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Kommt der Cowboy aus dem Friseurladen – Pony weg!

Den kennt man. Diese Woche im Angebot bei mir: Kommt die Nadja aus dem Termin, Fahrrad weg.
Dabei bin ich Fahrrad gefahren, weil mir zwei Tage vorher das Auto kaputt gegangen ist. Teuer kaputt.
Die Welt ist ungerecht! Das sind meine ersten Gedanken. Das habe ich mir anders vorgestellt!
Auto und Fahrrad nicht genug, die Liste der Ungerechtigkeiten des Universums der Woche war viel länger. Halsweh, Geldsorgen, Streit, technische Probleme mit dem Rechner — ich höre lieber auf. Denn: so eine Woche und so eine Phase im Leben kennt fast jeder.
Während sich also in den ersten vier Tagen der Woche die Probleme nur so aufeinander zu stapeln schienen, ging es ab Donnerstag Abend plötzlich aufwärts.

Wenn du eine Pechsträhne hast, färbe sie pink.

Jetzt ist Sonntag dieser absolut verrückten Woche und ich stelle dir meine persönlichen Wunder gegen das Jammern vor.

Wunder #1: Musik

Immer, wenn wir tanzen, stirbt irgendwo ein Problem.

Unser Hamburger Alstervergnügen wird als „das größte Volksfest Norddeutschlands“ beschrieben. Rein da, habe ich mir gesagt. Lass deinen Kummer in der Freude des schunkelndes Volkes auflösen, betrinke dich, es macht auch nix, dass deine Begleitung dich sitzen gelassen hat, sei trotzdem da.
Ich war da, ich bin dreimal um den See gelaufen, zuerst hektisch und laut schnaufend, dann nach und nach entspannt. Wenn andere singen und tanzen können, wieso ich nicht? – fragte ich mich. Überall ist Musik – lateinamerikanisch, Swing, irische Folklore, 70er Hits… Der Mix, die Menge, die Lautstärke – scheint zu funktionieren. Darum hole ich mir am Freitag gleich noch eine Portion und gehe nochmal hin und bleibe bis zum Feuerwerk.
Weißt du, ich bin immer wieder selbst erstaunt, wie Musik mich berührt und aufwühlt und bewegt… Vor dem Feuerwerk spielt man kurz „Für mich soll Rote Rosen regnen“ mit Hildegard’s toller Stimme, dann gibt es vier Hits aus den 80er Jahren – inkl- Wham! und Queen und dazu tanzen die Raketen bunte helle Muster in den Himmel. Selbst der angesagte Regen hält den Atem an und fängt erst eine Minute nach Feuerwerk-Ende an zu tropfen.
Ich bin gerührt. Bewegt. Die Lieder, die ich schon so lange kenne, erinnern mich an meine Kindheit und Jugend, an die Zeit, wo mir so vieles egal war und so vieles andere wichtig. An die Momente, die mich geprägt haben. Das Lächeln breitet sich in meinem inneren aus – plötzlich sind mir viele Themen dieser Woche nicht mehr wichtig.
In mir klingt „Show must go on“, der Regen ist warm und der Bus voller lächelnder Touristen.

Wunder #2: Nähe

Nichts tut uns so gut wie menschliche Nähe.

Hier muss jetzt auch nicht viel mehr stehen. Außer: kein WhatsApp und kein Telefonat kann auch nur annähernd die Wirkung einer Umarmung erreichen.

Hol dir Hugs so oft du kannst.
Und teile reichlich welche aus.

Wunder #3: Dankbarkeit

Unterdrückte Gefühle verstopfen das Herz.

In meiner Schüssel rühre ich griechischen Joghurt mit französischen Renekloden um. Dazu trinke ich einen brasilianischen Kaffee mit der Milch von glücklichen deutschen Kühen. Die Welt hat sich ganz schön ins Zeug gelegt, damit ich ein Frühstück habe.
Ich bin dankbar.
Jedes Mal, wenn ich Wasser aus der Leitung trinke, erinnere ich mich, dass ich es in den meisten von mir bereisten Ländern nicht und kann.
Und bin dankbar.
Die Wirkung der Dankbarkeit über die kleinen Glücksmomente des Tages ist schon so oft und detailliert untersucht worden, dass keiner es hören kann. Und dennoch jammern wir, mich inklusive.
Komisch, oder?

Wunder #4: Überfluss

Wenn man nackt baden geht, braucht man keine Bikini-Figur.

Jeder, der schon mal auf dem Isemarkt in Hamburg war, weiß: der Gott in Frankreich ist ein Bettler! Nirgendwo auf der Welt habe ich einen solchen (relativ umdekadenten) Überfluss erlebt. Ich gehe gern hierher, um zu sehen, was ich alles NICHT brauche. Aber auch für Inspiration und für das Gefühl, dass es mir gut geht. Denn wer die Freiheit hat, an einem Freitag vormittag zwischen prall gefüllten Ständen eines Wochenmarktes zu schlendern, dem geht es verdammt gut.
Wenn ich keine Zeit für Isemarkt habe, funktioniert das Überfluss-Wunder bei mir auch bei Lidl gut. Und bei Aldi, Penni, Deka, Real und im türkischen Supermarkt in der Lindenstraße. Denn überall dort gibt es mehr, als ich brauche und mehr, als mein Kühlschrank aufnehmen kann und mein Magen essen möchte.
Überfluss. Farben, Formen, Gerüche… 80% der Erdeinwohner leben anders.
Nochmal dankbar.

Wunder #5: Humor

Ich wünschte, ich hätte Zeit für den Nervenzusammenbruch, den ich verdiene.

Wenn ich mich bei meiner Mutter „ausweine“, weil es mir nicht gut geht oder mal wieder etwas nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle, schickt sie mir meistens ein paar lustige Bilder mit Sprüchen rüber. Banal, denke ich mir, doch immer wieder muss ich über die kleinen Witze lachen und immer wieder finde ich es erstaunlich, wie unser Gehirn funktioniert, welches nur eins von beidem gleichzeitig kann: glücklich sein oder unzufrieden. Wenn ich mich also von meinem Unglück abwende und mir erlaube, über lustige Katzen, Einhörner und andere Unmöglichkeiten zu lachen, rückt der Problemberg in weite Ferne und scheint plötzlich gar nicht mehr so wichtig zu sein.

Ablenkung per Video klappt übrigens auch gut. Hier mein Angebot für dich:


Schnelle erste Hilfe (falls deine Mutter dir keine lustigen Bilder schickt): Meine Sprüche-Pinwand bei Pinterest
Das Leben ist nämlich viel zu kurz, um es auf später zu verschieben!

Vielleicht wird alles vielleichter!

Jeder hat sie – die schlimmen Tage, die Zeit, wo man nur Jammern möchte. Doch das Jammern bringt uns nicht vorwärts. Egal wie schwer es sein mag, sich vom Klagen und Schwarzsehen zu trennen, wer es versucht, wird immer etwas finden. Musik, Umarmungen, Überfluss, Dankbarkeit und Lachen sind meine Lieblingswaffen.

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