Ich weiß ja auch nicht, was es wird

Nadja Petranovskaja

Seit Tagen, Wochen, fast schon seit Monaten möchte ich mehr schreiben. Ich reserviere mir Zeit im Kalender, habe eine Liste mit Themen – und ich schreibe nicht.

Früher hätte ich mich diszipliniert, gezwungen. Schließlich haben wir jetzt ja auch eine schreibwütige künstliche Intelligenz, die uns in Millisekunden den Blog fluten kann mit Texten, die etwas über die Liste meiner Ideen sagen.

Aber es ist nicht das, was ich will. Ich will schreiben. Vor dieser weißen Seite hier sitzen und nicht wissen, was.

Ich möchte diese Mischung aus Verwirrung und fast schon Verzweiflung spüren.

Das NICHT WISSEN.

Ein Thema auf meiner Liste lautet “Speicher für Wunder schaffen”. Nun vielleicht muss ich das selbe tun, bevor ich anderen erzählen kann, wie das geht.

Auch wenn wir nicht alle bereit sind, uns einzugestehen, dass wir am Ende von etwas angekommen sind, fühlt sich das für mich jeden Tag so an. Und damit verbunden ist eine meiner größten Stärken: Zukunftsorientierung. Ich lernte mit sehr viel Geduld, im Hier-und-Jetzt zu sein und Achtsamkeit zu praktizieren. Ich forschte jahrelang in der Vergangenheit und bin sogar ein mittelgroßer Fan alter Geschichten geworden.

Aber ich bin und bleibe ein Zukunftsmensch.

Und das wichtigste, was ich über die Zukunft gelernt habe – aus allen Büchern, Reiseerfahrungen, intuitiven Eingebungen und Kursen – ist, dass unser Kopf die Zukunft nicht kennt.

Unser Verstand kann nicht in die Zukunft schauen.

Weil er dafür nicht geschaffen ist. Die Aufgabe des Verstandes ist, die bereits vorhandene Information zu speichern und bei Bedarf zur verfügung zu stellen.

Und über unsere Zukunft – die wie ein weißes Blatt Papier vor uns liegt – hat unser Verstand keine Fakten. Trends und Prognosen werden immer weniger hilfreich, weil die Veränderung zu schnell passiert. Zu deutlich. Wir können nicht ignorieren, dass manche Dinge keinen Sinn mehr ergeben. Alles, worauf in den letzten Jahrzehnten Verlass war, lässt sich nicht mehr greifen.

Nicht alles daran ist hässlich. Es kommen auch schöne neue Wahrheiten zutage, weil sie nun Platz haben. Ich benenne absichtlich nicht, um welche Bereiche unseres Lebens es geht – weil all diese Buchstaben hier eher Ahnungen als Fakten beschreiben. Und ich möchte mit meinen Worten auch nichts beweisen. Sondern sein.

Ich möchte mit diesem Gefühl sein, zu wissen ohne es mit dem Verstand zu wissen.

Ich möchte mit der Unsicherheit und Ungewissheit sein und lernen, diese als meine Freunde zu akzeptieren.

Ich möchte schreiben, ohne auf Struktur, Zwischenüberschriften und und all die anderen SEO Sachen zu achten.

Ich möchte einfach mal schreiben.

So habe ich schließlich vor sehr vielen Jahren in 2008 hier angefangen.

Weil jemand sagte, ein Blog ist so was wie ein Tagebuch, das andere Menschen mitlesen können.

Und so sehr ich auch nicht weiß, was es wird, habe ich ungebrochenes kindliches Vertrauen. In die Zukunft. In uns. In dich und in mich. In das Internet, dass mein Zeilen hier speichert.

Ich möchte diesen Raum hier als Speicher für Wunder sehen. Viel weißen Raum, viele Möglichkeiten.

Jetzt fühlt sich irgendwas in mir anders an. Denn:

Ich habe geschrieben.

Und ich weiß ja auch nicht, was es wird. Das schöne ist: Ich muss es nicht wissen. Nicht mit dem Verstand.

4. Februar 2026, 11:27

nadja petranovskaja Unterschrift signatur

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