Wie du authentischer wirst

Wie du authentischer wirst

In sehr vielen Gesprächen mit Teilnehmern meiner Workshops und Trainings sprechen wir darüber, wie man authentischer wird. Was mir bei diesen Diskussionen sehr gefällt: die Diversität der Bilder zu dem Begriff “Authentizität”. Für die einen bedeutet es, ungelogen alles zu sagend as man denkt und alles so zu tun, wie man es selbst für richtig hält. Für die anderen bedeutet das, nicht daran zu denken, wie andere mein Verhalten bewerten und verurteilen.

Dann haben wir immer wieder Diskussionen zu dem Thema Ethik, Moral, soziales Umfeld und Erziehung. So ist dieser Blogbeitrag als eine Art Labskaus zu verstehen; ein bisschen Hering, etwas Kartoffelpüree, Rote Bete und Gewürzgurke. Klingt schräg, ist echt lecker (komm mal nach Hamburg! ;-))

Hering = Selbstkenntnis

Die Authentizität steht und fällt mit der Selbstkenntnis. Wie willst du selbst sein, wenn du gar nicht weißt, wie du tickst, was wahrhaftig deins ist? Wie willst du als ein echter du wahrgenommen werden, wenn du deine Grenzen, deine Knöpfe, deine Sehnsüchte nicht kennst?

Bevor du also auch nur das geringste in Richtung deines authentischen Verhaltens tust, ab auf die Schulbank: lerne dich selbst kennen!

Schneller Hering: Persönlichkeitstest

Wenn du zu den schnell denkenden und ungeduldigen Menschen gehörst, dann mache einen (oder ein paar) Persönlichkeitstest. Damit meine ich etwas, was tiefer geht als ein Horoskop und ein Brigitte-Test. Empfehlen kann ich dir den Gallup Strengths Finder (kostet Geld), den Riemann-Thomann Fragebogen (gibt es online) oder (wenn du es wirklich ernst meinst) ein Reiss oder LUXX Profile (kostet etwas mehr Geld, weil du die Auswertung mit einem Master besprichst).

Langsamer Hering: Coaching

Klingt wie voll ausgebremst, ist aber eher das Gegenteil: Ich kann jedem Menschen auf diesem Planeten empfehlen, Coaching zu machen (oder in einer Coaching-ähnlichen Struktur, zum Beispiel in einer Master Mind Gruppe zu arbeiten). Zugegeben, die Erkenntnisse dauern länger, dafür passen sie aber besser zu deinen konkreten Fragen, als die Auswertung eines Persönlichkeitsfragebogens.

Kartoffelpüree = Gedanken/Glaubenssätze

Ja, wir sind immer noch nicht im Tun. Wir prüfen zuerst unsere Glaubenssätze in Bezug darauf, wie unsere Beziehung mit der Außenwelt aufgebaut ist.

Welche Rollen spielen wir für wen? Welche Hüte haben wir im Alltag auf? Welche dieser Rollen sind für wen wichtig? Warum denken wir, dass wir authentisch sein müssen? Wer hat Vorteile oder eventuell Nachteile davon, wenn wir authentisch sind?

Da das Kartoffelpüree ein ganz schöner Brei ist, passt diese Metapher hier wunderbar: die eigenen Gedanken und Glaubenssätze zu sortieren ist nämlich gar nicht so einfach. Solltest du dich hier vertiefen wollen, empfehle ich dir einen weiteren Blogbeitrag von mir: Wie du deine Glaubenssätze parken kannst.

Rote Bete = sichtbares, erlebbares Verhalten

Rote Bete gehört zu den Lebensmitteln, die du nur schwer rausgewaschen bekommst. Somit soll dir diese Metapher ein klares Signal senden: tue nichts, was du sofort wieder zurück nehmen möchtest. Im ersten Schritt hast du dich selbst besser kennengelernt und verstanden. Im zweiten Schritt hast du dir unpassende Gedanken geparkt und dich mit Hilfe der verbleibenden (passenden) Glaubenssätze dafür entschieden, warum (für wen) du authentisch sein möchtest.

Nun ist das rote Gemüse dran. Wähle für den ersten Schritt etwas, was wir “safe to fail” nennen: ein Verhalten, eine Tat, die keine allzu schwere Konsequenzen mit sich zieht. Es kann sogar etwas sein, was niemand außer dir sieht. Schreibe zum Beispiel ein ehrliches Tagebuch. Ehrlich heisst, dass du dich traust, auch das reinzuschreiben, was jemand anderen verärgern oder enttäuschen würde wenn sie das lesen würden, Normalerweise verstecken wir solche Gedanken nicht nur vor den anderen, sondern auch vor uns selbst.

Darf es etwas mehr rot sein?

Hast du genug im Kleinen geübt, geht es mit deiner Authentizität nach draußen, Traust du dich, einem Freund ehrlich zu sagen, was dir nicht gefällt? Traust du dich, etwas anzuziehen, was du schon immer tragen wolltest? Prüfe jedes Mal, ob du die Dinge tust (oder tun möchtest), weil sie etwas mit den anderen Menschen oder mit dir selbst zu tun haben. Bleibe gnadenlos ehrlich zu dir. Trage deine ersten neuen Verhaltensgeschichten in das Tagebuch ein.

Gewürzgurke = Probieren und Experimentieren

Das Ding mit den Gewürzgurken ist: dem einen sind die zu sauer, dem anderen zu süß. Alles, was du in Bezug auf dein authentisches Verhalten tust, sollte in erster Linie für dich und deine mentale Gesundheit gut sein. Viele deiner Aktionen werden gar nicht sofort registriert, weil sie nur für dich etwas neues darstellen.

Es kann allerdings passieren, dass die dich umgebende Welt auf deine neuen Schritte reagiert. Bleibe bei dem Bild der Gewürzgurke: nicht jeder mag dieses Gemüse, und das ist völlig ok so. Wem also etwas an deinem neuen Verhalten nicht schmeckt, darf diese Meinung gern haben. Es stellt rein gar kein Problem für dich Dar, denn du hast dich – im Hering und im Kartoffelpüree Kapitel – darauf vorbereitet.

Experimentiere also weiter. Wo, wann, mit wem kannst du am leichtesten die authentischste Version deiner selbst sein? Manchmal ist es bei der Arbeit leichter als im Privatleben, manchmal andersrum… Mache deine Experimente, lerne immer dazu und das Wichtigste: laufe nicht rückwärts! (Würde jemand einem Koch sagen, dass das Labskaus ein seltsames Gericht ist, und der Koch hätte zurückgeschreckt, hätte uns in Hamburg heute echt was gefehlt!)

Wenn du Fragen hast, melde dich 🤗

Ansonsten: viel Freude!

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Wie du deine Glaubenssätze parken kannst und was es mit Essen zu tun hat

Wie du deine Glaubenssätze parken kannst und was es mit Essen zu tun hat

Wie und warum sollst du deine Glaubenssätze parken? Ganz einfach: weil unsere Glaubenssätze unser Verhalten (also die Summe unserer Handlungen) beeinflußen und steuern.

Ich glaube zum Beispiel total daran, dass die Arbeit uns mehr Energie geben kann, als sie uns nimmt. Un mit diesem Glaubenssatz erzeuge ich regelmäßig erstatte Blicke: Wie soll den DAS gehen? Zu diesem Thema habe ich ein sagenhaftes Video gedreht.

Bitte hier entlang:

  • Wenn du das Video wirklich geschaut hast, hast du eventuell die eine oder andere Frage. Diese beantworte ich dir sehr gern.
  • Vielleicht hast du auch ein Bleispiel oder eine Idee, welchen deiner Glaubenssätze du parken könntest, um ein zufriedenes Leben zu führen.

So oder so, es ist nun an dir, etwas daraus zu machen.

Schubs!

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Was du zum korrekten Träumen brauchst oder „Träum weiter!“

Was du zum korrekten Träumen brauchst oder „Träum weiter!“

Stell dir vor, du bist 14-15 Jahre alt, und jemand fragt dich: was willst du werden? Und du, noch ziemlicher Grünschnabel, blauäugig und idealistisch, beschreibst dein Traumleben – samt deiner Berufung, deine Zukunftsbilder mit allem drum und dran. Und als du fertig bist mit deiner Antwort, guckt der Fragende dich ziemlich skeptisch an und sagt: Träum weiter.

Ich hoffe, so etwas ist dir nie passiert. Mir ist das passiert, und zwar immer und immer wieder. Als ich 14 Jahre alt war, das war 1987, hatte ich einen großen Traum: ich wollte Psychologin werden. Jedoch wollte ich nicht einfach nur Psychologie studieren. Ich wollte Psychologie in der Sprache Freuds studieren. Idealerweise in Wien, aber natürlich ginge auch Deutschland oder Schweiz. Wohl gemerkt, wusste ich damals noch nicht viel über die drei Länder, denn ich lebte hinter dem eisernen Vorhang, und mein Wissen wahr ausschließlich den Büchern entnommen.

Meine Liebe zur deutschen Sprache war – gefühlt – etwas sehr natürliches. Ich konnte nicht verstehen, warum meine (meist erwachsene) Zuhörer mir den Vogel zeigten und „Träum weiter“ sagten.

Also hat sich meine Antwort kaum gewandelt, als ich 15 und später 16 Jahre alt wurde. Ich ging auf mein Abitur zu, und die Blicke der Erwachsenen wurden immer kritischer.

Träum weiter!

Dabei kann man den Satz „Träum weiter“ doch auch gang anders aussprechen! Mit einem „Hey, das klingt fantastisch! Erzähl mir mehr darüber“ Unterton. Träum weiter. Träum bunter, wilder, bewegter, emotionaler, verspielter, begeisterter…

Wissen wir doch alle, wie wichtig das ist, etwas zu visualisieren oder uns ganz lebendig vorzustellen! Schlag einen beliebigen Ratgeber zum Thema „Du kannst alles werden“ (Brian Tracy, Zig Ziglar, Tony Robbins etc.), und du wirst ein Kapitel zum Thema Visualisieren und Ziele setzen drin finden. Lese Studien dazu, und du wirst feststellen, dass es noch besser ist, die Träume und Ziele aufzuschreiben. So wird oft eine Langzeitstudie zitiert mit dem folgenden Ergebnis:

  • 83% der Studienabgänger hatten sich keine Ziele für ihre Karriere gesetzt. Das durchschnittliche Einkommen dieser Gruppe wurde als Vergleichsgrundlage herangezogen.
  • 14% der Studienabgänger hatten eine klare Zielsetzung für ihre Karriere, die sie aber nicht schriftlich festgelegt hatten. Ihr durchschnittliches Einkommen lag im Schnitt dreimal so hoch wie das der ersten Gruppe.
  • 3% der Studienabgänger hatten nicht nur klare Ziele für ihre Karriere formuliert, sondern diese auch aufgeschrieben. Mit der Folge: Sie verdienten im Schnitt zehnmal so viel.

So sehr diese angebliche Harvard-Studie ein Fake ist, so sehr sind die Ergebnisse jedoch realistisch. Eine Psychologie-Professorin hat nämlich die Fake-Studie in 2007 „nachgemacht“ und dabei empirische Belege für die Wirksamkeit von drei Coaching-Tools geliefert:

  • Verantwortlichkeit,
  • Engagement und
  • das Aufschreiben der eigenen Ziele.

Link zur Studie-Summary

Was aus meinem Traum wurde

1989 ist meine Schulklasse die erste gewesen, die zum Schüleraustausch nicht in die ehemalige DDR, sondern in den Westen Deutschlands flog. In einer Disko, einen Tag vor meiner Rückreise, lernte ich meinen zukünftigen Mann und Vater meiner Kinder kennen. Nach der Rückkehr nahm ich an einer Deutsch-Olympiade teil, machte den 2. Platz und lernte dadurch den Vize-Konsul des deutschen Konsulats kennen. Als er mir den Preis – das wunderbare Buch „Steppenwolf“ von Hermann Hesse – überreichte, fragte er: Nadja, was möchtest du nach der Schule werden.

Mein perfekter Pitch mit vor Freude glänzenden Augen kam aus mir raus. „Hast du denn schon ein Studenten-Visum?“ fragte er darauf hin, und half mir in den Wochen darauf, ein Visum zu beantragen.

Die Geschichte, wie mein Traum wahr wurde, hat noch ein paar mehr schöne Details, und die Moral davon soll sein: bitte bitte, träum weiter! Lass dich nicht von schlauen Menschen, die alles besser wissen, abbringen. Egal, wie unerreichbar etwas zu sein scheint, darum darf es sich Traum nennen. Egal wie sehr Menschen dir sagen, dass deine Ziele SMART formuliert sein müssen, lass das. Gib deiner Vorstellungskraft die komplette Festplatte frei und träume!

Was du zum korrekten Träumen brauchst

Ein paar Hinweise – aus der psychologischen Perspektive – möchte ich dir jedoch geben. Verstehe das bitte nicht als Checkliste, sondern als Inspiration zum weiter träumen.

Sprich mit anderen über deinen Traum

Egal, was es ist. Einen Prinzen heiraten, zum Mars fliegen, ein Restaurant auf Fiji aufmachen – Träume haben keine Grenzen. Wir sind diejenigen, die uns eingrenzen und limitieren. Um diese Hürde verschwinden zu lassen, sprich mit anderen Menschen darüber, was deine Imagination hergibt. Und zwar mit allen Menschen, die du triffst. An der Bushaltestelle. Zuhause. Bei der Arbeit. In deinem Youtube Kanal. Dadurch aktivierst du die beiden ersten Wirkmechanismen, die in der Studie bestätigt wurden: Verantwortlichkeit und Engagement.

Mache dir ein Bild

Visualisieren und Aufschreiben von Dingen, die unser Unterbewusstsein uns zuflüstert, ist eine mächtige Kraft nach vorn. Mit anderen Menschen darüber sprechen ist das eine. Höre deinen Worten zu, und „übersetze“ sie später in Bilder. Dadurch aktivierst du den Wirkmechanismus Nummer drei aus der oben zitierten Studie.

Formuliere es positiv

In deinem Traum sollte es nur mehr, weiter, bunter zugehen. Füge so viele Adjektive und Qualitäten hinzu, wie du magst – und sorge dafür, dass all diese beschreibenden Wörter wie Magnete wirken und eine Anziehungskraft ausüben.

Plane voraus

Stell dir vor, dein Traum wird wahr. Wen rufst du an? Wie feierst du? Was schreibst du in dein Tagebuch? Wie sieht dein erstes Selfie in der neuen Realität aus? Wie erzählst du deinen Kindern und Bolognesern später über den wahr gewordenen Traum?

Bestelle weise

Wenn wir uns etwas wünschen, sollten wir – bei aller Liebe zu weiter, bunter, wilder – auch achtsam sein. Du hast dir in deinem Traum einen neuen roten Wagen bestellt? Wenn das so ungenau formuliert ist, darfst du dich später nicht beschweren, wenn es ein Ferrari geworden ist statt eines Elektro-Starts. Bestellt ist bestellt. Oder du lernst einen Traum-Typen kennen, der all deine Wünsche erfüllt, aber bloß Französisch spricht. Bestellt ist bestellt, geliefert ist geliefert.

Hol dir Mut

Inspiration ist überall. Ich habe HIER ein paar Mutrezepte für dich gesammelt, und ich hoffe, sie helfen dir, mehr und bunter zu träumen.

Träume also und genieße, was dabei passiert.

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Mehr dazu:

Porzellan im Elefantenladen

Porzellan im Elefantenladen

Ich liebe Metaphern und Bilder im Kopf, und dann werde ich manchmal beschenkt mit einer Wortverdrehung wie “Porzellan im Elefantenladen” (statt “Elefant im Porzellanladen”). Dafür bin ich dem Leben sehr dankbar.

Als die Corona-Pandemie began, habe ich jede Woche ein Blog-Tagebuch geführt. Das hat gut getan. 37 Wochen am Stück. Dann war ich eine Weile Tagebuch-müde, und heute tut es wieder gut, mir selbst zu schreiben und mir selbst zuzugeben, wie es mir geht. Denn regelmäßige Rituale tun gut. Und eins meiner neuen Rituale ist der halbe Hahn am Donnerstag.

Donnerstags gibt es Hähnchen

Donnerstags gibt es Hähnchen. Der Wagen steht immer Donnerstags vor dem Rewe um die Ecke meines Coworking Space, und zum Coworking Space sind es nur 1,6 km von zuhause. Das Leben in der Pandemie hat meine äußere Welt kleiner gemacht, weil ich mich nur noch im Radius von 5 km von meiner Wohnung bewege.

Ich habe keine Lust mehr. Ich sehe andere menschen nach Dubai und Südafrika fliegen, und ja, natürlich könnte ich auch genau das tun, doch es fühlt sich falsch an.

Ich höre Geschichten von Parties, geheim natürlich und mit ganz vielen privaten Vorkehrungen, und ich habe nicht mal Kraft, da etwas dazu zu sagen.

Still und klein zu sein ist mein “new normal”. In einem wunderbar inspirierenden Artikel von Sara Huang habe ich gelesen, dass wir als Menschen (und zu einem großen Teil sind wir ja immer noch ein Tier) ein Territorium brauchen. Dass das Ausmaß, in dem wir als Menschen Territorien beanspruchen können, die Wahrnehmung der eigenen Identität, Sicherheit und Freiheit beeinflusst.

Kein Wunder also, dass wir von dem Lockdown im unterschiedlichen Maße beeinflusst werden. Mein Territorium ist gefühlt zwischen Singapur und der Pazifik-Küste. Ich bin ein Kosmopolit, ich fühle mich wohl in großen Städten und in Menschengruppen. Und ich fühle mich zunehmend unwohl, je weniger ich an einem Flughafen oder in einem Raum voller Menschen bin.

Doch Donnerstags gibt es Hähnchen. Ein Ritual, der nicht nur satt macht, sondern auch zufrieden. Für den Moment.

Frühjahrsmüde

Morgens nehme ich immer Vitamine zu mir. Ich habe gelesen, dass eine Kombination aus A, D und E besonders wirksam sei und das Immunsystem stärkt. Vitamin A ist außerdem gut für meine Augen. Und obwohl ich auch Vitamin C und Zink zu mir nehme, bin ich unglaublich frühjahrsmüde.

Wie langweilig das doch manchmal ist, alles richtig zu machen! Viel schlafen, viel trinken (Wasser, versteht sich), Gemüse essen und viel an der frischen Luft sein. Statt eines Dankeschön ist mein Körper träge, meine Beine schwer wie Baumstämme und mein Geist lustlos und faul.

Würde viel Wein und wenig Schlaf diese Situation bessern?

Porzellan im Elefantenladen

In einem Gespräch kam ein wunderbarer Freudscher Versprecher zustande: Ich meinte, ich fühle mich wie Porzellan in einem Elefantenladen. Und plötzlich waren all die Bilder da. Von der gefühlten Zerbrechlichkeit, von der gefühlten Ohnmacht und dem überwältigenden Gefühl des Kleinseins.

Es macht wenig Sinn, dieses Gefühl zu verdrängen oder zu ignorieren Es möchte da sein und mir etwas sagen.

Ich höre eine Weile zu. Vielleicht sind die Elefanten ja auch ganz lieb…

Danke dir fürs Lesen.

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Mein Corona-Tagebuch

15 Facilitation Ideen mit Händen & ohne Technik-Schnick-Schnack

15 Facilitation Ideen mit Händen & ohne Technik-Schnick-Schnack

In dem dritten Teil der Reihe zu Facilitation Ideen ohne Technik-Schick-Schnack möchte ich dir heute sieben Übungen vorstellen, bei denen unsere Hände und Arme in Aktion treten. Sechs davon findest dn in der Übersicht im Titelbild. Idee Nummer 7 gilt als Bonus ;-)

In dem ersten Beitrag findest du einen Mix aus Tools und Übungen, in dem zweiten Beitrag war das Thema Zuhören im Fokus.

1. Mikrophone an und los!

Die erste Übung wird im oberen Video kurz erklärt. Du kannst die Komplexität oder die Schwierigkeit der Aufgabe beliebig steigern. Das Beste aus meiner Sicht: immer dann, wenn wir auf einen Teilnehmer warten, können wir mit Hilfe dieser Übung sowohl zum Lachen als auch ins Schwitzen kommen. Und Bewegung ist in der heutigen Zeit echt so was von notwendig!!

2. Das chinesische Porzellan

Wenn es dir und deiner Gruppe eher nach achtsamer Bewegung ist, dann probiert die Übung, die ich von meinem Lieblings-Spielkollegen Julian Kea gelernt habe: das aufmerksame Bewegen einer sehr teueren (imaginären) Porzellantasse. Das läuft so:

Rechte Hand ausstrecken, sich eine Tasse auf der Handfläche vorstellen, dann mit der Hand zuerst einen Kreis über dem Kopf machen und auf dem Rückweg – der Form einer liegenden Acht folgend – von hinten unter dem Arm und wieder zurück nach vorne. Wenn das mit der präferierten Hand gut funktioniert, die andere Hand ausprobieren. Darauf achten, dass die Tasse nicht runter fällt! Zum Schluss eine symmetrische Bewegung mit beiden Armen und beiden Handflächen.

Die Übung funktioniert am Besten im Stehen. Wenn es für deine Teilnehmer möglich ist, steht alle auf.

3. Gleichschenkliges Dreieck

Das von vielen Moderatoren und Trainern beliebtes Spiel, bei dem jeder Teilnehmer – auf einer freien Fläche stehend – sich zwei Personen aussucht und anschließend ein gleichschenkliges Dreieck bildet (s. auch als Übung ind en Wondercards), lässt sich natürlich auf einem Whiteboard abbilden. Jedoch fehlt dann das räumliche Erlebnis.

Die Version mit den Händen und der Galerie-Ansicht in Zoom/Teams hat mein sehr geschätzter Kollege Bernhard Sterchi vorgeschlagen. Statt sich im Raum zu positionieren, positionieren die Teilnehmer ihre Hände in Referenz zu den ausgesuchten Personen. Die Aufgabe lautet, die eigene Hand so weit wie möglich von den Handpositionen beider Referenzpersonen zu bewegen. Wenn zum Beispiel die Hand einer Person unten in der Mitte und die Hand anderer Person unten links ist, muss die eigene Hand irgendwo oben rechts sein. Und wieder, wenn beide Referenzen sich bewegen, folgt eine Anpassung der eigenen Handposition.

Funktioniert auch mit einer Hand und einer Referenzperson. Debriefing auf Themen wie Zusammenarbeit, Selbstorganisation, Schwarmintelligenz, Zuhören, Achtsamkeit…

wondercards corona edition 2

🌈 Mehr grandiose Ideen für (online) Moderation findest du in dem Set der Wondercards.

4. Stop faster

Stop faster ist eins meiner Lieblingsübungen ohne Technik-Schick-Schnack! Kennengelernt habe ich es auf der #play14, dort damals in einem Raum und viel Bewegung. Die online Version funktioniert sowohl im Stehen als auch im Sitzen, und auch hier habe ich ein kurzes Video für dich.

Diese Übung ist ebenfalls Bestandteil der Wondercards.

5. Flugzeuge und Schiffe

Ein absolutes Schätzchen unter den Übungen mit den Händen, die auch online wunderbar sind, habe ich bei meiner New Work Kollegin Nicole Anzinger gelernt. Diese Übung involviert nicht nur die Hände, sondern auch ein Blatt Papier und gern auch ein paar Buntstifte. Entführe deine Teilnehmer in die analoge Welt!

In dem ersten Teil der Übung bittest du die Teilnehmer darum, ein Papierflugzeug zu bauen. Da manche von uns das längst verlernt haben, zeigst du eine Anleitung auf den Bildschirm. Bitte achte darauf, dass die von dir ausgesuchte Anleitung möglichst asymmetrische Falten in das Papier bringt, zum Beispiel so:

petranovskaja facilitation Papierflugzeug

Haben die ersten Teilnehmer bereits ein fertiges Flugzeug, können sie es eine Runde fliegen lassen (und dann aufstehen, um es aufzuheben :-)).

Bitte nun die alle, das Flugzeug zu personalisieren, indem sie ihm einen Namen geben oder ihre eigene Stärken auf die Flügel zeichnen. Nimmt euch zusammen Zeit, das Ergebnis zu wertschätzen.

In der zweiten Phase der Übung wird das Papierflugzeug auseinander gefaltet. Die Teilnehmer sollen nun aus dem gleichen Blatt Papier ein Schiff falten, ebenfalls nach einer von dir vorgegebenen Anleitung, zum Beispiel:

petranovskaja Papierschiff

Da das Papier bereits “benutzt” ist, und die “alten” Faltstellen nicht zu den neuen Anforderungen passen, ist dieser Vorgang mit einer Mischung an Emotionen verbunden. Auch die ursprünglichen Zeichnungen erscheinen nun an seltsamen Stellen.

Ich nutze diese Übung im Kontext von Change und spreche mit den Teilnehmern einfach nur darüber, was sie während der Übung gedacht und gefühlt haben, und wie das zu ihrem persönlichen Umgang mit Change passt.

6. Danish Clapping Game

Überraschenderweise funktioniert Danish Camping Game online fast besser als in einem physischen Raum. Ich teile Teilnehmer in Paare, lasse sie aber alle in der einen Gruppe (keine Breakout Rooms). Manchmal sind auch Beobachter nützlich. Anschließend spielen wir 1-2 Runden mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Die Erkenntnisse der Spieler sind sehr von dem Kontext des Workshops abhängig, daher probierst du das vielleicht einfach aus. Eine sehr detaillierte Beschreibung findest du bei Thomas Jorré.

Wenn du deine Erfahrungen dazu mit mir teilen magst, freue ich mich sehr :-)

Bonus: Talking Hands

Als Kind haben viele von uns “talking hands” gespielt: Jemand steckt seine Arme nach hinten, und jemand anders steckt seine Arme unten drunter nach vorne, und während die eine Person spricht, gestikuliert die zweite Person (von der wir nur die Arme sehen) dazu. Manchmal halten sich die “fremden” Arme auch nicht an den Text und machen einfach Quatsch.

Wie ich das nutze? Ich schalte mein Video aus und sage, die Teilnehmer sollen mit Gesten und Mimik meine gesprochenen Worte abbilden. Zweite Variante: Wir lesen reihum einen Text: jeweils ein Teilnehmer liest, alle anderen müssen die Gesten nachmachen, die zu der Intonation passen.

Sehr passend ist das in einer internationaler Gruppe. Da bitte ich alle, etwas in ihrer Muttersprache zu sagen, und wir machen die Gestik dazu (oft ohne den Inhalt zu verstehen).

Im Debriefing kann von lustig bis zu sehr ernst alles vorkommen. Auch hier sind die Teilnehmer reichlich aktiviert und haben sich gut bewegt.

Und darauf kam es in diesem Teil der Übungen ohne Technik-Schick-Schnack an.

Viel Spaß bei der Umsetzung und viele gute Session!

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More about facilitation:

15 Facilitation Ideen ohne Technik-Schnick-Schnack (Teil 2 -Zuhören)

15 Facilitation Ideen ohne Technik-Schnick-Schnack (Teil 2 -Zuhören)

In diesem zweiten Teil stelle ich weitere Ideen für gute Meetings und Workshops ganz ohne technischen Schnick-Schnack. Die Resonanz auf den ersten Teil war sogar besser als erwartet, darum gibt es am Ende des Beitrages einen Bonus, der ursprünglich nicht inbegriffen war ;-)

Weg mit Technik-Schnick-Schnack!

Wir sitzen oder stehen vor unseren Computern, wir sehen nur Bruchteile unserer Körpersprache, wir sind begrenzt auf den visuellen Wahrnehmung-Kanal, und dann kommt all die Arbeit mit der Maus. Klicken, schieben, Doppelkick… Tastatur und Monitor sind zu unseren erweiterten Körperteilen geworden. 

Das bringt mich zu einer Aufwärmen- und Kennenlernübung, bei der es vor allem um Zuhören geht. Zum einen hören die Teilnehmer in sich selbst hinein, zum anderen hören sie einander zu. Idealerweise schickst du sie dazu in Paaren in Breakout Rooms. Geht im Fall der Fälle auch über das stille Schreiben im Chat.

Impossible Year

Wir alle haben es erlebt: das eine Jahr mit Corona. Teile mit deinen Teilnehmern den Fakt, das wir meistens ÜBERschätzen, was wir in einem Jahr schaffen und UNTERschätzen, was wir in drei bis fünf Jahre schaffen können. Stelle allen die Frage:

Was hielt ich vor einem Jahr in den ersten Corona-Pandemie Wochen für absolut unmöglich? Was ist daraus geworden?

Gib allen zuerst paar Minuten Zeit, sich zu besinnen. Beginne dann mit dem Austausch. Entweder in den Paar-Gesprächen oder im Chat.

Sammelt anschließend gemeinsame Erkenntnisse:

  • Was ist geschehen, obwohl wir es nicht für möglich hielten?
  • Was geschah nicht, obwohl wir es für möglich hielten?

Auch wenn es sehr verführerisch ist, die Sätze der Teilnehmer zu kommentieren und zusammenzufassen, würde ich die Arbeit hier der Gruppe überlassen. Warum, erkläre ich in diesem Blogbeitrag.

Hast du mit der Gruppe etwas mehr Zeit und möchtest du die Teilnehmer mehr aktivieren, kannst du eine erweiterte Version nutzen, und zwar:

Mini-Toaster

Auch hier arbeiten die Teilnehmer in Paaren. Wer beginnt, bringt einen Satzanfang und eine handelnde Person (oder ein Gegenstand) ins “Spiel”, zum Beispiel:

Nadja’s rote Schuhe hätten vor einem Jahr nicht geglaubt, dass sie ein Jahr im Schrank bleiben. Eines Tages jedoch…

Warum nennt sich die Übung “Toaster”? Weil der, der spricht, aufstehen muss. Während ich spreche, kann die andere Person aufspringen – zum Beispiel, um den Satz zu beenden. Genau so kann sich aber auch jeder hinsetzen und damit den anderen auffordern, weiter zu machen.

Warum Mini-Toaster? Weil es Absicht ist, dass man nicht zu lange spricht. Die Geschichte kann in diesem Fall total frei erfunden sein – sie lehnt sich an die Prinzipien des Improvisationstheaters (“Ja, genau! Und…” plus im Moment sein) und aktiviert natürlich auch die Lachmuskeln.

wondercards corona edition 2

🌈 Mehr grandiose Ideen für (online) Moderation findest du in dem Set der Wondercards.

Gib den Teilnehmern eine Bespiel-Geschichte, bevor du sie in Paaren spielen lässt. Klare Regeln sind das A und O, in dem virtuellen Raum noch mehr als sonst. Zum Debriefing eignen sich Fragen wie:

  • War ich ein Teil der Geschichte?
  • Habe ich mich von der Stimmung meines Partners anstecken lassen?
  • Habe ich meinen Partner mit meiner Stimmung anstecken können?
  • War ich ein guter Zuhörer?

Und wo wir beim Zuhören sind, eine Übung für Paare, die etwas mehr Zeit braucht und vielleicht auch in die Tiefe geht:

Unfortunately/luckily

Bitte die Teilnehmer, sich paar Dinge aufzuschreiben, die im Moment nicht so laufen, wie sie sollten. Auch hier kannst du in Paaren arbeiten. Bewährt hat sich aber auch kleine Gruppengröße. Ablauf ist einfach:

Der “Fallgeber” sagt, was LEIDER nicht so ist, wie es sein sollte (etwas von seiner Liste)

Der oder die Partner hören zu, fühlen mit, denken nach und formulieren einen Satz mit dem Bezug zu der Situation. Dieser Satz beginnt mit ZUM GLÜCK und stellt die Kehrseite der Medaille dar.

Hier geht es – neben dem aktiven Zuhören – darum, die verschiedenen Perspektiven auf die gleiche Situation kennenzulernen. In kleinen Gruppen bietet es sich an, dass jeder sich zuerst die eigene Antwort im Stillen aufschreibt und die Gruppe dann nach und nach die verschiedenen Perspektiven teilt.

Debriefing geht in viele Richtungen und hängt von deiner Gruppe und dem Session-Ziel ab. Hunderte von DEbriefing-Ideen bietet dir das ganz tolle Debriefing Cube von Julian Kea.

Und weil wir heute so schön beim Thema #Zuhören sind, eine Übung, die regelmäßig für Aha-Erlebnisse sorgt:

Palme malen

Vorlage Palme malen

Im virtuellen Raum sende ich einem der Teilnehmer die Vorlage, im echten Raum zeichne ich diese auf ein Flipchart, welches ebenfalls nur für einen Teilnehmer sichtbar ist.

Die Aufgabe: Die dargestellte Zeichnung der Gruppe so erklären, dass jeder Teilnehmer ein Vorlage-ähnliches Bild zeichnet.

Diese Vorlage wurde schon mehrere hundert Male nachgezeichnet.

Auch hier kann Debriefing in mehrere Richtungen gehen:

  • was sind Erfolgsfaktoren der Kommunikation
  • wer entscheidet, was richtig und falsch ist?
  • haben wir vorab eine Definition of done gemacht?

usw.

Viel Spaß dabei!

Diese Palmen-Übung war in dem ursprünglichen Glücksrad mit 15 Moderationsübungen nicht enthalten und ist somit heutiger Bonus :-)

Auch nächste Woche teile ich gern Facilitation Möglichkeiten ohne Technik Schnick-Schnack mit dir :-)

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