Flip. Flow. Follow. – Es lebe das Paradoxe!

Zukunft gestalten im Liminal Space

Es ist zu viel. Es geht zu schnell. Das sagen gerade viele, die ich kenne – und ich fühle es mit. Ich kenne dieses Gefühl, dass die Welt sich schneller dreht, als ich mitdrehen kann, und dass das FOMO-Gefühl inzwischen kein gelegentlicher Gast mehr ist, sondern ein permanenter Begleiter, der sich neben einen setzt und einfach nicht geht.

Mein Kopf sagt dann, was er immer sagt: musst du halt schneller drehen, früher aufstehen, besser priorisieren, Gas geben, mithalten. Und weil ich sehr gut gelernt habe, auf meinen Kopf zu hören, tue ich genau das – und erschöpfe mich, ohne voranzukommen, wie jemand, der gegen eine starke Uferströmung anschwimmt und nicht begreift, warum er trotz maximaler Anstrengung immer weiter aufs offene Meer gezogen wird.

Was man in einer solchen Strömung tatsächlich tun soll, hat mir eine Freundin vor Jahren erklärt, und ich denke seitdem regelmäßig daran. Der Instinkt sagt: kämpf, bleib stark, schwimm zurück ans Ufer. Was Rettungsschwimmer tatsächlich empfehlen, klingt vollkommen verrückt: Dreh dich auf den Rücken. Hör auf zu kämpfen. Vertrau darauf, dass das Wasser dich trägt – und lass dich irgendwo seitlich freigeben, bis die Strömung dich loslässt. Du kommst woanders ans Ufer als geplant, aber unversehrt.

Flip. Flow. Follow.

Ich habe irgendwann erkannt, dass ich diese Bewegung aus meinem eigenen Leben kenne – aus den Momenten, in denen alles zu viel war und ich aufgehört habe zu kämpfen. Es sah nicht immer elegant oder souverän aus. Aber das Ergebnis hat mich jedes Mal überrascht: ich landete an einem Ort, den ich so nicht geplant hatte – und der sich trotzdem, oder vielleicht genau deswegen, richtiger anfühlte als alles, was mein Kopf sich hätte erkämpfen können.

Was ich daraus gelernt habe, ist ein Unterschied, der sich alles verändert: der Unterschied zwischen aufgeben und loslassen. Aufgeben bedeutet, die Hoffnung fahrenzulassen. Loslassen bedeutet, dem Strom zu vertrauen, der schon weiß wohin – auch wenn man selbst es noch nicht weiß. Zwischen Kontrollverlust und Vertrauen liegt eine Entscheidung, die man im Moment kaum als solche erkennt, weil sie sich wie freier Fall anfühlt und nicht wie Mut.

Das funktioniert übrigens nicht nur im persönlichen Leben, sondern auch in Organisationen, die gerade dasselbe erleben: zu viel Veränderung, zu wenig Orientierung, zu viel Aktionismus als Antwort auf Unsicherheit. Auch dort wäre Flip.Flow.Follow. manchmal klüger als noch eine Strategie, noch ein Framework, noch ein Workshop über Resilienz. Auch dort wäre die mutigste Entscheidung manchmal, innezuhalten, sich dem zu überlassen was gerade ist – und zu vertrauen, dass der Strom einen irgendwann seitlich freigibt. Ich moderiere solche Flip. Flow. Sessions sehr gern und die Ergebnisse sind faszinierend.

Das Paradoxe daran ist, dass diese Haltung alles andere als passiv ist. Sie verlangt ein Zuhören, eine Wahrnehmung (ein tolles deutsches Wort!) und eine Präzision des Vertrauens, die ich für anspruchsvoller halte als jede Form von Kontrolle, denn Kontrolle fühlt sich vertraut an, und Vertrauen nicht.

Paradox!

Aber wer schon einmal unversehrt ans Ufer gekommen ist, ohne genau gewusst zu haben wie – der kennt das Gefühl, das danach kommt. Und der flippt beim nächsten Mal vielleicht ein bisschen früher auf den Rücken.

Was sind deine Gedanken dazu?

nadja petranovskaja Unterschrift signatur

PS: Am 6.6. um 6 lade ich dich zu meinem Webinar ein. Natürlich geht es um dich und um die Zukunft. Natürlich teile ich meine Ideen als Inspiration mit dir. Und freue mich, wenn du die Zukunft mit deiner Präsenz mitgestaltest. Anmelden kannst du dich kostenlos hier: SCHRULLIG. MUTIG. ZUKUNFTSFÄHIG.

PPS: Dieses Gefühl – Kontrollverlust, Überforderung, Unsicherheit – ist ein Symptom einer Phase im Leben. Wir landen dort gerade als Gemeinschaft, Gesellschaft, ziemlich zeitgleich. Politisch, wirtschaftlich, kulturell. Der Raum, wenn das alte nicht mehr gilt und das Neue noch nciht sichtbar ist, nennt sich LIMINAL SPACE.

Ich habe viel und lange zum Liminal Space nachgedacht und auch gelesen / recherchiert – und rausgekommen ist ein Manifest, welches ich hier gern mit dir teile.

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