Träume

In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag sünschte ich mir vor dem Einschlafen zwei Dinge: dass die Kinder mich nicht zu früh wecken und dass die Sonne scheint.

Beim Pyjamafrühstück um halb elf wünschte ich mir, dass wir einen harmonischen Tag zusammen verbringen, und dass ich dies und dass in meinem Garten erlegidt kriege.

Beim Gießen der frisch gemachten Beete schaute ich mir meine umhertobenden glücklichen Kinder an und wünschte mir, dass ich nach dem Aufräumen noch Zeit finde, in der Sonne zu dösen.

Und als ich dann in der Sonnenliege allte und mich von einer liebestollen Amsel beschallen ließ, wünschte ich mir nur noch, dass mich jetzt keiner weckt, um mir zu sagen, dieser Tag war nur ein Traum.

und es geschah.

In der Nacht vom Freitag auf Samstag wünschte ich mir, dass der erste Mai öfters auf einen Freitag fällt. der Samstag ist ja per Definition schon vorbestimmt. Schlange beim Bäcker, später Schlange beim Gartencenter und im Supermarkt, Kaffe mit Besuch auf Terrasse, Wäsche bommelt lustig hin und her, nachmittags Neubaugebiet-Meisterschaft im Rasenmähen (leichter Abzug in der B-Note wegen zu wenig von dem prallen Grün wie auf der Packung) und abends um halb sechs, wie von einem himmlischen Dirigentenstock befohlen, zünden alle Grill an.

In der Nacht vom Samstag auf Sonntag schlief ich wunschlos glücklich ein.

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warum ich gern auf dem Lande wohne

es ist zwanzig nach sechs. ich kämpfe mich durch Grüppchen aufgeregter, überparfümierter Pinguine. die gehen gleich in die Oper, und vorher werden schon alle möglichen unwichtigen Themen gewälzt, wie zum Beispiel Rheuma der Tante Rina.

doch, vermutlich würde ich auch gern mal wieder in die Oper, aber jetzt kann ich mich gerade nicht auf diese Genüsse konzentrieren, denn meine große Tochter nummer vier heiratet nächste Woche und hat noch kein Kleid, und wir haben schon zwei große Läden hinter uns, in denen es nichts passendes gab, und diese Pinguine verlangsamen nun mal gerade meine Fortbewegung, und die Läden haben nur noch hundert Minuten auf.

viertel nach sieben haben wir ein Kleid. passend, edel, sauteuer *seufz*. wir laufen mit dem Strom der ebenfalls tütenbeladener Stadtmenschen Richtung Essen, denn nach diesem Einsatz brauche ich unbedingt Kohlenhydrate. Vapiano, ich erlaube mir diesen Namen zu erwähnen, ist perfektes Plätzchen für gestresste Hochzeitskleidjägerinnen. man kann seinen Frust ganz laut rausbrüllen, würde eh kein Schwein hören in dem Lärm. zwei Mojito, Pasta mit Pesto und Panna Cotta.

viertel nach acht ist die Stadt wie verwandelt. still, schwarz, tot. die Einkaufsstrasse gehört den Obdachlosen und anderen alternativ-über-die-Runden-Kommern. ich bin jetzt froh, zweimal über die Elbe gen Süden zu fahren und all diese Eindrücke mitzunehmen.

beim Einschlafen werd ich mir sicher wieder einbilden, den Igel zu hören, der nachts mit der Milchschüssel auf der Terrasse rumklappert. apropo, da muss ich bestimmt ein Schlückchen für ihn reintun.

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