Wie lerne ich neue Leute kennen? (Hummer-Hammer Kleid Geschichte)

Wie lerne ich neue Leute kennen? (Hummer-Hammer Kleid Geschichte)

Immer wieder frage ich mich, wie ich in meinem Leben neue Leute kennenlernen kann… Meine eigene Lieblingsantwort darauf: Wir sollten öfter vor die Tür gehen!

Ich denke, die üblichen Ideen für das Kennenlernen wie

  1. Gruppenreisen
  2. Meetups/Events
  3. In Cafés abhängen

durften in den letzten Jahren wegen Corona wenig nützlich gewesen sein. Da wir das aber nun dürfen, ist mein Super-Duper-Rat an dich:

Neue Leute kennenlernen, Teil eins

Geh’ vor die Tür!

Als Inspiration erzähle ich dir, wie das Bild zu diesem Beitrag entstanden ist. An der Kamera war nämlich ein Mann, den ich erst 45 Minuten vorher kennengelernt habe. Und ja, seine Frau stand daneben. Und ja, das Leben schreibt die besten Geschichten!

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Hummer-Hammer-Kleid-Bild!

Dieses Foto ist nämlich bei einer ungeplanten Raucherpause entstanden. Oh nein, ich rauche nicht, aber Antje und Ralph, die ich am Bahnhof kennengelernt habe, während wir paar Stunden auf unseren Zug gewartet haben. Die beiden sind mir aufgefallen, weil wir zusammen in einen Zug gestiegen sind und gleich paar Minuten später wieder zusammen aus diesem Zug ausgestiegen sind. Es war nämlich gar nicht unser Zug.

Unser Zug hatte Verspätung. Als wir in den “fremden” Zug stiegen, wollten wir zumindest in Bewegung sein in Richtung Süden, doch dann kam eine Durchsage, die eine baldige Ankunft unserer Zuges versprach. Und – naiv wie wir sind – sind wir ausgestiegen und haben auf dem Gleis gewartet. Bis nichts passierte. Der eine Zug fuhr weg, der andere kam nicht. Unser Zug ist schließlich gänzlich von der Anzeige verschwunden. Und der Mann an der Bahn-Information (Herr Sauer, ein sensationell witziger Typ!) gab und Gutscheine für Kaffee. So nahmen wir Kaffee und gingen … rauchen.

Der Hummer auf meiner Schulter ist eine Prop-Leihgabe von dem Nanu-Nana Laden, ganz in der Nähe des sonnigen Plätzchens, das wir zum Rauchen gewählt haben. Wir tranken Kaffe und sprachen über Reisen – wie das Menschen tun, die sich eben kennengelernt haben und noch unsicher sind. Als die beiden sich einen zweiten Zigarillo angezündet haben, bin ich zurück in den Bahnhof gegangen, Wasser holen. Zusammen wollten wir nämlich eine ganze Dreiviertel Stunde später einen Ersatz-Zug Richtung Zürich nehmen.

Ich laufe also zurück in das Bahnhofsgebäude und was sehe ich am Gleis? Unseren Zug! Also den, der bis vor 10 Minuten noch gestrichen war. Ich gehe hin, um zu fragen, wann der losfahren wird, Anzeigen sind alle ausgefallen …

Am ersten Wagen angekommen, macht die ICE Tür das berühmte Piep-Geräusch: gleich geht sie zu. Ich entschied mich für das Einsteigen. In schnellen Entscheidungen bin ich nämlich sehr gut. Antje und Ralph stehen immer noch in der Sonne und rauchen…

Neue Leute kennenlernen, Teil zwei

Die Geschichte ist hier aber noch nicht am Ende. Denn in Hannover setzen sich plötzlich zwei bekannte Gesichter neben mich in den Wagen 11 hin – Antje und Ralph! Wegen der ganzen Verspätungen gelten nämlich sämtliche Sitzreservierungen nicht. Darüber hinaus habe ich – durch das Fotoshootings in Hamburg ermutigt – eine weitere Person im Zug kennengelernt. Marc ist Berufssoldat und fährt ebenfalls Richtung Mannheim, und auch Marc will heute noch ankommen. Wie schnell die Deutsche Bahn durch Probleme in der Lage ist, uns Menschen miteinander zu verbinden!

Zurück zu Antje und Ralph. Während mein Zug paar Mal anhalten und auf etwas warten musste, sind die beiden mit einem anderen Zug vorgefahren und stiegen um – und ausgerechnet in den gleichen Wagen! Ich könnt euch nicht vorstellen, wie groß die Wiedersehen-Freude war! Mit mehreren weiteren Abenteuern und vielen anderen lachenden Fahrgästen kamen wir mit 4 Stunden Verspätung und einer unvergesslichen Geschichte im Süden an. 

Du siehst: Menschen kennenlernen ist gar nicht so schwer. Wir sollten öfter vor die Tür! Und jetzt dürfen wir das. Vielleicht ist auch das neue 9-Euro Ticket eine gute Gelegenheit, in einen Zug zu steigen ;-)

Hummer-Hammer-Kleid

Ist die Bildüberschrift, die Ralph seinem Nadja-Portrait gegen hat, und ich freue mich sehr darüber! Neue Leute kennenlernen geht mit Freude und Leichtigkeit, das merke ich mir für meine nächste Reise.

Raus aus der Ohnmacht!

Raus aus der Ohnmacht!

Disclaimer: Dieser Artikel ist am 27.2.2022 in einem emotional aufgewühlten Zustand der Ohnmacht geschrieben worden. Alter Verwalter, was für eine Zeit! Meine Emotionen sind gerade wie ein kaputter Reaktor von einem Atomkraftwerk, ich muss runterfahren und kühlen. Als wären zwei Jahre Corona nicht genug, haben wir jetzt eine unfassbar schwierige politische Situation direkt vor der Haustür. Und ich, halb Ukrainerin, halb Russin, fragt mich mal …

Für das Abkühlen meines eigenen Atomkraftwerks habe ich übrigens eine Atemübung, die ich gerne nutze: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden den Atem anhalten, 8 Sekunden aussagen, schön langsam und das mindestens 5 Mal wiederholen.

UNFASSBAR

Ich liebe ja die deutsche Sprache für die unglaubliche Kraft des Ausdrucks, die in ihr steckt. Wenn etwas “unfassbar” ist, dann wissen wir im wahrsten Sinne des Wortes nicht, wo rechts und links ist und wo der Rahmen ist für die Situation.

un-fass-bar

Dass uns diese “unfassbare” Situation emotional fertig macht, ist leicht verständlich. Wenn wir etwas nicht fassen, nicht verstehen können, läutet Alarm in unseren Köpfen und wir können weder schlafen noch geradeaus denken. Wir haben Angst und machen uns Sorgen.

Doch wäre ich nicht Nadja, wenn ich nicht – sofort nach dem ersten Schock und der Ohnmacht – mich fragen würde:

  • was KÖNNEN wir tun?
  • was können WIR tun?
Raus aus der Ohnmacht

Du kennst vielleicht den sogenannten Circle of Ifluence von Steven Covey. Das Modell benutze ich im Coaching, denn auch dort geht es darum, Handlkungsalternativen zu erhalten und etwas tun zu KÖNNEN. Die Visualisierung sagt: der äußere Bereich soll möglichst klein sein, der innere Bereich soll vergrößert werden.

Steven sagt nämlich, es ist ungesund, sich in dem Bereich des Kreises zu suhlen, wo die Ereignisse sind, auf die wir keinen Einfluss haben – weil wir uns da ohnmächtig (deutsch = ohne Macht!) fühlen. Wetter, Fussball, Lottozahlen und so. Können wir die Fakten verändern, die uns gerade emotional beschäftigen? NEIN. Aber was KÖNNEN wir verändern? Unser Denken und unser Verhalten!

  • Wir können entschleunigen, verlangsamen, achtsamer werden. Haltet an und hört euch selbst zu!
  • Die Menge der Fakten, die wir uns reinziehen, reduzieren (Bitte schaut nicht so viel Nachrichten! Die Mischung aus Sensation und Propaganda tut unserer Seele nach 2 Jahren Corona überhaupt nicht gut).
  • Die Quelle der Fakten weise wählen (Wie immer ist es wichtig alle Seiten zu sehen, was einem von den Medien aber schwer gemacht wird).
  • Das, was wir mit diesen Fakten anstellen, bewusst entscheiden (es ist so wichtig wie nie zuvor, positive Energien ins Feld zu geben und für unseren inneren Frieden zu sorgen).

Das Letzte ist folgendermaßen gemeint: wir können tratschen und und die Mäuler zerreißen darüber, wer schuld ist und wie schlimm das ist. Wir können aber auch uns darüber unterhalten, wie uns das emotional bewegt und welche Gedanken wir haben. Wir können uns einander öffnen und für einander da sein. Wir können einander viel besser kennenlernen. Und was auch nicht schadet, ist etwas Wissen aufzubauen zu der Thematik Ukraine-Russland und deren Geschichte. Der Konflikt, dessen Zeugen wir gerade sind, ist nämlich Jahrhunderte alt und hat wenig mit Putin als Person zu tun.

Raus aus der Ohnmacht

Was KÖNNEN wir tun?

Atmen und auf unseren inneren Frieden Acht geben. Aktiv werden. Uns mit unseren Kollegen zu unseren Gedanken und Emotionen austauschen – menschlich sein und sowohl über die Ohnmacht als auch über die Verunsicherung und die Verwirrung sprechen. Manche werden sicher etwas stiller sein, jeder ist auf seine Art in das Thema involviert.

Wir können auch etwas für den Frieden tun. Für den Frieden in uns

  • wem möchte ich vergeben?
  • was möchte ich loslassen?

Für den Frieden in unseren Familien 

  • mit wem habe ich lange nicht mehr herzlich gesprochen?
  • wer könnte meinen Zuspruch und meine Zeit brauchen?
  • wer braucht vielleicht einfach nur eine Umarmung?

Für den Frieden bei der Arbeit

  • wen könnte ich unterstützen? 
  • welcher Konflikt braucht eine Auflösung?
  • zu wem sollte ich eventuell sanfter sein?
Madlen und Nadja in der Neuen Denkerei - Raus aus der Ohnmacht mit New Work

Was hat das mit New Work zu tun?

Oh, eine ganze Menge. 

a) Humanisierung: Zuerst wäre da zum Beispiel das Thema Psychologische Sicherheit (aka magische New Work Praktik 9 3/4) und die Option, als ganzer Mensch zur Arbeit zu gehen statt sich jeden Morgen eine Maske aufzusetzen und für ein paar Stunden jemanden darzustellen.

b) Agilität: Dann wäre dann noch das Eingehen auf und das Einschließen der aktuellen Geschehnisse in das Arbeitsleben. Aus den diversen Reaktionen und Emotionen der einzelnen Teammitglieder lernen.

c) Miteinander: Das Zauberwort des Jahres 2022! In der Frage “Was können WIR tun?” hat das WIR eine große Bedeutung, denn in der Gemeinschaft ist die Summe größer als die Einzelteile. Die Sehnsucht nach dem WIR-Gefühl, ob hybrid oder voll physisch, wird uns ein großer Antreiber bleiben.

Der Satz aus Star Wars “Möge die Macht mit dir sein” hieß in den ersten Drehbuch-Fassungen eigentlich “Möge die Macht der anderen mit dir sein“.

d) Selbstbestimmung: Es ist jedem selbst überlassen, wie er mit den Herausforderungen der aktuellen Lage umgeht. Nicht anders sollte es in einem Unternehmen sein! Im Rahmen des Sinnvollen und des Möglichen selbst entscheiden und die Verantwortung übernehmenfühlt sich zum Greifen nah an.

Was WOLLEN wir nun tun? (Wir wollen raus aus der Ohnmacht!)

Die berühmte “So what?” Frage… Oder: gut, dass wir darüber gesprochen haben… Es passiert ja nicht von selbst. Und wie wir gerade vielerorts erleben, sind wir emotional in einem recht dünnen Kostüm unterwegs (danke an Dr. Ivanina Reitenbach für dieses Bild!) und brauchen BEGLEITUNG. 

Auch hier tut jeder, was er/sie kann. Als Psychologin habe ich in den letzten Tagen an mehreren Panel-Diskussionen teilgenommen, auch auf anderen Kanälen wurden Psychologen zu Rat gezogen. “Runterfahren und kühlen” war mein eigenes Bild, wie ich mit meinem emotionalen Knoten umgehen soll, das wurde auch von meinen Kollegen ähnlich beschrieben. 

Und wenn wir uns wieder einigermaßen gefasst haben (was für ein schönes deutsches Wort mal wieder!), dann werden wir sicher weiter leben und planen. Und je öfter wir diese Selbstregulation ausgeführt haben, desto besser beherrschen wir sie. 

Wenn du selbst mit deinem inneren Frieden und der Selbstregulation weiter bist, kannst du anderen helfen – analog zu dem Bild mit den Sauerstoffmasken im Flugzeug.

Madlen und Nadja in der Neuen Denkerei - Raus aus der Ohnmacht mit New Work

Wir können noch viel mehr! (Wir können raus aus der Ohnmacht!)

Ja, jetzt kommt so etwas wie Werbung. Nachdem ich am Tag, wo alles anfing, mir zwei Lagen Wimperntusche im Zug nach Kassel weg-geweint habe, habe ich dort die Neue Denkerei besucht und eine Ramen Suppe mit Steffi und Madlen gegessen. Entschleunigt, abgekühlt, zu mir gekommen.

Wir – Nicole, Madlen, Steffi und ich – wollen unbedingt eine ganz nützliche, sinnvolle und außergewöhnlich menschliche Veranstaltung dort machen.

Alle Infos gibt es hier. Es wäre toll, wenn du Menschen in deinem Umfeld darauf aufmerksam machst, denn aus unserer Sicht braucht es in Zukunft noch mehr Begleiter und Unterstützer, und die Zukunft von New Work ist ohne New Work Coaches nicht denkbar.

Bob der Baumeister würde jetzt fragen: Können wir das tun?

Und die lustigen Teamkollegen von ihm würden antworten:

Ja, das können wir!

In diesem Sinne, hab eine gute Woche!

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Mehr Emotionales aus dem Online-Tagebuch

Grüß Gott! – über Rituale in 2022

Grüß Gott! – über Rituale in 2022

Grüß Gott! sage ich, und neben mir kichert es. Ich bin in Bayern, auf ein verlängertes Wochenende, zusammen mit M. und N., beides meine Kolleginnen (und das bedeutet für uns Selbständige: wir verstehen einander gut!)

Nach vielen Monaten Verwirrung, Lockdown, virtuellen Meetings und Unsicherheit tut ein Wochenende im Schnee und weitab der sonstigen Routinen mehr als gut. Wir schlafen wenig, reden viel und gehen zwischen kleinen Dörfern, die keiner kennt, spazieren. Grüß Gott! sage ich dann immer, wenn ich den Jesus sehe, und das kommt oft vor. Ich will nicht despektierlich erscheinen, ich bin von diesem Kulturaspekt sehr angetan.

petranovskaja gruess gott
petranovskaja gruess gott

Später sinnieren M., N. und ich zu dritt darüber, was die Welt wohl in 2022 am meisten braucht. Die Arbeitswelt ist dabei insbesondere im Fokus, weil wir dort unsere Kunden haben und ihnen eine gute Unterstützung sein wollen. Wir arbeiten mit Lego, das ist eine gute Brücke für die beiden Gehirnhälften. Die Hände suchen Formen, die Augen suchen Farben und Bilder, die Lippen sind für Wörter zuständig, und ab und zu wird mein Atem schneller, weil ich das Gefühl habe, etwas Wichtigem ganz nah zu sein.

Hund, Katze, Maus… ähm, Kaninchen!

petranovskaja gruess gott lego
petranovskaja gruess gott lego

Eine erste Erkenntnis gewinnen wir über die Bilder von Hund, Katze und … nein, nicht Maus, Kaninchen. In dem (für manche bereits leidigen) Thema, von wo nun demnächst gearbeitet wird (zuhause oder im Büro), steht der Hund für all die Mitarbeiter, die sich mit allen im vertrauten Office treffen möchten. „Hunde“ wollen ihre ganze Sippe beisammen haben und sich über die Vollständigkeit des Rudels freuen.

Die „Katzen“, die brauchen kein Rudel. Sie lehnen das Büro nicht grundsätzlich ab, haben jedoch die Vorteile des remote Arbeitsplatzes für sich kennengelernt und würden auch in Zukunft gern in ihrem eigenen Tempo in den eigenen Wänden für das Bruttosozialprodukt kämpfen. Die Begeisterung der „Hunde“ finden die „Katzen“ anstrengend.

petranovskaja gruess gott lego

Und dann wären da noch die Kaninchen. Das ist so ein Typ Mitarbeiter / Mensch, der beides Braucht: Schutz und Ruhe. Unsicherheit, was nun besser sei, ist oft an der Tagesordnung. Die Kaninchen verstehen sowohl die Katzen als auch die Hunde und können jedoch weder vermitteln noch eine klare Entscheidung treffen. Manchen Kaninchen kann man es auch mit nichts recht machen: weder mit einer klaren Vorgabe, wann und wo gearbeitet wird, noch mit einer Freiheit für die Selbstentscheidung.

Wie, wann und wo arbeiten wir in 2022?

Wir glauben, viele Unternehmen werden in diesem Jahr in solchen Diskussionen und Situationen sehr viel Reibungsverlust haben.
Wir wollen sie dabei begleiten, es zu verhindern. Zum Glück war noch mehr Lego da, also haben wir weiter mit den Händen gedacht und uns gefragt, was unsere Lösung für diese Situation wäre.

Bestimmt war uns meine Begeisterung für die bayerischen Traditionen und „Grüß Gott“ eine große Inspiration. Nachdem wir kurz über das Bedürfnis nach gemeinsamen oder geteilten Werten gesprochen haben, kam der Begriff „Ritual“ ins Spiel. Auf unserem Lego-Brett war das ein Maibaum. Folgende Merkmale der Maibaum-Tradition waren für uns relevant:

  • gebunden an ein festes Datum
  • kann in jedem Ort aufgestellt werden
  • auf dem Maibaum werden die Gilden (die Stärken/Qualitäten) des Ortes sichtbar gemacht
  • es gibt die (spielerische) Variante des Rituals – mit Maibaum entführen
  • zu der Tradition des Aufstellen gehört das obligatorische Essen, Trinken und Tanzen dazu – alle kommen zusammen und sind ansonsten einfach nur da

Übersetzt für Hunde, Katzen und Kaninchen dieser Arbeitswelt könnte eine neue Tradition, ein neues gemeinsames Ritual geschaffen werden, welches die verschiedenen Qualitäten (oder auch verschiedene Bedürfnisse/Werte) der Gruppe sichtbar macht. Natürlich hatten wir als Moderatorinnen und Trainer sofort zig Ideen für die konkrete Ausgestaltung der Formate dazu. Das Jahr 2022 kann nun so oder so sein, wir haben unseren Fokus gefunden.

petranovskaja gruess gott
petranovskaja gruess gott

Exkurs: über Rituale

Rituale gibt es sowohl im familiären Umfeld, persönlichen Tagesablauf als auch im Arbeitsleben. Ein Ritual ist ein nach (oft unbewusst gewordenen) vorgegebenen Regeln ablaufende Handlung mit hohem Symbolgehalt und sozial bedeutsamen Wiederholungen, die uns

  • Orientierung gibt (Gebet, Gericht, Betriebsversammlung etc.)
  • Zeitläufe strukturiert (Geburtstag, Feiertag)
  • Komplexität reduziert (z.B. Entscheidungsvorschriften)
  • Zugehörigkeit bestärkt (z.B. Führungskräftemeetings)
  • Negative Emotionen abfedert (z.B. Verabschiedungen)

In Organisationen entstanden Rituale früher häufig unkontrolliert, z.B. in der Kaffeeküche, bei regelmäßigen morgendlichen Flurgesprächen oder beim gemeinsamen Lunchverabredungen – durch Begegnungen und Wiederholungen. In der Corona-Zeit konnten viele Rituale (wie zB gemeinsames Frühstück) nicht ausgelebt werden. Gleichzeitig entstanden neue Rituale. Nun geht es darum, in der jetzt bewusst zu gestaltender neuen Zeit auch das Thema Rituale neu anzuschauen und zu fördern, damit das Wir-Gefühl trotz aller zeitlichen und räumlichen Grenzen bestehen bleibt oder sogar gestärkt wird.

Zu diesem Thema werden Nicole Anzinger und ich in 2022 ein New Work Workshop anbieten ;-)

Moin Digga!

Zurück in Hamburg habe ich – mal wieder – festgestellt, wie wichtig es mir ist, unterwegs zu sein und Neues zu sehen. In einer Umgebung, die meine Synapsen kitzelt – und sei es vorerst nur über Jesus im Wald – kommt automatisch neues Sehen dabei zustande. Ich erkenne andere Zusammenhänge und kann daraus viel mehr Möglichkeiten ableiten als vorher.

Außerdem ist der Erholungseffekt eines Wochenendes immer noch sehr unterschätzt. Aus 2-3 Nächten woanders entsteht stets das Gefühl, eine Ewigkeit unterwegs zu sein. Die sechsstündige Zugfahrt von München nach Hamburg hat dieses Gefühl nur noch bestärkt.

Ich vermisse den Schnee und den Gott am Waldweg. Die Hamburger haben dazu ihren eigenen Humor:

Ein Hamburger sitzt mit seiner Astra-Pulle an den Landungsbrücken, schaut auf die Schiffe und den Hafen. Als die Sonne langsam hinter den Kränen verschwindet, setzt sich Gott neben ihn und tut es ihm gleich. Nach einigen Minuten nimmt der Hamburger all’ seinen Mut zusammen und fragt ehrfürchtig: „Mien Gott, watt moogst Du denn bi uns in Hamburch?“ Gott antwortet: „Home-Office, Digga, Home-Office…“

In diesem Sinne: ich gehe arbeiten. Auch wenn ich mein Home office langsam sehr gern gegen andere Räume eintauschen will, um mit Menschen zusammen zu kommen… Die Sehnsucht ist groß, und ich mutiere gerade ganz deutlich von Katze zum Hund.

Wie steht es um dich? Was ist deine größte Sehnsucht gerade?

petranovskaja Unterschrift signatur

Mehr zum Thema “Zukunft der Arbeit”

Hier übrigens ist eine Liste mit einigen Podcasts, wo ich zu Gast war – auch zum Thema neue Arbeit :)

Wir sind viel zu selten am Meer

Wir sind viel zu selten am Meer

Oh ja, wir sind definitiv viel zu selten am Meer! Vorletzte Woche habe ich mit recht vielen Menschen darüber gesprochen, was sie sich für dieses kommende Jahr vornehmen, und jemand meinte, ans Meer zu fahren wäre toll.

Nicht aufschieben bitte! Wer weiß, was morgen ist! Schoss es mir sofort durch den Kopf, denn ich weiß wie gut wir darin sind, uns unsere innigsten Träume so weit nach hinten zu stellen, dass wir bloß und auf keinen Fall glücklich sind. Selbstsabotage, eines unserer Kernkompetenzen, darüber schrieb ich letztes Jahr recht viel in unserem Buch “Am Leben vorbei“.

Nicht aufschieben! Nichts und niemals aufschieben, wenn es uns wirklich wichtig ist.

Wann weiß ich, dass es wichtig ist?

Eine schwierige Frage mit einer einfachen Antwort. Wenn du nur noch 24 Stunden zu leben hättest, was würdest du tun? Würdest du dann ans Meer fahren? Wenn die Antwort “ja” heißt, dann weißt du Bescheid. Würde ich jetzt noch die Netflix Serie zu Ende schauen, wenn nur noch 24 Stunden vor mir wären? Unwahrscheinlich. Würde ich meine Emails checken oder meinen Instagram Status? Unwahrscheinlich.

Was würde ich stattdessen tun?

Ich würde leben! Lachen, tanzen, Schneeflocken mit der Zunge fangen, mich an den zwei Sonnenstrahlen erfreuen, die zwischen den Wolken scheinen und noch so viel mehr!

Das Seltsame ist nur: wir tun so etwas viel zu wenig. Wir sind zu selten am Meer. Wir tanzen zu wenig und sind zu oft in unser Smartphone vertieft. Vielleicht halten wir uns für unsterblich. Vielleicht betreiben wir sehr gern um die Wette mit der Zeit die Selbstsabotage. Vielleicht gibt es einfach zu wenig Warnzeichen, die sagen: es kann morgen schon alles vorbei sein. Vielleicht brauchen wir aber auch keine Warnzeichen.

Vielleicht müssen wir etwas verlernen

Eine Freundin von mir ist gerade in Costa Rica. Es wird getanzt und jeder Sonnenuntergang wird gefeiert. Es wird gesund gegessen und viel Sport gemacht. Natürlich kann nicht jeder von uns mehrere Wochen nach Costa Rica fliegen, schon gar nicht in der heutigen Zeit, aber wisst ihr was? Wir können viel mehr als wir tun.

Wir sind zu so viel in der Lage! Wir haben so viele Möglichkeiten! Aber wir nutzen sie nicht. Wir bleiben lieber sitzen statt auszugehen. Wir fahren nicht ans Meer. Wir lernen nicht, was wir uns vorgenommen haben. Natürlich können wir das auf Müdigkeit und Stress schieben.

Doch würden wir genau so leben, wenn wir nur noch 2 Wochen Zeit zu leben hätten?

Wohl nicht.

petranovskaja wir sind zu selten am Meer
Doppelbelichtung mit Diana 2011, Thailand

Wir sollten öfter vor die Tür gehen

Wir sollten übrigens öfter vor die Tür gehen. Heute, auf dem Weg zum Einkaufen, kommen mir drei Schul-Jungs, circa 12 Jahre alt, entgegen. “Entschuldigen Sie, mögen Sie lieber Berge oder Meer?” – fragen sie mich.

Das Meer natürlich. Ich gehe weiter und freue mich gedanklich sehr darüber, dass mein letzter besuch am Meer nur wenige Tage zurück liegt. Wir Nordmenschen haben es nicht so weit. Später am Abend telefoniere ich mit einer ganz lieben Person, die auch findet, dass die Nordsee-Farben im Januar besonders intensiv sind.

Wir sind zu selten am Meer

Reisen und am Meer sein sind ein Privileg, und ich habe in meinem Leben sehr viel Geld dafür ausgegeben, diese Erlebnisse zu sammeln. Ich war an so vielen Stränden und an so vielen Meeren und Seen, wie ich nur konnte. Ich habe Fotos gemacht, Steine und Muscheln gesammelt und wieder losgelassen, ich habe mir abends den Sand aus dem Haar und von den Bettlacken entfernt und vor allem habe ich eins gemacht.

Ich habe gelächelt.

Wenn mich etwas mit dem Meer verbindet, dann ist es das Lächeln. Die gefühlte Verbindung mit dem ganzen Universum und der Natur. Die Freude an den rauschenden Wellen. Die Lebewesen, denen unsere politische und wirtschaftliche Lage völlig Schuppe ist. Die Entspannung und die Gelassenheit, die sich mit jeder Welle ausbreitet.

Was ich während der Pandemie, besonders während der Lockdown-Wochen gelernt habe: auch die Wellen der Elbe haben die beruhigende und ablenkende Wirkung auf mich. Viel mehr noch, die zweimal am Tag stattfindende Ebbe-Flut-Wechsel inspirieren mich und beschäftigen meinen Geist. Wenn es für die Natur so einfach zu sein scheint, so eine große Menge Wasser hin und her zu bewegen, warum sind wir Menschen manchmal so unbeweglich?

Also, wir sollten öfter vor die Tür gehen und wir dürfen definitiv öfter ans Meer. An den Strand. In die Nähe von den vielen Wundern der Natur. Dahin, wo alles für irgendwas gut ist, denn die Natur trennt nicht in gut und schlecht, in der Natur wird aus allem etwas gemacht.

Sehnsucht, Vorfreude, Erkenntnis

Wir sind viel zu selten am Meer. Sehnsucht, Vorfreude, Erkenntnis – dieses Jahr kann immer noch so wundervoll werden, obwohl der Januar schon fast vorbei ist.

Also:

  • lasst uns verlernen, was uns nicht gut tut!
  • stellen wir uns den lauten Fragen im Kopf!
  • lasst uns leben und tanzen statt die Zeit umzubringen!
  • treffen wir uns am Meer?
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Was an den Neujahrsvorsätzen so zauberhaft ist

Was an den Neujahrsvorsätzen so zauberhaft ist

Neujahrsvorsätze werden in der heutigen Zeit gern verpönt und verteufelt, dabei sind sie eigentlich – nach wie vor – ganz zauberhaft. Wie ich zu dieser Erkenntnis im Jahr 2022 komme, das beschreibe ich gern hier.

Kopf-Ziele

Als ich nach Deutschland kam (das war 1992), habe ich sehr schnell gelernt, dass die Deutschen gerne planen. Und dass es dafür allerhand Werkzeuge und Hilfsmittel gibt. Jahresplaner, To Do Listen, Planungsmeetings ohne Ende, und dann kam auch schon das erste Mal die Sylvester-Frage, was ich mir für das nächste Jahr vornehme.

Ach so geht das, dachte die junge Nadja damals. Man wünscht sich was und erzählt es allen, und dann kann es einfach so zu mir kommen… Also habe ich natürlich – wie es üblich ist – mir alles mögliche vorgenommen, für Erfolg, Glück und Gesundheit. Mit und ohne Bleigießen und andere Sylvester-Bräuche.

Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich nicht daran erinnern, wie viele meiner Vorsätze erfüllt wurden, das mag daran liegen, dass ich mir die Wünsche nicht wirklich vom Herzen her gedacht habe, sondern mehr aus der kognitiven Logik.

Herz-Ziele

Das Leben ist ein Zebra (ich mag diese Metapher sehr), und so kam in meinem Leben ein relativ schwarzer Streifen, in dem – und daran kann ich mich ganz gut erinnern – keiner meiner Wünsche oder Vorhaben in Erfüllung ging. Nichts wurde besser, ich war oft krank, unzufrieden bis unglücklich, gestresst… Kurz: eine ganze Palette von allem, w as man nicht haben mag.

Wenn ich aus der heutigen Perspektive die Frage “Warum?” stelle, dann weiß ich, dass ich mit Sicherheit Einfluss darauf hatte, wie mein Leben war. Wir haben nämlich immer eine Einfluss darauf. Und wir vergessen das regelmäßig. Meine Neujahrsvorsätze in dieser Zebra-Zeit waren zwar aus dem Herzen kommend, aber ihnen fehlte das Vertrauen, dass ich es wert bin, zufrieden, gesund und glücklich zu sein, und ohne Vertrauen kommen wir nicht weit.

Willensziele (und Theory U)

Der wunderbare Otto Scharmer visualisiert in seiner Theory U einen U-Bogen mit mehreren Ebenen, und die Ebenen haben so etwas wie eine Voraussetzung, um ihnen zu begegnen. Mir ist dieses Denk-Format (ich weiß nicht, ob das Wort Modell passend ist) erst beim Schreiben in den Sinn gekommen, weil ich nach und nach über mein Leben und das Transformieren meiner Neujahrsvorsätze nachgedacht habe. Die übliche Abbildung dazu (findest du mit Leichtigkeit im Internet) ist für meinen Artikel hier eher verwirrend, daher bleibe ich bei den Worten.

Otto Scharmer spricht davon, dass wir die Veränderungen, die wir uns wünschen, von der Zukunft her denken sollen. In der Mitte des Kreativ-Prozesses dazu gibt es so was wie ein Nadelöhr, und um dahin zu kommen, soll man drei Schwellen überwinden. Die erste Ebene braucht einen “Open Mind”, um weiter zu kommen. Innehalten, das Denken öffnen und neue Gedanken zulassen (dazu passt auch das erste Kapitel “Anhalten” in unserem neuen Buch “Am Leben vorbei“). Weiter geht es, und es braucht ein “Open Heart” – das Neue sehen, sich umwenden, bereit sein. Und dann, als letzte Stufe vor dem Nadelöhr geht es um “Open Will” mit einer für uns nicht leichten Aufgabe, dem Loslassen.

Kommt man mit dem offenen Denken, offenen Herzen und offenen Willen in die magische Mitte des Prozesses, kann man seine Zukunft – und zwar die, die sich entfalten möchte – fühlen und wahrnehmen (“Presencing“).

Und das ist der Nadja dann nach vielen enttäuschenden Jahren mit den enttäuschenden Neujahrsvorsätzen passiert, nachdem sie sehr viel losgelassen hat. Kündigung und Scheidung, Umzug und eine berufliche Selbständigkeit ohne Sicherheitsnetz.

Soll man die Neujahrsvorsätze verfluchen?

Dann kamen ein paar Jahre, in denen es plötzlich uncool war, sich etwas vorzunehmen, es sei zu viel, zu unrealistisch und überhaupt, sich selbst zu perfektionieren, wäre unmenschlich. Das war dann auch die Zeit, in der ich ein Buch dazu geschrieben habe, wie man – trotz des berühmten inneren Schweinehundes – zu seinen Zielen und zu einem Besseren Ich kommt.

Um mich herum wurde sich also ein paar Jahre nichts vorgenommen. Ich dagegen habe regelmäßig Yoga gemacht, bin mit meinen Kindern in schöne fremde Länder gereist, habe meine Selbständigkeit auf stabilere Beine gestellt und immer mehr unnötige Dinge in meinem Leben losgelassen.

Nordstern-Ziele

Heute nehme ich mir keine konkret messbaren Dinge mehr vor. Also weder Umsatz-Ziele noch Reise-Ziele noch etwas, was ich irgendwann – an einem Tag im Jahr abhaken kann. Ich habe auch keine Bucket List mehr, wie früher.

Stattdessen habe ich einen Nordstern – also etwas, was mir jeden Tag Orientierung gibt, wenn ich mich entscheiden möchte. Ich möchte zum Beispiel in 2022 so oft wie möglich gesund sein, um einen Handstand zu üben. Damit nehme ich mir den Druck, eines Tages den Handstand zu können, und dennoch habe ich jeden Morgen eine Motivation, auf die Yogamatte zu gehen, mich gesund zu ernähren, mich viel zu bewegen und für genug Schlaf zu sorgen. Ich weiß, sehr schlau.

Ich bin gespannt, ob mir der Nordstern eine Hilfe sein wird. Ich finde ihn nämlich ganz und gar zauberhaft, und damit auch das ganze Thema Neujahrsvorsätze. Was immer uns in diesem Jahr passiert – und wir haben ja schon zwei unplanbare Jahre hinter uns – ich habe einen großen Einfluss darauf, wie mein tägliches Leben aussehen wird.

Und darüber freue ich mich sehr.

Worauf und worüber freust du dich in diesem Jahr?

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Mehr aus dem Blog:

Viel Spaß beim Lesen!

10 Jahre selbst und ständig, Rückschau

10 Jahre selbst und ständig, Rückschau

Wenn du selbstständig bist oder darüber nachdenkst, dich selbstständig zu machen, dann lies gern weiter, denn in diesem Artikel teile ich sehr gerne meine Erfahrungen aus zehn Jahren meiner Selbständigkeit. Ich habe an diesem Artikel gefühlt 10 Stunden geschrieben, immer wieder am überlegen, welche meiner Erfahrung nun wirklich wichtig oder es wert sind, geteilt zu werden.

Letztendlich habe ich mich an den Fragen orientiert, die mir über Twitter, LinkedIn und Instagram zu meiner Selbstständigkeit gestellt worden. Ich wünsche dir auf deinem Weg jetzt schon ganz viel Erfolg, Freude und Spaß!

Frage: Wofür würde ich mir am Anfang meiner Selbstständigkeit mehr Zeit und Fokus nehmen?

Der Beginn meiner Selbstständigkeit war voller Sorgen. Ich denke, so geht es vielen. Darum würde ich – im Nachhinein betrachtet –meine Zeit besonders am Anfang viel mehr in Beziehungen zu Menschen investieren, die sich mit Themen befassen, die mir wichtig sind. Heute tue ich es verstärkt auf LinkedIn und Twitter, vor zehn Jahren gab es diese Möglichkeit für mich noch nicht. Warum würde ich das machen? Ganz einfach: weil Menschen einander wunderbar unterstützen können!

Daher mein Appel an dich: verlinke dich mit guten Menschen! Sei proaktiv, zeige dich, stelle Fragen und unterstütze andere mit deiner Energie (z. B. indem du aktiv an den Diskussionen teilnimmst).

Frage: Welche Fehler sollen andere Gründer nicht machen?

Zu meinen Fehlern zähle ich vor allem, viel zu viel Geld, Energie und Zeit in Marketing investiert zu haben. Ja, das Marketing ist total unnütz gewesen für mich. Ich habe Logos in Auftrag gegeben, Webseiten poliert, an Weiterbildungen und Kursen teilgenommen, Experten angefragt und viele viele Stunden mit dem Selbstmarketing verbracht. Am Ende des Tages hat mir all dieses Marketing rein gar nichts gebracht, denn meine Aufträge kamen vor allem über Mundpropaganda und Empfehlungen meines Netzwerkes.

Was ich zum Glück umschifft habe, war das Beschaffen von vielen technischen Geräten. Ich sehe bei vielen Kollegen immer wieder, wie viel Geld sie in externe Mikrofone, Einrichtung ihrer Hintergründe, Software, neueste Hardware und so weiter investieren. In dem Bereich, in dem ich tätig bin, (Life Coaching, Moderation und Trainings) ist diese Technik komplett unnötig. Mit den teureren Geräten kann ich keine bessere Dienstleistung vollbringen.

Dritter Punkt an dieser Stelle: investiere in deine Gesundheit! Denn die Gesundheit ist für viele von uns Freelancer eine Voraussetzung, überhaupt Geld verdienen zu können. Sind wir krank, können wir uns ganz vieles von der Backe streichen. Also, gehe regelmäßig zur Vorsorge, zum Chiropraktiker, zum Sport, zur Massage… Kümmere dich darum, dass dein Körper dich gut durch den Stress des Selbstständigseins bringt. Schlafe viel, trinke viel Wasser, esse gesund.

Frage: Wie funktioniert Netzwerken ohne Konkurrenz?

Ich habe in einem der vielen Weiterbildungen folgendes gelernt: möchte ich Unterstützung oder Vernetzung, die lange anhält und uns beiden etwas bedeutet, so reiche ich zuerst meine Hand. Zum Beispiel kann ich jemanden anschreiben, um ihn darauf hinzuweisen, dass auf seiner Webseite ein Tippfehler ist. Darauf hin stelle ich mich kurz vor und sage, warum mir diese Mensch einiges bedeutet. Zum Beispiel, weil ich von ihm viel lernen möchte. Kommt keine Antwort zurück, weiß ich Bescheid: da ist keine Zeit für Vernetzung. Sehr oft habe ich aber über solche spontanen kleinen kurzen E-Mails wunderbare Beziehungen geknüpft mit Menschen, die sonst nach Außen sehr beschäftigt aussahen. Ich bin bis heute mit vielen Menschen verlinkt, die mich inspiriert und weitergebracht haben. Ich bin ihnen sehr dankbar!

Was Social Media angeht, so ist auch hier die Regel sehr einfach: ich fange an, die Beziehung zu bauen. Meldet sich die andere Person gar nicht, so weiß ich: entweder da ist gar keine Person dahinter (Agentur) oder die Person hat kein Interesse an einer echten Beziehung. Dann brauche ich auch nicht weiter an diese Tür zu klopfen. Auch hier habe ich sehr viele gute Erfahrungen gemacht und kann es nur empfehlen, dich proaktiv bei den Personen zu melden, die du spannend und inspirierend findest.

Frage: Wie hast du die ersten zähen Jahre gemeistert?

Ich bin sehr glücklich darüber drei Mentoren in meiner Selbstständigkeit gehabt zu haben. Alle drei Mentoren habe ich mir selbst angefragt, und alle drei haben mir zugesagt, kostenlos Unterstützung zu leisten. Daher hier an dieser Stelle ein einfacher Tipp: finde jemanden, den du inspirierend findest, der dein Vorbild ist. Frage diese Person, ob sie dich in deiner Selbstständigkeit unterstützen kann. Sei dabei bitte sehr präzise: schreibe also ganz genau, was du werden möchtest und warum diese Person dir dabei Unterstützung leisten kann. Ich unterstütze aktuell selbst drei Selbstständige, weil ich diese wunderbare Erfahrungen genau so zurückzahlen möchte, wie ich sie von anderen erhalten habe. Karma eben.

Ein anderer Punkt, der mir sehr geholfen hat: #Zwischenrente. Ich nenne meine Reisen nicht Urlaub, sondern Zwischenrente. Das bedeutet für mich: ich folge dem Vorbild meiner Eltern, die beide mit 72 Jahren immer noch arbeiten, und möchte auch selbst nicht irgendwann in beigen Klamotten mit Bussen durch die Gegend kutschiert werden, nein, ich möchte aktives Leben mitten drin, solange es geht! Da Reisen bekanntlich viel Geld kosten, achte ich da sehr darauf, dass es ein Gleichgewicht zwischen meinem Budget und der Erholung gibt. So habe ich bereits sehr viele Low Budget Reisen gemacht, die mir sehr viel Freude bereitet haben. Es müssen also nicht immer Malediven sein, damit ein breites grinsen auf deinem Gesicht herrscht! Mein Lieblingsbeispiel sind drei Wochen mit dem Auto durch Europa mit dem Tagesbudget von 50 €. Ja, es geht!

Frage: Wie sieht die Arbeitslast bei dir aus?

Wenn ich es mir aussuchen kann, dann arbeite ich für meine Kunden nur am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag. Montag und Freitag sind für meine eigene Themen reserviert, was die Frage von Madlen beantwortet, wie ich die Balance zwischen den selbst gewählten eigenen Projekten und den Aufträgen halte. Ja, ganz einfach: über eine strikte Kalender-Ordnung. Natürlich geht diese Wochenaufteilung nicht immer auf, dann ist es eben eine Ausnahme. Ich bin sehr stolz darauf, jeweils montags und freitags viel Zeit mit meiner Familie, am Elbstrand oder mit Bücherlesen verbringen zu können. Das gibt mir sehr viel Kraft für die Kundenprojekte.

Frage: Hast du schon mal darüber nachgedacht, dich wieder anstellen zu lassen?

Ja natürlich! Zweimal war ich sehr kurz davor mir wieder einen Job zu suchen. Das Konto war leer, das Auftragsbuch auch. Jedoch hat es auf eine wunderbare Weise immer wieder funktioniert, mich über Wasser zu halten, und ich glaube, das ist eine wichtige Erfahrung.

Frage: Was sind deine Wege, Unterstützung mit Papierkram zu erhalten?

Ich liebe meine Steuerberaterin! Ohne sie wäre ich nirgendwo. Ich weiß, viele Selbständige wollen das Geld sparen und ihre Steuer-Unterlagen lieber selbst machen, ich investiere diese Zeit jedoch viel lieber ins Lernen, Bücher lesen, neue Projekte. Das hat sich bis jetzt aus meiner Sicht immer gelohnt.

Frage: Wie bewahrst du dein Optimismus und deine Kreativität?

Mit kleinen Schritten! Ich tanze, gehe raus, koche mir etwas leckeres, lache über lustige Bilder, rufe Freunde an. Immer dann, wenn ich das Gefühl habe, ich bin leer und ausgelaugt, gebe ich mir Aufmerksamkeit und eine große Portion Selbstumarmung. Ich weiß, nur ich selbst kann mich so trösten, wie ich das brauche. Das war ein langer Lernweg.

Was mir außerdem sehr hilft: Affirmationen und Visualisierungen. Ich habe eine kleine Schachtel, in der meine Lieblingsbilder drin sind. Sehr gerne mache ich sie morgens vor der Arbeit auf, gehe die Bilder einzeln durch, streichle die Motive, erinnere mich daran, was mir wirklich wirklich wichtig ist. Schließlich sollen all die Ikigai Übungen nicht umsonst gewesen sein!

Frage: Wie komme ich an ersten gute Kunden? Wie weiß ich, ob mein Angebot gut ist?

Fake it till you make it. Habe ich irgendwo aufgeschnappt und sehr oft angewendet. Wenn ich denke: dieses Projekt möchte ich unbedingt haben, so gehe ich voll rein! Es passiert auch heute noch, dass der Kunde zu mir nicht passt. Das sind Momente, die gehören einfach dazu. Schließlich läuft in diesem Geschäft sehr viel über persönliche Ebene und gemeinsame Werte.

Das bedeutet: suche dir Kunden, die deine Werte teilen, dann weißt du, dass eine Zusammenarbeit möglich ist. Danach suchst du nach Themen und Projekten, wo ihr gut miteinander arbeiten könnt. Manchmal sind es nicht sofort die Themen, die du später besetzen möchtest. Das macht nichts! Hat der Kunde dich erst mal gern, kommt er ja mal wieder, später kannst du sowohl dein Honorar erhöhen, als auch deinen Anspruch an die Qualität der Projekte.

Ob mein Angebot gut ist? Ich gehe immer davon aus, dass er nicht gut genug ist, wenn der Kunde anspruchsvoll ist. Ich bin sehr gerne bereit, mehr zu geben, weiter zu springen, etwas Neues zu lernen, damit wir in dem gemeinsamen Lernprozess etwas erreichen. Manchmal stelle ich auch fest, dass der Kunde den Anspruch gar nicht hat, den ich habe. Dann kann ich mich entspannen und meine Lieblingsthemen einfach so aus dem Ärmel schütteln, das sind dann die sehr entspannten Aufträge mit einem guten Erfolg. Win-Win.

Das war es

Ich habe in den letzten zehn Jahren sehr viel ausprobiert, sehr viel gelernt, viel geweint, aber auch sehr viel gelacht, getanzt und meine Zeit mit wunderbaren Menschen verbracht. Ich konnte Tausende von Menschen unterstützen, viele Unternehmen voranbringen, viele Teams ermuntern, sich zu entwickeln und mehr zu schaffen, als einzelne Menschen je für möglich hielten. Ich bin stolz auf jedes einzelne Projekt. Die Projekte sind im Einzelnen:

HenneEi: ich habe als Projektmanagerin ein Flugzeug gebaut.

Mind Fitness Club: zusammen mit Alexandra Marko habe ich ein virtuelles Coaching Zuhause für viele Menschen aufgebaut, und hätten wir uns persönlich gut verstanden, so wären wir heute vielleicht ein erfolgreiches Start Up. Geblieben ist der Mind Fitness Newsletter als Newsletter Format für Unternehmen.

Create Your Year: zusammen mit der wunderbaren Birgit Dierker habe ich jahrelang Menschen dabei unterstützt, ihr Leben zu visualisieren und als starke Menschen in das neue Jahr zu starten.

New Work Toolbox & Ausbildung: ein Joint Venture mit Nicole Anzinger für das Begreifen, Erkunden und Gestalten der neuen Arbeitswelt.

Wondercards: eine geschützte Marke für haptische Materialien rund um Moderation, Beratung und Coaching. Demnächst mit einem ganz neuen Coaching-Produkt!

Handbuch der Entscheidungen: ein sehr spontanes und leichtes Buchprojekt zusammen mit Tobias Leisgang. Wir denken bereits Band 2 vor.

Facilitators Remote Café: ein wöchentliches Format, aus dem eine Community of Practice heraus gewachsen ist – ein internationales Netzwerk von Moderatoren rund um die Welt.

More Shiny Eyes – mein großes und herzliches WARUM. Alles, was ich tue, findet unter diesem Motto statt. Ich möchte, dass wir als Menschen öfter strahlen, unsere eigenen Stärken wahrnehmen und für uns einsetzen und mit unserem eigenen Strahlen auch anderen Menschen die Erlaubnis dafür geben.

petranovskaja Unterschrift signatur

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