Fünf Minuten für dein sorgenfreies Leben

Fünf Minuten für dein sorgenfreies Leben

Hast du fünf Minuten? Hier kommt eine Inspiration für dein sorgenfreies Leben!

Ich mache ja neuerdings sehr viel auf Instagram. Ursprünglich war das “noch so eine App, die ich ausprobieren will”, dann habe ich viel mit den Bilderfiltern experimentiert, dann waren plötzlich meine Kinder mit auf der Platform und haben sich über mich und meine Posts amüsiert. Dann wurde mir das Ganze lästig und ich habe die App vom Telefon gelöscht.

Jetzt bin ich wieder da, inzwischen gehört Instagram zu Metadingens, also Facebook. Es ist bunter und schneller geworden, viele Bilder so dermaßen gefiltert, dass ich regelmäßig denke, wie lange wir unsere (im Vergleich dazu sehr graue) Realität noch ertragen können. Und dann entdeckte ich die nützliche Seite.

Ich habe mir in 2022 vorgenommen, so oft wie möglich gesund zu sein, um einen Handstand zu üben. Und auf Instagram gibt es dazu mega viele hilfreiche Tutorials – mit Video und auch mit genauen Anleitungen, wie gerade der Rücken sein soll und was zuerst bewegen… Für mich ein Schlaraffenland, denn ich lerne sehr stark über visuelle Reize.

Fünf Minuten täglich

Meine Yoga-Lehrerin, die mir vor vielen Jahren geholfen hat, Kopfstand zu lernen, hat stets gesagt: lieber 5 Minuten Yoga jeden Tag als lange nix tun und dann zwei Stunden am Stück. Mit meinem bewegten Lebensstil habe ich ihre Worte sehr dick hinter die Ohren geschrieben. Und ziehe das seit über 10 Jahren durch.

Was ich vor kurzem dazu gelernt habe: es gibt den sogenannten Zinseszins auch bei sportlichen und geistigen Aktivitäten. Sprich, die fünf Minuten täglich addieren sich nicht nur über die Woche, nein, da kommt immer noch ein bisschen was dazu. Zinseszins eben. Je länger ich also am Stück jeden Tag ein bisschen trainiere, desto mehr bringt es mir. Darum gelten die zwei Stunden am Stück einmal im Monat weniger als viele kleine Einheiten.

Kleine Schritte, große Wirkung

Wir wissen alle: die meisten Ergebnisse im Leben erreichen wir nicht über Nacht. Ausnahmen sind natürlich so was wie Lottogewinn. Aber alles andere, das erarbeiten wir uns jeden Tag. Und natürlich ist das anstrengend und teilweise langweilig. Hinzu kommt – darum geben so viele unterwegs auf – dass wir bis zum Erreichen des Ziels wenig in der Hand halten. Solange wir die Summe X nicht auf dem Konto haben, haben wir nix erreicht. Sind wir immer noch nicht der CEO, haben wir nix. Die Liste ist beliebig erweiterbar und soll sagen: die meisten unserer Lebensziele machen uns mehr Sorgenfalten als Freude, darum verfolgen wir sie auch nicht wirklich (was wiederum gesund ist).

Darum hier ein Alternativ-Vorschlag für dich: nimm dir etwas vor, das dir JEDEN TAG im Hier-Und-Jetzt Freude macht. Natürlich kann es etwas sehr Kleines sein. Idealerweise ist es etwas Erlebbares – essen, trinken, bewegen, hören, spüren… Meine liebe Freundin Nadja, die eine Genuss-Trainerin ist, würde sagen, dieses kleines Etwas darf dann jeden Tag genossen werden.

Der Trick an der Sache

Der Trick an der Sache mit den fünf Minuten und kleinen Dingen ist, wie du vielleicht vermutest, der Zinseszins. Zahlen wir jeden Tag etwas auf unser eigenes Konto ein, wird es nicht nur mehr, es vermehrt sich auch wie Hefe durch den – letztes Mal – Zinseszins.

Ich habe das aktuell sehr populäres Buch mit 1% auf der Titelseite noch nicht gelesen, aber ich vermute, des wird so etwas ähnliches empfehlen: kleine Veränderungen, die dafür aber regelmäßig und für eine längere Zeit.

  • Machbar?
    Natürlich!
  • Macht es Spaß?
    Wenn ich will, ja!
  • Sollte das Leben Spaß machen?
    Auf jeden!

In diesem Sinne, finde etwas, was du heute schon in fünf Minuten für dich tun kannst. Tue es, tue es immer wieder!

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Wie lerne ich neue Leute kennen? (Hummer-Hammer Kleid Geschichte)

Wie lerne ich neue Leute kennen? (Hummer-Hammer Kleid Geschichte)

Immer wieder frage ich mich, wie ich in meinem Leben neue Leute kennenlernen kann… Meine eigene Lieblingsantwort darauf: Wir sollten öfter vor die Tür gehen!

Ich denke, die üblichen Ideen für das Kennenlernen wie

  1. Gruppenreisen
  2. Meetups/Events
  3. In Cafés abhängen

durften in den letzten Jahren wegen Corona wenig nützlich gewesen sein. Da wir das aber nun dürfen, ist mein Super-Duper-Rat an dich:

Neue Leute kennenlernen, Teil eins

Geh’ vor die Tür!

Als Inspiration erzähle ich dir, wie das Bild zu diesem Beitrag entstanden ist. An der Kamera war nämlich ein Mann, den ich erst 45 Minuten vorher kennengelernt habe. Und ja, seine Frau stand daneben. Und ja, das Leben schreibt die besten Geschichten!

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Hummer-Hammer-Kleid-Bild!

Dieses Foto ist nämlich bei einer ungeplanten Raucherpause entstanden. Oh nein, ich rauche nicht, aber Antje und Ralph, die ich am Bahnhof kennengelernt habe, während wir paar Stunden auf unseren Zug gewartet haben. Die beiden sind mir aufgefallen, weil wir zusammen in einen Zug gestiegen sind und gleich paar Minuten später wieder zusammen aus diesem Zug ausgestiegen sind. Es war nämlich gar nicht unser Zug.

Unser Zug hatte Verspätung. Als wir in den “fremden” Zug stiegen, wollten wir zumindest in Bewegung sein in Richtung Süden, doch dann kam eine Durchsage, die eine baldige Ankunft unserer Zuges versprach. Und – naiv wie wir sind – sind wir ausgestiegen und haben auf dem Gleis gewartet. Bis nichts passierte. Der eine Zug fuhr weg, der andere kam nicht. Unser Zug ist schließlich gänzlich von der Anzeige verschwunden. Und der Mann an der Bahn-Information (Herr Sauer, ein sensationell witziger Typ!) gab und Gutscheine für Kaffee. So nahmen wir Kaffee und gingen … rauchen.

Der Hummer auf meiner Schulter ist eine Prop-Leihgabe von dem Nanu-Nana Laden, ganz in der Nähe des sonnigen Plätzchens, das wir zum Rauchen gewählt haben. Wir tranken Kaffe und sprachen über Reisen – wie das Menschen tun, die sich eben kennengelernt haben und noch unsicher sind. Als die beiden sich einen zweiten Zigarillo angezündet haben, bin ich zurück in den Bahnhof gegangen, Wasser holen. Zusammen wollten wir nämlich eine ganze Dreiviertel Stunde später einen Ersatz-Zug Richtung Zürich nehmen.

Ich laufe also zurück in das Bahnhofsgebäude und was sehe ich am Gleis? Unseren Zug! Also den, der bis vor 10 Minuten noch gestrichen war. Ich gehe hin, um zu fragen, wann der losfahren wird, Anzeigen sind alle ausgefallen …

Am ersten Wagen angekommen, macht die ICE Tür das berühmte Piep-Geräusch: gleich geht sie zu. Ich entschied mich für das Einsteigen. In schnellen Entscheidungen bin ich nämlich sehr gut. Antje und Ralph stehen immer noch in der Sonne und rauchen…

Neue Leute kennenlernen, Teil zwei

Die Geschichte ist hier aber noch nicht am Ende. Denn in Hannover setzen sich plötzlich zwei bekannte Gesichter neben mich in den Wagen 11 hin – Antje und Ralph! Wegen der ganzen Verspätungen gelten nämlich sämtliche Sitzreservierungen nicht. Darüber hinaus habe ich – durch das Fotoshootings in Hamburg ermutigt – eine weitere Person im Zug kennengelernt. Marc ist Berufssoldat und fährt ebenfalls Richtung Mannheim, und auch Marc will heute noch ankommen. Wie schnell die Deutsche Bahn durch Probleme in der Lage ist, uns Menschen miteinander zu verbinden!

Zurück zu Antje und Ralph. Während mein Zug paar Mal anhalten und auf etwas warten musste, sind die beiden mit einem anderen Zug vorgefahren und stiegen um – und ausgerechnet in den gleichen Wagen! Ich könnt euch nicht vorstellen, wie groß die Wiedersehen-Freude war! Mit mehreren weiteren Abenteuern und vielen anderen lachenden Fahrgästen kamen wir mit 4 Stunden Verspätung und einer unvergesslichen Geschichte im Süden an. 

Du siehst: Menschen kennenlernen ist gar nicht so schwer. Wir sollten öfter vor die Tür! Und jetzt dürfen wir das. Vielleicht ist auch das neue 9-Euro Ticket eine gute Gelegenheit, in einen Zug zu steigen ;-)

Hummer-Hammer-Kleid

Ist die Bildüberschrift, die Ralph seinem Nadja-Portrait gegen hat, und ich freue mich sehr darüber! Neue Leute kennenlernen geht mit Freude und Leichtigkeit, das merke ich mir für meine nächste Reise.

Raus aus der Ohnmacht!

Raus aus der Ohnmacht!

Disclaimer: Dieser Artikel ist am 27.2.2022 in einem emotional aufgewühlten Zustand der Ohnmacht geschrieben worden. Alter Verwalter, was für eine Zeit! Meine Emotionen sind gerade wie ein kaputter Reaktor von einem Atomkraftwerk, ich muss runterfahren und kühlen. Als wären zwei Jahre Corona nicht genug, haben wir jetzt eine unfassbar schwierige politische Situation direkt vor der Haustür. Und ich, halb Ukrainerin, halb Russin, fragt mich mal …

Für das Abkühlen meines eigenen Atomkraftwerks habe ich übrigens eine Atemübung, die ich gerne nutze: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden den Atem anhalten, 8 Sekunden aussagen, schön langsam und das mindestens 5 Mal wiederholen.

UNFASSBAR

Ich liebe ja die deutsche Sprache für die unglaubliche Kraft des Ausdrucks, die in ihr steckt. Wenn etwas “unfassbar” ist, dann wissen wir im wahrsten Sinne des Wortes nicht, wo rechts und links ist und wo der Rahmen ist für die Situation.

un-fass-bar

Dass uns diese “unfassbare” Situation emotional fertig macht, ist leicht verständlich. Wenn wir etwas nicht fassen, nicht verstehen können, läutet Alarm in unseren Köpfen und wir können weder schlafen noch geradeaus denken. Wir haben Angst und machen uns Sorgen.

Doch wäre ich nicht Nadja, wenn ich nicht – sofort nach dem ersten Schock und der Ohnmacht – mich fragen würde:

  • was KÖNNEN wir tun?
  • was können WIR tun?
Raus aus der Ohnmacht

Du kennst vielleicht den sogenannten Circle of Ifluence von Steven Covey. Das Modell benutze ich im Coaching, denn auch dort geht es darum, Handlkungsalternativen zu erhalten und etwas tun zu KÖNNEN. Die Visualisierung sagt: der äußere Bereich soll möglichst klein sein, der innere Bereich soll vergrößert werden.

Steven sagt nämlich, es ist ungesund, sich in dem Bereich des Kreises zu suhlen, wo die Ereignisse sind, auf die wir keinen Einfluss haben – weil wir uns da ohnmächtig (deutsch = ohne Macht!) fühlen. Wetter, Fussball, Lottozahlen und so. Können wir die Fakten verändern, die uns gerade emotional beschäftigen? NEIN. Aber was KÖNNEN wir verändern? Unser Denken und unser Verhalten!

  • Wir können entschleunigen, verlangsamen, achtsamer werden. Haltet an und hört euch selbst zu!
  • Die Menge der Fakten, die wir uns reinziehen, reduzieren (Bitte schaut nicht so viel Nachrichten! Die Mischung aus Sensation und Propaganda tut unserer Seele nach 2 Jahren Corona überhaupt nicht gut).
  • Die Quelle der Fakten weise wählen (Wie immer ist es wichtig alle Seiten zu sehen, was einem von den Medien aber schwer gemacht wird).
  • Das, was wir mit diesen Fakten anstellen, bewusst entscheiden (es ist so wichtig wie nie zuvor, positive Energien ins Feld zu geben und für unseren inneren Frieden zu sorgen).

Das Letzte ist folgendermaßen gemeint: wir können tratschen und und die Mäuler zerreißen darüber, wer schuld ist und wie schlimm das ist. Wir können aber auch uns darüber unterhalten, wie uns das emotional bewegt und welche Gedanken wir haben. Wir können uns einander öffnen und für einander da sein. Wir können einander viel besser kennenlernen. Und was auch nicht schadet, ist etwas Wissen aufzubauen zu der Thematik Ukraine-Russland und deren Geschichte. Der Konflikt, dessen Zeugen wir gerade sind, ist nämlich Jahrhunderte alt und hat wenig mit Putin als Person zu tun.

Raus aus der Ohnmacht

Was KÖNNEN wir tun?

Atmen und auf unseren inneren Frieden Acht geben. Aktiv werden. Uns mit unseren Kollegen zu unseren Gedanken und Emotionen austauschen – menschlich sein und sowohl über die Ohnmacht als auch über die Verunsicherung und die Verwirrung sprechen. Manche werden sicher etwas stiller sein, jeder ist auf seine Art in das Thema involviert.

Wir können auch etwas für den Frieden tun. Für den Frieden in uns

  • wem möchte ich vergeben?
  • was möchte ich loslassen?

Für den Frieden in unseren Familien 

  • mit wem habe ich lange nicht mehr herzlich gesprochen?
  • wer könnte meinen Zuspruch und meine Zeit brauchen?
  • wer braucht vielleicht einfach nur eine Umarmung?

Für den Frieden bei der Arbeit

  • wen könnte ich unterstützen? 
  • welcher Konflikt braucht eine Auflösung?
  • zu wem sollte ich eventuell sanfter sein?
Madlen und Nadja in der Neuen Denkerei - Raus aus der Ohnmacht mit New Work

Was hat das mit New Work zu tun?

Oh, eine ganze Menge. 

a) Humanisierung: Zuerst wäre da zum Beispiel das Thema Psychologische Sicherheit (aka magische New Work Praktik 9 3/4) und die Option, als ganzer Mensch zur Arbeit zu gehen statt sich jeden Morgen eine Maske aufzusetzen und für ein paar Stunden jemanden darzustellen.

b) Agilität: Dann wäre dann noch das Eingehen auf und das Einschließen der aktuellen Geschehnisse in das Arbeitsleben. Aus den diversen Reaktionen und Emotionen der einzelnen Teammitglieder lernen.

c) Miteinander: Das Zauberwort des Jahres 2022! In der Frage “Was können WIR tun?” hat das WIR eine große Bedeutung, denn in der Gemeinschaft ist die Summe größer als die Einzelteile. Die Sehnsucht nach dem WIR-Gefühl, ob hybrid oder voll physisch, wird uns ein großer Antreiber bleiben.

Der Satz aus Star Wars “Möge die Macht mit dir sein” hieß in den ersten Drehbuch-Fassungen eigentlich “Möge die Macht der anderen mit dir sein“.

d) Selbstbestimmung: Es ist jedem selbst überlassen, wie er mit den Herausforderungen der aktuellen Lage umgeht. Nicht anders sollte es in einem Unternehmen sein! Im Rahmen des Sinnvollen und des Möglichen selbst entscheiden und die Verantwortung übernehmenfühlt sich zum Greifen nah an.

Was WOLLEN wir nun tun? (Wir wollen raus aus der Ohnmacht!)

Die berühmte “So what?” Frage… Oder: gut, dass wir darüber gesprochen haben… Es passiert ja nicht von selbst. Und wie wir gerade vielerorts erleben, sind wir emotional in einem recht dünnen Kostüm unterwegs (danke an Dr. Ivanina Reitenbach für dieses Bild!) und brauchen BEGLEITUNG. 

Auch hier tut jeder, was er/sie kann. Als Psychologin habe ich in den letzten Tagen an mehreren Panel-Diskussionen teilgenommen, auch auf anderen Kanälen wurden Psychologen zu Rat gezogen. “Runterfahren und kühlen” war mein eigenes Bild, wie ich mit meinem emotionalen Knoten umgehen soll, das wurde auch von meinen Kollegen ähnlich beschrieben. 

Und wenn wir uns wieder einigermaßen gefasst haben (was für ein schönes deutsches Wort mal wieder!), dann werden wir sicher weiter leben und planen. Und je öfter wir diese Selbstregulation ausgeführt haben, desto besser beherrschen wir sie. 

Wenn du selbst mit deinem inneren Frieden und der Selbstregulation weiter bist, kannst du anderen helfen – analog zu dem Bild mit den Sauerstoffmasken im Flugzeug.

Madlen und Nadja in der Neuen Denkerei - Raus aus der Ohnmacht mit New Work

Wir können noch viel mehr! (Wir können raus aus der Ohnmacht!)

Ja, jetzt kommt so etwas wie Werbung. Nachdem ich am Tag, wo alles anfing, mir zwei Lagen Wimperntusche im Zug nach Kassel weg-geweint habe, habe ich dort die Neue Denkerei besucht und eine Ramen Suppe mit Steffi und Madlen gegessen. Entschleunigt, abgekühlt, zu mir gekommen.

Wir – Nicole, Madlen, Steffi und ich – wollen unbedingt eine ganz nützliche, sinnvolle und außergewöhnlich menschliche Veranstaltung dort machen.

Alle Infos gibt es hier. Es wäre toll, wenn du Menschen in deinem Umfeld darauf aufmerksam machst, denn aus unserer Sicht braucht es in Zukunft noch mehr Begleiter und Unterstützer, und die Zukunft von New Work ist ohne New Work Coaches nicht denkbar.

Bob der Baumeister würde jetzt fragen: Können wir das tun?

Und die lustigen Teamkollegen von ihm würden antworten:

Ja, das können wir!

In diesem Sinne, hab eine gute Woche!

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Mehr Emotionales aus dem Online-Tagebuch

Grüß Gott! – über Rituale in 2022

Grüß Gott! – über Rituale in 2022

Grüß Gott! sage ich, und neben mir kichert es. Ich bin in Bayern, auf ein verlängertes Wochenende, zusammen mit M. und N., beides meine Kolleginnen (und das bedeutet für uns Selbständige: wir verstehen einander gut!)

Nach vielen Monaten Verwirrung, Lockdown, virtuellen Meetings und Unsicherheit tut ein Wochenende im Schnee und weitab der sonstigen Routinen mehr als gut. Wir schlafen wenig, reden viel und gehen zwischen kleinen Dörfern, die keiner kennt, spazieren. Grüß Gott! sage ich dann immer, wenn ich den Jesus sehe, und das kommt oft vor. Ich will nicht despektierlich erscheinen, ich bin von diesem Kulturaspekt sehr angetan.

petranovskaja gruess gott
petranovskaja gruess gott

Später sinnieren M., N. und ich zu dritt darüber, was die Welt wohl in 2022 am meisten braucht. Die Arbeitswelt ist dabei insbesondere im Fokus, weil wir dort unsere Kunden haben und ihnen eine gute Unterstützung sein wollen. Wir arbeiten mit Lego, das ist eine gute Brücke für die beiden Gehirnhälften. Die Hände suchen Formen, die Augen suchen Farben und Bilder, die Lippen sind für Wörter zuständig, und ab und zu wird mein Atem schneller, weil ich das Gefühl habe, etwas Wichtigem ganz nah zu sein.

Hund, Katze, Maus… ähm, Kaninchen!

petranovskaja gruess gott lego
petranovskaja gruess gott lego

Eine erste Erkenntnis gewinnen wir über die Bilder von Hund, Katze und … nein, nicht Maus, Kaninchen. In dem (für manche bereits leidigen) Thema, von wo nun demnächst gearbeitet wird (zuhause oder im Büro), steht der Hund für all die Mitarbeiter, die sich mit allen im vertrauten Office treffen möchten. „Hunde“ wollen ihre ganze Sippe beisammen haben und sich über die Vollständigkeit des Rudels freuen.

Die „Katzen“, die brauchen kein Rudel. Sie lehnen das Büro nicht grundsätzlich ab, haben jedoch die Vorteile des remote Arbeitsplatzes für sich kennengelernt und würden auch in Zukunft gern in ihrem eigenen Tempo in den eigenen Wänden für das Bruttosozialprodukt kämpfen. Die Begeisterung der „Hunde“ finden die „Katzen“ anstrengend.

petranovskaja gruess gott lego

Und dann wären da noch die Kaninchen. Das ist so ein Typ Mitarbeiter / Mensch, der beides Braucht: Schutz und Ruhe. Unsicherheit, was nun besser sei, ist oft an der Tagesordnung. Die Kaninchen verstehen sowohl die Katzen als auch die Hunde und können jedoch weder vermitteln noch eine klare Entscheidung treffen. Manchen Kaninchen kann man es auch mit nichts recht machen: weder mit einer klaren Vorgabe, wann und wo gearbeitet wird, noch mit einer Freiheit für die Selbstentscheidung.

Wie, wann und wo arbeiten wir in 2022?

Wir glauben, viele Unternehmen werden in diesem Jahr in solchen Diskussionen und Situationen sehr viel Reibungsverlust haben.
Wir wollen sie dabei begleiten, es zu verhindern. Zum Glück war noch mehr Lego da, also haben wir weiter mit den Händen gedacht und uns gefragt, was unsere Lösung für diese Situation wäre.

Bestimmt war uns meine Begeisterung für die bayerischen Traditionen und „Grüß Gott“ eine große Inspiration. Nachdem wir kurz über das Bedürfnis nach gemeinsamen oder geteilten Werten gesprochen haben, kam der Begriff „Ritual“ ins Spiel. Auf unserem Lego-Brett war das ein Maibaum. Folgende Merkmale der Maibaum-Tradition waren für uns relevant:

  • gebunden an ein festes Datum
  • kann in jedem Ort aufgestellt werden
  • auf dem Maibaum werden die Gilden (die Stärken/Qualitäten) des Ortes sichtbar gemacht
  • es gibt die (spielerische) Variante des Rituals – mit Maibaum entführen
  • zu der Tradition des Aufstellen gehört das obligatorische Essen, Trinken und Tanzen dazu – alle kommen zusammen und sind ansonsten einfach nur da

Übersetzt für Hunde, Katzen und Kaninchen dieser Arbeitswelt könnte eine neue Tradition, ein neues gemeinsames Ritual geschaffen werden, welches die verschiedenen Qualitäten (oder auch verschiedene Bedürfnisse/Werte) der Gruppe sichtbar macht. Natürlich hatten wir als Moderatorinnen und Trainer sofort zig Ideen für die konkrete Ausgestaltung der Formate dazu. Das Jahr 2022 kann nun so oder so sein, wir haben unseren Fokus gefunden.

petranovskaja gruess gott
petranovskaja gruess gott

Exkurs: über Rituale

Rituale gibt es sowohl im familiären Umfeld, persönlichen Tagesablauf als auch im Arbeitsleben. Ein Ritual ist ein nach (oft unbewusst gewordenen) vorgegebenen Regeln ablaufende Handlung mit hohem Symbolgehalt und sozial bedeutsamen Wiederholungen, die uns

  • Orientierung gibt (Gebet, Gericht, Betriebsversammlung etc.)
  • Zeitläufe strukturiert (Geburtstag, Feiertag)
  • Komplexität reduziert (z.B. Entscheidungsvorschriften)
  • Zugehörigkeit bestärkt (z.B. Führungskräftemeetings)
  • Negative Emotionen abfedert (z.B. Verabschiedungen)

In Organisationen entstanden Rituale früher häufig unkontrolliert, z.B. in der Kaffeeküche, bei regelmäßigen morgendlichen Flurgesprächen oder beim gemeinsamen Lunchverabredungen – durch Begegnungen und Wiederholungen. In der Corona-Zeit konnten viele Rituale (wie zB gemeinsames Frühstück) nicht ausgelebt werden. Gleichzeitig entstanden neue Rituale. Nun geht es darum, in der jetzt bewusst zu gestaltender neuen Zeit auch das Thema Rituale neu anzuschauen und zu fördern, damit das Wir-Gefühl trotz aller zeitlichen und räumlichen Grenzen bestehen bleibt oder sogar gestärkt wird.

Zu diesem Thema werden Nicole Anzinger und ich in 2022 ein New Work Workshop anbieten ;-)

Moin Digga!

Zurück in Hamburg habe ich – mal wieder – festgestellt, wie wichtig es mir ist, unterwegs zu sein und Neues zu sehen. In einer Umgebung, die meine Synapsen kitzelt – und sei es vorerst nur über Jesus im Wald – kommt automatisch neues Sehen dabei zustande. Ich erkenne andere Zusammenhänge und kann daraus viel mehr Möglichkeiten ableiten als vorher.

Außerdem ist der Erholungseffekt eines Wochenendes immer noch sehr unterschätzt. Aus 2-3 Nächten woanders entsteht stets das Gefühl, eine Ewigkeit unterwegs zu sein. Die sechsstündige Zugfahrt von München nach Hamburg hat dieses Gefühl nur noch bestärkt.

Ich vermisse den Schnee und den Gott am Waldweg. Die Hamburger haben dazu ihren eigenen Humor:

Ein Hamburger sitzt mit seiner Astra-Pulle an den Landungsbrücken, schaut auf die Schiffe und den Hafen. Als die Sonne langsam hinter den Kränen verschwindet, setzt sich Gott neben ihn und tut es ihm gleich. Nach einigen Minuten nimmt der Hamburger all’ seinen Mut zusammen und fragt ehrfürchtig: „Mien Gott, watt moogst Du denn bi uns in Hamburch?“ Gott antwortet: „Home-Office, Digga, Home-Office…“

In diesem Sinne: ich gehe arbeiten. Auch wenn ich mein Home office langsam sehr gern gegen andere Räume eintauschen will, um mit Menschen zusammen zu kommen… Die Sehnsucht ist groß, und ich mutiere gerade ganz deutlich von Katze zum Hund.

Wie steht es um dich? Was ist deine größte Sehnsucht gerade?

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Mehr zum Thema “Zukunft der Arbeit”

Hier übrigens ist eine Liste mit einigen Podcasts, wo ich zu Gast war – auch zum Thema neue Arbeit :)

Wir sind viel zu selten am Meer

Wir sind viel zu selten am Meer

Oh ja, wir sind definitiv viel zu selten am Meer! Vorletzte Woche habe ich mit recht vielen Menschen darüber gesprochen, was sie sich für dieses kommende Jahr vornehmen, und jemand meinte, ans Meer zu fahren wäre toll.

Nicht aufschieben bitte! Wer weiß, was morgen ist! Schoss es mir sofort durch den Kopf, denn ich weiß wie gut wir darin sind, uns unsere innigsten Träume so weit nach hinten zu stellen, dass wir bloß und auf keinen Fall glücklich sind. Selbstsabotage, eines unserer Kernkompetenzen, darüber schrieb ich letztes Jahr recht viel in unserem Buch “Am Leben vorbei“.

Nicht aufschieben! Nichts und niemals aufschieben, wenn es uns wirklich wichtig ist.

Wann weiß ich, dass es wichtig ist?

Eine schwierige Frage mit einer einfachen Antwort. Wenn du nur noch 24 Stunden zu leben hättest, was würdest du tun? Würdest du dann ans Meer fahren? Wenn die Antwort “ja” heißt, dann weißt du Bescheid. Würde ich jetzt noch die Netflix Serie zu Ende schauen, wenn nur noch 24 Stunden vor mir wären? Unwahrscheinlich. Würde ich meine Emails checken oder meinen Instagram Status? Unwahrscheinlich.

Was würde ich stattdessen tun?

Ich würde leben! Lachen, tanzen, Schneeflocken mit der Zunge fangen, mich an den zwei Sonnenstrahlen erfreuen, die zwischen den Wolken scheinen und noch so viel mehr!

Das Seltsame ist nur: wir tun so etwas viel zu wenig. Wir sind zu selten am Meer. Wir tanzen zu wenig und sind zu oft in unser Smartphone vertieft. Vielleicht halten wir uns für unsterblich. Vielleicht betreiben wir sehr gern um die Wette mit der Zeit die Selbstsabotage. Vielleicht gibt es einfach zu wenig Warnzeichen, die sagen: es kann morgen schon alles vorbei sein. Vielleicht brauchen wir aber auch keine Warnzeichen.

Vielleicht müssen wir etwas verlernen

Eine Freundin von mir ist gerade in Costa Rica. Es wird getanzt und jeder Sonnenuntergang wird gefeiert. Es wird gesund gegessen und viel Sport gemacht. Natürlich kann nicht jeder von uns mehrere Wochen nach Costa Rica fliegen, schon gar nicht in der heutigen Zeit, aber wisst ihr was? Wir können viel mehr als wir tun.

Wir sind zu so viel in der Lage! Wir haben so viele Möglichkeiten! Aber wir nutzen sie nicht. Wir bleiben lieber sitzen statt auszugehen. Wir fahren nicht ans Meer. Wir lernen nicht, was wir uns vorgenommen haben. Natürlich können wir das auf Müdigkeit und Stress schieben.

Doch würden wir genau so leben, wenn wir nur noch 2 Wochen Zeit zu leben hätten?

Wohl nicht.

petranovskaja wir sind zu selten am Meer
Doppelbelichtung mit Diana 2011, Thailand

Wir sollten öfter vor die Tür gehen

Wir sollten übrigens öfter vor die Tür gehen. Heute, auf dem Weg zum Einkaufen, kommen mir drei Schul-Jungs, circa 12 Jahre alt, entgegen. “Entschuldigen Sie, mögen Sie lieber Berge oder Meer?” – fragen sie mich.

Das Meer natürlich. Ich gehe weiter und freue mich gedanklich sehr darüber, dass mein letzter besuch am Meer nur wenige Tage zurück liegt. Wir Nordmenschen haben es nicht so weit. Später am Abend telefoniere ich mit einer ganz lieben Person, die auch findet, dass die Nordsee-Farben im Januar besonders intensiv sind.

Wir sind zu selten am Meer

Reisen und am Meer sein sind ein Privileg, und ich habe in meinem Leben sehr viel Geld dafür ausgegeben, diese Erlebnisse zu sammeln. Ich war an so vielen Stränden und an so vielen Meeren und Seen, wie ich nur konnte. Ich habe Fotos gemacht, Steine und Muscheln gesammelt und wieder losgelassen, ich habe mir abends den Sand aus dem Haar und von den Bettlacken entfernt und vor allem habe ich eins gemacht.

Ich habe gelächelt.

Wenn mich etwas mit dem Meer verbindet, dann ist es das Lächeln. Die gefühlte Verbindung mit dem ganzen Universum und der Natur. Die Freude an den rauschenden Wellen. Die Lebewesen, denen unsere politische und wirtschaftliche Lage völlig Schuppe ist. Die Entspannung und die Gelassenheit, die sich mit jeder Welle ausbreitet.

Was ich während der Pandemie, besonders während der Lockdown-Wochen gelernt habe: auch die Wellen der Elbe haben die beruhigende und ablenkende Wirkung auf mich. Viel mehr noch, die zweimal am Tag stattfindende Ebbe-Flut-Wechsel inspirieren mich und beschäftigen meinen Geist. Wenn es für die Natur so einfach zu sein scheint, so eine große Menge Wasser hin und her zu bewegen, warum sind wir Menschen manchmal so unbeweglich?

Also, wir sollten öfter vor die Tür gehen und wir dürfen definitiv öfter ans Meer. An den Strand. In die Nähe von den vielen Wundern der Natur. Dahin, wo alles für irgendwas gut ist, denn die Natur trennt nicht in gut und schlecht, in der Natur wird aus allem etwas gemacht.

Sehnsucht, Vorfreude, Erkenntnis

Wir sind viel zu selten am Meer. Sehnsucht, Vorfreude, Erkenntnis – dieses Jahr kann immer noch so wundervoll werden, obwohl der Januar schon fast vorbei ist.

Also:

  • lasst uns verlernen, was uns nicht gut tut!
  • stellen wir uns den lauten Fragen im Kopf!
  • lasst uns leben und tanzen statt die Zeit umzubringen!
  • treffen wir uns am Meer?
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Was an den Neujahrsvorsätzen so zauberhaft ist

Was an den Neujahrsvorsätzen so zauberhaft ist

Neujahrsvorsätze werden in der heutigen Zeit gern verpönt und verteufelt, dabei sind sie eigentlich – nach wie vor – ganz zauberhaft. Wie ich zu dieser Erkenntnis im Jahr 2022 komme, das beschreibe ich gern hier.

Kopf-Ziele

Als ich nach Deutschland kam (das war 1992), habe ich sehr schnell gelernt, dass die Deutschen gerne planen. Und dass es dafür allerhand Werkzeuge und Hilfsmittel gibt. Jahresplaner, To Do Listen, Planungsmeetings ohne Ende, und dann kam auch schon das erste Mal die Sylvester-Frage, was ich mir für das nächste Jahr vornehme.

Ach so geht das, dachte die junge Nadja damals. Man wünscht sich was und erzählt es allen, und dann kann es einfach so zu mir kommen… Also habe ich natürlich – wie es üblich ist – mir alles mögliche vorgenommen, für Erfolg, Glück und Gesundheit. Mit und ohne Bleigießen und andere Sylvester-Bräuche.

Wenn ich ehrlich bin, kann ich mich nicht daran erinnern, wie viele meiner Vorsätze erfüllt wurden, das mag daran liegen, dass ich mir die Wünsche nicht wirklich vom Herzen her gedacht habe, sondern mehr aus der kognitiven Logik.

Herz-Ziele

Das Leben ist ein Zebra (ich mag diese Metapher sehr), und so kam in meinem Leben ein relativ schwarzer Streifen, in dem – und daran kann ich mich ganz gut erinnern – keiner meiner Wünsche oder Vorhaben in Erfüllung ging. Nichts wurde besser, ich war oft krank, unzufrieden bis unglücklich, gestresst… Kurz: eine ganze Palette von allem, w as man nicht haben mag.

Wenn ich aus der heutigen Perspektive die Frage “Warum?” stelle, dann weiß ich, dass ich mit Sicherheit Einfluss darauf hatte, wie mein Leben war. Wir haben nämlich immer eine Einfluss darauf. Und wir vergessen das regelmäßig. Meine Neujahrsvorsätze in dieser Zebra-Zeit waren zwar aus dem Herzen kommend, aber ihnen fehlte das Vertrauen, dass ich es wert bin, zufrieden, gesund und glücklich zu sein, und ohne Vertrauen kommen wir nicht weit.

Willensziele (und Theory U)

Der wunderbare Otto Scharmer visualisiert in seiner Theory U einen U-Bogen mit mehreren Ebenen, und die Ebenen haben so etwas wie eine Voraussetzung, um ihnen zu begegnen. Mir ist dieses Denk-Format (ich weiß nicht, ob das Wort Modell passend ist) erst beim Schreiben in den Sinn gekommen, weil ich nach und nach über mein Leben und das Transformieren meiner Neujahrsvorsätze nachgedacht habe. Die übliche Abbildung dazu (findest du mit Leichtigkeit im Internet) ist für meinen Artikel hier eher verwirrend, daher bleibe ich bei den Worten.

Otto Scharmer spricht davon, dass wir die Veränderungen, die wir uns wünschen, von der Zukunft her denken sollen. In der Mitte des Kreativ-Prozesses dazu gibt es so was wie ein Nadelöhr, und um dahin zu kommen, soll man drei Schwellen überwinden. Die erste Ebene braucht einen “Open Mind”, um weiter zu kommen. Innehalten, das Denken öffnen und neue Gedanken zulassen (dazu passt auch das erste Kapitel “Anhalten” in unserem neuen Buch “Am Leben vorbei“). Weiter geht es, und es braucht ein “Open Heart” – das Neue sehen, sich umwenden, bereit sein. Und dann, als letzte Stufe vor dem Nadelöhr geht es um “Open Will” mit einer für uns nicht leichten Aufgabe, dem Loslassen.

Kommt man mit dem offenen Denken, offenen Herzen und offenen Willen in die magische Mitte des Prozesses, kann man seine Zukunft – und zwar die, die sich entfalten möchte – fühlen und wahrnehmen (“Presencing“).

Und das ist der Nadja dann nach vielen enttäuschenden Jahren mit den enttäuschenden Neujahrsvorsätzen passiert, nachdem sie sehr viel losgelassen hat. Kündigung und Scheidung, Umzug und eine berufliche Selbständigkeit ohne Sicherheitsnetz.

Soll man die Neujahrsvorsätze verfluchen?

Dann kamen ein paar Jahre, in denen es plötzlich uncool war, sich etwas vorzunehmen, es sei zu viel, zu unrealistisch und überhaupt, sich selbst zu perfektionieren, wäre unmenschlich. Das war dann auch die Zeit, in der ich ein Buch dazu geschrieben habe, wie man – trotz des berühmten inneren Schweinehundes – zu seinen Zielen und zu einem Besseren Ich kommt.

Um mich herum wurde sich also ein paar Jahre nichts vorgenommen. Ich dagegen habe regelmäßig Yoga gemacht, bin mit meinen Kindern in schöne fremde Länder gereist, habe meine Selbständigkeit auf stabilere Beine gestellt und immer mehr unnötige Dinge in meinem Leben losgelassen.

Nordstern-Ziele

Heute nehme ich mir keine konkret messbaren Dinge mehr vor. Also weder Umsatz-Ziele noch Reise-Ziele noch etwas, was ich irgendwann – an einem Tag im Jahr abhaken kann. Ich habe auch keine Bucket List mehr, wie früher.

Stattdessen habe ich einen Nordstern – also etwas, was mir jeden Tag Orientierung gibt, wenn ich mich entscheiden möchte. Ich möchte zum Beispiel in 2022 so oft wie möglich gesund sein, um einen Handstand zu üben. Damit nehme ich mir den Druck, eines Tages den Handstand zu können, und dennoch habe ich jeden Morgen eine Motivation, auf die Yogamatte zu gehen, mich gesund zu ernähren, mich viel zu bewegen und für genug Schlaf zu sorgen. Ich weiß, sehr schlau.

Ich bin gespannt, ob mir der Nordstern eine Hilfe sein wird. Ich finde ihn nämlich ganz und gar zauberhaft, und damit auch das ganze Thema Neujahrsvorsätze. Was immer uns in diesem Jahr passiert – und wir haben ja schon zwei unplanbare Jahre hinter uns – ich habe einen großen Einfluss darauf, wie mein tägliches Leben aussehen wird.

Und darüber freue ich mich sehr.

Worauf und worüber freust du dich in diesem Jahr?

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