Was Wahlen in Hamburg mit guter Moderation zu tun haben

Was Wahlen in Hamburg mit guter Moderation zu tun haben

Gestern waren Wahlen in Hamburg. Es ist für mich erst seit ein paar Jahren ein relevantes Ereignis – seit mein Sohn sich für Politik interessiert und mit mir lange Gespräche darüber führt. Ich bin ihm dafür sehr dankbar, denn es eröffnete mir eine neue Seite in mir: Ich bin der Bürger einer Gemeinschaft, nicht nur eines Landes.

Als jemand, der mit Menschen arbeitet, ist Politik für mich eine hochspannende Sache. Es geht um Macht, um Vertrauen, um Emotionen – obwohl es angeblich eher um Kindergärten, Renten und Fahrräder geht.

Eisberg-Modell

Petranovskaja Wahlen Moderation Eisberg Modell
Eisberg-Modell

Was haben nun Wahlen in Hamburg mit guter Moderation zu tun?

Schauen wir erstmal auf die Wahlbeteiligung. Wie gesagt, vor ein paar Jahren noch gehörte ich selbst stets zu der Gruppe der Leute, die nicht zu Wahlen geht. Es war mir egal, ob meine Stimme zählt und ich hatte kein Vertrauen in die Aussage, dass ich damit etwas verändern kann, diese meine Stimme abzugeben.

Wahlen im Workshop

In der Moderation bieten wir unsere Teilnehmer regelmäßig, Entscheidungen zu treffen. Entweder für einen Lösungsweg oder für die Kleingruppe, in der sie in der nächsten Stunden arbeiten. Können wir uns da eine 59% Wahlbeteiligung vorstellen?

Wohl kaum.

Auf unseren Modekations-Wegen erreichen wir es, dass es nur in Ausnahmefällen jemanden gibt, der nicht mitmachen möchte.

petranovskaja wählen moderation workshop entscheidung

Was hat nun Moderation mit Wahlen zu tun?

Ich lese gerade ein spannendes Buch. Ähnlich wie die Antifragilität von NIcolas Taleb, denkt der Autor Daniel Christian Wahl in die Richtung, in der Organisationen, Gemeinschaften und Kulturen nicht einfach nur überleben, sondern aus jeder und durch jede Krise wachsen und sich entwickeln.

Petranovskaja Wahlen Moderation Kultur Buch

Das ist ein ganz normaler Ablauf einer Moderation. Wir starten mit den Teilnehmern im Hier-und-Jetzt, wir eröffnen die Arbets-Räume der Gruppe durch divergentes Fragen und Denken und manchmal muss die Gruppe dann auf dem Weg zum Ziel eine Krise überwinden.

Die Wahlen haben eine ähnliche Ablauf-Struktur. Wir starten aus dem Jetzt, wir richten uns auf die (Wunsch-)Zukunft aus, wir laufen ein Stück und dann kommen wir durch den Prozess der Stimmen-Abgabe zu einer neuer (vorübergehenden) Balance. Die Zusammensetzung der jeweiligen politischen Struktur muss sich dann wiederum treffen, sich aufeinander einlassen, gemeinsame Arbeitsthemen festlegen und durch einen Prozess der Krisenbewältigung zu den Ergebnissen gelangen.

Und das ist ein wiederkehrender Prozess.

Es gibt “die” (die Politiker), es gibt “uns” (die Wähler) und es gibt das Eisberg unserer Hoffnungen, Bedürfnisse, Wünsche und Emotionen.

Wie würde ein moderierter Wahl-Prozess aussehen?

Was kann eine professionelle Moderation dazu beitragen, dass die Wahlen in der Gesellschaft so ähnlich verlaufen wie Wahlen/Entscheiden in einem Workshop?

Petranovskaja Wahlen Moderation Punktabfrage

Gewiss, es gibt gesetzliche Restriktionen. Wir können nicht mit einer Punktabfrage arbeiten und vermutlich auch nicht mit Mentimeter.

Wir haben auch andere Restriktionen. Zum Beispiel, dass wir nicht alle zusammen in einem physischen Raum sind. Dass wir uns nicht vorher durch Icebreaker und andere Übungen bereits miteinander verbunden fühlen. Dass wir nicht wissen, was andere denken. Dass wir verschiedene Erwartungen haben. (Diese Liste ist beliebig fortzusetzen).

Na und?

Moderation als Haltung vermittelt so viele Möglichkeiten, auch eine große Gruppe die Verbundenheit spüren zu lassen. Durch die inhaltliche Distanz und die Verpflichtung, der Gruppe behilflich zu sein, kann Moderation (erstmal nicht in Form einer Person sondern als Technik/Methode) viel bewegen und bewirken.

Durch gute Fragen. Durch das sichtbar machen der ersten Antworten. Durch die Bemühhung, den Raum für alle sicher zu machen. Durch die Offenheit des Prozesses. Durch das Eingehen auf die Bedürfnisse und Emotionen und viele anderen “Unterwasser”-Themen. (Diese Liste ist beliebig fortzusetzen).

Was würdest du tun, wenn du eingeladen wärest, die Wahlen zu moderieren?

petranovskaja Unterschrift signatur

PS: Wahlen haben einiges mit dem Thema Entscheiden zu tun. Dass ich mich mit diesem Thema seit längerem beschäftige, weißt du sicher aus den Blogbeiträgen hier und hier und vielleicht auch aus den Webinaren dazu.

Was du noch nicht weißt: Ich schreibe mit Tobias Leisang an einem Buch dazu, und dieses kannst du jetzt bereits vorbestellen.

Wie ein Flamingo hilft, die Moderation zu gestalten

Wie ein Flamingo hilft, die Moderation zu gestalten

Moderation gestalten für More Shiny Eyes! Immer wieder befasse ich mich damit, wie Räume Einfluss haben auf den Prozess und das Ergebnis einer Moderation (oder einer anderen zwischenmenschlichen Begegnung). Hier findest du ein paar wunderbare Bilder aus zwei inspirierenden Locations in Hamburg und eine Checkliste, worauf du in den Workshop-Räumen achten kannst, damit deine Teilnehmer einfach zufrieden sind. Mit der Betonung auf einfach.

petranovskaja moderation location stereo events
Stereo Events Location
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Stereo Events Location
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Stereo Events Location
petranovskaja moderation location stereo events
Stereo Events Location

Wie ein Flamingo dir helfen kann, Moderation zu gestalten

Wir wissen alle, wie ordentliche, nach Corporate Identity gestaltete Räume aussehen. Wir wissen auch, wie viele Hotels die Tagungsräume einrichten – genau so (ordenlich, langweilig, clean).

Darum gehen viele meiner Kunden mit ihren Veranstaltungen raus aus den eigenen Wänden. Und immer mehr Kunden wolen etwas Besonderes. Meistens, wenn eine Frau im Organisationsteam dabei ist.

Wir kamen rein, und da saß er – der Herr Flamingo.

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Stereo Events Location mit Flamingo :)

Das spannende an so kleinen “nebensächlichen” Details ist, dass sie nicht tun. Sie laden ein zu spielen, drängen sich aber nicht in die vordere Reihe. Sind da, müssen aber nicht berührt werden.

Wir könnten ja sagen, böse Spielsachen, sie lenken uns vom fokussierten Denken ab. Ja, tun sie.

Fokussiert denken können wir gut woanders. Wenn wir einen Workshop haben oder an einer Lösung für ein komplexes Problem, dann ist es gut, wenn ungewöhnliche Details das Denken auf einen Ausflug einladen.

petranovskaja moderation ergebnis
Mitten im Flow
petranovskaja moderation ergebnis
Ergebnis eines Workshops mit Flow
petranovskaja moderation location stereo events
Ergebnis eines Workshops mit Flow

Weniger Post Its, mehr Diversität

Moderation kannst du auch über Material gestalten. Ich habe Kunden, sie bitten mich darum, dass wir keine Post Its benutzen. Das wäre bereits schon so abgenutzt und würde keine Erfolge mehr bringen. Verstanden. Neben dem Fakt, dass es Alternativen für Post It s gibt (danke den Kollegen von Komfortzonen.de für das unermüdliche Suchen und Finden!), gibt es ÜBERALL, an jeder Ecke so viel Inspiration!

  • Licht, Farben, Formen
  • Spielzeuge
  • Süßigkeiten
  • Kinderbücher
  • … (führe die Liste gern fort!)
petranovskaja moderation location stereo events
Stereo Events Location

Checkliste für einen inspirierenden Raum

Hier ist meine Liste der Dinge, auf die ich Wert lege. Wenn du Ideen hast, was darauf fehlt, lass es mich gern wissen.

  • Licht: Tageslicht so viel wie möglich. Tagungsräume in Kellern sind in großen Hotels leider oft ganz normal.
  • Wichtig für dunkle Jahreszeit: ausreichen und gutes, indirektes Kunst-Licht. Ich lasse mir bei Besichtigung immer die Lampen zeigen
  • Luft: Fenster und Türen aufmachen können
  • Musik: wenn der Raum keine eigene (ohne Techniker bedienbare) Anlage hat, bringe ich immer eine Bluetooth Box mit
  • Möbel: Je flexibler und variationsreicher, desto besser. Manche sitzen gern gerade, andere stehen gern. Stühle dürfen gern verschieden sein, kleine Ecken, in denen eine Gruppe sich zurückziehen kann, sind ideal
  • Wände/Präsentationsflache: Wenn “Make your work visible!” die Devise ist, dann sollte der Raum Platz bieten für die rgebnisse unseres Tages. Wände dürfen manchmal nicht beklebt werden – dann brauche ich mehr Pinwände. Wenn gar nichts geht, legen wir die Ergebnisse auf den Fussboden in die Mitte
  • Möglichkeiten: können wir … (einen Spaziergang machen? Eine laute Übung moderieren? sicheren Raum für tiefgründige Gespräche bieten? Tanzen? Passanten für Design Thinking Interviews befragen?) – was ermöglicht mir die Location für den Fall, dass wir etwas zusätzlich brauchen
  • Freiraum: haben wir Platz? (für Mäntel, Koffer, Rückzug, Telefonate, Zweiergespräche)
  • Essen/Trinken: haben wir genug Platz und Ressourcen für die Pausen?
  • Empfang: bietet die Location eine Möglichkeit, den Start der Veranstaltung zu gestalten? Haben wir Platz für Teilnehmer-Unterlagen, Material, Begrüßungs-Plakat?
  • Metaphern: mit welchen Metaphern können wir in der Location arbeiten? Passen diese zu der Teilnehmer-Gruppe?
petranovskaja moderation location atelier werke und werte
Atelier Werke und Werte

Zwei inspirierende Adressen in Hamburg

Meiner Checkliste folgend, kann ich folgende zwei Locations in Hamburg sehr empfehlen:

Nadja Petranovskaja die Kunst der Moderation Workshop
Nadja Petranovskaja die Kunst der Moderation Workshop

Möchtest du mehr über Moderation lernen? Komme zu meinem 1-tägigen Workshop “Die Kunst der Moderation” im Atelier Werke und Werte in Hamburg am 27.3.

Karten für deine Moderation und dein Coaching

Karten für deine Moderation und dein Coaching

Heute stelle ich Karten für Moderation vor und erzähle dir, warum und wie ich diese Karten-Sets in meinen Workshops und Trainings nutze. Ich würde mich freuen, wenn du in den Kommentaren mit uns teilst, welche Ressourcen aus deiner Sicht auch auf die Liste gehören. Abgemacht?

Los geht’s!

Fearless Journey

Fearless Journey Karten

Fearless Journey ist ein Kartenspiel, in dem sich ein Team auf die Reise begibt, um ein großes Ziel zu erreichen. Auf dem nicht immer geradlinigen Weg gilt es, verschiedene Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die das Team zuvor selbst definiert und beschrieben hat. Es basiert auf den Musterstrategien, die Linda Rising und Mary Lynn Manns in ihrem Buch Fearless Change: Patterns for Introducing New Ideas beschrieben haben. Kennengelernt habe ich das Spiel durch die wunderbare Deborah Preuss.

Fearless Journey Session auf #play14 in Berlin

Das wunderbare an dem Spiel ist, es ist sowohl in einem Echt-Fall einer Organisation nützlich (z.B. in Trainings zum Thema Change), als auch in Gesprächen unter Kollegen. So habe ich z.B. eine Session dazu auf dem #play14 Barcamp in Berlin angeboten, und wir hatten viel Spaß daran, über Angst vor Veränderungen und unsere Change Kompetenz zu diskutieren.

Webseite für Karten-Download oder Kauf: https://fearlessjourney.info/

Empowering Questions

Empowering questions Karten

Die bunten quadratischen Karten mit den empowering questions habe ich durch einen Zufall gefunden und mich spontan in sie verliebt. Ich nutze sie z.B., um andersartige Gespräche in “alten” Teams anzuregen oder für Selbstreflexion in den Workshops.

Verschiedene Möglichkeiten der Nutzung beschreibt die Autorin aus Finnland auf ihrer Webseite.

New Work Quartett

New Work Quartett

Das New Work Quartett von quäntchen+glück habe ich noch nie als Quartett gespielt. Die Karten sind eine wunderbare Inspirationsquelle, wenn es darum geht, was in Sachen Workhacks / New Work nicht theoretisch ginge, sondern sehr praktisch bei quäntchen+glück seit Jahren praktiziert wird.

Aktuell entsteht eine neue Version des Kartensets, vorbestellbar auf der Webseite des Unternehmens, dass jeden Montag für die Kunden nicht erreichbar ist, weil sie ihre internen Fragen in einem Barcamp diskutieren.

Elephant in the room

Elephant in the room Karten

Die zweisprachigen Karten von Michaela Scheller sind eine wunderbare Möglichkeit, Themen besprechbar zu machen, an die sich nicht jeder traut. Ich nutze die Karten für Moderation von Plenums-Diskussionen oder gebe sie als Aufgabe in die Kleingruppen.

Neben den Themen Innovation / Zusammenarbeit / Digitalisierung bringt Michaela bald auch Karten zu den Themen Office365 und New Work raus. Alle Karten sind auf ihrer Webseite zu bestellen.

Chaos Karten

Chaos Karten

Lasse die Teilnehmer aus sich hinauswachsen und etwas tun, was scheinbar nicht zum Programm gehört. Die Chaos-Karten sind (ausnahmsweise) nicht für dich als Trainer gedacht, sondern für die Menschen, die tagtäglich zu oft in die gleiche Richtung denken müssen. Wie soll man da bitte einen tanzenden Stern gebären? (frei nach Nietzsche).

Entdeckt und lieben gelernt habe ich die Karten auf der Manage Agile Konferenz in Berlin. Dort hat jeder der 300 Teilnehmer eine Mission zu erfüllen bekommen. Natürlich nur anzuwenden, wenn du ein bisschen Chaos vertragen kannst!

Neben Chaos Karten für Workshops hat das Team aus dem bayerischen Nizza auch ein Sortiment für Hochzeiten und Parties. Firlefanz, Unsinn und Humbug in einer kleinen Schachtel :-)

The Values Deck

The Values Deck

Das Kartenset von Jacob Morries habe ich entdeckt, weil wir zur gleichen Zeit unsere Kampagne bei Kickstarter am Laufen hatten. Prompt haben wir uns zusammen getan und uns gegenseitig unterstützt. Tun wir bis heute noch. Was so kleine Karten alles tun können! #Magie

Übrigens, Jacob hat aktuell eine zweite Kickstarter-Kampagne am Laufen, dieses Mal sind die 56 Werte von Shalom Schwartz mit Repräsentanten aus dem Tierreich bebildert, was aus meiner Sicht sehr hilfreich ist. Wenn du noch nie etwas von Shalom Schwartz und seinen Werten gehört hast (tat ich vorher auch nicht), ist dieses Set vielleicht eine Bereicherung deiner Arbeit mit dem Werte-Thema. Sowohl in der individuellen Coaching-Session, als auch mit Teams. Mehr dazu erfährst du auf der Webseite, wo es auch ein digitales Assessment zu kaufen gibt.

Reflection Cards

Holstee Reflection Cards

Reflection Cards von Holstee sind … ganz schön viele! Ehrlich, ich habe sie schon etwas länger in der Nutzung und habe sicher nur einen kleinen Teil durchdrungen oder verinnerlicht. Ähnlich wie bei den Empowering Questions Cards geht es auch hier um eine Konversation – ob nun mit sich selbst, mit einem Coachee oder in einem Team, das entscheidest du.

Debriefing Cube

Debriefing Cube Karten

Macht mehr aus jeder Übung, jeder Gruppenarbeit und jedem anderen Schritt in den Workshops und Trainings – mit dem Debriefing Cube von Julian Kea und Team. Das Set aus 42 Karten stellt 42×4 Fragen in sechs Kategorien (Ziel, Emotionen, Zusammenarbeit…) und ermöglicht es, auf mindestens vier verschiedene Weisen das Gähnen beim Debriefing in wertvolle Erkenntnisse zu verwandeln. Ich labe meine Deluxe-Edition im Holzkästchen (Handarbeit aus Berlin) immer dabei. Deutsch oder Englisch, zu bestellen HIER. Wer die Luxus-Version nicht braucht, es gibt auch ein PDF zum selbst ausdrucken. Toll, oder?

WonderCards

WonderCards

Und ja, das Jahr 2019 war das Jahr der WonderCards. Ich bin mein bester Kunde und nutze dieses Kartenset wirklich jede Woche. Bei der Konzeption, in Kundenterminen, bei Diskussionen mit Kollegen und vor allem in den (meistens #noagenda) Trainings, Workshops und anderen Formaten, die ich mit Freude und Leidenschaft moderiere.

Wie viele Möglichkeiten diese Karten für Moderation dir bieten, erzählen wir stetig und unregelmäßig in unseren Videos (Folgen/abonnieren erlaubt). Und falls du wirklich nichts verpassen willst, zweimal die Woche gibt es News, Tipps und Tricks auf unserer Linkedin Seite. Bei Fragen kannst du dich jederzeit an uns wenden – wir teilen das Wissen echt gern!

Und: das ist noch nicht alles, mehr in 2020! Hüpf!

It’s Xmas!

Ich hoffe, du hast ein paar Ideen für Geschenke bekommen – ob Geschenke für jemanden oder für dich selbst ;-)

Was WonderCards angeht, so gibt es diese ab sofort und bis Weihnachten versandkostenfrei. Weltweit. Möchtest du also jemandem in Timbuktu ein Geschenk machen, nur zu!

Und falls du andere Karten für Moderation, Coaching und Trainings hast, die wir kennen sollten, her damit! (Kommentar unten hinterlassen – wir freuen uns alle, denn sharing ist caring)

Viel Spaß und viel Freude,

petranovskaja Unterschrift signatur

PS: WonderCards gibt es nun auch auf Amazon.

English version

Deutsche Version

Was ist ein Workshop?

Was ist ein Workshop?

Workshops werden 16.300 Mal pro Monat in die Suchzeile der Suchmaschinen eingegeben, und mindestens so oft weltweit organisiert, gehalten, moderiert, durchgeführt. Darum widme ich diesen Beitrag einer kurzen Auseinandersetzung dazu, was ein Workshop ist. Und was nicht.

Ein Workshop (zu Deutsch Arbeitstagung, Arbeitssitzung, Arbeitskreis, Kurs, Lehrgang, Seminar oder Denkwerkstatt) ist im Bildungswesen eine Veranstaltung, in der eine kleinere Gruppe mit begrenzter, kompakter Zeitdauer intensiv an einem Thema arbeitet. Ein Kennzeichen ist dabei die kooperative und moderierte Arbeitsweise an einem gemeinsamen Ziel. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Workshop

Was ist NICHT ein Workshop?

Wikipedia hin oder her, ein Workshop – im 21. Jahrhundert – ist es nicht, wenn jemand eine Gruppe von sowieso überarbeiteten Menschen in einen Raum einsperrt, um sie mit Hilfe einer vorher irgendwo im kleinen Kreis festgelegter Agenda durch einen Tag zu jagen.

Es ist auch KEIN Workshop, wenn die Inhalte vorher schon definiert wurden und von den Teilnehmern höchstens mit bunten Moderationskarten oder Klebenotizen kommentiert werden können.

Der Sinn eines Workshops ist es nicht, verbleibendes Budget für ein “jährliches Offisite” zu verschwenden, bei dem schon vorher alle wissen, wie es laufen wird und dass nichts bei rauskommt.

So wie es heute viel zu viele Meetings gibt, gibt es aus meiner Sicht auch viel zu viele Workshops.

Es fängt mit der Auftragsklärung an

Hier ein Bild, das ich in meinen Moderationstrainings nutze:

Wenn mein (interner) Auftraggeber und ich uns sicher sind, dass

  • in dem betroffenen Thema die wesentlichen Punkte weitgehend unentschieden und entscheidbar sind,
  • wir die Entscheidung gemeinsam gestalten wollen und
  • die Teilnehmer richtig mitwirken können,

dann können wir Richtung Workshop marschieren.

In allen anderen Situationen reichen kurze Diskussionen im Rahmen normaler Arbeitssitzung oder eine Mail/ein Post als Maßnahme aus.

Ich bin mir sicher, mit diesem kurzen Check würden 50% der (sogenannten) Workshops nicht stattfinden.

#noagenda

Zweite Baustelle: die Agenda, die das eingeladenen Teilnehmer sicher zum Ziel des Workshops führen soll, wird meistens vorher in einem kleinen Kreis entschieden. Was den Entscheidern dann logisch und klar ist, kann auf die Teilnehmer verwirrend wirken. Sie brauchen Zeit, um zu verstehen, was sie auf die bunten Karten schreiben sollen oder warum wir jetzt eine Gruppenarbeit im Nebenraum machen, wo die Diskussion doch gerade so gut lief… Aber: Die agenda sagt, wir haben keine Zeit für die Diskussion, also ab in die Gruppenarbeit.

Wo wir früher munter planen und das Geplante auf hübsche Folien und in perfekte Agendas packen konnten, ändern sich heute Dinge schneller, als wir gucken können. Darum ist in den Workshops eine neue Vorgehensweise notwendig: #noagenda. Nur so können alle anwesenden Teilnehmer auch Teilgeber und Gestalter der neuen Prozesse werden. Nur in einem freien, durch die Anwesenden mitgestaltbaren Raum kann die Organisation die Vorteile des gemeinsamen, kollektiven Lernens für sich entdecken.

#noagenda bedeutet nicht, dass jeder macht was er will. (So bedeutet Agilität auch nicht Abwesenheit von Planung). #noagenda bedeutet, dass es im Vorweg des Workshops keine auf 10 Minuten genaue Agenda gibt. Es gibt ein Ziel. Dieses sollte der Gruppe transparent und klar sein und sollte mitgetragen werden.

Ist das Ziel für alle fein, geht es um die gemeinsame Gestaltung des Weges dahin. Hier unterstützt der (externe) Moderator mit seinen Kenntnissen der Architektur und der Methoden. Was kann/sollte in der Gruppe gemeinsam besprochen werden, was eher in Kleingruppen? Wo sollten wir schreiben? Wo lieber mit Bällen und Lego spielerisch und kreativ zum Ziel gehen?

So füllt sich der vorerst unklare “Wie kommen wir dahin?” Raum nach und nach mit ersten Antworten, neuen Fragen und immer stärkerer co-kreativer Zusammenarbeit.

Prinzipien hinter #noagenda

People over Tools: Es ist wichtiger, den aktuellen Bedürfnissen und Fragen der Teilnehmer im Workshop zu folgen, als eine neue fancy Methode auszuprobieren

Flow over Agenda: Es ist notwendig, manchen Teilen des Workshops mehr Zeit beizumessen, wenn dort gerade etwas wichtiges passiert und andere Teile des Ablaufes dafür zu kürzen oder eventuell komplett sein zu lassen.

Experience over Beauty: Wenn gerade etwas wichtiges passiert, wenn die Energie im Raum hoch ist und die Teilnehmer selbst von den Ergebnissen begeistert sind, dann kommt es nicht auf die Farbe des Stiftes und die Schönheit der Schrift an. Was unleserlich, aber wichtig ist, kommt wieder. Was schön, aber unwichtig ist, wird wieder vergessen.

Learning over Accuracy: Schnelligkeit und Intensität können manchmal nur erreicht werden, weil auf bestimmte Regeln keine Rücksicht genommen wird. Wenn das dem Lernerfolg und dem Ziel des Workshops dient, dann weg mit den Regeln!

Schwierige Teilnehmer

Immer wieder werde ich in den Moderationstrainings gefragt, wie man mit “schwierigen Teilnehmern” umgehen soll.

Meine Antwort: es gibt sie nicht.

Es gibt keine schwierigen Teilnehmer.

Wenn Menschen (in Abweichung von Ressourcen, Funktionen, Rollen usw.) sich wie ein Mensch behandelt fühlen, dann benehmen sie sich auch wie einer. Wenn jemand zu viel oder zu wenig redet in meinem Workshop, sollte ich ihm/ihr dankbar sein dafür.

Ja, es ist ein gutes Zeichen, wenn etwas nicht “gut” läuft. Weil ich dann sicher bin, dass die Gruppe weiß, was sie will. Und ich – wenn ich ohne Agenda arbeite und flexibel genug bin, diesem Wunsch zu folgen – auch mit anderen Mitteln und Wegen dafür sorgen kann, dass wir zum Ziel des Workshops kommen. Wir erarbeiten uns dann eben nicht nur die Ergebnisse, sondern auch den Weg zu den Ergebnissen.

Und sind dann doppelt stolz.

Gilt auch für Trainings

Das #noagenda Ansatz funktioniert übrigens ganz wunderbar auch in Trainings. Dazu mehr in einem der nächsten Blogbeiträge. Als Vorgeschmack diese wunderbare Übersicht von einer hoch geschätzten Lina Markauskaite:

Falls du in der ersten November-Woche und auf der Manage Agile Konferenz bist, dann können wir uns gern persönlich zu diesem Thema austauschen. Ich werde am 5.11. einen Workshop anbieten mit dem Titel: From death by PowerPoint to playful learning: become learning organization through #noagenda

Falls du Lust hast, immer ein passendes Format, eine passende Übung in deiner Tasche zu haben, um selbstbewusst in einen #noagenda Workshop zu marschieren, lege ich dir die #WonderCards ans Herz. Diese gibt es in Deutsch und Englisch in zwei Größen.

Falls du andere oder ähnliche Ideen zu dem Thema Moderation/Workshops hast, würde ich diese liebend gern kennenlernen! Hier im Kommentar oder in einem (Video)Telefonat.

Wie klingt das für dich?

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Nadja Petranovskaja die Kunst der Moderation Workshop
Nadja Petranovskaja die Kunst der Moderation Workshop

Möchtest du mehr über Moderation lernen? Komme zu meinem 1-tägigen Workshop “Die Kunst der Moderation” im Atelier Werke und Werte in Hamburg am 27.3.

Aufstehen, um zu verstehen

Aufstehen, um zu verstehen

“Jede Fachperson, die Menschen berät, therapiert oder erforscht, ohne den Körper mit einzubeziehen, sollte eine Erklärung für dieses Manko abgeben müssen.” – Gerald Hüther

Ich möchte gar nicht so viel dazu schreiben. Weil es manchmal für mich reicht, der wunderbaren und von mir so innig geliebten deutschen Sprache zuzuhören. Stehen und Verstehen haben die gleiche sprachliche Wurzel.

Verstehen ist ein Kompositum aus dem Präfix ver- und dem Verb stehen; bezeugt in den mittelhochdeutschen Formen verstēn und verstān, welche ihrerseits dem Althochdeutschen firstān – ursprünglich „rings um etwas stehen, etwas umstehen, etwas in der Gewalt haben, beherrschen“, später „erfassen, ergreifen, ertappen; merken, meinen, empfinden, fühlen; begreifen, einsehen, erkennen“ – entstammen.

Mein Aufruf daher an alle, die mit Menschen arbeiten: steht öfter auf! So kann Neues entstehen, jemand kann etwas feststellen oder gestehen, vielleicht bringt das den Prozess in einen gewünschten Zustand, dem keiner widerstehen kann 😊

Mehr Verständnis für sich selbst und für einander, das wäre schon ein wunderbarer Anfang in so vielen Gruppen!

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Wie Räume Einfluss auf Ergebnisse haben

Wie Räume Einfluss auf Ergebnisse haben

Es war der Petervan Auwera, der mich zum Nachdenken brachte. Räume, in denen wir arbeiten, haben einen großen Einfluss darauf, wie unsere Arbeitsergebnisse aussehen.

So sehen z. B. viele Hotels einen Workshop-Raum:

Ich bin mir sicher, du kannst auf Basis dieser beiden Bilder das mögliche Szenario weiter denken… zwei Referenten sitzen vor der Gruppe und klicken ab und zu auf dem PC, damit die nächste Folie erscheint. Ab und zu darf eine Frage gestellt werden…

Nun, ich arbeite ohne PowerPoint und ohne PC. Ich arbeite mit Menschen. Und damit Menschen zusammen nachhaltige Ergebnisse erschaffen und selbst stolz darauf sind, brauchen sie einen guten Raum.

Das haben wir letzte Woche aus dem Raum gemacht:

Und so waren ganz andere Dinge mit den Menschen in diesem Raum möglich. Einander zuhören und gemeinsam eine co-kreative Reise in die Zukunft ihres wunderbaren Unternehmens gestalten…

Was ich hiermit fördern möchte:

  • Flow
  • Interaktionen und Dialoge
  • Verbindungen zw. den Teilnehmern
  • Einsatz des ganzen Körpers

Was denkst du darüber?

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