Wie ich mich auf meinen TED Talk vorbereite

Wie ich mich auf meinen TED Talk vorbereite

Wie ich mich auf meinen TED Talk vorbereite? Was ist überhaupt ein TED Talk? Wie kann man mit einer 18-Minuten-Rede die Welt verbessern? Und wann wird es meinen TED Talk geben? Auf manche dieser Fragen findest du hier eine Antwort.

Eine Beichte vorab: ich bin seit mehr als 10 Jahren mit dem Wunsch unterwegs, etwas zu bewegen, und zwar über das öffentliche Sprechen. Das Buch “How to deliver a TED talk” steht seit 2012 in meinem Regal. Mein erstes Speaker-Coaching ist auch ungefähr 10 Jahre alt. Das ist auch schon die erste Antwort: ich bereite mich langsam und geduldig vor.

Dabei bin ich eine sehr ungeduldige Person. Die Tatsache, dass ich es mit meinem TED Talk nicht eilig habe, verrät mir selbst:

  • dass ich noch nicht so weit bin
  • dass ich – wie viele andere Menschen – Angst davor habe, meinen Traum zu verwirklichen

Ich meine es diesmal ernst

Vor 10 Jahren war das vielleicht mehr eine Laune, ein “ich will auch auf einem roten Teppich stehen und Applaus bekommen”. Dieses Mal meine ich das aber ernst. 2022 war ein herausforderndes Jahr, voller ungeplanter Wendungen, und das zwang mich zum kritischen Hinterfragen: was mache ich eigentlich? wie trage ich zur besseren Welt bei? was bleibt, wenn ich gehe?

Die TED Community, die ist nämlich 1984 aus einem tollen Grund gegründet worden: IDEAS WORTH SPREADING. Es geht also darum, Geschichten zu erzählen und einander nachhaltig zu inspirieren. Es geht weder um Marketing noch um Bedeutung, Status oder Gewinner. Es ist eine Community, die sich darum kümmert, Ideen in die Welt zu tragen und Geschichten zu erzählen, die weiter erzählt werden. Denn das ist – trotz Internet – immer noch die Art und Weise, wie wir Menschen uns entwickeln. Wir hören zu, wir fühlen, wir denken nach, wir erkennen etwas oder wollen etwas Neues. Und das möchte ich aktiv unterstützen.

Das ist mein Warum. Ich möchte dazu beitragen, dass wir uns entwickeln. Ich möchte inspirieren, bewegen, aufrütteln und zum Nachdenken anregen. TED Talk ist da natürlich nur eine der zahlreichen Möglichkeiten.

Apropos Möglichkeiten

Mein Nachruf

2021 habe ich in einem Coaching-Retreat meinen eigenen Nachruf geschrieben. Ich fand das beim Verfassen ganz leicht, mich drauf zu fokussieren, was mein Wunsch ist, über mich zu lesen und zu hören, wenn ich nicht mehr da bin. Hier der Text (falls das Foto unleserlich ist)

Aus einer Coaching-Übung, September 2021

Das Ende ist der Anfang von einer anderen Seite. Mutig und neugierig hat sich unsere geliebte Freundin, Mutter, Schwester NADJA PETRANOVSKAJA im Alter von 80 Jahren aufgemacht, die andere Seite zu erkunden.

Sie liebte Sonnenaufgänge, Bücher und Baiser-Torten. Besonders vermissen werden wir ihre unermüdliche Art, in allem auch eine Möglichkeit zu sehen.

Wir wünschen der Nadja eine gute und spannende Reise.

Die Hinterbliebenen

Ja, das mit dem Möglichkeiten sehen ist total mein Ding. Und darum soll es auch in meinem zukünftigen TED Talk gehen.

Wie ich mich vorbereite

Hier kommt meine ultimative und tagesaktuelle Liste (gültig im November 2022 – wer weiß, was noch kommt).

  • Ich erzähle ganz vielen Menschen, dass ich vorhabe, einen TED Talk zu halten. Viele in meinem Bekanntenkreis wissen gar nicht, was das bedeutet oder wofür dieses Format steht. Ich empfehle stets gern ein paar konkrete Sprecher und erwähne, was mein Thema sein wird.
  • Ich habe einen Speaker-Coach. Ja, ein bisschen früh, könnte man sagen. Aber diesmal meine ich das ernst, und ein Speaker-Coaching ist für so vieles mehr nützlich! Auch für die Videokonferenzen oder Geburtstagsansprachen :) Ich habe vor, demnächst einzelne Abschnitte auf Video anzunehmen. Das ist Teil meines Coachings.
  • Ich schaue jeden Tag einen TED Talk. Als Inspiration, als Motivation, als Bildung und … als Alternative zu Netflix.
  • Ich recherchiere. Auch wenn ich mein Thema bereits seit längerem im Kopf habe, lese ich super gern alles, was ich dazu finde.
  • Ich denke über meinen Outfit nach. Zum einen fällt mir auf, wie sehr mich manche Outfits vom Redner ablenken. Zum anderen hat Dr. A. Mehrabian herausgefunden, dass 93% der Kommunikation nonverbal stattfinden. Körpersprache, Stimme sind da genau so bedeutsam wie Körpersprache, und meine Körpersprache korreliert super mit einem passenden Kleid.

Was noch aussteht: mich konkret bewerben, damit die ganze Vorbereitung auch Früchte tragen kann. Damit weißt du eins ganz sicher: es gibt noch kein Datum für den Auftritt auf dem roten Teppich.

Worum es in meinem TED Talk gehen wird

(Wie lange kennen wir uns? Und falls wir uns noch nicht kennen: wann holen wir das nach?)

Ich stehe seit 1997 für “Endlich Montag!” – eine Welt, in der Arbeit Spaß ist, und diese Idee möchte ich mit der Welt teilen. Ich wünsche mir so sehr, dass mehr Menschen gern tun, was sie Arbeit nennen. Ich möchte anstecken mit der Idee, wie sehr unsere Welt eine andere sein kann, wenn wir unsere Beziehung zur Arbeit und unser Verständnis von der Arbeit bewusst gestalten.

Nun weißt du Bescheid. Du hast also volles Recht, mich bei einer Gelegenheit zu fragen, was mein TED Talk macht und wie weit ich bin. Ich wäre dir sogar sehr verbunden, wenn du das tun würdest. Das hilft mir nämlich, dran zu bleiben und nicht aufzugeben.

Wann immer ich mich bei dir für deine Unterstützung revanchieren darf, freue ich mich darauf!

geschrieben an einem Montag mit großer Vorfreude

nadja petranovskaja Unterschrift signatur
15 Toasts zu Soul-mates und Stretch-mates

15 Toasts zu Soul-mates und Stretch-mates

Mein Vater war viermal verheiratet. Seite vierte Frau ist leider vor fünf Jahren gestorben, und er ist darüber immer noch traurig, und daran erkenne ich ganz klar, dass sie sein Soul-mate war. Zusammen waren die beiden definitiv stärker und bunter als die Summe der Einzelteile.

Mit der dritten und der zweiten Frau von meinem Vater ist es etwas anders. Ich glaube, die beiden sind für ihn als Personen eher so etwas wie “Stretch-mate” ein Wort, das ich letztens erst kennengelernt habe.

Ein Stretch-mate ist jemand, der uns zum Wachsen einlädt und zum Verlassen unserer Komfortzone, und als solche ist die Person, die eben dieses Soul-mate darstellt, nicht automatisch angenehm. Vielleicht ist diese Person sogar eher das Gegenteil einer Soul-mate Person?

House of Beautiful Business

Jetzt kommst du vielleicht und fragst, was diese ganzen Geschichten mit mir und dir und der Arbeitswelt zu tun haben… Du hast Recht, lass uns das anschauen.

Es gibt eine Community, die nennt sich “House of Beautiful Business“, und dort geht es um genau das. Eine Welt, in der Business schön ist. Angenehm, menschlich, ästhetisch, herausfordernd und schmeichelnd. Auf keinen Fall ist das Business in der Vorstellung dieser Community dreckig, anstrengend und unmenschlich.

Und diese Community veranstaltet ab und an sehr spannende Formate. Für mich doppelt interessant: durch die berufliche Brille lerne ich etwas für meine eigene Moderation. Privat lerne ich durch emotionale Erfahrungen. Zum Beispiel als Teilnehmerin von dem “15 Toasts” Dinner, welches am vergangenen Freitag stattfand.

Das Format folgt einer Tradition, die 2019 entstanden ist:

Wir luden 15 Teilnehmer eines globalen Gipfels des Weltwirtschaftsforums in Abu Dhabi zu einem intimen Abendessen ohne Konferenzcharakter ein. Wir wollten, dass sich der Abend eher wie eine Hochzeit anfühlt als wie eine Podiumsdiskussion. Wir wollten, dass unsere Gäste bewegt und verbunden sind, wenn sie gehen. Und wir wollten einen Raum schaffen, in dem Führungskräfte, die normalerweise auf der Hut sind, die Möglichkeit haben, einfach gemeinsam das Brot zu brechen und über die Dinge zu sprechen, die ihnen am wichtigsten sind.

Tim Leberecht & Priya Parker, Formaterfinder

Und so saß ich am Tisch mit 14 Leuten, die ich noch nie vorher gesehen habe. An der Garderobe schon sollten wir unsere Nachnamen und unsere beruflichen Rollen/Bezeichnungen zusammen mit der Jacke “abgeben”. An diesem Abend sollten sich ausschließlich Menschen begegnen.

Ein magischer Start!

Toast Nummer 7

Eine besondere Regel an diesem Abend lautet: Tests können jederzeit gesprochen werden, wer jedoch als letzter an der Reihe ist, soll seine Geschichte singen. Das Thema des Abends – “Soul-mate & Stretch-mate” – war so sehr Vorgabe wie die Aufforderung, etwas Persönliches mit der Gruppe zu teilen.

Und so hörte ich bewegende Kurzgeschichten über Großmütter und Nachbarn, Lehrer und Schüler, Seifenblasen und Reflexion, Freundinnen und schwarze Raben.

Ich wollte nicht singen. Schon gar nicht vor einer Gruppe mir unbekannten Menschen. Also habe ich in einer Sprechpause mit meinen Tischnachbarn nervös mit dem Messer gegen das Glas geschlagen und stand auf für den Tost Nummer 7.

Mein Vater war viermal verheiratet, das erzählte ich. Und dass die zweite Frau meines Vaters meine Mutter war. Dass ich selbst fast 20 Jahre verheiratet war, meinen Examen jedoch weder zu der Soul-mate noch zu der Stretch-mate Kategorie ordnen würde. Ich bin ihm für so vieles dankbar, doch ich bin auch ehrlich.

Es waren andere Menschen, die meine Soul-mates waren und ebenfalls andere Menschen, die meine Entwicklung gefördert haben, indem sie unerbittlich ehrlich zu mir waren. Meine Mutter zum Beispiel ist bis heute unerbittlich ehrlich zu mir, und so war sie auch stets zu meinem Vater.

15 Toasts zu Soul-mates und Stretch-mates

Und so bemerkte ich bereits in der Vorbereitung meiner Rede am Vorabend, dass ich keinen Toast auf eine Person aussprechen möchte. Viel mehr wollte ch auf einen Gegenstand anstoßen, der in jedem Haushalt und in jedem Büro vorhanden ist. Ein Gegenstand, das so sehr Geduld aufbringt wie Ungeduld. Dass zwar nichts verlangt, jedoch fordernd ist. Ein Gegenstand, das Trost spenden kann und Hoffnung. Inspiration liefern kann und motivierend in den Tag begleiten.

Und nein, die Rede ist weder vom Kaffee noch vom Whisky.

Ich bin diesem Gegenstand immer wieder aufs Neue dankbar, weil es – ungleich den Menschen in meinem Leben – die Rollen von Soul- und Stretch-mate in sich vereint. Es ist weise, ohne zu sprechen und offen, neugierig zugleich.

Die Rede ist vom weißen Papier.

Wie oft schon saß ich vor genau so einem Blatt und wußte nicht, was ich schreiben soll… Und mindestens genau so oft füllte sich das Blatt mit Tinte, und daraus entstanden innige Beziehungen zu mehreren Aspekten meiner Person. So wie eins meiner Lieblingsbücher sagt “New Work needs inner work”, so wird emir durch dieses 15 Toasts Format klar: wir sind das Abbild unserer Geschichten, und unsere Geschichten sind Abbild von uns.

Darum lasst uns bei der Arbeit mehr Geschichten erzählen. Mit und ohne Überschrift, mit und ohne Singen. Lasst uns teilen, was uns bewegt und lasst uns einander zuhören, bis spät in die Nacht. Lasst uns offen und neugierig sein. Emphatisch und schillernd. Traurig, empört und zufrieden.

Zurück an die Arbeit!

Mein Herz pochte, als ich mich nach meinem Toast setzte. Ich habe die verbleibenden Reden und Toast Ansprachen mit großer Freude genossen, inklusive der zuletzt gesungener Version.

Das Format “15 Toasts” hat gezeigt, wie viel Inspiration und Weisheit wir in uns tragen. Wie sehr Geschichten uns auf der menschlichen Ebene verbinden. Tränen und Lachmomente, Erinnerungen und Fragen. Können wir in der Arbeitswelt so eine Beziehung schaffen, in der unbekannte Menschen sich nach 5 Stunden bereits extrem vertraut fühlen? Ein Abend, der Verbundenheit schafft und einen starken Wunsch, die Tür zur Außenwelt zu schließen und noch eine Weile an diesem Tisch zu verweilen, in der Geborgenheit der echten Konversation… Magisch vom Start bis zum Abschluss.

Und natürlich werde ich das Format in meinem beruflichen Leben ausprobieren. Es ist aus meiner Sicht einfach dingend an der Zeit, starke Gemeinschaften zu bauen, und diese Gemeinschaften haben weniger mit unseren Aufgaben zu tun, mehr mit uns und mit unseren Geschichten.

Und solltest du mal einen Soul-mate oder einen Stretch-mate in deinem Leben brauchen, setze dich mit einem Blatt Papier und einem Schreibgerät an deinen Schreibtisch und starte ein Gespräch mit dir selbst.

Einen guten Genuss wünscht dir

nadja petranovskaja Unterschrift signatur

Photo by Kelly Sikkema on Unsplash


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Darf ein Vorstand Spaß haben?

Darf ein Vorstand Spaß haben?

Wenn wir Spaß bei der Arbeit haben, sind wir neugierig, angstfrei, offen für neue Ideen und Lösungsansätze. Wir sind im Flow und im Rausch, und wir können unbegrenzt, unendlich viel. Wir sehen keine Hürden, sondern Möglichkeiten. Wir jammern nicht, wir spüren Energie und Freude. Das ist in meinem Verständnis die Beschreibung, wie die Arbeit sich anfühlen darf.

Neulich sprach ich mit einem Vorstand. Über die Gegenwart, über die ungewisse und unsichere Zukunft, über seine persönlichen Wünsche. Und die Wünsche, die hatten allesamt etwas mit Spaß und Freude zu tun, während die Gegenwart eher rational und ordentlich sortiert ist. Und da kam die Frage, die ich dem Vorstand gestellt habe:

Darfst du als Vorstand in der Arbeitswelt Spaß haben?

Da waren vor ein paar Wochen viele Diskussionen über die tanzende finnische Ministerpräsidentin. Ich las die Beiträge und Diskussionen und fragte mich (naiv wie ich bin): was ist falsch mit uns? Warum überhaupt diskutieren wir, ob ein Mensch – unbeachtet seiner Position und Rolle – Spaß haben DARF?!

Irgendwas muss komplett verkehrt sein in dieser Welt. Das steht fest. Und das steht für mich schon sehr lange fest. 1997, als ich meine berufliche Karriere begann, waren mir die “Endlich Freitag!” Rufe im Radio genau so fremd und unverständlich. Wieso freut man sich auf das Ende der Woche, in der man doch das tut, warum man die ganzen Strapazen der Schule und der Weiterbildung auf sich genommen hat? Wieso quält man sich Montags zur Arbeit, statt die Arbeit – oder die eigene Haltung zur Arbeit – zu ändern?

Verstanden habe ich bin heute nur eins: Irgendwas ist in der Arbeitswelt gründlich kaputt. Und in unserem Bild von dem, was die Arbeit ist. Und weil ich Dinge, die mir sowohl klar als auch komplex erscheinen, gern simplifiziere, hier zwei meiner Lieblingskreise: Wollen und Müssen.

Bei dem Modell von Wollen (Motivation) und Müssen (Volition) geht es darum, die beiden Bereiche deines Lebens so gut es geht übereinander zu kriegen. Im Coaching reflektiere ich mit den Klienten deren Leben über diese Visualisierung. Wie viel MUSST du gefühlt machen? Wer erwartet was von dir? Wie viel Zeit deines Tages verbringst du ausschließlich mit den Dingen, die DU so haben und tun WILLST?

Wer schaffen will, muss fröhlich sein

Wollen versus Müssen als Kreise dargestellt

Nehmen wir unseren Vorstand. Die Liste der Dinge, die er tun MUSS, ist an einem Tag unendlich lang. Kein Wunder, dass Spaß haben einfach keinen Platz findet in dem Kalender.

Doch können wir das Bild auch andersrum sehen und sagen: was, wenn dieser Vorstand extrem viel Spaß beim Erledigen seiner Termine und Aufgaben hat? Dann wäre die Frage: dürfen das andere wissen und sehen? Oder erscheint das unpassend?

Doch wenn wir die anderen wegdenken, bleibt da noch diese einfache – und auch für dich anwendbare – Möglichkeit. Wann immer du dich selbst “Ich muss …” sagen hörst, ersetze das Wort “muss” durch das Wort “will”.

Ich will die Kinder aus dem Kindergarten abholen. Ich will die Schwiegermutter anrufen. Ich will die Steuerbelege abheften. Ich will in diesen Termin. Ich will noch schnell meine Emails beantworten.

Und jetzt stellt dir ein Unternehmen vor – es kann auch deine Bäckerei um die Ecke sein – in der jeder sagt: “Ich will …” Vier Buchstaben, eine kleine Evolution der Arbeitswelt, die Großes bewirken kann.

Spaß wird folgen. Versprochen.


Willst du mehr solcher Hacks und wissenschaftlich begründeter Wege für dich?

Dann entdecke den 6-Wochen Kurs für dich und lass dich dabei unterstützen, deine innere Stärke zu trainieren, Muskel für Muskel.


Ich will!

Wenn wir Spaß haben, sind wir neugierig, angstfrei, offen für neue Ideen und Lösungsansätze, wir sind im Flow und im Rausch, und wir können dann unbegrenzt, unendlich viel. Wir sehen keine Hürden, sondern Möglichkeiten. Wir jammern nicht, wir spüren Energie und Freude

Das ist in meinem Verständnis die Beschreibung, wie die Arbeit sich anfühlen darf. Jeden Tag. Auch am Montag, aber nicht ausschließlich.

Nicht nur für einen Vorstand. Jeder Mensch darf und sollte Spaß bei der Arbeit haben.

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Warum ich nicht mehr auf Social Media bin

Warum ich nicht mehr auf Social Media bin

Die Stille in mir ist gleichzeitig eine Sehnsucht und ein Graul. Nichts tun müssen, um einen Algorithmus oder meiner Crowd zu gefallen hat einen Preis: ich weiß nicht, ob mich irgendjemand da draußen lieb hat. Keine Sternchen, keine Herzchen, keine virtuellen Komplimente.

Vielleicht nicht endgültig aber vorerst bin ich nicht mehr auf Social Media Kanälen präsent. Twitter ist bereits seit Januar 2022 still, selbst der legendäre “Endlich Montag!” Tweet, mit dem ich seit fast 10 Jahren die Woche gestartet habe. Nun auch Instagram und Linkedin. Facebook war noch nie mein Kanal.

Warum mache ich das? Rationale Gründe wären natürlich so was wie Zeit und Aufwand, aber ganz ehrlich? Darum geht es mir nicht. Es ist vielmehr eine große Sehnsucht nach einer Begegnungsqualität, die ich wie einen Duft in der Luft vernehme, und diese Qualität – so glaube ich zu spüren – braucht neue Wege.

Subbotnik

Ich räume gern auf. Loslassen und Platz machen für Neues waren schon immer meine Stärken. Ich kann auch recht radikal sein und Dinge ausmisten, mich von Dingen trennen. Mein Umzugswagen ist seit je her sehr klein. Ich glaube manchmal, Menschen haben Angst vor dem vielen freien Platz, den sie auf einmal hätten. Was soll man bloß mit einer leeren Garage? Oder mit einem leeren Kalender?

Letzteres ist übriges ein Fun Fact aus vielen Führungskräfte-Trainings. Ich frage oft, was die Teilnehmer tun würden, wenn sie nur 4 Tage arbeiten müssten. Stille. Verlegenes auf die Lippe beißen. Kein Bild im Kopf. Haben wir es tatsächlich verlernt, einfach mal rumzusitzen und aus dem Fenster zu schauen?

Subbotnik ist übrigens etwas, was ich in meiner Kindheit in UdSSR gelernt habe. Man trifft sich an einem Samstag und räumt auf. Die Schule, die Stadt, den Park. In meinem erwachsenen Leben habe ich das für Coachings übersetzt. Wir räumen in unserem Leben auf. In den Kontakten, in den Schränken, in den Träumen. Muss natürlich nicht an einem Samstag stattfinden, aber Rituale sind sehr hilfreich.

Dolce Far Niente

Ich kann das gut, das süße Nichtstun. Ich könnte ganze Wochenendkurse darin geben. Die aufsteigende Lautstärke der inneren Stimmen aushalten, weil das Außen plötzlich still ist – das ist die wahre Arbeit an sich. Keine Coaching-Aufgaben, keine fancy Übungsblätter zum Ausfüllen. Nur die Zeit, die Stille und du selbst. Wer das beherrscht, der wird auch nie ein Konflikt in irgendeiner Beziehung haben. Aufgeräumtes inneres Zuhause.

Und genau das verhindern Social Media Kanäle. Weil deren Aufgabe klar ist: dich möglichst lange dort behalten. Keins dieser Produkte ist darauf ausgelegt, dass du in 10 Minuten alles “erledigst”. Du sollst nicht dein Netzwerk Pflegen, dich informieren und weiterbilden, Spaß haben und andere influenzier können in 10 Minuten. Nein, dein “Nichtstun” soll dort drin stattfinden, es ist quasi die Vorstufe zum Metaverse.

Der Preis der Stille

Die Stille in mir ist gleichzeitig eine Sehnsucht und ein Graul. Nichts tun müssen, um einen Algorithmus oder meiner Crowd zu gefallen hat einen Preis: ich weiß nicht, ob mich irgendjemand da draußen lieb hat. Keine Sternchen, keine Herzchen, keine virtuellen Komplimente.

Wer bin ich, wenn ich nicht auf Social Media bin? Bin ich überhaupt? Brauche ich diesen Resonanzraum, um mich selbst zu sehen, zu hören, zu spüren? Wie sozial ist das Ganze überhaupt mit den permanent angepassten Algorithmen, die genau vorschreiben, was man tun soll, um gesehen zu werden. Schlimmer als jeder Schulhof!

Seit ich meinen Abschied auf Linkedin laut und auf Insta leise vollzogen habe, sind wunderbare Dinge passiert. Türen zu schließen hat sich in meinem Leben schon immer gelohnt, und der heutige Schritt – welcher mir weiß Gott nicht leicht fiel – wird nicht das letzte Aufräumen dieses Jahr bleiben.

2013 grüßt 2022

2013 schrieb ich diesen Blog ganz anders. Sehr blumig, selbst für mich selbst schwer zu verstehen und dennoch recht klar. Hier ein Zitat aus einem dieser bemerkenswert merkwürdiger Texte:

nochmal von vorn, nochmal zum ersten Mal etwas tun und dabei ein Herzklopfen haben, das in Australien hörbar sein wird.

Doch ich bin furchtlos. furchtlos und aufgeregt. ein Gefühl des Fliegens ohne zu wissen wie man landet. eine Gewissheit, dass es richtig ist.

Nadja, 2013

Die letzten drei Sätze sind so was non Nadja, dass ich mich vor mir selbst verneigen könnte. Wenn das denn ginge… Was ich stattdessen tun werde? Ich nehme mir vor, wieder so zu schreiben wie ganz am Anfang in diesem Blog. Furchtlos. Ohne Rücksicht auf SEO und wie die ganzen digitalen “du-musst” Dinge heißen.

Nichts macht aktuell so viel Spaß, als ich selbst zu sein. Aufgeräumt, klar, fröhlich. Es sind verwirrende Zeiten. Wenn ich dir dabei helfen kann, deine Klarheit zu finden, immer gern!

petranovskaja Unterschrift signatur

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30 Jahre Deutschland

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30 Jahre Deutschland 🎉 
Anfang August 1992 brachte mich eine Aeroflot Maschine meinem Jugendtraum näher.

Als ich 14 oder 15 war, habe ich mir in den Kopf gesetzt, dass ich Psychologie in der Sprache Freuds studieren möchte. Dabei lebte ich damals in der Sowjetunion, also hinter dem eisernen Vorhang. Die Möglichkeit, ins Ausland zu kommen, um dort zu studieren, war also nicht einfach nur null, sie war minus 1000 oder sowas.

Was mich aber überhaupt nicht gestört hat… Denn: ich hatte einen Wunsch, einen hell leuchtenden Nordstern. Mir war klar, was ich will. Und so ergab sich eines Tages, da war ich 16, dass sich nach und nach alle möglichen Grenzen und Hürden aufgelöst haben. Natürlich nicht von selbst! 

If you can dream it, you can do it!

Walt Disney

Jedem Menschen in meinem Umfeld habe ich von meinem Wunsch erzählt, und so konnte mein Umfeld mich unterstützen. Von meinem Taschengeld kaufte ich mir keine Klamotten, sondern Briefmarken, um meine Bewerbungen an Universitäten zu schicken. Meine Freizeit verbrachte ich damit, in der Schlange zum Konsulat zu stehen, um ein Studentenvisum zu beantragen. Die Gewissheit, dass es klappen wird, hatte die ganze Zeit nur eine sehr geringe Chance, Wirklichkeit zu werden. Ich habe weiterhin fleißig Deutsch gelernt, und dennoch war mein Studium sprachlich gesehen extrem schwer für mich, denn ich habe in den ersten Semestern sehr wenig verstanden und musste jede einzelne Vorlesung zweimal wiederholen. 

Heute bin ich glücklich, dass ich so klar war mit dem, was ich will. Ich habe es geschafft! „Ich“ steht ganz vorne, denn egal, wer mir geholfen hat, das konnten all die Menschen in meinem Umfeld nur deswegen tun, weil ich meinen Wunsch immer und immer wieder sehr klar ausgesprochen habe.

30 Jahre Deutschland

Natürlich müsste ich von den 30 Jahren all die vielen Wochen und Monate abziehen, die ich im Ausland gewesen bin. Projekte, Abenteuerreisen, Urlaube und Familienbesuch. Meine Familie lebt auf fünf Ländern verteilt. In Deutschland bin ich ganz allein, und niemand aus meiner Familie konnte damals zu Meier Hochzeit kommen.

Deutschland war immer fair und gerecht zu mir. Hielt ich mich an die regeln, gab es nichts zu bemängeln. Ich durfte hier studieren, mit Freunden feiern, Haus bauen und Kinder groß ziehen. Ich darf wählen und mich über die Höhe der Krankenkassenbeiträge beschweren, als wäre ich schon immer ein Bürger dieses Landes.

Community Builder, inspirierende Persönlichkeit, TV Star. Für viele das Ende der Fahnenstange, aber für Nadja irgendwie -gefühlt- erst der Anfang.

(LinkedIn Kommentar)

Das heutige Ende dieser 30-jährigen Geschichte fühlt sich immer noch genau so aufregend wie der Anfang davon. Jeder einzelne Tag, jede Episode, jedes Projekt und jede Geschichte, die ich hier erleben durfte, freuen mich. Und ich bin unverändert neugierig auf das, was noch kommt.

So gesehen trinke ich jetzt einen fröhlichen Tee und freue mich auf morgen. Vielleicht ist das der Teil, in dem du und ich etwas gemeinsam gestalten?

Danke für das Zuhören!

petranovskaja Unterschrift signatur
Fünf Minuten für dein sorgenfreies Leben

Fünf Minuten für dein sorgenfreies Leben

Hast du fünf Minuten? Hier kommt eine Inspiration für dein sorgenfreies Leben!

Ich mache ja neuerdings sehr viel auf Instagram. Ursprünglich war das “noch so eine App, die ich ausprobieren will”, dann habe ich viel mit den Bilderfiltern experimentiert, dann waren plötzlich meine Kinder mit auf der Platform und haben sich über mich und meine Posts amüsiert. Dann wurde mir das Ganze lästig und ich habe die App vom Telefon gelöscht.

Jetzt bin ich wieder da, inzwischen gehört Instagram zu Metadingens, also Facebook. Es ist bunter und schneller geworden, viele Bilder so dermaßen gefiltert, dass ich regelmäßig denke, wie lange wir unsere (im Vergleich dazu sehr graue) Realität noch ertragen können. Und dann entdeckte ich die nützliche Seite.

Ich habe mir in 2022 vorgenommen, so oft wie möglich gesund zu sein, um einen Handstand zu üben. Und auf Instagram gibt es dazu mega viele hilfreiche Tutorials – mit Video und auch mit genauen Anleitungen, wie gerade der Rücken sein soll und was zuerst bewegen… Für mich ein Schlaraffenland, denn ich lerne sehr stark über visuelle Reize.

Fünf Minuten täglich

Meine Yoga-Lehrerin, die mir vor vielen Jahren geholfen hat, Kopfstand zu lernen, hat stets gesagt: lieber 5 Minuten Yoga jeden Tag als lange nix tun und dann zwei Stunden am Stück. Mit meinem bewegten Lebensstil habe ich ihre Worte sehr dick hinter die Ohren geschrieben. Und ziehe das seit über 10 Jahren durch.

Was ich vor kurzem dazu gelernt habe: es gibt den sogenannten Zinseszins auch bei sportlichen und geistigen Aktivitäten. Sprich, die fünf Minuten täglich addieren sich nicht nur über die Woche, nein, da kommt immer noch ein bisschen was dazu. Zinseszins eben. Je länger ich also am Stück jeden Tag ein bisschen trainiere, desto mehr bringt es mir. Darum gelten die zwei Stunden am Stück einmal im Monat weniger als viele kleine Einheiten.

Kleine Schritte, große Wirkung

Wir wissen alle: die meisten Ergebnisse im Leben erreichen wir nicht über Nacht. Ausnahmen sind natürlich so was wie Lottogewinn. Aber alles andere, das erarbeiten wir uns jeden Tag. Und natürlich ist das anstrengend und teilweise langweilig. Hinzu kommt – darum geben so viele unterwegs auf – dass wir bis zum Erreichen des Ziels wenig in der Hand halten. Solange wir die Summe X nicht auf dem Konto haben, haben wir nix erreicht. Sind wir immer noch nicht der CEO, haben wir nix. Die Liste ist beliebig erweiterbar und soll sagen: die meisten unserer Lebensziele machen uns mehr Sorgenfalten als Freude, darum verfolgen wir sie auch nicht wirklich (was wiederum gesund ist).

Darum hier ein Alternativ-Vorschlag für dich: nimm dir etwas vor, das dir JEDEN TAG im Hier-Und-Jetzt Freude macht. Natürlich kann es etwas sehr Kleines sein. Idealerweise ist es etwas Erlebbares – essen, trinken, bewegen, hören, spüren… Meine liebe Freundin Nadja, die eine Genuss-Trainerin ist, würde sagen, dieses kleines Etwas darf dann jeden Tag genossen werden.

Der Trick an der Sache

Der Trick an der Sache mit den fünf Minuten und kleinen Dingen ist, wie du vielleicht vermutest, der Zinseszins. Zahlen wir jeden Tag etwas auf unser eigenes Konto ein, wird es nicht nur mehr, es vermehrt sich auch wie Hefe durch den – letztes Mal – Zinseszins.

Ich habe das aktuell sehr populäres Buch mit 1% auf der Titelseite noch nicht gelesen, aber ich vermute, des wird so etwas ähnliches empfehlen: kleine Veränderungen, die dafür aber regelmäßig und für eine längere Zeit.

  • Machbar?
    Natürlich!
  • Macht es Spaß?
    Wenn ich will, ja!
  • Sollte das Leben Spaß machen?
    Auf jeden!

In diesem Sinne, finde etwas, was du heute schon in fünf Minuten für dich tun kannst. Tue es, tue es immer wieder!

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Wie lerne ich neue Leute kennen? (Hummer-Hammer Kleid Geschichte)

Wie lerne ich neue Leute kennen? (Hummer-Hammer Kleid Geschichte)

Immer wieder frage ich mich, wie ich in meinem Leben neue Leute kennenlernen kann… Meine eigene Lieblingsantwort darauf: Wir sollten öfter vor die Tür gehen!

Ich denke, die üblichen Ideen für das Kennenlernen wie

  1. Gruppenreisen
  2. Meetups/Events
  3. In Cafés abhängen

durften in den letzten Jahren wegen Corona wenig nützlich gewesen sein. Da wir das aber nun dürfen, ist mein Super-Duper-Rat an dich:

Neue Leute kennenlernen, Teil eins

Geh’ vor die Tür!

Als Inspiration erzähle ich dir, wie das Bild zu diesem Beitrag entstanden ist. An der Kamera war nämlich ein Mann, den ich erst 45 Minuten vorher kennengelernt habe. Und ja, seine Frau stand daneben. Und ja, das Leben schreibt die besten Geschichten!

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Hummer-Hammer-Kleid-Bild!

Dieses Foto ist nämlich bei einer ungeplanten Raucherpause entstanden. Oh nein, ich rauche nicht, aber Antje und Ralph, die ich am Bahnhof kennengelernt habe, während wir paar Stunden auf unseren Zug gewartet haben. Die beiden sind mir aufgefallen, weil wir zusammen in einen Zug gestiegen sind und gleich paar Minuten später wieder zusammen aus diesem Zug ausgestiegen sind. Es war nämlich gar nicht unser Zug.

Unser Zug hatte Verspätung. Als wir in den “fremden” Zug stiegen, wollten wir zumindest in Bewegung sein in Richtung Süden, doch dann kam eine Durchsage, die eine baldige Ankunft unserer Zuges versprach. Und – naiv wie wir sind – sind wir ausgestiegen und haben auf dem Gleis gewartet. Bis nichts passierte. Der eine Zug fuhr weg, der andere kam nicht. Unser Zug ist schließlich gänzlich von der Anzeige verschwunden. Und der Mann an der Bahn-Information (Herr Sauer, ein sensationell witziger Typ!) gab und Gutscheine für Kaffee. So nahmen wir Kaffee und gingen … rauchen.

Der Hummer auf meiner Schulter ist eine Prop-Leihgabe von dem Nanu-Nana Laden, ganz in der Nähe des sonnigen Plätzchens, das wir zum Rauchen gewählt haben. Wir tranken Kaffe und sprachen über Reisen – wie das Menschen tun, die sich eben kennengelernt haben und noch unsicher sind. Als die beiden sich einen zweiten Zigarillo angezündet haben, bin ich zurück in den Bahnhof gegangen, Wasser holen. Zusammen wollten wir nämlich eine ganze Dreiviertel Stunde später einen Ersatz-Zug Richtung Zürich nehmen.

Ich laufe also zurück in das Bahnhofsgebäude und was sehe ich am Gleis? Unseren Zug! Also den, der bis vor 10 Minuten noch gestrichen war. Ich gehe hin, um zu fragen, wann der losfahren wird, Anzeigen sind alle ausgefallen …

Am ersten Wagen angekommen, macht die ICE Tür das berühmte Piep-Geräusch: gleich geht sie zu. Ich entschied mich für das Einsteigen. In schnellen Entscheidungen bin ich nämlich sehr gut. Antje und Ralph stehen immer noch in der Sonne und rauchen…

Neue Leute kennenlernen, Teil zwei

Die Geschichte ist hier aber noch nicht am Ende. Denn in Hannover setzen sich plötzlich zwei bekannte Gesichter neben mich in den Wagen 11 hin – Antje und Ralph! Wegen der ganzen Verspätungen gelten nämlich sämtliche Sitzreservierungen nicht. Darüber hinaus habe ich – durch das Fotoshootings in Hamburg ermutigt – eine weitere Person im Zug kennengelernt. Marc ist Berufssoldat und fährt ebenfalls Richtung Mannheim, und auch Marc will heute noch ankommen. Wie schnell die Deutsche Bahn durch Probleme in der Lage ist, uns Menschen miteinander zu verbinden!

Zurück zu Antje und Ralph. Während mein Zug paar Mal anhalten und auf etwas warten musste, sind die beiden mit einem anderen Zug vorgefahren und stiegen um – und ausgerechnet in den gleichen Wagen! Ich könnt euch nicht vorstellen, wie groß die Wiedersehen-Freude war! Mit mehreren weiteren Abenteuern und vielen anderen lachenden Fahrgästen kamen wir mit 4 Stunden Verspätung und einer unvergesslichen Geschichte im Süden an. 

Du siehst: Menschen kennenlernen ist gar nicht so schwer. Wir sollten öfter vor die Tür! Und jetzt dürfen wir das. Vielleicht ist auch das neue 9-Euro Ticket eine gute Gelegenheit, in einen Zug zu steigen ;-)

Hummer-Hammer-Kleid

Ist die Bildüberschrift, die Ralph seinem Nadja-Portrait gegen hat, und ich freue mich sehr darüber! Neue Leute kennenlernen geht mit Freude und Leichtigkeit, das merke ich mir für meine nächste Reise.

Raus aus der Ohnmacht!

Raus aus der Ohnmacht!

Disclaimer: Dieser Artikel ist am 27.2.2022 in einem emotional aufgewühlten Zustand der Ohnmacht geschrieben worden. Alter Verwalter, was für eine Zeit! Meine Emotionen sind gerade wie ein kaputter Reaktor von einem Atomkraftwerk, ich muss runterfahren und kühlen. Als wären zwei Jahre Corona nicht genug, haben wir jetzt eine unfassbar schwierige politische Situation direkt vor der Haustür. Und ich, halb Ukrainerin, halb Russin, fragt mich mal …

Für das Abkühlen meines eigenen Atomkraftwerks habe ich übrigens eine Atemübung, die ich gerne nutze: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden den Atem anhalten, 8 Sekunden aussagen, schön langsam und das mindestens 5 Mal wiederholen.

UNFASSBAR

Ich liebe ja die deutsche Sprache für die unglaubliche Kraft des Ausdrucks, die in ihr steckt. Wenn etwas “unfassbar” ist, dann wissen wir im wahrsten Sinne des Wortes nicht, wo rechts und links ist und wo der Rahmen ist für die Situation.

un-fass-bar

Dass uns diese “unfassbare” Situation emotional fertig macht, ist leicht verständlich. Wenn wir etwas nicht fassen, nicht verstehen können, läutet Alarm in unseren Köpfen und wir können weder schlafen noch geradeaus denken. Wir haben Angst und machen uns Sorgen.

Doch wäre ich nicht Nadja, wenn ich nicht – sofort nach dem ersten Schock und der Ohnmacht – mich fragen würde:

  • was KÖNNEN wir tun?
  • was können WIR tun?
Raus aus der Ohnmacht

Du kennst vielleicht den sogenannten Circle of Ifluence von Steven Covey. Das Modell benutze ich im Coaching, denn auch dort geht es darum, Handlkungsalternativen zu erhalten und etwas tun zu KÖNNEN. Die Visualisierung sagt: der äußere Bereich soll möglichst klein sein, der innere Bereich soll vergrößert werden.

Steven sagt nämlich, es ist ungesund, sich in dem Bereich des Kreises zu suhlen, wo die Ereignisse sind, auf die wir keinen Einfluss haben – weil wir uns da ohnmächtig (deutsch = ohne Macht!) fühlen. Wetter, Fussball, Lottozahlen und so. Können wir die Fakten verändern, die uns gerade emotional beschäftigen? NEIN. Aber was KÖNNEN wir verändern? Unser Denken und unser Verhalten!

  • Wir können entschleunigen, verlangsamen, achtsamer werden. Haltet an und hört euch selbst zu!
  • Die Menge der Fakten, die wir uns reinziehen, reduzieren (Bitte schaut nicht so viel Nachrichten! Die Mischung aus Sensation und Propaganda tut unserer Seele nach 2 Jahren Corona überhaupt nicht gut).
  • Die Quelle der Fakten weise wählen (Wie immer ist es wichtig alle Seiten zu sehen, was einem von den Medien aber schwer gemacht wird).
  • Das, was wir mit diesen Fakten anstellen, bewusst entscheiden (es ist so wichtig wie nie zuvor, positive Energien ins Feld zu geben und für unseren inneren Frieden zu sorgen).

Das Letzte ist folgendermaßen gemeint: wir können tratschen und und die Mäuler zerreißen darüber, wer schuld ist und wie schlimm das ist. Wir können aber auch uns darüber unterhalten, wie uns das emotional bewegt und welche Gedanken wir haben. Wir können uns einander öffnen und für einander da sein. Wir können einander viel besser kennenlernen. Und was auch nicht schadet, ist etwas Wissen aufzubauen zu der Thematik Ukraine-Russland und deren Geschichte. Der Konflikt, dessen Zeugen wir gerade sind, ist nämlich Jahrhunderte alt und hat wenig mit Putin als Person zu tun.

Raus aus der Ohnmacht

Was KÖNNEN wir tun?

Atmen und auf unseren inneren Frieden Acht geben. Aktiv werden. Uns mit unseren Kollegen zu unseren Gedanken und Emotionen austauschen – menschlich sein und sowohl über die Ohnmacht als auch über die Verunsicherung und die Verwirrung sprechen. Manche werden sicher etwas stiller sein, jeder ist auf seine Art in das Thema involviert.

Wir können auch etwas für den Frieden tun. Für den Frieden in uns

  • wem möchte ich vergeben?
  • was möchte ich loslassen?

Für den Frieden in unseren Familien 

  • mit wem habe ich lange nicht mehr herzlich gesprochen?
  • wer könnte meinen Zuspruch und meine Zeit brauchen?
  • wer braucht vielleicht einfach nur eine Umarmung?

Für den Frieden bei der Arbeit

  • wen könnte ich unterstützen? 
  • welcher Konflikt braucht eine Auflösung?
  • zu wem sollte ich eventuell sanfter sein?
Madlen und Nadja in der Neuen Denkerei - Raus aus der Ohnmacht mit New Work

Was hat das mit New Work zu tun?

Oh, eine ganze Menge. 

a) Humanisierung: Zuerst wäre da zum Beispiel das Thema Psychologische Sicherheit (aka magische New Work Praktik 9 3/4) und die Option, als ganzer Mensch zur Arbeit zu gehen statt sich jeden Morgen eine Maske aufzusetzen und für ein paar Stunden jemanden darzustellen.

b) Agilität: Dann wäre dann noch das Eingehen auf und das Einschließen der aktuellen Geschehnisse in das Arbeitsleben. Aus den diversen Reaktionen und Emotionen der einzelnen Teammitglieder lernen.

c) Miteinander: Das Zauberwort des Jahres 2022! In der Frage “Was können WIR tun?” hat das WIR eine große Bedeutung, denn in der Gemeinschaft ist die Summe größer als die Einzelteile. Die Sehnsucht nach dem WIR-Gefühl, ob hybrid oder voll physisch, wird uns ein großer Antreiber bleiben.

Der Satz aus Star Wars “Möge die Macht mit dir sein” hieß in den ersten Drehbuch-Fassungen eigentlich “Möge die Macht der anderen mit dir sein“.

d) Selbstbestimmung: Es ist jedem selbst überlassen, wie er mit den Herausforderungen der aktuellen Lage umgeht. Nicht anders sollte es in einem Unternehmen sein! Im Rahmen des Sinnvollen und des Möglichen selbst entscheiden und die Verantwortung übernehmenfühlt sich zum Greifen nah an.

Was WOLLEN wir nun tun? (Wir wollen raus aus der Ohnmacht!)

Die berühmte “So what?” Frage… Oder: gut, dass wir darüber gesprochen haben… Es passiert ja nicht von selbst. Und wie wir gerade vielerorts erleben, sind wir emotional in einem recht dünnen Kostüm unterwegs (danke an Dr. Ivanina Reitenbach für dieses Bild!) und brauchen BEGLEITUNG. 

Auch hier tut jeder, was er/sie kann. Als Psychologin habe ich in den letzten Tagen an mehreren Panel-Diskussionen teilgenommen, auch auf anderen Kanälen wurden Psychologen zu Rat gezogen. “Runterfahren und kühlen” war mein eigenes Bild, wie ich mit meinem emotionalen Knoten umgehen soll, das wurde auch von meinen Kollegen ähnlich beschrieben. 

Und wenn wir uns wieder einigermaßen gefasst haben (was für ein schönes deutsches Wort mal wieder!), dann werden wir sicher weiter leben und planen. Und je öfter wir diese Selbstregulation ausgeführt haben, desto besser beherrschen wir sie. 

Wenn du selbst mit deinem inneren Frieden und der Selbstregulation weiter bist, kannst du anderen helfen – analog zu dem Bild mit den Sauerstoffmasken im Flugzeug.

Madlen und Nadja in der Neuen Denkerei - Raus aus der Ohnmacht mit New Work

Wir können noch viel mehr! (Wir können raus aus der Ohnmacht!)

Ja, jetzt kommt so etwas wie Werbung. Nachdem ich am Tag, wo alles anfing, mir zwei Lagen Wimperntusche im Zug nach Kassel weg-geweint habe, habe ich dort die Neue Denkerei besucht und eine Ramen Suppe mit Steffi und Madlen gegessen. Entschleunigt, abgekühlt, zu mir gekommen.

Wir – Nicole, Madlen, Steffi und ich – wollen unbedingt eine ganz nützliche, sinnvolle und außergewöhnlich menschliche Veranstaltung dort machen.

Alle Infos gibt es hier. Es wäre toll, wenn du Menschen in deinem Umfeld darauf aufmerksam machst, denn aus unserer Sicht braucht es in Zukunft noch mehr Begleiter und Unterstützer, und die Zukunft von New Work ist ohne New Work Coaches nicht denkbar.

Bob der Baumeister würde jetzt fragen: Können wir das tun?

Und die lustigen Teamkollegen von ihm würden antworten:

Ja, das können wir!

In diesem Sinne, hab eine gute Woche!

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Mehr Emotionales aus dem Online-Tagebuch

Grüß Gott! – über Rituale in 2022

Grüß Gott! – über Rituale in 2022

Grüß Gott! sage ich, und neben mir kichert es. Ich bin in Bayern, auf ein verlängertes Wochenende, zusammen mit M. und N., beides meine Kolleginnen (und das bedeutet für uns Selbständige: wir verstehen einander gut!)

Nach vielen Monaten Verwirrung, Lockdown, virtuellen Meetings und Unsicherheit tut ein Wochenende im Schnee und weitab der sonstigen Routinen mehr als gut. Wir schlafen wenig, reden viel und gehen zwischen kleinen Dörfern, die keiner kennt, spazieren. Grüß Gott! sage ich dann immer, wenn ich den Jesus sehe, und das kommt oft vor. Ich will nicht despektierlich erscheinen, ich bin von diesem Kulturaspekt sehr angetan.

petranovskaja gruess gott
petranovskaja gruess gott

Später sinnieren M., N. und ich zu dritt darüber, was die Welt wohl in 2022 am meisten braucht. Die Arbeitswelt ist dabei insbesondere im Fokus, weil wir dort unsere Kunden haben und ihnen eine gute Unterstützung sein wollen. Wir arbeiten mit Lego, das ist eine gute Brücke für die beiden Gehirnhälften. Die Hände suchen Formen, die Augen suchen Farben und Bilder, die Lippen sind für Wörter zuständig, und ab und zu wird mein Atem schneller, weil ich das Gefühl habe, etwas Wichtigem ganz nah zu sein.

Hund, Katze, Maus… ähm, Kaninchen!

petranovskaja gruess gott lego
petranovskaja gruess gott lego

Eine erste Erkenntnis gewinnen wir über die Bilder von Hund, Katze und … nein, nicht Maus, Kaninchen. In dem (für manche bereits leidigen) Thema, von wo nun demnächst gearbeitet wird (zuhause oder im Büro), steht der Hund für all die Mitarbeiter, die sich mit allen im vertrauten Office treffen möchten. „Hunde“ wollen ihre ganze Sippe beisammen haben und sich über die Vollständigkeit des Rudels freuen.

Die „Katzen“, die brauchen kein Rudel. Sie lehnen das Büro nicht grundsätzlich ab, haben jedoch die Vorteile des remote Arbeitsplatzes für sich kennengelernt und würden auch in Zukunft gern in ihrem eigenen Tempo in den eigenen Wänden für das Bruttosozialprodukt kämpfen. Die Begeisterung der „Hunde“ finden die „Katzen“ anstrengend.

petranovskaja gruess gott lego

Und dann wären da noch die Kaninchen. Das ist so ein Typ Mitarbeiter / Mensch, der beides Braucht: Schutz und Ruhe. Unsicherheit, was nun besser sei, ist oft an der Tagesordnung. Die Kaninchen verstehen sowohl die Katzen als auch die Hunde und können jedoch weder vermitteln noch eine klare Entscheidung treffen. Manchen Kaninchen kann man es auch mit nichts recht machen: weder mit einer klaren Vorgabe, wann und wo gearbeitet wird, noch mit einer Freiheit für die Selbstentscheidung.

Wie, wann und wo arbeiten wir in 2022?

Wir glauben, viele Unternehmen werden in diesem Jahr in solchen Diskussionen und Situationen sehr viel Reibungsverlust haben.
Wir wollen sie dabei begleiten, es zu verhindern. Zum Glück war noch mehr Lego da, also haben wir weiter mit den Händen gedacht und uns gefragt, was unsere Lösung für diese Situation wäre.

Bestimmt war uns meine Begeisterung für die bayerischen Traditionen und „Grüß Gott“ eine große Inspiration. Nachdem wir kurz über das Bedürfnis nach gemeinsamen oder geteilten Werten gesprochen haben, kam der Begriff „Ritual“ ins Spiel. Auf unserem Lego-Brett war das ein Maibaum. Folgende Merkmale der Maibaum-Tradition waren für uns relevant:

  • gebunden an ein festes Datum
  • kann in jedem Ort aufgestellt werden
  • auf dem Maibaum werden die Gilden (die Stärken/Qualitäten) des Ortes sichtbar gemacht
  • es gibt die (spielerische) Variante des Rituals – mit Maibaum entführen
  • zu der Tradition des Aufstellen gehört das obligatorische Essen, Trinken und Tanzen dazu – alle kommen zusammen und sind ansonsten einfach nur da

Übersetzt für Hunde, Katzen und Kaninchen dieser Arbeitswelt könnte eine neue Tradition, ein neues gemeinsames Ritual geschaffen werden, welches die verschiedenen Qualitäten (oder auch verschiedene Bedürfnisse/Werte) der Gruppe sichtbar macht. Natürlich hatten wir als Moderatorinnen und Trainer sofort zig Ideen für die konkrete Ausgestaltung der Formate dazu. Das Jahr 2022 kann nun so oder so sein, wir haben unseren Fokus gefunden.

petranovskaja gruess gott
petranovskaja gruess gott

Exkurs: über Rituale

Rituale gibt es sowohl im familiären Umfeld, persönlichen Tagesablauf als auch im Arbeitsleben. Ein Ritual ist ein nach (oft unbewusst gewordenen) vorgegebenen Regeln ablaufende Handlung mit hohem Symbolgehalt und sozial bedeutsamen Wiederholungen, die uns

  • Orientierung gibt (Gebet, Gericht, Betriebsversammlung etc.)
  • Zeitläufe strukturiert (Geburtstag, Feiertag)
  • Komplexität reduziert (z.B. Entscheidungsvorschriften)
  • Zugehörigkeit bestärkt (z.B. Führungskräftemeetings)
  • Negative Emotionen abfedert (z.B. Verabschiedungen)

In Organisationen entstanden Rituale früher häufig unkontrolliert, z.B. in der Kaffeeküche, bei regelmäßigen morgendlichen Flurgesprächen oder beim gemeinsamen Lunchverabredungen – durch Begegnungen und Wiederholungen. In der Corona-Zeit konnten viele Rituale (wie zB gemeinsames Frühstück) nicht ausgelebt werden. Gleichzeitig entstanden neue Rituale. Nun geht es darum, in der jetzt bewusst zu gestaltender neuen Zeit auch das Thema Rituale neu anzuschauen und zu fördern, damit das Wir-Gefühl trotz aller zeitlichen und räumlichen Grenzen bestehen bleibt oder sogar gestärkt wird.

Zu diesem Thema werden Nicole Anzinger und ich in 2022 ein New Work Workshop anbieten ;-)

Moin Digga!

Zurück in Hamburg habe ich – mal wieder – festgestellt, wie wichtig es mir ist, unterwegs zu sein und Neues zu sehen. In einer Umgebung, die meine Synapsen kitzelt – und sei es vorerst nur über Jesus im Wald – kommt automatisch neues Sehen dabei zustande. Ich erkenne andere Zusammenhänge und kann daraus viel mehr Möglichkeiten ableiten als vorher.

Außerdem ist der Erholungseffekt eines Wochenendes immer noch sehr unterschätzt. Aus 2-3 Nächten woanders entsteht stets das Gefühl, eine Ewigkeit unterwegs zu sein. Die sechsstündige Zugfahrt von München nach Hamburg hat dieses Gefühl nur noch bestärkt.

Ich vermisse den Schnee und den Gott am Waldweg. Die Hamburger haben dazu ihren eigenen Humor:

Ein Hamburger sitzt mit seiner Astra-Pulle an den Landungsbrücken, schaut auf die Schiffe und den Hafen. Als die Sonne langsam hinter den Kränen verschwindet, setzt sich Gott neben ihn und tut es ihm gleich. Nach einigen Minuten nimmt der Hamburger all’ seinen Mut zusammen und fragt ehrfürchtig: „Mien Gott, watt moogst Du denn bi uns in Hamburch?“ Gott antwortet: „Home-Office, Digga, Home-Office…“

In diesem Sinne: ich gehe arbeiten. Auch wenn ich mein Home office langsam sehr gern gegen andere Räume eintauschen will, um mit Menschen zusammen zu kommen… Die Sehnsucht ist groß, und ich mutiere gerade ganz deutlich von Katze zum Hund.

Wie steht es um dich? Was ist deine größte Sehnsucht gerade?

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Mehr zum Thema “Zukunft der Arbeit”

Hier übrigens ist eine Liste mit einigen Podcasts, wo ich zu Gast war – auch zum Thema neue Arbeit :)

Wir sind viel zu selten am Meer

Wir sind viel zu selten am Meer

Oh ja, wir sind definitiv viel zu selten am Meer! Vorletzte Woche habe ich mit recht vielen Menschen darüber gesprochen, was sie sich für dieses kommende Jahr vornehmen, und jemand meinte, ans Meer zu fahren wäre toll.

Nicht aufschieben bitte! Wer weiß, was morgen ist! Schoss es mir sofort durch den Kopf, denn ich weiß wie gut wir darin sind, uns unsere innigsten Träume so weit nach hinten zu stellen, dass wir bloß und auf keinen Fall glücklich sind. Selbstsabotage, eines unserer Kernkompetenzen, darüber schrieb ich letztes Jahr recht viel in unserem Buch “Am Leben vorbei“.

Nicht aufschieben! Nichts und niemals aufschieben, wenn es uns wirklich wichtig ist.

Wann weiß ich, dass es wichtig ist?

Eine schwierige Frage mit einer einfachen Antwort. Wenn du nur noch 24 Stunden zu leben hättest, was würdest du tun? Würdest du dann ans Meer fahren? Wenn die Antwort “ja” heißt, dann weißt du Bescheid. Würde ich jetzt noch die Netflix Serie zu Ende schauen, wenn nur noch 24 Stunden vor mir wären? Unwahrscheinlich. Würde ich meine Emails checken oder meinen Instagram Status? Unwahrscheinlich.

Was würde ich stattdessen tun?

Ich würde leben! Lachen, tanzen, Schneeflocken mit der Zunge fangen, mich an den zwei Sonnenstrahlen erfreuen, die zwischen den Wolken scheinen und noch so viel mehr!

Das Seltsame ist nur: wir tun so etwas viel zu wenig. Wir sind zu selten am Meer. Wir tanzen zu wenig und sind zu oft in unser Smartphone vertieft. Vielleicht halten wir uns für unsterblich. Vielleicht betreiben wir sehr gern um die Wette mit der Zeit die Selbstsabotage. Vielleicht gibt es einfach zu wenig Warnzeichen, die sagen: es kann morgen schon alles vorbei sein. Vielleicht brauchen wir aber auch keine Warnzeichen.

Vielleicht müssen wir etwas verlernen

Eine Freundin von mir ist gerade in Costa Rica. Es wird getanzt und jeder Sonnenuntergang wird gefeiert. Es wird gesund gegessen und viel Sport gemacht. Natürlich kann nicht jeder von uns mehrere Wochen nach Costa Rica fliegen, schon gar nicht in der heutigen Zeit, aber wisst ihr was? Wir können viel mehr als wir tun.

Wir sind zu so viel in der Lage! Wir haben so viele Möglichkeiten! Aber wir nutzen sie nicht. Wir bleiben lieber sitzen statt auszugehen. Wir fahren nicht ans Meer. Wir lernen nicht, was wir uns vorgenommen haben. Natürlich können wir das auf Müdigkeit und Stress schieben.

Doch würden wir genau so leben, wenn wir nur noch 2 Wochen Zeit zu leben hätten?

Wohl nicht.

petranovskaja wir sind zu selten am Meer
Doppelbelichtung mit Diana 2011, Thailand

Wir sollten öfter vor die Tür gehen

Wir sollten übrigens öfter vor die Tür gehen. Heute, auf dem Weg zum Einkaufen, kommen mir drei Schul-Jungs, circa 12 Jahre alt, entgegen. “Entschuldigen Sie, mögen Sie lieber Berge oder Meer?” – fragen sie mich.

Das Meer natürlich. Ich gehe weiter und freue mich gedanklich sehr darüber, dass mein letzter besuch am Meer nur wenige Tage zurück liegt. Wir Nordmenschen haben es nicht so weit. Später am Abend telefoniere ich mit einer ganz lieben Person, die auch findet, dass die Nordsee-Farben im Januar besonders intensiv sind.

Wir sind zu selten am Meer

Reisen und am Meer sein sind ein Privileg, und ich habe in meinem Leben sehr viel Geld dafür ausgegeben, diese Erlebnisse zu sammeln. Ich war an so vielen Stränden und an so vielen Meeren und Seen, wie ich nur konnte. Ich habe Fotos gemacht, Steine und Muscheln gesammelt und wieder losgelassen, ich habe mir abends den Sand aus dem Haar und von den Bettlacken entfernt und vor allem habe ich eins gemacht.

Ich habe gelächelt.

Wenn mich etwas mit dem Meer verbindet, dann ist es das Lächeln. Die gefühlte Verbindung mit dem ganzen Universum und der Natur. Die Freude an den rauschenden Wellen. Die Lebewesen, denen unsere politische und wirtschaftliche Lage völlig Schuppe ist. Die Entspannung und die Gelassenheit, die sich mit jeder Welle ausbreitet.

Was ich während der Pandemie, besonders während der Lockdown-Wochen gelernt habe: auch die Wellen der Elbe haben die beruhigende und ablenkende Wirkung auf mich. Viel mehr noch, die zweimal am Tag stattfindende Ebbe-Flut-Wechsel inspirieren mich und beschäftigen meinen Geist. Wenn es für die Natur so einfach zu sein scheint, so eine große Menge Wasser hin und her zu bewegen, warum sind wir Menschen manchmal so unbeweglich?

Also, wir sollten öfter vor die Tür gehen und wir dürfen definitiv öfter ans Meer. An den Strand. In die Nähe von den vielen Wundern der Natur. Dahin, wo alles für irgendwas gut ist, denn die Natur trennt nicht in gut und schlecht, in der Natur wird aus allem etwas gemacht.

Sehnsucht, Vorfreude, Erkenntnis

Wir sind viel zu selten am Meer. Sehnsucht, Vorfreude, Erkenntnis – dieses Jahr kann immer noch so wundervoll werden, obwohl der Januar schon fast vorbei ist.

Also:

  • lasst uns verlernen, was uns nicht gut tut!
  • stellen wir uns den lauten Fragen im Kopf!
  • lasst uns leben und tanzen statt die Zeit umzubringen!
  • treffen wir uns am Meer?
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Was an den Neujahrsvorsätzen so zauberhaft ist

Was an den Neujahrsvorsätzen so zauberhaft ist

Neujahrsvorsätze werden in der heutigen Zeit gern verpönt und verteufelt, dabei sind sie eigentlich – nach wie vor – ganz zauberhaft. Wie ich zu dieser Erkenntnis im Jahr 2022 komme, das beschreibe ich gern hier.

Kopf-Ziele

Als ich nach Deutschland kam (das war 1992), habe ich sehr schnell gelernt, dass die Deutschen gerne planen. Und dass es dafür allerhand Werkzeuge und Hilfsmittel gibt. Jahresplaner, To Do Listen, Planungsmeetings ohne Ende, und dann kam auch schon das erste Mal die Sylvester-Frage, was ich mir für das nächste Jahr vornehme.

Ach so geht das, dachte die junge Nadja damals. Man wünscht sich was und erzählt es allen, und dann kann es einfach so zu mir kommen… Also habe ich natürlich – wie es üblich ist – mir alles mögliche vorgenommen, für Erfolg, Glück und Gesundheit. Mit und ohne Bleigießen und andere Sylvester-Bräuche.

Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich nicht daran erinnern, wie viele meiner Vorsätze erfüllt wurden, das mag daran liegen, dass ich mir die Wünsche nicht wirklich vom Herzen her gedacht habe, sondern mehr aus der kognitiven Logik.

Herz-Ziele

Das Leben ist ein Zebra (ich mag diese Metapher sehr), und so kam in meinem Leben ein relativ schwarzer Streifen, in dem – und daran kann ich mich ganz gut erinnern – keiner meiner Wünsche oder Vorhaben in Erfüllung ging. Nichts wurde besser, ich war oft krank, unzufrieden bis unglücklich, gestresst… Kurz: eine ganze Palette von allem, w as man nicht haben mag.

Wenn ich aus der heutigen Perspektive die Frage “Warum?” stelle, dann weiß ich, dass ich mit Sicherheit Einfluss darauf hatte, wie mein Leben war. Wir haben nämlich immer eine Einfluss darauf. Und wir vergessen das regelmäßig. Meine Neujahrsvorsätze in dieser Zebra-Zeit waren zwar aus dem Herzen kommend, aber ihnen fehlte das Vertrauen, dass ich es wert bin, zufrieden, gesund und glücklich zu sein, und ohne Vertrauen kommen wir nicht weit.

Willensziele (und Theory U)

Der wunderbare Otto Scharmer visualisiert in seiner Theory U einen U-Bogen mit mehreren Ebenen, und die Ebenen haben so etwas wie eine Voraussetzung, um ihnen zu begegnen. Mir ist dieses Denk-Format (ich weiß nicht, ob das Wort Modell passend ist) erst beim Schreiben in den Sinn gekommen, weil ich nach und nach über mein Leben und das Transformieren meiner Neujahrsvorsätze nachgedacht habe. Die übliche Abbildung dazu (findest du mit Leichtigkeit im Internet) ist für meinen Artikel hier eher verwirrend, daher bleibe ich bei den Worten.

Otto Scharmer spricht davon, dass wir die Veränderungen, die wir uns wünschen, von der Zukunft her denken sollen. In der Mitte des Kreativ-Prozesses dazu gibt es so was wie ein Nadelöhr, und um dahin zu kommen, soll man drei Schwellen überwinden. Die erste Ebene braucht einen “Open Mind”, um weiter zu kommen. Innehalten, das Denken öffnen und neue Gedanken zulassen (dazu passt auch das erste Kapitel “Anhalten” in unserem neuen Buch “Am Leben vorbei“). Weiter geht es, und es braucht ein “Open Heart” – das Neue sehen, sich umwenden, bereit sein. Und dann, als letzte Stufe vor dem Nadelöhr geht es um “Open Will” mit einer für uns nicht leichten Aufgabe, dem Loslassen.

Kommt man mit dem offenen Denken, offenen Herzen und offenen Willen in die magische Mitte des Prozesses, kann man seine Zukunft – und zwar die, die sich entfalten möchte – fühlen und wahrnehmen (“Presencing“).

Und das ist der Nadja dann nach vielen enttäuschenden Jahren mit den enttäuschenden Neujahrsvorsätzen passiert, nachdem sie sehr viel losgelassen hat. Kündigung und Scheidung, Umzug und eine berufliche Selbständigkeit ohne Sicherheitsnetz.

Soll man die Neujahrsvorsätze verfluchen?

Dann kamen ein paar Jahre, in denen es plötzlich uncool war, sich etwas vorzunehmen, es sei zu viel, zu unrealistisch und überhaupt, sich selbst zu perfektionieren, wäre unmenschlich. Das war dann auch die Zeit, in der ich ein Buch dazu geschrieben habe, wie man – trotz des berühmten inneren Schweinehundes – zu seinen Zielen und zu einem Besseren Ich kommt.

Um mich herum wurde sich also ein paar Jahre nichts vorgenommen. Ich dagegen habe regelmäßig Yoga gemacht, bin mit meinen Kindern in schöne fremde Länder gereist, habe meine Selbständigkeit auf stabilere Beine gestellt und immer mehr unnötige Dinge in meinem Leben losgelassen.

Nordstern-Ziele

Heute nehme ich mir keine konkret messbaren Dinge mehr vor. Also weder Umsatz-Ziele noch Reise-Ziele noch etwas, was ich irgendwann – an einem Tag im Jahr abhaken kann. Ich habe auch keine Bucket List mehr, wie früher.

Stattdessen habe ich einen Nordstern – also etwas, was mir jeden Tag Orientierung gibt, wenn ich mich entscheiden möchte. Ich möchte zum Beispiel in 2022 so oft wie möglich gesund sein, um einen Handstand zu üben. Damit nehme ich mir den Druck, eines Tages den Handstand zu können, und dennoch habe ich jeden Morgen eine Motivation, auf die Yogamatte zu gehen, mich gesund zu ernähren, mich viel zu bewegen und für genug Schlaf zu sorgen. Ich weiß, sehr schlau.

Ich bin gespannt, ob mir der Nordstern eine Hilfe sein wird. Ich finde ihn nämlich ganz und gar zauberhaft, und damit auch das ganze Thema Neujahrsvorsätze. Was immer uns in diesem Jahr passiert – und wir haben ja schon zwei unplanbare Jahre hinter uns – ich habe einen großen Einfluss darauf, wie mein tägliches Leben aussehen wird.

Und darüber freue ich mich sehr.

Worauf und worüber freust du dich in diesem Jahr?

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Mehr aus dem Blog:

Viel Spaß beim Lesen!

Wie das so ist mit der Selbstannahme

Wie das so ist mit der Selbstannahme

Ich weiß nicht, wie es dir geht…

… aber ich bin noch echt nicht weit mit der Selbstannahme, und darum kann ich mich selbst nicht so gut sehen. Und das Foto da oben ist so was von bearbeitet!

Und so ist es bezeichnend für viele Leben: zum einen mögen wir uns selbst aus irgendeinem Grund nicht – und betreiben Selbstsabotage. Und zum anderen beschönigen wir die Realität mit Beauty Retusche – und marschieren am Leben vorbei.

Ehrlicher wird’s nicht.

Die letzten 4 Wochen habe ich zusammen mit dem “unbreakable” PRO Team (Markus + Julien) und einer Ghostwriterin (Teresa) damit verbracht, ein Buch fertig zu schreiben. Wer mir auf Instagram folgt, hat das ganze Drama mit erlebt, denn wir waren zum Schluss ganz schön fertig!

Doch stolz wie Oskar verkünde ich: fertig geschrieben! In einem co-kreativen Prozess, mit sehr viel Lachen und auch sehr viel Tiefe haben wir den Weg zwischen Selbstverneinung und Beauty Retusche beschrieben. Mit dabei waren Goethe, Anaïs Nin, Karl Lagerfeld, Lev Tolstoi und viele andere Menschen, die inspirierend und in irgendeiner Form weise waren. Und dank Julien wird das Buch den Titel tragen:

Am Leben vorbei

Gewidmet allen Menschen, die sich selbst ein Vorbild sein wollen. Ich lasse dich wissen, wenn es in den Druck geht. Und ich werde möglicherweise sehr viele Stellen aus dem Buch vorlesen, zitieren oder in irgendeiner anderen Form nutzen, denn wir haben echt sehr nah an sämtlichen meiner Herzensthemen ganz viele gute Dinge bewegt und zu einem runden Buch (au ja, ein rundes Buch!) zusammengefügt.

Ich bin so aufgeregt! 10.11. 20:15 auf RTL…

… werde ich mich ohne Beauty Retusche anschauen und weiter an meiner Selbstannahme arbeiten. Da bin ich nämlich längst nicht angekommen. 

Ab dem 10. November sendet RTL sechs Wochen lang – immer Mittwochs um 20:15 – das neue Format “unbreakable – wir machen dich stark”, in dem ich eine PRO Rolle spiele, ohne zu spielen.

Die Frage, die ich mir in den 10 Jahren meiner Selbständigkeit oft gestellt habe: Wie kann ich für noch mehr Shiny Eyes sorgen? – wurde vom Universum auf eine ungewöhnliche Weise beantwortet. “Wir bringen dich ins Fernsehen, Nadja, da kannst du wirken und inspirieren.”

OK, sagte Nadja. Drei Wochen lang haben wir in Kroatien vor laufenden Kameras mit 10 Menschen gearbeitet. In der offiziellen Presse nennt man diese Menschen “Prominente”, doch seien wir ehrlich – jeder ist vor allem ein Mensch, eine Persönlichkeit, ein Individuum.

Und so ergab die bunte Mischung aus drei glatzköpfigen Superkerlen und mir ein PRO Team. Das Ergebnis befindet sich nun im Schnitt, und ich kann es kaum erwarten, was das Fernsehen aus dem echten Prozess machen wird. Denn wir wissen, dass sich drei Tage Dreharbeit nur schwer in 120 Minuten Sendung pressen lassen.

Entweder wir werden es lieben oder hassen, Polarisierung steht also auf jeden Fall auf dem Programm. Wirst du einschalten? Die ersten 20 Minuten gibt es übrigens als Sneak Peek auf Youtube.

Und falls du eine Frage hast – zu der Selbstannahme oder zu der RTL Sendung, dann schreibe mir doch bitte eine kurze Nachricht!

Danke für das Lesen :-)

Es ist ein schönes Gefühl, mich auf diesem Weg mitzuteilen. Möchtest du dich mitteilen, so liegt diese Möglichkeit nur eine Entscheidung entfernt!

möge dein Tag gut zu dir sein! 🤗

petranovskaja Unterschrift signatur

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