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Warum es gut ist, ein Narr zu sein

Warum es gut ist, ein Narr zu sein

In Russland gibt es ein Sprichwort, das heißt: Lebe 100 Jahre, lerne 100 Jahre, stirbst als Narr. Meine Mutter sagte es immer dann auf, wenn sie etwas Neues für sich entdeckte und sich darüber freute.

In der heutigen Zeit, mit so unfassbar viel frei verfügbarem Wissen um uns herum, fällt es schon mal schwer, sich selbst und anderen zu sagen, man lerne noch. Xing und LinkedIn Profile und so viele Büroräume werden mit Zertifikaten geschmückt. Dies dient als Nachweis, man hätte was drauf, man sei durch die harte Schule des (auswendig) Lernens durch.

(Kurzer Exkurs: Früher war es in einem Menschenleben normal, so linear zu denken. Heutiges Berufsleben eines Menschen sieht etwas anderes aus:)

petranovskaja drei felder des lebens

Warum es gut ist, ein Narr zu sein

Fassen wir zusammen, worüber sich die Welt einig zu sein scheint:

1. Dass die Welt sich ändert. Wir sprechen von New Work, von VUCA, von Dynaxity. Taylor-Wanne, Disruption, Ambidextrie – all diese Wörter klingen wie eine Diagnose für eine seltsame neue Krankheit, unter der unsere Welt leidet.

petranovskaja dynaxity modell

2. Dass man die Probleme nicht mit gleichen Mitteln lösen kann wie die, mit denen man diese Probleme auf die Welt gebracht hat. Obwohl der Spruch dazu schon etwas älter ist, zitieren wir den guten Alfred Einstein in diesen Tagen öfter denn je.

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. –Albert Einstein

3. Dass Kompliziertes und Komplexes auf verschiedene Art und Weise behandelt werden müssen. Nicht erst mit dem Anmarsch der Agilität, auch vorher schon – und spätestens mit dem allgemein Bekanntwerden des Cynefin Modells – haben wir uns darauf geeinigt, dass Best Praxis (früher das gängigste Mittel zum Lösen der meisten Probleme und die Wunderwaffe der Unternehmensberater) im komplexen Umfeld wenig wirksam ist. Lernende Organisation (das entsprechende Buch dazu schrieb Peter Senge bereits 1990) wird heute zwar nicht so genannt, aber mit Stand Up Meetings und Retrospektiven so geführt. Kollegiale Beratung (eine in den 80ern entwickelte Methode) wird heute Mastermind oder WOL Circle genannt. Die Popularität dieser co-kreativen Formate zeugt vom Verständnis, dass man komplexe Probleme nicht allein lösen kann, sondern nur gemeinsam mit anderen Menschen, die unter Umständen (und manchmal notwendigerweise) ganz anders denken.

petranovskaja cynefin

4. Dass wir neue Kompetenzen brauchen und dass viele der heutigen Berufe in Zukunft obsolet werden. Teilweise geben wir Standard-Abläufe an Roboter ab, teilweise entstehen Berufsbilder, für die es noch keinen Bachelor-Lehrgang gibt. Immer mehr Menschen sind erfolgreich im Business ohne je in einer Fach- oder Hochschule gewesen zu sein. Wir lernen von Bloggern und Influencern, wir lernen in MOOCs (Massive Open Online Course) und auf YouTube. Und währen die Führungskräfte der „alten Schule“ das Führen der Generation Y & Z als ihre größte Herausforderung beschreiben, wuseln diese Generationen sich durch die sich rasch verändernde Business-Welt und bauen sich ihre eigene auf.

Was nun?

Wenn du, werter Leser, ein Mensch um oder über 40 bist, dann ist mein herzlicher Appel an dich: sei ein Narr! Öffne dich der Möglichkeit, noch nichts oder nicht genug zu wissen. Nimm die Haltung an, dass die Welt voller Wissen ist, welches dir zur Verfügung steht. Sei im Vertrauen, dass jedes deiner Probleme dir eine Gelegenheit zum Lernen gibt. Öffne deine Filter, probiere neues aus, mache Dinge neu. Ein Anfang könnte sein, Zähne mit linker Hand zu putzen, verschiedenfarbige Socken anzuziehen oder im Restaurant etwas anderes zu bestellen als sonst.

Lebenslang lernfähig

Gerald Hüther nennt die Fähigkeit unseres Gehirns, lebenslang Neues zu lernen „Plastizität des Gehirns“. Neue synaptische Verbindungen entstehen zu lassen, das geht am Besten, wenn man gemeinsam mit einer Gruppe neue Erfahrungen macht. Das Gehirn sei laut Hüther im Laufe der Evolution nicht zum Auswendiglernen optimiert worden, sondern zum Lösen von immer neuen Problemen. Es sei keine Rechenmaschine, sondern ein „soziales Organ“. Folgen wir dieser Erkenntnis der Hirnforscher und Psychologen, steht dem lebenslangen Lernen von neuen Sprachen, Methoden, Lösungswegen nichts im Wege.

petranovskaja zukunft

Fazit

Verbindet man die Russische Volksweisheit „Lebe 100 Jahre, lerne 100 Jahre, stirbst als Narr“ mit den Erkenntnissen der modernsten Hirnforschung, besteht große Hoffnung, dass wir –trotz aktueller leichten Überforderung – die neuen Probleme meistern werden. Zwei Dinge brauchen wir dafür:

  • wir öffnen uns einander, hören einander aufmerksam zu und freuen uns an den Differenzen in Meinungen und Weltansichten
  • wir nehmen eine Haltung an, die es gut findet, (egal im welchen Alter und mit wie vielen Zertifikaten) noch sehr vieles lernen können

Stay foolish!

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Warum es mit Working Out Loud besser ist als ohne

Warum es mit Working Out Loud besser ist als ohne

Working Out Loud (WOL) springt mir auf allen Kanälen ins Auge. Da dachte ich, ich schreibe mal was darüber.

Prolog

Die Lieblings-Boygroup meiner Tochter heisst One Direction. Die Lieblings-Boygroup meiner Mutter war Beatles.
Warum das im Zusammenhang mit Working Out Loud“ steht? Das erzähle ich gern.

Kurzfassung

Jede Generation hat seine Idole. In der Musik sind es Musiker, in der Wirtschaft sind es Modelle oder Methoden. Wir wechseln Namen, Erscheinungsbilder, Farben. Wir jagen eine Sau durchs Dorf. Wir entwickeln uns. Und jede Entwicklung ist mit Lernen verbunden. Ich finde, dass es besser ist mit Working Out Loud zu lernen und Zukunft zu gestalten als ohne. Egal wie sehr die WOL Methode kritisiert oder gefeiert wird.

Lange Fassung

Was ist WOL

(du kannst diesen Abschnitt gern überspringen wenn du mit WOL bereits vertraut bist)

Wikipedia behauptet, WOL wäre eine Mentalität der Zusammenarbeit und eine darauf aufbauende Selbstlern-Methode. Entstanden 2010, wurde es entwickelt und von John Stepper unter anderem durch einen TED Talk bekannt gemacht. Selbstverständlich gibt es auch ein Buch dazu. Die Methode (eine selbstorganisierte Lernreise mit 4-5 Teilnehmern in einem WOL Circle) ist frei unter der Creative Common Lizenz verfügbar.

In Deutschland wurde die Methode (weniger die Mentalität) vor allem dadurch bekannt, dass große Konzerne (AUDI, BMW, Bosch, Continental, Daimler, Deutsche Bank, Telekom, Siemens) sich zu einer Community of Practice zusammengeschlossen haben und sogar den HR Excellence Award gewonnen haben – für ihre selbstorganisierte unternehmensübergreifende Zusammenarbeit und Austausch. Wenn das nicht ein Beispiel für „Nieder mit dem Silo-Denken!“ ist…

Um die Methode kennenzulernen, haben vier selbständige Kollegen und ich die 12 Circle Treffen und die darin enthaltenen Übungen und Aufgaben absolviert. Wir haben durchaus verstanden, dass manche Impulse in einer Konzern-Kultur revolutionär klingen können. Die positive, gut gemeinte, auf unsere Zukunft der Arbeit ausgerichtete Intention ist also durchaus klar. Das wird auch der Grund sein, warum die Zahl der WOL Circle stetig wächst und unter dem WOL Dach alles mögliche an Veranstaltungen, Formaten und Diskussion-Foren entsteht.

Sau durchs Dorf jagen

The more I see, the less I know for sure. – John Lennon, The Beatles

Nun kommen wir zur dunklen Seite der Macht. Wo etwas wächst und gedeiht, wo etwas populär und leicht zu haben ist, da sind natürlich Zweifel, Kritiker und Trittbrettfahrer nicht weit. Mir Schmunzeln las ich die WOL Beschreibung von Lars Vollmer:

Working out loud (abgekürzt: WOL) ist eine modische Managementmethode, bei der die Mitarbeiter im Konzern auf den Komplexitätsdruck der Digitalisierung mit der Vernetzung von Menschen reagieren. So weit, so gut: Da treffen sich also regelmäßig und in vorkonzipierten Circles Menschen kreuz und quer aus der Organisation und erklären sich gegenseitig, woran sie gerade arbeiten. Oder sie schreiben einen Blogartikel darüber, damit andere im Unternehmen und außerhalb davon erfahren können. Sie machen die eigene Arbeit irgendwie sichtbar und hörbar und reden dann darüber mit denen, die es interessiert. Das ist alles. Viel spannender wird es nicht.

Lars kritisiert vor allem den geglaubten Zusammenhang zwischen dem, was Mitarbeiter in den WOL Circles (meist in ihrer Freizeit) machen und der Verbesserung des Zusammenarbeit und der Umsätze.

Lieber Lars, ich verstehe deine Position, und ich möchte an dieser Stelle zwei Punkte vorbringen:

a) wenn etwas neu ist und hipp, dann sagen wir dazu „Da wird schon wieder eine Sau durchs Dorf getrieben!“ und wenden uns gern etwas verachtend ab. Mag eine hilfreiche Haltung sein, um sich auf die eigenen Themen besser fokussieren zu können. Mag aber auch (mal) komplett falsch sein. Wir werden erst hinterher erfahren, welche Sau doch keine Sau war und tatsächlich zu einer Transformation geführt hat. Das bringt mich zu Punkt

b) die Abwesenheit von Beweisen für etwas bedeutet nicht, dass es diese Zusammenhänge nicht gibt. Sprich, nur weil das WOL Vorgehen (methodisch) oberflächlich, vorkonzipiert, seicht erscheint, können wir dennoch nicht verhindern, dass es auch zur Änderung der Mentalität führt und die fünf Prinzipien von WOL erlebbar macht:

  1. Fördern von Beziehungen (Relationships)
  2. Großzügigkeit (Generosity)
  3. Sichtbarmachung der Arbeit (Visible work)
  4. zielgerichtetes Verhalten (Purposeful Discovery)
  5. wachstumsorientiertes Denken (Growth Mindset).

Nassim Taleb würde dazu sagen: Abwesenheit von Beweisen ist nicht dasselbe wie Beweise für eine Abwesenheit.

Warum New Work die Working Out Loud Mentalität braucht

Ich erspare uns den langen Text darüber, dass wir in einer VUCA Welt leben und alles um uns herum so furchtbar schnell und komplex ist. Gleich zum Punkt kommend, möchte ich auf die Themen kommen, die in sehr vielen Unternehmen bewussten Eingang in die gestalteten Transformationen fanden:

  • Selbstbestimmung und Selbstorganisation
  • Co-Creation und Ambiguitätstoleranz
  • Anerkennung und Wertschätzung
  • Sinnstiftung und Integration in das große Ganze

Betrachten wir die Ziele von WOL, sehen wir große Überlappungen. Mir persönlich fehlt nur die Integration in das große Ganze – und das (so verstehe ich die Kritik) ist auch der Punkt von Lars Vollmer.

Darüber hinaus finde ich auch viele Brücken zwischen den WOL Prinzipien und dem Manifest Generation Global vom Zukunftsinstitut, unter anderem bei den Stichworten

  • Wir sind mutig und probieren neue Arten der Lebensgestaltung aus
  • Vernetzung ist unser Normalzustand
  • Gemeinschaft ist unser höchstes Gut. Wir wählen unsere Communitys selbst.

Und dennoch

I don’t need the perfect one, I need the one who will make me feel like I’m the only one. – Zayn Mailk, One Direction

Jede Methode hat ihre Schwachpunkte. Jedes Modell vereinfacht die komplexe Realität. Jede Sau, die durchs Dorf getrieben wird, ist irgendwann aus dem Dorf raus, und da es ganz ohne langweilig werden könnte, freuen wir uns immer wieder auf die nächste Sau. Diese betrachten wir eine Weile und dann gibt es meistens „dafür“ und „dagegen“ Lager.

Ob du dich nun für das „dafür“ im Working Out Loud entscheidest oder dagegen, eins ist und bleibt extrem wichtig: die Auseinandersetzung, das Lernen, das Erkennen der eigenen Themen. Anregende Anekdote dazu:

Sitzen zwei Männer in einer Bar irgendwo in der Wildnis von Alaska. Der eine ist religiös, der andere Atheist, und die beiden diskutieren über die Existenz Gottes mit dieser eigentümlichen Beharrlichkeit, die sich nach dem, sagen wir mal, vierten Bier einstellt. Sagt der Atheist: „Pass auf, es ist ja nicht so, dass ich keine guten Gründe hätte, nicht an Gott zu glauben. Es ist nämlich nicht so, dass ich noch nie mit Gott oder Gebeten experimentiert hätte. Letzten Monat erst bin ich weit weg vom Camp in so einen fürchterlichen Schneesturm geraten, ich konnte nichts mehr sehen, hab mich total verirrt, vierzig Grad unter null, und da hab ich’s gemacht, ich hab’s probiert: Ich bin im Schnee auf die Knie und hab geschrien: Gott, wenn es dich gibt, ich stecke in diesem Schneesturm fest und sterbe, wenn du mir nicht hilfst!“

Der religiöse Mann in der Bar schaut den Atheisten ganz verdutzt an: „Na, dann musst du jetzt doch an ihn glauben“, sagt er. „Schließlich sitzt du quicklebendig hier.“

Der Atheist verdreht die Augen, als wäre der religiöse Typ der letzte Depp: „Quatsch, Mann, da sind bloß zufällig ein paar Eskimos vorbeigekommen und haben mir den Weg zurück ins Camp gezeigt.“

Ob wir an etwas glauben oder nicht, wir finden die Bestätigung dafür. In diesem Sinne wünsche ich uns allen:

  • frischen Kopf für gute Erkenntnisse
  • mutiges Herz für das Alte verwerfen und Neues aufnehmen
  • dass wir fürs Leben lernen und dennoch kindisch aufgeschlossen sind gegenüber Dingen und Erlebnissen, die nicht sofort in eine bereits existierende Schublade passen.

Epilog

Früher waren es Beatles. Dann kamen Back Street Boys und heute sind es One Direction. Jede Generation hat ihre Boygroup, jede Ära hat ihre Methoden und ein Etwas, das begriffen und implementiert werden möchte. So wie eine Boygroup eine Nachfrage bedient, tut auch WOL eine aktuelle Nachfrage unserer Arbeitswelt bedienen.

Es handelt sich dabei nur um ein Beispiel, und ein sehr gutes für die Haltung, die da heisst: Mit diesem Etwas (WOL, Agile, Intrapreneurship, Blabla, Whatever) ist es besser als ohne, weil mit etwas aktiv tun, weil wir Dinge ausprobieren und somit lernen. (Eine Auseinandersetzung damit, WIE wir diese Etwas behandeln und ggf. in existierende Unternehmensprozesse übernehmen, könnte diesem Artikel folgen.)

Danke für das Lesen! Ich bin gespannt auf Meinungen und Kommentare und freue mich, wenn sich etwas Neues daraus ergibt.

petranovskaja Unterschrift signatur

PS: Eine umsetzbare WOL Inspiration findest du hier:

petranovskaja wol contribution list

Photo by Oleg Laptev on Unsplash

Flugunterricht für Vögel

Flugunterricht für Vögel

Ob Vögel Flugunterricht brauchen? Heute setze ich mich mit meinem eigenen Beruf kritisch auseinander. Das passiert weder aus Frust noch aus Neid, vielmehr aus dem Wunsch, unsere Arbeitswelt um ein paar Aspekte reicher zu machen und das Gestalten der Zukunft mit mehr Freude und Elan anzugehen. Lesedauer: ca. 5 Minuten.

Fast jede Woche spreche ich als Beraterin mit mittleren und großen Unternehmen über das Thema „New Work“. Meine Fragen dazu:

  • Was bedeutet der Begriff „New Work“?
  • Was ist zu diesem Thema bereits in der Umsetzung? (aus der Phase des Redens raus)

Die Antworten sind verschieden. Frau X wäre auf einer Konferenz gewesen. Es seien Berater im Haus, die etwas untersuchen und ein Konzept vorstellen wollen. Man wolle noch nicht in die Umsetzung gehen, bevor man sich sicher sei, was genau man tun sollte. Und ob ich ein Buch oder so etwas empfehlen könnte.

Prolog: Flugunterricht für Vögel

Stell dir vor, eine Gruppe smarter, gut aussehender Berater (teilweise in Anzügen, teilweise eher Berlinerisch leger und mit einem langen gepflegten Bart ausgestattet) von einem oder mehreren namhaften Unternehmen bringt einem Schwarm Gänse das Fliegen bei. Dazu haben die Berater vorher die Vögel untersucht und einen Konzept aufgestellt. In der sehr langen PowerPoint Präsentation mit sehr viel Text (in Schriftgröße 10 und kleiner) findet man neben den Erkenntnissen der Analyse-Phase auch eine ausgiebige Anleitung dazu, wie man abhebt, fliegt, in der Luft navigiert und wieder landet. Nachdem die Präsentation den schnatternden Vögeln vorgetragen wurde, heben diese in die Luft und fliegen davon. Die Berater schreiben die Rechnung.

Das Umkehren

Ich lese hundert Mal so viel wie ich schreibe. Daher weiß ich mit Sicherheit nicht mehr genau, aus welchem Buch oder Blog ich die Weisheit bezogen habe, dass es in der VUCA Zeit nicht mehr darum geht, Konzepte zu schreiben und umzusetzen, sondern viel mehr darum, Steine aus dem Weg zu nehmen. Welchen Weg ich meine?

Ich bin mir sicher, dass Vögel selbst wissen, wie man fliegt. Und ich bin fest überzeugt, dass – gerade weil wir so viel über VUCA sprechen – die neue Realität nicht auf alte Art und Weise geschaffen werden kann. Während wir also an sehr vielen Baustellen in der Wirtschaft immer noch versuchen, uns dem Thema „New Work“ auf alte, uns vertraute Art und Weise zu nähern, frisst sich das Neue unaufhaltsam durch unsere Welt.

Das Neue aus New Work kann man nicht aufhalten. Nicht planen. Nicht in Prozesshandbücher packen.

Wir können, wir dürfen dem Neuen vertrauen und ihm die Steine aus dem Weg räumen. Dafür sorgen, dass es sich dort entfaltet, wo wir es brauchen. Zum Beispiel in den Abteilungen, die vom Fachkräftemangel betroffen sind (oh ja, es gibt ihn doch, diesen Mangel!). Zum Beispiel in den zahlreichen Führungskräfte-Programmen, die (viel zu oft) immer noch als PowerPoint Schlacht ablaufen. Oder im Mittelstand – weil diese Unternehmen wendiger und an sich agiler sind als Großkonzerne und so gutes stabiles Mittelfeld der Zukunft sind.

Der Kern

Giso Weyand, ein Mensch, den ich sehr schätze, hat in seinem wunderbaren Buch eine Aufgabe, die lautet: Stell eine Liste der Dinge zusammen, die dich (als Berater) in den letzten Monaten geärgert haben. Als ich die Übung machte, dachte ich nicht viel über die Folgen nach.

Doch jetzt weiß ich: ich ärgere mich seit einer längeren Zeit darüber, wie viel über das Thema New Work gesprochen, geschrieben und diskutiert wird – und wie wenig in die Tat umgesetzt. Das Festhalten an der alten Überzeugung, auch dieses hochkomplexe Thema könnte man mit Hilfe von linear nach vorne schauenden Konzepten lösen, macht mich traurig. Die (zum Teil sehr erfolgreiche) Versuche, aus der Verwirrung der Unternehmen Geld zu machen – mit Konferenzen (wo man den Vögeln das Fliegen beibringt in Form von Vorträgen), mit Büchern (wo man berichtet, wie Vögel fliegen), mit schlauen neuen Berater-Titeln (New Work Evangelist oder Senior New Work Enabler).

Verständlich, dass dieses Vorgehen vorerst mehr Verwirrung schafft, als Klarheit. Das führt selbstverständlich dazu, dass noch mehr Flugunterricht-Stunden verschrieben werden.

Der Dunning-Kruger-Effekt

Meine Aufregung wurde diese Woche kanalisiert. Ein Teilnehmer meiner Führungs-Werkstatt hat mich auf den Dunning-Kruger-Effekt hingewiesen. Dieser Effekt, von zwei Psychologen entdeckt, beschreibt die Neigung inkompetenter Personen, das eigene Können zu überschätzen und den Ausmaß ihrer Inkompetenz nicht zu erkennen. Gleichzeitig werden diejenigen mit echten Kompetenzen häufig mit Zweifeln an ihren Fähigkeiten geplagt.

Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. […] Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, [sind] genau jene Fähigkeiten, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen. – David Dunning

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Der britische Philosoph Bertrand Russell hat bereits einige Jahrzehnte davor erkannt:

Das Problem mit der Welt ist, dass die Dummen schwärmerisch sind und die Intelligenten voller Zweifel.

Petranovskaja Fresse halten

Wie kommen wir zur Lösung?

Das berühmte Kurzvideo mit dem Pinguin, der sagt, was zu tun ist, wenn man keine Ahnung hat, ist millionenfach geteilt und zitiert worden. Resultate? Unbekannt.

Gern zitiere ich den Einstein, der sagte, dass man Probleme nicht mit der gleichen Denkweise lösen kann, durch die diese entstanden sind. Wenn wir uns also im postindustriellen Zeitalter einen Weg in das New Work suchen, wäre mein absolut größter, laut auszusprechender Appel:

Lasst es uns tun!

  • Tun im Sinne von Kindern, die spielerisch lernen, wie etwas geht
  • Tun im Sinne der Agilität: Experimentieren, Prototypisieren, Neuland entdecken (New Work ist doch Neuland, oder?)
  • Tun im Sinne eines mutigen Unternehmertums
  • Tun im Sinne von Corporate Rebellen
  • (Liste ist bestimmt nicht vollständig!)

We are largely better at doing than we are at thinking. – Nassim Taleb, Antifragile

Wer lieber analysieren und Konzepte schreiben will, bitte schön!  Der von mir tief bewunderte Nassim Taleb, dem ich die Metapher mit dem Flugunterricht für Vögel geklaut habe, meint dazu:

Praktiker schreiben nicht, sie handeln. Vögel fliegen, und diejenigen, die ihnen das Fliegen beibringen wollen, sind dieselben, die ihre Geschichte aufzeichnen. Man kann also unschwer erkennen, dass Geschichte tatsächlich von Losern geschrieben wird, die über viel Zeit und einen sicheren akademischen Posten verfügen.  – Nassim Taleb, Antifragilität

Zeit, mich selbst an die eigene Nase zu fassen

Was tue ich hier? Ich schreibe.

Als Bild dazu: Ich schreibe in einer Flughafenlounge, während ich auf meinen Flug warte (genau, ich kann fliegen! :-)). Ich habe gerade drei Tage in einer Führungswerkstatt mit einer Gruppe von Führungskräften gearbeitet, und wir haben viel daran gearbeitet, wie man die Mitarbeiter und unternehmerische Werte in der Zeit voller Unsicherheit, Sprunghaftigkeit und Komplexität, behalten und entwickeln kann. Nein, wir haben das nicht New Work genannt. Aber wir waren uns alle einig, dass wir die Zukunft entwickeln, und dass es sich anfühlt, als wären wir auf einer portugiesischen Karavelle, die zwar Richtung Indien aufgebrochen ist, aber eventuell in Amerika landen wird.

Ich bin ein Praktiker. Ein leidenschaftlicher, recht pragmatischer Macher. Ein Umsetzer. Und – bekannter weise – jemand, der andere sehr gern in dieses Tun schubst.

petranovskaja grosses entstehen

Hier kommt also der große Schubs zum New Work:

Lasst uns zusammen aufbrechen! Keiner von uns weiß, wie New Work geht – dann sind wir alle in der gleichen vorteilhaften Situation. Wir können es alle zusammen entdecken, kartografieren, benennen und erkunden. Wir können von oben – aus der Flughöhe – neue Erkenntnisse über die Lage gewinnen. Wir – Berater und Unternehmen – sind auf diesem Weg in die Zukunft ein Team, eine Gruppe voller neugieriger Unternehmer. Wir können dem Neuen die Steine aus dem Weg räumen und lernen, wie wir es in das „Alte“ integrieren können. Lasst uns zusammen testen, wie breit unsere Flügel sind und wie weit sie uns tragen können.

Lasst und fliegen!

#schubs

petranovskaja Unterschrift signatur

 

Photo by Gary Bendig on Unsplash

Wie soll GROSSES entstehen, wenn nie einer austickt?

Wie soll GROSSES entstehen, wenn nie einer austickt?

Wie entsteht Grosses? Als in der Wirtschaft tätige Psychologin beschäftige ich mich viel damit, was es braucht, damit etwas entsteht. Ich begegne vielen wunderbaren Menschen, die Visionen haben. Aus diesen Ideen und Konzepten entstehen nach und nach Veränderungsprojekte, die dann (manchmal) zu organisationsumfassenden Transformationen werden. Doch wo und wie entsteht das Große, das wir dann als Ergebnis sehen und erleben können? Dass ich eine Brücke zwischen dem Urknall, den ägyptischen Pyramiden und den heutigen Start-Ups schlage, ist zufällig beim Schreiben passiert und kostet dich nur 8 Minuten Lesezeit.

Enjoy!

Fangen wir doch mal mit dem Universum an. Da gibt es ja mehrere Weltansichten, doch in einem sind sich Physiker und Popen einig: Das, was für den aktuellen Stand unseres Universums mit all den Sternen und Planeten zuständig ist, ist uns nicht ganz geheuer und ist uns noch nie persönlich begegnet. Das gemeinsame in diesen beiden Antworten auf die Frage, wie Großes entsteht lautet:

Es darf durchaus chaotisch sein.

Die Bibel sagt, am Anfang war der Chaos da. Dunkel, leer, wüst und wirr.

Die Physiker sagen: „Am Anfang war alles, was sich im Universum befand, sehr heiß und gleichmäßig im Raum verteilt. Das Universum expandierte und kühlte sich dabei ab. Aus den Saatkörnern kleinster Unregelmäßigkeiten bildeten sich schließlich Materieklumpen – Galaxien, Sterne und endlich auch Planeten.“ Im Grunde also auch ein Chaos, aus dem sich das asymmetrische und lustige um einander Drehen der Sterne und Planeten entstand.

Ob nun „es“ oder „er“ unsere Welt erschaffen haben, fest steht:

Von nichts kommt nichts

Und somit komme ich zu den großen Dingen, die sich unterhalb der Stratosphäre befinden. Die ägyptischen Pyramiden zum Beispiel. Oder wie Wolkenkratzer.

petranovskaja grosses bauen

Auch wenn das Erbauen der Wolkenkratzer uns viel einfacher zu sein scheint, als das mysteriöse Zustandekommen der ägyptischen Pyramiden, wird es in beiden Fällen ein Vorhaben gewesen sein, dass gänzlich ohne Projektmanagement-Software und Webkonferenzen ausgekommen ist. Wenn wir uns fünf Minuten Zeit nehmen, die Erfolgsfaktoren zu notieren, die dazu geführt haben, dass diese großen Bauwerke zustande gekommen sind, dann finden wir Begriffe wie:

  • Hingabe
  • Struktur / Disziplin
  • Begeisterung
  • gemeinsame Sprache
  • klare Führung / Anleitung

Von Jörg hinzugefügt:

  • das große Bild
  • die gemeinsame Vision
  • Vorstellungskraft

(Fehlt dir etwas? Dann freue ich mich über ein Kommentar!)

Bleibt noch die Frage, woher derjenige, der das Projekt beauftragt hatte, die Idee hatte, so etwas Großes entstehen zu lassen… Als Psychologin suche ich dann immer gern nach den Beweggründen und Motiven. Manche wollen Ruhm, manche wollen Ruhe. Theoretisch ist jedes Lebensmotiv eine gute Grundlage für das Entstehen von einem großen Etwas.

(Wenn ich von Motivation und Motiven spreche, meine ich die folgenden 16 Lebensmotive nach Steven Reiss:

petranovskaja reiss profile motive

Ich arbeite begeistert mit diesem Persönlichkeits-Profil. Wenn du fragen hast, melde dich gern!)

Grosses in der VUCA Welt

Willkommen in der Zukunft! Alteingesessene Unternehmen werden mit neuen Iden vom Markt gedrängt, neue Ideen werden von jungen Menschen ohne Uni-Abschluss in die Welt gepustet. Verwirrende Nachrichten über Einhörner der Wirtschaft – gestern noch unbekannte Unternehmen haben plötzlich eine Marktbewertung von über einer Milliarde Dollar…

Wir entwachsen dem Zeitalter der Industrialisierung – dafür gibt es mehr als genug Anzeichen. Doch wer bestimmt, was nach nächste Große sein wird? Gern bringe ich hier das oft zitierte Schaubild über die Liste der wertvollsten Unternehmen der Welt (vor und nach dem Smartphone):

Die oft genannten Beispiele der neuen Unternehmen wie airbnb, Uber, Car2Go zeigen, dass es neue Geschäftsmodelle gibt, die in der Lage sind, Märkte vollständig zu revolutionieren (Buzzwort: Disruption). Dabei erobern sie nicht nur Marktanteile, sie sind auch finanziell in die oberste Liga aufgestiegen. Das wertvollste deutsche Unternehmen, Volkswagen, war 2014 mit 119 Milliarden genauso viel wert wie Facebook. Daimler und BMW liegen mit 101 Milliarden und 80 Milliarden weit unter dem Marktwert dieses sozialen Netzwerks. Hingegen wurde UberTaxi Anfang 2015 mit 40 Milliarden Dollar bewertet – ein Unternehmen, das gerade einmal sechs Jahre alt ist. Airbnb steht derzeit bei rund zehn Milliarden Dollar und ist damit schon jetzt mehr wert als die meisten globalen Hotelketten mit Tausenden eigenen Hotels.

Großes entsteht nicht nur, Grosses kann auch verschwinden

Traditionelle, früher sehr erfolgreiche Unternehmen wie Kodak oder Nokia verschwinden plötzlich nahezu komplett von der Arena der Großen. Mein Lieblingszitat in diesem Zusammenhang kommt vom Nokia-CEO:

We didn’t do anything wrong, but somehow, we lost. – Stephen Elop

Nun aber genug vom furchterregenden und traurigen Geschehen. In der Marktwirtschaft soll so etwas nicht nur normal, sondern auch gesund sein. Und, by the way: airbnb wird in mehreren Städten gerade daran gehindert, zu wachsen (damit die Wohnungen nicht ausschließlich an Touristen vermietet werden).

Widmen wir uns zum Schluss einer Frage, die den für den Titel zuständig ist.

Wie soll GROSSES entstehen, wenn nie einer austickt?

Unsere Welt ist aus einem Chaos entstanden. Da war etwas nicht ganz plan und sauber und – zack! – sind Galaxien und Planeten entstanden. Eine Perle entsteht in einer Muschel auch nur dann, wenn etwas Fremdes eine Störung herbeiruft. Es ist also durchaus hilfreich, wenn nicht absolut notwendig, dass eine Störung, eine Unregelmäßigkeit (ein Größenwahn, eine verrückte Idee – diese Liste gern gedanklich fortsetzen) vorhanden sind.

Doch was machen wir mit Störungen und Unregelmäßigkeiten im „normalen“ Alltag?

  • Wir versuchen diese zu ignorieren.
  • Zu umgehen.
  • Zu glätten.
  • Zu kaschieren, zu eliminieren usw.

Es fängt schon in der Schule an. Wer nicht zum Mittelwert des verlangten passt, wird abgestraft. Wer darunter liegt, bleibt sitzen. Wer darüber liegt, wird gemobbt, bis er sich anpasst. Traurig und wahr.

Im Beruf ist eine Abweichung – dem Industriezeitalter lieben Dank! – absolut nicht willkommen. Es soll doch bitte alles zu den festgeschriebenen Prozessen passen. Und zum Organigramm. Und zum Jahresziel und zum Plan. Anstrengend, traurig und leider wahr.

Stillstand ist der Tot

Doch nun ist alles anders. Wir sprechen von VUCA, wir untersuchen die bereits bekannten Disruptionen, während die neuen unsere bestehenden Stellenbeschreibungen gefährden, wir lesen Bücher, wir zitieren Modelle und lernen Methoden. Mit anderen Worten: Wir haben erkannt, dass wir uns mit dieser neuen Situation beschäftigen müssen. (Bestimmt haben es noch nicht alle erkannt, da wird es wohl noch den einen oder anderen geben, der den Nokia-Spruch zitieren wird, weil auch sein Geschäft geschlossen oder aufgekauft wird.)

Wir sprechen oft und lang über NewWork, Arbeit 4.0 und Innovation. Und je mehr von uns an diesen Dialogen und Diskussionen teilnehmen, desto besser. Denn: Wir sind alle in einem Boot. Auf diesem einen Planeten. Wir sind alle gleichermaßen dafür verantwortlich, wie unsere Zukunft aussehen wird. Es gibt keine Entschuldigung, absolut nichts dazu beizutragen, dass diese Zukunft eine lange und nachhaltige sein wird. Manchmal sind schon kleine Dinge entscheidend, damit sich nach und nach etwas verändert. Nicht jeder von uns baut an einer ägyptischen Pyramide oder einem neuen StratUp-Einhorn. Aber jeder von uns tut etwas – jeden Tag.

  • Es kann also ein Wort sein oder ein Satz, der Einfluss hat.
  • Es kann etwas sein, das du tust – oder sein lässt.
  • Ein Schritt. Eine Aktion. Deine Teilnahme an etwas. Eine Unterschrift.
  • Es kann eine Geschichte sein, die du deinen Kindern erzählst. Oder etwas, wovon du träumst und was du mit deinen Freunden teilst.
  • Es kann eine Reise sein, die du unternimmst. Ein Buch, das du liest. Ein Brief, den du schreibst.

Großes wird einzig und allein im Auge des Betrachters groß. Es gibt kein Verbot, etwas nicht als groß zu bezeichnen. Denn niemand kann vorhersehen, was genau dazu führt, dass etwas Großes entsteht.

Wie Steve Jobs sagte:

petranovskaja steve jobs dots future

 

Betrachten wir zum Schluss nochmal Erfolgsfaktoren. Was sollte dazu beitragen, dass wir alle und jeder von uns das Gefühl haben, austicken zu können? Ich für meinen Teil lege folgende Faktoren als Grundlage:

  • Neugier
  • Mut
  • Überzeugung / Vision
  • Selbstkenntnis
  • Change Kompetenz

Unschwer zu erkennen, keine der gelisteten Kompetenzen steht auf der Fächerliste in einer normalen Schule, und einen Online Kurs zu den meisten Begriffen wird man nicht finden. Das Verbindende dieser Faktoren ist die Tatsache, dass sie uns allen bekannt und verständlich sind. Und darum suchen wir – abseits der breiten Wege des Berufslebens – immer wieder Möglichkeiten, uns damit zu befassen. Zwei Möglichkeiten dazu möchte ich an dieser Stelle gern erwähnen:

  • Create Your Year: ein jährlich stattfindender Workshop, der Menschen zusammen und ins gemeinsame, ko-kreative Lernen bringt. Das Thema des CYY 2019 lautet „Selbstbewusstsein
  • Berlin Change Days: ebenfalls jährlich stattfindende Zusammenkunft von Menschen, die sich zum Thema Change austauschen. Diese Veranstaltung ist global und findet 2018 unter der Überschrift „Courage and Corporate Activism“ zum 10. Mal statt

Es reicht nicht zu wissen, man muss es auch tun

Nochmal zurück zum Titel des Artikels. Mit „Austicken“ meine ich nicht ausschließlich eine rebellische Aktion in einem geregelten Umfeld. Viel mehr geht es mir darum, unser „Das haben wir schon immer so gemacht“ wach zu rütteln. Die dicken Schlagzeilen liefern tagtäglich genug Sense of Urgency – und diese Erkenntnis sollte für mehr ausreichen, als für das Retweeten oder ein Kneipengespräch. Resultate resultieren aus Taten. Großes entsteht nicht im Vacuum. Und „auch die längste Reise beginnt mit einem ersten kleinen Schritt“.

Es geht mir auch darum, dass wir aufhören zu hoffen, jemand anders kommt und rettet uns. Es ist an uns, es selbst zu tun. Weil wir die Pflicht haben, die Dinge zu tun, die getan werden müssen. Weil genug Potential in uns schlummert, um sämtliche Probleme, die wir schon kennen oder noch kennenlernen werden, zu lösen.

Lasst uns also mutig sein! Voran gehen, selbst Vorbild sein und andere unterstützen, die etwas Mutiges tun. Lasst uns wach bleiben, neugierig, hungrig und ein wenig verrückt.

Lasst uns GROSSES vollbringen!

petranovskaja Unterschrift signatur

 

 

Wie die DSGVO mir geholfen hat, mich selbst zu finden

Wie die DSGVO mir geholfen hat, mich selbst zu finden

DSGVO: Heute tritt die seit zwei Jahren gültige Daten-Schutz-Gesamt-Ver-Ordnung in Kraft.

  • Die Welt verdreht die Augen.
  • Die Welt steht still (weil alle nur noch entsprechende Mails in ihrem Posteingang finden).
  • Die Welt dreht sich mit gleicher Geschwindigkeit weiter (weil wir weiterhin Mails bekommen werden, die uns größere Genitalien oder einen unerwarteten Lotto-Gewinn versprechen).

Was hat uns nun dieses panikmachende Datum gebracht?

Es hat gezeigt, wer wir sind. Wie wir ticken.

Angstgetrieben. Konform. Lemmling-artig.

Sieben Unternehmen / Webseiten, die ich kenne, haben ihr Geschäft (zumindest vorübergehend) geschlossen.

Einige meiner selbständigen Kollegen haben sich aus WhatsApp und Co. abgemeldet.

Es gibt Stimmen, diese Verordnung würde vor allem Kleinunternehmer und Mittelstand treffen.

Und in China fällt ein Sack Reis um.

Was ich damit sagen will?

Start with why

In einem russischen Theaterstück gab es eine magische Formel: „1-2-3 – und nichts geschah!“ Nehmen wir mal an, es gäbe kein DSGVO – war wäre dann immer noch das Selbe?

Hoffentlich hat die DSGVO keinen Einfluss auf den Grund, warum wir das alles tun. Wir stehen auf, um in der Welt etwas zu bewegen. Zu verändern. Schöner zu machen. Um jemandem zu helfen. Um etwas zu erfinden oder zu erstellen. Das wir dabei nur in einer Interaktion mit unseren Kunden weiter kommen ist logisch. Dass wir eine langfristige Beziehung mit unseren Kunden anstreben, ist mehr als logisch – es ist lobens- und erstrebenswert.

Wir sammeln keine Daten. Wir tun unsere guten Taten.

Wer also mit einem tollen Why unterwegs ist, für den verändert die Verordnung nichts.

Back to the roots

Für mich persönlich waren die letzten Wochen eine willkommene Staub-Aufwirbelung. In den Gesprächen mit Experten, Kollegen, Freunden und in sehr vielen Beiträgen online suchte ich meine Antwort auf die Frage: Warum mache ich das? Warum habe ich eine Webseite? Warum habe ich damals diese Webseite online gestellt?

  • Wofür?
  • Für wen?
  • Aus welchem Grund?

Nachdem die Aufregung sich legte, der Puls normal wurde und die technisch-juristischen Anpassungen abgeschlossen waren, war mir auch meine Antwort klar. Diese Webseite wurde als Blog gestartet. Als mein persönliches Online-Tagebuch. Es ging mir damals weder um SEO, noch um meine Reichweite noch um etwas anderes, was mit dem mathematischen Wert messbar wäre. Damals – 2008 (!) – habe ich die Online-Welt gerade erst entdeckt, indem ich mich auf einer Photo-Plattform rumgetrieben habe, und mein erster Blogbeitrag wurde entsprechend kurz:

Das passt. Hallo, Welt! Auch wenn’s noch nicht so aussieht, wie es sollte, es ist rot und es ist online.

Morgen sehen wir weiter.

Der berühmte „Hallo Welt“ Beitrag (jeder, der einen neuen Blog über WordPress aufmacht, bekommt einen Beispiel-Beitrag mit genau diesem Titel vorgegeben) wurde von meiner Photo-Clique gefeiert, und so machte ich munter weiter und postete kurze und längere Notizen aus meinem Leben mit lustigen Titeln wie „Wer nur eine kleine Pfanne hat, braucht keine großen Fische zu fangen“ oder „Ich mache nie Voraussagen und werde das auch niemals tun“ (echt lesenswert!). Ich schrieb wie es kam, ohne Backlinks zu setzen, auf Grammatik und SEO Regeln zu achten und die empfohlene Lesbarkeits-Struktur einzuhalten.

Ich war einfach nur ich. Präsent. Authentisch. Echt. 

Es machte Spaß. Es wurde gelesen. Meine mitgeposteten Photos waren wohl auch nicht ganz doof – mein Blog war eine Zeit lang auf Platz 80 aller Photoblogs in Deutschland. Dabei war ich ein absoluter Amateur.

Ein Amateur, der Spaß hatte.

Essentialism

Bis 2014 habe ich so viele Texte geschrieben, dass diese – ohne Bilder – ein Buch mit über 500 Seiten ergeben würden. Schriftsteller schreiben natürlich mehr, aber ich hab ja nur ein Tagebuch geführt. Ein geklicktes, gelesenes, kommentiertes, lebendiges…

Und dann kam die verfluchte Kommerz ins Spiel. Es hieß, man könne Geld im Internet verdienen. Man könnte einfach mal vom Strand bloggen und das Geld purzele auf das Konto.

Ich hab es tatsächlich versucht. Ich habe es tatsächlich eine Zeit lang hinbekommen.

Nur machte es Null Freude. Weil ich anders schreiben und denken musste, damit das Geld auf das Konto kommt. Ich war unfrei. Ich tat Dinge, die nicht per se meine waren. Es war nur teilweise toll. Und der andere Teil war … unwesentlich. Nicht wichtig. Nicht wert, ihn aufrecht zu erhalten. Leicht wegzulassen. Doch statt mich „back to the roots“ zu besinnen und zurück zu meinen Blog-Wurzeln zu kommen, habe ich zwischen 2014 und jetzt mehrfach versucht, das doch irgendwie anders und so weiter…

Damit ist nun Schluss.

Natürlich schreibe ich heute nicht wie 2008. Selbstverständlich kann ich viele der Erkenntnisse der letzten Jahre nicht mehr aus dem Kopf schlagen.

Und gerade deswegen werde ich das aktuell so populäre Modell der Ambidextrie für mich nutzen:

petranovskaja ambidextrie ambidextrous innovation zukunft

Ich behalte bei, was schon immer gut war. Zum Beispiel, regelmäßig schreiben. Ich optimiere, was nicht so gut war. Zum Beispiel diese langweiligen auf SEO abgestimmten Blog-Titel, die spätestens dann, wenn jeder sie benutzt, alle nur noch langweilen. Ich kehre zurück zu meinen Wurzeln. Echt sein. Freude haben. Lächeln. Schreiben.

Vielleicht wird das jetzt wieder ein online Tagebuch einer gern reisenden Psychologin, die es liebt, mit Menschen zu arbeiten.

Ich gehe damit eine Menge Risiken ein. Könnte man meinen. Oder gemäß der russischen Formel:

„1-2-3 – und nichts geschah!“

Was immer kommt: ich freue mich darauf.

Danke, liebe DSGVO, für diese innere Klärung!

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Genial einfach – einfach genial

Genial einfach – einfach genial

Das Glück gehört denen, die sich selbst genügen. Denn alle äußeren Quellen des Glückes und Genusses sind ihrer Natur nach höchst unsicher, misslich, vergänglich und dem Zufall unterworfen.
Arthur Schopenhauer

Der Schopenhauer hat ohne Zweifel Recht. Die äußeren Quellen des Glücks sind hoch unsicher – wir wissen nicht, ob es sie überhaupt gibt und wenn, wann sie zu uns kommen.

Doch was auch wahr ist: oft sehen wir unser Glück nicht. Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die das Große zusammen ergeben, und heute möchte ich drei Stories meines kleinen Lebensglückes erzählen – genial einfach und einfach genial.

Szene eins: Heizung kaputt

Na gut, richtig kaputt war die Heizung nicht, aber es war Freitag, und die Heizung machte komische Geräusche, und so rief ich an, um zu fragen, ob jemand vorbeikommen kann. Zum Glück hatte Uli Zeit. Er kam, stellte Diagnose und wollte kurz ein Ersatzteil holen. Ob er auf dem Rückweg beim Bäcker vorbei kommt, fragte ich. Er schaut, antwortete er.

Uli und ich haben uns bis zu diesem Freitag drei mal gesehen, einmal pro Jahr zur Heizungswartung. Als er dann halbe Stunde später mit dem Ersatzteil und einer großen Tüte vom Bäcker in der Tür steht, bin ich aus dem Häuschen. So eine nette Geste, unerwartet und … einfach genial!

Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich.
André Gide

Später sitzen Uli und ich in der Küche, trinken Tee und reden über das Leben. Die Apfeltaschen und die Donuts schmecken köstlich und versüßen den grauen Tag. Die Heizung schnurrt wie ein Kätzchen. Warum er so viel Gebäck geholt hat, frage ich. Ich habe doch auch Mann und Kinder, antwortet Uli. Er strahlt dabei. Man sieht ihm an, dass er das vom ganzen Herzen gemacht hat.

Bevor er geht, sagt er, mein Sohn soll unbedingt Tanzkurs machen. Das würde bei Mädchen immer gut ankommen. Ich merke mir den Rat.

Szene zwei: Smoothie geschenkt

Aufstehen um 6, 280 Kilometer nach Gütersloh, ganzen Tag laute Musik. Zugegeben, nicht unbedingt mein Favorit, wenn es um einen Samstagsplan geht. Doch meine Tochter hat mit ihrer Tanzschule einen Hiphop-Wettbewerb, und ich bin eine der Fahrer. Ich verspreche mir nicht viel von Gütersloh und freue mich, den Mädels beim Performen und Ausflippen zuzuschauen.

Zwischen den Auftritten gibt es eine Pause, und ich gehe kurz raus. Gütersloh hat einen historischen (sehr hübschen) Stadtkern und eine unerwartet nette Einkaufsstraße ganz ohne Tedi und 1 Euro Shops. Hungrig vom Fahren und warten, gehe ich in einen Café, das Smoothies, frische Säfte und Waffeln verspricht.

Ich werde einfach nur gut bedient. Lieb, zuvorkommend, sehr sehr service-orientiert. Ich werde sogar gefragt, wie viele Scheiben Ingwer in meinen Tee sollen. Die deftige Waffel mit Serrano und Rucola schmeckt einfach nur köstlich, und so greife ich begeistert zum iPhone und schreibe eine kurze nette Rezension auf Google. Dann trinke ich den Tee zu Ende und entscheide mich, einen Smoothie mitzunehmen. Kein Problem, sagt die. Ich soll in ein paar Minuten zur Kasse kommen, um ihn abzuholen.

An der Kasse übergibt man mir die frisch gemachte Vitaminbombe und sagt, es geht aufs Haus als „Danke für die nette Rezension auf Google“.

Das Leben ist volle toller Überraschungen!

Szene drei: Pfannkuchen

Meine Kinder sagen, ich kann gut kochen. Immer wenn ich darüber nachdenke, fällt mir ein, ich habe das Kochen von meinen Eltern gelernt. Zugeschaut, nachgefragt, unter Anleitung ausprobiert. Long Story short: Meine Tochter macht die Pfannkuchen so, wie meine Ur-Oma sie schon gemacht hat, und die schmecken köstlich!

Und jedes Mal, wenn ich Pfannkuchen esse, denke ich mit Freude an den TED Talk von Natalie Kogan, auch „born in the USSR“. Sie sagt, Pfannkuchen können nicht nur glücklich machen, sondern auch die Welt verändern und zwar weil sie so genial einfach seien, und somit einfach genial.

Bonus:

Glück ist das einzige, was wir anderen geben können, ohne es selbst zu haben.
Carmen Sylva

Ich wünsche dir einen wundervollen Tag und ganz viele Gelegenheiten, dem kleinen (einfach genialen) Glück zu begegnen!

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PS: Möchtest du etwas dazu ausprobieren? Wie wäre es mit einer Zeitkapsel?

Photo by Mike Dorner on Unsplash

Wie eine echte Veränderung durch Rebellen möglich wird und warum ich ein Rebell bin

Wie eine echte Veränderung durch Rebellen möglich wird und warum ich ein Rebell bin

Haufe hat zu einer spannenden Blogparade eingeladen. Es geht um Veränderungen, um Rebellen, um Mut, um gemeinsames Lernen. Hier ist mein Beitrag, in dem ich erzähle:

  • was ich aus der Zusammenarbeit mit Corporate Rebels United gelernt habe
  • wo aus meiner Sicht der Unterschied zu den Change Agents liegt

Born in USSR

In der Zeit voller Umbrüche, Unsicherheit und Mehrdeutigkeit sind Rebellionen völlig normal. Ich bin in der Sowjetunion aufgewachsen und habe nicht nur die Zeit vor uns nach Perestroika life erlebt, sondern auch eine ziemlich positive emotionale Beziehung zu Revolution, Rebellen und Aufstand anerzogen bekommen.

Daher ist es vielleicht wenig verwunderlich, dass ich mich zu den “Corporate Rebels United” – einem virtuellen globalen Netzwerk – hingezogen fühlte, als ich diese im Internet entdeckte.

Das Manifest

Haufe-Blog schreibt:

“Jeder Wandel, jede Innovation braucht Menschen, die über Grenzen hinweg denken, den Status Quo hinterfragen und andere von ihren Ideen überzeugen”.

Dem stimme ich voll zu – doch wie macht man das?

Eine Gruppe, eine Bewegung muss vor allem verkünden, wofür sie steht. So wie es vielen klar ist, wofür z.B. der Betriebsrat in einer Organisation steht, sollte auch eine rebellische Bewegung ihre Statements offenlegen.

Bei den Corporate Rebels United lautet das Manifesto:

Relentlessly

Challenging the status quo

Breaking the rules

Saying the unsaid

Spreading the innovation virus

Seeding tribal energy

With no fear

With a cause to do good

Leading by being from our true selves

Going after the un-named quality

Relentlessly

Wie man erkennt, erklärt das Manifest hiermit niemandem den Krieg. Es gibt mehr Aufforderungen an sich selbst, als Forderungen an das System. Das hat mir persönlich sehr gut gefallen. So ein Manifest in dann in jedem Umfeld “gültig” – ob Mittelstand, ob Konzern, ob Kleinbetrieb.

Es geht nicht darum, etwas zu zerstören, sondern darum, etwas Neues entstehen zu lassen. “With a cause to do good” – angstfrei, schonungslos offen legen, was möglich ist. Innovations-Virus ausbreiten, was für ein schönes Bild!

petranovskaja rebellen

Mit der Überzeugung, verantwortlich für die Zukunft des eigenen Unternehmens verantwortlich zu sein, trafen sich bei „Corporate Rebels United“ Menschen, um voneinander zu lernen und einander zu unterstützen. Zu wissen, dass man als Organisationsrebell nicht allein ist, war ein gutes Gefühl.

Obwohl wir nicht wirklich einen Aufstand angezettelt haben, unterstützte diese Gruppe sicher einen Mindset Change in mehreren Organisationen. Wenn Vertreter und hochkarätige Mitarbeiter namhafter Unternehmen sich öffentlich dazu bekennen, dass eine Veränderung aus derer Sicht notwendig ist, macht das vielen anderen Mut, ebenfalls ihre Stimme zu heben.

petranovskaja rebellen start

Eine meiner spannendsten Erfahrungen hier war das Global Rebel Jam 2013 – eine 24 Stunden online Veranstaltung mit inspirierenden Geschichten und Diskussionen zu verschiedensten Themen, u.a.:

  • How to build a global grassroot movement
  • Reinventing Sales Management
  • Dissent & Disagreeing: Having the Real Conversation
  • How office design can improve collaboration and innovation
  • Intrapreneurs in Government
  • Innovation culture
  • Managing rebels at work: What leaders need to understand
  • Leading Networked Organizations

Wie leicht zu erkennen, die Themen könnten auch einer ganz “normalen” Konferenz entstammen. Was war nun das Rebellische daran? Anders gefragt: treffen sich vielleicht ohnehin sehr oft Organisationsrebellen auf manchen Konferenzen, ohne sich so zu bezeichnen?

Wenn es bei einer „guten“ Rebellion um Innovation, Durchbruch, Fortschritt geht, ist es vor allem die Haltung. „Gute“ Rebellen probieren und erschaffen Neues, statt sich über Missstände zu beklagen. Sie sind voller Leidenschaft – statt Verbitterung und Ärger. Sie generieren Energie, inspirieren, stecken an – statt anderen Energie abzuziehen. Sie sprechen über Möglichkeiten – nicht über Probleme. Sie interessieren sich dafür, wie etwas klappen kann statt, du weißt schon.

Im Gegensatz zu einem Change Agent…

Was unterscheidet einen Organisationsrebellen von einem Change Agent?

Ein Change Agent sorgt (meistens) dafür, dass eine (von jemand anderem ausgedachte und geplante) Veränderung in die Organisation implementiert wird. Er kümmert sich um Kommunikation, Mobilisierung, Alignment und und und…

Ein Organisationsrebell LEBT DAS NEUE. Motiviert durch Liebe zu seiner Arbeit und volle Identifikation mit dem Unternehmen, in dem er arbeitet, möchte er

  • öffentlich die Wahrheit aussprechen, die fast jeder denkt
  • mit eigenem Beispiel voran gehen und das Neue vorleben
  • Regeln brechen, damit Aufbruch / Ausbruch möglich wird
  • Andere positiv anstecken und ihnen den steinigen Weg etwas ebnen

Er hat dazu KEINEN AUFTRAG VON OBEN. Er hat einen inneren Auftrag, aus dem Herzen. Er ist mutig, risikobereit und probiert Neues aus.

petranovskaja rebellen innovation

Was soll das?

Organisationsrebellen sind keine seichten Transformierer. Ein Aufstand, ein Nicht-Akzeptieren-Wollen des Alten ist in den meisten Kulturen der “zivilisierten” Welt ein negativ belegtes Ereignis. Um so spannender finde ich, dass wir nun unter dem Dach von Haufe diese Diskussion führen.

Vielleicht, weil die Zeit reif ist? Weil die “normale” Organisationsentwicklung an ihre Grenzen gestoßen ist? Weil weder Change Agents noch Change Berater für genug Veränderung sorgen? Vielleicht, weil wir erkennen, dass wir mit Mut, Risikobereitschaft und Querdenken weiter kommen als mit den alten Tugenden wie Fleiß und Disziplin?

Wir brauchen dringend ECHTE VERÄNDERUNG statt Buzzword Bingo, Sau durchs Dorf jagen und Powerpoint Folien!

Ich bin ein Rebell. Unangepasst, freiheitsliebend, in Maßen seltsam. Ich sehe es als meine Aufgabe, die Welt besser zu machen indem ich Menschen und Organisationen darin unterstütze, gern das zu tun, was sie tun. Meine persönliche Rebellion lautet seit 1997: Endlich Montag! Ich arbeite gern, ich stecke andere damit an. Ich schreibe seit Jahren einen “Endlich Montag!” Newsletter und vertrete folgende Meinung:

Menschen, die ihre Arbeit gern tun und sich auf jeden Montag freuen, sind das Beste, was einem Unternehmen passieren kann.

Wie steht es mit dir?

petranovskaja Unterschrift signatur

Zusätzliche Links:

Artikel von Peter Vander Auwera, dem Initiator von Corporate Rebels United

TED Talk von Peter Vander Auwera zum Thema Corporate Rebels

Bilder in diesem Blogbeitrag sind der Präsentation von Peter Vander Auwera entnommen, thanks vor inspiration!

Zehn Gewohnheiten von emotional resilienten Menschen

Zehn Gewohnheiten von emotional resilienten Menschen

Investiere vier Minuten Lesezeit und erfahre etwas Neues über Gewohnheiten!

Stau, Stress, schlechtes Wetter. Den einen ärgert es total, der andere geht mit Leichtigkeit darüber hinweg. Woran liegt es, dass wir so unterschiedlich auf Stressfaktoren reagieren? Natürlich spielt unser angeborener Charakter eine Rolle. Du kannst dir aber ein paar Gewohnheiten zulegen, die es dir leichter machen, mit Stressfaktoren aller Art leichter umzugehen.

Gewohnheiten sind kleine vollautomatische Aktionen, die wir ausführen, ohne viel darüber nachzudenken. Sie erleichtern uns in vielen Bereichen das Leben. Gleichzeitig führen manche Gewohnheiten dazu, dass wir auf bestimmte Reize immer gleich reagieren. So kann es sein, dass du vom Typ her gar nicht so stressanfällig bist, dir aber irgendwann ein Muster angeeignet hast, schnell und empfindlich zu reagieren.

Fange heute noch an, dir ein paar neue Gewohnheiten zuzulegen — wähle deine Favoriten aus der Liste!

1. Warte auf die richtige Reaktion

Etwas passiert, ein Reiz erreicht deinen Hirn und sagt: “Reagiere auf mich!” Deine Gewohnheiten und deine Muster sind sofort bereit und fragen “Same procedure as last year?”.

Ja, es ist effizienter, in Mustern zu antworten. Bloß nicht immer gut für unsere Gefühlslage und unsere Gesundheit. Wenn dich also jemand oder etwas ärgert, reizt und stresst, kontrolliere den ersten Impuls und lasse nicht zu, dass deine Gewohnheiten die Macht übernehmen. Atme einmal tief durch und frage dich:

  • Was ist jetzt die beste Handlung im Sinne meiner Absichten und Interessen?
  • Worauf möchte ich meine Energie verwenden?

2. Halte Unangenehmes aus

Wenn wir hungrig sind, sehr hungrig, dürfen wir auf keinen Fall eine Restaurantkarte in die Hände bekommen. Oder einkaufen gehen. Wir bestellen oder kaufen viel zu viel, oft auch unnütze Sachen.

Mache es zu einer Gewohnheit, etwas Unangenehmes wie Hunger, Ärger oder Frust zu tolerieren. Führe ein Tagebuch, schreibe dort jedes Mal auf, welche Gedanken dir in solchen Momenten kommen.

Halte Unangenehmes aus, lasse dich nicht davon kontrollieren — schon bist du der emotionalen Resilienz einen Schritt näher!

3. Erweitere deine Perspektiven

Manche Dinge passieren FÜR dich, und nicht dir. Was jetzt gerade unerträglich erscheint, mag in Zukunft ein Riesenvorteil werden. Aus welcher Perspektive kannst du auf deine Situation schauen, um deine Lage in einem anderen Licht zu sehen?

(Nimm dir Zeit und schreibe auf, wann dir etwas Unangenehmes passiert ist. Betrachte diese Situation nun in einem neuen Licht und frage dich: was daran ist FÜR MICH passiert? Was konnte ich dadurch lernen / entdecken / neu sehen? Einen sehr konkreten Beispiel findest du HIER.)

4. Praktiziere Akzeptanz

Eine sehr nützliche Gewohnheit: Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind. Akzeptieren heißt, dass du nicht aufgibst und die Kontrolle nicht an den Stress abgibst. Vertraue dir, dass du in jeder Situation die Kraft findest, noch einmal aufzustehen.

Dazu hilft: Tief einatmen, langsam ausatmen.

5. Denke an die Macht der Zeit

Die Zeit heilt alle Wunden, sagt man. Was jetzt gerade furchtbar bremst und nervt oder weh tut, macht dich stärker und wird dir aus der Zukunft nicht so schlimm erscheinen.

Gewöhne dich daran, dir Zeit zu geben.

6. Verlange nicht von dir, die Antworten immer parat zu haben

Wir sind es gewohnt, dass wir Rede und Antwort stehen müssen. Kommt es zu wichtigen Lebensfragen, verlangen wir von uns selbst, dass wir die richtigen Antworten sofort finden. Wir vergessen, dass die richtigen Antworten immer dann zu uns kommen, wenn wir dafür bereit sind.

Und dass es ok ist, wenn man nicht alles sofort weiß.

7. Sorge für dich

Finde täglich Zeit, für dich selbst zu sorgen. Fange gar nicht erst an, mit dir selbst zu verhandeln — die Zeit ist immer da, du musst sie dir nur nehmen. Trinke eine Tasse Tee (achtsam, in Ruhe), mache einen Spaziergang, creme dich ein und gehe eine Stunde früher ins Bett.

8. Lache dich gesund

Mache es zu einer Gewohnheit, über etwas zu lachen. Zum Beispiel immer, bevor du einen Kunden anrufen musst oder nach einem unangenehmen Vorfall. Lass dich von Videos mit tollpatschigen Tieren in die Leichtigkeit entführen oder lese ein paar Witze.

9. Sei glücklich, statt Recht zu haben

In jedem Gespräch kannst du wählen, was dir wichtiger ist: Dein Stolz oder die Beziehung. Mache es dir zu einer Gewohnheit, kurz abzuwägen, ob es dir wirklich Wert ist, Recht zu haben.

10. Stärke die Stärken

Denke nicht an die Fehler, die du hast, nicht an die Macken und nicht an Probleme. Frage dich, was du heute richtig machen kannst, was dir Spaß macht und wovon du mehr haben willst. Da, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest, davon wirst du mehr im Leben haben.

Kennst du andere gute Gewohnheiten? Teile diese gerne hier, denn von entspannten Menschen profitieren wir alle zusammen!

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Wie „Endlich Montag!“ dir helfen kann, immer eine gute Woche zu haben (mit Übung)

Wie „Endlich Montag!“ dir helfen kann, immer eine gute Woche zu haben (mit Übung)

Fünf Minuten Lesezeit über ein Thema, das mich seit Jahren begeistert: Endlich Montag!

Endlich Montag!

Diese zwei Wörter waren einst Revolution für mein Denken und Handeln. Heute möchte ich dir die Möglichkeit geben zu entdecken, was in diesen magischen Wörtern steckt.

1. „Endlich Montag!“ hat nichts mit Arbeit zu tun

Ich freue mich auf jeden Montag. Ich freue mich auf jeden einzelnen Tag, doch die Montage geben den Takt an. Sie teilen das lange Leben und das stetige Ticken der Uhr in kleine Häppchen ein. So wie die Woche für eine überschaubare Menge an Tagen steht, steht auch ein Jahr für eine überschaubare menge an Lebenszeit. Und so wie die Woche eine gute kompakte Zeitmenge zum planen und gestalten ist, so ist ein Jahr symbolisch ein Paket, um nach und nach das ganze leben – in diese Päckchen eingeteilt – zu steuern und zu gestalten. Dieser Weisheit bedienen wir uns im „Create Your Year“ Workshop. Wir schauen uns die Jahre an, dabei geht es jedoch immer um das ganze Leben.

So ist der Montag also immer eine Art Wecker, der eine neue Möglichkeit bietet, sich bewusster mit dem zu beschäftigen, was ich mit der überschaubaren Menge an Tagen anstellen werde. Ich tue das auch im Urlaub, manchmal. :-)

2. „Endlich Montag!“ ist eine Haltung

Ja, mir ging es irgendwann spürbar auf den Keks, dass sich die Welt um mich herum immer auf den Freitag freute. Die Radios fingen schon Mittwochs damit an, dass Bergfest wäre und bald endlich Freitag wäre. Ich habe nicht verstanden, wie man sich und sein Leben dermaßen zum Fenster rauswerfen kann. Wie man permanent fünf Siebtel seiner Lebenszeit „erträgt“ und „über sich ergehen“ lässt.

Zugegeben, nicht jede Arbeit ist so, dass man vor Freude hüpft. Und auch ich habe ab und an Tage, die ich aus dem Kalender streichen möchte.

Und gerade aus dieser Erfahrung behaupte ich: Mit der richtigen Haltung (= Mindset) zu der eigenen Lebenszeit kann jeder von uns sein Leben in eine erfreulichere Bahn lenken. Und das geht unter anderem über die Freude.

Freude ist laut Wikipedia eine emotionale Reaktion auf ein angenehmes Ereignis. Mit der „Endlich Montag!“ Haltung wische ich diesem reaktionellen Ding eins aus. Weil ich mich in den Zustand der Vorfreude versetzen kann. Ich kann ja noch gar nicht wissen, ob dies oder das eintritt und ob ich mich ÜBER etwas freuen werde. Aber ich kann mich AUF etwas freuen, und zwar auf eine ganze Menge von kleinen Dingen.

Ich kann mich darauf freuen,

  • Zeit für mein Hobby einzuplanen
  • Kollegen zu sehen
  • in meinem Projekt weiter zu kommen
  • Kaffee zu trinken
  • etwas für meine Weiterbildung oder Karriere zu tun
  • mein Hörbuch im Auto zu hören
  • jemanden bei der Arbeit zu unterstützen
  • eine Bushaltestelle früher auszusteigen und zu Fuss zu gehen

und und und…

Forscher der University of California in Irvine haben empirisch belegt, dass Vorfreude den Endorphin-Spiegel erhöht und Stressgefühle vermindert. Es geht dabei gar nicht darum, ob das, worauf ich mich gefreut habe, tatsächlich eintritt. In einer experimentellen Studie wurde gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer ein freudiges Ereignis lieber drei Tage verschieben würde, als es sofort zu erleben.

Wenn das nicht ein grandioser Trick unserer genialen biologischen Baukonstruktion ist!

Ich habe es übrigens eine Zeit lang mit „Endlich heute!“ versucht, musste dann aber feststellen, dass es sich inflationär anfühlt und nicht so wirksam ist.

3. „Endlich Montag“ befreit

Wenn du dich aus eigenen Stücken FÜR den Montag, für die Woche, für die Freude an dem, was du tun wirst, entscheidest, dann gibst du deinem Selbstbewusstsein wichtige Signale. „Ich will“ setzt deutlich schneller Energie frei als „ich muss“, und so kann man nicht nur eine Menge Kaffee zum wach werden sparen.

Sich bewusst für das Tun zu entscheiden bedeutet, eigene Identität zu spüren. Eigene Ressourcen im Zugriff zu haben. Auf eigene Bedürfnisse zu achten. All das sind wichtige inneren Prozesse, die wir in der Zeit der äußeren Reizüberflutung zu sehr vernachlässigen.

Burnout kommt nicht von zu viel Arbeit, sondern von zu wenig Freiheit das zu tun, wofür man brennt – und zwar freiwillig und aus eigenen Stücken. Entscheide dich für „Endlich Montag!“ Haltung, und du wirst dich frei fühlen, jede Woche.

Eine Übung für eine gute Woche

Stell dir vor, unser Geisteszustand ließe sich in vier Kategorien einteilen. Dies dient nur der Vereinfachung und der Vorbereitung auf die Übung. Die vier Zustände sehen folgendermaßen aus:

petranovskaja endlich Montag Flow

Die Übersicht basiert auf zwei Annahmen: Wir als Menschen wollen a) wachsen (und fühlen uns dann zufrieden) und b) wollen wir einen Beitrag zu dieser Welt leisten. Sind wir zufrieden und ohne Vision unterwegs, führt es zu einer Verwirrung. Haben wir eine Vision und sind unzufrieden, führt das zu Stress (und diesen Stress kennt fast jeder von uns). Haben wir vom beiden nichts…. naja, auch das kennen manche von uns. Leider. Erstrebenswert ist also einzig und allein der vierte Geisteszustand, der hier – nicht ganz konform zu mit der offiziellen Definition von Mihály Csíkszentmihályi – als Flow bezeichnet wurde. Gemeint ist dabei ein Zustand der spürbaren inneren Motivation, Leistung zu erbringen. Freiwillig. Mit Lust.

Die Übung ist also denkbar einfach (und selbstverständlich ist sie alles andere als simple und banal…).

Schritt 1: Prüfe zuerst, wo du dich momentan befindest.

  • Hast du eine Vision?
  • Weißt du, warum du jeden Morgen aufstehst?
  • Fühlst du dich verbunden mit einem großen Etwas (einem Ziel, einer Aufgabe)?
  • Fühlst du dich zufrieden?
  • Vielleicht sogar glücklich?
  • Weißt du, was du brauchst, um dich zufrieden zu fühlen?

Schritt 2: Gehe zu dem gewünschten Quadranten oder feiere deinen gegenwärtigen Zustand!

Weil das „Gehen zu dem gewünschten Quadranten“ durchaus schwierig sein kann, brauchst du vielleicht Unterstützung. Ein Kompakt-Seminar oder Workshop mit Gleichgesinnten, zum Beispiel das „Create Your Year“ kann eine Idee sein, wie du Energie tanken kannst. Falls du es eher persönlich magst, gibt es in deiner Nähe sicher Menschen, die Coaching anbieten.

Und nun nichts wie los! Werde ein „Endlich Montag!“ Mensch. Werde zum Starter. Zum Planer, Umsetzer und Gestalter. Sehe Möglichkeiten statt Probleme. Betrachte dich selbst als Macher und  in der Lage, alles zu werden, was du werden willst. Fokussiere dich auf die Ziele. Mache platz für Träume. Endlich ist Montag! Endlich eine neue Gelegenheit, dinge in die Hand zu nehmen und etwas Grandioses aus dem eigenen Leben zu machen.

Freudig jauchzend,

petranovskaja Unterschrift signatur

 

Wozu Selbstreflexion in der heutigen Zeit gut ist

Selbstreflexion ist mehr als ein Tool im Coaching oder Selbstmanagement. Es ist ein Weg, deine Macht zu fühlen über das, was in deinem Leben passiert. Ich lade dich herzlich ein, öfter über das, was du tust und was zu dir kommt, zu reflektieren.

Wozu Selbstreflexion in der heutigen Zeit gut ist

1. Die Fülle an Möglichkeiten erfordert von uns permanente Entscheidungen. Privat, beruflich… Jeder Anruf, jede E-Mail verlangt von uns, dass wir uns entscheiden. Regelmäßige Selbstreflexion erleichtert es uns, Entscheidungen zu fällen. Denn wenn wir uns bewusst machen, was uns wichtig ist und was unsere Stärken sind, können wir aus der Fülle von Möglichkeiten schneller und sicherer das Richtige auswählen.

2. Fokus auf positive Dinge verändert die Wahrnehmung
Selbstreflexion ermöglicht es uns, den Fokus bewusst auf positive Dinge zu lenken. Denn der Mensch ist das einzige Lebewesen das seine Aufmerksamkeit steuern kann. Wenn ich weiß, worauf ich meine Aufmerksamkeit lenken möchte, dann landet nur Gutes und Passendes in meinem Wahrnehmungshorizont.

Wie du reflektieren kannst

Manche brauchen einen festen Rahmen für die Selbstreflexion. Ein Tagebuch. Vorgegebene Fragen. Feste Uhrzeiten und ein Heißgetränk.

Manche verlieren vielleicht ab und zu einen kleinen Gedanken daran, was gerade los ist und was es bedeutet.

Mein Lieblingsweg ist genau dazwischen. In der Balance zwischen fester Ordnung und einer Flexibilität, die in der heutigen Zeit so wichtig ist. Reflektiere auf Servietten im Cafe, ween du gerade klare Gedanken machst! Mache Audionotizen, wenn du keinen Stift findest. Führe Tagebücher! Kaufe unseren Jahresbegleiter! Schreibe viel mit der Hand. Mache deine Erlebnisse haptisch, analog, wahrhaftig.

Stell dir Fragen. Schreibe Antworten auf. Notiere, was dir auffällt. Was du magst.

Sei präsent. Sei gewahr. Tue es oft. Geplant und ungeplant.

Akzeptiere, dass dein Einfluss auf das Leben größer ist, als die Zeit, die du dir dafür nimmst.

Für die Reflexion deines Jahres biete ich dir hier eine Liste mit 15 ganz besonderen Fragen.

Über Feedback und Rückmeldungen freue ich mich – dafür gibt es das Kommentar-Feld weiter unten…

Hab einen wundervollen Tag!
Nadja

Download Fragen zur Jahresreflexion
Was alte Photos unserer Großeltern uns lehren (könnten)

Was alte Photos unserer Großeltern uns lehren (könnten)

Vor kurzem habe ich eine Webseite mit vielen Bildern entdeckt. Es wurden alte Fotos der eigenen Großeltern gepostet mit ein paar erklärenden Worten dazu.

Meine Urgroßmutter als erste Frau in Indien am Steuer… Mein Großvater am Tag bevor er in den Krieg zog… Meine Großmutter mit Hemingway… Mein Großvater bringt Einstein das Violine spielen bei…

Ich war gerührt, und habe natürlich automatisch an meine Großeltern gedacht und an die wenigen schwarz-weiß Fotos, die ich aus deren Jugend besitze.

petranovskaja großeltern mut

Das da oben sind nicht meine Großeltern, aber Bilder, die bei mir spontan Begeisterung auslösen. Für den Mut, die besonderen Merkmale, die Eigensinnigkeit und Einmaligkeit der Persönlichkeiten auf den Fotos. Männer und Frauen, lustig, nachdenklich und in einem Moment, an dem man sich dank des Fotos lange erinnert.

Und heute? Wie machen zum Teil Hunderte von Fotos pro Tag. Wir posten sie überall… wir erzählen der Welt permanent, was wir essen und trinken, wie das Wetter aussieht und mit wem wir gerade knutschen. Und? Wer am lautesten schreit, wird vielleicht zwischen all den anderen sogar tatsächlich wahrgenommen.

petranovskaja großeltern mut humor

Meine Großmutter hat mir die analoge Fotografie ans Herz gelegt. Alle paar Wochen hat sie auf einem Holzgitter auf der Badewanne in dem minikleinen Badezimmer ihren Vergrößerer aufgebaut mit den dazu gehörenden Wannen und die Bilder aus der alten Kamera aufs Papier gebracht. Gäbe es diese Badezimmer-Tage nicht, hätte ich kaum Erinnerungen an meine Kindheit – fast alle Bilder hat sie damals von uns gemacht.

Nun stell dir vor, deine Enkel wollen ihren Kindern etwas über dich erzählen und dabei vielleicht auch paar Bilder zeigen. Sollen sie dann wirklich dein Facebook oder Instagram Account aufrufen und all deine Posts anschauen?

  • Was würdest du von dir zeigen, wenn du nur fünf Fotos hinterlassen könntest?
  • Oder sogar nur drei?
  • Welche dieser Bilder sind noch gar nicht entstanden, weil du etwas noch nicht erlebt hast? Was schiebst du vor dir her?
  • Wer bist du wirklich?

Sollte sich die eine oder andere Frage nach Salz in der Wunde anhören, gern geschehen. Ich finde, man kann nicht früh genug damit beginnen, etwas zu tun und zu erleben, was WIRKLICH DEINS IST.

Viel Spaß dabei und liebe Grüße an deine Enkel!

petranovskaja Unterschrift signatur

Frei sein. Rumsein. Sein.

Frei sein. Rumsein. Sein.

Oh, endlich einfach nur schreiben! Ohne Business im Kopf, ohne Grund und ohne Call to action…

Frei sein im Schreiben, diesen Blog einfach lieben dafür, dass es ihn gibt und niemandem gerade jetzt dienen wollen…

Frei sein… scheint banal zu sein, doch ist es das wirklich?

In einem Land, in dem wir wirklich frei sind, wie viel von uns sind frei?

Bin ich frei?

Frei sein

In St. Georg, einem Nachbar-Stadtteil, wird seit zwei Jahren dieser Spruch auf die Straße geschrieben: FREI SEIN. In bunter Kreide, Lebensdauer bis zum nächsten Regen. Ein Aufruf? Eine Botschaft? Eine Erinnerung? Ein Wunsch?

Passanten und Anwohner stutzen kurz, schütteln verwundert den Kopf oder grinsen sich eins. Man ging weiter. Um festzustellen, dass einen diese Nachricht an der nächsten Ecke wieder einholt. Und an vielen anderen. Dass man ihr nicht so einfach auskommt und dass sie, selbst wenn man sie ignorieren möchte, etwas mit einem anstellt.

Völlig unspektakulär, eher nett und harmlos, klopfen die bunten Buchstaben an irgendeine Synapse und stellen erneut ihre Frage. Bist du frei? Fühlst du dich so? Ist sie erstrebenswert für dich? Vermisst du sie? Wie lebst du so? Und fühlt es sich richtig an, wie du lebst? Bist du DU?

Hast du die Freiheit, immer wieder ja zu allem zu sagen? Hast du die Freiheit, ab und an NEIN zu sagen? Bist du frei in deinen Entscheidungen? Fühlst du dich stark – spürst du die breiten Flügel, die dich so weit tragen können, wie du dir das wünschst?

Bist du frei in der Wahl, der Nachrichten, die du empfängst? Kannst du selbst entscheiden, welche Sätze dein Bewusstsein erreichen? Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was die Nachrichten mit uns anstellen, die wir unüberlegt an uns heran lassen… Wie oft wir in unseren eigenen Denk- und Fühl-Prozessen unterbrochen werden… All das negative, destruktive, menschenverachtende, sexistische…

Rumsein

Seit ich Birgit Dierker kenne, ist Rumsein das neue große Glück.

Rumsein ist wie Rumsitzen oder Rumliegen. Nur ohne eine Aktivität dazu. Einfach nur da sein, ohne Auftrag und ohne gewünschtes Ergebnis. Achtsam, aber ohne Diktiergerät und Notizbuch. Man könnte denken, das ist wie Meditieren, doch ist das Meditieren schon wieder zu viel Tun. Eine Aktivität zu viel. Ein aktiv ausgeführtes etwas.

Rumsein ist anders.

Rumsein ist das Flow des Lebens. Nichts tun. Nicht darüber nachdenken. Nichts wollen. Nichts aktiv herbeiführen. Nichts auftanken oder abschütteln. Rumsein. Es ist kein Tun. Es ist ein SEIN.

Sein

„To be or not to be.“ – Shakespeare

Das Thema ist so alt wie wir Menschen denken. Nun, ich denke (so wirklich) erst seit ein paar Dutzend Jahren, und darum sind mir meine Gedanken noch ganz neu und frisch, und weil ich heute frei bin von einer Pflicht oder einem Unterhaltungsanspruch, fasse ich kurz zusammen:

Manche sagen, man ist das, was man tut (To be is to do). Andere denken genau andersrum (To do is to be). Sinatra fast frei zusammen: „Do be do be do“ und lässt mich immer wieder lächeln, so losgelöst.

Wenn das Sein kein Tun ist und dennoch damit verbunden, bin ich dann frei, wenn mein Tun freiwillig, aus freien Stücken und selbst ausgewählt ist? Ist das freie Sein stark an das freie Tun gekoppelt oder gibt es das freie Sein eben ohne das Tun?

Wie gesagt, ein paar Sonntagsgedanken vom grünen Sofa hatten heute einen Anspruch, aufgeschrieben zu werden, jedoch keinerlei Anspruch zu einem Aufruf, Schubs oder Aktion.

Frei,

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