Dreiundzwanzig Grad ist ein magischer Zustand des Universums. es ist genau richtig warm in der Sonne, und es ist perfekt kühl im Schatten. der langsame Wind schafft es nicht, mein Haar zu durchwehen, selbst als ich aufs Fahrrad steige und in das benachbarte Dorf zur Eisdiele fahre.
Dreiundzwanzig Grad ist eine perfekte Temperatur für jede Kleidung. für egal welche Schuhe. es ist nicht zu heiß für Bewegung und nicht zu kalt fürs Rumsitzen. es ist eine Temperatur, die von mir aus gern an elf Monaten im Jahr um mich herrschen darf. einen Monat lang hätte ich gern Schnee und dunkel.
Jetzt ist es aber nicht dunkel. es ist hell und es sind genau die dreiundzwanzig Grad, um den Abend draußen zu verbringen. wer nicht weiß, was er dabei trinken soll (soll vorkommen), empfehle ich Aperol-Kirsch, eben entstandene Kreation. in der Luft liegt eine süße Duftmischung als Flieder und Raps, so dominant, dass sogar die gesammelten Grillanzünder der ganzen Nachbarschaft nicht dagegen ankommen.
ich dachte, es wäre nicht meine Farbe, ich ignorierte sie und
machte sie bei jeder Tonwertkorrektur möglichst unsichtbar,
bis ich das Rotkohlbeet entdeckte.
Irgendwo hinten hört man Geräusche, völlig artfremde, jährlich wiederkehrende Krakellaute derer, die irgendwann im Leben Väter werden, ich wünsche ihnen, dass ihre Kinder sie niemals in diesem krakehlenden Zustand sehen, denn mir reicht das Hören schon aus.
ich hock am Beet nummer vier, es ist das letzte, das heute an der Reihe ist, danach will ich reingehen und Kuchen backen, morgen ist Kindergeburtstag und heute, heute ist der wunderbare Feiertag, der uns einen Brückentag beschert, ich mag so etwas sehr und gehe euphorisch an das Beet nummer vier. leider hat sich meine Tochter dafür entschieden, Möhren zu sähen. in meinem Kopf tauchen sofort Erinnerungen auf, ich sehe meine Mutter und meine Oma, beide am Möhrenbeet fluchend, bis eine der beiden der anderen sagt, das Kind hört doch zu. ich weiß gar nicht, was sie haben, es ist herrlich, eine geschlagene Stunde damit zu verbringen, milimeterkleinen Pflanzenwesen das Leben zu retten.
irgendjemand hat mir schon mal erklärt, warum Unkraut schneller wächst, als Nutzpflanzen, aber so etwas vergesse ich leider immer wieder. wie dem auch sei, es ist Fakt. das Beet war jüngfreulich schwarz, als wie gesäht haben, und nun ist es grün, und von Möhren fast keine Spur. man kann getrost alles rauszupfen was größer 10 mm ist, und dann in dem verbleibenden Kreis der Kandidaten nur Möhren am Leben lassen, und zwar nicht alle, sondern nur so viele, dass sie Platz zum dick werden haben.
und so lehr die Natur mich immer wieder Geduld, Freude und EInfachheit, das letzte ist mir mit den Jahren immer wichtiger geworden. So eine Stunde am bekloppten Möhrenbeet ist nicht cool, aber sie tut mir gut, ich vergleiche diese Tätigkeiten mit einem Urlaub im Kloster, da hat man auch Zeit für solche Dinge und bestimmt genau so Zeit, über das Leben zu sinnieren.
Ich gehe nicht gern einkaufen. ich hasse Shopping. Einkaufszentren sind nur im Winter schön, morgens um acht, wenn noch kein Mensch drin ist, und ich auf dem Fussweg ins Büro kurz durch husche, weil ich dann nicht ums Gebäude rum muss. aber am Samstag, am Samstag sind das Plätze, die man meiden sollte. ich habe es vergessen.
ich wollte nur schnell meine Fotos abholen (Resultat sieht man oben). dafür muss ich drei Stockwerke überqueren – vom Parkhaus ins Untergeschoss. Fahrstuhl kommt nicht in Frage, davor stehen mindestens fünf Kinderwagen mit drin schreienden Kindern. Rolltreppen sind gute Alternative, wenn lustige Heranwachsende nicht die Notbremse gedrückt hätten. vor mir sind paar Rentner unterwegs, die ebenfalls dem Fahrstuhl entfliehen wollten. es dauert.
es ist laut. es ist warm. der Boden ist vollgekleckert mit dem Eis, was an diesem Tag scheinbar jedem zweiten Kind aus der Waffel rausfiel. mal eben schnell durch die Menschenmassen und zur nächsten Rolltreppe ist nicht. es nervt mich. links im Augenwinkel tauchen 20 Prozent auf. 20 Prozent auf alles was bereits herabgesetzt ist, heute letzter Tag. na gut, ich gebe diesem Geschäft eine Chance, bevor ich die nächsten zwei Rolltreppen besiege.
es gibt tatsächlich 20 Prozent auf bereits preisreduzierte häßliche Sachen. komischerweise reisst sich niemand drum. alle wühlen in der neuen Kollektion. da soll mal einer Marketing verstehen. ich wühle auch, mehr mechanisch, doch ich finde dieses eine Shirt schön. es ist orange und es hat kurze Ärmel, und genau danach ist mir, das merke ich ganz dringend. ich will Frühling, ich will Wärme, ich will Sonne auf meinen Unterarmen. ich nehme das Shirt zur Kasse.
den Bon in der Hand haltend, möchte ich das Shirt am liebsten sofort zurückgeben, denn auf dem Bon steht “1 x mainstream shirt”. *muahhhhhhhhhh* heul schüttel renn…………..
Der Gang durch den verregneten Garten bestätigte, dass das Leben auch schöne Seiten hat. gleich neben den vielen (und in diesem Jahr späten) Maulwurfshügeln blühen Schneeglöckchen, die den Schnee mal wieder verpasst haben, aber um so besser sichtbar sind. sollte es morgen nur einen Ticken heller werden, ist mal wieder ein Blümchenfilm dran.
Später, als die Kinder mit ihren Citirollern durch Haus fuhren, habe ich es mir in der verkehrsberuhigten Zone des Hauses gemütlich gemacht und griff nach einer CD aus dem Regal, mir war egal, was es ist, aber es wurde Prefab Sprout, und es wurde toll.
und noch etwas später, als die Kinder sich einer Pyjamaschlacht hingaben, haben sie so laut gelacht, dass ich unmöglich böse sein konnte, und alle uhren dieser Welt wurden unwichtig.
so einen Gemütszustand würde ich gern mal fotografieren. ob das wohl möglich ist?
An der Bushaltestelle hält der Mann links von mir eine Tüte mit weißen Mäusen in der Hand. rechts neben mir steht auch ein Mann, den habe ich öfters gesehen, gleiche Arbeitszeiten, und dieser Mann war mir auch immer sympatisch. bis eben. wie er aus der Bierdose trinkt. das gibt satte Minuspunkte, ich werd dieses Bild lange nicht aus meinem Kopf heraus bekommen.
Die Meteorologen mal wieder. sie haben sich geweigert, den Schnee vorherzusehen. und redeten dauernd von Regen. es kommt aber dick und weiß. der Buss quält sich in halber Geschwindigkeit aufs Land. gleich nachdem ich mit dem Schneeschieben fertig bin, gibt es Pfannkuchen, und es gibt mal wieder nichts Gutes in den Nachrichten.
und obwohl die fabelhafte Welt der hiesigen Blogbesitzerin desöfteren voller Jammer war in den letzten Tagen, muss sich heute was verändert haben. statt mich aufs Sofa fallen zu lassen, habe ich soeben (freiwillig) zwei Fenster geputzt. der Winter ist somit weg, verbannt, vergessen. und ich weiß jetzt auch, woher die Inspiration kam.
es war der Mann, der am Freitag morgen die meterhohen Schneeflocken aus den beiden Tannenbäumen am Einkaufszentrum räumte. er stapelte sie in zwei Kisten, die mit “Schneeflocken” beschriftet waren.
Es gibt Tage, auf die kann ich gut verzichten. nicht dass ich mein Leben nicht mag, aber manchmal will es einfach nicht klappen. das Leben. alles kommt nicht so, wie es kommen soll. [es folgt eine anklagende Liste der Dinge, die heute nicht so waren wie ich sie gern hätte].
zu den guten Dingen des Tages gehört der Beschluss von eben, im Frühling viel Koriander im Garten zu säen. damit ich noch paar hundert Fotos davon machen kann.
Auf dem Weg zum Komposthaufen fange ich an zu schimpfen. zuerst natürlich über den Regen, der mich innerhalb von zehn Sekunden nass macht. denn wer nimmt schon Schirm mit, wenn er nur kurz zum Kompost geht? dann schimpfe ich über die Küchenberaterin, die damals diese wunderbare Erfindung in die Küche eingebaut hat – zwei getrennte Mülleimer. jeder zehn Liter groß, oder sagen wir besser, klein. für den grünen Punkt ist der Eimer ungeeignet, genau so wenig kann man ihn für Flaschen oder Papier nutzen, für Batterien ist er überdimensioniert. also Biomüll. ist doch auch eine gute Sache. nur nicht an Abenden wie heute. da ist diese Sache total bescheuert.
die Augen gewöhnen sich nur langsam an die Dunkelheit. der Weg in die Gartenecke ist so lang wie die Spaghetti aus meiner Lieblingspackung, die es nur selten zu kaufen gibt, weil die meisten Supermärkte zu kurze Regale für dieses besondere Produkt haben. diese Spaghetti in den Topf reinzustopfen erfordert besondere Geduld. meine Füße stolpern über das Gras. hier also hört die Terrasse auf und der Rasen fängt an. komisch, im Hellen kommt mir die Terrasse immer so klein vor. jetzt erst der Rasenanfang, dann bin ich ja vielleicht vor Sonnenaufgang noch zurück… es tropft, das Gras ist glitschig und lang, die Socken werden nass, ich schimpfe schon wieder, barfuss muss man bei solchem Wetter laufen.
Meine Augen sehen nichts vor sich, nur Geräusche kommen an. das Tropfen. das Versinken der Füße im Gras. der Wind. wenn der Wind sich hier so laut anhört, bin ich schon fast bei der Hecke. dann nach links. da war noch irgendwo die Sandkiste, die muss unbedingt weg, die Kinder schon so groß und dieses Sandmonster immer noch mitten auf dem Rasen. nur nicht stolpern. [ich stelle mir kurz vor wie ich beim Erfüllen der umweltfreundlichen Müllrausbringmission über die Sandkiste stolpere, ungünstig falle und ums Leben komme.... was dann wohl auf meinem Grabstein steht? *sie war gut zu ihrer Umwelt, aber die Umwelt nicht zu ihr*?] leise taste ich mich an die Hecke heran. die Blätter berühren mich, kalt und nass, abstossend und feindlich. warum sehe ich bloß nichts? das sind doch diese am Tage so hellgelben Riesenblätter… ein wildes Rascheln. ich bekomme etwas Angst. nein, das war bestimmt nur ein Vogel.
endlich, endlich ertaste ich die Kompostkiste. schnell die Mission erfüllen, all die Kartoffelschalen, Rotkohlblätter und Apfelreste hinein. und das arme Alpenfeilchen, bei mir haben Zimmerpflanzen wenig Chancen auf langes Leben. geschafft.
Ich drehe mich um. der Garten ist durch die paar Lampen im Haus hell erleuchtet. Scheissphysik. oder war Bilogie für dieses Dunkelheitsphänomen zuständig? meine Angst ist in einer Milisekunde wieder weg. jetzt brauche ich nur noch neue Klamotten und Tasse Tee. und eine Lindt-Kugel, die gebe ich mir auch :-)
Heute erzähle ich euch, wie man sich eine Menge Stunden beim Psychotherapeuten sparen kann. man nehme eine Situation, sei denn aus heute oder aus der eigenen Vergangenheit und lasse sie richtig schön hoch kommen, man steigere sich sozusagen hinein, alle teilnehmende Personen merke man sich und auch deren Rolle im Geschehen. anschließend gehe man in den Garten.
Im Garten angekommen, mache man sich an die Arbeit, empfehlenswert ist Ausgraben von jungen Eichen oder – besonders beliebt – Vertreiben von Brombeeren. bei dieser Tätigkeit übertrage man dann seine *Gegner* aus der Psychostunde auf die Pflanzen. ihr wisst, worauf ich hinaus will: wenn mann dann endlich fertig ist, darf man sich doppelt freuen: über getanes Gartenwerk und über merkbare Erleichterung in der Problemfrage…
Sollte jemandem von euch geeignete Pflanzenwelt fehlen, seid ihr auf meiner Farm herzlich willkommen. hier gibt es eine Menge widerspenstiger und bescheuerter Gewächse.