trotz zahlreicher Bemühungen es nicht zu sein, bin ich traurig uns sauer. Weil meine Endabrechnung trotz zahlreicher Bemühungen und Telefonate, Briefe und Emails immer noch nicht stimmt. Und da das Ignorieren nicht funktioniert, übe ich im Loslassen.
Ich schenke euch das Geld. Schließlich ist Weihnachten. Investiert es gut und macht bitte nie wieder so etwas mit irgendeinem anderen Ex-Mitarbeiter von euch. Es geht nicht um die Summe (auch, aber nicht primär) – es geht ums Prinzip. Es fühlt sich unendlisch Scheiße an, um sein Geld zu bitten.
Wir hatten schöne Zeit. Wir hatten schlechte Zeit. Nun ist es vorbei, macht’s gut.
An einem Tag, als die Wetterfrösche vergessen haben, die Sonne vorherzusagen, schien diese unvorhergesagt durch das Fenster, und ich dachte, verdammt nochmal, es wird mal wieder Zeit, eine Kamera zu schnappen und ein Bild zu machen. Ich schnappte mir die SX70, in der seit August schon diese sündhaft teuere Experimentierkassette drin steckte. Fokusiert, Schnitt ausgewählt, patch, rammt mich von hinten meine Tochter, die ganz stolz war, dass ich sie nicht gehört habe. Siehe Bild ganz links.
An einem anderen Tag – die beiden hübschen Weckermodelle immer noch da stehend – dachte ich, versuchs nochmal. keine Sonne, also Langzeibelichtung, am Fensterbrett abgestützt, wer kennt das nicht, etwas verwackelt, aber zumindest erkennt man, was ich machen wollte. Siehe Bild Mitte.
Das kann nicht alles gewesen sein, oder? Lampe angeschleppt, angestöpselt, angemacht, wieder alles nochmal von vorn. Siehe Bild rechts.
Hab vergessen, was ich eigentlich erzählen wollte. Wir brauchen aber definitiv besseres Tageslicht, das spreche ich jetzt in Richtung Wettergott im Namen aller Fotografen im Umkreis von paar Hundert Kilometern. Amen.
Heute Mittag stand ich an der Buttertheke bei Edeka und starrte auf die Süßrahmbutter. und dann kam eine sehr nette Dame vorbei und griff sich ein Paket, und ich fragte sie, ob sie wüßte, was der Unterschied zwischen Sauerrahm- und Süßrahmbutter sei. kaum habe ich meine Frage ausgesprochen, kam der Mann der netten Dame zu uns. klar, gibts da einen Unterschied. er würde keine andere aufs Brot schmieren. sie sei das Leckerste überhaupt.
Plötzlich stand ich in einem ganzen Pulk netter Damen, die sich alle einig waren, die Mildgesäuerte nehme man nur zum Backen, und sie unterhielten sich alle ganz aufgeregt und tauschten Rezept-Erfahrungen aus, und ich dachte mir, meine Güte, die kennen sich aber aus.
Heute Nachmittag habe ich mal wieder etwas über Thilo Sarrazin im Radio gehört. und was auf der Titelseite der Tageszeitungen gelesen. und eine hitzige Diskussion auf der Strasse miterlebt. und es war ein wenig mit der Butterdiskussion vergleichbar, nur dass wohl die wenigsten von uns das Buch bereits gelesen haben.
Meinungen bilden sich schnell. Erfahrungen brauchen länger. und es gibt genug Beweise, dass manche schnell gebildete Meinungen trotz widersprüchlicher Erfahrungen nicht geändert werden. so sind wir Menschen nun mal. ich hab dann plötzlich festgestellt, dass ich keine Meinung zu der Süßrahmbutter habe, aber eine zu dem Buch “Deutschland schafft sich ab”. folgende: ich habe keine Ahnung, ob ich das Buch gut finden würde, wenn ich das lesen würde, aber ich finde es gut, dass es das Buch gibt. da gibt es einen, der sich traut das zu sagen, was ganz viele andere denken, aber kaum schreibt er das, wird es von den Medien – wie nicht anderes zu erwarten – so verzerrt dargestellt, damit Meinungsbildung unumgänglich wird. und von den Menschen, die mit Herr Sarrazin vorher täglich verkehrt haben, hört man dann, dass man sich von ihm und seiner Meinung distanziere. und von all den anderen wird das Buch dazu genutzt, sich selbst darzustellen. ich bin da keine Ausnahme.
In Deutschland ist es – besonders in der Politik – unpopulär, eine klare Meinung zu haben. an allen Ecken und Kanten findet man Kompromissbereitschaft. lieber sich einen Zickzack-Kurs vorwerfen lassen, als unpopulär sein. lieber unbeliebt auf die Titelseite, als beliebt im Hintergrund. “Das habe ich so gar nicht gemeint”. kein Wunder, dass man auch im normalen Arbeitsalltag kaum versteht, was der andere möchte. und dass Kommunikations-Kurse gar nicht in der Lage wären, dieses zu lösen.
Pfui, jetzt habe ich tatsächlich was zur Politik gesagt. dabei bin ich gedanklich immer noch mit der Butterfrage beschäftigt.
Ich lese im Moment ein Buch von Katrin Sass, und dort wird viel über ihr Leben am und im Theater berichtet, unter anderem auch, wie die Schauspieler sich abends mit Alkohol den Verstand abschalteten. plötzlich waren die Erinnerungen aus meinem Mädchenleben da, wie meine Eltern – aus einem mir absolut nicht nachvollziehbaren Grund – Angst hatten, dass ich Schauspielerin werden möchte, plötzlich waren diese Gespräche am Abendbrottisch da, und plötzlich sollte ich mir Artikel durchlesen, wo etwas ähnliches wie bei Katrin Sass berichtet wurde, es sollte mir klar werden, dass dies auf keinen Fall mein Berufsziel sein kann.
Nimand redete mir aus, Feuerwehrfrau oder Boxerin zu werden. mein Kleinkindtraum, Tramwai-Führerin zu sein, wurde nie dermaßen negativ betrachtet. der Wunsch, Lehrerin zu sein, wurde schlicht ignoriert, aber der nie dagewesene Wunsch, Schauspielerin zu sein, der wurde im Voraus schlecht gemacht.
Was ich über Schauspieler weiß, ist sehr begrenzt. Talent müssen sie haben. und gut aussehen, das ist auch nicht verkehrt. dann gibt es prall gefüllte Sitzreihen, viel Applaus, Verehrer, schöne Kleider, roten Teppich und Blumen. doch ist es das?
Auf der Fahrt nach Hause, da hörte ich mal wieder EOC, und ich dachte dann nach, was so ein Star am Tage wohl macht. wie verbringt der Sven Regener seine Woche? muss er auch mal zur Bank und zur Post? bekommt er auch Mahnung für Abfallgebühren? geht er einkaufen? und den Rest der Zeit? morgens ein Lied komponieren, nachmittags Business Case für das nächste Buch ausrechnen? ich will mich ja nicht in fremde Leben einmischen, aber interessieren würde es mich schon…