Gibraltar gehört zu England, man kann dort aber auch mit Euro bezahlen. Es hat ausschließlich einen internationalen Flughafen. Es ist trotz intensives Googelns nicht möglich zu verstehen, warum dieses Stückchen Erde so eine seltsame Geschichte hat, aber eins ist klar: Es ist ein einsames und nicht wirklich ansehnliches ans Ende der Welt abgeschobene Stück Monarchie, und wären da nicht die immer hungrigen und sehr menschlichen Affen, würde sich vielleicht auch kein einziger Tourist hierher verirren.
Ach, nix Besonderes. Ich bin bloß total entzückt gewesen bei dem Anblick, und dieses Bild verfolgte mich den ganzen Tag. Leider bin ich zu schnell und ohne Kamera in der Hand Auto gefahren, das verzeihe ich mir nie.
es ist zwanzig nach sechs. ich kämpfe mich durch Grüppchen aufgeregter, überparfümierter Pinguine. die gehen gleich in die Oper, und vorher werden schon alle möglichen unwichtigen Themen gewälzt, wie zum Beispiel Rheuma der Tante Rina.
doch, vermutlich würde ich auch gern mal wieder in die Oper, aber jetzt kann ich mich gerade nicht auf diese Genüsse konzentrieren, denn meine große Tochter nummer vier heiratet nächste Woche und hat noch kein Kleid, und wir haben schon zwei große Läden hinter uns, in denen es nichts passendes gab, und diese Pinguine verlangsamen nun mal gerade meine Fortbewegung, und die Läden haben nur noch hundert Minuten auf.
viertel nach sieben haben wir ein Kleid. passend, edel, sauteuer *seufz*. wir laufen mit dem Strom der ebenfalls tütenbeladener Stadtmenschen Richtung Essen, denn nach diesem Einsatz brauche ich unbedingt Kohlenhydrate. Vapiano, ich erlaube mir diesen Namen zu erwähnen, ist perfektes Plätzchen für gestresste Hochzeitskleidjägerinnen. man kann seinen Frust ganz laut rausbrüllen, würde eh kein Schwein hören in dem Lärm. zwei Mojito, Pasta mit Pesto und Panna Cotta.
viertel nach acht ist die Stadt wie verwandelt. still, schwarz, tot. die Einkaufsstrasse gehört den Obdachlosen und anderen alternativ-über-die-Runden-Kommern. ich bin jetzt froh, zweimal über die Elbe gen Süden zu fahren und all diese Eindrücke mitzunehmen.
beim Einschlafen werd ich mir sicher wieder einbilden, den Igel zu hören, der nachts mit der Milchschüssel auf der Terrasse rumklappert. apropo, da muss ich bestimmt ein Schlückchen für ihn reintun.
Ich hatte mal einen Bekannten, er ließ für eine Ausstellung ein Portrait vergrößern und fand dann auf dem Ärmel des Mannes eine Fliege, die ihm vorher nicht auffiel.
Heute morgen habe ich zwei Wespen aus der Küche verjagt, die mitfrühstücken wollten. deren gestreifte Popos haben mich irgendwie nicht in Ruhe gelassen, so dass ich eben eine Runde Bienchen knipsen ging, mit Makro, versteht sich. meistens werden solche Ausflüge nix, aber der Weg ist ja das Ziel, der Prozess sich-an-das-Tier-herankriechens macht ungemein Spass.
Eben scannte ich noch einen historischen Film ein, das ultimative Treffen der Fotogigantinnen (anwesende Abwesende: Tanja und Kathy, anwesende Anwesende: Doro und Nika). Frage: wie viele Lebensformen befinden sich auf dem oberen Bild?
[für den ollen Ramontiker gibts Kombination aus Hudson River *hach* und einem seltenen noch nie davor life gesehenen Insekt *wow*]
Noch nie vor dieser Reise hab ich mich so mit dem Fotografieren beschäftigt. Kameras, digital vs. analog, Brennweiten (ich habe mir diese 10 mm Linse extra aus der Schweiz geliehen), Kleinbild vs. Mittelvormat, Autofokus vs. Plastiklinse, sogar ob mit oder ohne Polfilter (ich habe in der Tat einen gekauft, das glaube ich selbst nicht). und ich glaube, ich hab mir dann wie eine Katze selber in den Schwanz gebissen und war dann so was von unfrei und verkopft…. kurz vor der Reise beschloß ich dann, gar keine Kameras mitzunehmen, aber *na gut*, dann schleppte ich doch zwei Canonen mit. die Digi mit schön vielen Blendenflecken, weil das Ding unbenutzt und ungeputzt vor sich hin vegetierte, und die neu gebrauchte analoge, die bei der Ankuft keine Batterie mehr hatte. *So geschieht dir das recht*, – sagte meine innere Stimme zu mir. und so fotografierte ich paar Tage gar nicht und den Rest nur ab und zu.
Und als ich mich dann am letzten Abend der Reise (letzte Chance, die Manhattan-Skyline zu fotografieren, tue das endlich!!) total entschlossen auf das Ufer bewegte, um die Spiegelung der Sonne hinter mir in den Wolkenkratzern auf der Manhattan-Seite vor mir zu knipsen, saß da dieses Tierchen. fliegt bestimmt gleich weg, ich lehnte mich an das Holz, nein, es blieb, und weil links und rechts von mir paar Menschen dazu kamen, um sich das Licht- und Farbengeschehen anzugucken, drehte sich auch das Tierchen hin und guckte mit uns mit. da soll noch einer sagen, die sind dumm.
Fazit: ich habe zu viele Bilder gemacht, die ich nie machen würde, wenn ich nicht so verkopft herangehen würde (da freut sich der Mülleimer). ich habe es aber sehr genossen, ganz ohne Kamera umherzulaufen und nur wahrzunehmen, ohne festzuhalten. das gab mir ein gewisses Gefühl, frei zu sein, und das tat verdammt gut.