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Nektargeile Schmetterlinge schmeissen sich in die feuchten Muschis der Bergblumen

Samstag, 10. Juli 2010

Weit ab von den Hallenbädern der schicken Hotels,
in denen Rolex nicht zum Schwimmen abgenommen wird,
läuten die Kuhglocken und summen die Fliegen,
dort treten nackte Kinderfüße das weiche Grün der erreichten Berggipfel
und in die leeren Limonadenflaschen wird das Tauwasser aus dem Schnee vom vorigen Jahr abgefüllt.
Ganz nah an den Himmel und wo Tannen kleiner als die Kinder
und genau dann, wenn Wochentage und Uhrzeit keine Relevanz mehr haben,
schmeisse ich die kleine Keksbrocken in die Schlunde von frechen Bergvögeln.

Im Land der ausverkauften Schneeschieber

Montag, 18. Januar 2010

Streusalzspuren führen mich sicher zu meinem Ziel, das Großraumbüro im ersten Stock. es ist die zweite Arbeitswoche des Jahres, warum fühlt sie sich nicht als solche an? ich bin voll im Trott. ich habe Meetings, Kundentermine und Abgabetermine und keine Verabredungen nach Feierabend.

Völlig ausgehungert nach Wärme und Cappuchino in der Sonne, futtern wir, nein, wir fressen unglaubliche und mit nichts zu begründende Mengen Schokolade in uns hinein. Reste vom Adventskalender, Lebkuchenherzen und Eierlikörzapfen werden geräuschvoll aus der Verpackung entfernt und sofort verschlungen.

Warum geht es uns so dermaßen auf den Keks, die kalte Jahreszeit? sind wir entwöhnt? verwöhnt? bekloppt? und dann denke ich, es gibt überhaupt kaum etwas, was uns dermaßen aus der Verfassung zu bringen vermag, wie das Wetter. keine Nachricht des Tages scheint uns schocken zu können. Naturkatastrophen, politische Skandale, wirtschaftliche Probleme, her mit all dem Kram, uff, gib noch mal schnell einen Zimtstern rüber, es ist ja bald Feierabend.

Kein Tag in der Woche ist besser dafür geeignet, sich solchen Blödsinn von der Seele zu schreiben, als der Montag. bevor ich das Großraumbüro verlasse, denke ich noch kurz darüber nach, ob unser Kaktus Fencheltee mag, den ich da gleich hineinkippen werde. egal, er kann eh nix dagegen tun. ich muss los, in den Schneeregen.

Veronika, der Lenz ist da!

Samstag, 24. Januar 2009

An der Bushaltestelle hält der Mann links von mir eine Tüte mit weißen Mäusen in der Hand. rechts neben mir steht auch ein Mann, den habe ich öfters gesehen, gleiche Arbeitszeiten, und dieser Mann war mir auch immer sympatisch. bis eben. wie er aus der Bierdose trinkt. das gibt satte Minuspunkte, ich werd dieses Bild lange nicht aus meinem Kopf heraus bekommen.

Die Meteorologen mal wieder. sie haben sich geweigert, den Schnee vorherzusehen. und redeten dauernd von Regen. es kommt aber dick und weiß. der Buss quält sich in halber Geschwindigkeit aufs Land. gleich nachdem ich mit dem Schneeschieben fertig bin, gibt es Pfannkuchen, und es gibt mal wieder nichts Gutes in den Nachrichten.

und obwohl die fabelhafte Welt der hiesigen Blogbesitzerin desöfteren voller Jammer war in den letzten Tagen, muss sich heute was verändert haben. statt mich aufs Sofa fallen zu lassen, habe ich soeben (freiwillig) zwei Fenster geputzt. der Winter ist somit weg, verbannt, vergessen. und ich weiß jetzt auch, woher die Inspiration kam.

es war der Mann, der am Freitag morgen die meterhohen Schneeflocken aus den beiden Tannenbäumen am Einkaufszentrum räumte. er stapelte sie in zwei Kisten, die mit “Schneeflocken” beschriftet waren.

Angst, biologisch abbaubar

Sonntag, 05. Oktober 2008

Auf dem Weg zum Komposthaufen fange ich an zu schimpfen. zuerst natürlich über den Regen, der mich innerhalb von zehn Sekunden nass macht. denn wer nimmt schon Schirm mit, wenn er nur kurz zum Kompost geht? dann schimpfe ich über die Küchenberaterin, die damals diese wunderbare Erfindung in die Küche eingebaut hat - zwei getrennte Mülleimer. jeder zehn Liter groß, oder sagen wir besser, klein. für den grünen Punkt ist der Eimer ungeeignet, genau so wenig kann man ihn für Flaschen oder Papier nutzen, für Batterien ist er überdimensioniert. also Biomüll. ist doch auch eine gute Sache. nur nicht an Abenden wie heute. da ist diese Sache total bescheuert.

die Augen gewöhnen sich nur langsam an die Dunkelheit. der Weg in die Gartenecke ist so lang wie die Spaghetti aus meiner Lieblingspackung, die es nur selten zu kaufen gibt, weil die meisten Supermärkte zu kurze Regale für dieses besondere Produkt haben. diese Spaghetti in den Topf reinzustopfen erfordert besondere Geduld. meine Füße stolpern über das Gras. hier also hört die Terrasse auf und der Rasen fängt an. komisch, im Hellen kommt mir die Terrasse immer so klein vor. jetzt erst der Rasenanfang, dann bin ich ja vielleicht vor Sonnenaufgang noch zurück… es tropft, das Gras ist glitschig und lang, die Socken werden nass, ich schimpfe schon wieder, barfuss muss man bei solchem Wetter laufen.

Meine Augen sehen nichts vor sich, nur Geräusche kommen an. das Tropfen. das Versinken der Füße im Gras. der Wind. wenn der Wind sich hier so laut anhört, bin ich schon fast bei der Hecke. dann nach links. da war noch irgendwo die Sandkiste, die muss unbedingt weg, die Kinder schon so groß und dieses Sandmonster immer noch mitten auf dem Rasen. nur nicht stolpern. [ich stelle mir kurz vor wie ich beim Erfüllen der umweltfreundlichen Müllrausbringmission über die Sandkiste stolpere, ungünstig falle und ums Leben komme.... was dann wohl auf meinem Grabstein steht? *sie war gut zu ihrer Umwelt, aber die Umwelt nicht zu ihr*?] leise taste ich mich an die Hecke heran. die Blätter berühren mich, kalt und nass, abstossend und feindlich. warum sehe ich bloß nichts? das sind doch diese am Tage so hellgelben Riesenblätter… ein wildes Rascheln. ich bekomme etwas Angst. nein, das war bestimmt nur ein Vogel.

endlich, endlich ertaste ich die Kompostkiste. schnell die Mission erfüllen, all die Kartoffelschalen, Rotkohlblätter und Apfelreste hinein. und das arme Alpenfeilchen, bei mir haben Zimmerpflanzen wenig Chancen auf langes Leben. geschafft.

Ich drehe mich um. der Garten ist durch die paar Lampen im Haus hell erleuchtet. Scheissphysik. oder war Bilogie für dieses Dunkelheitsphänomen zuständig? meine Angst ist in einer Milisekunde wieder weg. jetzt brauche ich nur noch neue Klamotten und Tasse Tee. und eine Lindt-Kugel, die gebe ich mir auch :-)

Herbstballade

Dienstag, 30. September 2008

ich feiere Versöhnung mit dem Herbst

ich laufe in fallende Blätter hinein und lasse die nicht wärmende Sonne auf meinen Rücken scheinen.
ich verzeihe dem kalten Wind und lasse den Staub des Sommers vom Dauerregen abwaschen.
ich parfümiere mich mit dem Duft des frisch gepflügten Feldes, lade das Klopfen der Wassertropfen in meinen mp3-Player, rühre die Kastanien in meiner Tasche wie Gebetsperlen um und lasse endlich die Ruhe und die Stille in mein Herz, während ich die Heizkörper höher drehe.

wenn ich nichts dagegen tun kann, dass du da bist, nehme ich dich hin.
hallo, Herbst.

Schnupfenblues

Donnerstag, 25. September 2008

über Nacht wurden die Blätter vor dem Fenster gelb und rot und zwei Stunden später raschelten sie schon unter meinen Füßen. Nein, schrie mein Inneres, nicht so schnell! als ich den Regenschirm aufmachte, hätte ich fast weinen können. ich kann mich von vielem trennen und verabschieden, nur der Herbst, die Trennung vom Sommer, das schmerzt jedes Jahr.

ich wurde erhört. im Radio berichtete die muntere Stimme zwischen Politik und Verkehr etwas über zehn Stunden Sonne und 14 bis 18 Grad. heute und morgen und sogar am Samstag noch. cool. was überhaupt nicht dazu passt, ist meine Schnupfnase, die hole ich mir immer in der Zeit, wo die dicke Jacke noch im Schrank hängt und man so tut als wäre es noch warm genung für einen Pullover. Bullshit. jedes Jahr das gleiche. zum Sommer-Trennungsschmerz kommt die Schnupfnase, die Welt ist doof, alles passt nicht zusammen, ich bin ein Star, holt mich hier raus!

eins ist in diesem Herbst anders: ich habe frei! ich werde sowohl meine Nase auskurieren, als auch die bunten Blätter bewußt genießen. nicht im Vorbeifahren im Bus, nicht aus Erzählungen von Menschen, die im Park waren, nein. aus dem eigenen Erleben.

in diesem Sinne *warme Jacke anzieht und Film in die Kamera einlegt*

Bin ich hier richtig?

Donnerstag, 31. Juli 2008

Man nehme die Nadja in voller Business-Montur, stecke sie in einen schön heissen Taxi (45 Minuten Wartezeit in der Sonne) OHNE Klimaanlage und schicke sie 35 Minuten lang nach Hause. Das Ergebnis kann man schlecht beschreiben. fühlt sich so ähnlich an wie das Bild links hier.

Dabei fing der Tag vielversprechend an, hehe. Kurz vor Sieben klingelte ein Mann an der Tür und fragte: “Bin ich hier richtig?”. Ich, noch nicht ganz wach und Stunden vom ersten Tee entfernt, antworte prompt: “Hängt davon ab, was Sie wollen.”

Den ersten Tee des Tages gab es in Düsseldorf, da dachte ich kurz an Tanja und Kathy, und ob sie gerade Spass in Hamburg haben und ging voller Elan zur Besprechung.

Auf dem Rückflug dann sah ich aus dem Fenster die schönsten Wölkchen, die ich seit Jahren sehen durfte. einzelne kleine Schäfchen, hübsch designermäßig frisiert und wie Schachfiguren auf dem Himmel verteilt, schön weit auseinander. ich habe mich in diesem Moment sehr gefreut, dass ich ohne Kamera unterwegs war, so konnte ich mit beiden Augen einfach nur zugucken wie wir dran vorbeischweben. und ich sagte mir, ja, hier bin ich richtig.