Schnupfenblues

über Nacht wurden die Blätter vor dem Fenster gelb und rot und zwei Stunden später raschelten sie schon unter meinen Füßen. Nein, schrie mein Inneres, nicht so schnell! als ich den Regenschirm aufmachte, hätte ich fast weinen können. ich kann mich von vielem trennen und verabschieden, nur der Herbst, die Trennung vom Sommer, das schmerzt jedes Jahr.

ich wurde erhört. im Radio berichtete die muntere Stimme zwischen Politik und Verkehr etwas über zehn Stunden Sonne und 14 bis 18 Grad. heute und morgen und sogar am Samstag noch. cool. was überhaupt nicht dazu passt, ist meine Schnupfnase, die hole ich mir immer in der Zeit, wo die dicke Jacke noch im Schrank hängt und man so tut als wäre es noch warm genung für einen Pullover. Bullshit. jedes Jahr das gleiche. zum Sommer-Trennungsschmerz kommt die Schnupfnase, die Welt ist doof, alles passt nicht zusammen, ich bin ein Star, holt mich hier raus!

eins ist in diesem Herbst anders: ich habe frei! ich werde sowohl meine Nase auskurieren, als auch die bunten Blätter bewußt genießen. nicht im Vorbeifahren im Bus, nicht aus Erzählungen von Menschen, die im Park waren, nein. aus dem eigenen Erleben.

in diesem Sinne *warme Jacke anzieht und Film in die Kamera einlegt*

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Fiderallala

Die einen gewinnen etwas und bespritzen sich danach gegenseitig mit Champagner. die anderen sind Künstler, sie machen tolle Sachen und gehen dann mit ganz vielen schicken und bekannten Persönlichkeiten in Bars, um sich toll aussehende Coctails mixen zu lassen und hauen sich dabei die Nächte um die Ohren.

Ich bin ein ganz normales Mädchen. dass ich zum Durchschnitt gehöre, merke ich besonders beim EInkaufen. Schuhe und Röcke in meiner Größe sind immer weg. aber in der Apotheke, da ist es andersrum, die Apotheken sind die einzigen, die sich auf den Durschnittsmenschen eingestellt haben, denn alles, was ich normalerweise in der Apotheke haben will, steht direkt hinter der Apothekerin. egal in welcher Stadt, egal in welchem Land. bitte – danke, Nächster.

Abends, wenn die einen sich ihre Champusklamotten waschen lassen und andere sich Coctails auf ebenfalls Klamotten kleckern, da räum ich auf oder sehe fern oder scanne Fotos, totale Durchschnittstätigkeiten eben. das beruhigt. heute habe ich aus den Himbeeren, die um diese Jahreszeit immer in großen Gruppen heranreifen, Marmelade gekocht. hält man den Topf beim Eingießen schön weit oben, ist der Marmeladenstrahl dann schön dünn und passt ungekleckert in die hübschen schmalen Geleegläschen. trotzdem spritzt es dabei, weil der Strahl von so weit oben kommt. und solche Dinge beschäftigen mich dann den Rest meines Abends, wieso das Zeug aus der schmalen Öffnung rausspritzen kann, wo man doch so genau zielen muss, damit da überhaupt was hineinpasst?

Veröffentlicht am von in und in China fällt ein Sack Reiss um. 6 Kommentare.
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