Im Land der ausverkauften Schneeschieber

Streusalzspuren führen mich sicher zu meinem Ziel, das Großraumbüro im ersten Stock. es ist die zweite Arbeitswoche des Jahres, warum fühlt sie sich nicht als solche an? ich bin voll im Trott. ich habe Meetings, Kundentermine und Abgabetermine und keine Verabredungen nach Feierabend.

Völlig ausgehungert nach Wärme und Cappuchino in der Sonne, futtern wir, nein, wir fressen unglaubliche und mit nichts zu begründende Mengen Schokolade in uns hinein. Reste vom Adventskalender, Lebkuchenherzen und Eierlikörzapfen werden geräuschvoll aus der Verpackung entfernt und sofort verschlungen.

Warum geht es uns so dermaßen auf den Keks, die kalte Jahreszeit? sind wir entwöhnt? verwöhnt? bekloppt? und dann denke ich, es gibt überhaupt kaum etwas, was uns dermaßen aus der Verfassung zu bringen vermag, wie das Wetter. keine Nachricht des Tages scheint uns schocken zu können. Naturkatastrophen, politische Skandale, wirtschaftliche Probleme, her mit all dem Kram, uff, gib noch mal schnell einen Zimtstern rüber, es ist ja bald Feierabend.

Kein Tag in der Woche ist besser dafür geeignet, sich solchen Blödsinn von der Seele zu schreiben, als der Montag. bevor ich das Großraumbüro verlasse, denke ich noch kurz darüber nach, ob unser Kaktus Fencheltee mag, den ich da gleich hineinkippen werde. egal, er kann eh nix dagegen tun. ich muss los, in den Schneeregen.

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die richtige Musik für fallende Blätter und pfeiffenden Wind

Manchmal mache ich mir zu viele Gedanken. über Farbe der Strupfhosen oder über die Menge des Salzes in der Suppe. manchmal bekomme ich dann auch Post, diese lenkt von allem ab, was sonst so passiert, und dann sitze ich einen ganzen Abend mit halb geschlossenen Augen und habe keine Ziele.

Manchmal ist der Geschmack des Regens auf den Lippen aufregender als Achterbahn fahren, und manchmal frage ich mich, warum ich da salles tun muss, das Leben so kurz, und die Vorhaben so zahlreich, und in Schaufenstern schöne Schuhe, die ich niemals tragen werde, was davon ist Verschwendung?

dann kommt die Sonne raus, der Text des Liedes im Ohr passt perfekt zu der irgendwann vor zwei Jahren getrockneten Mohnblüte, die ich eben fand, und auf den Punkt genau sagen Sven Regener und ich: Was für ein Tag!

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