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Man sagt uns Psychologen gern nach, dass wir andere Menschen durchschauen und sie in Schubladen stecken. Ich war schon immer stolz darauf, dass ich das nicht tue. Weil für mich jeder Mensch, dem ich begegnet bin, auf eine Art und Weise gleich war:

Ich habe jeden Menschen als etwas großartiges, wertvolles, schönes gesehen. Ich habe nur diese eine große Schublade gehabt, in die ich alle Menschen meines Lebens tun konnte.

Mit machen davon konnte ich gute und lange Beziehungen aufbauen, mit anderen eher nicht. Das änderte nichts an meiner Sicht der Dinge und meiner Überzeugung, dass ich in jedem das schöne sehen kann wenn ich nur lang genug hin schaue.

Nicht immer hat es gut geklappt mit dem Kontakt, mit einer Verbindung. Ich sagte mir, das sei so, und ließ diese Menschen ziehen.

Da machte ich mir das Leben etwas einfacher. Und jetzt – 20 Jahre nachdem ich mein Psychologie-Diplom erhalten habe, lernte ich endlich, warum das so war.

Self Hugging

Ich sah die Menschen um mich herum nicht nur als großartig und wertvoll, ich sah sie auch als ein Abbild von mir. Ich habe angenommen, dass jeder auch so sein konnte wie ich: neugierig, energiegeladen, spontan, fröhlich. Ich habe es nie verlangt oder erwartet, eher vorausgesetzt, dass es so ist.

Self Hugging meint genau das. Dass wir Menschen so sehen, wie wir uns sehen. Anais Nin hat gesagt, wir sehen die Welt nicht wie die Welt ist, sondern wie wir sind. Umgemünzt auf Menschen heisst das, ich gestaltete viele Beziehungen so, wie ich sie haben will. Da wo es passt, passt es. Ansonsten: Tschüß! Und natürlich war ich traurig, wenn ich bei einer Person Tschüß sagen musste, wo ich lieber eine Freundschaft hätte.

Lernen, lernen, pupernen

Worauf ich stolz bin, ist dass ich immer wieder bereit bin, zu lernen. So habe ich letztes Jahr mehrere Schritte in die Richtung getan, für mich selbst zu verstehen, wie ich meine Überzeugung, dass Menschen nicht in Schubladen gehören, mit der Erfahrung in Verbindung bringen kann, dass ich nicht bei jedem großartigen Menschen andocken kann.

Dazu habe ich zum einen mehrere Modelle und Studien aufgefrischt. Wie unser Gehirn funktioniert, welche physischen Systeme für unsere Emotionen zuständig sind und wie unsere Emotionen auf unsere Leistung und unser Verhalten wirken.

Zum anderen habe ich die Ausbildung zum Reiss Profile Master abgeschlossen und durch dieses Modell mehrere losen Enden meiner Fragen zu einer großen Antwort zusammen bekommen:

Die Menschen – jeder von uns, und auch du! – sind nicht nur großartig, wertvoll und schön, sondern in ihrer Großartigkeit auch sehr individuell und einzigartig.

Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler

Will ich eine Beziehung gestalten, reicht es nicht, auf meine Bedürfnisse zu achten. Ich sollte auch schauen, was dem anderen Menschen wichtig ist und wie er tickt.

Ich wundere mich, warum ich nicht schon früher auf diese Idee kam und warum ich diese Art, die Menschen zu sehen, so lange von mir selbst versteckt habe. Um so mehr bin ich stolz darauf, dass ich ab jetzt mit noch mehr Neugier, Spontanität und Freude auf andere Menschen zugehe und nicht nur ihre Großartigkeit schätze sondern auch ihre absolute Einzigartigkeit. Ich denke, dass ich dadurch sanfter und weniger ruppig im Auftreten sein werde und dass ich noch mehr schöne Beziehungen gestalten kann, die mein Leben ausmachen.

Wie ist es bei dir?

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