. Das würde bei Mädchen immer gut ankommen. Ich merke mir den Rat.

Szene zwei: Smoothie geschenkt

Aufstehen um 6, 280 Kilometer nach Gütersloh, ganzen Tag laute Musik. Zugegeben, nicht unbedingt mein Favorit, wenn es um einen Samstagsplan geht. Doch meine Tochter hat mit ihrer Tanzschule einen Hiphop-Wettbewerb, und ich bin eine der Fahrer. Ich verspreche mir nicht viel von Gütersloh und freue mich, den Mädels beim Performen und Ausflippen zuzuschauen.

Zwischen den Auftritten gibt es eine Pause, und ich gehe kurz raus. Gütersloh hat einen historischen (sehr hübschen) Stadtkern und eine unerwartet nette Einkaufsstraße ganz ohne Tedi und 1 Euro Shops. Hungrig vom Fahren und warten, gehe ich in einen Café, das Smoothies, frische Säfte und Waffeln verspricht.

Ich werde einfach nur gut bedient. Lieb, zuvorkommend, sehr sehr service-orientiert. Ich werde sogar gefragt, wie viele Scheiben Ingwer in meinen Tee sollen. Die deftige Waffel mit Serrano und Rucola schmeckt einfach nur köstlich, und so greife ich begeistert zum iPhone und schreibe eine kurze nette Rezension auf Google. Dann trinke ich den Tee zu Ende und entscheide mich, einen Smoothie mitzunehmen. Kein Problem, sagt die. Ich soll in ein paar Minuten zur Kasse kommen, um ihn abzuholen.

An der Kasse übergibt man mir die frisch gemachte Vitaminbombe und sagt, es geht aufs Haus als „Danke für die nette Rezension auf Google“.

Das Leben ist volle toller Überraschungen!

Szene drei: Pfannkuchen

Meine Kinder sagen, ich kann gut kochen. Immer wenn ich darüber nachdenke, fällt mir ein, ich habe das Kochen von meinen Eltern gelernt. Zugeschaut, nachgefragt, unter Anleitung ausprobiert. Long Story short: Meine Tochter macht die Pfannkuchen so, wie meine Ur-Oma sie schon gemacht hat, und die schmecken köstlich!

Und jedes Mal, wenn ich Pfannkuchen esse, denke ich mit Freude an den TED Talk von Natalie Kogan, auch „born in the USSR“. Sie sagt, Pfannkuchen können nicht nur glücklich machen, sondern auch die Welt verändern und zwar weil sie so genial einfach seien, und somit einfach genial.

Bonus:

Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
Carmen Sylva

Ich wünsche dir einen wundervollen Tag und ganz viele Gelegenheiten, dem kleinen (einfach genialen) Glück zu begegnen!

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PS: Möchtest du etwas dazu ausprobieren? Wie wäre es mit einer Zeitkapsel?

Photo by Mike Dorner on Unsplash

Wie eine echte Veränderung durch Rebellen möglich wird und warum ich ein Rebell bin

Wie eine echte Veränderung durch Rebellen möglich wird und warum ich ein Rebell bin

Haufe hat zu einer spannenden Blogparade eingeladen. Es geht um Veränderungen, um Rebellen, um Mut, um gemeinsames Lernen. Hier ist mein Beitrag, in dem ich erzähle:

  • was ich aus der Zusammenarbeit mit Corporate Rebels United gelernt habe
  • wo aus meiner Sicht der Unterschied zu den Change Agents liegt

Born in USSR

In der Zeit voller Umbrüche, Unsicherheit und Mehrdeutigkeit sind Rebellionen völlig normal. Ich bin in der Sowjetunion aufgewachsen und habe nicht nur die Zeit vor uns nach Perestroika life erlebt, sondern auch eine ziemlich positive emotionale Beziehung zu Revolution, Rebellen und Aufstand anerzogen bekommen.

Daher ist es vielleicht wenig verwunderlich, dass ich mich zu den “Corporate Rebels United” – einem virtuellen globalen Netzwerk – hingezogen fühlte, als ich diese im Internet entdeckte.

Das Manifest

Haufe-Blog schreibt:

“Jeder Wandel, jede Innovation braucht Menschen, die über Grenzen hinweg denken, den Status Quo hinterfragen und andere von ihren Ideen überzeugen”.

Dem stimme ich voll zu – doch wie macht man das?

Eine Gruppe, eine Bewegung muss vor allem verkünden, wofür sie steht. So wie es vielen klar ist, wofür z.B. der Betriebsrat in einer Organisation steht, sollte auch eine rebellische Bewegung ihre Statements offenlegen.

Bei den Corporate Rebels United lautet das Manifesto:

Relentlessly

Challenging the status quo

Breaking the rules

Saying the unsaid

Spreading the innovation virus

Seeding tribal energy

With no fear

With a cause to do good

Leading by being from our true selves

Going after the un-named quality

Relentlessly

Wie man erkennt, erklärt das Manifest hiermit niemandem den Krieg. Es gibt mehr Aufforderungen an sich selbst, als Forderungen an das System. Das hat mir persönlich sehr gut gefallen. So ein Manifest in dann in jedem Umfeld “gültig” – ob Mittelstand, ob Konzern, ob Kleinbetrieb.

Es geht nicht darum, etwas zu zerstören, sondern darum, etwas Neues entstehen zu lassen. “With a cause to do good” – angstfrei, schonungslos offen legen, was möglich ist. Innovations-Virus ausbreiten, was für ein schönes Bild!

petranovskaja rebellen

Mit der Überzeugung, verantwortlich für die Zukunft des eigenen Unternehmens verantwortlich zu sein, trafen sich bei „Corporate Rebels United“ Menschen, um voneinander zu lernen und einander zu unterstützen. Zu wissen, dass man als Organisationsrebell nicht allein ist, war ein gutes Gefühl.

Obwohl wir nicht wirklich einen Aufstand angezettelt haben, unterstützte diese Gruppe sicher einen Mindset Change in mehreren Organisationen. Wenn Vertreter und hochkarätige Mitarbeiter namhafter Unternehmen sich öffentlich dazu bekennen, dass eine Veränderung aus derer Sicht notwendig ist, macht das vielen anderen Mut, ebenfalls ihre Stimme zu heben.

petranovskaja rebellen start

Eine meiner spannendsten Erfahrungen hier war das Global Rebel Jam 2013 – eine 24 Stunden online Veranstaltung mit inspirierenden Geschichten und Diskussionen zu verschiedensten Themen, u.a.:

  • How to build a global grassroot movement
  • Reinventing Sales Management
  • Dissent & Disagreeing: Having the Real Conversation
  • How office design can improve collaboration and innovation
  • Intrapreneurs in Government
  • Innovation culture
  • Managing rebels at work: What leaders need to understand
  • Leading Networked Organizations

Wie leicht zu erkennen, die Themen könnten auch einer ganz “normalen” Konferenz entstammen. Was war nun das Rebellische daran? Anders gefragt: treffen sich vielleicht ohnehin sehr oft Organisationsrebellen auf manchen Konferenzen, ohne sich so zu bezeichnen?

Wenn es bei einer „guten“ Rebellion um Innovation, Durchbruch, Fortschritt geht, ist es vor allem die Haltung. „Gute“ Rebellen probieren und erschaffen Neues, statt sich über Missstände zu beklagen. Sie sind voller Leidenschaft – statt Verbitterung und Ärger. Sie generieren Energie, inspirieren, stecken an – statt anderen Energie abzuziehen. Sie sprechen über Möglichkeiten – nicht über Probleme. Sie interessieren sich dafür, wie etwas klappen kann statt, du weißt schon.

Im Gegensatz zu einem Change Agent…

Was unterscheidet einen Organisationsrebellen von einem Change Agent?

Ein Change Agent sorgt (meistens) dafür, dass eine (von jemand anderem ausgedachte und geplante) Veränderung in die Organisation implementiert wird. Er kümmert sich um Kommunikation, Mobilisierung, Alignment und und und…

Ein Organisationsrebell LEBT DAS NEUE. Motiviert durch Liebe zu seiner Arbeit und volle Identifikation mit dem Unternehmen, in dem er arbeitet, möchte er

  • öffentlich die Wahrheit aussprechen, die fast jeder denkt
  • mit eigenem Beispiel voran gehen und das Neue vorleben
  • Regeln brechen, damit Aufbruch / Ausbruch möglich wird
  • Andere positiv anstecken und ihnen den steinigen Weg etwas ebnen

Er hat dazu KEINEN AUFTRAG VON OBEN. Er hat einen inneren Auftrag, aus dem Herzen. Er ist mutig, risikobereit und probiert Neues aus.

petranovskaja rebellen innovation

Was soll das?

Organisationsrebellen sind keine seichten Transformierer. Ein Aufstand, ein Nicht-Akzeptieren-Wollen des Alten ist in den meisten Kulturen der “zivilisierten” Welt ein negativ belegtes Ereignis. Um so spannender finde ich, dass wir nun unter dem Dach von Haufe diese Diskussion führen.

Vielleicht, weil die Zeit reif ist? Weil die “normale” Organisationsentwicklung an ihre Grenzen gestoßen ist? Weil weder Change Agents noch Change Berater für genug Veränderung sorgen? Vielleicht, weil wir erkennen, dass wir mit Mut, Risikobereitschaft und Querdenken weiter kommen als mit den alten Tugenden wie Fleiß und Disziplin?

Wir brauchen dringend ECHTE VERÄNDERUNG statt Buzzword Bingo, Sau durchs Dorf jagen und Powerpoint Folien!

Ich bin ein Rebell. Unangepasst, freiheitsliebend, in Maßen seltsam. Ich sehe es als meine Aufgabe, die Welt besser zu machen indem ich Menschen und Organisationen darin unterstütze, gern das zu tun, was sie tun. Meine persönliche Rebellion lautet seit 1997: Endlich Montag! Ich arbeite gern, ich stecke andere damit an. Ich schreibe seit Jahren einen “Endlich Montag!” Newsletter und vertrete folgende Meinung:

Menschen, die ihre Arbeit gern tun und sich auf jeden Montag freuen, sind das Beste, was einem Unternehmen passieren kann.

Wie steht es mit dir?

petranovskaja Unterschrift signatur

Zusätzliche Links:

Artikel von Peter Vander Auwera, dem Initiator von Corporate Rebels United

TED Talk von Peter Vander Auwera zum Thema Corporate Rebels

Bilder in diesem Blogbeitrag sind der Präsentation von Peter Vander Auwera entnommen, thanks vor inspiration!

Zehn Gewohnheiten von emotional resilienten Menschen

Zehn Gewohnheiten von emotional resilienten Menschen

Investiere vier Minuten Lesezeit und erfahre etwas Neues über Gewohnheiten!

Stau, Stress, schlechtes Wetter. Den einen ärgert es total, der andere geht mit Leichtigkeit darüber hinweg. Woran liegt es, dass wir so unterschiedlich auf Stressfaktoren reagieren? Natürlich spielt unser angeborener Charakter eine Rolle. Du kannst dir aber ein paar Gewohnheiten zulegen, die es dir leichter machen, mit Stressfaktoren aller Art leichter umzugehen.

Gewohnheiten sind kleine vollautomatische Aktionen, die wir ausführen, ohne viel darüber nachzudenken. Sie erleichtern uns in vielen Bereichen das Leben. Gleichzeitig führen manche Gewohnheiten dazu, dass wir auf bestimmte Reize immer gleich reagieren. So kann es sein, dass du vom Typ her gar nicht so stressanfällig bist, dir aber irgendwann ein Muster angeeignet hast, schnell und empfindlich zu reagieren.

Fange heute noch an, dir ein paar neue Gewohnheiten zuzulegen — wähle deine Favoriten aus der Liste!

1. Warte auf die richtige Reaktion

Etwas passiert, ein Reiz erreicht deinen Hirn und sagt: “Reagiere auf mich!” Deine Gewohnheiten und deine Muster sind sofort bereit und fragen “Same procedure as last year?”.

Ja, es ist effizienter, in Mustern zu antworten. Bloß nicht immer gut für unsere Gefühlslage und unsere Gesundheit. Wenn dich also jemand oder etwas ärgert, reizt und stresst, kontrolliere den ersten Impuls und lasse nicht zu, dass deine Gewohnheiten die Macht übernehmen. Atme einmal tief durch und frage dich:

  • Was ist jetzt die beste Handlung im Sinne meiner Absichten und Interessen?
  • Worauf möchte ich meine Energie verwenden?

2. Halte Unangenehmes aus

Wenn wir hungrig sind, sehr hungrig, dürfen wir auf keinen Fall eine Restaurantkarte in die Hände bekommen. Oder einkaufen gehen. Wir bestellen oder kaufen viel zu viel, oft auch unnütze Sachen.

Mache es zu einer Gewohnheit, etwas Unangenehmes wie Hunger, Ärger oder Frust zu tolerieren. Führe ein Tagebuch, schreibe dort jedes Mal auf, welche Gedanken dir in solchen Momenten kommen.

Halte Unangenehmes aus, lasse dich nicht davon kontrollieren — schon bist du der emotionalen Resilienz einen Schritt näher!

3. Erweitere deine Perspektiven

Manche Dinge passieren FÜR dich, und nicht dir. Was jetzt gerade unerträglich erscheint, mag in Zukunft ein Riesenvorteil werden. Aus welcher Perspektive kannst du auf deine Situation schauen, um deine Lage in einem anderen Licht zu sehen?

(Nimm dir Zeit und schreibe auf, wann dir etwas Unangenehmes passiert ist. Betrachte diese Situation nun in einem neuen Licht und frage dich: was daran ist FÜR MICH passiert? Was konnte ich dadurch lernen / entdecken / neu sehen? Einen sehr konkreten Beispiel findest du HIER.)

4. Praktiziere Akzeptanz

Eine sehr nützliche Gewohnheit: Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind. Akzeptieren heißt, dass du nicht aufgibst und die Kontrolle nicht an den Stress abgibst. Vertraue dir, dass du in jeder Situation die Kraft findest, noch einmal aufzustehen.

Dazu hilft: Tief einatmen, langsam ausatmen.

5. Denke an die Macht der Zeit

Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man. Was jetzt gerade furchtbar bremst und nervt oder weh tut, macht dich stärker und wird dir aus der Zukunft nicht so schlimm erscheinen.

Gewöhne dich daran, dir Zeit zu geben.

6. Verlange nicht von dir, die Antworten immer parat zu haben

Wir sind es gewohnt, dass wir Rede und Antwort stehen müssen. Kommt es zu wichtigen Lebensfragen, verlangen wir von uns selbst, dass wir die richtigen Antworten sofort finden. Wir vergessen, dass die richtigen Antworten immer dann zu uns kommen, wenn wir dafür bereit sind.

Und dass es ok ist, wenn man nicht alles sofort weiß.

7. Sorge für dich

Finde täglich Zeit, für dich selbst zu sorgen. Fange gar nicht erst an, mit dir selbst zu verhandeln — die Zeit ist immer da, du musst sie dir nur nehmen. Trinke eine Tasse Tee (achtsam, in Ruhe), mache einen Spaziergang, creme dich ein und gehe eine Stunde früher ins Bett.

8. Lache dich gesund

Mache es zu einer Gewohnheit, über etwas zu lachen. Zum Beispiel immer, bevor du einen Kunden anrufen musst oder nach einem unangenehmen Vorfall. Lass dich von Videos mit tollpatschigen Tieren in die Leichtigkeit entführen oder lese ein paar Witze.

9. Sei glücklich, statt Recht zu haben

In jedem Gespräch kannst du wählen, was dir wichtiger ist: Dein Stolz oder die Beziehung. Mache es dir zu einer Gewohnheit, kurz abzuwägen, ob es dir wirklich Wert ist, Recht zu haben.

10. Stärke die Stärken

Denke nicht an die Fehler, die du hast, nicht an die Macken und nicht an Probleme. Frage dich, was du heute richtig machen kannst, was dir Spaß macht und wovon du mehr haben willst. Da, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest, davon wirst du mehr im Leben haben.

Kennst du andere gute Gewohnheiten? Teile diese gerne hier, denn von entspannten Menschen profitieren wir alle zusammen!

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