Dieser Artikel berichtet von meinen Erfahrungen mit radikalen Aktionen, die einem Reset (im Sinne von „Zurück auf Werkseinstellungen“) sehr nahe kommen. Zur Anregung deiner eigenen Aktionen biete ich dir als Download ein Reset-Canvas an.

Warum radikales Reset?

Unser Gehirn ist darauf programmiert, (gefährliche) Veränderungen in unserem Umfeld zu registrieren und eine angemessene Reaktion darauf bereit zu stellen. Die Kehrseite der Medaille: wir nehmen kleine und kleinste Veränderungen nicht wahr. Als Beispiel nehme ich gern alles, was mit Abnehmen und Fitness-Studio zusammenhängt. Ein Tag mit ausgewogener Ernährung oder ein Besuch des Studios ist kein wahrnehmbarer Unterschied. Bedeutet: für das Gehirn sind diese Aktionen quasi wertvoll.

Millionen von Menschen kämpfen mit der Umsetzung ihrer Vorhaben und Neujahrsvorsätze. Es gibt Tausende von Techniken, wie man dem Gehirn klar macht, das man auf dem richtigen Weg ist. Mit Strichlisten, Dankbarkeits-Tagebüchern und anderen Tricks, die es dafür gibt, verdoppeln und verdreifachen wir den Aufwand auf dem Weg zu recht einfachen und banalen Zielen.

Was ein Blödsinn! Sich selbst mit eigenen Kräften zu überlisten ist eine verdammt harte Arbeit.

Die gute Nachricht ist: Es geht anders.

Ich habe zum Beispiel viele Freunde, die mit sehr viel Aufwand und vielen zum Teil teueren Methoden aufgehört haben zu rauchen. Um dann wieder anzufangen.

Mein Freund Simon hat da einfach an einem Tag Strich gemacht und wurde Nichtraucher. Er hat verlernt, wie das Rauchen geht. Und er hat die Gewohnheit, ca. 50 Euro pro Woche für Zigaretten auszugeben, umgeleitet in einen Schuhkarton, der von da an sein Reisebudget-Karton wurde.

Radikales Loslassen

Eine andere Form, schneller zum Wunschleben zu kommen (und darum geht es uns doch, oder?) ist das radikale Loslassen. Hier sind drei Beispiele aus meinem Leben.

Vier Wochen staatenlos

Als ich mich entschieden habe, meinen russischen Pass aufzugeben und deutsche Staatsbürgschaft anzunehmen, wusste ich nicht, was es bedeuten wird. Es bedeutete jedoch – neben jeder Menge Papierkram – auch einen Monat im Status „staatenlos“. Mit nichts in der Hand habe ich vier Wochen gewartet und gehofft, dass die neue Heimat mich aufnimmt, während das Mütterchen Russland mich freigegeben hat.

Freiberuflichkeit ohne Fallnetz

Ich habe zwei Mal im Leben einen guten und sicheren Job gekündigt. Beide Male war schlechtes Management die Ursache und beide Male war das eine gute Erfahrung für mich.

Als ich jedoch beim zweiten Mal nicht mehr in eine Anstellung wollte, sondern in die Selbständigkeit – ohne einen Kundenstamm oder Plan – haben mich alle für verrückt erklärt.

Doch das komplette Loslassen des Alten hat mir einen freien Kopf verschafft für das Neue. Und die Freiheit war entscheidend, um mich zu positionieren.

Digital Detox

Auf Knöpfe zu drücken fühlt sich im Leben manchmal an, als wäre ich bei Alice im Wunderland. Wollen Sie den Account wirklich löschen? Ja, ich will. Hiermit bestätigen wir, dass Ihr Account unwiderruflich gelöscht ist. Adieu Facebook! Tschüss zig andere Accounts. Auch meinen Account beim Newsletter-Versender habe ich 2018 während der DSGVO Diskussionen gelöscht. Samt allen Newslettern und allen Mailadressen, die ich über Jahre mit viel viel mühsamer Arbeit gesammelt und erstellt habe.

Das hat sich so gut angefühlt, wie wenn man sehr lange Haare auf Ohrläppchen-Länge abschneidet und den Sommerwind im Nacken spürt. Leicht, warm.

petranovskaja reset digital detox

Jetzt habe ich meine Mailbox aufgeräumt. Ohne sie zu sortieren. Einfach weg. Zuerst habe ich mich erschrocken. Dann gefreut.

Ich freue mich immer noch!

Reset für Organisationen

Ganz nach dem Prinzip „Das Große im Kleinen, das Kleine im Großen“ gelten die Prinzipien des radikalen Loslassens und Vergessens natürlich auch für ganze Organisationen. Wenn deine erste Reaktion „Schmarrn!“ lautet, lösch einfach diese Denkweise und lasse eine andere Möglichkeit zu

Weil andere Autoren schon recht intensiv an den Fragen des organisatorischen Resets gearbeitet haben, lasse ich dir zum Nachlesen zum Beispiel diesen Link da: 7 Thesen zur Zukunft der Arbeit.

Wenn du auch etwas Lesenswertes dazu kennst, poste es doch bitte in den Kommentaren! Danke :-)

Anker lichten, auf in die Zukunft!

Das radikale Loslassen, das Löschen und sich befreien, das Verlernen – das sind alles Wege, zu deinem Wunschleben zu kommen. Dabei musst du dich nicht mühsam selbst besiegen. Du ermöglichst deinem Gehirn, sein Potenzial für das Suchen neuer Wege und Lösungen zu aktivieren.

Gehe den einfachen Weg.

Lichte den Anker, reiße dich los von etwas, was dich in der Vergangenheit festhält. Richte dich auf die Zukunft aus. Du bist mehr als die Länge deiner Haare, mehr als die Mails in deiner Mailbox und verdammt noch mal viel mehr als deine veralteten Glaubenssätze und Gewohnheiten.

  • Du willst mehr Sport machen?
  • Verlerne das Leben ohne Sport!
  • Du willst dich gesund ernähren?
  • Vergesse, wo man Pommes essen und wo man Süßigkeiten kaufen kann!

Du willst mehr Zeit für deine Projekte?

Lösche alle Accounts, die deine Zeit rauben. Das Leben findet nicht bei Instagram statt! Das Smartphone wurde erfunden, um unser Leben zu vereinfachen und uns Zeit zu verschaffen. Stattdessen raubt es den meisten von uns jede freie Minute, weil wir (im Durchschnitt) 5 bis 8 Mal pro Stunde auf das Ding schauen.

Ein radikaler Vorschlag für dich: Gehe mal einen Tag ohne Smartphone in die Stadt. Verabrede dich mit Freunden – wie früher – an einem Ort zu einer Uhrzeit. Photographiere mit einer Kamera. Prüfe die Uhrzeit mit einer Armbanduhr. Schreibe Notizen auf Servietten und Papier. Und vor allem: höre den anderen zu, betrachte deine Umgebung, sei mehr im Hier-und-jetzt.

Sei mehr du.

Für alle weiteren Ideen deines persönlichen Resets habe ich ein Reset-Canvas entwickelt. Download, print, Stift und Tasse Lieblingsgetränk, Blick aus dem Fenster…

petranovskaja Reset Canvas

Sei mutig, sei verrückt und genieße alles, was das Reset möglich macht!

petranovskaja Unterschrift signatur

Photo by Kelly Sikkema on Unsplash