15 Facilitation Ideen ohne Technik-Schnick-Schnack

15 Facilitation Ideen ohne Technik-Schnick-Schnack

Das zweite Jahr der vorwiegend technisch begleiteten Meetings und Workshops lässt mich nachdenklich werden: aus der Not haben wir nach und nach Tugend gemacht und uns teilweise im technischen Schnick-Schnack verirrt. So gern ich Neues lerne und hier über die neuen Tools und technischen Schnick-Schnack-Spielzeuge berichten würde, die ich vor Kurzem entdeckt habe, möchte ich heute den Fokus ganz woanders hin legen.

Weg mit Technik-Schnick-Schnack!

Wir sitzen oder stehen vor unseren Computern, wir sehen nur Bruchteile unserer Körpersprache, wir sind begrenzt auf den visuellen Wahrnehmung-Kanal, und dann kommt all die Arbeit mit der Maus. Klicken, schieben, Doppelkick… Tastatur und Monitor sind zu unseren erweiterten Körperteilen geworden.

Das beeinflusst das Denken und auch unsere emotionale Lage. Viele sind müde und trotz der ganzen Spielereien irgendwie gelangweilt. Es braucht immer mehr Effekte und Besonderheiten, um die Teilnehmer in einer Session bei der Stange zu halten.

Aus diesem Grund möchte ich heute 15 Ideen für deine Moderation mit dir teilen, bei denen du außer der Videokonferenz selbst nichts brauchst. Na gut, bei der einen Idee werden Maus und ggf. Tastatur benötigt. Nämlich bei der Nutzung des Moodmeters.

Moodmeter

In Zoom kannst du den Moodmeter im Screen-Sharing Modus durch die Teilnehmer kommentieren lassen. Haben die Teilnehmer sich für ein paar Stimmungen entschieden, fragst du, wer und warum in dieser Stimmung ist. In anderen Videokonferenz-Tools gibt es die Kommentieren-Funktion nicht, dort kannst du mit dem Chat arbeiten (ist dann nicht anonym, braucht also etwas mehr “safe space”).

Moodmeter eignet sich wunderbar am Anfang der Session, als Retrospektive nach einem Schritt im Workshop oder auch als Check Out. Ich habe früher die ausgedruckte Version in den Trainings/Workshops verteilt und so den Tag abgeschlossen. Je nach Gruppe kannst du die Teilnehmer auch darum bitten, zu beschreiben, wie es denen als Gruppe geht. Das so generierte Wir-Gefühl verbindet die Teilnehmer.

Wofür du das Wir-Gefühl brauchst? Ganz einfach: ein kürzlich entdecktes Zitat besagt:

Inhalt schwimmt auf Beziehungen.

irgendwo online gelesen

Und das bringt uns zu der nächsten Moderations-Idee…

Intuition in Paaren

In dem Facilitators Remote Café haben wir am 22. März 2021 unseren ersten Geburtstag gefeiert. Obwohl viele aus der Community of Practice sich regelmäßig in diesem montags-Format treffen, kennen wir einander nicht wirklich gut. Daher hat diese Paar-Übung vielen eine Freude bereitet. Ich moderiere sie in zwei Versionen: Zeichnen oder schreiben. Die Zeichen-Version verlangt, einander schweigen anzuschauen und zu zeichnen. Worte sind dabei nicht erlaubt. Anschließend zeigt man einander die Bilder und erzählt, was man in dem Partner sieht.

Die Wondercards bieten eine andere Version dieses Paar-Formats, die ebenfalls sowohl online als auch in Präsenz die sogenannten “deep conversations” erlaubt.

Denke bitte in Vorbereitung deiner Moderation, wie du die Überleitung aus diesem Moment einer Verbundenheit und Intimität zwischen den Teilnehmern zu dem nächsten Schritt machst. Oft macht es einen Sinn, nach der Übung zusätzlich Zeit zu nehmen, um darüber zu sprechen, wie die “normale” Alltagskommunikation von dieser Übung profitieren kann. Somit ist es viel mehr, als nur ein Warm Up oder Kennenlernen – ihr als Gruppe könnt viel tiefer in die Reflexion von Themen wie Kultur, Werte und Miteinander einsteigen. Wer mag, kann sogar bereits konkrete Aktionen ableiten.

Wart ihr auf diesem Weg ca. eine Stunde fokussiert und fleißig, ist es vielleicht Zeit für einen Energizer. Eins meiner Lieblinge – ganz ohne Schnick-Schnack – ist die …

Kissenschlacht

Stellt euch vor, wir sind zusammen in einem Raum und machen eine Kissenschlacht, jedoch in … Zeitlupe. Dabei Achtet man auf die Bewegungen um einen herum und reagiert darauf (zum Beispiel ausweichen oder “umfallen”, weil man von einem Kissen erwischt wurde).

Als eine Variante könnt ihr ein “Opfer” zum Beispiel den Moderator aussuchen, und alle bewerfen ihn mit … Rosenblättern, Federn, Luftballons – natürlich nicht mit echten, sondern mit imaginären.

Wandelt diesen kurzen Energizer gern in eurem Sinne um (wir haben uns einander schon mit Problemen und Lösungen beworfen und dann diskutiert, ob diese unterschiedlich schwer sind…).

#noagenda Rad

Handelt es sich bei der Session um eine Arbeitssitzung und nicht um einen Workshop, so könnt ihr die zu besprechenden Punkte in ein “Glücksrad” einfügen und dann das Tool entscheiden, was als nächstes besprochen wird. Lässt sich wunderbar mit den Regeln des Lean Coffee kombinieren!

Das Rad aus dem Titelbild dieses Beitrages macht übrigens sowohl Geräusche als auch Konfetti zum Schluss (genau, Schnick-Schnack!). Eignet sich auch gut, um auszuwählen, wer als nächstes für die Organisation des Team-Frühstücks zuständig ist (Namen einfügen, drehen, Konfetti!) oder was vom Team-Budget angeschafft wird (Entscheidungs-Hilfe). Kann man auch privat nutzen, wenn es um wer-putzt-heute oder die Filmauswahl geht.

Viel Spaß dabei!

Die anderen Formate werde ich gern nach und nach vorstellen.

petranovskaja Unterschrift signatur

PS: Sehr empfehlenswert für Freunde der guten Moderation ist die wöchentliche Facilitation Rundschau von Jacob Chromy.

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Enjoy!

Lass sie arbeiten! Wie du peinlicher Stille entkommst

Lass sie arbeiten! Wie du peinlicher Stille entkommst

Wie du der peinlichen Stille beim Moderieren einer Gruppe entkommst? Lass sie arbeiten!

Als Moderator, besonders online, kennst du bestimmt die Situation, in der wir etwas fragen, und keiner etwas antwortet. Eine peinliche Stille breitet sich aus.

Stellen wir eine offene Frage, erbarmt sich vielleicht ein Teilnehmer und sagt etwas, und das hilft oft den anderen, auch etwas zu sagen. Haben wir Pech, erbarmt sich niemand, und wir gehen zum nächsten Schritt weiter.

Stellen wir eine geschlossene Frage, erwarten wir ein kurzes Ja/Nein. Da die meisten Teilnehmer stummgeschaltet sind, bekommen wir diese kurze (und normalerweise schnelle) Reaktion nicht. Manche Teilnehmer machen nicht mal eine Kopfbewegung, so dass wir auf ein Bildschirm mit lauter Köpfen starren, und das ist beizeiten schwer zu ertragen.

Ich habe schon einige Male erlebt, dass Teilnehmer es als unangenehm empfinden, wenn ich in solchen Situationen länger schweigend warte oder die Frage wiederhole. Keine Reaktion soll bedeuten: „Weiter machen“. Vielleicht ist das eine Regel, die ich in Zukunft vereinbare, damit das einfacher wird?

Nun aber zurück zur Frage. Lässt sich dieses schwer zu ertragende Schweigen vermeiden? Wie kann ich für Engagement, Lust und Freude sorgen?

Aus den vielen Moderationstrainings, die ich mache, kristallisierte sich nach und nach eine Antwort, die allen als hilfreich erschien:

Lass sie arbeiten!

Beispiel Arbeiten auf dem Whiteboard. Oft trennen wir die Gruppe in kleinere Teams und lassen sie erstmal an Fragestellungen arbeiten. Anschließend werden meistens Ergebnisse präsentiert und Verständnisfragen geklärt. Aus den Teilergebnissen soll dann ein Gesamtergebnis erstellt werden. Hier helfen wir als Moderator der Gruppe gern mit unseren erfahrenen Maus-Bewegungen auf dem Miro/Mural oder Conceptboard … und verlieren sie!

Ein Whiteboard ist an sich schon überfordernd genug. Eine Arbeitsfläche, die ein Teilnehmer mit anderen gleichwertig teilt und wo an vielen Stellen gleichzeitig etwas passiert, verlangt viel Aufmerksamkeit und Fokus. Wenn allerdings der Moderator eine vom Teilnehmer (mühevoll) erstellte Karte irgendwohin schiebt oder womöglich noch umschreibt, ist so ein Teilnehmer definitiv abgehängt. Und wenn er sowieso kurz davor war, seine Mails zu checken, checkt er eben Mails.

Was wir als Moderatoren mit unserer Hilfe meinen, ist oft, Zeit zu sparen, Übersichtlichkeit zu behalten (zum Beispiel welche Farbe für welche Frage genutzt wurde). Unsere Teilnehmer sind vielleicht nicht so versiert darin, all diese Kniffe zu beherrschen.

Aber es ist der Workshop unserer Teilnehmer. Und wenn wir ihnen mit unserer Dienstleistung die Arbeit abnehmen, lehnen sich einige zurück und werden faul.

Und antworten uns eben nicht auf die nächste Frage.

Alternative: Lass sie arbeiten! Ja, das Whiteboard sieht dann nicht so aufgeräumt aus. Ja, die Diskussion ist laut und manches geht technisch schief (schon mal erlebt, das das halbe Board von einem Teilnehmer gelöscht wird und bis zum Schluss des Workshops nicht zurück gebracht wird?).

Shit happens.

Aber das ist doch deren “Baby”, was gerade zur Welt kommt, und wenn ich sie schwitzen, fluchen, brüllen lasse, dann sind sie um so glücklicher, wenn das Ergebnis* am Ende steht. Wie eine Hebamme begleite ich sie, bin aber nicht Teil des Ergebnisses – nur Teil des Prozesses.

(*Und wir wissen alle, das neugeborene Babies noch etwas zerknautscht und rot aussehen, und erst später fotogen genug für eine Postkarte sind…)

Situation zwei: eine Abstimmung.

Ob mit Punkten, Herzchen oder im Slido/Mentimeter: als Moderator schaue ich auf das Ergebnis auf dem Bildschirm und … sage nichts!

Auch hier gilt die Regel: Lass sie arbeiten! Lasse die Teilnehmer sagen, was sie sehen. Lasse sie darauf reagieren, was sie durch die Abstimmung priorisiert haben. Frage sie, wie zufrieden sie nun sind. Oft genug habe ich erlebt, dass an dieser Stelle zusätzliche Informationen dazu kommen oder Argumente, warum jemand mit diesem Ergebnis überhaupt nicht leben kann.

Fasse ich stattdessen (als außenstehender) die Ergebnisse, die ich sehe, in meinen Worten zusammen, kommen die unzufriedenen Teilnehmer vielleicht gar nicht zu Wort. Sie hören mir zu, verfluchen “diese sinnlosen Workshops”, gehen unzufrieden raus und tragen das Ergebnis nicht mit.

Was wir damit erreicht haben, ist, dass der Workshop tatsächlich sinnlos gewesen ist.

“Lass sie arbeiten” erfordert von mir in der Rolle des Moderators, dass ich der Gruppe nach der Abstimmung zuhöre. Damit das Ergebnis der Abstimmung stolz aus dem Workshop getragen wird, braucht die Gruppe jetzt vielleicht eine Blitzlicht-Runde (jeder sagt kurz, was das Ergebnis für ihn bedeutet) und einen “safe space”, in dem jede Meinung willkommen ist.

Technik in den Hintergrund!

Und noch ein Wort zur Technik. Damit unsere Teilnehmer bei jedem Schritt engagiert teilnehmen können, müssen wir die technische Barrieren aus dem Weg räumen. Weniger ist mehr. Auf einem Mural Board zu arbeiten, nur weil es zum Schluss ein Konfetti gibt, mag uns toll und abwechslungsreich erscheinen. Doch (Hand aufs Herz): wie lange dauert es, bis ein ungeübter Teilnehmer auf einem hochprofessionell vorbereiteten Mural wirklich effektiv mitarbeiten kann?

Die Einfachheit siegt am Ende, und so manche Kritzelei mit der Maus auf dem Whiteboard schafft eine starke emotionale Verbindung mit dem Ergebnis. Weil sie „invented by me“ Gefühle auslöst und als „it’s my baby“ aus dem Workshop mitgenommen wird.

Lass sie arbeiten!

  • Make them work
  • Let them work
  • Help them work!

Ich wünsche dir, dass das Schweigen nur noch dann ein Teil deiner Moderation ist, wenn du es dir wünschst.

petranovskaja Unterschrift signatur

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Wie drei Tage online Training am Stück gelingen

Wie drei Tage online Training am Stück gelingen

In September, da war alles noch wie früher: ich konnte durch die Gegend reisen und meine Workshops und Trainings in schönen Hotelräumen unter Palmen gestalten. Im Oktober wurde klar, das war eine kleine Ausnahme in diesem Herbst. Mein Kunde meinte, wir sollten das Training, dass für die zweite November-Woche vorgesehen war, online gestalten. Viele Mails hin und her, es ist mir nicht gelungen, das dreitägige Format in kleine Stückchen zu schneiden oder teilweise asynchron zu gestalten, und es hieß: wir machen drei Tage nacheinander online Seminar zum Thema „Wirksam führen“. Zugegeben, ich war wenig begeistert.

Mein erster Impuls trieb mich – wie so oft – zu Twitter, und da habe ich gefragt: wie würdet ihr das finden, wenn ihr statt Präsenzseminar drei Tage in Microsoft Teams arbeiten müsst? Die Reaktionen waren gemischt. Manche fanden, man könnte sich sofort erhängen, denn das gehe gar nicht. Andere wiederum meinten, das ginge alles, man müsse es nur richtig aufbauen. Leider hatte ich zum aufbauen oder umbauen oder didaktisch durchdenken nur eine knappe Woche.

drei Tage online Training

Zwei Wochen später nun sitze ich hier und strahle, wie ein Honigkuchenpferd. Die drei Tage Training waren großartig! Die Teilnehmer waren zwar müde, aber dennoch nicht weniger von dem Thema Führung begeistert, wie ich das aus den Präsenzseminaren kenne.

Was habe ich nun angestellt, damit das so wird?

People over Tools

Auf der Rückseite meiner neuen Wondercards habe ich drei Prinzipien aufgeschrieben, mit denen ich grundsätzlich jede meiner Moderation gestalte. Das Prinzip Nummer eins steht hier: People over Tools.

Die erste Aufregung, ich müsste das Training in Microsoft Teams gestalten, war natürlich komplett unnötig. Schließlich geht es nicht darum, ob ich meine Lieblingsübungen in einem online Tool gestalten kann. Viel mir ist es wichtig dass die Teilnehmer ein Erlebnis haben, dass sie zum nachdenken, reflektieren und miteinander austauschen einlädt. Und dieses geht – so habe ich das dieses Jahr von anderen erfahrenen Moderatoren gelernt – auch komplett ohne fancy Tools.

Die Haltung entscheidet.

Statt also die normale Menge von Material, Modellen und Übungen in die drei Tage zu quetschen, habe ich mich gefragt: was brauchen meine Teilnehmer jetzt, Mitte November 2020?

Am Ende des dritten Tages hat sich rausgestellt, dies war eins der Erfolgsrezepte für drei Tage gemeinsam online arbeiten und dennoch

  • viel mitnehmen
  • viel lernen
  • viel Spaß haben und
  • gar nicht so abgelenkt sein von den Technologien.

Wie immer in meinem #noagenda Format, fange ich das Training damit an, dass die Teilnehmer sich möglichst gut untereinander beschnuppern und vernetzen können. Dazu lade ich sie ein, in Paaren miteinander zu sprechen und danach einander im Plenum vorzustellen. Da die Teilnehmer nicht sich selbst, sondern einander vorstellen, müssen sie ganz anders zuhören, wenn sie in der Übung sind.

Nach dieser Vorstellungsrunde wird ganz deutlich, worum es in diesen drei Tagen Training geht: um Menschen. Es geht darum, wer gerade hier ist. Es geht darum, was die Teilnehmer jetzt gerade brauchen, was sie an Erfahrung bereits mitbringen und wie sie einander wahrnehmen. Diese sehr einladende Atmosphäre wird immer wieder im Feedback erwähnt. People over tools eben.

Was sonst in diese Kategorie gehört: ganz viel didaktische Abwechslung. Denn wir wissen, unser Gehirn kann selten länger als 45 Minuten am Stück fokussiert arbeiten. Darum wechsle ich in diesen drei Tagen reichlich Formate, Methoden, Tools, Ansätze und Spielarten. Was bei der ersten Durchführung noch sehr anstrengend ist, wird sicherlich mit jedem weiteren Format zur neuen Gewohnheit.

Pull over push

Mein zweites Geheimrezept ist ganz klar: ich bin nicht die Quelle der Weisheit. Meistens sind die Teilnehmer so erfahren, dass es völlig ausreicht, dass sie einander die Fragen, die sie beschäftigen, stellen und einander ihre Antworten darauf liefern.

Damit es zu diesen Konversationen kommt, lasse ich in dem #noagenda Format die Teilnehmer ihre Lernziele formulieren. Aus der Summe der Lernziele entwerfen wir als Gruppe unsere gemeinsame Agenda. Wir stimmen über die Reihenfolge der Themen ab und auch darüber, wie viel Zeit wir den einzelnen Themen geben.

Meistens machen sich die Teilnehmer am ersten Tag noch Sorgen, wie wir denn die zahlreichen Themen in so kurzer Zeit bearbeiten möchten. Spätestens hier entsteht der Pull Effekt, und die Teilnehmer fangen an, das Training aktiv für sich zu nutzen, sich auszutauschen und an ihren Themen zu arbeiten.

Damit ist die Verantwortung für den Erfolg des Trainings nicht allein auf meinen Schultern gelagert. Vielmehr ist die Gruppe in der Lage, die Menge und die Tiefe der benötigten Informationen untereinander abzustimmen und sich nach und nach zu entscheiden, wie sie zu den benötigten Antworten kommt.

Flow over Plan

Die dritte Geheimzutat ist ganz klar der Flow.

Da ich selber sehr verspielt bin, lasse ich auch meine Teilnehmer regelmäßig in den so genannten Lernprojekten erfahren, was es bedeutet, wenn etwas nicht richtig abgestimmt, entschieden, vereinbart oder kommuniziert wird. Wir können sowohl miteinander lachen als auch sehr ernst die Konsequenzen von schlechter Führung besprechen.

Nach so einem Lernprojekt (es heißt sonst vielerorts „Spiel“) sind die Teilnehmer meistens sehr gerne bereit, in kleinen Gruppen ihre Erfahrungen zu vertiefen oder an Lösungen für ihre spezifischen Fälle zu arbeiten. Oder wir entscheiden uns dafür, uns mithilfe eines Modells tiefer zu verstehen, unser Handeln zu reflektieren oder neue Verhaltensmöglichkeiten abzuleiten.

Ich frage die Teilnehmer stets, wie viel Energie sie noch haben – denn Energie ist wichtig für den Flow. Wenn die Gruppe wenig Energie hat, braucht es mal wieder ein Lernprojekt.

Dass die Lernprojekte online mindestens genauso gut durchzuführen sind, wie in einem echten Raum, haben wir in diesem Sommer alle gelernt (darum habe ich viele Karten in dem neuen Wondercards-Set ausgetauscht). Ich freue mich sehr, das ist meistens sehr wenig braucht, um an einen Aha-Moment zu kommen.

Das waren sie nun, meine Erkenntnisse aus drei Tagen online Training. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch in Zukunft unsere gewohnten Formate so in die neue Welt überführen, dass das Lernen überall auf der Welt stattfinden kann.

Wenn du weitere ideen für gelingende online Formate hast, so teile sie gern hier ind en Kommentaren.

Beste Grüße

petranovskaja Unterschrift signatur

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How can we as trainers and facilitators grow in 2020?

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Talking about the future, this year is a challenge, for so many of us! It might be a professional one or a private. I don’t have a single friend around me who is not influenced by Corona.

As much as I personally enjoy to have a little bit more silence and to reinvent myself, I want to contribute to the future of my guild: all of us who are working with groups of people. Facilitators, trainers, HR professionals, Agile Coaches and Scrum Masters, Corporate Rebels, Team leaders.

Last Monday a huge inspiration fluttered into my mind, prepared by Thomas and Benjamin during our Facilitators Remote Café, which takes place every Monday since Mid of March.

facilitation future waves
How do you handle the future? Do you want to survive, to ride or to be the wave?

The answer in my head is very clear: I want to be the wave, to move forward, relentlessly and fearlessly.

There is no sign telling us where to go

Key events in facilitation – an amazing research result by Thomas and Benjamin!

When we look where we come from and where we stand, it becomes more and more clear that there is no sign telling us where to go. It is the decision of each one of us to deal with the great uncertainty in the VUCA time and to shape our own path.

Test yourself: what do the possible trends in the field of consulting, training, moderation trigger in you? Are you looking forward to having AI as a co-facilitator? Can you imagine interacting with your participants only from home via screen?

I found an invitation to a Web-Parade (nice word!) from a group of colleagues, and many interesting answers to some questions concerning our Corona-presence and our future. Here are some brief answers from my point of view – happy to discuss those with you by a cup of coffee!

What does COVID-19 change for trainers?

At first glance, a lot changes. We no longer travel, we are switching everything to online media and questioning the meaning of our work.

At the same time nothing changes, or nothing should change. We are still us. Nobody has taken away our qualifications, our experience and our knowledge.

We still love what we do. We burn for what we do and we love to inspire our customers with our passion.

It’s just not that easy for us right away, because the damn technology is in our way. We are, staring at the square monitors, in our own homes, day by day.

What are the biggest challenges for trainers in dealing with these changes?

Now it would be logical to mention technology and relearning. But I think the biggest challenge is the one in our heads.

It is a change process, a transformation. There is a lot of new things for some of us. It’s only logical that we become emotional and do not want this new situation. At the same time there is the fear that our offers and services will be in such high demand online.

What is helpful in dealing with these challenges?

From my point of view it is helpful to connect with other people in this change situation. On the one hand, we can have a partner for our concerns and questions, on the other hand we can learn from other people how they cope with such situations.

The second helpful thing is to support others. It’s our core competence to ask good questions, to listen, to visualize and to stay calm. Who, if not us, can help our society flourish?

  • There are so many ways to support others. It starts in our family.
  • Then come our friends, our colleagues, our neighbors.
  • The small stores in our neighbourhood, the market traders, the Italian around the corner and our favourite store on Etsy.
  • Then – sometime much later – the contacts in social media. Here, too, we can support many: with attention, with reach, with recommendations and kudos.

What are the benefits of the changes for organizations and trainers?

We probably cannot yet estimate the benefits of this change. It will still take months, perhaps years, before this transformation no longer costs us the energy we have today.

Don’t count your games. Make your games count.

Thiagi

Maybe we will just learn that we have everything we need. It’s not the fancy technology that matters whether my training is good – it’s my ability to give the shy participant space and listen. It’s not about a new kind of method, but about what is actually implemented after a workshop. It is the impact, that count.

What should trainers be able to do to continue to be successful?

As a trainer, consultant, coach, moderator, advisor, companion, we work with people. I believe that the most important thing in this situation is to remain as human as possible and to keep your own vision – Why do I do that? – in focus.

My mission statement – for the reference – below.

Nadja Petranovskaja More Shiny Eyes Mission statement

I would love to connect with you to discuss this topics further. Please don’t hesitate to write me a message on any of the channels!

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Moderation: virtuell versus face2face, Argumente

Moderation: virtuell versus face2face, Argumente

Seit Wochen ist die Moderation nur virtuell möglich, langsam fangen wir jedoch an, auch über die Präsenz-Termine und die face2face moderation zu sprechen. Auf Linkedin, in Slack und in Telegram Communities habe ich meine Kollegen gefragt, was aus ihrer Sicht pro und contra Argumente für die eine und die andere Realität sind.

Wie wird unser Weg vom “MÜSSEN” (weil es nicht anderes geht) der virtuellen Begegnung zum “WOLLEN” aussehen? Wem geht es so wie mir? Ich verspüre nämlich trotz meiner allgemeiner Offenheit gegenüber den Technologien und digitalen Möglichkeiten gewaltige Resistenz. Ich will nicht immer nur vor dem Rechner sitzen. Ich will wieder reisen, meinen Koffer packen. Ich will sogar wieder über zu dunkle und zu kleine Räume schimpfen. Statt über Bandbreite und Log in Probleme.

Meine Freunde wundern sich. Ich bin in der Tat eher als Early adopter und begeisterter Tester der Technologie bekannt. Ich hatte zu allen heute gängigen Tools bereits vor Corona einen Account und ein paar Testprojekte.

Warum nur fällt es mir so schwer, die vermutlich noch viel länger anhaltende Notwendigkeit einer ausschließlich virtuellen Moderation anzunehmen?

Die Change Kurve wieder?

Die Rahmenbedingungen

Die Pivi Scamperle hat in den Channels eine Übersicht der möglichen Rahmenbedingungen gesammelt für face2face Trainings und Seminare. Eine Übersetzung der offiziellen Auflagen quasi für uns Trainer und unsere Teilnehmer.

petranovskaja moderation face2face auflagen corona

Wie du sehen kannst, keine Raketenwissenschaft. Natürlich fallen einige Übungen weg, bei denen man sich berühren würde. Dafür sind Übungen an der frischen Luft um so einfacher zu “verordnen”. Alles in einem: möglich!

Die Pro und Contra Argumente

Darauf hin habe ich auf Facebook zwei Runden gedreht und alle genannten Argumente und Bedenken in eine Übersicht gepackt.

petranovskaja moderation virtuell face2face argumente

Ich habe versucht, meinen inneren Widerstand in die Neugier zu verwandeln. Wenn dir noch mehr Argumente einfallen, lass es mich gern wissen! :-)

Good news: #noagenda geht auch virtuell wunderbar

petranovskaja moderation noagenda
#noagenda Training: Prinzipien und Design

Trotz meines inneren Widerstandes moderiere ich eine online Sequenz mit den Mitgliedern des Schweizer Ausbilder-Vereins. Ich muss zugeben, die Qualität der Unterhaltung und der Diskussion leidet nicht. Natürlich wäre mir eine Präsenz lieber. Ich möchte mich mehr bewegen, ich möchte die Teilnehmer von Stühlen reissen…

Wird vielleicht in Zukunft auch das möglich sein? Mit anderen Übungen, mit anderer technischer Ausstattung? Mit mehr Achtsamkeit und Fokus auf humanes Miteinander?

Was denkst du?

Facilitators’ remote café

Das beste Beispiel für das Wahrsein vieler Argumente aus der ersten Spalte ist das Facilitators’ remote café, das ich als Gastgeberin jeden Montag moderiere (ein Grund mehr für “Endlich Montag!”). Ohne dieses Format würde mir vieles fehlen…

Wie geht es dir mit dem Thema? Was sind deine Empfindungen? Was lernst du über dich und deine Stärken?

Lasst uns in Kontakt bleiben!

petranovskaja Unterschrift signatur

Mehr zu Moderation im Blog:

Was wir in den nächsten 12 Monaten tun… (Woche 10, Digi-Tal)

Was wir in den nächsten 12 Monaten tun… (Woche 10, Digi-Tal)

Im Tal der Tränen ist es dunkel und kühl. Trauer, Hoffnung, Verlustangst, Aufbruchsstimmung, Leere, Nähe – all diese Gefühls-Knoten scheinen sich unter einem Dach versammelt zu haben. Es ist stickig vor der gewaltigen Mischung und der starken Verdichtung. Alles auf einmal. Viel und Nichts zugleich, es ist wirklich schwer zu beschreiben.

Letzte Woche habe ich mich gefragt, was wir denn machen würden, wenn der nächste Virus ein Computer-Virus wäre und wir auf einmal unsere frisch aufgebauten digitalen Kompetenzen und Existenzen gar nicht mehr nutzen könnten. Dann würde sich schnell zeigen, wer wirklich antifragil ist.

Ich weiß, das sind leere Gedanken auf einem leeren Feld. Die Welt um mich herum

  • sucht immer noch schuldige
  • ignoriert Corona großflächig
  • digitalisiert alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist
  • diskutiert Verschwörungstheorien
  • liest viel und fällt dem Dunning-Kruger Effekt zum Opfer
  • gibt mir Ratschläge

Wäre nicht meine Baustelle, hätte ich viel Zeit, darauf umzudenken. Stattdessen bin ich gut beschäftigt mit Teppiche rausreißen, Farbe auf Holz auftragen, mich in Elektrik und Sanitär weiterzubilden und etwas kochen, das lange satt hält. Quiche ist mein absoluter Favorit.

Darum , liebes online Tagebuch, diese Woche nur kurzes Lebenszeichen.

PS: Da war mal was mit Muttertag. Der war schön!

Mein Corona Online-Tagebuch: Woche 1 (Stammhirn) | Woche 2 (umlernen) | Woche 3 (Raupen optimieren) | Woche 4 (emotional) | Woche 5 (nachdenklich) | Woche 6 (baff) | Woche 7 (Abbruch) | Woche 8 (fragil) | Woche 9 (Störung)