Wenn es um Change geht, werden die meisten unruhig. Das kann damit zusammenhängen, dass unser Hirn recht faul ist und mit allen Mitteln versucht, die aktuelle Situation beizubehalten. Diese Eigenschaft des Gehirns ist der Hintergrund dafür, dass es Komfortzonen und Gewohnheiten gibt. Diese kleine Inseln im unruhigen Ozean von Change geben uns die Illusion, es ist alles beim alten. Und das Hirn freut sich, wenn wir in der Komfortzone und in der Gewohnheit bleiben, weil es dann Energie sparen kann.

Es gibt auch andere Gründe für diese innere Unruhe. In den Glaubenssätzen (und in den meistverkauften Büchern) über Change gibt es in der Veränderung Gewinner und Verlierer. Und weil wir so ungern abgeben und verlieren (auch hier sicher aus dem Stammhirn gesteuerte Survival-Angst), wollen wir lieber gar keinen Change.

Die Liste der Ängste lässt sich lange fortführen.

Warum braucht also der Change keine motivierten Mitarbeiter?

Na weil das alles Lüge ist. Wie sollen wir motiviert sein für etwas, wo unsere faule Denkmaschine aus den Gewohnheiten raus soll? Und wie sollen wir all die Ängste ablegen und uns mit Freude auf das (unbekannte) Neue einlassen?

Weil Change nicht mechanisch ist. Wir können zwar Maßnahmen planen und Termine dran setzen, jedoch wissen wir alle, wie sehr wir uns da selbst in die Tasche lügen, auch später, wenn wir die Berichte pimpen.

Die Natur ist uns nach wie vor das beste Vorbild, wenn es um Veränderungen geht. In der Natur wird die Notwendigkeit erkannt und die Anpassung so lange ausprobiert, bis die Balance wieder hergestellt ist. Sowohl die Pflanzen als auch Tiere kommen dabei ohne motivierende Reden und Hochglanzbroschüren aus – weil die Veränderung und die Anpassung ein natürlicher Prozess ist. Und ganz ohne Management auskommt ;-)

Und bei uns? Da sieht der Change Management Prozess eher so aus:

Phasen, Stufen, Säulen – all das motiviert nicht

Wir Menschen sind soziale Wesen. Neben Gesundheit sind soziale Kontakte immer wieder ganz ober auf der Liste der Faktoren, die einen Einfluss auf unser Glück und unser langes Leben haben. Warum also gibt es immer noch so wenig Bestreben, uns zu verbinden, unsere Hirne und unsere Herzen zu einem großen kollaborativen und co-kreativen Ökosystem kurzzuschließen und den Rest dem Flow zu überlassen?

Und wenn ich “uns” schreibe, dann meine ich ganz bestimmt nicht die Betroffenen, die man dann rein mechanisch zu Beteiligten macht. Ich meine uns alle, weil wir alle gut Probleme lösen können, wenn wir das zusammen tun. Besonders in der Diversität unserer Denkweisen und unserer Erfahrungen. Also schließt das “wir” auch Außenstehende, die nicht in dem gleichen UNternehmen arbeiten und somit in der Lage sind, andere (angstfreiere) Fragen zu stellen.

Lösungsvorschläge

Ökosystem über Mechanik

Einige neuen Formate, die teilweise selbstorganisiert laufen, wo die Teilnehmer sich selbst überlassen werden, zeigen, wie schnell manches möglichist. MOOCs, WOL Circle, Masterminds, Foren und Barcamps – alles, was möglichs OFFEN ist, lockt uns Menschen an, weil wir dann selbst wählen können.

Spaß vor Ernst

Ja, echt jetzt.

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.

George Bernard Shaw

Mit Ernst sind wir wo wir sind. Mit Spaß haben wir das noch nicht probiert. Dabei entgeht uns – rein hirnmäßig betrachtet – recht viel. Denn im Zustand der “gehobenen Gestimmtheit” kann unser Denk- und Problemlösesystem hundertfach mehr, als wenn wir unter Stress und Zeitdruck versuchen, zu denken.

Das sollte uns zu denken geben.

So, Spaß also. Wie soll das gehen? Mein persönlicher Favorit ist alles, was sich mit “serious play” überschreiben lässt.

Spielerisches Lernen, kreatives Problemlösen, bunt gestaltete Umsetzung, die die Büros aus den grauen Zellen in Kindergarten-like aussehende und mit Girlanden behangene Märchenschlösser verwandelt.

Weil im Märchen alles möglich ist.

Und so ist es in unserem Leben auch.

Wir wissen das. Wir nehmen uns nur keine Zeit für Magie und Möglichkeiten.

Mehr Magie statt motivierte Lemminge

Statt also die Mitarbeiter für den X-ten anstehenden Change mechanisch zu motivieren, schlage ich vor, auf unkonventionelle und vom Ökosystem des Unternehmens selbst entwickelte Vorgehensweisen zu setzen. Inkludiert Familienmitglieder, Kunden und Schüler aus umliegenden Schulen. Lernt zusammen, experimentiert, wertet es aus (was für ein geniales deutsches Wort: etwas ausWERTen!) und sorgt dafür, dass es keine Verlierer gibt.

Wälzt im Schlamm der Ungewissheit – und genießt, dass sich au dieser Ursuppe von Spaß und Angst etwas entwickelt, das ganz sicher nachhaltig, ganzheitlich, human und umwerfend gut ist.

Bang!

petranovskaja Unterschrift signatur

Titel-Photo by Dušan Smetana on Unsplash