Weit ab von den Hallenbädern der schicken Hotels,
in denen Rolex nicht zum Schwimmen abgenommen wird,
läuten die Kuhglocken und summen die Fliegen,
dort treten nackte Kinderfüße das weiche Grün der erreichten Berggipfel
und in die leeren Limonadenflaschen wird das Tauwasser aus dem Schnee vom vorigen Jahr abgefüllt.
Ganz nah an den Himmel und wo Tannen kleiner als die Kinder
und genau dann, wenn Wochentage und Uhrzeit keine Relevanz mehr haben,
schmeisse ich die kleine Keksbrocken in die Schlunde von frechen Bergvögeln.
wenn man in der Schweiz von Freunden spricht, nennt man sie “Kollegen”. ich habe vergessen zu fragen, wie man Kollegen nennt. ich war in der Schweiz, Freunde, also Kollegen, besuchen. paar davon waren sogar echte ex-Kollegen. nett war das. warm und sonnig, mehr will man nicht.
der Zug nach Luzern fuhr pünktlich ab, ich sitze oben, meine Seele baumelt dem Körper davon. angekommen, hier war Musikfestival, der Bahnhof voller Punks, das passt so wenig hierher… und an jeder Ecke: “heissi Maroni”, drei Monate im Jahr riecht es in der Schweiz nach gebratenen Kastanien. ich nehme lieber Tasse heisse Schokolade.
so ähnlich begegne ich anderen Städten, entspannt, fröhlich, neugierig. da drüben hat’s ein nettes Cafe. und abends gibts Nachtessen. Zug steht am Zuger See, Stück weiter kommt man nach Küssnacht. die schweizerischste Schweiz trifft man in Schwyz. kaum gewöhne ich mich an die Orte, die Küche und die Mundart, muss ich schon wieder zurück.
ich lasse immer ein Stück meiner Sehnsucht hier. und ich werde wiederkommen.
[auf Wunsch einer charmanten Dame namens Nika, die manchmal auch Sissi oder Frau Krause, aber eigentlich Tilda heisst]
der Kollege neben mir ist eingentlich ein ganz lieber. aber wenn er sich mal aufregt, setze ich immer schnell meinen Helm auf. wer weiß, obs nicht gleich explodiert. als er heute kurz vor Feierabend diesen Spruch ganz laut in sein Telefon sagte, mussten wir alle laut lachen, und das fand er selber gar nicht lustig, bis wir den Satz laut widerholt haben.
überhaupt war das ein Tag der neugeborenen Wörter. das fing beim Spaziergang mit Finn an, als ich stolz über meine sagenhafte Kollektion verfallender Filme erzählte, und er mich fragte, ob ich nicht auch digital und so, und da sagte ich tatsächlich, hab ich schon und mache das nicht mehr, und nu war der Begriff “digitale Vergangenheit” geboren, es war lustig und bleibt in meinem bescheuerten Vokabular.
später kamen da noch andere Wörter dazu, es entsteht an manchen Tagen halt so eine Wolke in meinem Kopf – und da spuckts plötzlich klassekrass, gegenseitigergiebig oder Klaugebühr raus. deswegen mache ich noch lange nicht auf Schriftsteller ;-)