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Wie ein Reset dir hilft, zukunftsorientiert zu handeln

Wie ein Reset dir hilft, zukunftsorientiert zu handeln

Dieser Artikel berichtet von meinen Erfahrungen mit radikalen Aktionen, die einem Reset (im Sinne von „Zurück auf Werkseinstellungen“) sehr nahe kommen. Zur Anregung deiner eigenen Aktionen biete ich dir als Download ein Reset-Canvas an.

Warum radikales Reset?

Unser Gehirn ist darauf programmiert, (gefährliche) Veränderungen in unserem Umfeld zu registrieren und eine angemessene Reaktion darauf bereit zu stellen. Die Kehrseite der Medaille: wir nehmen kleine und kleinste Veränderungen nicht wahr. Als Beispiel nehme ich gern alles, was mit Abnehmen und Fitness-Studio zusammenhängt. Ein Tag mit ausgewogener Ernährung oder ein Besuch des Studios ist kein wahrnehmbarer Unterschied. Bedeutet: für das Gehirn sind diese Aktionen quasi wertvoll.

Millionen von Menschen kämpfen mit der Umsetzung ihrer Vorhaben und Neujahrsvorsätze. Es gibt Tausende von Techniken, wie man dem Gehirn klar macht, das man auf dem richtigen Weg ist. Mit Strichlisten, Dankbarkeits-Tagebüchern und anderen Tricks, die es dafür gibt, verdoppeln und verdreifachen wir den Aufwand auf dem Weg zu recht einfachen und banalen Zielen.

Was ein Blödsinn! Sich selbst mit eigenen Kräften zu überlisten ist eine verdammt harte Arbeit.

Die gute Nachricht ist: Es geht anders.

Ich habe zum Beispiel viele Freunde, die mit sehr viel Aufwand und vielen zum Teil teueren Methoden aufgehört haben zu rauchen. Um dann wieder anzufangen.

Mein Freund Simon hat da einfach an einem Tag Strich gemacht und wurde Nichtraucher. Er hat verlernt, wie das Rauchen geht. Und er hat die Gewohnheit, ca. 50 Euro pro Woche für Zigaretten auszugeben, umgeleitet in einen Schuhkarton, der von da an sein Reisebudget-Karton wurde.

Radikales Loslassen

Eine andere Form, schneller zum Wunschleben zu kommen (und darum geht es uns doch, oder?) ist das radikale Loslassen. Hier sind drei Beispiele aus meinem Leben.

Vier Wochen staatenlos

Als ich mich entschieden habe, meinen russischen Pass aufzugeben und deutsche Staatsbürgschaft anzunehmen, wusste ich nicht, was es bedeuten wird. Es bedeutete jedoch – neben jeder Menge Papierkram – auch einen Monat im Status „staatenlos“. Mit nichts in der Hand habe ich vier Wochen gewartet und gehofft, dass die neue Heimat mich aufnimmt, während das Mütterchen Russland mich freigegeben hat.

Freiberuflichkeit ohne Fallnetz

Ich habe zwei Mal im Leben einen guten und sicheren Job gekündigt. Beide Male war schlechtes Management die Ursache und beide Male war das eine gute Erfahrung für mich.

Als ich jedoch beim zweiten Mal nicht mehr in eine Anstellung wollte, sondern in die Selbständigkeit – ohne einen Kundenstamm oder Plan – haben mich alle für verrückt erklärt.

Doch das komplette Loslassen des Alten hat mir einen freien Kopf verschafft für das Neue. Und die Freiheit war entscheidend, um mich zu positionieren.

Digital Detox

Auf Knöpfe zu drücken fühlt sich im Leben manchmal an, als wäre ich bei Alice im Wunderland. Wollen Sie den Account wirklich löschen? Ja, ich will. Hiermit bestätigen wir, dass Ihr Account unwiderruflich gelöscht ist. Adieu Facebook! Tschüss zig andere Accounts. Auch meinen Account beim Newsletter-Versender habe ich 2018 während der DSGVO Diskussionen gelöscht. Samt allen Newslettern und allen Mailadressen, die ich über Jahre mit viel viel mühsamer Arbeit gesammelt und erstellt habe.

Das hat sich so gut angefühlt, wie wenn man sehr lange Haare auf Ohrläppchen-Länge abschneidet und den Sommerwind im Nacken spürt. Leicht, warm.

petranovskaja reset digital detox

Jetzt habe ich meine Mailbox aufgeräumt. Ohne sie zu sortieren. Einfach weg. Zuerst habe ich mich erschrocken. Dann gefreut.

Ich freue mich immer noch!

Reset für Organisationen

Ganz nach dem Prinzip „Das Große im Kleinen, das Kleine im Großen“ gelten die Prinzipien des radikalen Loslassens und Vergessens natürlich auch für ganze Organisationen. Wenn deine erste Reaktion „Schmarrn!“ lautet, lösch einfach diese Denkweise und lasse eine andere Möglichkeit zu

Weil andere Autoren schon recht intensiv an den Fragen des organisatorischen Resets gearbeitet haben, lasse ich dir zum Nachlesen zum Beispiel diesen Link da: 7 Thesen zur Zukunft der Arbeit.

Wenn du auch etwas Lesenswertes dazu kennst, poste es doch bitte in den Kommentaren! Danke :-)

Anker lichten, auf in die Zukunft!

Das radikale Loslassen, das Löschen und sich befreien, das Verlernen – das sind alles Wege, zu deinem Wunschleben zu kommen. Dabei musst du dich nicht mühsam selbst besiegen. Du ermöglichst deinem Gehirn, sein Potenzial für das Suchen neuer Wege und Lösungen zu aktivieren.

Gehe den einfachen Weg.

Lichte den Anker, reiße dich los von etwas, was dich in der Vergangenheit festhält. Richte dich auf die Zukunft aus. Du bist mehr als die Länge deiner Haare, mehr als die Mails in deiner Mailbox und verdammt noch mal viel mehr als deine veralteten Glaubenssätze und Gewohnheiten.

  • Du willst mehr Sport machen?
  • Verlerne das Leben ohne Sport!
  • Du willst dich gesund ernähren?
  • Vergesse, wo man Pommes essen und wo man Süßigkeiten kaufen kann!

Du willst mehr Zeit für deine Projekte?

Lösche alle Accounts, die deine Zeit rauben. Das Leben findet nicht bei Instagram statt! Das Smartphone wurde erfunden, um unser Leben zu vereinfachen und uns Zeit zu verschaffen. Stattdessen raubt es den meisten von uns jede freie Minute, weil wir (im Durchschnitt) 5 bis 8 Mal pro Stunde auf das Ding schauen.

Ein radikaler Vorschlag für dich: Gehe mal einen Tag ohne Smartphone in die Stadt. Verabrede dich mit Freunden – wie früher – an einem Ort zu einer Uhrzeit. Photographiere mit einer Kamera. Prüfe die Uhrzeit mit einer Armbanduhr. Schreibe Notizen auf Servietten und Papier. Und vor allem: höre den anderen zu, betrachte deine Umgebung, sei mehr im Hier-und-jetzt.

Sei mehr du.

Für alle weiteren Ideen deines persönlichen Resets habe ich ein Reset-Canvas entwickelt. Download, print, Stift und Tasse Lieblingsgetränk, Blick aus dem Fenster…

petranovskaja Reset Canvas

Sei mutig, sei verrückt und genieße alles, was das Reset möglich macht!

petranovskaja Unterschrift signatur

Photo by Kelly Sikkema on Unsplash

Wie Experimente uns helfen, eine bessere Welt zu bauen

Wie Experimente uns helfen, eine bessere Welt zu bauen

Dieser Artikel beschreibt, wie Experimente, Prototypen und Fehler uns helfen, eine bessere Welt zu bauen. Die Lesezeit beträgt ca. 5 Minuten. Ich fühle mich geehrt, wenn Du anschließend noch ein Paar Minuten Zeit investierst, um nachzudenken oder sogar einen Kommentar da zu lassen. Enjoy!

Wie viel Inspirationen entsteht aus Imperfektion?

Letztens war ich in einer Ausstellung, in den gab es eine Menge analoger Fotos mit ungeraden Horizonten. Ich stand vor jedem dieser Bilder und habe überlegt, wie mutig das doch sein muss, als Starfotograf so ein Foto einfach sein zu lassen, ohne den Horizont begradigen zu lassen. In der heutigen Zeit von Instagram wäre das für ganz viele von uns undenkbar (das gilt für viele Instagrammer, die ich kenne – jedes Bild wird auf Perfektion gebracht).

In der gleichen Ausstellung habe ich unter einem Bild das Motto der Punk-Bewegung gefunden:

Dinge zu tun ist wichtiger, als sie gut tun zu können.

Das brachte mich zum Lächeln, als hätte ich irgendwo in einem abgelegenen peruanischen Dorf einen Menschen getroffen, der genau so denkt wie ich. Ich meine, ich empfinde mich nicht als Punk. Ich weiß nicht mal genau, wofür sie sonst stehen. Aber der Spruch, der liegt mir sehr am Herzen.

Betrachten wir doch mal die Kinder. Wenn sie nicht diesem Motto folgen würden, hätten sie niemals gelernt, wie man mit einem Löffel isst oder Lego stapelt. Das Tun, das Machen steht im Vordergrund.

Betrachten wir die Kunst. Ich meine, es gibt natürlich die Werke, in denen das Meer oder das Pferd perfekt abgebildet sind. Viel mehr beschäftigen uns aber die Werke, in denen etwas „unstimmig“ ist. Nicht exakt symmetrisch, nicht ganz stimmig, etwas wild in der Farbwahl oder Formgebung. Bestimmt hast du auch schon mal vor so einem Bild gestanden.

Warum das Bild schief hängen darf

Vielleicht kennst du Loriot und seinen Sketch „Das Bild hängt schief“. In nur zwei Minuten verwüstet der Herr das komplette Zimmer, wobei seine Intention eine andere war.

In dieser Szene passiert das Disaster aus Ungeduld. Und aus der Unfähigkeit, das Unperfekte zu ertragen.

In unserem Arbeits-Alltag geht es manchmal ähnlich zu. Wir wollen die Perfekte Quartals-Statistik, die perfekten Kunden-Kennzahlen, tadellose Berichte. Zahlen und Fakten werden so lange beschönigt, bis niemand mehr die Realität hinter der Facade wieder erkennt.

Die Welt mit den perfekt hängenden Bildern ist oft eine tote Welt.

Und was ist mit Führung?

Auch in der Führung ist die Welt manchmal zu perfekt. In der selbst hergestellten Kontrolle-Illusion bemühen sich weltweit Führungskräfte darum, alles richtig zu machen. So, wie sie das in einem Training gelernt und in den Rollenspielen auswendig gelernt haben. Mechanistisch, jeden Tag aus Neue gleich und in den meisten Fällen wenig wirksam.

Viele Führungskräfte haben an sich selbst gestellte Anforderungen, die nicht mit den tatsächlichen Anforderungen des Unternehmens übereinstimmen. Sie wollen es allen Recht machen, stets selbst dafür sorgen, dass die Ergebnisse perfekt sind. Das Ergebnis: viel zu viele Arbeitsstunden, Überforderung und … unzufriedene Mitarbeiter.

Wie soll man als Mitarbeiter zufrieden sein, wenn man im Auge seines Vorgesetzten das „schiefe Bild“ ist? Wenn man als Mitarbeiter korrigiert, kritisiert und auf Schwächen hingewiesen wird?

Zu Hölle mit der Taube, her mit dem Spatzen!

Wir leben in einer Welt, in der es alles gibt. Freiheit, Trinkwasser aus dem Wasserhahn, Erdbeeren im Winter. Doch stets streben die Jahrespläne nach mehr Umsatz, weniger Kosten und vor allem: nach etwas, was gleichzeitig neu genug und sicher genug ist.

Durch die uns täglich langweilende Sättigung sollte jede noch so verrückte Idee herzlich willkommen sein. Weg mit der Langeweile, her mit der Disruption!

Wir sind keine großen Schritte gewohnt. Wir können nur die kontinuierliche Verbesserung.

Doch so viele große Ideen werden nicht umgesetzt, weil die Größe der Ideen und der womöglich großer Aufwand zur Verwirklichung uns davon abschreckt, anzufangen. Wir sind keine großen Schritte gewohnt. Wir können nur die kontinuierliche Verbesserung.

Darum sollte das Motto der Punk-Bewegung hinter den Ohren einer jeden Führungskraft geschrieben sein:

Dinge zu tun ist wichtiger, als sie gut tun zu können.

So glücklich bin ich zu sehen, wie viele Unternehmen ihre Führungskräfte-Programme vom „Training“ in „Werkstatt“ oder „Bootcamp“ umbenannt haben. Somit soll gezeigt werden, dass man die Hoffnung nicht aufgegeben hat. Wir können es lernen, wie man große Schritte macht. Wir können mutig sein, um etwas im Alltag auszuprobieren. Wir können Imperfektes zulassen. Wir können experimentieren wie ein Kind oder ein leidenschaftlicher Forscher. Das Wichtigste: das Anfangen.

Wie fängt man etwas Neues an?

Wenn Du gern konkrete Übungen zum Ausprobieren magst, hier ist eine für dich.

Um der Angst vor Was-auch-immer zu entkommen und trotzdem etwas Neues auszuprobieren, kannst du die 20 Minuten Regel anwenden. Mache 20 Minuten genau das, was du tun würdest, wenn du die angedachte Veränderung bereits umgesetzt hättest. Du willst mehr zuhören? Stelle dir ein Timer und los gehen deine 20 Minuten. Du wärest gern geduldiger? Was wäre dann anderes in deinem Leben? Du möchtest pünktlich Feierabend machen? Nein sagen? Selbstbewusster auftreten? Versetze Dich für 20 Minuten in die Person, die diese Neuerung bereits komplett in das Leben implementiert hat.

Fühle 20 Minuten lang, wie es dir geht. Gefällt es dir? Lohnt es sich, das Experiment zu wagen?

Die Kraft des Imperfekten

Perfektes ist langweilig. Man kann es sich paar Minuten lang anschauen und dann ist es langweilig. Man kann es bewundern. Und danach? Langweilig!

Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen.

Goethe

Wir brauchen das kindliche Vertrauen in das Tun, um uns zu entfalten. Wir brauchen schiefes Bild, um uns lebendig zu fühlen.

Lasst uns Dinge tun und das Tun vor dem Können stellen!

So lasst uns anfangen! Lasst uns loslegen! Lasst uns Anker lichten! Lasst uns aufbrechen!

  • Lasst uns persönliche 20 Minuten Experimente starten.
  • Lasst uns tun, statt warten.
  • Lasst uns ausprobieren statt Bedenken tragen.
  • Lasst uns Erfahrungen sammeln statt contra Argumente auflisten.
  • Lasst uns bewusst und lebendig sein.

Wir wollen lebendig und zufrieden sein. Kein Schattendasein. Kein halb-lebendig sein.

Lasst uns Dinge tun und das Tun vor dem Können stellen. Lasst uns für einander Inspiration und Kraftfeld sein, so (un)perfekt, wie wir sind.

Denn ansonsten:

One day baby, we’ll be old
Oh baby, we’ll be old
And think of all the stories that we could have told.

Asaf Avidan

Und wenn das noch nicht #Schubs genug war: Jeder von uns besitzt genau so viel Mut, wie viel Angst er / sie spürt.

Auch Du!

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Photo by Dmitry Ratushny on Unsplash

Wie du aufhörst zu warten und anfängst zu leben

Wie du aufhörst zu warten und anfängst zu leben

Warten gehört zu jenen Tätigkeiten, die ich versuche zu vermeiden. Rote Ampeln und Wartezimmer (allein der Name schon!) gehören nicht zu meinen Freunde. Darum möchte ich mit dem heutigen Schubs dich als Leser ermuntern, mit dem Warten aufzuhören. Hier sind meine Top-Argumente:

Lieber ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach

Verstehe mich nicht falsch. Ich weiß, dass es sich manchmal lohnt, auf die Taube zu warten. Manchmal ist es sogar extrem wichtig, auf die Taube zu warten und alle Spatzen ziehen zu lassen. Mit der Betonung auf das Wort „manchmal“.

Wir alle kennen Menschen, die es gewagt haben. Menschen, die etwas entschieden und umgesetzt haben. Eine große reise, eine berufliche Veränderung, ein Jahr im Ausland. Und genau so kennen wir eine Menge Menschen, die es nicht wagen. Jeder hat Träumen und Ambitionen. Es ist in unserer menschlichen Natur angelegt, unzufrieden zu sein und nach etwas zu suchen.

Nichts ist schwerer zu ertragen, wie eine Reihe von guten Tagen. – Goethe

Also los, seihen wir ruhig mal unzufrieden. Lasst uns durchaus frech sein und uns ganz doll was wünschen. Ein anderes Auto. Eine größere Wohnung. Einen längeren Urlaub.

Soweit – so gut?

Und jetzt kommt es: WORAUF WARTEST DU?

Was wäre anders, wenn du jetzt ein größeres Auto hättest? Eine schickere Bude? Zeit für einen Strandspaziergang?

Stelle dich vor einen Spiegel und betrachte dich. Sei mindestens fünf Minuten dieser Mensch mit dem erfüllten Wunsch. Fühle in dich hinein. Was ist anders? Wenn es sich gut anfühlt, gib dir noch fünf Minuten. Klopfe dir selbst auf die Schulter. Mach eine Powerpose. Sage laut „Gut gemacht!“.

Jetzt.

German Angst mit German Mut ersetzen

Warten ist oft ein Zeichen von Unentschlossenheit, Unsicherheit. Soll ich oder soll ich nicht? Ich hätte ja, aber… Der Begriff „German Angst“ ist in das englische Vokabular eingeflossen und bedeutet dort „Bedenken“. Wenn wir uns nicht entscheiden, bedenken und überdenken wir das Ganze stundenlang. Das Ergebnis? Oft weder die Taube noch der Spatz.

Ersetze deine Bedenken mal mit einem mutigen Schritt. Mache das zu einem Experiment. Wenn es dir ganz wichtig ist, dass nichts Schlimmes passiert, entscheide, was ein „safe to fail“ Experiment sein könnte. „Safe to fail“ meint, dass niemand zu Schaden kommt oder sogar, dass niemand bemerkt, dass du etwas gemacht hast.

Außer du selbst.

Wann startet dein Experiment?

Das Leben wartet nicht

Mein Lieblingsargument. Könnten wir die Zeit anhalten, um in Ruhe über die Dinge nachzudenken, wäre das Warten vielleicht gar nicht so übel. Leider fließt das Leben fröhlich weiter, während wir grübeln und warten. Und: während wir warten, verändern sich die Rahmenbedingungen, in deren unsere Überlegungen gestartet sind. Wir denken also sehr schnell in einem „veralteten“ Szenario. Wie soll man da entscheiden?

Stürze dich in den fröhlichen Fluss des Lebens (oder gehe da vorsichtig hinein), aber bleibe nicht stehen. Denn das Leben wartet nicht!

Natur als Vorbild

Hast du schon mal etwas in der Natur gesehen, das wartet? Einen Grashalm vielleicht? Oder die Sonne?

Die Natur ist ein wunderbares Vorbild, wenn es darum geht, einfach zu machen. Die Natur hat keine Angst, etwas falsch zu machen. Sie bemüht sich nicht willentlich darum, Dinge perfekt zu durchdenken (und dennoch produziert sie eine Menge nahezu perfekter Formen, Farben und Materialien). Die Natur experimentiert ununterbrochen, nimmt sich Raum und macht einfach. Jede verfügbare Resource, sei es denn Wasser oder Licht, wird zu etwas umgewandelt. Zu Energie, zu neuen Blumen und Schmetterlingen, zu Wasser…

Du bist auch wie die Natur. Finde deine Geschwindigkeit, finde dein Tempo für Jahreszeitenwechsel. Finde deine Klimazonen und dann lege los mit tun und sein.

Sein und tun.

petranovskaja sein

Reframing

Manchmal fühlt es sich so an, als wäre man gezwungen, zu warten. Auf den Postboten. Auf einen Kollegen im Projekt. Auf die Antwort einer Behörde.

Opfer zu sein ist ungünstig für unser Selbstbewusstsein. Damit du stets der Erschaffer deines Lebens bist und nicht gezwungen bist, zu warten, empfehle ich dir das sogenannte Reframing. Die Technik, dieselbe Realität in einem neuen Licht zu sehen und sich dadurch besser zu fühlen, ist mittlerweile recht verbreitet. Kleine Veränderungen in den Wörtern, die du für die Beschreibung deines Lebens nutzt, bringen oft unerwartete Ergebnisse. Lass uns ein paar Ideen generieren:

Statt „Ich muss auf den Postboten warten“ kannst du sagen „Ich freue mich auf die Zeit, die ich nun habe, und ich werde diese nutzen, um zu …“

Statt sich darüber zu ärgern, dass ein Kollege deine Mail nicht beantwortet hat und du heute eine Aufgabe nicht abschließen kannst, bedanke dich für die Möglichkeit, deine Zeit selbst zu gestalten und dir inzwischen andere Punkte deiner To Do Liste vorzunehmen.

Warten ist unproduktiv. Zeit produktiv zu nutzen kann auch anstrengend sein. In einem Wartezimmer beim Arzt bedanke ich mich für die Möglichkeit, in eine dieser bunten und belanglosen Zeitschriften reinzuschauen und dabei zu entspannen, als wäre ich beim Frisör.

Wähle also Spaß und Freude statt Langeweile und Ungeduld.

Entscheidungen treffen

Logischer Folgeschritt aus dem Reframing ist die Übernahme von Verantwortung für das eigene Befinden. Du triffst die Entscheidung, als was du durch das Leben gehst.

Da ich über das Thema Entscheidung schon einige Male gebloggt habe, empfehle ich dir bei Interesse neben dem Artikel darüber, wie du deine Entscheidung psychologisch korrekt mit einem Würfel triffst auch den Artikel darüber, wie du entscheidest, welche Entscheidung sich lohnt. Doppelt gemoppelt? Finde es heraus ;-)

Und weil wir schon dabei sind, ein thematisch passendes Video habe ich für dich auch im Angebot:

 

Das Leben ist endlich

Mein persönlicher Lieblings-Schubs kommt aus dem Buch der australischen Krankenschwester Bronnie Ware. Das Buch heißt „Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ und kommt mit der folgenden Liste auf uns zu:

  1. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben“ …
  2. „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“ …
  3. „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken“ …

Mir reichen schon die ersten zwei, um mich sofort daran zu erinnern, dass ich sterblich und dass meine Zeit endlich ist. Ich möchte auf jeden Fall sagen können, dass ich mein Leben voll gelebt habe. Ich möchte bunt und laut, lecker und leise, schnell und langsam ausgekostet haben. Gefühle empfunden, Gedanken gedacht, Giraffen gestreichelt und unzähligen Wellen zugeschaut haben.

Das ist mein Leben.

Du hast deins.

Deine Wünsche, deine Ideen, deine Ängste und deine Fragen – all das ist es wert, Platz in deinem Leben gefunden zu haben.

Warten bringt nicht viel. Bei einem meiner Spaziergänge habe ich das folgende Foto gemacht:

petranovskaja godot warten

Das Leben ist endlich.

Du bist einmalig.

Warte nicht, lebe!

#schubs

petranovskaja Unterschrift signatur

 

Warum es gut ist, ein Narr zu sein

Warum es gut ist, ein Narr zu sein

In Russland gibt es ein Sprichwort, das heißt: Lebe 100 Jahre, lerne 100 Jahre, stirbst als Narr. Meine Mutter sagte es immer dann auf, wenn sie etwas Neues für sich entdeckte und sich darüber freute.

In der heutigen Zeit, mit so unfassbar viel frei verfügbarem Wissen um uns herum, fällt es schon mal schwer, sich selbst und anderen zu sagen, man lerne noch. Xing und LinkedIn Profile und so viele Büroräume werden mit Zertifikaten geschmückt. Dies dient als Nachweis, man hätte was drauf, man sei durch die harte Schule des (auswendig) Lernens durch.

(Kurzer Exkurs: Früher war es in einem Menschenleben normal, so linear zu denken. Heutiges Berufsleben eines Menschen sieht etwas anderes aus:)

petranovskaja drei felder des lebens

Warum es gut ist, ein Narr zu sein

Fassen wir zusammen, worüber sich die Welt einig zu sein scheint:

1. Dass die Welt sich ändert. Wir sprechen von New Work, von VUCA, von Dynaxity. Taylor-Wanne, Disruption, Ambidextrie – all diese Wörter klingen wie eine Diagnose für eine seltsame neue Krankheit, unter der unsere Welt leidet.

petranovskaja dynaxity modell

2. Dass man die Probleme nicht mit gleichen Mitteln lösen kann wie die, mit denen man diese Probleme auf die Welt gebracht hat. Obwohl der Spruch dazu schon etwas älter ist, zitieren wir den guten Alfred Einstein in diesen Tagen öfter denn je.

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. –Albert Einstein

3. Dass Kompliziertes und Komplexes auf verschiedene Art und Weise behandelt werden müssen. Nicht erst mit dem Anmarsch der Agilität, auch vorher schon – und spätestens mit dem allgemein Bekanntwerden des Cynefin Modells – haben wir uns darauf geeinigt, dass Best Praxis (früher das gängigste Mittel zum Lösen der meisten Probleme und die Wunderwaffe der Unternehmensberater) im komplexen Umfeld wenig wirksam ist. Lernende Organisation (das entsprechende Buch dazu schrieb Peter Senge bereits 1990) wird heute zwar nicht so genannt, aber mit Stand Up Meetings und Retrospektiven so geführt. Kollegiale Beratung (eine in den 80ern entwickelte Methode) wird heute Mastermind oder WOL Circle genannt. Die Popularität dieser co-kreativen Formate zeugt vom Verständnis, dass man komplexe Probleme nicht allein lösen kann, sondern nur gemeinsam mit anderen Menschen, die unter Umständen (und manchmal notwendigerweise) ganz anders denken.

petranovskaja cynefin

4. Dass wir neue Kompetenzen brauchen und dass viele der heutigen Berufe in Zukunft obsolet werden. Teilweise geben wir Standard-Abläufe an Roboter ab, teilweise entstehen Berufsbilder, für die es noch keinen Bachelor-Lehrgang gibt. Immer mehr Menschen sind erfolgreich im Business ohne je in einer Fach- oder Hochschule gewesen zu sein. Wir lernen von Bloggern und Influencern, wir lernen in MOOCs (Massive Open Online Course) und auf YouTube. Und währen die Führungskräfte der „alten Schule“ das Führen der Generation Y & Z als ihre größte Herausforderung beschreiben, wuseln diese Generationen sich durch die sich rasch verändernde Business-Welt und bauen sich ihre eigene auf.

Was nun?

Wenn du, werter Leser, ein Mensch um oder über 40 bist, dann ist mein herzlicher Appel an dich: sei ein Narr! Öffne dich der Möglichkeit, noch nichts oder nicht genug zu wissen. Nimm die Haltung an, dass die Welt voller Wissen ist, welches dir zur Verfügung steht. Sei im Vertrauen, dass jedes deiner Probleme dir eine Gelegenheit zum Lernen gibt. Öffne deine Filter, probiere neues aus, mache Dinge neu. Ein Anfang könnte sein, Zähne mit linker Hand zu putzen, verschiedenfarbige Socken anzuziehen oder im Restaurant etwas anderes zu bestellen als sonst.

Lebenslang lernfähig

Gerald Hüther nennt die Fähigkeit unseres Gehirns, lebenslang Neues zu lernen „Plastizität des Gehirns“. Neue synaptische Verbindungen entstehen zu lassen, das geht am Besten, wenn man gemeinsam mit einer Gruppe neue Erfahrungen macht. Das Gehirn sei laut Hüther im Laufe der Evolution nicht zum Auswendiglernen optimiert worden, sondern zum Lösen von immer neuen Problemen. Es sei keine Rechenmaschine, sondern ein „soziales Organ“. Folgen wir dieser Erkenntnis der Hirnforscher und Psychologen, steht dem lebenslangen Lernen von neuen Sprachen, Methoden, Lösungswegen nichts im Wege.

petranovskaja zukunft

Fazit

Verbindet man die Russische Volksweisheit „Lebe 100 Jahre, lerne 100 Jahre, stirbst als Narr“ mit den Erkenntnissen der modernsten Hirnforschung, besteht große Hoffnung, dass wir –trotz aktueller leichten Überforderung – die neuen Probleme meistern werden. Zwei Dinge brauchen wir dafür:

  • wir öffnen uns einander, hören einander aufmerksam zu und freuen uns an den Differenzen in Meinungen und Weltansichten
  • wir nehmen eine Haltung an, die es gut findet, (egal im welchen Alter und mit wie vielen Zertifikaten) noch sehr vieles lernen können

Stay foolish!

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Warum es mit Working Out Loud besser ist als ohne

Warum es mit Working Out Loud besser ist als ohne

Working Out Loud (WOL) springt mir auf allen Kanälen ins Auge. Da dachte ich, ich schreibe mal was darüber.

Prolog

Die Lieblings-Boygroup meiner Tochter heisst One Direction. Die Lieblings-Boygroup meiner Mutter war Beatles.
Warum das im Zusammenhang mit Working Out Loud“ steht? Das erzähle ich gern.

Kurzfassung

Jede Generation hat seine Idole. In der Musik sind es Musiker, in der Wirtschaft sind es Modelle oder Methoden. Wir wechseln Namen, Erscheinungsbilder, Farben. Wir jagen eine Sau durchs Dorf. Wir entwickeln uns. Und jede Entwicklung ist mit Lernen verbunden. Ich finde, dass es besser ist mit Working Out Loud zu lernen und Zukunft zu gestalten als ohne. Egal wie sehr die WOL Methode kritisiert oder gefeiert wird.

Lange Fassung

Was ist WOL

(du kannst diesen Abschnitt gern überspringen wenn du mit WOL bereits vertraut bist)

Wikipedia behauptet, WOL wäre eine Mentalität der Zusammenarbeit und eine darauf aufbauende Selbstlern-Methode. Entstanden 2010, wurde es entwickelt und von John Stepper unter anderem durch einen TED Talk bekannt gemacht. Selbstverständlich gibt es auch ein Buch dazu. Die Methode (eine selbstorganisierte Lernreise mit 4-5 Teilnehmern in einem WOL Circle) ist frei unter der Creative Common Lizenz verfügbar.

In Deutschland wurde die Methode (weniger die Mentalität) vor allem dadurch bekannt, dass große Konzerne (AUDI, BMW, Bosch, Continental, Daimler, Deutsche Bank, Telekom, Siemens) sich zu einer Community of Practice zusammengeschlossen haben und sogar den HR Excellence Award gewonnen haben – für ihre selbstorganisierte unternehmensübergreifende Zusammenarbeit und Austausch. Wenn das nicht ein Beispiel für „Nieder mit dem Silo-Denken!“ ist…

Um die Methode kennenzulernen, haben vier selbständige Kollegen und ich die 12 Circle Treffen und die darin enthaltenen Übungen und Aufgaben absolviert. Wir haben durchaus verstanden, dass manche Impulse in einer Konzern-Kultur revolutionär klingen können. Die positive, gut gemeinte, auf unsere Zukunft der Arbeit ausgerichtete Intention ist also durchaus klar. Das wird auch der Grund sein, warum die Zahl der WOL Circle stetig wächst und unter dem WOL Dach alles mögliche an Veranstaltungen, Formaten und Diskussion-Foren entsteht.

Sau durchs Dorf jagen

The more I see, the less I know for sure. – John Lennon, The Beatles

Nun kommen wir zur dunklen Seite der Macht. Wo etwas wächst und gedeiht, wo etwas populär und leicht zu haben ist, da sind natürlich Zweifel, Kritiker und Trittbrettfahrer nicht weit. Mir Schmunzeln las ich die WOL Beschreibung von Lars Vollmer:

Working out loud (abgekürzt: WOL) ist eine modische Managementmethode, bei der die Mitarbeiter im Konzern auf den Komplexitätsdruck der Digitalisierung mit der Vernetzung von Menschen reagieren. So weit, so gut: Da treffen sich also regelmäßig und in vorkonzipierten Circles Menschen kreuz und quer aus der Organisation und erklären sich gegenseitig, woran sie gerade arbeiten. Oder sie schreiben einen Blogartikel darüber, damit andere im Unternehmen und außerhalb davon erfahren können. Sie machen die eigene Arbeit irgendwie sichtbar und hörbar und reden dann darüber mit denen, die es interessiert. Das ist alles. Viel spannender wird es nicht.

Lars kritisiert vor allem den geglaubten Zusammenhang zwischen dem, was Mitarbeiter in den WOL Circles (meist in ihrer Freizeit) machen und der Verbesserung des Zusammenarbeit und der Umsätze.

Lieber Lars, ich verstehe deine Position, und ich möchte an dieser Stelle zwei Punkte vorbringen:

a) wenn etwas neu ist und hipp, dann sagen wir dazu „Da wird schon wieder eine Sau durchs Dorf getrieben!“ und wenden uns gern etwas verachtend ab. Mag eine hilfreiche Haltung sein, um sich auf die eigenen Themen besser fokussieren zu können. Mag aber auch (mal) komplett falsch sein. Wir werden erst hinterher erfahren, welche Sau doch keine Sau war und tatsächlich zu einer Transformation geführt hat. Das bringt mich zu Punkt

b) die Abwesenheit von Beweisen für etwas bedeutet nicht, dass es diese Zusammenhänge nicht gibt. Sprich, nur weil das WOL Vorgehen (methodisch) oberflächlich, vorkonzipiert, seicht erscheint, können wir dennoch nicht verhindern, dass es auch zur Änderung der Mentalität führt und die fünf Prinzipien von WOL erlebbar macht:

  1. Fördern von Beziehungen (Relationships)
  2. Großzügigkeit (Generosity)
  3. Sichtbarmachung der Arbeit (Visible work)
  4. zielgerichtetes Verhalten (Purposeful Discovery)
  5. wachstumsorientiertes Denken (Growth Mindset).

Nassim Taleb würde dazu sagen: Abwesenheit von Beweisen ist nicht dasselbe wie Beweise für eine Abwesenheit.

Warum New Work die Working Out Loud Mentalität braucht

Ich erspare uns den langen Text darüber, dass wir in einer VUCA Welt leben und alles um uns herum so furchtbar schnell und komplex ist. Gleich zum Punkt kommend, möchte ich auf die Themen kommen, die in sehr vielen Unternehmen bewussten Eingang in die gestalteten Transformationen fanden:

  • Selbstbestimmung und Selbstorganisation
  • Co-Creation und Ambiguitätstoleranz
  • Anerkennung und Wertschätzung
  • Sinnstiftung und Integration in das große Ganze

Betrachten wir die Ziele von WOL, sehen wir große Überlappungen. Mir persönlich fehlt nur die Integration in das große Ganze – und das (so verstehe ich die Kritik) ist auch der Punkt von Lars Vollmer.

Darüber hinaus finde ich auch viele Brücken zwischen den WOL Prinzipien und dem Manifest Generation Global vom Zukunftsinstitut, unter anderem bei den Stichworten

  • Wir sind mutig und probieren neue Arten der Lebensgestaltung aus
  • Vernetzung ist unser Normalzustand
  • Gemeinschaft ist unser höchstes Gut. Wir wählen unsere Communitys selbst.

Und dennoch

I don’t need the perfect one, I need the one who will make me feel like I’m the only one. – Zayn Mailk, One Direction

Jede Methode hat ihre Schwachpunkte. Jedes Modell vereinfacht die komplexe Realität. Jede Sau, die durchs Dorf getrieben wird, ist irgendwann aus dem Dorf raus, und da es ganz ohne langweilig werden könnte, freuen wir uns immer wieder auf die nächste Sau. Diese betrachten wir eine Weile und dann gibt es meistens „dafür“ und „dagegen“ Lager.

Ob du dich nun für das „dafür“ im Working Out Loud entscheidest oder dagegen, eins ist und bleibt extrem wichtig: die Auseinandersetzung, das Lernen, das Erkennen der eigenen Themen. Anregende Anekdote dazu:

Sitzen zwei Männer in einer Bar irgendwo in der Wildnis von Alaska. Der eine ist religiös, der andere Atheist, und die beiden diskutieren über die Existenz Gottes mit dieser eigentümlichen Beharrlichkeit, die sich nach dem, sagen wir mal, vierten Bier einstellt. Sagt der Atheist: „Pass auf, es ist ja nicht so, dass ich keine guten Gründe hätte, nicht an Gott zu glauben. Es ist nämlich nicht so, dass ich noch nie mit Gott oder Gebeten experimentiert hätte. Letzten Monat erst bin ich weit weg vom Camp in so einen fürchterlichen Schneesturm geraten, ich konnte nichts mehr sehen, hab mich total verirrt, vierzig Grad unter null, und da hab ich’s gemacht, ich hab’s probiert: Ich bin im Schnee auf die Knie und hab geschrien: Gott, wenn es dich gibt, ich stecke in diesem Schneesturm fest und sterbe, wenn du mir nicht hilfst!“

Der religiöse Mann in der Bar schaut den Atheisten ganz verdutzt an: „Na, dann musst du jetzt doch an ihn glauben“, sagt er. „Schließlich sitzt du quicklebendig hier.“

Der Atheist verdreht die Augen, als wäre der religiöse Typ der letzte Depp: „Quatsch, Mann, da sind bloß zufällig ein paar Eskimos vorbeigekommen und haben mir den Weg zurück ins Camp gezeigt.“

Ob wir an etwas glauben oder nicht, wir finden die Bestätigung dafür. In diesem Sinne wünsche ich uns allen:

  • frischen Kopf für gute Erkenntnisse
  • mutiges Herz für das Alte verwerfen und Neues aufnehmen
  • dass wir fürs Leben lernen und dennoch kindisch aufgeschlossen sind gegenüber Dingen und Erlebnissen, die nicht sofort in eine bereits existierende Schublade passen.

Epilog

Früher waren es Beatles. Dann kamen Back Street Boys und heute sind es One Direction. Jede Generation hat ihre Boygroup, jede Ära hat ihre Methoden und ein Etwas, das begriffen und implementiert werden möchte. So wie eine Boygroup eine Nachfrage bedient, tut auch WOL eine aktuelle Nachfrage unserer Arbeitswelt bedienen.

Es handelt sich dabei nur um ein Beispiel, und ein sehr gutes für die Haltung, die da heisst: Mit diesem Etwas (WOL, Agile, Intrapreneurship, Blabla, Whatever) ist es besser als ohne, weil mit etwas aktiv tun, weil wir Dinge ausprobieren und somit lernen. (Eine Auseinandersetzung damit, WIE wir diese Etwas behandeln und ggf. in existierende Unternehmensprozesse übernehmen, könnte diesem Artikel folgen.)

Danke für das Lesen! Ich bin gespannt auf Meinungen und Kommentare und freue mich, wenn sich etwas Neues daraus ergibt.

petranovskaja Unterschrift signatur

PS: Eine umsetzbare WOL Inspiration findest du hier:

petranovskaja wol contribution list

Photo by Oleg Laptev on Unsplash

Flugunterricht für Vögel

Flugunterricht für Vögel

Ob Vögel Flugunterricht brauchen? Heute setze ich mich mit meinem eigenen Beruf kritisch auseinander. Das passiert weder aus Frust noch aus Neid, vielmehr aus dem Wunsch, unsere Arbeitswelt um ein paar Aspekte reicher zu machen und das Gestalten der Zukunft mit mehr Freude und Elan anzugehen. Lesedauer: ca. 5 Minuten.

Fast jede Woche spreche ich als Beraterin mit mittleren und großen Unternehmen über das Thema „New Work“. Meine Fragen dazu:

  • Was bedeutet der Begriff „New Work“?
  • Was ist zu diesem Thema bereits in der Umsetzung? (aus der Phase des Redens raus)

Die Antworten sind verschieden. Frau X wäre auf einer Konferenz gewesen. Es seien Berater im Haus, die etwas untersuchen und ein Konzept vorstellen wollen. Man wolle noch nicht in die Umsetzung gehen, bevor man sich sicher sei, was genau man tun sollte. Und ob ich ein Buch oder so etwas empfehlen könnte.

Prolog: Flugunterricht für Vögel

Stell dir vor, eine Gruppe smarter, gut aussehender Berater (teilweise in Anzügen, teilweise eher Berlinerisch leger und mit einem langen gepflegten Bart ausgestattet) von einem oder mehreren namhaften Unternehmen bringt einem Schwarm Gänse das Fliegen bei. Dazu haben die Berater vorher die Vögel untersucht und einen Konzept aufgestellt. In der sehr langen PowerPoint Präsentation mit sehr viel Text (in Schriftgröße 10 und kleiner) findet man neben den Erkenntnissen der Analyse-Phase auch eine ausgiebige Anleitung dazu, wie man abhebt, fliegt, in der Luft navigiert und wieder landet. Nachdem die Präsentation den schnatternden Vögeln vorgetragen wurde, heben diese in die Luft und fliegen davon. Die Berater schreiben die Rechnung.

Das Umkehren

Ich lese hundert Mal so viel wie ich schreibe. Daher weiß ich mit Sicherheit nicht mehr genau, aus welchem Buch oder Blog ich die Weisheit bezogen habe, dass es in der VUCA Zeit nicht mehr darum geht, Konzepte zu schreiben und umzusetzen, sondern viel mehr darum, Steine aus dem Weg zu nehmen. Welchen Weg ich meine?

Ich bin mir sicher, dass Vögel selbst wissen, wie man fliegt. Und ich bin fest überzeugt, dass – gerade weil wir so viel über VUCA sprechen – die neue Realität nicht auf alte Art und Weise geschaffen werden kann. Während wir also an sehr vielen Baustellen in der Wirtschaft immer noch versuchen, uns dem Thema „New Work“ auf alte, uns vertraute Art und Weise zu nähern, frisst sich das Neue unaufhaltsam durch unsere Welt.

Das Neue aus New Work kann man nicht aufhalten. Nicht planen. Nicht in Prozesshandbücher packen.

Wir können, wir dürfen dem Neuen vertrauen und ihm die Steine aus dem Weg räumen. Dafür sorgen, dass es sich dort entfaltet, wo wir es brauchen. Zum Beispiel in den Abteilungen, die vom Fachkräftemangel betroffen sind (oh ja, es gibt ihn doch, diesen Mangel!). Zum Beispiel in den zahlreichen Führungskräfte-Programmen, die (viel zu oft) immer noch als PowerPoint Schlacht ablaufen. Oder im Mittelstand – weil diese Unternehmen wendiger und an sich agiler sind als Großkonzerne und so gutes stabiles Mittelfeld der Zukunft sind.

Der Kern

Giso Weyand, ein Mensch, den ich sehr schätze, hat in seinem wunderbaren Buch eine Aufgabe, die lautet: Stell eine Liste der Dinge zusammen, die dich (als Berater) in den letzten Monaten geärgert haben. Als ich die Übung machte, dachte ich nicht viel über die Folgen nach.

Doch jetzt weiß ich: ich ärgere mich seit einer längeren Zeit darüber, wie viel über das Thema New Work gesprochen, geschrieben und diskutiert wird – und wie wenig in die Tat umgesetzt. Das Festhalten an der alten Überzeugung, auch dieses hochkomplexe Thema könnte man mit Hilfe von linear nach vorne schauenden Konzepten lösen, macht mich traurig. Die (zum Teil sehr erfolgreiche) Versuche, aus der Verwirrung der Unternehmen Geld zu machen – mit Konferenzen (wo man den Vögeln das Fliegen beibringt in Form von Vorträgen), mit Büchern (wo man berichtet, wie Vögel fliegen), mit schlauen neuen Berater-Titeln (New Work Evangelist oder Senior New Work Enabler).

Verständlich, dass dieses Vorgehen vorerst mehr Verwirrung schafft, als Klarheit. Das führt selbstverständlich dazu, dass noch mehr Flugunterricht-Stunden verschrieben werden.

Der Dunning-Kruger-Effekt

Meine Aufregung wurde diese Woche kanalisiert. Ein Teilnehmer meiner Führungs-Werkstatt hat mich auf den Dunning-Kruger-Effekt hingewiesen. Dieser Effekt, von zwei Psychologen entdeckt, beschreibt die Neigung inkompetenter Personen, das eigene Können zu überschätzen und den Ausmaß ihrer Inkompetenz nicht zu erkennen. Gleichzeitig werden diejenigen mit echten Kompetenzen häufig mit Zweifeln an ihren Fähigkeiten geplagt.

Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. […] Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, [sind] genau jene Fähigkeiten, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen. – David Dunning

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Der britische Philosoph Bertrand Russell hat bereits einige Jahrzehnte davor erkannt:

Das Problem mit der Welt ist, dass die Dummen schwärmerisch sind und die Intelligenten voller Zweifel.

Petranovskaja Fresse halten

Wie kommen wir zur Lösung?

Das berühmte Kurzvideo mit dem Pinguin, der sagt, was zu tun ist, wenn man keine Ahnung hat, ist millionenfach geteilt und zitiert worden. Resultate? Unbekannt.

Gern zitiere ich den Einstein, der sagte, dass man Probleme nicht mit der gleichen Denkweise lösen kann, durch die diese entstanden sind. Wenn wir uns also im postindustriellen Zeitalter einen Weg in das New Work suchen, wäre mein absolut größter, laut auszusprechender Appel:

Lasst es uns tun!

  • Tun im Sinne von Kindern, die spielerisch lernen, wie etwas geht
  • Tun im Sinne der Agilität: Experimentieren, Prototypisieren, Neuland entdecken (New Work ist doch Neuland, oder?)
  • Tun im Sinne eines mutigen Unternehmertums
  • Tun im Sinne von Corporate Rebellen
  • (Liste ist bestimmt nicht vollständig!)

We are largely better at doing than we are at thinking. – Nassim Taleb, Antifragile

Wer lieber analysieren und Konzepte schreiben will, bitte schön!  Der von mir tief bewunderte Nassim Taleb, dem ich die Metapher mit dem Flugunterricht für Vögel geklaut habe, meint dazu:

Praktiker schreiben nicht, sie handeln. Vögel fliegen, und diejenigen, die ihnen das Fliegen beibringen wollen, sind dieselben, die ihre Geschichte aufzeichnen. Man kann also unschwer erkennen, dass Geschichte tatsächlich von Losern geschrieben wird, die über viel Zeit und einen sicheren akademischen Posten verfügen.  – Nassim Taleb, Antifragilität

Zeit, mich selbst an die eigene Nase zu fassen

Was tue ich hier? Ich schreibe.

Als Bild dazu: Ich schreibe in einer Flughafenlounge, während ich auf meinen Flug warte (genau, ich kann fliegen! :-)). Ich habe gerade drei Tage in einer Führungswerkstatt mit einer Gruppe von Führungskräften gearbeitet, und wir haben viel daran gearbeitet, wie man die Mitarbeiter und unternehmerische Werte in der Zeit voller Unsicherheit, Sprunghaftigkeit und Komplexität, behalten und entwickeln kann. Nein, wir haben das nicht New Work genannt. Aber wir waren uns alle einig, dass wir die Zukunft entwickeln, und dass es sich anfühlt, als wären wir auf einer portugiesischen Karavelle, die zwar Richtung Indien aufgebrochen ist, aber eventuell in Amerika landen wird.

Ich bin ein Praktiker. Ein leidenschaftlicher, recht pragmatischer Macher. Ein Umsetzer. Und – bekannter weise – jemand, der andere sehr gern in dieses Tun schubst.

petranovskaja grosses entstehen

Hier kommt also der große Schubs zum New Work:

Lasst uns zusammen aufbrechen! Keiner von uns weiß, wie New Work geht – dann sind wir alle in der gleichen vorteilhaften Situation. Wir können es alle zusammen entdecken, kartografieren, benennen und erkunden. Wir können von oben – aus der Flughöhe – neue Erkenntnisse über die Lage gewinnen. Wir – Berater und Unternehmen – sind auf diesem Weg in die Zukunft ein Team, eine Gruppe voller neugieriger Unternehmer. Wir können dem Neuen die Steine aus dem Weg räumen und lernen, wie wir es in das „Alte“ integrieren können. Lasst uns zusammen testen, wie breit unsere Flügel sind und wie weit sie uns tragen können.

Lasst und fliegen!

#schubs

petranovskaja Unterschrift signatur

 

Photo by Gary Bendig on Unsplash

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