Frei sein. Rumsein. Sein.

petranovskaja Shiny Eyes on demand 6
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22. Oktober 2017

Oh, endlich einfach nur schreiben! Ohne Business im Kopf, ohne Grund und ohne Call to action…

Frei sein im Schreiben, diesen Blog einfach lieben dafür, dass es ihn gibt und niemandem gerade jetzt dienen wollen…

Frei sein… scheint banal zu sein, doch ist es das wirklich?

In einem Land, in dem wir wirklich frei sind, wie viel von uns sind frei?

Bin ich frei?

Frei sein

In St. Georg, einem Nachbar-Stadtteil, wird seit zwei Jahren dieser Spruch auf die Straße geschrieben: FREI SEIN. In bunter Kreide, Lebensdauer bis zum nächsten Regen. Ein Aufruf? Eine Botschaft? Eine Erinnerung? Ein Wunsch?

Passanten und Anwohner stutzen kurz, schütteln verwundert den Kopf oder grinsen sich eins. Man ging weiter. Um festzustellen, dass einen diese Nachricht an der nächsten Ecke wieder einholt. Und an vielen anderen. Dass man ihr nicht so einfach auskommt und dass sie, selbst wenn man sie ignorieren möchte, etwas mit einem anstellt.

Völlig unspektakulär, eher nett und harmlos, klopfen die bunten Buchstaben an irgendeine Synapse und stellen erneut ihre Frage. Bist du frei? Fühlst du dich so? Ist sie erstrebenswert für dich? Vermisst du sie? Wie lebst du so? Und fühlt es sich richtig an, wie du lebst? Bist du DU?

Hast du die Freiheit, immer wieder ja zu allem zu sagen? Hast du die Freiheit, ab und an NEIN zu sagen? Bist du frei in deinen Entscheidungen? Fühlst du dich stark – spürst du die breiten Flügel, die dich so weit tragen können, wie du dir das wünschst?

Bist du frei in der Wahl, der Nachrichten, die du empfängst? Kannst du selbst entscheiden, welche Sätze dein Bewusstsein erreichen? Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was die Nachrichten mit uns anstellen, die wir unüberlegt an uns heran lassen… Wie oft wir in unseren eigenen Denk- und Fühl-Prozessen unterbrochen werden… All das negative, destruktive, menschenverachtende, sexistische…

Rumsein

Seit ich Birgit Dierker kenne, ist Rumsein das neue große Glück.

Rumsein ist wie Rumsitzen oder Rumliegen. Nur ohne eine Aktivität dazu. Einfach nur da sein, ohne Auftrag und ohne gewünschtes Ergebnis. Achtsam, aber ohne Diktiergerät und Notizbuch. Man könnte denken, das ist wie Meditieren, doch ist das Meditieren schon wieder zu viel Tun. Eine Aktivität zu viel. Ein aktiv ausgeführtes etwas.

Rumsein ist anders.

Rumsein ist das Flow des Lebens. Nichts tun. Nicht darüber nachdenken. Nichts wollen. Nichts aktiv herbeiführen. Nichts auftanken oder abschütteln. Rumsein. Es ist kein Tun. Es ist ein SEIN.

Sein

“To be or not to be.” – Shakespeare

Das Thema ist so alt wie wir Menschen denken. Nun, ich denke (so wirklich) erst seit ein paar Dutzend Jahren, und darum sind mir meine Gedanken noch ganz neu und frisch, und weil ich heute frei bin von einer Pflicht oder einem Unterhaltungsanspruch, fasse ich kurz zusammen:

Manche sagen, man ist das, was man tut (To be is to do). Andere denken genau andersrum (To do is to be). Sinatra fast frei zusammen: “Do be do be do” und lässt mich immer wieder lächeln, so losgelöst.

Wenn das Sein kein Tun ist und dennoch damit verbunden, bin ich dann frei, wenn mein Tun freiwillig, aus freien Stücken und selbst ausgewählt ist? Ist das freie Sein stark an das freie Tun gekoppelt oder gibt es das freie Sein eben ohne das Tun?

Wie gesagt, ein paar Sonntagsgedanken vom grünen Sofa hatten heute einen Anspruch, aufgeschrieben zu werden, jedoch keinerlei Anspruch zu einem Aufruf, Schubs oder Aktion.

Frei,

petranovskaja Unterschrift signatur

Mehr dazu:

petranovskaja Shiny Eyes on demand 2

Dein Kommentar:

petranovskaja Shiny Eyes on demand 5

2 Kommentare

  1. rumsein kann ich am besten von allem.
    Ok, das geld zum leben ist knapp geworden, seit ich ihm(dem geld) nicht mehr um jeden preis nachrenne.
    wenig pflichten und nur, mit wenigen ausnahmen, das tun wozu ich lust habe.
    früher konnte ich mir vielleicht mehr leisten. aber wozu?
    weniger als ein viertel des gelumpes, was man sich im laufe der jahre zusammengekauft hat, braucht man wirklich. letztendlich belastet es nur.
    ps. ich denke täglich an dich. Die nadjakiev steht genau in augenhöhe neben meinem bastelplatz. und manchmal, wenn das geld für filme reicht, darf sie mit mir raus :-)

    Antworten
    • lieber Berni, es ist so schön, von dir zu lesen! für Geld kann man sich viele Dinge kaufen, aber keine Zeit… manchmal, wenn ich Zeit für kluge Gedanken habe, denke ich darüber nach, was ich machen würde, wenn ich nicht Geld verdienen müsste… diese 2was wäre wenn” Maschine nervt aber auch wirklich.
      grüß mir die Kiev. meine war im August nach drei Jahren auch endlich mal draußen… und die Silke, die grüß bitte auch!

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