Eine unmutige Ausstellung

Gern und viel beschäftige ich mich mit der Fotografie. nach und nach bilde ich mir sogar ein, etwas davon zu verstehen. heute war ich in einer Fotoausstellung in den Deichtorhallen, “Traumfrau” hieß diese und hatte eigenlich alle Chancen, göttlich zu werden, wurden doch 50 Top-Fotografen gebeten, ihre Vision von Schönheit zu präsentieren.

Langweilig war es nicht. aber erschreckend einseitig. unmutig. tolle Schminke, tolle Haare, tolle Brüste, weltberühmte Namen, Creme de la Creme. ist das alles? gibt es in der Welt nur diese Schönheit? strebt die ganze Top-Fotografenwelt einzig und allein den Vogue-Bildern hinterher?

Technisch waren die meisten Bilder perfekt. auf die Models darf man neidisch sein. aber überzeugt hat das nicht. seltsam.

aber immerhin mache ich mir den Rest des Tages Gedanken. dafür war die Ausstellung gut.

Veröffentlicht am von in tatsächliche Tatsachen. 18 Kommentare.
Schlagwörter: ,

Herbstballade

ich feiere Versöhnung mit dem Herbst

ich laufe in fallende Blätter hinein und lasse die nicht wärmende Sonne auf meinen Rücken scheinen.
ich verzeihe dem kalten Wind und lasse den Staub des Sommers vom Dauerregen abwaschen.
ich parfümiere mich mit dem Duft des frisch gepflügten Feldes, lade das Klopfen der Wassertropfen in meinen mp3-Player, rühre die Kastanien in meiner Tasche wie Gebetsperlen um und lasse endlich die Ruhe und die Stille in mein Herz, während ich die Heizkörper höher drehe.

wenn ich nichts dagegen tun kann, dass du da bist, nehme ich dich hin.
hallo, Herbst.

Veröffentlicht am von in wie ein Sandkorn in der Wüste. 7 Kommentare.
Schlagwörter: , , ,

Kalter Tee

Die Tage, an denen ich meinen Tee kalt trinke, weil mir immer wieder was dazwischen kommt, beschäftigten mich heute Nacht im Schlaf. ich sehe die Teetasse [meine Lieblingstasse fasst 500 ml von meinem Lieblingsgetränk], freue mich darauf, dass sie gefüllt ist (wann hab ich eigentlich Zeit gehabt, mir einen Tee zu machen?) und führe sie zu meinen Lippen. tiefe Enttäuschung. zimmertemperierter Tee füllt sich an den Lippen so an, als käme er direkt vom Nordpol. da hilft es auch nicht, wenn man einen Schuss Heisswasser oben drauf kippt, schmeckt nämlich nicht. für einen neuen Tee keine Zeit, nicht jetzt, irgendwann, wenn dieses eine Telefonat, das ich gerade führe, vorbei ist.

Zuhause arbeiten ist eigentlich sehr schön. ich bin dann auch immer gewillt, parallel und multitasking die Bude etwas aufzuräumen. denn beim Telefonieren laufe ich gern rum. auf diesen Telefon-Aufräumstreichen hab’ ich dann irgendwann mehrere Gegenstände in den Händen: etwas, das weg soll, etwas, das in Kühlschrank gehört, was für das Kinderzimmer und dann noch schnell den Stapel Handtücher ins Bad…

Wenn ich dann Stunden später meine Butterdose im Bad finde, weiß ich, ich sollte unbedingt einen Blick in den Mülleimer werfen…

Veröffentlicht am von in wie ein Sandkorn in der Wüste. 6 Kommentare.
Schlagwörter: , ,

a lá carte [für den Starfotografen]

[für den ollen Ramontiker gibts Kombination aus Hudson River *hach* und einem seltenen noch nie davor life gesehenen Insekt *wow*]

Noch nie vor dieser Reise hab ich mich so mit dem Fotografieren beschäftigt. Kameras, digital vs. analog, Brennweiten (ich habe mir diese 10 mm Linse extra aus der Schweiz geliehen), Kleinbild vs. Mittelvormat, Autofokus vs. Plastiklinse, sogar ob mit oder ohne Polfilter (ich habe in der Tat einen gekauft, das glaube ich selbst nicht). und ich glaube, ich hab mir dann wie eine Katze selber in den Schwanz gebissen und war dann so was von unfrei und verkopft…. kurz vor der Reise beschloß ich dann, gar keine Kameras mitzunehmen, aber *na gut*, dann schleppte ich doch zwei Canonen mit. die Digi mit schön vielen Blendenflecken, weil das Ding unbenutzt und ungeputzt vor sich hin vegetierte, und die neu gebrauchte analoge, die bei der Ankuft keine Batterie mehr hatte. *So geschieht dir das recht*, – sagte meine innere Stimme zu mir. und so fotografierte ich paar Tage gar nicht und den Rest nur ab und zu.

Und als ich mich dann am letzten Abend der Reise (letzte Chance, die Manhattan-Skyline zu fotografieren, tue das endlich!!) total entschlossen auf das Ufer bewegte, um die Spiegelung der Sonne hinter mir in den Wolkenkratzern auf der Manhattan-Seite vor mir zu knipsen, saß da dieses Tierchen. fliegt bestimmt gleich weg, ich lehnte mich an das Holz, nein, es blieb, und weil links und rechts von mir paar Menschen dazu kamen, um sich das Licht- und Farbengeschehen anzugucken, drehte sich auch das Tierchen hin und guckte mit uns mit. da soll noch einer sagen, die sind dumm.

Fazit: ich habe zu viele Bilder gemacht, die ich nie machen würde, wenn ich nicht so verkopft herangehen würde (da freut sich der Mülleimer). ich habe es aber sehr genossen, ganz ohne Kamera umherzulaufen und nur wahrzunehmen, ohne festzuhalten. das gab mir ein gewisses Gefühl, frei zu sein, und das tat verdammt gut.

Veröffentlicht am von in und in China fällt ein Sack Reiss um. 21 Kommentare.
Schlagwörter: , ,

Gedankensalat mit Fischstäbchen [für Tanja und Kathy]

Ich stehe am Fluss, der sich Seeve nennt, und pflücke Brombeeren. die Kühe auf der anderen Flusseite schauen mich gelangweilt an. es ist Nachmittag. Später zupfe ich im Garten paar Blütenblätter für den Salat und denke: ich das wirklich die gleiche *ICH*, die vor paar Tagen noch am Hudson River stand und den Geräuschen den großen Stadt NYC lauschte?

-

“Super!”, – sagte die Frau neben mir, aber ihr Gesicht und der Ton, in dem sie das sagte, verriet mir, dass das eben die langweiligste Bestellung seit Monaten gewesen sein muss. diese ständige Vermischung aus so Vielem, sie machte mich tagtäglich etwas durcheinander. sich selbst in dieser Stadt nicht zu verlieren, das erschien mir plötzlich so wichtig. und dennoch die Stadt nicht als Feind wahrzunehmen, ein guter Gast zu sein, ein aufmerksamer Zuhörer und ein dankbarer.

-

Am vorletzten Tag unserer Reise fanden wir ein Frühstücksdeli ohne Einweg-Geschirr. seit zehn Tagen Plastik, Pappe und Styropor und nun so was. das plötzliche Klirren der Messer auf dem Porzellanteller kam mir wie ein Geräusch aus der anderen Welt vor.

Jetzt bin ich zurück, das weiß ich. *Dressing rühren geh*

Veröffentlicht am von in und in China fällt ein Sack Reiss um. 9 Kommentare.
Schlagwörter: , ,