Abschied (Woche 33)

Abschied (Woche 33)

Um das Neue zu entdecken, ist ein Abschied vom Alten notwendig. So sehr ich mir einrede, dass das Neue und das Alte co-existieren, so sehr stelle ich in den letzten Tagen fest, dass der Abschied unumgänglich ist.

Abschied von alten Ritualen. Von gewohnten Selbstverständlichkeiten. Zum Beispiel: Geburtstage feiern. Wer darf wie viele wohin einladen? Gehe ich hin, wenn ich eingeladen bin? Diese Woche fiel die Entscheidung nicht leicht.

Kein Koffer packen mehr

Vor Corona habe ich fast jede Woche meinen Koffer gepackt, und ich war sehr stolz darauf, wie schnell das ging. Jetzt steht der Koffer im Keller und guckt mich fragend an.

Mein Vater, den ich im März in Mexico besuchen wollte, wartet immer noch auf einen neuen Termin für uns. Ich kann ihm keinen Termin nennen. Überall nur Risiko-Warnungen, und unter solchen Umständen macht das Reisen keinen Sinn.

Neue Tools

petranovskaja abschied wonder
Das Tool Wonder.me ist wunderbar für ein virtuelles Kaffeekränzchen geeignet

Natürlich entwickeln wir uns weiter. Wir haben in den letzten sechs Monaten gewaltige Menge an neuen Fertigkeiten aufgebaut. Was wir jetzt alles können! Virtuell und auch zwischenmenschlich. Wir nehmen vermehrt Abschied von Seminarräumen und Pausen mit Gebäck und gewöhnen uns an neue Rituale.

Wir vermissen spontane Gespräche an der Kaffeemaschine. Zum Glück gibt es neue Wege, Serendipität in unser Leben zu holen. Heute habe ich es ausprobiert und einen spontanen Kaffee mit drei wunderbaren Menschen getrunken Danke an Lisa, Vivi und Dominik für diese gemeinsamen Gespräche über alles und nichts. Hat gut getan!

Das Dschungel

Das Neue ist in vielen Aspekten ungewiss. Das Alte ist in vielen Aspekten nicht mehr da. Mit einer Machete oder mit vorsichtigen kleinen Schritten bewegen wir uns durch den Dschungel der neuen Dinge und lernen.

Abschied muss nicht immer weh tun. Loslassen heißt nicht aufgeben. Es bedeutet, wertschätzend verabschieden und uns bedanken. Wie ein Sonnenuntergang, bei dem wir im Vertrauen bleiben, dass die Sonne am nächsten Morgen wieder da ist.

Der Morgen wird da sein. Wir werden da sein. Und wir werden das beste aus diesem Morgen machen.

Machst du mit?

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Mein Corona-Tagebuch

Gegenwart (Woche 32)

Gegenwart (Woche 32)

Gegen was ist die Gegenwart? Oder was wart sie?

Ich liebe die deutsche Sprache, und das Wort “Gegenwart” reizt mich immer wieder. Es ist wie eine kleine Schatztruhe voll mit möglichen Überraschungen. In der Gegenwart passiert stets so viel, und die letzte Woche zusammenzufassen hat dieses Mal wieder etwas länger gedauert.

Teresa Werner

Das Kennenlernen von neuen Menschen ist für mich immer wieder wie Weihnachten, und diese Woche hat so viele Weihnachtsgeschenke für mich gebracht! Das eine davon möchte ich mit euch teilen, und dieses Geschenk ist Teresa. Sie spricht am laufenden Band faszinierende Sätze, und mein Kopf schafft es einfach nicht, da gleichzeitig zuzuhören und mitzudenken. Das eine Zitat, das mich sofort zum Ausflippen gebracht hat, war die Abwandlung des Kant’schen:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

E. Kant

Aufklärung spielt in der Coronazeit eine wichtige Rolle bei uns, und jawohl, diese Zeit bringt viele mündige Menschen hervor. Die Teresa hat ihre eigene Version geschaffen, und diese geht so:

petranovskaja gegenwart zitat aufklärung
Zitat von Teresa Werner

Bumm! Das hat gesessen. Das hat mich mitten im Herzen getroffen, tue ich doch gefühlt seit Jahrzehnten nichts anderes, als genau dies. Nur ohne so viel Klarheit. Mit einer anderen Klarheit. Und ich spüre: ich wünsche mir etwas anderes.

Verwirrung und Erschöpfung

Ich fühle und ich nehme um mich herum zwei Dinge wahr: Verwirrung und Erschöpfung. Wir sind Corona-müde. Viele, die wie ich, in ihrer Selbständigkeit Gott und die Welt auf den Kopf gestellt habe, ihr Business neu erfunden haben, tausend neue Dinge gelernt haben, mit den Kunden in völlig neuen Diskussionen gesteckt haben, sind erschöpft. Müde. Haben leere Batterien. Manche fangen sogar an, öffentlich darüber zu sprechen, und das trifft.

Ich spüre meine eigene Müdigkeit und verschreibe mir ein ruhiges Wochenende. Alleine. Viel frische Luft, Hamburger Nebel und Hamburger Sonne, viel Schlaf, gutes Essen und gute Bücher … nein, keine Bücher. Filme, Telefonate mit Freunden, lange nicht mehr gehörte Platten.

Weniger müssen. Mehr sein. Spürend as da ist. In der Gegenwart verweilen. Die Gegenwart wahrnehmen. Der Gegenwart etwas beisteuern, wahrgeben nennt das die Birgit Dierker. Raus aus Resignation und Leere, das sind Bewertungen der Gegenwart. Rein ins zuhören, sein, atmen und durch rein ins wahr werden. Werden, wer wir sind. Raus aus der selbstverschuldeten Menschlichkeit.

Dave Snowden

Während ich mit diesen mantraartigen Gedanken meinen Tee in die Tasse gieße und nichtsahnend im Computer rumklicke, spült der Ozean aus allen möglichen Informationen mir mit der nächsten Welle vier Aussagen von Dave Snowden vor die Füße. Sie sind so bitterböse wie zuckersüß. Wunderbarst treffend und gleichzeitig eine große Bühne für Diskussionen und Auseinandersetzungen. Hier eine Übersetzung:

Wenn du wirklich etwas verändern willst, dann hör auf, Listen mit idealisierten Qualitäten zu erstellen, wie die Dinge sein sollten – sie werden immer als belanglose Plattitüden enden – konzentriere dich auf das Verstehen und kritisches Agieren in der Gegenwart, um die Dinge in eine bessere Richtung zu lenken.

Ein guter Orientierungssinn und ein Verständnis dafür, was möglich ist und was Optionen offen hält, ist wichtiger als irgendeine messianische Zukunftsvision; letzteres, was auch immer die Absicht sein mag, ist nur eine Ausrede dafür, sich nicht mit der gegenwärtigen Realität auseinanderzusetzen.

Und höre endlich mit dem paternalistischen Versuch auf, zu definieren, wie Menschen denken und eine XYZ-Kultur entwickeln, und konzentriere dich stattdessen darauf, Verbindungen zu schaffen und zu verändern und Menschen in kleine Aktionen im Hier und Jetzt zu verwickeln. Bewusstseinswandel hat den Beigeschmack von Belehrung.

Oh, und es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Verständnis, dass alles miteinander verbunden ist, dass kleine Dinge bedeutende Veränderungen und unbeabsichtigte Folgen katalysieren können auf der einen Seite und der Illusion, dass man das System als Ganzes sehen kann oder sollte.

Dave Snowden, übersetzt

Ich habe ein weiteres Bumm! in meinem Schädel und bin dankbar. Ich denke nach. Ich höre meinen Gedanken zu. Ich sehe innerlich eine Medaille, die sich ständig dreht und mir in jeder Sekunde beide Seiten zeigt.

  • Laut und leise
  • Neu und alt
  • Bunt und grau
  • Müde und begeistert
  • Zerstörerisch und schöpferisch

Es ist kein “entweder-oder” in diesem Hier-und-Jetzt möglich. Sobald ich mich für eine Seite dieser Medaille entscheide, sehe ich schon wieder die andere. Sehe ich das Gute in der Situation, fordert etwas Trauriges meine Aufmerksamkeit. Entschiede ich mich für müde und traurig sein, weckt etwas mein Interesse und lockt mich in die Ekstase der Schöpfung.

Der Krisenbegleiter

Denn diese Woche haben wir den Krisenbegleiter in den Druck geschickt, ein zweites Selbstcoaching-Buch von Birgit Dierker und mir. Einen Begleiter in den Zeiten der Verzweiflung, des Nicht-mehr-weiter-wissens, der Müdigkeit und der Leere.

Ein Buch, das Snowden und Werner vereinend, in kleinen Aktionen im Hier-und-Jetzt jedem von uns zurück zu unserer Menschlichkeit hilft. Ein außen grünes, innen mit 41 farbigen Seiten buntes Ergebnis unserer Kreativität und Schreibkraft, mitten in dem Corona-Sommer als Idee entstanden und nun umgesetzt.

Jetzt erst recht!

Mein rebellisches Ich will nicht Krise schieben oder bekämpfen, ich will leben, mit einem großen Lächeln und einem weit reichenden Leuchten. Ich ziehe mich hübsch an, gehe in die Maske, tanze zu meinem Lieblingslied und gehe raus. Ich spaziere in der bunten Herbstluft, ich genieße den Cappuccino bei Jacqueline (der es leider immer noch sauschlecht geht wegen Corona) und schiebe mit einem lauten Rauschen die Blätter durch die fast menschenleeren Straßen.

Wie viele verschiedene Gefühle passen eigentlich gleichzeitig in ein Gemüt?

Später gehe ich am Strand spazieren und genieße solche und andere Fragen. Die Wellen, unermüdlich den Sand leckend, erinnern mich daran, dass Aufgeben keine Option ist. Die Stimmen der Zitate in meinem Kopf erinnern mich daran, dass ich zu keinem Zeitpunkt – niemals – alleine bin oder war, und mit dieser Gewissheit lässt sich die große Unsicherheit dieser Zeit ein Stückchen besser aushalten.

Oder?

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Mein Corona-Tagebuch

How to get to your personal manifesto in three easy steps

How to get to your personal manifesto in three easy steps

Three easy steps, that sounds cheesy, doesn’t? But what if this could be possible, and you really could create your personal manifesto in just three steps?

Let us first clarify what a personal manifesto is and how it is useful to you.

What is a Manifesto?

The word “manifesto” is derived from the Latin manifestum and means clear or obvious. It also means a statement in which you make your intentions or views easily recognizable to yourself and others.

Personal manifestos are declarations of intent that describe a value-centered life in your words. They are very different, just like the people who create them.

Some people distill manifestos into a handful of sentences. Others fill several pages with them, describing how they intend to act in every area of their lives. Regardless of their length, manifestos should be clear and concise.

Your benefits: Grounding. Focus. Priorities

A manifesto can help you to eliminate the gap between aspiration and reality.

A manifesto – when finished – is your literary life advisor. If you read it often, it will influence you to make good choices in your everyday life. If we do what we want to do anyway and should do according to our own values, we feel satisfied much more often. A much easier, grounded life becomes more and more our reality.

Three easy steps

  1. Find a number of situations in your life where something was exactly the way it should be. What do these situations have in common? Find out what these situations are all about. These are things that are so important to you that they should become part of your manifesto.
  2. Now find things that are an integral part of your life, but which always make you dissatisfied. Something that you are annoyed about more often. What do these situations have in common? That is the other side.

Now write down these parts of your life in equations. As an example you can find the Wondercards Manifesto here.

Wondercards Manifesto
Wondercards Manifesto

3. Check whether reading your lines aloud causes emotions and maybe even goosebumps. If so, congratulations!

If not, just start over again on another day. Or don’t do this exercise alone – together with others you can often find more appropriate images and metaphors.

A wonderful proof of this is the Facilitators Manifesto, a collaboration of over 50 people who don’t even know each other personally and some of whom were not even present in all sessions. Now completed, the Manifesto creates a feeling of belonging to a community and helps to make decisions and argue with customers in everyday life.

Facilitators Manifesto
Facilitators Manifesto

More examples

I once asked on Linkedin what people think of this manifesto formula in their work. Here are the contributions of the wonderful community that always inspires me:

I am sure, these examples are inspirational!

Nadja’s personal manifesto

My personal manifesto is the result of several years of work. I have looked at my values, reflected on my actions and told myself that there must be something that holds together all the different projects I do in my life. With the help of many of my friends, who know me so well that you have been very helpful in my reflection, I have revised the wording for my personal manifesto until it now offers me my personal orientation. It helps me to act grounded and focused and to always be able to make decisions according to my values.

Nadjas Petranovskaja More Shiny Eyes Manifesto
More Shiny Eyes Manifesto

I hope you already have a strong orientation towards your values. With your personal manifesto, you can add a crowning touch to them and always find your way around well in everyday life.

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Jetzt erst recht! (Woche 30)

Jetzt erst recht! (Woche 30)

Jetzt erst recht, sagt mir mein Herz. Nicht trotz Corona, sondern gerade wegen. Nicht weil wir die Eingrenzungen im Fokus haben, sondern weil wir uns diese Zeit genau zeigt, was wirklich wichtig. Nicht aus Unzufriedenheit und Angst, sondern aus Hoffnung und Zuversicht.

Echte Menschen

Ich habe das Privileg, seit vier Wochen wieder in Präsenzveranstaltungen sein zu dürfen. Ich habe das Glück, wieder in Räumen mit Fenstern und Türen wirken zu dürfen.

Jedoch habe ich auch eine große Verantwortung für die Gestaltung dieser gemeinsamen Sessions. Ich fühle mich dafür verantwortlich, jetzt erst recht achtsam und ohne Hast zu arbeiten. Ich möchte, dass wir die Magie dieser zerbrechlichen neuen Momente ganz bewusst wahrnehmen. Ich möchte, dass Teilnehmer-Worte Gehör finden und Raum bekommen sich zu entfalten. Teilnehmer-Worte wie:

  • Ich habe Lust bekommen, Menschen besser zu verstehen
  • Es ist wichtig, dass Menschen sich bei der Arbeit entfalten können
  • Ich bin auch dann Führungskraft, wenn niemand zuschaut
  • Wir sollten bei uns anfangen, wenn wir wollen, dass etwas anders wird
  • Ich habe jetzt schon sieben Meetings abgesagt, die nicht dem Warum unseres Unternehmens dienen
  • Die neuen Möglichkeiten waren auch vorher schon da, wir haben sie nur nicht erkannt
  • Ich habe Ideen, wie ich die Zusammenarbeit im Projekt anders gestalten kann
  • Unsere Arbeit sollte noch humaner werden

Endlich Montag!

Jetzt erst recht über den Sinn sprechen von dem, was wir tun. Vor dem Hintergrund der vielen wirtschaftlichen Probleme und einiger bevorstehenden Insolvenzen möchte ich noch bewusster handeln. Mit welcher Haltung gehe ich an meine Arbeit? Wo gehe ich einkaufen? Bin ich Vorbild genug für meine Kinder?

Immer wenn ich den Satz lese “Trotz Corona…” (z.B. hier) denke ich: Jetzt erst recht!

  • Wo wir doch so schön wach gerüttelt worden sind.
  • Mit der Frische der Erinnerungen des Sommers, in dem viele Familien unter einem Dach lebten, arbeiteten und virtuelle Schule besuchten, teilweise aus den Badezimmern, damit die Gespräche überhaupt stattfanden.
  • Weil wir immer noch nicht im “New Normal” sind.

Echte Menschen online

Natürlich gehen tiergehende Gespräche auch one Räume mit Fenstern – dafür gibt es zunehmend mehr und mehr gute technische Lösungen. Vielleicht hast du Lust, an der nächsten #Toolsafari von Netz&Work teilzunehmen? Dort stelle ich #Howspace vor als eine aus meiner Sicht gute Lösung für moderierte Begegnungsräume.

Viele Fotos habe ich diese Woche nicht. Dafür lacht mein Herz und freut sich, dass mir diese Woche so viele großartige Menschen begegnet sind, mit denen ich so wunderbare Gespräche über unsere Zukunft führen durfte.

Jetzt erst recht!

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Mein Corona-Tagebuch

Vorsorge (Woche 31)

Vorsorge (Woche 31)

Zwischen tutenden Schiffen und bellenden Hunden sitze ich am Strand. Die Elbe, mit Wind spielend, schiebt Wellen vor meine Füße und streichelt den kalten Sand.

Manche fahren jetzt in ein Risikogebiet in Urlaub. Kann doch nicht so schlimm sein, meinen sie und wollen, dass wir uns gleich danach treffen. Welch Glück, dass unser Kalender da ganz voll ist…

Vorbeugen ist besser als Heilen.

Sprichwort

Mit meiner Ärztin spreche ich diese Woche über die Haarfarbe. Sie wollte das Kind gerne so dunkle Haare haben, wie ich sie habe. Jetzt ist er dankbar dafür, dass ihre Haarfarbe von Natur aus hell ist, darum muss sie die Haare jetzt nicht färben. Solche Themen lenken uns seit Jahren bei meinen Besuchen bei ihr von den ernsthaften medizinischen Fachbegriffen ab.

Vorsorge

Als sie nun auch in diesem Jahr in der Vorsorgeuntersuchung nichts bei mir findet, verabschieden wir uns auf das nächste Jahr. Und da schießt es mir durch die durch den Kopf: genau solche Art von Terminen hätte ich sehr gerne mit meinen Kunden. Wie schön wäre es, wenn wir uns zur Vorsorge Stadt zur Problembehandlung treffen würden! Wie schön wäre es, wenn alle meine Kunden ihre Menschen so behandeln, dass keine Probleme auftreten würden! Ich glaube, ich werde Vorsorgeberater.

Die Rosen vor der Haustür werden ahnen, dass das ihre letzten Tage dieses Jahr sind. Sie geben alles und blühen, als wäre als gäbe es kein Morgen mehr. Der Duft ist bezaubernd, als hätten wir Juni. Ich feiere diese Freude richtig ab und stecke meine Nase ganz tief in jede einzelne Rose hinein. Die vorbeigehenden Passanten betrachten mich dabei fast schon kopfschüttelnd. Wie kann man nur so bescheuert sein?

Paar Tage später gehe ich mit meinem Sohn spazieren. Es ist ein herrlicher Herbsttag, das Laub liegt schon unten, ist aber noch nicht nass. Mein inneres Kind flippt aus und ich raschel mit aller Kraft die Blätterberge in die Luft hinauf. Mein Sohn lacht und nach einer kurzen zögerlichen Pause macht er einfach mit. Zwei glückliche Kinder an einem Herbsttag.

Prävention durch Glücksmomente

Übrigens, habe ich gelesen, dass solche lustvollen und glücklichen Ereignisse und Erlebnisse sehr gut gegen krank werden wirken. Überhaupt, alles was ich zu Corona lese und sehe, hat aus meiner Sicht nichts mit Vorsorge zu tun. Wir sind ein eindämmen, wir sind am kämpfen, wir sind am bewusst machen. Wann fangen wir eigentlich an, uns um unsere Gesundheit zu kümmern, Stadt Angst zu haben, krank zu sein?

Ich meine, es ist ja nichts neues, dass wir in den kommenden kalten und regnerischen Wochen öfter Schnupfen und Husten haben, dass es uns nicht immer gut geht, dass wir dann krank werden. Wir wissen, dass es seit vielen Jahren so ist und nun mit Corona hätten wir eine zusätzliche Möglichkeit, viel mehr über präventive Maßnahmen und Gesundheitsvorsorge zu lernen. Wie ziehe ich mich zum Beispiel an, damit ich nicht krank werde? Welche Hausmittel eignen sich bei ersten Symptomen wunderbar? Ich kenne so viele Leute, sie wissen nicht, wie gut dicke Wollsocken im Bett wirken. Überhaupt, dass die Knöchel an den Füßen oder Beinen sehr viel darüber entscheiden, ob wir Halsschmerzen kriegen.

Während ich diesen Text schreibe, beginnt es zu regnen. Wie die Wetterprognose mir verrät, werde ich in den nächsten Tagen nicht mehr dazu kommen, die Rosen zu riechen. Und danach haben sie ihre Blütenblätter bestimmt bereits verloren.

Ich habe gefühlt das letzte Duft Glück des Jahres ganz tief in mich hineingeatmet, und dieses Glücksgefühl wird mich mich mit Sicherheit auch davor bewahren, krank zu werden.

Woran glaubst du, was hält dich davon ab, krank zu werden?

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Mein Corona-Tagebuch

Shit in, shit out (Woche 29)

Shit in, shit out (Woche 29)

“Shit in, shit out” hüpft es plötzlich aus meinem Mund. Wir sprechen über Führung und über Corona. In vielen Unternehmen hat Corona zu vielen Veränderungen verholfen. Leider ist das Thema Führung meistens nicht angefasst worden. Meine Teilnehmer – mit mir zusammen auf der Pausen-Terrasse eines Seminarhotels – gucken mich verwundert an. Solche Worte sage ich selten.

Wir sprechen über viel zu viele Meetings, die zu lange dauern, nicht vorbereitet und schlecht moderiert werden. Wir sprechen darüber, ab wann es die Verantwortung jedes einzelnen Mitarbeiters ist, diese Kette zu durchbrechen und wie man auf verschiedene Arten und Weisen Nein sagt.

Es ist ein überwältigendes Gefühl, wieder mitten drin zu sein. In keiner der online Sessions konnte ich mit den Teilnehmern so tiefe Einblicke in die Kultur der Firma oder in die Philosophie der Führung gewinnen. Es ist für mich einfach anders, in Präsenz zu arbeiten.

Praise in, praise out

Wir sprechen über Feedback, Lob und Kritik. Ich präsentiere die umgekehrte Glücksformel von Shawn Anchor. Zuerst wird diese massiv in Frage gestellt. Dann bringen die Teilnehmer plötzlich nach und nach eigene Beispiele, wie diese funktioniert. Erinnern sich an Situationen, in dene sie genau das erlebt haben. Wir feiern diese Erkenntnis und gehen eine halbe Stunde früher aus dem Seminarraum.

Drei Tage zuvor beschließe ich, die Arbeit Arbeit sein zu lassen und mich bewusst der Freizeit hinzugeben. Das geschieht immer noch unter dem Einfluss des wunderbaren “Do nothing” Buches, und ich bin überglücklich und leicht.

In diesem Zustand schaffe ich alle Aufgaben von meiner To Do Liste in der Hälfte der geplanten Zeit und telefoniere kreuz und quer durch meine Freundesliste. Es fühlt sich an wie ein Paralleluniversum. So viel Zeit und so viel Freude, und das nur, weil ich mir selbst erlaubt habe, Spaß und Freude zu haben!

petranovskaja-begegnungen

Shit in, shit out

Heute war in Hamburg übrigens wieder “Friday for future”, was bedeutet, dass die Autos auf der Straße vor meinem Büro zehn mal so laut waren wie sonst wegen Hupen, quietschenden Bremsen und Anfahren. Dazu etliche Blaulichtfahrzeuge. DAs alles war hoffentlich eine erfolgreiche Energie- und Nerveninvestition in unsere umweltfreundliche Zukunft.

Warum mein Satz so zweifelnd klingt? Weil ich das gern anders erreicht hätte. Mit weniger Kampf, mit weniger Gegnerschaft und Protest. Weil mich diese Aggression wieder an “Shit in, shit out” erinnert. Wie du in den Wald hinein rufst… Ich bin immer wieder sehr nah an etwas, was sich als eine Möglichkeit anfühlt, das zu erreichen. Die Intuition braucht nur etwas mehr Ruhe, um die Antwort zu flüstern.

Und die Ruhe kommt aus dem herrlichen Nichtstun, Dolce Far Niente (it) oder Leisure (en).

In diesem Sinne, schönes Wochenende!

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Mein Corona-Tagebuch

Ohne (Woche 28)

Ohne (Woche 28)

“Du kannst ohne Hose von Zuhause arbeiten bei gleichem Gehalt und regst dich auch noch auf?” – mir platzt in einem Gespräch der Kragen. Ein Bekannter, angestellt und völlig sorgenlos durch den Corona-Sommer gerutscht, klagt in einem Gespräch über die Arbeit und die Projekte.

Dieser Beitrag sollte eigentlich wie immer freitags veröffentlicht werden. Doch dann habe ich ihm etwas zeit zum Reifen gegeben. Es ist jetzt weniger Text geworden, dafür mehr von dem, was ich in meinem eigenen Tagebuch wirklich lesen will.

Ohne Hose

Vor 28 Wochen fing es an. Sämtliche Präsenztermine wurden abgesagt. Das öffentliche Leben wurde angehalten, die Arbeit wurde – für wen das ging – nach Hause verlagert. Wir sind durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen, durch die Change Kurven und durch einige schwierige Diskussionen.

Manche hatten dabei keine Hosen an. Weil der Sommer herrlich warm war und die virtuellen Termine nur den Oberkörper zeigen. Viele der “plötzlich im Home Office” Menschen mussten sehr schnell sehr Vieles über Selbstdisziplin, Zeitmanagement und Home Schooling lernen, und sie wurden nicht gefragt, ob sie das möchten. Es wurde zu unserer neuen Normalität.

Manchen wurde in dieser Zeit die Hose – metaphorisch gesprochen – ausgezogen. Denn in vielen Branchen, die mit der Zusammenkunft zu tun haben, gab es von heute auf morgen gar keinen Umsatz mehr. Auch hier wurden die Menschen nicht gefragt, ob sie lernen möchten, zu überleben, und leider geht es dieser Gruppe Menschen unverändert schlecht, weil das öffentliche Leben immer noch sehr restriktiv stattfindet und immer wieder droht, noch einmal angehalten zu werden.

Dann gab es wiederum jene, die unverändert oder sogar noch mehr als vorher in ihrer Hose zur Arbeit mussten, weil weder die Krankenhäuser noch die Supermärkte Pause gemacht haben. Wir haben uns bei diesen Menschen – so mein Gefühl – nicht ausreichend dafür bedankt, dass sie so selbstverständlich zu ihrer Arbeitsstätte gingen. Keinesfalls betrachte ich es als selbstverständlich, dass jemand mitten in der großen Unsicherheit unseres Corona-Sommers munter und angstfrei seine Aufgaben erledigt, während wir uns vor den Bildschirmen unserer Computer versammeln…

Und dann gibt es noch die kleinen Wesen, Kinder genannt, die für mich auch zu den Helden dieser Zeit zählen. So viel Normalität abzugeben für den Kampf gegen unsichtbaren Feind… So gern hätte ich erfahren, was in diesen klugen heranwachsenden Köpfen vorging, während wir schlaue Twitter-Diskussionen führten…!

So viele Menschen mussten etwas aufgeben, abgeben, streichen, ersetzen. Wie kannst du dich nun vor diesem Hintergrund über die Arbeit beschweren, du Mensch ohne Hose mit einem Luxus-Job? (Frage an den Menschen aus dem Anfangs-Satz dieses Artikels)

Ohne Schuhe

Ohne Schuhe arbeite ich am liebsten. Früher habe ich mich irgendwo am Strand visualisiert, oder zumindest südlicher als Hamburg. Heute verstehe ich, dass ich in Hamburg bleiben werde, und wenn ich meine Arbeit nicht von einem Strand auf Hawaii erledigen kann, so genieße ich die Schuh-freie Zeit zuhause. Reframing, das Zaubermittel jedes Meckerkopfes!

Und wo wir schon beim Thema sind: Was ist es überhaupt, Arbeit? Erwerbstätigkeit ist klar umschrieben, doch was ist Arbeit? Ist es etwas, das sich erschwerlich und anstrengend anfühlen muss? Oder etwas, das mir Ansehen und Status verschafft?

Oder ist Arbeit lediglich etwas, was sich sinnstiftend anfühlt, weil es einen Beitrag leistet zu unserem gemeinsamen Leben?

Ich habe keine Antwort, und auch das macht mich nicht verrückt.

Ohne Büros

Für sehr viele Unternehmen geht es plötzlich auch ohne Büros. Aus den Gesprächen mit vielen Führungskräften, die ich während des Sommers begleiten durfte, kam immer wieder die Erkenntnis, dass die Arbeit sogar noch besser erledigt werden konnte. Warum?

Die Antwort ist so klar wie logisch. Die Menschen, die man früher in Büros versammeln zu müssen meinte, können plötzlich ganz selbständig ihren Tag organisieren und ihre Arbeit planen, und diese Selbstorganisation macht ihnen viel mehr Spaß. Wetten, bei ganz vielen Führungskräften steht das Buch „Drive“ im Regal, und in dem Buch haben sie gelesen, dass Autonomie, Mastery und Purpose drei super motivierende Faktoren sind?

Wenn der Mensch gar nicht kontrolliert wird und den allgemeinen “wir-machen-niemals-Feierabend-vor-19-Uhr” Zwang ignorieren darf, dann passieren kleine Wunder, und alle sind die Gewinner dieser Situation.

Spannend wird sein, wie viele Büros nun behalten werden und wie viele der Denkarbeiter in den remote Arbeitszimmern bleiben dürfen. Wir werden es erleben :-)

Ohne Zweifel

Ohne Zweifel bin ich nicht, und das macht mir Hoffnung.

Ich zweifle immer noch daran, dass wir es schaffen, menschlich und vernünftig durch diese Zeit zu kommen. Ich zweifle immer noch daran, dass es uns möglich sein wird, die Gewohnheiten der vor-Corona-Zeit abzulegen und im vertrauen und auf Augenhöhe das gemeinsame Verständnis von “NORMAL” zu gestalten. Ich zweifle gern laut und öffentlich, damit wir etwas zum Nachdenken und stolpern haben.

(ich schreibe jetzt irgendwie anders. weniger für andere, mehr für mich und mehr philosophisch. Die Buchstaben und die Grammatik werden immer weniger wichtig, dafür die Bilder und die Empfindungen und das Gefühl, beim Schreiben sehr lebendig zu sein und dadurch ein Anrecht auf ein Platz auf diesem Planeten zu haben.)

In Zweifeln und dennoch ohne Angst, mit einer Hose, mit einer Maske in der Tasche, reflektierend und enorm dankbar.

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Mein Corona-Tagebuch

Schirmherrschaft (Woche 27)

Schirmherrschaft (Woche 27)

Regen ist analog, und das Wasser tropft so beruhigend auf den Schirm. Nach mehreren Wochen Sonne und Hitze ist diese Schirmherrschaft eine willkommene Abwechslung. Es lässt sich bei Regen gut nachdenken.

Face to face ist anders

So sehr ich mich an das virtuelle inzwischen gewöhnt habe, das Arbeiten im physischen Raum ist krass anders. Allein schon die Abstimmung der Spiel- und Abstandsregeln am Anfang des Workshops macht bemerkbar, wie sehr wir nicht nur rationale, sondern auch fühlende physische Wesen sind. Fassen wir Stifte an? Sitzen wir nebeneinander beim Mittagessen?

Seit Dienstag bin ich wieder im Präsenztraining. Voller Ehrfurcht, mit sehr großen Abständen und Vorsichtsmaßnahmen.

Das Flipchart, wie sehr habe ich das Rascheln des Stiftes auf Papier vermisst!

Und jetzt kann ich das wieder tun. Es bereitet mir Vergnügen, es erfüllt mich mit Freude, und das ist – trotz all der skurrilen Umfeld-Diskrepanzen – irgendwie toll.

Die Törtchen sind analog.

Wir sind aus Fleisch und Blut.

Amen.

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Mein Corona-Tagebuch

Gefahr (Woche 26)

Gefahr (Woche 26)

Bin ich eine Gefahr, wenn ich aus dem Haus gehe? Bin ich eine Gefahr, wenn ich über die Landesgrenze fahre? Bin ich eine Gefahr, weil ich atme, denke und handle? Was für eine skurrile Zeit! Und wie schwierig, fast unmöglich es gerade ist, überhaupt etwas “normal” zu finden.

Blödsinn!

Die Natur ist unverändert schön. Die italienische Architektur, das ruhige Blau des Lago Maggiore, das sieht keinesfalls gefährlich aus. Die Wanderwege in den Wäldern, die majestätischen Steine und die glücklichen Lebewesen, die unveränderten Alltag in der Natur haben. Keine Gefahr.

Die Zweifel kommen erst dann auf, wenn ich in die Zivilisation zurück kehre. Da, wo viele Menschen sind, da kommen die vielen Fragen. Vielerorts wird nur Bargeld angenommen, und ich bin die einzige Person, die sich an die Schilder mit Maske tragen hält.

Sind wir alle in Gefahr, weil wir durch die unterschiedlichen Meldungen gar nicht mehr entscheiden können, wem oder was wir noch glauben dürfen? Sind wir in Gefahr, weil wir gern unvernünftig und stur sind?

Oder wird das unser Überlebensrezept sein?

Wir wissen es nicht, und es macht uns so unsicher. Weil wir die Dinge gern wissen möchten. Dabei haben wir die Intuition, und diese müsste uns den Weg weisen. Was die Intuition braucht, um uns zu leiten? Ruhe, einen ausgeschlafenen Körper und einen ausgeglichenen Geist.

Ist das Geheimnis von der letzter Woche in Gefahr?

  • Können wir lernen, eine bessere Gesellschaft zu werden?
  • Können wir unserer Intuition und unserer Vernunft mehr Glauben schenken, als der Bildzeitung?
  • Können wir mehr Acht geben auf unsere Gesundheit – seelische wir körperliche?
  • Finden wir Kraft und Lust, mehr für einander da zu sein und uns gegenseitig zu unterstützen?
  • Finden wir Zeit für unsere Sehnsüchte und Träume?
  • Werden wir uns auf das Schöne fokussieren?
  • Werden wir das Gute in jedem Tag finden?

Ich (mein Verstand) habe so viele Fragen, und gerade darum tue ich, was mein Herz richtig findet. Ich fahre über die Landesgrenze hinweg und bewundere die atemberaubende Schönheit unseres Planeten. Ich schlafe viel, mache Yoga und esse gesund, denn ich möchte kraftvoll in den Herbst starten, der – so flüstert mir die Intuition – einige Herausforderungen mit sich bringt.

Nächste Woche

Nächste Woche stehen mir erste Trainings in Person bevor. So sehr ich mir das in März, April und Mai gewünscht habe, so sehr fürchte ich mich nur davor. Denn es wird notwendig sein, dass wir erstmal über uns und unsere Einschätzung der Gefahr, in einem Raum zusammen zu sein, sprechen, bevor wir zum Thema des Tages kommen.

Und auch das werden wir schaffen.

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Mein Corona-Tagebuch

Zwischenrente

Zwischenrente

Seit ich selbständig bin (und das ist seit 2011), nenne ich meine Reisen nicht Urlaub, sondern Zwischenrente. Die Idee dahinter ist für mich sehr einfach: ich mag das, was ich tue (wir nennen es Arbeit, aber es fühlt sich immer seltener danach an), und darum träume ich nicht von einer Rente als solche.

Ich habe auch zwei tolle Vorbilder: meine Eltern. Beide über 70, beide berufstätig. Beide arbeiten mit jungen Leuten und geben ihr Wissen weiter. Beide sind dadurch jung im Kopf geblieben.

Meine Zwischenrente 2020 findet in Italien statt, einem Land, in das ich mit gemischten Gefühlen fuhr. Wegen Corona. Zum einen, weil Italien sehr unter der ersten Welle gelitten hat. Zum anderen, weil ich nicht sicher bin, inwiefern wir in diesen Zeiten mit einem guten Gewissen reisen sollten. Und die dadurch entstehende Unsicherheit macht aus mir eine sehr bewusste und achtsame Reisende.
Unser Gastgeber heißt Roberto. Wir dürfen ein kleines Eckzimmer in seinem Gasthaus beziehen, und das erste, worüber wir sprechen, sind Lebensträume. Er hat sich mit diesem Gasthaus ein Lebenstraum erfüllt, und er sagt uns: wenn ihr einen Lebenstraum habt, wartet nicht und tut alles, um diesen umzusetzen.

Wartet nicht!

Roberto ist 70, er wirkt viel jünger und die Philosophie seines Lebens klingt logisch und leuchtet ein:

Was brauchst du für ein gutes Leben? Morgens einen guten Cappuccino mit Blick in die Natur, eine Aufgabe, gute Menschen um dich herum und anregende Unterhaltung – dann schläfst du abends mit einem breiten Lächeln auf den Lippen ein und freust dich auf den nächsten Tag und den morgendlichen Cappuccino.

Roberto verbringt 90% seiner Zeit mit der Gartenpflege. Die Anlage hat er vom angesparten Geld bar bezahlt („Banken haben in meinem Leben nichts zu suchen!“). Seine Frau Inge kümmert sich um uns und unsere Wünsche – ganz persönlich oder über eine kurze Nachricht in WhatsApp.

So sitze ich – wunschlos glücklich – mit meinem morgendlichen Cappuccino auf dem Balkon und denke: habe ich noch einen Lebenstraum, den ich sofort angehen möchte?

Zwischenrente, eine Reise ins Ungewisse und dadurch eine phantastische Möglichkeit zur Reflexion. Unendlich dankbar für all diese Momente der letzten 36 Stunden, schlafe ich breit lächelnd ein.

PS: Wer einen unvergesslichen Urlaub bei Roberto und Inge verbringen möchte, sucht sich eine Woche Zeit, in der Hektik nichts zu suchen hat und Internet nicht lebensentscheidend ist und kommt nach Cannero Riviera in die Villa Paradiso.

Wir fahren heute weiter. Leider.

Und du: warte nicht!

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Mehr Reise-Geschichten:

Das Geheimnis (Woche 25)

Das Geheimnis (Woche 25)

In diesem Text ist ein Geheimnis versteckt. Und eine große Freude über diese Woche, die mir so viele Geschenke bereitet hat. Wunderbare Gespräche mit tollen Menschen, einen Ausflug zum Schaalsee und die Entscheidung meiner Kunden, die Termine ab September in Präsenz zu halten.

Konfetti first

Nach dem Umzug ist die Kreativität-Denkmaschine so dermaßen wieder in Fahrt, dass ich gar nicht weiß, wohin mit all den schönen Sachen, daher tue ich sie auf das Tablett:

  • Komme zu unserem zweiten New Work Journeython (detaillierte Beschreibung warum und wie findest du dort)
  • Entscheide dich dafür, das Jahr 2020 nicht allein zu verarbeiten und in das 2021 am Schaalsee zu starten (CYY gibt es seit 2013)
  • Bestelle dir die neuen (komplett überarbeiteten) regenbogenfarbigen Wondercards oder den Krisenbegleiter
  • Schreibe mir eine Postkarte an meine neue Postadresse: Liebermannstraße 9a in 22605 Hamburg. Ich liebe analoge Post!

Gespräche mit Jörg, Ben, Thomas, Gesine, Sara, Birgit, Miriam, Ralf, Deborah, Nicole, Astrid, Manfred. Wein mit neuen Nachbarn. Letzte warme Sommerabende an der Elbe. Ich habe diese Woche zwei Awards bekommen: Einen für das Hosten des Facilitators remote café und “Miss New Work” – als Vorbild, die angstfrei Dinge ausprobiert. Ich mag Awards, auch wenn diese so flüchtig sind.

Hier die Bilder der Woche mit der Überschrift:

Die Suche nach dem perfekten Arbeitsplatz oder New Work geht überall

Zwölf Jahre für ein sehr dickes Buch

In meinem Blog (den ich seit 2008 schreibe) haben sich mittlerweile 570 Beiträge angesammelt. Das sind – ohne Bilder – mindestens 600 Seiten, also ein ganz schön dickes Buch. Mit Bildern locker das Doppelte.

Diese Woche habe ich meine Texte aus 2008 gelesen und mich gefragt: warum schreibe ich eigentlich neue? Die alten sind so schön, und sie passen teilweise perfekt zu den neuen Erlebnissen in 2020. Das perfekte “Strandleben” und “Zukunft? Egal“, da waren sie wieder, die letzten zwei Blogbeiträge (Woche 23 und Woche 24), und diese Texte aus 2020 vermischen sich in einem Fürst-Pückler-Eis mit Möven-Strand-Cappuccino Text aus 2008.

Und dann sprach ich mit Sara, und sie sagte: das bist immer noch du aus 2008, und du kannst deine eigenen Texte im neuen Licht betrachten. Und das tue ich diese Woche zusammen mit dir. Hier sind ein paar Gedanken-Schnipsel aus 2008. Wenn es Spaß macht (nicht: wenn es Sinn macht!), dann kommen nächste Woche andere Jahre dran :-)

2008: Lieber träumen unter Bäumen als schaffen unter Affen

Eben wollte meine Teetasse einen Selbstmord begehen, indem sie vom Tisch springt. Ich konnte sie überreden, sich doch einen frischen Tee zu nehmen.

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Mein Zug kommt verspätet in Hannover an. der Anschluss-ICE natürlich wech. eine Stunde spazieren gehen, und das zu einer Uhrzeit, wo noch alle Schuhläden zu sind, schlimm schlimm schlimm…

Dann endlich im Anschluss-ICE, eine Stunde später, eine Stunde meines Lebens einfach so an die Deutsche Bahn geschenkt, die wievielte eigentlich schon? nun bringt mich aber der Zugchef zum Lachen, er hat einen süßen Sprachfehler, das hört sich dann so an:

“der änächste Äteil des Äzuges äfährt bis Äbonn. [wir werden in Hamm geteilt] Näxt Ästop of äaur Äträin is Äbielefeld.*

Äwas ähab ich ägelacht, äzusammen mit ävier änetten Junx, ädie auf dem Ärückweg aus Äberlin waren…

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Neulich war ich mit meinen Kindern im Museum. Genauer gesagt, in einer sehr guten Ausstellung. Wir waren halbe Stunde vor Schluss drin, ich dachte mir, sie halten es eh nicht lange aus, und dann gehen wir noch ein Eis essen oder etwas anderes tun, was mehr kindergerecht ist.

Erstens kommt es anders, zweitens als du denkst. Die Kids waren begeistert, liefen von einer Halle in die andere und waren schwer enttäuscht, als wir rausgeschmissen wurden.

Ich sollte mir weniger Gedanken machen.

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Ich mache nie Voraussagen und werde das auch niemals tun

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schönes Wetter täuscht immer über die wirkliche Lage hinweg

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vier Stunden nach dem letzten Kaffee war dann der nächste dran, und pünktlich zu dem Höhepunkt des Kaffeedurstes [schreibt man das so?] waren wir plötzlich an diesem Ort. ein Café, ein Motel mit vier Zimmern, paar Hunde und ein Mann, der auf dem Anhänger Benzinkanister hatte. bis zur nächsten Stadt waren es also mindestens nochmal vier Stunden.

für uns wurden es dann neun, denn kurz nach dem zweiten Kaffee des Tages hat uns eine Kuh gerammt.

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Ich bin ein ganz normales Mädchen. dass ich zum Durchschnitt gehöre, merke ich besonders beim Einkaufen. Schuhe und Röcke in meiner Größe sind immer weg. 

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Das Geheimnis

Wenn du bis hierher gelesen hast und immer noch liest, verrate ich dir ein Geheimnis. Ich habe rausgefunden, warum ich das jede Woche tue: etwas über das Erleben schreiben und reflektieren und in Bildern verankern.

Weil ich menschlich bleiben möchte. Weil Gefühle, Sehnsüchte und Gedanken das ist, was uns von Maschinen unterscheidet. Weil die Technologie irgendwann einen Großteil meiner Arbeit machen können wird.

Aber die Technologie wird nicht Freude empfinden, kreativ zu sein oder verzweifelt sein können. Die Technologie macht sich keine Sorgen, die ist weder verspielt noch birgt sie Überraschungen.

Wir jedoch sind all das. Wir sind wundervoll. Und das möchte ich für uns aus dieser Krise als einen Hauptschatz heben.

Machst du mit?

petranovskaja Unterschrift signatur

Mein Corona-Tagebuch

How can we as trainers and facilitators grow in 2020?

How can we as trainers and facilitators grow in 2020?

Talking about the future, this year is a challenge, for so many of us! It might be a professional one or a private. I don’t have a single friend around me who is not influenced by Corona.

As much as I personally enjoy to have a little bit more silence and to reinvent myself, I want to contribute to the future of my guild: all of us who are working with groups of people. Facilitators, trainers, HR professionals, Agile Coaches and Scrum Masters, Corporate Rebels, Team leaders.

Last Monday a huge inspiration fluttered into my mind, prepared by Thomas and Benjamin during our Facilitators Remote Café, which takes place every Monday since Mid of March.

facilitation future waves
How do you handle the future? Do you want to survive, to ride or to be the wave?

The answer in my head is very clear: I want to be the wave, to move forward, relentlessly and fearlessly.

There is no sign telling us where to go

Key events in facilitation – an amazing research result by Thomas and Benjamin!

When we look where we come from and where we stand, it becomes more and more clear that there is no sign telling us where to go. It is the decision of each one of us to deal with the great uncertainty in the VUCA time and to shape our own path.

Test yourself: what do the possible trends in the field of consulting, training, moderation trigger in you? Are you looking forward to having AI as a co-facilitator? Can you imagine interacting with your participants only from home via screen?

I found an invitation to a Web-Parade (nice word!) from a group of colleagues, and many interesting answers to some questions concerning our Corona-presence and our future. Here are some brief answers from my point of view – happy to discuss those with you by a cup of coffee!

What does COVID-19 change for trainers?

At first glance, a lot changes. We no longer travel, we are switching everything to online media and questioning the meaning of our work.

At the same time nothing changes, or nothing should change. We are still us. Nobody has taken away our qualifications, our experience and our knowledge.

We still love what we do. We burn for what we do and we love to inspire our customers with our passion.

It’s just not that easy for us right away, because the damn technology is in our way. We are, staring at the square monitors, in our own homes, day by day.

What are the biggest challenges for trainers in dealing with these changes?

Now it would be logical to mention technology and relearning. But I think the biggest challenge is the one in our heads.

It is a change process, a transformation. There is a lot of new things for some of us. It’s only logical that we become emotional and do not want this new situation. At the same time there is the fear that our offers and services will be in such high demand online.

What is helpful in dealing with these challenges?

From my point of view it is helpful to connect with other people in this change situation. On the one hand, we can have a partner for our concerns and questions, on the other hand we can learn from other people how they cope with such situations.

The second helpful thing is to support others. It’s our core competence to ask good questions, to listen, to visualize and to stay calm. Who, if not us, can help our society flourish?

  • There are so many ways to support others. It starts in our family.
  • Then come our friends, our colleagues, our neighbors.
  • The small stores in our neighbourhood, the market traders, the Italian around the corner and our favourite store on Etsy.
  • Then – sometime much later – the contacts in social media. Here, too, we can support many: with attention, with reach, with recommendations and kudos.

What are the benefits of the changes for organizations and trainers?

We probably cannot yet estimate the benefits of this change. It will still take months, perhaps years, before this transformation no longer costs us the energy we have today.

Don’t count your games. Make your games count.

Thiagi

Maybe we will just learn that we have everything we need. It’s not the fancy technology that matters whether my training is good – it’s my ability to give the shy participant space and listen. It’s not about a new kind of method, but about what is actually implemented after a workshop. It is the impact, that count.

What should trainers be able to do to continue to be successful?

As a trainer, consultant, coach, moderator, advisor, companion, we work with people. I believe that the most important thing in this situation is to remain as human as possible and to keep your own vision – Why do I do that? – in focus.

My mission statement – for the reference – below.

Nadja Petranovskaja More Shiny Eyes Mission statement

I would love to connect with you to discuss this topics further. Please don’t hesitate to write me a message on any of the channels!

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