Gestern kam in Radionachrichten, dass Arbeitnehmer auch schon am ersten Tag der Krankheit einen Bescheid einreichen müssen (Gerichtsbeschluss!) – was für eine kranke Arbeitswelt! wenn ich mit Fieber aufwache, ab zum Arzt, schön lange im vollen Wartezimmer die anderen anstecken und dann auch noch schnell bei der Arbeit vorbei, um den Schein abzugeben?? Warum dann nicht gleich zur Arbeit, Gesundheit wird überbewertet und Vertrauen, pah!, wer spricht hier vom Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer!
Wer so ein Arbeitsverhältnis hat, der ist allein deshalb schon bestimmt oft krank. Sorry, ein so was von old school!!
Als ich noch klein war, war das mit der Freundschaft ganz einfach – Freunde waren die, mit denen man die meiste Zeit zusammen verbrachte, und zwar freiwillig.
Als ich größer wurde, waren Freunde die, mit denen mich aus der Vergangenheit etwas verband – gemeinsame Erlebnisse, gemeinsame Hobbies, gemeinsame Geburtstage.
Als es mit dem Job anfing, waren Freunde die, mit denen man sich in der Freizeit traf. Es verband uns immer noch etwas aus der Vergangenheit, und es wurden immer seltenere Stunden.
Und dann kam Internet. Ich diskutiere mit Onlinefreunden – bis tief in die Nacht – Themen, die mich bewegen, und lache unter den Fotos meiner Fotofreunde über Kommentare unserer gemeinsamen Buddies. Echte Treffen mit echten – im Sinne von “aus Fleich und Blut” – Freunden werden immer seltener und immer seltsamer, weil man zuerst in Facebook Places eincheckt und der Welt mitteilt, dass man sich dort mit einem Freund trifft…
Ich war am Freitag joggen und habe dabei meinen Schlüssel verloren. der Ersatzschlüssel wird 10 km entfernt aufbewahrt, und um dorthin zu kommen, habe ich in allen Nachbarhäusern geklingelt. erst drei Häuser weiter war jemand nicht in Urlaub. auf dem Weg unterhielten wir uns – wir unterhalten uns sonst sehr selten – und waren uns in ein paar Themen sofort einig. zum Beispiel wozu man arbeiten geht oder dass mit den Reisen. unter anderen Umständen hätten wir vielleicht Freunde werden können, doch weil in unserem Dorf paar ex-Freunde sich nur noch vor dem Richter unterhalten, gilt es bei uns als Tabu, sich mit Nachbarn anzufreunden. bekloppt.
Was war das also nochmal, die Freundschaft? muss man was gemeinsames erlebt haben? muss man eine gemeinsame Zukunft haben können? darf man gleichzeitig im wahren Leben und bei Facebook befreundet sein? wo geht die Freundesreise hin?
Meine Tochter bezeichnet als Freund jemanden, den sie mag. ich fahre gleich zu einem Geburtstag von meinem Lieblings-ex-Kollegen, den ich mag. ich glaube, er ist mein Freund.
Heute Mittag stand ich an der Buttertheke bei Edeka und starrte auf die Süßrahmbutter. und dann kam eine sehr nette Dame vorbei und griff sich ein Paket, und ich fragte sie, ob sie wüßte, was der Unterschied zwischen Sauerrahm- und Süßrahmbutter sei. kaum habe ich meine Frage ausgesprochen, kam der Mann der netten Dame zu uns. klar, gibts da einen Unterschied. er würde keine andere aufs Brot schmieren. sie sei das Leckerste überhaupt.
Plötzlich stand ich in einem ganzen Pulk netter Damen, die sich alle einig waren, die Mildgesäuerte nehme man nur zum Backen, und sie unterhielten sich alle ganz aufgeregt und tauschten Rezept-Erfahrungen aus, und ich dachte mir, meine Güte, die kennen sich aber aus.
Heute Nachmittag habe ich mal wieder etwas über Thilo Sarrazin im Radio gehört. und was auf der Titelseite der Tageszeitungen gelesen. und eine hitzige Diskussion auf der Strasse miterlebt. und es war ein wenig mit der Butterdiskussion vergleichbar, nur dass wohl die wenigsten von uns das Buch bereits gelesen haben.
Meinungen bilden sich schnell. Erfahrungen brauchen länger. und es gibt genug Beweise, dass manche schnell gebildete Meinungen trotz widersprüchlicher Erfahrungen nicht geändert werden. so sind wir Menschen nun mal. ich hab dann plötzlich festgestellt, dass ich keine Meinung zu der Süßrahmbutter habe, aber eine zu dem Buch “Deutschland schafft sich ab”. folgende: ich habe keine Ahnung, ob ich das Buch gut finden würde, wenn ich das lesen würde, aber ich finde es gut, dass es das Buch gibt. da gibt es einen, der sich traut das zu sagen, was ganz viele andere denken, aber kaum schreibt er das, wird es von den Medien – wie nicht anderes zu erwarten – so verzerrt dargestellt, damit Meinungsbildung unumgänglich wird. und von den Menschen, die mit Herr Sarrazin vorher täglich verkehrt haben, hört man dann, dass man sich von ihm und seiner Meinung distanziere. und von all den anderen wird das Buch dazu genutzt, sich selbst darzustellen. ich bin da keine Ausnahme.
In Deutschland ist es – besonders in der Politik – unpopulär, eine klare Meinung zu haben. an allen Ecken und Kanten findet man Kompromissbereitschaft. lieber sich einen Zickzack-Kurs vorwerfen lassen, als unpopulär sein. lieber unbeliebt auf die Titelseite, als beliebt im Hintergrund. “Das habe ich so gar nicht gemeint”. kein Wunder, dass man auch im normalen Arbeitsalltag kaum versteht, was der andere möchte. und dass Kommunikations-Kurse gar nicht in der Lage wären, dieses zu lösen.
Pfui, jetzt habe ich tatsächlich was zur Politik gesagt. dabei bin ich gedanklich immer noch mit der Butterfrage beschäftigt.
Jeden Abend wenn ich schlafen gehe, guckt mich dieses Buch vom Nachttisch an, als wäre es mein schlechtes Gewissen. schon wieder nicht geschafft, schon wieder gehst du viel zu spät ins Bett ohne mich gelesen zu haben… schon wieder warst du nicht früh am Nachmittag zuhause und hast mich auch nicht am Wochenende auf der Terrasse gelesen… na gut, das mit der Terrasse ist bei diesem Wetter eh nicht möglich, aber das mit dem früher nach Hause kommen und früher ins Bett, müssen das wirklich gute Vorsätze bleiben oder schaffe ich mal den Absprung?
warum arbeiten wir so gern? nein, Frage falsch gestellt: warum arbeite ICH so gern?
eigentlich passt dazu die Gegenfrage: warum habe ich mir dieses Buch gekauft? na gut, heute lese ich paar Seiten, vielleicht schaffe ich es dann, mehr zu können was man will und weniger zu dürfen oder wie auch immer der Spruch weiter ging. Redaktionsschluss 23:26
Ich habe bei Tilla Fragen von Martin gefunden, und ich fand sie spannend. hier nun meine Antworten.
* Was hat Dich dazu bewegt, über Fotografie zu bloggen?
die Fotografie selbst. über das Wetter wird genug woanders geschrieben, über Politik und Sport ebenfalls. da Fotografie nicht nur ein Hobby, sondern ein wichtiger Teil meines Lebens ist – so wie für andere Fussball oder Motorrad – ist das hier mein Fototagebuch, in dem ich mich damit auseinandersetze, was Fotografie mit mir macht, wie ich die Welt mit meinem dritten Auge erlebe und wie das alles zusammenpasst – das sehen, das schaffen und das gesehen werden wollen.
* Über welche Themen schreibst Du selbst am liebsten?
über mich selbst. über meinen privaten Alltag, mit Bildern, die im Text versteckt sind und eventuell mit einem echten Foto dazu. darüber, was wo und wie ich fotografiere oder fotografieren möchte. oder was ich auf keinen Fall fotografieren möchte. ich schreibe am Tage manchmal Gedanken auf, die mir in den Kopf kommen, oft sind es Gedanken am Abend, für diese habe ich meinen Tag “Bevor ich schlafen gehe”. ich schreibe auch gern über Mann und Frau, aber in seltensten Fällen über Politik oder Job oder andere (ernste) Themen.
* Welche Artikel sind die wichtigsten Deines Blogs (ca. 2-5)?
die über mein Landleben und meinen Garten.
* Weisst Du schon, was die Leser Deines Blogs 2009 erwarten wird?
nein, ich habe keinen Businessplan, aber ich habe Kühlschrank voll Filme und Kopf voller Ideen. es wird bunt bleiben.
* Wieviele Artikel veröffentlichst Du im Schnitt pro Woche?
es gibt hier keine Regelmäßigkeiten. um so glücklicher bin ich, dass meine Stammtischleser immer wieder vorbeikommen.
Eine ganz liebe Freundin von mir sagte mir einmal am Telefon: “Scheisse wird zu Kompost, und zwar von ganz alleine. merken und aufschreiben solltest du dir nur die guten Momente.” leider sagte sie mir das erst Mitte Dezember, aber fürs nächste Jahr werde ich mir das unbedingt merken.
und falls jemand von euch vorhat, einen Jahres-Rückblick zu wagen, denkt an das Gute. davon war bestimmt genug da. dann klappt es auch mit dem Ausblick ins neue Jahr. wir sehen uns!
Als ich den fertigen Adventskalender an die Wand hing, hörte ich das Lied bereits zum dritten Mal. dabei stand auf der Playmobil-Packung, dass man zum Aufbau ca. 45 Minuten braucht. und ich lächelte, wenn da 45 Minuten steht, dann mache ich das locker in einer halben Stunde. und dann legte ich Sir McCartney auf und legte los. ich weiß, ich war geistesabwesend, doch es tat mir gut. und es macht mir nichts aus, dass ich doch fast zwei Stunden Playmo gespielt habe.
und es ist auch egal, ob ich mir jedes Mal Paul zum Nachdenken auflege oder andersrum, seine Musik mich zum Denken anregt. und eigentlich gab es auch nichts zum Nachdenken. mehr zum Abschweifen. es war ein runder Sonntag, mit allem, was dazugehört.
und so eben fällt mir auf, dass dieser Gedanke mich auch bereits mindestens das dritte Mal aufsucht. er war bereits beim Pyjamafrühstück da und dann am Nachmittag, als wir irgendwo in der Pampa im Cafe des Heimatvereins saßen, und ich mit Erstaunen dachte, ich würde jede dieser rüstigen Rentnerinnen, die das Cafe führten, ohne Zögern in meiner Firma einstellen (wenn ich eine hätte), denn einen so gut organisierten Laden habe ich schon lange nicht mehr erlebt.
und obwohl ich den eigentlichen Gedanken des Tages immer noch nicht in Worte fassen konnte, kenne ich ihn, und er gefällt mir. das Blatt wenden, den Weg finden, das Neue entdecken, all diese Dinge geistern durch meinen Kopf, ich bin voller Ideen und überfüllt mit Zuversicht, die mir selber ja schon fast ungesund erscheint, und dennoch will mein Ich nichts anderes, als einfach weiter gehen. und ich weiß, dass ich bereits unterwegs bin.
Manchmal mache ich mir zu viele Gedanken. über Farbe der Strupfhosen oder über die Menge des Salzes in der Suppe. manchmal bekomme ich dann auch Post, diese lenkt von allem ab, was sonst so passiert, und dann sitze ich einen ganzen Abend mit halb geschlossenen Augen und habe keine Ziele.
Manchmal ist der Geschmack des Regens auf den Lippen aufregender als Achterbahn fahren, und manchmal frage ich mich, warum ich da salles tun muss, das Leben so kurz, und die Vorhaben so zahlreich, und in Schaufenstern schöne Schuhe, die ich niemals tragen werde, was davon ist Verschwendung?
dann kommt die Sonne raus, der Text des Liedes im Ohr passt perfekt zu der irgendwann vor zwei Jahren getrockneten Mohnblüte, die ich eben fand, und auf den Punkt genau sagen Sven Regener und ich: Was für ein Tag!
und wieder ein Abend am Scanner. diesmal wollte ich nicht zwei Monate warten und gleich nachschauen, was auf dem FIlm ist. Blümchen, cross, stimmt, ich war letztes Wochenende mal im Garten, weil die Sonne schien und ich diesen einen total verfallenen Film mal ausprobieren wollte. jemand schrub schon mal, dass man Testfotos meistens mit Blümchen macht…
hier läuft seit Stunden gute Musik. wenn die Lieder mich mitnehmen, dann ist es schwer, sich von dem zu trennen, was man gerade tut und auf eine andere Beschäftigung umzuschalten. ich könnte mich bestimmt am Bügelbrett nützlich machen, aber auch paar Bücher zuende lesen oder Bilderbände zuende blättern. nein, einer nach dem anderen kommen die Streifen in den Scanner, die Musik scheint mir Bestätigung zu geben. ich merke selbst nicht, dass ich es schaffe, andere CD einzulegen, aber seit Stunden aufs Örtchen müßte. ich komme mir vor wie ein großes neugieriges Kind. und ich werde morgen bestimmt sauer auf mich selber sein, weil ich mal wieder den ganzen Abend vor dem Rechner verbracht habe.
aber: ist das da oben nicht ein tolles Bild? seufz.
Meine Reisen nach USA holen mich immer wieder ein. jetzt dachte ich mir eine Weile, dass meine Eindrücke aus Las Vegas längst verarbeitet wären. gestern stand ich dann aber im Miniaturwunderland wie vom Blitz getroffnen vor diesem Sperrholztisch, und als die roten und blauen Neonröhren über mir Abend und Nacht imitieren sollten, sagte ich mir, auf genau diese Ecke der Erde, genau darauf passt es wie Faus aufs Auge.
Und: der gestrige Film aus der Holga ist was geworden. bis auf die Tatsache, dass ich dort scheinbar einen Rahmen drin habe, denn alle Bilder sind viereckig statt quadratisch. üben, sag ich nur.