Select Page

Dieser Artikel beschreibt, wie Experimente, Prototypen und Fehler uns helfen, eine bessere Welt zu bauen. Die Lesezeit beträgt ca. 5 Minuten. Ich fühle mich geehrt, wenn Du anschließend noch ein Paar Minuten Zeit investierst, um nachzudenken oder sogar einen Kommentar da zu lassen. Enjoy!

Wie viel Inspirationen entsteht aus Imperfektion?

Letztens war ich in einer Ausstellung, in den gab es eine Menge analoger Fotos mit ungeraden Horizonten. Ich stand vor jedem dieser Bilder und habe überlegt, wie mutig das doch sein muss, als Starfotograf so ein Foto einfach sein zu lassen, ohne den Horizont begradigen zu lassen. In der heutigen Zeit von Instagram wäre das für ganz viele von uns undenkbar (das gilt für viele Instagrammer, die ich kenne – jedes Bild wird auf Perfektion gebracht).

In der gleichen Ausstellung habe ich unter einem Bild das Motto der Punk-Bewegung gefunden:

Dinge zu tun ist wichtiger, als sie gut tun zu können.

Das brachte mich zum Lächeln, als hätte ich irgendwo in einem abgelegenen peruanischen Dorf einen Menschen getroffen, der genau so denkt wie ich. Ich meine, ich empfinde mich nicht als Punk. Ich weiß nicht mal genau, wofür sie sonst stehen. Aber der Spruch, der liegt mir sehr am Herzen.

Betrachten wir doch mal die Kinder. Wenn sie nicht diesem Motto folgen würden, hätten sie niemals gelernt, wie man mit einem Löffel isst oder Lego stapelt. Das Tun, das Machen steht im Vordergrund.

Betrachten wir die Kunst. Ich meine, es gibt natürlich die Werke, in denen das Meer oder das Pferd perfekt abgebildet sind. Viel mehr beschäftigen uns aber die Werke, in denen etwas „unstimmig“ ist. Nicht exakt symmetrisch, nicht ganz stimmig, etwas wild in der Farbwahl oder Formgebung. Bestimmt hast du auch schon mal vor so einem Bild gestanden.

Warum das Bild schief hängen darf

Vielleicht kennst du Loriot und seinen Sketch „Das Bild hängt schief“. In nur zwei Minuten verwüstet der Herr das komplette Zimmer, wobei seine Intention eine andere war.

In dieser Szene passiert das Disaster aus Ungeduld. Und aus der Unfähigkeit, das Unperfekte zu ertragen.

In unserem Arbeits-Alltag geht es manchmal ähnlich zu. Wir wollen die Perfekte Quartals-Statistik, die perfekten Kunden-Kennzahlen, tadellose Berichte. Zahlen und Fakten werden so lange beschönigt, bis niemand mehr die Realität hinter der Facade wieder erkennt.

Die Welt mit den perfekt hängenden Bildern ist oft eine tote Welt.

Und was ist mit Führung?

Auch in der Führung ist die Welt manchmal zu perfekt. In der selbst hergestellten Kontrolle-Illusion bemühen sich weltweit Führungskräfte darum, alles richtig zu machen. So, wie sie das in einem Training gelernt und in den Rollenspielen auswendig gelernt haben. Mechanistisch, jeden Tag aus Neue gleich und in den meisten Fällen wenig wirksam.

Viele Führungskräfte haben an sich selbst gestellte Anforderungen, die nicht mit den tatsächlichen Anforderungen des Unternehmens übereinstimmen. Sie wollen es allen Recht machen, stets selbst dafür sorgen, dass die Ergebnisse perfekt sind. Das Ergebnis: viel zu viele Arbeitsstunden, Überforderung und … unzufriedene Mitarbeiter.

Wie soll man als Mitarbeiter zufrieden sein, wenn man im Auge seines Vorgesetzten das „schiefe Bild“ ist? Wenn man als Mitarbeiter korrigiert, kritisiert und auf Schwächen hingewiesen wird?

Zu Hölle mit der Taube, her mit dem Spatzen!

Wir leben in einer Welt, in der es alles gibt. Freiheit, Trinkwasser aus dem Wasserhahn, Erdbeeren im Winter. Doch stets streben die Jahrespläne nach mehr Umsatz, weniger Kosten und vor allem: nach etwas, was gleichzeitig neu genug und sicher genug ist.

Durch die uns täglich langweilende Sättigung sollte jede noch so verrückte Idee herzlich willkommen sein. Weg mit der Langeweile, her mit der Disruption!

Wir sind keine großen Schritte gewohnt. Wir können nur die kontinuierliche Verbesserung.

Doch so viele große Ideen werden nicht umgesetzt, weil die Größe der Ideen und der womöglich großer Aufwand zur Verwirklichung uns davon abschreckt, anzufangen. Wir sind keine großen Schritte gewohnt. Wir können nur die kontinuierliche Verbesserung.

Darum sollte das Motto der Punk-Bewegung hinter den Ohren einer jeden Führungskraft geschrieben sein:

Dinge zu tun ist wichtiger, als sie gut tun zu können.

So glücklich bin ich zu sehen, wie viele Unternehmen ihre Führungskräfte-Programme vom „Training“ in „Werkstatt“ oder „Bootcamp“ umbenannt haben. Somit soll gezeigt werden, dass man die Hoffnung nicht aufgegeben hat. Wir können es lernen, wie man große Schritte macht. Wir können mutig sein, um etwas im Alltag auszuprobieren. Wir können Imperfektes zulassen. Wir können experimentieren wie ein Kind oder ein leidenschaftlicher Forscher. Das Wichtigste: das Anfangen.

Wie fängt man etwas Neues an?

Wenn Du gern konkrete Übungen zum Ausprobieren magst, hier ist eine für dich.

Um der Angst vor Was-auch-immer zu entkommen und trotzdem etwas Neues auszuprobieren, kannst du die 20 Minuten Regel anwenden. Mache 20 Minuten genau das, was du tun würdest, wenn du die angedachte Veränderung bereits umgesetzt hättest. Du willst mehr zuhören? Stelle dir ein Timer und los gehen deine 20 Minuten. Du wärest gern geduldiger? Was wäre dann anderes in deinem Leben? Du möchtest pünktlich Feierabend machen? Nein sagen? Selbstbewusster auftreten? Versetze Dich für 20 Minuten in die Person, die diese Neuerung bereits komplett in das Leben implementiert hat.

Fühle 20 Minuten lang, wie es dir geht. Gefällt es dir? Lohnt es sich, das Experiment zu wagen?

Die Kraft des Imperfekten

Perfektes ist langweilig. Man kann es sich paar Minuten lang anschauen und dann ist es langweilig. Man kann es bewundern. Und danach? Langweilig!

Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen.

Goethe

Wir brauchen das kindliche Vertrauen in das Tun, um uns zu entfalten. Wir brauchen schiefes Bild, um uns lebendig zu fühlen.

Lasst uns Dinge tun und das Tun vor dem Können stellen!

So lasst uns anfangen! Lasst uns loslegen! Lasst uns Anker lichten! Lasst uns aufbrechen!

  • Lasst uns persönliche 20 Minuten Experimente starten.
  • Lasst uns tun, statt warten.
  • Lasst uns ausprobieren statt Bedenken tragen.
  • Lasst uns Erfahrungen sammeln statt contra Argumente auflisten.
  • Lasst uns bewusst und lebendig sein.

Wir wollen lebendig und zufrieden sein. Kein Schattendasein. Kein halb-lebendig sein.

Lasst uns Dinge tun und das Tun vor dem Können stellen. Lasst uns für einander Inspiration und Kraftfeld sein, so (un)perfekt, wie wir sind.

Denn ansonsten:

One day baby, we’ll be old
Oh baby, we’ll be old
And think of all the stories that we could have told.

Asaf Avidan

Und wenn das noch nicht #Schubs genug war: Jeder von uns besitzt genau so viel Mut, wie viel Angst er / sie spürt.

Auch Du!

petranovskaja Unterschrift signatur

Photo by Dmitry Ratushny on Unsplash

Dem Blog via Mail folgen

Du kannst dich jederzeit abmelden. Mit der Anmeldung stimmst du den Datenschutzbestimmungen zu.