Wie ich mich auf meinen TED Talk vorbereite

Wie ich mich auf meinen TED Talk vorbereite

Wie ich mich auf meinen TED Talk vorbereite? Was ist überhaupt ein TED Talk? Wie kann man mit einer 18-Minuten-Rede die Welt verbessern? Und wann wird es meinen TED Talk geben? Auf manche dieser Fragen findest du hier eine Antwort.

Eine Beichte vorab: ich bin seit mehr als 10 Jahren mit dem Wunsch unterwegs, etwas zu bewegen, und zwar über das öffentliche Sprechen. Das Buch “How to deliver a TED talk” steht seit 2012 in meinem Regal. Mein erstes Speaker-Coaching ist auch ungefähr 10 Jahre alt. Das ist auch schon die erste Antwort: ich bereite mich langsam und geduldig vor.

Dabei bin ich eine sehr ungeduldige Person. Die Tatsache, dass ich es mit meinem TED Talk nicht eilig habe, verrät mir selbst:

  • dass ich noch nicht so weit bin
  • dass ich – wie viele andere Menschen – Angst davor habe, meinen Traum zu verwirklichen

Ich meine es diesmal ernst

Vor 10 Jahren war das vielleicht mehr eine Laune, ein “ich will auch auf einem roten Teppich stehen und Applaus bekommen”. Dieses Mal meine ich das aber ernst. 2022 war ein herausforderndes Jahr, voller ungeplanter Wendungen, und das zwang mich zum kritischen Hinterfragen: was mache ich eigentlich? wie trage ich zur besseren Welt bei? was bleibt, wenn ich gehe?

Die TED Community, die ist nämlich 1984 aus einem tollen Grund gegründet worden: IDEAS WORTH SPREADING. Es geht also darum, Geschichten zu erzählen und einander nachhaltig zu inspirieren. Es geht weder um Marketing noch um Bedeutung, Status oder Gewinner. Es ist eine Community, die sich darum kümmert, Ideen in die Welt zu tragen und Geschichten zu erzählen, die weiter erzählt werden. Denn das ist – trotz Internet – immer noch die Art und Weise, wie wir Menschen uns entwickeln. Wir hören zu, wir fühlen, wir denken nach, wir erkennen etwas oder wollen etwas Neues. Und das möchte ich aktiv unterstützen.

Das ist mein Warum. Ich möchte dazu beitragen, dass wir uns entwickeln. Ich möchte inspirieren, bewegen, aufrütteln und zum Nachdenken anregen. TED Talk ist da natürlich nur eine der zahlreichen Möglichkeiten.

Apropos Möglichkeiten

Mein Nachruf

2021 habe ich in einem Coaching-Retreat meinen eigenen Nachruf geschrieben. Ich fand das beim Verfassen ganz leicht, mich drauf zu fokussieren, was mein Wunsch ist, über mich zu lesen und zu hören, wenn ich nicht mehr da bin. Hier der Text (falls das Foto unleserlich ist)

Aus einer Coaching-Übung, September 2021

Das Ende ist der Anfang von einer anderen Seite. Mutig und neugierig hat sich unsere geliebte Freundin, Mutter, Schwester NADJA PETRANOVSKAJA im Alter von 80 Jahren aufgemacht, die andere Seite zu erkunden.

Sie liebte Sonnenaufgänge, Bücher und Baiser-Torten. Besonders vermissen werden wir ihre unermüdliche Art, in allem auch eine Möglichkeit zu sehen.

Wir wünschen der Nadja eine gute und spannende Reise.

Die Hinterbliebenen

Ja, das mit dem Möglichkeiten sehen ist total mein Ding. Und darum soll es auch in meinem zukünftigen TED Talk gehen.

Wie ich mich vorbereite

Hier kommt meine ultimative und tagesaktuelle Liste (gültig im November 2022 – wer weiß, was noch kommt).

  • Ich erzähle ganz vielen Menschen, dass ich vorhabe, einen TED Talk zu halten. Viele in meinem Bekanntenkreis wissen gar nicht, was das bedeutet oder wofür dieses Format steht. Ich empfehle stets gern ein paar konkrete Sprecher und erwähne, was mein Thema sein wird.
  • Ich habe einen Speaker-Coach. Ja, ein bisschen früh, könnte man sagen. Aber diesmal meine ich das ernst, und ein Speaker-Coaching ist für so vieles mehr nützlich! Auch für die Videokonferenzen oder Geburtstagsansprachen :) Ich habe vor, demnächst einzelne Abschnitte auf Video anzunehmen. Das ist Teil meines Coachings.
  • Ich schaue jeden Tag einen TED Talk. Als Inspiration, als Motivation, als Bildung und … als Alternative zu Netflix.
  • Ich recherchiere. Auch wenn ich mein Thema bereits seit längerem im Kopf habe, lese ich super gern alles, was ich dazu finde.
  • Ich denke über meinen Outfit nach. Zum einen fällt mir auf, wie sehr mich manche Outfits vom Redner ablenken. Zum anderen hat Dr. A. Mehrabian herausgefunden, dass 93% der Kommunikation nonverbal stattfinden. Körpersprache, Stimme sind da genau so bedeutsam wie Körpersprache, und meine Körpersprache korreliert super mit einem passenden Kleid.

Was noch aussteht: mich konkret bewerben, damit die ganze Vorbereitung auch Früchte tragen kann. Damit weißt du eins ganz sicher: es gibt noch kein Datum für den Auftritt auf dem roten Teppich.

Worum es in meinem TED Talk gehen wird

(Wie lange kennen wir uns? Und falls wir uns noch nicht kennen: wann holen wir das nach?)

Ich stehe seit 1997 für “Endlich Montag!” – eine Welt, in der Arbeit Spaß ist, und diese Idee möchte ich mit der Welt teilen. Ich wünsche mir so sehr, dass mehr Menschen gern tun, was sie Arbeit nennen. Ich möchte anstecken mit der Idee, wie sehr unsere Welt eine andere sein kann, wenn wir unsere Beziehung zur Arbeit und unser Verständnis von der Arbeit bewusst gestalten.

Nun weißt du Bescheid. Du hast also volles Recht, mich bei einer Gelegenheit zu fragen, was mein TED Talk macht und wie weit ich bin. Ich wäre dir sogar sehr verbunden, wenn du das tun würdest. Das hilft mir nämlich, dran zu bleiben und nicht aufzugeben.

Wann immer ich mich bei dir für deine Unterstützung revanchieren darf, freue ich mich darauf!

geschrieben an einem Montag mit großer Vorfreude

nadja petranovskaja Unterschrift signatur
15 Toasts zu Soul-mates und Stretch-mates

15 Toasts zu Soul-mates und Stretch-mates

Mein Vater war viermal verheiratet. Seite vierte Frau ist leider vor fünf Jahren gestorben, und er ist darüber immer noch traurig, und daran erkenne ich ganz klar, dass sie sein Soul-mate war. Zusammen waren die beiden definitiv stärker und bunter als die Summe der Einzelteile.

Mit der dritten und der zweiten Frau von meinem Vater ist es etwas anders. Ich glaube, die beiden sind für ihn als Personen eher so etwas wie “Stretch-mate” ein Wort, das ich letztens erst kennengelernt habe.

Ein Stretch-mate ist jemand, der uns zum Wachsen einlädt und zum Verlassen unserer Komfortzone, und als solche ist die Person, die eben dieses Soul-mate darstellt, nicht automatisch angenehm. Vielleicht ist diese Person sogar eher das Gegenteil einer Soul-mate Person?

House of Beautiful Business

Jetzt kommst du vielleicht und fragst, was diese ganzen Geschichten mit mir und dir und der Arbeitswelt zu tun haben… Du hast Recht, lass uns das anschauen.

Es gibt eine Community, die nennt sich “House of Beautiful Business“, und dort geht es um genau das. Eine Welt, in der Business schön ist. Angenehm, menschlich, ästhetisch, herausfordernd und schmeichelnd. Auf keinen Fall ist das Business in der Vorstellung dieser Community dreckig, anstrengend und unmenschlich.

Und diese Community veranstaltet ab und an sehr spannende Formate. Für mich doppelt interessant: durch die berufliche Brille lerne ich etwas für meine eigene Moderation. Privat lerne ich durch emotionale Erfahrungen. Zum Beispiel als Teilnehmerin von dem “15 Toasts” Dinner, welches am vergangenen Freitag stattfand.

Das Format folgt einer Tradition, die 2019 entstanden ist:

Wir luden 15 Teilnehmer eines globalen Gipfels des Weltwirtschaftsforums in Abu Dhabi zu einem intimen Abendessen ohne Konferenzcharakter ein. Wir wollten, dass sich der Abend eher wie eine Hochzeit anfühlt als wie eine Podiumsdiskussion. Wir wollten, dass unsere Gäste bewegt und verbunden sind, wenn sie gehen. Und wir wollten einen Raum schaffen, in dem Führungskräfte, die normalerweise auf der Hut sind, die Möglichkeit haben, einfach gemeinsam das Brot zu brechen und über die Dinge zu sprechen, die ihnen am wichtigsten sind.

Tim Leberecht & Priya Parker, Formaterfinder

Und so saß ich am Tisch mit 14 Leuten, die ich noch nie vorher gesehen habe. An der Garderobe schon sollten wir unsere Nachnamen und unsere beruflichen Rollen/Bezeichnungen zusammen mit der Jacke “abgeben”. An diesem Abend sollten sich ausschließlich Menschen begegnen.

Ein magischer Start!

Toast Nummer 7

Eine besondere Regel an diesem Abend lautet: Tests können jederzeit gesprochen werden, wer jedoch als letzter an der Reihe ist, soll seine Geschichte singen. Das Thema des Abends – “Soul-mate & Stretch-mate” – war so sehr Vorgabe wie die Aufforderung, etwas Persönliches mit der Gruppe zu teilen.

Und so hörte ich bewegende Kurzgeschichten über Großmütter und Nachbarn, Lehrer und Schüler, Seifenblasen und Reflexion, Freundinnen und schwarze Raben.

Ich wollte nicht singen. Schon gar nicht vor einer Gruppe mir unbekannten Menschen. Also habe ich in einer Sprechpause mit meinen Tischnachbarn nervös mit dem Messer gegen das Glas geschlagen und stand auf für den Tost Nummer 7.

Mein Vater war viermal verheiratet, das erzählte ich. Und dass die zweite Frau meines Vaters meine Mutter war. Dass ich selbst fast 20 Jahre verheiratet war, meinen Examen jedoch weder zu der Soul-mate noch zu der Stretch-mate Kategorie ordnen würde. Ich bin ihm für so vieles dankbar, doch ich bin auch ehrlich.

Es waren andere Menschen, die meine Soul-mates waren und ebenfalls andere Menschen, die meine Entwicklung gefördert haben, indem sie unerbittlich ehrlich zu mir waren. Meine Mutter zum Beispiel ist bis heute unerbittlich ehrlich zu mir, und so war sie auch stets zu meinem Vater.

15 Toasts zu Soul-mates und Stretch-mates

Und so bemerkte ich bereits in der Vorbereitung meiner Rede am Vorabend, dass ich keinen Toast auf eine Person aussprechen möchte. Viel mehr wollte ch auf einen Gegenstand anstoßen, der in jedem Haushalt und in jedem Büro vorhanden ist. Ein Gegenstand, das so sehr Geduld aufbringt wie Ungeduld. Dass zwar nichts verlangt, jedoch fordernd ist. Ein Gegenstand, das Trost spenden kann und Hoffnung. Inspiration liefern kann und motivierend in den Tag begleiten.

Und nein, die Rede ist weder vom Kaffee noch vom Whisky.

Ich bin diesem Gegenstand immer wieder aufs Neue dankbar, weil es – ungleich den Menschen in meinem Leben – die Rollen von Soul- und Stretch-mate in sich vereint. Es ist weise, ohne zu sprechen und offen, neugierig zugleich.

Die Rede ist vom weißen Papier.

Wie oft schon saß ich vor genau so einem Blatt und wußte nicht, was ich schreiben soll… Und mindestens genau so oft füllte sich das Blatt mit Tinte, und daraus entstanden innige Beziehungen zu mehreren Aspekten meiner Person. So wie eins meiner Lieblingsbücher sagt “New Work needs inner work”, so wird emir durch dieses 15 Toasts Format klar: wir sind das Abbild unserer Geschichten, und unsere Geschichten sind Abbild von uns.

Darum lasst uns bei der Arbeit mehr Geschichten erzählen. Mit und ohne Überschrift, mit und ohne Singen. Lasst uns teilen, was uns bewegt und lasst uns einander zuhören, bis spät in die Nacht. Lasst uns offen und neugierig sein. Emphatisch und schillernd. Traurig, empört und zufrieden.

Zurück an die Arbeit!

Mein Herz pochte, als ich mich nach meinem Toast setzte. Ich habe die verbleibenden Reden und Toast Ansprachen mit großer Freude genossen, inklusive der zuletzt gesungener Version.

Das Format “15 Toasts” hat gezeigt, wie viel Inspiration und Weisheit wir in uns tragen. Wie sehr Geschichten uns auf der menschlichen Ebene verbinden. Tränen und Lachmomente, Erinnerungen und Fragen. Können wir in der Arbeitswelt so eine Beziehung schaffen, in der unbekannte Menschen sich nach 5 Stunden bereits extrem vertraut fühlen? Ein Abend, der Verbundenheit schafft und einen starken Wunsch, die Tür zur Außenwelt zu schließen und noch eine Weile an diesem Tisch zu verweilen, in der Geborgenheit der echten Konversation… Magisch vom Start bis zum Abschluss.

Und natürlich werde ich das Format in meinem beruflichen Leben ausprobieren. Es ist aus meiner Sicht einfach dingend an der Zeit, starke Gemeinschaften zu bauen, und diese Gemeinschaften haben weniger mit unseren Aufgaben zu tun, mehr mit uns und mit unseren Geschichten.

Und solltest du mal einen Soul-mate oder einen Stretch-mate in deinem Leben brauchen, setze dich mit einem Blatt Papier und einem Schreibgerät an deinen Schreibtisch und starte ein Gespräch mit dir selbst.

Einen guten Genuss wünscht dir

nadja petranovskaja Unterschrift signatur

Photo by Kelly Sikkema on Unsplash


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Darf ein Vorstand Spaß haben?

Darf ein Vorstand Spaß haben?

Wenn wir Spaß bei der Arbeit haben, sind wir neugierig, angstfrei, offen für neue Ideen und Lösungsansätze. Wir sind im Flow und im Rausch, und wir können unbegrenzt, unendlich viel. Wir sehen keine Hürden, sondern Möglichkeiten. Wir jammern nicht, wir spüren Energie und Freude. Das ist in meinem Verständnis die Beschreibung, wie die Arbeit sich anfühlen darf.

Neulich sprach ich mit einem Vorstand. Über die Gegenwart, über die ungewisse und unsichere Zukunft, über seine persönlichen Wünsche. Und die Wünsche, die hatten allesamt etwas mit Spaß und Freude zu tun, während die Gegenwart eher rational und ordentlich sortiert ist. Und da kam die Frage, die ich dem Vorstand gestellt habe:

Darfst du als Vorstand in der Arbeitswelt Spaß haben?

Da waren vor ein paar Wochen viele Diskussionen über die tanzende finnische Ministerpräsidentin. Ich las die Beiträge und Diskussionen und fragte mich (naiv wie ich bin): was ist falsch mit uns? Warum überhaupt diskutieren wir, ob ein Mensch – unbeachtet seiner Position und Rolle – Spaß haben DARF?!

Irgendwas muss komplett verkehrt sein in dieser Welt. Das steht fest. Und das steht für mich schon sehr lange fest. 1997, als ich meine berufliche Karriere begann, waren mir die “Endlich Freitag!” Rufe im Radio genau so fremd und unverständlich. Wieso freut man sich auf das Ende der Woche, in der man doch das tut, warum man die ganzen Strapazen der Schule und der Weiterbildung auf sich genommen hat? Wieso quält man sich Montags zur Arbeit, statt die Arbeit – oder die eigene Haltung zur Arbeit – zu ändern?

Verstanden habe ich bin heute nur eins: Irgendwas ist in der Arbeitswelt gründlich kaputt. Und in unserem Bild von dem, was die Arbeit ist. Und weil ich Dinge, die mir sowohl klar als auch komplex erscheinen, gern simplifiziere, hier zwei meiner Lieblingskreise: Wollen und Müssen.

Bei dem Modell von Wollen (Motivation) und Müssen (Volition) geht es darum, die beiden Bereiche deines Lebens so gut es geht übereinander zu kriegen. Im Coaching reflektiere ich mit den Klienten deren Leben über diese Visualisierung. Wie viel MUSST du gefühlt machen? Wer erwartet was von dir? Wie viel Zeit deines Tages verbringst du ausschließlich mit den Dingen, die DU so haben und tun WILLST?

Wer schaffen will, muss fröhlich sein

Wollen versus Müssen als Kreise dargestellt

Nehmen wir unseren Vorstand. Die Liste der Dinge, die er tun MUSS, ist an einem Tag unendlich lang. Kein Wunder, dass Spaß haben einfach keinen Platz findet in dem Kalender.

Doch können wir das Bild auch andersrum sehen und sagen: was, wenn dieser Vorstand extrem viel Spaß beim Erledigen seiner Termine und Aufgaben hat? Dann wäre die Frage: dürfen das andere wissen und sehen? Oder erscheint das unpassend?

Doch wenn wir die anderen wegdenken, bleibt da noch diese einfache – und auch für dich anwendbare – Möglichkeit. Wann immer du dich selbst “Ich muss …” sagen hörst, ersetze das Wort “muss” durch das Wort “will”.

Ich will die Kinder aus dem Kindergarten abholen. Ich will die Schwiegermutter anrufen. Ich will die Steuerbelege abheften. Ich will in diesen Termin. Ich will noch schnell meine Emails beantworten.

Und jetzt stellt dir ein Unternehmen vor – es kann auch deine Bäckerei um die Ecke sein – in der jeder sagt: “Ich will …” Vier Buchstaben, eine kleine Evolution der Arbeitswelt, die Großes bewirken kann.

Spaß wird folgen. Versprochen.


Willst du mehr solcher Hacks und wissenschaftlich begründeter Wege für dich?

Dann entdecke den 6-Wochen Kurs für dich und lass dich dabei unterstützen, deine innere Stärke zu trainieren, Muskel für Muskel.


Ich will!

Wenn wir Spaß haben, sind wir neugierig, angstfrei, offen für neue Ideen und Lösungsansätze, wir sind im Flow und im Rausch, und wir können dann unbegrenzt, unendlich viel. Wir sehen keine Hürden, sondern Möglichkeiten. Wir jammern nicht, wir spüren Energie und Freude

Das ist in meinem Verständnis die Beschreibung, wie die Arbeit sich anfühlen darf. Jeden Tag. Auch am Montag, aber nicht ausschließlich.

Nicht nur für einen Vorstand. Jeder Mensch darf und sollte Spaß bei der Arbeit haben.

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Warum ich nicht mehr auf Social Media bin

Warum ich nicht mehr auf Social Media bin

Die Stille in mir ist gleichzeitig eine Sehnsucht und ein Graul. Nichts tun müssen, um einen Algorithmus oder meiner Crowd zu gefallen hat einen Preis: ich weiß nicht, ob mich irgendjemand da draußen lieb hat. Keine Sternchen, keine Herzchen, keine virtuellen Komplimente.

Vielleicht nicht endgültig aber vorerst bin ich nicht mehr auf Social Media Kanälen präsent. Twitter ist bereits seit Januar 2022 still, selbst der legendäre “Endlich Montag!” Tweet, mit dem ich seit fast 10 Jahren die Woche gestartet habe. Nun auch Instagram und Linkedin. Facebook war noch nie mein Kanal.

Warum mache ich das? Rationale Gründe wären natürlich so was wie Zeit und Aufwand, aber ganz ehrlich? Darum geht es mir nicht. Es ist vielmehr eine große Sehnsucht nach einer Begegnungsqualität, die ich wie einen Duft in der Luft vernehme, und diese Qualität – so glaube ich zu spüren – braucht neue Wege.

Subbotnik

Ich räume gern auf. Loslassen und Platz machen für Neues waren schon immer meine Stärken. Ich kann auch recht radikal sein und Dinge ausmisten, mich von Dingen trennen. Mein Umzugswagen ist seit je her sehr klein. Ich glaube manchmal, Menschen haben Angst vor dem vielen freien Platz, den sie auf einmal hätten. Was soll man bloß mit einer leeren Garage? Oder mit einem leeren Kalender?

Letzteres ist übriges ein Fun Fact aus vielen Führungskräfte-Trainings. Ich frage oft, was die Teilnehmer tun würden, wenn sie nur 4 Tage arbeiten müssten. Stille. Verlegenes auf die Lippe beißen. Kein Bild im Kopf. Haben wir es tatsächlich verlernt, einfach mal rumzusitzen und aus dem Fenster zu schauen?

Subbotnik ist übrigens etwas, was ich in meiner Kindheit in UdSSR gelernt habe. Man trifft sich an einem Samstag und räumt auf. Die Schule, die Stadt, den Park. In meinem erwachsenen Leben habe ich das für Coachings übersetzt. Wir räumen in unserem Leben auf. In den Kontakten, in den Schränken, in den Träumen. Muss natürlich nicht an einem Samstag stattfinden, aber Rituale sind sehr hilfreich.

Dolce Far Niente

Ich kann das gut, das süße Nichtstun. Ich könnte ganze Wochenendkurse darin geben. Die aufsteigende Lautstärke der inneren Stimmen aushalten, weil das Außen plötzlich still ist – das ist die wahre Arbeit an sich. Keine Coaching-Aufgaben, keine fancy Übungsblätter zum Ausfüllen. Nur die Zeit, die Stille und du selbst. Wer das beherrscht, der wird auch nie ein Konflikt in irgendeiner Beziehung haben. Aufgeräumtes inneres Zuhause.

Und genau das verhindern Social Media Kanäle. Weil deren Aufgabe klar ist: dich möglichst lange dort behalten. Keins dieser Produkte ist darauf ausgelegt, dass du in 10 Minuten alles “erledigst”. Du sollst nicht dein Netzwerk Pflegen, dich informieren und weiterbilden, Spaß haben und andere influenzier können in 10 Minuten. Nein, dein “Nichtstun” soll dort drin stattfinden, es ist quasi die Vorstufe zum Metaverse.

Der Preis der Stille

Die Stille in mir ist gleichzeitig eine Sehnsucht und ein Graul. Nichts tun müssen, um einen Algorithmus oder meiner Crowd zu gefallen hat einen Preis: ich weiß nicht, ob mich irgendjemand da draußen lieb hat. Keine Sternchen, keine Herzchen, keine virtuellen Komplimente.

Wer bin ich, wenn ich nicht auf Social Media bin? Bin ich überhaupt? Brauche ich diesen Resonanzraum, um mich selbst zu sehen, zu hören, zu spüren? Wie sozial ist das Ganze überhaupt mit den permanent angepassten Algorithmen, die genau vorschreiben, was man tun soll, um gesehen zu werden. Schlimmer als jeder Schulhof!

Seit ich meinen Abschied auf Linkedin laut und auf Insta leise vollzogen habe, sind wunderbare Dinge passiert. Türen zu schließen hat sich in meinem Leben schon immer gelohnt, und der heutige Schritt – welcher mir weiß Gott nicht leicht fiel – wird nicht das letzte Aufräumen dieses Jahr bleiben.

2013 grüßt 2022

2013 schrieb ich diesen Blog ganz anders. Sehr blumig, selbst für mich selbst schwer zu verstehen und dennoch recht klar. Hier ein Zitat aus einem dieser bemerkenswert merkwürdiger Texte:

nochmal von vorn, nochmal zum ersten Mal etwas tun und dabei ein Herzklopfen haben, das in Australien hörbar sein wird.

Doch ich bin furchtlos. furchtlos und aufgeregt. ein Gefühl des Fliegens ohne zu wissen wie man landet. eine Gewissheit, dass es richtig ist.

Nadja, 2013

Die letzten drei Sätze sind so was non Nadja, dass ich mich vor mir selbst verneigen könnte. Wenn das denn ginge… Was ich stattdessen tun werde? Ich nehme mir vor, wieder so zu schreiben wie ganz am Anfang in diesem Blog. Furchtlos. Ohne Rücksicht auf SEO und wie die ganzen digitalen “du-musst” Dinge heißen.

Nichts macht aktuell so viel Spaß, als ich selbst zu sein. Aufgeräumt, klar, fröhlich. Es sind verwirrende Zeiten. Wenn ich dir dabei helfen kann, deine Klarheit zu finden, immer gern!

petranovskaja Unterschrift signatur

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Anfang August 1992 brachte mich eine Aeroflot Maschine meinem Jugendtraum näher.

Als ich 14 oder 15 war, habe ich mir in den Kopf gesetzt, dass ich Psychologie in der Sprache Freuds studieren möchte. Dabei lebte ich damals in der Sowjetunion, also hinter dem eisernen Vorhang. Die Möglichkeit, ins Ausland zu kommen, um dort zu studieren, war also nicht einfach nur null, sie war minus 1000 oder sowas.

Was mich aber überhaupt nicht gestört hat… Denn: ich hatte einen Wunsch, einen hell leuchtenden Nordstern. Mir war klar, was ich will. Und so ergab sich eines Tages, da war ich 16, dass sich nach und nach alle möglichen Grenzen und Hürden aufgelöst haben. Natürlich nicht von selbst! 

If you can dream it, you can do it!

Walt Disney

Jedem Menschen in meinem Umfeld habe ich von meinem Wunsch erzählt, und so konnte mein Umfeld mich unterstützen. Von meinem Taschengeld kaufte ich mir keine Klamotten, sondern Briefmarken, um meine Bewerbungen an Universitäten zu schicken. Meine Freizeit verbrachte ich damit, in der Schlange zum Konsulat zu stehen, um ein Studentenvisum zu beantragen. Die Gewissheit, dass es klappen wird, hatte die ganze Zeit nur eine sehr geringe Chance, Wirklichkeit zu werden. Ich habe weiterhin fleißig Deutsch gelernt, und dennoch war mein Studium sprachlich gesehen extrem schwer für mich, denn ich habe in den ersten Semestern sehr wenig verstanden und musste jede einzelne Vorlesung zweimal wiederholen. 

Heute bin ich glücklich, dass ich so klar war mit dem, was ich will. Ich habe es geschafft! „Ich“ steht ganz vorne, denn egal, wer mir geholfen hat, das konnten all die Menschen in meinem Umfeld nur deswegen tun, weil ich meinen Wunsch immer und immer wieder sehr klar ausgesprochen habe.

30 Jahre Deutschland

Natürlich müsste ich von den 30 Jahren all die vielen Wochen und Monate abziehen, die ich im Ausland gewesen bin. Projekte, Abenteuerreisen, Urlaube und Familienbesuch. Meine Familie lebt auf fünf Ländern verteilt. In Deutschland bin ich ganz allein, und niemand aus meiner Familie konnte damals zu Meier Hochzeit kommen.

Deutschland war immer fair und gerecht zu mir. Hielt ich mich an die regeln, gab es nichts zu bemängeln. Ich durfte hier studieren, mit Freunden feiern, Haus bauen und Kinder groß ziehen. Ich darf wählen und mich über die Höhe der Krankenkassenbeiträge beschweren, als wäre ich schon immer ein Bürger dieses Landes.

Community Builder, inspirierende Persönlichkeit, TV Star. Für viele das Ende der Fahnenstange, aber für Nadja irgendwie -gefühlt- erst der Anfang.

(LinkedIn Kommentar)

Das heutige Ende dieser 30-jährigen Geschichte fühlt sich immer noch genau so aufregend wie der Anfang davon. Jeder einzelne Tag, jede Episode, jedes Projekt und jede Geschichte, die ich hier erleben durfte, freuen mich. Und ich bin unverändert neugierig auf das, was noch kommt.

So gesehen trinke ich jetzt einen fröhlichen Tee und freue mich auf morgen. Vielleicht ist das der Teil, in dem du und ich etwas gemeinsam gestalten?

Danke für das Zuhören!

petranovskaja Unterschrift signatur
Fünf Minuten für dein sorgenfreies Leben

Fünf Minuten für dein sorgenfreies Leben

Hast du fünf Minuten? Hier kommt eine Inspiration für dein sorgenfreies Leben!

Ich mache ja neuerdings sehr viel auf Instagram. Ursprünglich war das “noch so eine App, die ich ausprobieren will”, dann habe ich viel mit den Bilderfiltern experimentiert, dann waren plötzlich meine Kinder mit auf der Platform und haben sich über mich und meine Posts amüsiert. Dann wurde mir das Ganze lästig und ich habe die App vom Telefon gelöscht.

Jetzt bin ich wieder da, inzwischen gehört Instagram zu Metadingens, also Facebook. Es ist bunter und schneller geworden, viele Bilder so dermaßen gefiltert, dass ich regelmäßig denke, wie lange wir unsere (im Vergleich dazu sehr graue) Realität noch ertragen können. Und dann entdeckte ich die nützliche Seite.

Ich habe mir in 2022 vorgenommen, so oft wie möglich gesund zu sein, um einen Handstand zu üben. Und auf Instagram gibt es dazu mega viele hilfreiche Tutorials – mit Video und auch mit genauen Anleitungen, wie gerade der Rücken sein soll und was zuerst bewegen… Für mich ein Schlaraffenland, denn ich lerne sehr stark über visuelle Reize.

Fünf Minuten täglich

Meine Yoga-Lehrerin, die mir vor vielen Jahren geholfen hat, Kopfstand zu lernen, hat stets gesagt: lieber 5 Minuten Yoga jeden Tag als lange nix tun und dann zwei Stunden am Stück. Mit meinem bewegten Lebensstil habe ich ihre Worte sehr dick hinter die Ohren geschrieben. Und ziehe das seit über 10 Jahren durch.

Was ich vor kurzem dazu gelernt habe: es gibt den sogenannten Zinseszins auch bei sportlichen und geistigen Aktivitäten. Sprich, die fünf Minuten täglich addieren sich nicht nur über die Woche, nein, da kommt immer noch ein bisschen was dazu. Zinseszins eben. Je länger ich also am Stück jeden Tag ein bisschen trainiere, desto mehr bringt es mir. Darum gelten die zwei Stunden am Stück einmal im Monat weniger als viele kleine Einheiten.

Kleine Schritte, große Wirkung

Wir wissen alle: die meisten Ergebnisse im Leben erreichen wir nicht über Nacht. Ausnahmen sind natürlich so was wie Lottogewinn. Aber alles andere, das erarbeiten wir uns jeden Tag. Und natürlich ist das anstrengend und teilweise langweilig. Hinzu kommt – darum geben so viele unterwegs auf – dass wir bis zum Erreichen des Ziels wenig in der Hand halten. Solange wir die Summe X nicht auf dem Konto haben, haben wir nix erreicht. Sind wir immer noch nicht der CEO, haben wir nix. Die Liste ist beliebig erweiterbar und soll sagen: die meisten unserer Lebensziele machen uns mehr Sorgenfalten als Freude, darum verfolgen wir sie auch nicht wirklich (was wiederum gesund ist).

Darum hier ein Alternativ-Vorschlag für dich: nimm dir etwas vor, das dir JEDEN TAG im Hier-Und-Jetzt Freude macht. Natürlich kann es etwas sehr Kleines sein. Idealerweise ist es etwas Erlebbares – essen, trinken, bewegen, hören, spüren… Meine liebe Freundin Nadja, die eine Genuss-Trainerin ist, würde sagen, dieses kleines Etwas darf dann jeden Tag genossen werden.

Der Trick an der Sache

Der Trick an der Sache mit den fünf Minuten und kleinen Dingen ist, wie du vielleicht vermutest, der Zinseszins. Zahlen wir jeden Tag etwas auf unser eigenes Konto ein, wird es nicht nur mehr, es vermehrt sich auch wie Hefe durch den – letztes Mal – Zinseszins.

Ich habe das aktuell sehr populäres Buch mit 1% auf der Titelseite noch nicht gelesen, aber ich vermute, des wird so etwas ähnliches empfehlen: kleine Veränderungen, die dafür aber regelmäßig und für eine längere Zeit.

  • Machbar?
    Natürlich!
  • Macht es Spaß?
    Wenn ich will, ja!
  • Sollte das Leben Spaß machen?
    Auf jeden!

In diesem Sinne, finde etwas, was du heute schon in fünf Minuten für dich tun kannst. Tue es, tue es immer wieder!

nadja petranovskaja psychologie schubs