Zukunft der Arbeit ist längst da – und gar nicht so schlimm wie gedacht!

Wohin man blickt, vieles dreht sich um die Zukunft der Arbeit. In diesem Artikel möchte ich meine Sicht der Dinge zusammenfassen und dich ermutigen, mit den vielen Veränderungen Frieden zu schließen. 

Vor kurzem traf ich wieder ein paar Menschen, die sich mit der Zukunft befassen und möchte heute mit Sicherheit verkünden: Die Zukunft der Arbeit ist da. Wir können uns darüber beschweren oder wir lernen, mit dieser Veränderung zu leben.

Die Zukunft der Arbeit: Warum jetzt?

Das Schlagwort “Zukunft der Arbeit” ist plötzlich populär geworden. Seit ein paar Jahren schon gibt es zig Konferenzen, Seminare, Barcamps, dutzende Bücher, hunderte von Artikeln und Forschungen. Neben diesen haben auch meine Mitgliedschaften in den Netzwerken wie intrinsify.me, Stoos und Corporate Rebels United eine Haltung zu diesem Thema geformt.

Der Grund für mein Interesse ist einfach: als zukunftsorientierte Psychologin unterstütze ich Teams und Organisationen dabei, ihre Lern- und Wachstumsprozesse zu gestalten und merke, dass der Wandel zunehmend komplex wurde und somit für die meisten Organisationen immer schwieriger zu steuern.

Darüber hinaus inspirieren mich die Dialoge mit meinen heranwachsenden Kindern (13 und 14) zu der Beschäftigung mit der Frage, welche Berufe und Organisationsstrukturen es in der Zukunft geben wird. Und zu guter Letzt erlebe ich an Beispielen aus meinem Bekanntenkreis, dass Arbeitsplätze, wie wir sie kennen, sind verändern oder sogar verschwinden.

Dann wäre da noch die Technologie und die Digitalisierung. Jede Woche lesen wir neue Nachrichten über Roboter, Internet of Things, künstliche Intelligenz, fahrerlose Autos und Lastwagen.

Viele Berater und Forscher befassen sich mit den Organisationsstrukturen, der Art die Arbeit in Prozessen oder Abteilungen zu organisieren. In diesem Themenkomplex wird unter anderem auch über Führung und Rollen mancher Funktionen, zum Beispiel HR, heftig diskutiert.

Diese Liste lässt sich sicher vervollständigen. Seit wir angefangen haben, über das Ende der Industrialisierung zu sprechen, ist klar, dass viele bis dato selbstverständliche Artefakte wie Job-Titel, Abteilungszugehörigkeit, Job-Beschreibung oder Organigramme wie ein Dinosaurier aussterben werden. Was kommt an deren Stelle?

Drei Perspektiven

Lasst uns die Zukunft der Arbeit aus drei Perspektiven betrachten:

Zunächst die persönlichen Herausforderungen: wie wir eine Arbeit aussuchen und finden, warum oder wofür wir arbeiten, welchen Stellenwert die Arbeit in unserem Leben hat, was unter Karriere verstanden wird, wie wir lernen, um unsere Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erweitern.

Zweitens, die organisatorischen Herausforderungen: Welche Jobs notwendig sein werden, welche Rolle haben Menschen im Zusammenspiel mit Maschinen, wie sich Organisationen aufstellen / positionieren und die Möglichkeiten der Technik nutzen.

Drittens, die gesellschaftlichen Herausforderungen: Wie mit der Globalisierung, der Einwanderung, der Gesundheit und dem demographischen Wandel umgegangen wird, wie die neue Generation auf das Arbeitsleben vorbereitet wird und welchen Stellenwert wirtschaftliche Probleme wie Einkommensungleichheit, Familienbetreuung und Arbeitslosigkeit bekommen.

Die Zukunft der Arbeit aus der persönlichen Perspektive

Zahlreiche Modelle erläutern, warum und wie unsere Arbeit von einfach und planbar zu komplex & dynamisch, und somit störend geworden ist.

Das VUCA Modell

petranovskaja VUCA modell

Die Abkürzung VUCA beschreibt vier zentrale Phänomene, die unsere heutige Wirtschaftswelt auszeichnen: Volatilität (engl. Volatility), Unsicherheit (engl. Uncertainty), Komplexität (engl. complexity) und Mehrdeutigkeit (engl. ambiguity).Eine volatile Situation gilt allgemein als instabil, unvorhersehbar und hinsichtlich ihrer Dauer als kaum oder nicht einschätzbar. Krisen, die das uns Bekannte durcheinander bringen und dabei nicht vorherzusehen sind, bedeuten, dass wir uns verändern müssen, wenn wir krisenrobust sein wollen. Im Unternehmenskontext gibt es daher für jeden der Phänomene auch eine Lösungsmöglichkeit:

  1. klare Visionen zu haben, um der Sprunghaftigkeit zu begegnen
  2. vorhandene Daten und Informationen nicht nur sammeln, sondern auch verstehen, um die Unsicherheit zu reduzieren
  3. Zusammenarbeit in Teams fördern und ausbauen, um Klarheit zu gewinnen und die Komplexität gemeinsam zu bewältigen
  4. Agilität, Beweglichkeit, Flexibilität der Strukturen, Denkmodelle und Prozesse fördern, um auch in mehrdeutigen Situationen entscheidungsfähig zu sein

Dynaxity Modell

petranovskaja VUCA modell

Dynaxity ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus dynamics (Dynamik) und complexity (Komplexität). Entstanden aus den Praxiserfahrungen beim Managen komplexer Systeme in Unternehmen und Organisationen, will das 4-Zonen-Modell hier aufzeigen, welche Herausforderungen mit der Gleichzeitigkeit der Zunahme von Komplexität und Dynamik auf Menschen in Organisationen zukommen. Auch besteht die Herausforderung darin, in diesen Zeiten Initiativen einzuleiten und durchzusetzen, deren Auswirkungen nur in geringem Maße zu prognostizieren sind.

Zusammengefasst: Wohin man guckt, versuchen Modelle von Theoretikern und Praktikern zu erklären, dass die neue Welt der Arbeit immer weniger erklärbar ist. Somit sind sie für all diejenigen wenig hilfreich, die mit den Veränderungen bereits voll konfrontiert sind. Wann, wie und wo gearbeitet wird, ist im Großteil der Berufe anders. Das Bewusstsein, wie man mit der verschwundener Grenze zwischen Arbeit und Freizeit umgeht, ist noch nicht da.

Weil immer mehr Menschen einer Denkarbeit nachgehen, sprich, Dienstleistungen und Produkte mit nicht-physischen Tätigkeiten erzeugen, „arbeiten“ wir gefühlt viel mehr. (Ich persönlich bezweifle, dass wir durch das ständige Checken der E-Mails eine wirkliche Wertschöpfung produzieren.) Gleichzeitig stagniert unsere Produktivität (trotz Technologien) und Aufmerksamkeitsspanne sinkt auf das Niveau von einem Goldfisch (gemäß einer Microsoft Studie).

Wir sind zunehmend müde, schlafen schlecht und warten darauf, dass die Krankenkassen eine Lösung für den Anstieg der psychischen Erkrankungen finden.

Überforderung durch Arbeit

petranovskaja überforderung stress durch arbeit
petranovskaja anstieg psychopharmaka verordnung

Wo Probleme entstehen, entsteht auch ein Markt der Lösungsanbieter. Millionen von Kursen, Büchern, Webseiten – eine ganze Industrie ist entstanden als Reaktion auf diese Herausforderung. Alle wollen uns hilfreiche Methoden und Werkzeuge verkaufen, damit wir uns noch effektiver in den Griff bekommen. Psychologie, Neurowissenschaften, spirituelle Bewegungen aus verschiedenen Ländern dienen als Quelle der Weisheit, wie wir mit dem empfundenen Chaos unseres Lebens umgehen können.

Das Faszinierende ist, dass obwohl das Wissen und die Technologie allgegenwärtig und verfügbar ist, unsere Produktivität stagniert. Wie die Grafik unten zeigt, hat die Verbreitung der Smartphones, Tablets und Apps keine Wunder im Bereich der Effektivität und Effizienz hineingebracht.

 

petranovskaja arbeitsproduktivität

Wir sind mit WLAN und ortsunabhängigem Arbeiten nicht wirklich produktiver geworden, wir haben nur das Gefühl, dass wir es sind. Das ständige Blinken und Piepen der angeblich ach doch so smarten Geräte lenkt uns ab und zwingt uns dazu, ständig auf die Ereignisse zu reagieren, die jemand anders gestartet hat. Wir teilen unser Leben mit anderen, fotografieren und posten unsere Lebens-Sekunde – und entwickeln neue Neurosen, z. B. FOMO (Fear Of Missing Out – Angst, etwas zu verpassen). Frag dich selbst, ob du in der Lage bist, dem kleinen roten Kreis zu widerstehen, der dir sagt, wie viele ungelesene Nachrichten du hast? Kannst du es ertragen oder klickst du drauf wie ein konditionierter Pawlowscher Hund?

Der Wandel in unserer Karriere

Früher war das Leben anders. Man ging auf die Schule, und jedem war klar, dass gute Noten hilfreich sind, wenn man auf eine der begehrten Fakultäten in der Universität gehen wollte. Versuch das mal dem heutigen Kind so zu verkaufen – und finde eine Antwort auf: „Was, wenn ich nicht auf eine Universität gehen will?“

Mein Sohn hat sich mit 12 Jahren das Programmieren beigebracht. Ein Jahr später begann in seiner Schule Computerunterricht.

Online Universitäten und eine Vielzahl der Online-Lernangebote machen die früher klare Struktur „Lernen – Arbeiten – Rentner sein“ für manche von uns obsolet. Meine Eltern – beide über 65 und in Russland und Mexiko lebend – denken nicht daran, mit dem Arbeiten aufzuhören (und das ganz und gar nicht aus finanziellen Gründen – die Arbeit macht ihnen einfach Spaß).

Meinen Urlaub nenne ich seit 2014 „Zwischenrente“ und hoffe, eine Rente im Sinne des 20. Jahrhunderts niemals zu erleben.

 

petranovskaja drei felder des lebens

Das Verständnis, was eine Karriere ist, wandelt sich auch für all diejenigen, die – scheinbar am oberen Ende der Karriereleiter angekommen – aussteigen und etwas ganz anderes, oft wohltätiges, tun. Ex-Vorstände, die Schulen gründen, Berge besteigen und Start Ups unterstützen sind mittlerweile genau so „normal“ wie Digitalnomaden, die ohne abgeschlossenes Studium Unternehmen gründen und vom Strand aus arbeiten.

Bedeutung von Erfolg wird immer mehr vom Geld und Status entkoppelt und an das eigene Wohlbefinden gekoppelt was ich persönlich sehr unterstütze. (Hierzu gibt es ein tolles Buch von Ariane Huffington) Das Fördern unseres Wohlbefindens und bewusster Umgang mit uns selbst ermöglicht vielen von uns nicht nur eine resiliente, sondern eine antifragile Haltung gegenüber der Dynaxity in unserem Lebensumfeld.

Ich persönlich hoffe, dass wir lernen, verschiedenste Lebens-Prozesse miteinander zu verbinden: arbeiten, lernen, genießen, entspannen und diese Mischung bis ins späte Alter leben. Für mich ist das ein sehr wichtiger Teil der Zukunft der Arbeit.

petranovskaja antifragilität

Die organisatorische Seite der Zukunft der Arbeit

Antifragilität – ein wunderbarer Begriff von Nassim Nicholas Taleb – ist auch für Organisationen ein erstrebenswerter Zustand. Denn die größte Herausforderung der Komplexität sind die unerwarteten Ereignisse und unberechenbaren Vorkommnisse. Laut Taleb werden wir es in den nächsten Jahren erleben, wie unsere Welt immer weniger kompliziert und immer mehr komplex wird, und nur die antifragilen Strukturen und Organisationen werden in dieser neuen Welt überleben und wachsen können.

Technologie

Als die Zeit kam, in der die Bibel gedruckt wurde statt von Mönchen per Hand geschrieben zu sein, tauchte vermutlich das erste Mal die Angst auf, dass Maschinen uns die Arbeit wegnehmen könnten. Heute sind es nicht einfach nur technische Geräte, vor denen wir Angst haben. Ganze Technologien – bis hin zur künstlichen Intelligenz – erlauben es (und verlangen es), dass die Organisationen sich in der Art, wertschöpfend zu sein, neu aufstellen.

Neue Sensoren und Programme können nicht nur unsere Stimme verstehen, sondern zunehmend mehr. Riesige Mengen von Daten werden erkannt, verstanden, sortiert und verwendet. Diese immer reifer werdenden Technologien stellen manche gewohnte Prozesse und Organisationsdesigns komplett auf den Kopf. Die Gelegenheit für neue Dienstleistungen, Verbesserung der Arbeit und Produktivitätssteigerung ist enorm.

Darum finde ich es schade, dass man in den heutigen Medien fast ausschließlich angstmachende Artikel zu der bevorstehenden Veränderungen durch Digitalisierung und Technologie findet. Warum sollte die neue – viel weiter entwickelte – Technik uns mehr Arbeit wegnehmen, als schaffen? Der Wechsel vom Mönch zur Druckmaschine tat das nicht, der Wechsel von handgeschriebenen Tabellen zu Excel ebenfalls nicht. Viel mehr konnten bisher die meisten Maschinen neue Jobs entstehen lassen.

Menschologie

Wo technischer Fortschritt immer größer wird, werden unsere menschlichen Fähigkeiten ebenfalls immer wichtiger. Verschiedene Umfragen und Forschungen ergeben, dass die Liste der zukünftig notwendigen Skills, Fähigkeiten und Kompetenzen ungefähr folgendermaßen aussehen könnte:

  • Problemlösungskompetenz
  • Selbstmanagement
  • Kreativität
  • Unternehmergeist
  • Interkulturelle / interdisziplinäre / generationsübergreifende Kompetenz
  • Teamfähigkeit / Ambiguitätstoleranz
  • Technische Fähigkeiten (Umgang mit den Geräten, Apps und Daten, Programmiersprachen)
  • Change Kompetenz / antifragile Haltung / Risikofreude

Fähigkeiten wie aktives Zuhören, Empathie, Entscheidungsfindung, Priorisierung werden uns die Maschinen auch in Zukunft nicht abnehmen können. Es sind die wahren menschlichen Fähigkeiten, und es wäre schön, wenn wir aufhören könnten, Angst vor der Zukunft zu haben und diese stattdessen mit genau diesen Fähigkeiten bauen und ausschmücken.

Das Redesign der Organisationen selbst

Eine elefantengroße Aufgabe, vor der viele Unternehmen stehen, ist die Neugestaltung der Organisationen. Was im Industriezeitalter und in der komplizierten Umwelt geschaffen wurde, funktioniert in der Zeit von Dynaxity nicht mehr. Eine Organisation lässt sich im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr mit Prozesshandbüchern und Jahresbeurteilungen steuern. Mein sehr geschätzter Mentor Niels Pflaeging hat in seinem Buch „Komplexithoden“ eine wunderbare Gegenüberstellung der beiden Welten – kompliziert und komplex – vorgestellt (hier von mir verkürzt):

petranovskaja kompliziert komplex rot blau Niels Pflaeging

Wo früher Prozessoptimierung zur Produktivität führte, ist die Taktung der Veränderungen in unserer Zeit zu hoch, als dass man etwas standardisieren kann. Das Wirtschaftsmodell wird permanent angegriffen und zerstört (siehe nur all die Beispiele von disruptiven Unternehmensmodellen wie Uber, AirBnB etc.).

Das Problem: Die Mehrheit der Unternehmen hat erkannt, dass ihre Organisationsgestaltung nicht funktioniert, und die wenigsten wissen, wie sie es beheben können.

Die Antworten finden sich in den vielen neuen Bewegungen, die – ganz gemäß dem Cynefin Modell – nicht aus Erkenntnissen, sondern aus mehreren iterativen Ausprobier-Aktionen entstanden, durch risikofreudiges Handeln.

Cynefin Modell

petranovskaja cynefin modell

Viele der neuen Tools, Methoden und Handlungsprinzipien entstanden im Umfeld der Softwareentwicklung. Man lese nur das Agile Manifest (hier ein verkürzter Ausschnitt), und schon bilden sich Leitlinien für die Neugestaltung der Organisationen:

  • Individuen und Interaktionen vor Prozessen und Tools
  • Lebensfähiges Produkt vor allumfassender Dokumentation
  • Zusammenwirken mit dem Kunden vor Vertragsverhandlungen
  • Veränderungsbereitschaft vor Planverfolgung

Wenn das Erlernen der Kompetenzen auf der persönlichen Ebene und das Umgestalten der Unternehmen auf der Organisationsebene Hand in Hand gehen, besteht eine große Hoffnung, dass sich in Summe die sogenannte „Dynaxability“ – Fähigkeit, mit der Dynaxity umzugehen – ergibt.

So entstehen zukunftsfähige, antifragile Organisationen, deren Aufgabe es sein wird, die Welt von Morgen mit zu gestalten.

Und wo es viele von solchen zukunftsfähigen Organisationen gibt, da lassen sich auch die gesellschaftlichen Herausforderungen meistern.

Nicht warten, machen!

Es gäbe noch reichlich mehr zu schreiben, doch lasst uns heute diesen einen Gedanken festhalten: Die “Zukunft der Arbeit” ist bereits eingetreten, wir sind mitten drin. Aufgaben und Rollen der meisten von uns verändern sich jetzt gerade, und wir können entweder sitzen und warten oder selbst proaktiv mitmachen. (Ein sehr langer und lesenswerter Artikel aus der Zeitschrift für Zukunftsforschung versteckt sich hinter diesem Link.)

Nimm dir also gern Zeit, dich mit dem Neuen zu befassen – mit Hilfe von einem Buch, auf einer Konferenz oder Netzwerkveranstaltung oder im Dialog mit deinen Freunden und Kollegen. Statt wartend zu verharren, kannst du auf diese Art und Weise deine Rolle in dem Aufbau der Zukunft der Arbeit und vielleicht sogar einen großen Gefallen daran finden.

Und solltest du als Leser Teil einer Organisation sein, so lautet die Empfehlung auch hier: warte nicht! Lade dir Experten oder Impulsgeber zu diesem Thema ein, organisiere interne Foren zum Thema Zukunftsfähigkeit, finde Wege, die Organisation in den Zustand einer schöpferischen Unruhe zu bringen.

Uns allen wünsche ich eine tolle Zukunft!

Nadja Petranovskaja Signatur

Probiere das FeedForward statt FeedBack

Probiere das FeedForward statt FeedBack

In fast jeder Veranstaltung oder Begegnung gibt es ES: das Feedback. Wörtlich übersetzt hieße es “Zurück füttern”. In der russischen Sprache heißt es “umgekehrte Verbindung”. Auf jeden Fall geht es um “zurück” und in Richtung desjenigen, der vorher etwas für uns getan hat.

Kennst du auch das Sandwitch-Prinzip für Feedback? Jahrzehntelang habe ich den Teilnehmern erklärt, wenn man eine Kritik hat, verpackt man diese nett in etwas Positives am Anfang und etwas Positives am Ende. Also Lob – Kritik – Lob.

Manche haben sich zwar dran gehalten, hängen geblieben ist dann immer die Kritik oder etwas, was zu bemängeln war. Und jeder kam mit dem Bewusstsein raus, irgendwas kann er nicht (das ist jetzt sehr vereinfacht dargestellt).

Feedback im Sinne einer Rückmeldung ist Nahrung für Wachstum und Entwicklung. Wohin entwicklen wir uns, wenn wir dauernd mit unseren Fehlern und das-kann-ich-nicht konfrontiert werden? Das hat einen starken Einfluss auf unser Selbstbewusstsein, auf unsere Wahrnehmung überhaupt!

Feed Forward!

Seit einiger Zeit praktiziere ich darum in Trainings und Workshops das FeedForward – aus der Überzeugung, dass wenn wir selbst beim Erleben darauf achten, was gut ist, was uns gefällt, was effektiv und zum sich-eine-Scheibe-davon-abschneiden ist, dann lernen wir selbst viel besser. Eine Win-Win Situation.

Lustigerweise habe ich es sogar praktiziert, bevor ich wusste, dass es so heißt – vielleicht geht es dir auch so? (Eine gute Zusammenfassung in Englisch findest du HIER).

Darum möchte ich heute eine kurze Zusammenfassung der verschiedenen Facetten liefern und ein paar hilfreiche Formulierungen :-)

Mit Wertschätzung füttern

Eine der Erkenntnisse der Positiven Psychologie lautet, wer bei anderen nur Gutes sucht und beobachtet, fühlt sich selbst besser. Darum werden viele Schritte gemacht, damit wir lernen, einander wertschätzend zu begegnen. Eine Möglichkeit, Rückmeldung zu geben, besteht in der puren Wertschätzung der Leistung der anderen Person – ohne sich zu vergleichen, ohne zu beurteilen. Hier sind ein paar Beispiele, wie ein Satz beginnen kann:

  • Ich mag / bewundere es, wie du … (etwas tust). Mach weiter so!
  • Du bist wirksam, wenn du …
  • Die Art und Weise, wie du … (etwas tust), scheint gut zu funktionieren. Behalte das.
  • Ich schätze deine Fähigkeit, …
  • Ich erlebe deine Stärken als …
  • Du bist sehr gut in …
  • Du hast ein besonderes Talent für …
  • Mach weiterhin … (etwas). Du bist wirksam, wenn du das tust.

Bei der Entwicklung unterstützen

Natürlich erkennen wir trotz der Suche nach positiven Momenten auch Entwicklungspotenzial bei einander. FeedForward ist Zukunftsgerichtet, und so geht es hier vor allem darum, dem Gegenüber einen Weg aufzuzeigen, wie er / sie lernen kann. Es geht darum, einander Mut zuzusprechen und Vorschläge zu machen, die auch umsetzbar sind.

Mögliche Sätze sind in diesem Fokus dann:

  • Während du dich weiter entwickelst, könntest du erfolgreicher sein, wenn du … (etwas tust)
  • Ziehe auch … in Erwägung
  • Ein Vorschlag für die Zukunft ist …
  • Beginne zu … Ich denke, dass wäre hilfreich.
  • Für die Zukunft würde ich es begrüßen, wenn du … (etwas tun) würdest. Es würde mir (oder dem Team) helfen …
  • Ich habe bei mehreren Menschen gesehen, wie sie ihre Wirksamkeit durch … erhöhen konnten. Vielleicht ist das eine Idee für dich?
  • Von jetzt an, …
  • Nach vorn schauend, …

Wie ist es? Erkennst du einen Unterschied zwischen der Art von Feedback, die so oft ausgeteilt wird und diesem Ansatz hier? Welches Feedback möchtest du lieber bekommen – und wie oft?

Wie würdest du mir FeedForward für diesen Artikel formulieren?

;-)

Wie immer, lade ich dich ein, mir diene Ideen und Vorschläge per mail oder hier unter den Artikel als Kommentar zu schreiben. Ich freue mich, wenn ich dich inspiriert habe und wünsche dir einen guten Tag!

Nadja Petranovskaja Signatur

Wie Emotionen und Körper zusammen hängen und warum Glück produktiver macht

Wie Emotionen und Körper zusammen hängen und warum Glück produktiver macht

Wie hängen Emotionen, Körper, Glück und Produktivität zusammen?

Wenn wir sagen: “Ich freue mich!” oder “Das finde ich traurig!”, wo sitzt dieses Gefühl dann in unserem Körper? Viele Wissenschaftler haben sich bereits damit auseinander gesetzt, wie Emotionen entstehen und welche körperlichen Bausteine dafür ausschlaggebend sind. Mal erklärt man das mit Hormonen, mal mit anderen Stoffteilchen. Für mich bleibt die Magie der Emotions-Entstehung etwas, was keine Wissenschaft zu erklären vermag.

Erstes Gehirn im Bauch

So habe ich erst vor kurzem für mich entdeckt, dass wir – laut verschiedenen Wissenschaftlern – ein “zweites Gehirn” haben, welches in der Bauchregion angesiedelt ist. Es ist auch nachgewiesen, dass AUS der Bauchregion viel mehr Nerven INS Gehirn abgehen als andersrum. Dies erklärt die berühmten Bauchgefühle und stellt für mich die Frage, ob das Bauch-Gehirn nicht doch das erste ist, während mein Kopf verzweifelt versucht, logische Argumente zu finden. Diese Diskussion gibt es bereits seit den 70er Jahren, noch ohne eine Einigung. Vielleicht sollte ich mir das Buch von Kahneman nochmal zu Gemüte ziehen…

Neue finnische Studie

Doch zurück zu neueren Studien. Ein finnischer Forscher – Dr. Lauri Nummenmaa, Assistant Professor Cognitive Neuroscience an der Aalto University School of Science in Finnland – hat die Frage untersucht, wo in unserem Körper welches Gefühl zuhause ist. Denn meistens wird vermutet, die Emotionen entstehen in unserem Gehirn. Für seine Studie wurden Probanden gefragt, welche körperlichen Empfindungen sie bei einer Reihe von Emotionen spüren. Die Empfindungen wurden – aus dem “Normalzustand” aus – in die positive oder negative Richtung beschrieben und festgehalten. Interessant ist, dass es keine großen kulturellen Unterschiede zwischen Probanden aus Finnland, Schweden und Thailand gab. Das Ergebnis findest du oben.

Alle Emotionen sind gut

Kaum etwas in diesem Bild dürfte komplett überraschend sein. Für all diejenigen, die Emotionen gern in negative und positive teilen, liefert das Bild sogar farbliche Entsprechung. Für mich sind all unsere Emotionen gleichwertig und gleich wichtig. Wenn wir das eine nicht kennen, können wir das andere nicht empfinden. Wir sind nur vollständig mit dem vollen Cocktail all dieser schwer messbaren Zustände.

Produktivität unter Glück ist enorm

Was für mich wichtig ist, ist das Bild von einem glücklichen Menschen. Nicht mal die Liebe schafft es, dass der Körper durchgängig “erhellt” ist. Nur im Zustand der vollen Zufriedenheit und Sorgenfreiheit sind wir in allen unseren körperlichen Anteilen leicht, warm und beflügelt. Und was ist – aus der Sicht der Produktivität – alles möglich, wenn wir bei der Arbeit so viel heller im Kopf sind?

Nicht auszumachen!

Daher gehe ich nun lächelnd weiter arbeiten und wünsche auch dir einen ganz wunderbaren und leichtfüßigen Tag!

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P.S.: Diese und andere wissenschaftliche Erkenntnisse habe ich beim Vortrag auf dem PM Camp in Dornbirn erwähnt, und die komplette Folienversion findest du HIER und das Video HIER

Offline, der neue Luxus

Offline, der neue Luxus

Offline? Früher haben wir immer nach Netz gesucht, das war noch vor dem WLAN. Nun suchen wir nach Orten ohne Netz, offline Orten eben.

Der beste Weg zur Entspannung ist die Reizreduktion. Das wird jeder bestätigen, der Floating Erfahrung hat.

Mein Jahr 2014 sah ein wenig aus wie das Bild da oben. Viel bunt, aber auch viel hektisch. Ich habe zwei GbR gegründet, unzählige Kunden glücklich gemacht, viele Führungskräfte trainiert, geschrieben, gesungen und getanzt, geküsst und geknuddelt, Hello und Goodbye gesagt. Besonders viel Routine und wiederkehrende Ereignisse kamen in meinem Jahr nicht vor.

Ich mag das so.

Und um das alles leben und lieben zu können, brauche ich viel Energie.

Diese habe ich dieses Jahr in einem Offline-Urlaub getankt.

Offline ist nämlich der neue Luxus.

Und ich war dieses Jahr genau dort. Im Luxus. Kein WLAN, kaum 3G, Smartphone aus, tief durchatmen, Natur genießen, kochen und schlafen.

Herrlich!

Auf dem Rückweg sah das Bild dann deutlich bereinigter aus und für das neue Jahr sehe ich klar und deutlich, wo es lang geht, und das ist, was ich gerade brauche.

Und du so?

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Hast du keine Zeit? Hier steht, warum

Hast du keine Zeit? Hier steht, warum

Hast du Zeit?

Viele beklagen sich, dass sie keine Zeit haben. Dass das Leben zu schnell ist. Dass alles zu viel ist.

In dem wunderbaren Buch “Hector und die Entdeckung der Zeit” fasst Fracoise Lelord einen Teil dieser Empfindung zusammen:

“… eine Sekunde Glück, eine Sekunde Unglück, eine Sekunde Langeweile – dauern immer unterschiedlich lange …”

Wenn unsere Zeit mit dem TUN gefüllt ist, vergeht sie rasend schnell. Aristoteles definierte die Zeit als “Maßzahl der Bewegung hinsichtlich des Davor und Danach”, und wer sich viel bewegt (viel tut), der füllt viel Zeit.

Wir vermissen die Zeit also recht schnell, wenn wir viel zu tun haben.

Ich gebe dir fünfzehn Minuten

Professor der Psychologie Timothy Wilson gab seinen Probanden 15 Minuten Zeit. In einem schlichten Versuchsraum durften zunächst Studenten  für sechs bis 15 Minuten einfach nur sitzen und sich im Geist mit einem Thema ihrer Wahl beschäftigen. Aufstehen oder einschlafen durften sie nicht. 

“Ich will einfach nur hier sitzen” – wer kennt diesen Loriot Kurzfilm?

Nun, die Studenten haben es nicht hingekriegt. Langweilige Minuten dauern eben unerträglich lang! (und hier ist das deutsche Wort “Langeweile” wirklich absolut zutreffend!!) Bereits nach wenigen Minuten fiel es den Probanden extrem schwer, sitzen zu bleiben und sie beschrieben das Experiment als unangenehm. Konnte der Raum dafür verantwortlich sein? Der Professor schickte die Studenten nach Hause und wiederholte das Experiment dort. Wieder einfach nur sitzen und den eigenen Gedanken zuhören. Hier empfanden die Probanden die verschriebene Ruhezeit als noch belastender.

Um auszuschließen, dass dieser Effekt etwas mit dem Beruf der Probanden und/oder mit dem Besitz von mobilen Endgeräten zu tun hatte, wiederholte  Timothy Wilson die Studie mit Landwirten und Rentnern. Hier konnte die Gewohnheit, sich mit Facebook, E-Mail und Twitter zu beschäftigen, ausgeschlossen werden.

Doch im Unterschied zu der Loriot-Figur haben auch diese Probanden es nicht ertragen können, einfach nur so da zu sitzen. “Uns hat besonders überrascht, dass selbst alte Menschen ungern nur ihren Gedanken nachgingen”, sagt Wilson.

Weder das Alter, noch der Bildungsstand, noch die Umgebung schienen eine Rolle zu spielen. Da kam dem Professor eine Idee…

Lieber Stromschläge als still sein

In einer weiteren Versuchsreihe konnten die Probanden statt Nichtstun sich selbst einen milden, jedoch unangenehmen Elektroschock verpassen – wenn sie denn wollten. Vor dieser Versuchsreihe gaben die meisten Probanden an, dass sie lieber fünf Dollar bezahlen würden, als einen Stromschlag zu spüren.

Was geschah? 67% der Männer und 25% der Frauen fügten sich während des 15-minütigen Experiments freiwillig Schmerzen zu. Ein Proband soll 190 Mal auf den Schock-Knopf gedrückt haben…

Was denkst du darüber? Wie schätzt du deine eigene Fähigkeit ein, nur ein paar Minuten nichts zu tun?

Rumsein – eine schwere Aufgabe?

Die Schlussfolgerung des Forscherteams klingt plausibel: Der untrainierte Geist beschäftigt sich nicht gerne mit sich selbst. Logische Ableitung: Ich kann es trainieren, das stille mit mir sein? Nachschlagen und googeln bestätigt mich und entführt mich zu den Mönchen und Erfahrungen, die ich in meinem Alltag gar nicht brauche. Ich will weder etwas Übersinnliches erfahren, noch mich mit dem Universum vereinen (gut befreundet bin ich mit dem Universum schon!). Was ich will, sind ein paar Minuten Ruhe am Tag – und hier wird mir Meditation empfohlen.

Meditation ist nicht so meins. Jede Anleitung zu einer Meditation beginnt mit Anweisung, wie ich zu sitzen oder zu liegen habe. Was ich zu denken und was ich nicht zu denken habe. So viele Gebote und Verbote wecken mein rebellisches Ich, ich zappel und meditiere nicht. Ich bin einfach – und ertrage locker zehn Minuten in diesem inneren Dialog. Zugegeben, so etwas mache ich öfter, mein Geist scheint also zu den trainierten zu gehören. (Und wer sich an meinen Adventskalender erinnert, habe ich dort genau zu diesem Training aufgerufen – hier der Link.)

Meine Freundin Birgit Dierker hat meinem Leben einen neuen Begriff geschenkt: “RUMSEIN“. Während das Meditieren für mich nach einer Aufgabe klingt (und das Erfüllen dieser Aufgabe mir immer wieder schwer fällt), stellt das Rumsein keine Bedingungen. Ich muss dabei nicht auf etwas achten, ich darf sein wie ich will – und wenn ich in diesem Moment nur still da sitzen will, dann bin ich schon mitten drin, und die Freiheit, sich die Rahmenbedingungen, Dauer und Co. selbst auszusuchen, geben dem Ganzen aus meiner Sicht viel mehr Sinn.

Was passiert da eigentlich?

Was passiert da in mir, wenn ich nichts tue? Wenn ich in mir drin unterwegs bin? Wenn ich mich mit mir selbst – meinen Gedanken, meinen Empfindungen, meinen Gefühlen – beschäftige?

In den Trainings für Führungskräfte, die ich leite, gebe ich den Teilnehmern an einer Stelle bewusst viel mehr Zeit, als sie brauchen, um an ein paar Coachen-Fragen zu arbeiten. Das pure Beantworten der Fragen dauert in der Regel 5-10 Minuten. Den Rest der Zeit müssen meine Teilnehmer still da sitzen und in sich hinein schauend horchen, ob ihnen noch etwas in den Sinn kommt. Erstaunliche Erfahrung: Es gibt so was wie einen zweiten Atem im Gedankengang! Und der sieht so aus:

Zuerst schreiben die Teilnehmer fleissig auf, was sie denken. Dann sind die meisten fertig und warten, bis alle mit dem Schreiben fertig sind. Dann gucken alle auf die Uhr in der Hoffnung, die Übung ist durch.

Was passiert, wenn du dich mit dir beschäftigst? Wie viele Schichten und Gesichter des Ich begegnen dir? Falls du Zeit hast, schau dir meinen Webinar zum Thema “Wer bin ich?” an, dort erkläre ich den Unterschied zwischen den verschiedenen Anteilen des Egos.

Die schwerste Arbeit ist die Arbeit an sich selbst

Nein, die Übung ist noch nicht durch. Es sind noch reichlich Minuten da, und für diese gibt es eine klare Ansage: Schau in dich hinein und prüfe, ob da noch etwas ist. Atmen und Schnaufen füllt den Raum, bis plötzlich einer nach dem anderen den Stift greifen und noch etwas hinzufügen. In der späteren Auswertung der Übung berichten viele Teilnehmer, dass sie bei längerem Nachdenken auf etwas in ihrem Geist gestoßen sind und dieses zu ihren Antworten hinzu gefügt haben.

“Das Bewusstsein ist ein lautes Plappermaul”,- sagt Birgit Dierker. Recht hat sie. Um 15 Minuten still mit sich selbst auszuhalten, muss ich dieses Plappermaul bitten, etwas leiser zu sein. Statt Denken kommt Spüren, und das Spüren wohnt nicht im Kopf, sondern im Bauch. Und wenn du dich traust zu spüren, wirst du einer leisen Person begegnen, die in dir wohnt und nicht so oft zum Wort kommt – deiner Intuition.

Warum empfehle ich dir das? Weil ich dich und deine “Keine Zeit” Klagen ernst nehme. Weil meine Erfahrungen im Coaching zeigen, dass es möglich ist, mehr Zeit zum Durchatmen und Leben zu haben, ohne sämtliche Produktivitätstechniken dieser Welt zu beherrschen. Die Produktivitätstechniken helfen dir, mit dem Druck zurecht zu kommen, sicher. Was dann immer noch nicht bedient bleibt, sind deine eigenen Wünsche, Träume und Projekte. Diese kannst du nur erfüllen, wenn du dich traust, dir selbst zuzuhören.

Es gibt keine Befriedigung außerhalb von dir

In dem Buch “Hector und die Entdeckung der Zeit” gibt es einen Dialog, der mich immer lächeln macht. Hector – der Held im Buch – unterhält sich mit einem kleinen Jungen und fragt ihn:

“Und was würdest du dir heute von allen Dingen auf der Welt am meisten wünschen?”
Der kleine Junge entgegnet:
“Ich will sofort erwachsen sein!”
Und auf die Nachfrage, wieso, gibt er eine Antwort, die ich einfach liebe:
“Um selbst zu entscheiden!”

Welche Entscheidungen triffst du? Was leitet dich im Leben? Welchen Bedürfnissen folgst du? Mit anderen Worten: Womit füllst du deine Zeit?

Wenn du zu den Menschen gehörst, die manchmal sagen: “Ich habe keine Zeit”, dann sage ich “Sorry, Aufgabe nicht verstanden.” Zeit haben wir alle – und zwar alle die gleiche Menge. Womit du diese Zeit füllst, ist allein deine Entscheidung.

Mehr für dich selbst und dir mehr Zeit mit dir selbst

Mehr Geld, mehr Urlaub, mehr kaufen und besitzen… Unter dem Leistungsdruck der Gesellschaft erkennen immer mehr Menschen, dass das nicht unsere Lebensziele sind. Egal, wie laut die Werbung ist, es gibt immer mehr bewusstes Konsumieren. Egal, wie bekannt die Firmenlogos sind, es gibt immer mehr Aussteiger aus dem Karriere-Hamsterrad. Und neben all den extremen Entscheidungen gibt es eine sehr einfache: Die Entscheidung, mehr für dich selbst da zu sein, dich selbst mehr zu achten und dir mehr Zeit mit dir selbst zu gönnen.

Viel Spaß dabei!

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Warum ich gern an ungewöhnlichen Orten arbeite

Warum ich gern an ungewöhnlichen Orten arbeite

Ich arbeite gern im Flugzeug. Und in menschenleeren chinesischen Restaurants (deren W-LAN viel schneller ist als das von Coffeeshops). Am Strand, im Bushaltestellenhäuschen, mit Blick auf Wasser oder Straßenkreuzung, mal eher ruhig, mal eher mittendrin. Ich arbeite sehr gern und habe deswegen immer etwas zu schreiben und zu strukturieren dabei. Bunte Stifte, viel Papier, Klebezettel, Heftchen.

Was Arbeit ist

Es kann nicht jeder so arbeiten wie ich. Mein Lieblings-Verkäufer von Aldi, der an der Kasse immer dermaßen gute Sprüche klopft, dass ich darüber laut lachen muss und die Schlange aufhalte, weil ich vor lauter Lachtränen mein Portemonnaie nicht finde, dieser Verkäufer kann nicht an der Elbe arbeiten. Zumindest nicht als Aldi-Verkäufer.

2011 habe ich mich entschieden, eine BusinessMuse zu werden. Es gab für diesen Beruf keine Stellenanzeige und auch kein Gehalt, und beim Erwähnen meiner Lust auf Selbständigkeit wurde ich nicht von begeisterten Rufen begrüßt, sondern von Fragen und Zweifeln. Ob das was für mich ist. Ob ich schon eine Kundenbasis habe.

Was ist es, Arbeit? Neue Arbeit, darüber wird viel geschrieben. Und die neue Generation Y, die Millenials, die mir so sympatisch sind, weil sie lieber weniger Geld und mehr Freiheit wählen. Für Geld kann man nämlich keine Zeit kaufen. Weil ihnen Mitbestimmung und Sinn wichtiger sind als Karriereaussichten. Wenn ich über diese Generation lesen, denke ich, genau so bin ich auch, also hat es nicht nur mit dem Geburtsjahr zu tun, sondern mit dem Puls der Zeit und dem Mitgestalten der Zukunft.

Wenn es das Wort “Berufung” gibt, warum gibt es dann keine Berufungs-Schulen? Und warum wird man in den Schulen dieses Landes mit veraltetem Wissen vollgestopft, statt Talentförderungs-Workshops und “Under-15-Startup-Wochenenden” zu organisieren? Wovor haben wir Angst? Dass uns etwas Gutes passiert? Dass unser Potenzial zur Geltung kommt? Das wir plötzlich SPASS HABEN?

Ich weiß, Umbruch passiert nicht von heute auf morgen. Aber jemand muss anfangen. Vorgehen. Ersten Schritt wagen. Tun, erste best practice schaffen, Ergebnisse vorweisen. So wie früher geht es in Zukunft nicht mehr. Auch wenn es früher angeblich besser war.

Lachen und Schaffen

Der Asphalt ist warm, auf der Baustelle nebenan offensichtlich Mittagspause. Es ist ruhig und wir arbeiten draußen, wozu sonst hat Flipchart Rollen? Wir arbeiten an einem Konzept für das Create Your Year Sommer Special, eine Veranstaltungsreihe für all die Menschen, die ihr Leben selbst gestalten. Für alle, die daran glauben, dass Leben mehr zu bieten hat. Für mutige, neugierige und selbstbewusste Menschen, die sich mit genau solchen treffen wollen.

Passanten schauen kurz, lächeln und gehen weiter. Als BusinessMuse ist es normal, an ungewöhnlichen Orten zu arbeiten, und heute ist es Eppendorfer Weg in Hamburg, vor dem Atelier werte und werke, in dem meine BusinessMusen-Kollegin Birgit Dierker Kreativauszeiten und Visionscoaching anbietet und Kunstwerke schafft.

Wir lachen viel und wir schaffen ungewöhnliche, sehr wirksame Konzepte. Obwohl zusammen seit fast einem Jahr für große Unternehmen dieser Republik im Einsatz, haben wir noch nie zusammen an einem Schreibtisch gesessen. Dafür an sämtlichen Cafe- und Gartentischen, auf Bänken, Baumstämmen und Fensterbrettern. Hast du schon mal versucht, dich auf eine Routine-Aufgabe, zum Beispiel ein Montagsmeeting, in einem Park vorzubereiten? Es ist eine Wucht an Energie da draußen, und wir sperren sie aus und verstecken uns hinter langen Korridoren und Doppelverglasung.

Bunt

Das Leben ist viel bunter, als die Straße, auf der wir zur Arbeit fahren. Und viel vielfältiger, als die langweiligen Möbel, an denen wir Heldentaten vollbringen sollen. Besser, schneller, effizienter, urgs! Sorry, aber Heldentaten vollbringt man NICHT an einem Schreibtisch.

Es gibt übrigens einen guten TED Talk dazu, und da es dort deutsche Untertitel / Transkription gibt, gilt die Ausrede mit dem Englisch nicht.

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Wenn etwas besser und wirklich anders werden soll, dann müssen wir ANDERS arbeiten, und dafür müssen wir Unsicherheit zulassen, die erstmal entsteht, wenn wir uns nicht an die gewohnten Regeln halten. Mein Lieblingsverkäufer bei Aldi, der hat das auf seine Art und Weise umgesetzt. Keiner schafft es, nicht zu grinsen und manche erkundigen sich, wann er wieder arbeitet, um genau an diesem Tag einkaufen zu gehen. Kriegt er für so was eine Prämie von seiner Filiale? Wohl kaum. Aber was kriegt man nicht fürs Geld? Spaß und Freude und das Gefühl, sein eigenes Leben zu leben und einen Beitrag zu leisten – und aus einem Grund auf dieser Erde zu sein.

Schau hin, höre hin, lass es auf dich wirken, und morgen, da kannst du deinem Chef und deinem Team vorschlagen, euch an einem ungewöhnlichen Ort zu treffen, um die Zukunft der Abteilung oder der Firma zu besprechen. Sollte zufällig Inspiration fehlen, ruft mich an.

Los geht’s!

petranovskaja_signatur

 

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