Morgens ist es herrlich still und kühl. Ich drehe die Heizung auf ‘drei’ und gehe in die Küche. Während das Wasser im Wasserkocher rauscht, räume ich das trockene Geschirr weg und denke darüber, welche Teesorte ich heute trinken möchte.
Für mich ist das ein Luxus, solche Gedanken haben zu können. Auf Reisen in den letzten drei Jahren habe ich morgens alles durcheinander getrunken. Das, was meine Gastgeber da hatten. Das, was im Café um die Ecke geboten wurde. Einfach nur Wasser, weil keine andere Option da war.
Jetzt kann nicht wählen. Ich wähle, was in meine Tee-Schublade reinkommt und was ich morgens daraus greife. Es fühlt sich herrlich an. Ganz besonders.
Während die Heizung meine Wohlfühlen-Temperatur herbeizaubert, trinke ich Tee und träume. Wenn ich weise bin, bleibt mein Handy weit weg von mir. Nehme ich es einmal in die Hand, ist es mit der Ruhe vorbei. Und das möchte ich nicht. Ich liebe diese Ruhe. Auch das konnte ich mir in den letzten drei Jahren nicht immer wählen.
Ich habe gelernt, in sehr lauter Umgebung zu schlafen. In Städten wie Barcelona oder New York, wo die Fenster zwar mehrfach verglast sind, dafür aber die Wände dünn sind. In San Diego, wo ich dem Ozean so nah sein wollte, dass er mich nachts weckt. Am türkischen Mittelmeer, wo die schönen Stimmen der Müezzin mitten in der Nacht ihre Liebe zum Allah besingen. Geräusche von Schiffen, Menschen, Autos, Zügen, Baustellen, knackenden Bäumen und streitenden Nachbarn sind wie ein Hintergrundrauschen in mich eingespeichert.
Und hier, in meinem neuen Zuhause: Ruhe. Manchmal fährt ein Auto vorbei. Manchmal ist es windig. Aber es ist eins sicher: meistens ist es ruhig. Und das hilft mir, mehr bei mir zu sein. Die Stille im Außen weckt die Stimme im Innen und plötzlich kann ich meine Gedanken klar und deutlich hören.
Ich kuschel mich in die Flanellbettwäsche ein und höre der Stille zu.
Und freue mich, zuhause zu sein.
5. Februar 08:26

0 Comments