Dreimal DIE und einmal DAS (Woche 14)

Dreimal DIE und einmal DAS (Woche 14)

Die Baustelle

Draußen wird ein Straßengraben mit Sand gefüllt und mit einem Rüttler plattgerüttelt. Es ist ein tiefes dumpfes Geräusch. In den Mitteltönen reiht sich unser Maler Stefan in das Geschehen ein, er schleift gerade die Türen ab mit einem elektrischen Schleifgerät, der an einen Staubsauger angeschlossen ist. Damit das Orchester vollständig ist, fügt unser Fliesenleger ein Säge-Geräusch hinzu, den korrekten Namen seines Geräts habe ich gerade nicht parat.

petranovskaja blog corona tagebuch woche 14
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Es ist laut. Es soll schön werden, und darum ist es inzwischen laut und staubig und nervenaufreibend. Darf sich der Raum unter der Fliese hohl anhören? Wird die Leitung, die wir gerade zuggespachtelt haben, den Strom an die richtige Stelle in der Wand bringen? Klappt das mit diesen und jenen Details, die wir in unzähligen Diskussionen und zum Teil zermürbenden Entscheidungsprozessen mit Herstellern, Händlern und Handwerkern festgelegt haben?

petranovskaja blog corona tagebuch woche 14 work in progress
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Ein Umbau ist Arbeit. Viel Arbeit. Ein Umbau ist mit vielen, sehr vielen Entscheidungen verbunden, die immer wieder getroffen werden müssen. Auch wenn es für einige Stellen in unserer Wohnung klare Bilder und Wünsche von Anfang an gab, sind die meisten davon während der Baustellenzeit abgeändert worden. Weil etwas leichter geht oder nicht geht. Weil wir mit jedem Schritt, den wir schon gemacht haben, neue Erkenntnisse gesammelt haben, und diese können wir dann nutzen, um neu zu entscheiden.

Vermutlich würden jetzt einige Leser aufspringen und sagen: Ja, das ist es, agile Vorgehensweise!
Vielleicht würden andere Leser aufspringen und sagen: das ist doch ganz normal, Work in progress!

Die Maske

Weiß die Natur eigentlich, wie der Schmetterling aussehen wird, der sich aus der Raupe ergibt? Diese Frage treibt mich manchmal um.
Muss die Natur das wissen?

Zurück auf uns bezogen: Wissen wir, wie das New Normal aussehen wird? Sollten wir das wissen? Manche geben jetzt schon Schulungen mit der Überschrift „So kommst du in drei Schritten zu New Normal“. Ich bin baff.

Und Corona… Gibt es sie noch? Hier auf der Baustelle merke ich nichts davon. Ich werde regelmäßig daran erinnert, wenn ich in ein Geschäft möchte, Milch und Brot holen. Dann gibt es sie wieder, die Abstandsregeln und die Masken. Apropos Masken, es gibt da auch andere Schilder (gesehen bei Nettchen in Glücksstadt).

petranovskaja blog corona tagebuch woche 14-3 maske
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Die Tochter

Meine Tochter ist zurück. Der Hamburger Flughafen, auf dem am Samstag nur alle 2-3 Stunden ein Flugzeug landet, gleich einer Geisterstadt. Alle Geschäfte zu, Parkhaus praktisch leer, nur ein paar Menschen, die zusammen mit uns auf das Flugzeug aus München warten.

Die unvergessliche Anekdote unseres Lebens: Wir warten an diesem Tag am längsten. Als nach fast 30 Minuten kein Gast mehr rauskommt, wir aber immer noch warten, geht der Security Mitarbeiter mit einer Zigarette in die Pause an uns vorbei. Was wir hier täten, fragt er. Schließlich kommt die nächste Maschine erst in zwei Stunden. Wir warten auf unsere Tochter. Da ist aber keiner mehr, meint er. Er gehe erstmal rauchen, dann schaut er nochmal. Seine innere Ruhe möchte ich haben!

Als er – immer noch die Ruhe selbst – in sechs Minuten wieder zurück kommt, stehen wir immer noch da und warten. Er geht hinein und kommt gefühlte 100 Minuten später wieder. Da würde noch eine junge Dame am Band stehen. Wir dürfen rein und unser Kind umarmen. Auch sie ist die Ruhe selbst.

Auf die Frage, wo sie so lange war, bekommen wir eine klare Auskunft: sie war auf der Toilette und hat sich komplett umgezogen. Schließlich war sie mit zweimal Umsteigen an vier Flughäfen der Welt und wolle auf keinen Fall von irgendwo Corona mitbringen.
Auch der Koffer und der Rucksack werden komplett mit Desinfektionstüchern abgewischt, bevor wir diese ins Auto beladen.

Das Fahrrad

Ein Kapitel hat meine Woche noch. Ich habe mir ein Fahrrad gekauft. Das letzte ist mir mitten in Hamburg geklaut worden. Jetzt rolle ich wieder und stelle fest, dass der Ausdruck „Das ist wie Fahrrad fahren, das verlernt man nicht“ für mich nicht ganz gilt. Die Kurven oder das Umdrehen auf schmalen Stellen ist definitiv in die Kategorie „Schwach und ausbaufähig“ einzutragen.

Wir haben in Hamburg ja eine teilgrüne Regierung, und wir sollen ein bisschen wie Copenhagen werden. Wenig Autoverkehr, viel Ruhe, viel Grün, viele Fahrradfahrer. Als jemand, der bis 2011 gar kein Auto hatte und danach in den Genuss der Sitzheizung kam, war ich nicht so glücklich mit diesen Zukunftsbildern. Ich werde sie nun für mich im Sinne von „Work in progress“ selbst erkunden und Erfahrungen sammeln. Mit Wind und Wetter und mit den Autofahrern und Fussgängern. Meine Fahrradtasche steht bereit, da passt mein Laptop viel besser rein, als in meine Handtasche, und so bin ich offen für neue Erfahrungen in der wunderschönen Stadt, in der ich so gern lebe.

Es fühlt sich an, als wäre das sein 14 Wochen die erste Woche, in der ich mit Zuversicht und Freude nach vorn schaue und weniger kritisch oder auf Krawall gebürstet bin.

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Das nehme ich mit.

Danke fürs Zuhören,

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Mein Corona-Tagebuch

Four amazing exercises to use in your (online) facilitation

Four amazing exercises to use in your (online) facilitation

Since we are taking our facilitation more and more online, find here four all-time favorites from the Wondercards team (Ute + Nadja). Let’s make facilitation more fun!

Wondercards energizer: Stop faster

We learned this energizer at #play14, an amazing global movement for more serious games. Check the website out to find an event in your region!

Here is the VIDEO from the exercise:

wondercards stop faster
(Screenshot from the video)

I used four commands here:

  • move/stop (+ move faster) – than turn around (stop means move, move means stop, here you get the name from: stop faster!)
  • clap/name – after some time, turn around as well to get more fun

In a “real life” setting we would move around in the whole room (instead of “move” the word “walk” fits better than). Add the jump/dance commands pair to have even more energy – it also works online if no one is using wired headphones! :-)

Wondercards Warm-Up: Standogram

Create a visual for the scale. This can be a line on a whiteboard or a Mentimeter question or just question in chat where you describe the endpoints. Ask the participants to “position” themselves in relation to each other and to the question. Define the scale well. Examples:
∙ My excitement today… (big – small)
∙ How long am I in this team?
∙ I am more thinking/more intuitive type of person
∙ My knowledge about today’s topic is (0 – 100%)

You can also create two scales (X&Y):
X = I lead more people-oriented
Y = I lead more task-oriented

When everyone has found their relative position, ask a few participants why they are „standing” there. 
This warm-up creates an understanding of who is in the room. It also helps to start into the topic of the workshop/conversation.

wondercards standogram example
(Online Standogram example)

Wondercards Energizer (in Zoom): Danish clapping game

In a “real space”, this exercise is an amazing energiser. To make it work in an online setting, we adapted some steps. Here is the instruction:

  • Assign participants in pairs (eg from the list or from your screen view) – no need to send your participants into breakout rooms! 
  • Put all microphones on!
  • Indicate that this game is about presence, decision, and perception. 
  • Explain the rhythm: clap thighs simultaneously, then point in one of four directions (up, down, left, or right). Each player chooses individually which direction to point to. If they happen to point in the same direction, they high five each other. If they point in different directions, then they clap again and point in a new direction. 
  • Ask the participants to become faster. Short version as an energizer. Longer version with a debriefing on topics: Decision Making, Empathy, Cooperation, Communication, MultiTasking, Flow

Works perfectly in Zoom where you can see each other on the screen. Have fun!

PS: We played this game in the Weekly facilitators remote café and did some reflexion of what worked well or less well, and these are our learnings:

wondercards danisch clapping game
(Danisch clapping game – the learnings)

Wondercards structure: HoWoRiCha

This card is perfect for a critical audience! In this video you cal learn how to use it in the beginning, middle or at the end of your workshop/session. You also can use this WonderCard for a virtual meeting!

Why?–  get to know your participants-  connect your participants-  dive into a (complex) topic
How?–  in the beginning: introduction round-  to dive in: after the warm up-  at the end: evaluate the outcome,work on next steps and actions
What?–  use sticky notes or cards-  work virtual (e. g. on a white board)-  move participants in the room, useany technique to connect brain and body

Please check out our Vimeo channel where we explain you a bit more about this structure.

Any more questions about Wondercards? Get your pack!

petranovskaja Shop Workshops agil gestalten mit Wondercards Methoden-Spiele-Tools

More about facilitation:

Enjoy!

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There is no “new normal” (Woche 12)

There is no “new normal” (Woche 12)

Überall lese ich etwas über das “new normal”. Bisher hat es mich stutzig gemacht, und ich wusste nicht, warum.

Gestern war ich in einem sehr wertvollen Termin: Soziodrama mit den Jungs von Komfortzonen. Und wir haben gemeinsam in einem sehr tiefen und emotionalen Gespräch festgestellt:

Es gibt kein “new normal”. Weil das bedeuten würde, dass dieses neue Etwas schon existiert – zumindest in unseren Gedanken und Vorstellungen – und wir es nur noch herstellen, aufbauen müssten.

Dabei weiß doch niemand, wie es sein wird.

Wir segeln auf Sicht. Wir sind in einer komplexen, sehr komplexen Situation voller Möglichkeiten. Und es ist an uns, diese Möglichkeiten zu nutzen.

Was sagst du dazu?

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PS: Manchmal ist Twitter Gold wert! So hat die kleine Diskussion dort ergeben, dass es deswegen noch keinen neuen Begriff für das “new normal” gibt, weil wir dieses Neue noch nicht begreifen. Ich liebe die deutsche Sprache, immer wieder! Wie sollen wir etwas be-greifen (greifen, umarmen, sehen, anfassen), wenn es noch nicht da ist?

Hach!

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Danke, Twitter!

Mein Corona Online-Tagebuch: 

Was wir in den nächsten 12 Monaten tun… (Woche 11, skurril)

Was wir in den nächsten 12 Monaten tun… (Woche 11, skurril)

Zuallererst: Heute ist meine Tochter Kira 17 Jahre alt geworden. 17 Jahre ist ein zauberhafter, atemberaubend schöner Zeitpunkt im Leben. Nicht mehr ganz unschuldig und immer noch nicht erwachsen, was war das für mich ein grandioses Jahr meines Lebens! Ich wünsche dir, liebe Tochter, vom ganzen Mutterherzen nur das Beste und das Wertvollste und das Veganste dieser Welt. Möge die Macht mit dir sein!

Salzige Blogzeilen

In zwei Wochen werden wir uns nach dem langen Schuljahr in USA wieder sehen, un das skurrile an diesem Gedanken ist, dass ich tatsächlich ganz (aber auch nur ganz) kurz darüber nachdachte, ob wir uns am Flughafen einfach so umarmen dürfen. Ob das gerade vom Gesetz her erlaubt ist. Welch schräger Gedanke! Natürlich werden wir uns umarmen, und endlich einander spüren und riechen und streicheln und Haare um den Finger drehen und die Stimmen hören ohne die digitalen Filter. Ich heule jedes Mal vor Glück bei diesem Gedanken, so auch jetzt. Salzige Blogzeilen, eine neue Metapher.

petranovskaja tagebuch woche 11 bitte berühren
Fundstück der Woche beim Spaziergang in Hamburg Entenwerder

Bitte berühren 

Bitte berühren, da steht das einfach so auf dem Knopf an der Ampel. Wie jetzt? Ich darf mich nicht mal auf einen Stuhl draußen VOR der Bäckerei hinsetzen, wenn dieser nicht desinfiziert ist, und hier – einfach berühren? Jeder, der an der Ampel steht? Skurril! Fällt denn niemandem dieser Wahnsinn auf?

Wir gehen in ein Möbelhaus, in MNS (Mund-Nasen-Schutz), versteht sich. Im zweiten Stock zwischen Sofas und Kücken hat das Café offen. Wir setzen uns, wir setzen die MNS ab und wir werden gebeten, einen Meldeschein auszufüllen. Mit einem Kugelschreiber, der für alle da ist. Wir trinken einen Kaffee und sehen zu den anderen Möbelhaus-Besuchern, die gerade in ihren MNS an uns vorbeigehen. Skurril!

petranovskaja tagebuch woche 11 cafe
Doppelte, skurrile Realität

Dankbarkeit

Ich bin sehr über dieses Tagebuch dankbar. Es gibt mir Disziplin und einen Rahmen. Ich zähle gern die Wochen (und weiß nicht, warum) und ich stelle fest, wie viel ich während einer Woche erlebe. Zu meiner großen Freude bin ich aus dem Digitalen-Tal der Tränen raus. Ich arbeite wieder voll gern und zwar immer noch:

  • an den Wondercards zusammen mit Ute Nietschke. Diese Woche haben wir im Facilitators’ remote café über die virtuelle vs. face2face Moderation reflektiert, und viele wertvolle Erfahrungen gezogen. Auch wenn es sonst recht still ist rund um die Wondercards, die Überzeugung, dass die Moderation gerade jetzt sehr wichtig ist, wird täglich bestärkt. Wie jemand sehr treffend sagte diese Woche, es geht nicht um die Tools, es geht um die Haltung. Hier ein Screenshot aus der Session mit Ute:
  • petranovskaja tagebuch woche 11 moderation
  • an der Gemeinschaft von Menschen, die das Leben in die hand nehmen zusammen mit Birgit Dierker. Wir haben letzte Woche unseren zweiten Musen Zoom gehabt und festgestellt, dass wir damit für manche Teilnehmer bereits zu einer Institution wurden. Außerdem gab es einen wunderbaren Versprecher: Ich wollte sagen: “Wir halten die Stellung” und es kam raus: “Wir stellen die Haltung“. Na dann, stellen wir eben die Haltung. Bist du beim nächsten Musen Zoom am 12. Juni dabei? Hier die visuelle Zusammenfassung der letzten Diskussion:
  • petranovskaja tagebuch woche 11 Musen Zoom-2
  • an dem Handbuch der Entscheidungen mit Tobias Leisgang. Diese Woche feiern wir unseren vierten Release (wir schreiben das Buch wie eine Software und Release immer alles, was wir in viel Wochen Sprint geschrieben haben). Dieses Mal haben wir neben Effectuation auch Cynefin im Gepäck. Wenn du das Buch jetzt schon kaufst, hast du eine wunderbare Möglichkeit, uns mit deinem Feedback zu helfen, es noch besser zu machen und Einfluss darauf zu nehmen, was im Buch vorkommt.
  • an den New Work Ausrüstung mit Nicole Anzinger. Diese Woche haben wir wieder einen New Work Friday veranstaltet und in der sehr kurzweiligen Stunde sehr viel über Loyalität, Macht, Wert und Entfremdung von der Arbeit gelernt und angeschaut. Die New Work Fridays finden alle zwei Wochen statt, anmelden kannst du dich über Eventbrite.
  • petranovskaja tagebuch woche 11 new work friday
  • an dem #noagenda Thema. Letzte Woche habe ich dazu Mitglieder des Schweizer Coaching/Ausbilderverbandes moderiert. Diese Woche erschien die Podcast-Episode mit Myriam Hadnes, und ich bin mal wieder baff, wie viel kluge Sachen ich sagen kann, wenn der richtige Zuhörer am anderen Ende der Leitung ist… danke fürs Zuhören, Myriam!

Erstaunlich, wie viel in einer kurzen Woche alles möglich ist! Erwähnte ich schon, dass ich den Großteil der Zeit auf der Baustelle in unserer Wohnung verbringe und dort sehr viel über Sanitär, Elektrik, ökologische Farben und nachhaltige Reparaturen lerne? Im Sinne der Antifragilität kann ch in Zukunft definitiv auch als Bauleiter auf Sanierungen arbeiten!

Und Geburtstage feiern per Zoom, das ist nicht mehr skurril. Seltsam!

petranovskaja tagebuch woche 11 geburtstag

Wie war deine Woche?

Und worauf freust du dich?

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Mein Corona Online-Tagebuch: 

PS: Bitte berühren ließ mich nicht los…

petranovskaja tagebuch woche 11 bitte berühren 2
Was wir in den nächsten 12 Monaten tun… (Woche 8, fragil)

Was wir in den nächsten 12 Monaten tun… (Woche 8, fragil)

Das Lied von Sting – “Fragile” – begleitet mich als Ohrwurm seit mehreren Tagen. Ich nehme immer mehr kleine und große Signale wahr, dass wir unsere Zerbrechlichkeit, unsere Fragilität, unterschätzen.

Seit Montag tragen wir Nasen-Mund-Schutz, auch Maske genannt. Seit Jahren rege ich mich darüber auf, wie viele von uns vor allem im beruflichen Umfeld mit einer “Maske” unterwegs sind – nicht offen, nicht authentisch. Nun tragen wir das auch noch physisch, und mir fällt auf, wie viele von uns müde Augen haben.

How fragile we are…

Ich habe das Gefühl, ein Klirren zu hören, wenn ich Nachrichten lese (und das tue ich aus Absicht nur selten). Menschen werden arbeitslos, Firmen gehen pleite, häusliche Gewalt und Kinder, um deren Bildung sich nur ein Teil der Lehrer wirklich kümmert. Politiker, die versuchen, gelassen und sicher zu wirken. Wir sind zerbrechlich. Als Menschen, als Gemeinschaft, als wirtschaftlich voneinander abhängiges Gerüst.

Die Lufthansa steht vor der Insolvenz. Für mich bricht eine ganze Welt zusammen. Wenn es eine Instanz wie Lufthansa nicht mehr gibt, die in meinem Empfinden so viele Werte der deutschen Kultur trägt… Und dann lese ich wieder begeistert, die Flugkapitäne wollen bis zu 45% ihres Gehalts spenden, um ihr Unternehmen zu retten. Ein zerbrechlicher Weltkonzern, der von den eigenen Mitarbeitern getragen wird… Was für Bilder!

Und dann kommt der Trump (oder das, was die Medien uns von ihm zeigen) und sagt, es werde in USA bald wieder alles normal.

Was ist normal?

Ist “normal” das, was uns in diese Situation gebracht hat? Ist es normal, dass jemand Milliarden auf der Börse verdient, weil er auf fallende Aktienkurse und Insolvenzen anderer Unternehmen setzt? Ist es normal, dass viele Menschen vor Corona nicht wussten, wie die Bergkette in der Ferne oder ein Sternenhimmel aussieht? Ist es normal, dass wir so viel konsumieren und alles sofort haben wollen?

Was ist normal?

Was wollen wir als unser neues Normal haben?

Heute ist der 1. Mai – Tag der Arbeit. 1886 wurde dieses Datum berühmt, weil die Arbeiter gestreikt haben. Was haben sie gefordert? Einen Wechsel von 12 auf 8 Stunden Tag.

Und heute? Wofür lohnt es sich, auf die Straße zu gehen? Was würdest du fordern, wenn es um deine Arbeit geht? Was kommt dir als erstes in den Sinn?

Free hugs

Weißt du noch, damals, vor Corona? Da gab es in den Fussgängerzonen Hippies, die haben “Free hugs” als Schild gehabt und alle, die das wollten, umarmt?

Jetzt dürfen wir das grad nicht tun.

Und dann lese ich, die Schüler in Nordrhein-Westfalen hören zuerst den Einweisungen in die Hygiene-Regeln zu und umarmen sich anschließend alle.

Jawohl!

Weil wir keine Maschinen sind. Weil unser Verstand zwar laut und teilweise diszipliniert ist, wir aber soziale und emotionale Wesen sind. Vernunft hin oder her, wir werden als Art nur dann nicht aussterben, wenn wir zulassen, dass wir Emotionen haben, die ausgelebt werden müssen. Wie jemand sagte, wenn wir uns komplett nach den Regeln verhalten, dann sterben wir von innen an emotionalem Hunger.

Wir werden überleben

Wir werden überleben, wenn wir weiterhin

  • zweifeln
  • hoffen
  • verzeihen
  • träumen
  • brauchen
  • vergessen
  • uns verlieben
  • einander zuhören und
  • sind, wer wir wirklich, wahrhaftig sind

Mehr als Klops Fleisch, der an einem Virus erkranken könnte.

Bilder der Woche

Während die Baustelle und der Abbruch mich weiterhin in Schach halten, gibt es so viele schöne Bilder aus den Momenten davor/danach/dazwischen. Danke an alle, die mich durch diese zeit begleiten!

Ein Buddha ohne Arm
Strandperle (Strandlokal an der Elbe in Hamburg) mit Absperrungen
Leere Straße vor unserem Haus, auch mit Absperrungen
Meine liebe Freundin Birgit
Home Office auf der Baustelle

Bitte achte auf dich und deine Zerbrechlichkeit. Bitte erlaube dir, nicht so viel zu schaffen wie sonst. Lasse deine Sehnsüchte und Bedürfnisse zu, finde Platz für deine Emotionen. Halte inne, atme tief durch.

Bis bald,

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Never waste a crisis!

Never waste a crisis!

From planning and executing to experimenting and adapting, from rules and control to freedom and trust, from profit maximization to value orientation – this is what I experienced in just some hours after I met Hannah Boomgarden. I was recommended to her. Full trust, full freedom, clear WHY, adaptive and fluid agenda.

I love to inspire people. I love to do it in a short form. I actually believe, most of the TED talks should be half the length :-) Ten minutes, this is what I got to inspire an international community this afternoon between Japan and Silicone Valley, between young startup entrepreneurs and experienced managers, all together seeking for new solutions and for a “Business Survival Kit”.

Please don’t get mad at me, but survival means, that we are restricted in our possibilities. Experiencing fear or need to survive, we tend to use only our “reptile” brain, and this brain only dictates us fight or flight commandos.

How is this connected to the crisis?

In crisis, especially in complex and unknown situations, we need new, creative solutions. We need a lot of interconnections, of co-decision, co-design. Our brain is not capable to produce new and innovative ideas under pressure. So we work more, work longer, and get nothing.

We start to improve our productivity, use more tools, even AI, jet still: being productive is not being connected! And we need to be connected, now. We need diverse views on things, we need fresh and crazy thoughts, and those thoughts only can flourish if we feel psychological safety.

Startup Autobahn hosted the first virtual public virtual Meetup focusing on the Future of Workplaces and Tech. Being part of such an event is always a growth area for me. I am not in tech, not in startups. What I am in is future, psychology, and motivation at work. So here are the thoughts I shared:

Never waste a crisis

From psychological point of view, this is about how to become creative, open, innovative and joyful within crisis. As written above, our brain tend to restrict us in our resources from inside while we are thinking, this is because of the (outside) crisis.

Work is not a job

We are so disciplined, so productive. We judge our days based on how efficient they are – not on how fulfilling. We measure things, hours, numbers – and forget to listen to our inner world. We work in a hamster wheel and now we start to digitise our hamster wheel, while we could create something new.

New Work trends

Prior to the session, we sent around a mentimeter link to get insights on how the crisis may (or may not) influence the New Work. Without telling you my conclusion, here are the results:

new work trends before corona
new work trends after corona

What do you see?

What Nicole Anzinger and I have seen in our shower discussion is, that there seems to be a tendency to want even more structure and control. Too much reptile brain? Too much insecurity, too many fears? Fight or flight? Is that all?

I am sure, we can do better!

So what?

How can we get the hell outa there? Out of the fear, out of the (new digital) hamster wheel or carousel?

For sure not by becoming more efficient or more productive. No one needs the new digital hamster wheel! The real transformation needs silence ant space.

So do the eight New Work trends. All of them need silence and space to evolve, to emerge, to become visible and tangible.

Here is your To Do list for the crisis

  • Discontinue
  • Stop
  • Hold on
  • Step out
  • Take a break
  • Appreciate idleness
  • Get lost in thoughts
  • Get lost in emotions
  • Enjoy making mistakes
  • Welcome serendipity
  • PLAY the whole day
  • Read poetry
  • Dance
  • Meet people and listen
  • Don’t waste this crisis

Let us make the best out of this situation. We are unlimited in our potential. It is us, who restrict our possibilities, not the crisis.

In love,

petranovskaja Unterschrift signatur