Win-Win im New Work (Woche 17)

Win-Win im New Work (Woche 17)

Win-win muss anderes aussehen und sich anders anfühlen, darüber denke ich mit einem Staubsauger in der Hand nach. Wenn ich eine Sache nicht gern mache, ist es staubsaugen. Und dennoch musste ich genau das gestern tun, und zwar fast drei Stunden lang. (Es kommen gleich langweilige Baustellen-Datails…)

Mit einem lauten Industrie-Sauger haben wir den Estrich dafür vorbereitet, dass eine Grundierung und eine neue Ausgleichsmasse darauf kommt, nachdem die drei Wochen “alte” Ausgleichsmasse mit sehr viel Dreck und noch mehr Lärm ausgefräst wurde.

  • Zur Freude unserer Nachbarn im Mehrfamilienhaus
  • Mit mindestens drei Wochen Zeitverzug
  • Mit erheblichen Mehrkosten
  • Mit Handwerkern, die wir nach diesem Vorfall vermutlich nicht wieder sehen werden

Eine klassische Lose-Lose Situation. Und das alles warum? Weil beim ersten Mal gepfuscht wurde.

Was hat das mit Corona zu tun?

Ganz einfach. Wenn wir uns jetzt zu sehr beeilen, das “New Normal” zu postulieren, es für fertig zu erklären und zu versuchen so zu tun, als wäre das alles schon gut genug, werden wir (eventuell, unter Umständen) nicht glücklich damit.

Was wäre stattdessen ratsam?

Stille. Ruhe. Nachdenken. Uns mehr miteinander austauschen. Sichtbar machen, was wir brauchen, was uns wichtig ist. In einem Zoom Termin sagte jemand:

Verzweiflung lässt Mut für Veränderung.

Ja, darum geht es oft. Uns nicht zu schnell beruhigen. Nicht sofort zuschlagen, wenn etwas nach Lösung aussieht. Eine kreative Unruhe ertragen.

Vielleicht ist die Sommerferien-Saison ja ganz gut für so etwas?

Das erste Ding, das ich uns für die irgendwann sanierte Wohnung neu gekauft habe, ist ein Staubsauger-Roboter.

New Work und Roboter

Über New Work und Roboter denke und schreibe ich gern und viel. Wofür der Staubsauger-Roboter in meinen Gedanken steht, ist (leider) nicht unbedingt erfreulich: er soll mir Arbeit abnehmen, die ich nicht gern mache, damit ich mehr Zeit habe, um etwas anders zu tun.

Genau so sind wir in unserem jetzigen “old work” gelandet: über Aufgabentrennungen, über Optimierung der Arbeitsprozesse und über Spezialisierung.

Darum über ich mir ein anderes Mantra ein, welches für mich für New Work steht:

Ich habe einen Staubsauger-Roboter, damit er etwas tut, während ich mich ausruhen kann.

Nichtstun ist für mich eine echte Aufgabe. Vielleicht auch für dich?

Il dolce far niente

Das süße Nichtstun – auf Italienisch Il dolce far niente – ist für viele von uns eine echte Aufgabe. Wir sind so sozialisiert, dass wer sich ausruht, als faul gilt. Den ganzen Tag rumsitzen und Filme gucken oder Musik hören oder spielend as tun doch nur die, die keine Arbeit haben.

Somit füllen wir uns jede Minute mit Arbeit. Die neuen Geräte – smart genannt – sorgen dafür, dass ununterbrochen etwas blink oder piept oder gewischt werden möchte. Wir sind beschäftigt, ja. Aber ist das Arbeit?

Und wie schwer ist es, zu versuchen, einfach nur da zu sitzen. Wahrzunehmen, was ist, zu spüren, was die Sinne wahrnehmen, zu sein.

petranovskaja la dolce far niente
Das süße Nichtstun – Il dolce far niente

Wie viel NEW ist in New Work?

Heute früh haben Nicole Anzinger und ich unseren vierten New Work Friday moderiert. Im Zentrum der Diskussion stand das Thema “Boss” und die Frage, inwiefern alles, was wir im New Work Dschungel dazu schreiben, überhaupt neu ist. Als Beispiel haben wir auf die Piraten geschaut, die bereits im 17. Jahrhundert weiter waren mit ihren Prozessen und Systemen als manch eine Organisation heute.

Kommt da ein “Ja, aber…”? Perfekt!

New Work Boss

New Work Boss

Zusammen haben wir einen Boss gezeichnet und dabei ganz tief in die Schublade unserer Vorurteile gegriffen. Vieles entsprach dabei aber auch unseren täglichen Erfahrungen. Bosse tragen dunkle Anzüge und Statussymbole, sind “bossy”, tun selber nichts, außer in Meetings zu sitzen…

Was hat das mit Corona zu tun?

Corona macht viele Aspekte unseres Arbeitslebens deutlicher.

  • Wie viel Chef brauche ich, um produktiv zu sein?
  • Warum können nicht alle Menschen sich selbst führen?
  • Wie fühlt sich gute Führung an, wenn ich meinen Chef nicht sehen kann?

Und die Hauptfrage bleibt: reicht uns die Kraft der Krise, um die neu gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen nicht zu schnell in etwas zu gießen, das drei Wochen später mit viel Krach und Dreck wieder runter muss? (siehe Baustellen-Beispiel oben…)

Und noch eine Brücke zu einer anderen Passage da oben: wir haben die New Work Friday Teilnehmer gefragt, was New Work für sie ist. Die Antworten:

  • New Work steht für das Sein. New Work ist das was wir leben würden wollen. Es ist Philosophie und Essenz des Menschen. Wir verlieren das Gefühl, was wir Wirkich, wirklich wollen durch die Sozialisierung
  • New Work ist gesunder Menschenverstand
  • New Work neu, weil wir Arbeit so noch nicht erlebt haben in unserem kollektiven Ergeben/Gedächtnis
  • New Work ist ein Bewusstsein über die Strukturen, in denen wir arbeiten: wir haben die Verantwortung abgegeben, wir hinterfragen den Status Quo zu wenig
  • New Work ist Identifikation mit dem was ich mache

Was wäre deine Antwort auf diese Frage?

Wir hosten demnächst übrigens ein New Work Journeython – HIER findest du die Details.

Win-Win Beispiel aus New Work

Der New Work Urvater, Fritjof Bergmann, hat propagiert, man solle einen drittel seiner Zeit etwas für Erwerb tun, einen Drittel für seine eigene Lust (siehe La dolce far niente!) und einen Drittel für die Gemeinschaft.

Ich hoste jeden Montag ein Remote Café für eine Community of practice von Moderatoren. Wir sind mittlerweile über 150 Leute, und jeden Montag lernen wir und diskutieren verschiedene Themen und Aspekte. Mit der Zeit sind wir immer mehr selbstorganisiert geworden. Immer wieder wurde ich gefragt, warum ich die Veranstaltung nicht mit einer Paywall versehe und dieses wunderbar funktionierende und populäre Format monetisiere.

Hier ist, was ich stattdessen tue. Ich lasse mir freiwillig per Paypal.me einen Cappuccino (mit und ohne Kuchen ;-)) bezahlen. Diesen Kaffeegenuss nehme ich immer in einem kleinen Bistro bei einer reizenden Lady bei mir um die Ecke. Das Bistro war nämlich währen Corona kurz vor dem aus. #supportyourlocals

So entsteht eine (in meinem Weltbild) Win-Win Situation: Die Montags-Crowd ist happy, ich kann Il dolce far niente unter Bäumen genießen, und die reizende Lady hat einen (kleinen und stetigen) Umsatz. Und weil das Bistro damit hoffentlich überlebt, bleibt für die ganze Nachbarschaft ein reizendes Plätzchen erhalten. Und das führt dazu, dass mehr Menschen die Gelegenheit haben, das süße Nichtstun zu genießen. Und das führt dazu, dass wir entspannter und liebenswürdiger werden als je zuvor.

More Shiny Eyes!

petranovskaja Unterschrift signatur

Mein Corona-Tagebuch

Kopfstand und gute Fragen (Woche 16)

Kopfstand und gute Fragen (Woche 16)

Kopfstand ist für vieles gut. Als ich mit Ende 30 angefangen habe, Yoga zu praktizieren, schien mir Kopfstand eine unerreichbare Übung zu sein. Und gleichzeitig etwas, was ich sehr gern können wollte. Ohne Druck, ohne Termin und mit viel Selbstliebe bin ich eines Tages ganz allein in den Kopfstand gekommen und habe mich zuerst erschrocken und erst dann gefreut.

Kopfstand im übertrageneren Sinne ist auch eine gute Übung. Dinge andersherum betrachten und gute Fragen stellen. Zum Beispiel:

Braucht eine Stadt eine Einkaufsstraße?

Angeregt wurde diese Frage durch die Nachricht, dass mehrere Filialen von Karstadt und Kaufhof geschlossen werden. Und unterstützt von einem wunderbaren Blogeintrag der Doppelspitze – Make shopping great again. Lesenswert!

Meine Kopfstand-Gedanken dazu: Was würden wir tun, wenn wir plötzlich Platz mitten in der Stadt hätten, der frei zu gestalten wäre? Wenn wir uns von der mittelalterlichen Gewohnheit lösen könnten, dass in der Mitte der Burg gehandelt wird. Weil wir längst einen Großteil des Handelns online tun und uns unser Gemüse und unsere Wasserkisten nach Hause liefern lassen.

Wofür wollen wir den Platz in der Mitte unserer Stadt nutzen?

Hast du spontane Bilder im Kopf? Wie sehen diese aus?

Braucht eine Firma eine Bürofläche?

Auch hier reichen die Traditionen weit in die Vergangenheit zurück. Wappen und Stammfarben wurden zu Logos und Corporate Identity. Briefpapier und Wandfarben signalisieren Zugehörigkeit. Büro-Standort erzählt einiges darüber, als was das Unternehmen sich ansieht und wie gut es dem Unternehmen geht.

  • Wie viel mehr Mehrwert könnte ein Unternehmen generieren, wenn die Mitarbeiter sich nicht jeden Morgen in dem Büro treffen müssten?
  • Was entgeht uns, weil wir zwischen dem gemütlichen Zuhause und dem oft ungemütlichen Office hin und her fahren?
  • Ist es möglich, die Menschen die Arbeit dort machen zu lassen, wo sie am besten arbeiten wollen?

Gewiss, das können sich nicht alle aussuchen, schon gar nicht alle Berufsgruppen. Ein Frisör kann aber sowohl in einem Salon als auch bei mir zuhause die Haare schneiden. Und ein Arzt kann mit Hilfe der modernen Technik eine Diagnose aus der Ferne stellen, wenn ich ihm die Daten übermittle.

Was ist gut an Arbeitslosigkeit?

Können wir das Stigma “arbeitslos” positiv belegen? Der Mythos einer möglichen Vollbeschäftigung widerspricht komplett einem humanistischen Verständnis von dem, wer wir sind. Wir sind keine Kühe, die an der Menge der milch gemessen werden, die sie abgeben. Wir sollten weder in Produktivität noch in Effizienz denken.

Wir sind so viel mehr!

Es tut mir immer wieder weh zu sehen, wie viele Menschen unglücklich sind mit dem, w as sie tun. Sie denken, sie müssten das tun. Und weil sie nicht glücklich mit der Aufgabe sind und nicht wollen, wird das Ergebnis solala.

Daraus resultieren Fehler, Probleme, Reklamationen, weitere Probleme. Weil das so ist, braucht es wieder Qualitätsbeautragte und andere Sorten von Aufpassern, Schadensgutachter und Anwälte… Wir beschäftigen uns selbst, und es ist anstrengend und laut.

Wie wäre es mit mehr Stille?

Wie wäre es, wenn jeder, der seine Arbeit nicht mag, sofort aufhört, dieses etwas zu tun. Wenn wir dann in der Stille, die dann entstünde, uns Zeit nehmen zu schauend as wir wirklich brauchen?

Corona war so hilfreich darin zu erkennen, was wir alles nicht brauchen! Es ging uns eine Weile rechts gut mit weniger. Und es wurde in vielen Bereichen klar, was wir wirklich brauchen.

Was wir wirklich brauchen

Das Miteinander. Die Zeit.

Einen Kopfstand kann man paar Momente genießen. Irgendwann will der Körper aber zurück in das Gewohnte. Ich habe allerdings noch eine Liste mit weiteren Fragen, und vielleicht magst du deine Fragen hinzufügen?

  • Reicht die Krise, um Transformation zu machen?
  • Wen interessiert es?
  • Müssen Bordellbesucher Maske tragen?
  • Sind diejenigen, die sich bewusst nicht an Corona-Regeln halten, vielleicht intuitiv klug?
  • Was würden wir in einem zweiten Lockdown anders machen?
  • Retten wir mit Subventionen und Maßnahmen das Richtige?
  • Wer entscheidet das?
  • Ist es vielleicht ein Segen für die Innenstadt, dass große Kaufhäuser geschlossen werden?
  • Wie können wir richtige Fehler machen, um zu lernen?
  • Welches Öl gehört ins Feuer der Krise, damit mehr passiert?
  • Welche Chancen verpassen wir gerade, weil Sommer ist?
  • Hilft Coronavirus uns, bessere Menschen zu werden?
  • Wenn ja, wie lange sollte die Krisensituation noch dauern?
  • Welche Ideen haben wir während dieser Krise zu wenig beachtet?
  • Wem sollten wir genauer zuhören?
  • Brauchen wir wirklich Antworten auf die Fragen in unserem Kopf?

Was denkst du? Danke für das Vorbeischauen :-)

petranovskaja Unterschrift signatur

Mein Corona-Tagebuch

Zurück auf los, ziehe nicht 4000 ein (Woche 15)

Zurück auf los, ziehe nicht 4000 ein (Woche 15)

Jeder Monopoly-Spieler versteht den Titel, hoffe ich. Wenn du mitten im Spiel alles stehen und liegen lassen musst, weil eine höhere Kraft dich zwingt, etwas Anderes zu tun.

Wir haben eine App, die uns vor dem neuen Ausbruch der Corona schützen soll. Sogar der Chaos Club findet diese App gut und unbedenklich. Ja, ich habe die App installiert und ja, ich finde diese Art, sich in Sicherheit zu wiegen, gut für mein Gemüt.

Was sagen die Schlagzeilen, fragte ich mich. Hier und da gibt es wieder „normale“ Nachrichten. Ansonsten dreht sich unverändert fast alles um die Zahlen und die Folgen. Plötzlich wird klar, dass sowohl Verdienstausfall der Freiberufler als auch Kurzarbeit eine Langzeitauswirkung für den Staat hat. Vorerst ist es Steuern-Ausfall.

Zurück auf Los

In einem Podcast, den ich früher oft gehört habe, wurde den Gästen zum Schluss immer die gleiche Frage gestellt. Diese lautete: Stell dir vor, nichts von dem, was du bereits aufgebaut hast, ist da (nicht mal dein persönlicher Netzwerk) und du musst bei Null anfangen. Du hast dein Laptop und 100 Dollar. Was würdest du tun?

Die Gäste des Podcasts – meist Unternehmer – sagten sehr oft, sie würden das Geld investieren, um Menschen kennenzulernen und mit ihnen zusammen etwas aufzubauen. Den Laptop würden sie nutzen, um rauszufinden, wo man sich mit anderen Menschen treffen kann und um zu schreiben. Viele erwähnten, sie würden einfach in einem nächstgelegenen Café anfangen.

Es fühlt sich also ganz richtig an, diesen Beitrag in einem Café zu schreiben. Ich habe mitten in Corona beschlossen, diese Location mit den mir möglichen Mitteln zu unterstützen. Die Inhaberin und der Ort sind genau richtig, um

  • zu sein
  • zu reflektieren
  • Neues entstehen zu lassen

Es fühlt sich hier gar nicht so gefährlich an, zurück auf los zu müssen. Das Leben hat sehr viele Möglcihkeiten – wir nehmen wegen des Tunnelblicks nur wenige davon wahr.

Karten auf der Hand

Bei „zurück auf Los“ verliert man ja nicht, was man schon hat. Wir haben stets genug Karten auf der Hand und können jederzeit etwas tun.

Darum ging es heute Morgen in dem New Work Friday mit Nicole Anzinger. Was kann jeder von uns für New Work tun – trotz all der Eingrenzungen und Unmöglichkeiten?

Wir haben spannende Mitte in unseren Gedanken entdeckt.

  • Es sind die kleinen Dinge, die in Summe die große Wirkung ergeben
  • Was New Work ist, ist gleichzeitig oft auch der Weg zu New Work
  • Unsere Vorstellung von dem, wie es sein wird, wenn New Work da ist, verbindet uns miteinander

Der letzte Satz, das merke ich gerade, lässt sich gut allgemeiner fassen:

Wenn wir über unsere Vorstellung von der Zukunft sprechen und in diesen Zukunftsbildern Gemeinsamkeiten suchen, verbindet uns das miteinander.

Und davon möchte ich in jeder Monopoly-Runde mehr erleben.

Ich versuche, mir nichts vorzumachen. Es ist wie es ist. So wie Fleischesser und Veganer in einem Supermarkt einkaufen gehen, sintzen wir alle in einem Boot. Wir haben Bedürfnisse und Ziele und sehen unterschiedliche Wege dorthin.

So lasst uns jede Runde neu würfeln und schauen, was dabei passiert. Entspannt, neugierig, voller Zuversicht.

In einem Café schreibt es sich wunderbar.

Wie war deine Woche?

Mein Corona-Tagebuch

Dreimal DIE und einmal DAS (Woche 14)

Dreimal DIE und einmal DAS (Woche 14)

Die Baustelle

Draußen wird ein Straßengraben mit Sand gefüllt und mit einem Rüttler plattgerüttelt. Es ist ein tiefes dumpfes Geräusch. In den Mitteltönen reiht sich unser Maler Stefan in das Geschehen ein, er schleift gerade die Türen ab mit einem elektrischen Schleifgerät, der an einen Staubsauger angeschlossen ist. Damit das Orchester vollständig ist, fügt unser Fliesenleger ein Säge-Geräusch hinzu, den korrekten Namen seines Geräts habe ich gerade nicht parat.

petranovskaja blog corona tagebuch woche 14
petranovskaja blog corona tagebuch woche 14

Es ist laut. Es soll schön werden, und darum ist es inzwischen laut und staubig und nervenaufreibend. Darf sich der Raum unter der Fliese hohl anhören? Wird die Leitung, die wir gerade zuggespachtelt haben, den Strom an die richtige Stelle in der Wand bringen? Klappt das mit diesen und jenen Details, die wir in unzähligen Diskussionen und zum Teil zermürbenden Entscheidungsprozessen mit Herstellern, Händlern und Handwerkern festgelegt haben?

petranovskaja blog corona tagebuch woche 14 work in progress
petranovskaja blog corona tagebuch woche 14 work in progress

Ein Umbau ist Arbeit. Viel Arbeit. Ein Umbau ist mit vielen, sehr vielen Entscheidungen verbunden, die immer wieder getroffen werden müssen. Auch wenn es für einige Stellen in unserer Wohnung klare Bilder und Wünsche von Anfang an gab, sind die meisten davon während der Baustellenzeit abgeändert worden. Weil etwas leichter geht oder nicht geht. Weil wir mit jedem Schritt, den wir schon gemacht haben, neue Erkenntnisse gesammelt haben, und diese können wir dann nutzen, um neu zu entscheiden.

Vermutlich würden jetzt einige Leser aufspringen und sagen: Ja, das ist es, agile Vorgehensweise!
Vielleicht würden andere Leser aufspringen und sagen: das ist doch ganz normal, Work in progress!

Die Maske

Weiß die Natur eigentlich, wie der Schmetterling aussehen wird, der sich aus der Raupe ergibt? Diese Frage treibt mich manchmal um.
Muss die Natur das wissen?

Zurück auf uns bezogen: Wissen wir, wie das New Normal aussehen wird? Sollten wir das wissen? Manche geben jetzt schon Schulungen mit der Überschrift „So kommst du in drei Schritten zu New Normal“. Ich bin baff.

Und Corona… Gibt es sie noch? Hier auf der Baustelle merke ich nichts davon. Ich werde regelmäßig daran erinnert, wenn ich in ein Geschäft möchte, Milch und Brot holen. Dann gibt es sie wieder, die Abstandsregeln und die Masken. Apropos Masken, es gibt da auch andere Schilder (gesehen bei Nettchen in Glücksstadt).

petranovskaja blog corona tagebuch woche 14-3 maske
petranovskaja blog corona tagebuch woche 14 maske

Die Tochter

Meine Tochter ist zurück. Der Hamburger Flughafen, auf dem am Samstag nur alle 2-3 Stunden ein Flugzeug landet, gleich einer Geisterstadt. Alle Geschäfte zu, Parkhaus praktisch leer, nur ein paar Menschen, die zusammen mit uns auf das Flugzeug aus München warten.

Die unvergessliche Anekdote unseres Lebens: Wir warten an diesem Tag am längsten. Als nach fast 30 Minuten kein Gast mehr rauskommt, wir aber immer noch warten, geht der Security Mitarbeiter mit einer Zigarette in die Pause an uns vorbei. Was wir hier täten, fragt er. Schließlich kommt die nächste Maschine erst in zwei Stunden. Wir warten auf unsere Tochter. Da ist aber keiner mehr, meint er. Er gehe erstmal rauchen, dann schaut er nochmal. Seine innere Ruhe möchte ich haben!

Als er – immer noch die Ruhe selbst – in sechs Minuten wieder zurück kommt, stehen wir immer noch da und warten. Er geht hinein und kommt gefühlte 100 Minuten später wieder. Da würde noch eine junge Dame am Band stehen. Wir dürfen rein und unser Kind umarmen. Auch sie ist die Ruhe selbst.

Auf die Frage, wo sie so lange war, bekommen wir eine klare Auskunft: sie war auf der Toilette und hat sich komplett umgezogen. Schließlich war sie mit zweimal Umsteigen an vier Flughäfen der Welt und wolle auf keinen Fall von irgendwo Corona mitbringen.
Auch der Koffer und der Rucksack werden komplett mit Desinfektionstüchern abgewischt, bevor wir diese ins Auto beladen.

Das Fahrrad

Ein Kapitel hat meine Woche noch. Ich habe mir ein Fahrrad gekauft. Das letzte ist mir mitten in Hamburg geklaut worden. Jetzt rolle ich wieder und stelle fest, dass der Ausdruck „Das ist wie Fahrrad fahren, das verlernt man nicht“ für mich nicht ganz gilt. Die Kurven oder das Umdrehen auf schmalen Stellen ist definitiv in die Kategorie „Schwach und ausbaufähig“ einzutragen.

Wir haben in Hamburg ja eine teilgrüne Regierung, und wir sollen ein bisschen wie Copenhagen werden. Wenig Autoverkehr, viel Ruhe, viel Grün, viele Fahrradfahrer. Als jemand, der bis 2011 gar kein Auto hatte und danach in den Genuss der Sitzheizung kam, war ich nicht so glücklich mit diesen Zukunftsbildern. Ich werde sie nun für mich im Sinne von „Work in progress“ selbst erkunden und Erfahrungen sammeln. Mit Wind und Wetter und mit den Autofahrern und Fussgängern. Meine Fahrradtasche steht bereit, da passt mein Laptop viel besser rein, als in meine Handtasche, und so bin ich offen für neue Erfahrungen in der wunderschönen Stadt, in der ich so gern lebe.

Es fühlt sich an, als wäre das sein 14 Wochen die erste Woche, in der ich mit Zuversicht und Freude nach vorn schaue und weniger kritisch oder auf Krawall gebürstet bin.

petranovskaja blog corona tagebuch woche 14
petranovskaja blog corona tagebuch woche 14

Das nehme ich mit.

Danke fürs Zuhören,

petranovskaja Unterschrift signatur

Mein Corona-Tagebuch

Four amazing exercises to use in your (online) facilitation

Four amazing exercises to use in your (online) facilitation

Since we are taking our facilitation more and more online, find here four all-time favorites from the Wondercards team (Ute + Nadja). Let’s make facilitation more fun!

Wondercards energizer: Stop faster

We learned this energizer at #play14, an amazing global movement for more serious games. Check the website out to find an event in your region!

Here is the VIDEO from the exercise:

wondercards stop faster
(Screenshot from the video)

I used four commands here:

  • move/stop (+ move faster) – than turn around (stop means move, move means stop, here you get the name from: stop faster!)
  • clap/name – after some time, turn around as well to get more fun

In a “real life” setting we would move around in the whole room (instead of “move” the word “walk” fits better than). Add the jump/dance commands pair to have even more energy – it also works online if no one is using wired headphones! :-)

Wondercards Warm-Up: Standogram

Create a visual for the scale. This can be a line on a whiteboard or a Mentimeter question or just question in chat where you describe the endpoints. Ask the participants to “position” themselves in relation to each other and to the question. Define the scale well. Examples:
∙ My excitement today… (big – small)
∙ How long am I in this team?
∙ I am more thinking/more intuitive type of person
∙ My knowledge about today’s topic is (0 – 100%)

You can also create two scales (X&Y):
X = I lead more people-oriented
Y = I lead more task-oriented

When everyone has found their relative position, ask a few participants why they are „standing” there. 
This warm-up creates an understanding of who is in the room. It also helps to start into the topic of the workshop/conversation.

wondercards standogram example
(Online Standogram example)

Wondercards Energizer (in Zoom): Danish clapping game

In a “real space”, this exercise is an amazing energiser. To make it work in an online setting, we adapted some steps. Here is the instruction:

  • Assign participants in pairs (eg from the list or from your screen view) – no need to send your participants into breakout rooms! 
  • Put all microphones on!
  • Indicate that this game is about presence, decision, and perception. 
  • Explain the rhythm: clap thighs simultaneously, then point in one of four directions (up, down, left, or right). Each player chooses individually which direction to point to. If they happen to point in the same direction, they high five each other. If they point in different directions, then they clap again and point in a new direction. 
  • Ask the participants to become faster. Short version as an energizer. Longer version with a debriefing on topics: Decision Making, Empathy, Cooperation, Communication, MultiTasking, Flow

Works perfectly in Zoom where you can see each other on the screen. Have fun!

PS: We played this game in the Weekly facilitators remote café and did some reflexion of what worked well or less well, and these are our learnings:

wondercards danisch clapping game
(Danisch clapping game – the learnings)

Wondercards structure: HoWoRiCha

This card is perfect for a critical audience! In this video you cal learn how to use it in the beginning, middle or at the end of your workshop/session. You also can use this WonderCard for a virtual meeting!

Why?–  get to know your participants-  connect your participants-  dive into a (complex) topic
How?–  in the beginning: introduction round-  to dive in: after the warm up-  at the end: evaluate the outcome,work on next steps and actions
What?–  use sticky notes or cards-  work virtual (e. g. on a white board)-  move participants in the room, useany technique to connect brain and body

Please check out our Vimeo channel where we explain you a bit more about this structure.

Any more questions about Wondercards? Get your pack!

petranovskaja Shop Workshops agil gestalten mit Wondercards Methoden-Spiele-Tools

More about facilitation:

Enjoy!

petranovskaja Unterschrift signatur
Mehr Karussel bitte! (Woche 13)

Mehr Karussel bitte! (Woche 13)

Diese Woche habe ich wieder das Bild vom Karussel um mich herum. Das Karussel hat wieder auf, man darf sich ber nur auf jedes zweite Pferdchen setzen.

Mein Sohn geht jede zweite Woche in die Schule. Die andere Wochen ist die andere Hälfte der Klasse dort. Für Klausuren müssen jedoch alle hin, dann schreibt man halt in der Mensa oder in der Aula.

In Restaurants darf nur jeder zweite Tisch mit Gästen sein. Die leeren Tische dazwischen helfen, dem Tischgespräch zu folgen. Es ist leiser.

Es ist insgesamt leiser und ruhiger. In den sozialen Medien wird weniger diskutiert. Gewöhnen wir uns so schnell an alles, was mit uns passiert, was uns passiert?

Ausnahme ist die Straße. Die Staus sind wieder da. Und ab Mitte Juni könnnen wir alle wieder in den Urlaub. Was interessiert uns dann noch eine mögliche Transformation?

petranovskaja mehr karussel bitte
Wie wir versuchen, das Unbekannte in einen Rahmen zu stecken.

Ein Bild mehr: das Neue, das Ungewisse (dem ab und zu der Titel „New Normal“ verpasst wird) ist nicht kleiner geworden. Damit es sich nicht so gewaltig und nicht so gefährlich anfühlt, versuchen in meiner Beobachtung viele Personen, Institutionen, Unternehmen, dieses gerade entstehende Neue in einen festen Rahmen zu stecken. Damit es begreifbar wird und sich normal anfühlt.

Wir sprechen über Einkaufsgutscheine für alle. Damit die Konjunktur wieder anzieht. Dabei haben in den vergangenen Wochen so viele von uns immer wieder festgestellt, wie wenig Konsum wir doch brauchen. Es wurde viel darüber geredet, wie heilsam Minimalismus ist und wie erfinderisch wir werden, wenn etwas gerade nicht da ist.

Doch kaum stehen die Geschäfte offen, sind lange Schlangen die neue Normalität. Die Textilbranche hat 70% Umsatzeinbußen gehabt. Dennoch ist niemand nackt rungelaufen.

Die Lufthansa wird gerettet. Das eine oder andere Automobilunternehmen auch. Damit alles bloß so bleibt wie es mal war. Bedingungsloses Einkommen? Dafür ist grad keine Zeit. Vollbeschäftigung scheint nach wie vor das Ziel zu sein, dabei waren in den ersten Wochen die kritischen Stimmen diesbezüglich so klar. Das Streben nach Vollbeschäftigung hat uns hierher gebracht – in eine Welt, in der wir anfällig, fragil, abhängig sind von dem sich immer weiter drehenden Karussel…

Ich würde gern sagen, dass mir das egal ist. Doch ich kann nicht. Meine Kinder werden in dem nächsten Jahr mit der Schule fertig sein, wir diskutieren im Moment viel über das Arbeiten und den Sinn des Lebens.

Und wie jede Mutter will ich, dass meine Kinder glücklich werden.

Und wie geht es dir so?