Drei Variationen eines Baums
Gottseidank hatte ich keine Polaroids mit, ich hätte auf der Suche nach besserem Schnitt / Licht / Größenverhältnis mindestens vierzig Euro verschossen.
Hier, bitte – die dominante Vertikale des Jahres 2012!
Gottseidank hatte ich keine Polaroids mit, ich hätte auf der Suche nach besserem Schnitt / Licht / Größenverhältnis mindestens vierzig Euro verschossen.
Hier, bitte – die dominante Vertikale des Jahres 2012!
Ein T-Shirt kostet ca. vierzig Euro. Zehn sind fürs T-Shirt. Zehn für das umherverstreute Parfüm. Zehn als Eintritt in diesen Club, in dem Mädchen und Jungs in Flipslops tänzeln und dich nicht fragen, ob sie dir behilflich sein können oder ob du zurecht kommt. sie fragen: “What’s going on?” und plötzlich fange ich an zu lächeln. ich bin nicht wegen der Klamotten hier, sondern aus Neugierde und weil ich hier gerade vorbeiging. und natürlich wegen der leckeren Kerle (endlich mal sexistische Marketingmaßnahme andersrum!).
Die letzten zehn Euro sind dann wohl eine Art Beitrag in diesen Therapie-Topf. ich kam rein mit mieser Laune, der ganze Tag lief schief und ich war stinkesauer. ich kam raus und fühlte mich plötzlich gut. vielleicht war das auch nur total zufälliges Phänomen, dass nur an diesem Tag, nur mit mir und nur einmalig funktioniert, aber…
… der Laden ist geil! es ist dunkel, man sieht die Klamotten kaum und vor den Umkleiden ist die Schlange zu lang für die Preise. zwei der Sachen, die ich anprobieren wollte, waren nicht in meiner Größe da, aber so kam ich auch nicht in die Versuchung, dem Marketing-Puff doch noch nachzugeben und was zu kaufen. wegen etwas anzuziehen werde ich bestimmt nicht nochmal reingehen, aber…
… aber ansonsten schon.
Ich schaue noch einmal in den Flur, sage “Tschüß, liebes Häuschen!”, rolle den Koffer über die Schwelle und schließe dann die grüne Tür hinter mir. der Schlüssel wird zweimal umgedreht, und währenddessen fügt mein krimiverseuchter Hirn einen Satz in dritter Person hinzu: “Sie wußte nicht, dass es das letzte Mal war, dass sie vor ihrem Haus steht”. Ich lächele in mich hinein. es ist so wunderbar, diese Ebene des Beklopptseins zu erreichen! wenn man im Kopf komische Dinge denkt und das auch noch so rechtzeitig registriert, um selbst darüber zu lachen.
Auf dem Weg ins Büro beschließe ich, diese morgentliche Szene meinem Online-Tagebuch anzuvertrauen. der Tee dampft in der Tasse, die Gespräche über das Wochenende summen noch in meinen Ohren, bald ist Mittagspause, danach muss ich zum Flughafen, und davor schreibe ich das noch auf. damit ich auch später noch darüber schmunzeln kann. nocheinmal kurz drüberlesen, speichern, fertig.
“Sie wußte nicht, dass es das letzte Mal war, dass sie in ihrem Blog schrieb.”
*kicher*
An einem Tag, als die Wetterfrösche vergessen haben, die Sonne vorherzusagen, schien diese unvorhergesagt durch das Fenster, und ich dachte, verdammt nochmal, es wird mal wieder Zeit, eine Kamera zu schnappen und ein Bild zu machen. Ich schnappte mir die SX70, in der seit August schon diese sündhaft teuere Experimentierkassette drin steckte. Fokusiert, Schnitt ausgewählt, patch, rammt mich von hinten meine Tochter, die ganz stolz war, dass ich sie nicht gehört habe. Siehe Bild ganz links.
An einem anderen Tag – die beiden hübschen Weckermodelle immer noch da stehend – dachte ich, versuchs nochmal. keine Sonne, also Langzeibelichtung, am Fensterbrett abgestützt, wer kennt das nicht, etwas verwackelt, aber zumindest erkennt man, was ich machen wollte. Siehe Bild Mitte.
Das kann nicht alles gewesen sein, oder? Lampe angeschleppt, angestöpselt, angemacht, wieder alles nochmal von vorn. Siehe Bild rechts.
Hab vergessen, was ich eigentlich erzählen wollte. Wir brauchen aber definitiv besseres Tageslicht, das spreche ich jetzt in Richtung Wettergott im Namen aller Fotografen im Umkreis von paar Hundert Kilometern. Amen.
Ich glaube, wenn man zwischen Tschechov und Bulgakov aufwächst, ist es eine ganz normale Sache, aus Gummikrokodilen Kurzfilme zu drehen…