Liebe Schubsgemeinde,

heute darf ich euch Jessica Peterka-Bonetta vorstellen, eine Kollegin im Denken und Tun, entdeckt im Internet (tolles Land!). Ich habe Jessica gebeten, etwas aus ihrem Themengebiet für meinen Blog zu schreiben, und ich freue mich sehr, dass es ein Beitrag über Gewohnheiten geworden ist. Viel Spaß beim Lesen!

Nadja

 

5 erstaunliche Fakten über Gewohnheiten oder warum schlechte  Gewohnheiten auch gut sind

1. Gewohnheiten haben eine Daseinsberechtigung, auch schlechte

Eins müssen wir uns klar machen: Gewohnheiten haben einen guten Grund da zu sein. Es geht sogar weiter: Gewohnheiten bringen einen klaren Nutzen, meistens dadurch, dass sie ein Bedürfnis befriedigen und haben somit eine Daseinsberechtigung. Keine Frage, das leuchtet bei vermeintlich „guten“ Gewohnheiten ein. Der regelmäßige Sportler profitiert von seiner körperlichen Fitness und der Meditierende freut sich entsprechend über seine Klarheit und Aufmerksamkeit. Aber was ist mit der Angewohnheit zu rauchen, in Übermaß zu essen oder notorisch fremd zu gehen? Auch diese Angewohnheiten befriedigen ein Bedürfnis. Raucher zum Beispiel nehmen sich bewusst mehrmals am Tag Zeit für sich, das tut gut und entspannt. Essen kann verschiedene, ungestillte Bedürfnisse wie das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung zumindest ersatzweise befriedigen. Und der notorische Fremdgänger behält sich das Gefühl von Unabhängigkeit und Freiheit.

Will heißen: Auch wenn unser Verstand genau weiß, dass die eine oder andere Gewohnheit „schlecht“ ist, so gibt es auch einen Teil in uns, der aus gutem Grund daran festhält.

2. Gewohnheiten machen uns das Leben einfacher, deshalb sind sie schwer zu ändern

Gewohnheiten sind Prozesse, die unbewusst und vollautomatisch ablaufen, dadurch müssen wir nur wenig Aufwand in Form von kognitiver Leistung aufwenden. Nehmen wir einmal an, jemand hat die Angewohnheit, täglich zu joggen. Dieser jemand macht es vermutlich ohne darüber nachzudenken und stellt es schon gar nicht in Frage. Wie praktisch, denkt der geneigte Leser, dann braucht dieser eine auch nicht mehr täglich seinen inneren Schweinehund zu überwinden. In dem Moment, wo ein Prozess automatisch und somit weitgehend unbewusst abläuft, haben wir wieder mehr Kapazitäten für andere Dinge. Das ist ganz schön schlau gelöst, denn stelle dir einmal vor, du hättest das Auto fahren nicht automatisiert. Infolgedessen müsstest du immer dann, wenn du das Steuer nimmst, über alle Prozesse gleichzeitig nachdenken. Erinnere dich zurück an die erste Fahrstunde und du wirst wissen, wie anstrengend das werden kann. Natürlich gibt es immer auch zwei Seiten einer Medaille. Die Automatisierung von Hirnleistungen geht zwar einerseits mit weniger kognitiven Aufwand und mehr freien Kapazitäten einher, andererseits müssen wir dafür umso mehr Aufwand leisten, wenn wir entgegen unserer Gewohnheiten agieren möchten.

3. Neue Gewohnheiten aufzubauen ist einfacher, als alte Gewohnheiten abzulegen

Stelle dir eine grüne, jungfräuliche Wiese vor. Du musst diese nun überqueren und wählst ganz instinktiv einen Weg, üblicherweise den kürzesten. Spätestens nach ein paar Mal hin und her laufen entsteht eine Art Trampelpfad, den du dann in Zukunft mit einer geschätzten Wahrscheinlichkeit von 99,99% wieder nimmst und somit verfestigen wirst. So ähnlich verhält es sich mit neuronalen Verbindungen und der Bildung von neuen Gewohnheiten. Stelle dir nun weiter vor, dass dein guter alter Weg aus welchen Gründen auch immer durch einen anderen ersetzt werden soll. Es wird dir viel schwerer fallen, diesen zu gehen. Zum einen, weil du einen neuen Weg finden und verfestigen müssen. Zum anderen aber auch, weil du deinen alten, vertrauten Weg nicht mehr gehen darfst.

4. Alte Gewohnheiten können nur abgeschwächt, nicht komplett gelöscht werden

Bleiben wir ruhig bei der Weg-Analogie. Stelle dir vor, du bist deinen Weg so oft gegangen, dass darauf keine Pflanzen mehr wachsen. Vielleicht hast du irgendwann auch der Bequemlichkeit halber ein bisschen Schotter drauf gestreut. Und dich vielleicht sogar entschieden, den Weg mit Asphalt auszulegen. Wenn du nun beschliesst, deinen „alten Weg“ nicht mehr zu gehen, so wird dieser dennoch für immer im Feld sichtbar bleiben. So ähnlich verhält es sich auch mit unserem Gehirn: Einmal erlernte Muster können bestenfalls abgeschwächt werden und sogar ganz von der Verhaltensebene verschwinden, sie existieren allerdings weiter als neuronale Verbindung und können durch entsprechende Reize jederzeit wieder ausgelöst werden.

5. Es braucht 66 Tage, um eine neue Gewohnheit zu etablieren

Auch wenn sich der Mythos der 21-Tage-bis-zur-neuen-Gewohnheit hartnäckig hält, haben bereits viele erfolgreich mit dem kritischen Finger drauf gezeigt. Mittlerweile gibt es auch einige Studien, die eine realistischere Sicht auf die Bildung von neuen Gewohnheiten bieten. Diese Studie zum Beispiel zeigt, dass ein Mensch durchschnittlich 66 Tage, gut und gerne aber auch mal 254 Tage braucht, um eine neue Gewohnheit erfolgreich zu etablieren. Grundsätzlich scheint es so zu sein: Je komplexer die Gewohnheit ist, desto länger dauert es, bis diese in Fleisch und Blut übergegangen ist. Auch zeigen sich große interindividuelle Unterschiede. Wer hätte das gedacht ;)

Über die Autorin:

In Stichpunkten:

  • Dipl.-Psych.
  • Coach, Beraterin und Entspannungstrainerin
  • Bloggerin aus Leidenschaft
  • Mutter und Ehefrau
  • (digitale) Immigrantin
  • Südafrika-Enthousiastin

In Text:

Jessica Peterka-Bonetta hat sich nach ihrem Studium der Psychologie ganz der Prävention verschrieben. Seitdem berät sie freiberuflich im schönen Köln Privatpersonen zu den Themen Stressbewältigung, Entspannung und Burnout-Prävention sowie Unternehmen zu Fragen des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Sie betreibt ausserdem den Blog „Today is a good day“, in dem sie praktische Anregungen für mehr Glück, Zufriedenheit und Lebensqualität gibt. Dabei bewegt sie sich im Delta zwischen technischen Helferleins/Apps, wissenschaftlichen Erkenntnissen und konkreten, alltagsinspirierten Tipps.

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