Dreiundzwanzig Grad ist ein magischer Zustand des Universums. es ist genau richtig warm in der Sonne, und es ist perfekt kühl im Schatten. der langsame Wind schafft es nicht, mein Haar zu durchwehen, selbst als ich aufs Fahrrad steige und in das benachbarte Dorf zur Eisdiele fahre.
Dreiundzwanzig Grad ist eine perfekte Temperatur für jede Kleidung. für egal welche Schuhe. es ist nicht zu heiß für Bewegung und nicht zu kalt fürs Rumsitzen. es ist eine Temperatur, die von mir aus gern an elf Monaten im Jahr um mich herrschen darf. einen Monat lang hätte ich gern Schnee und dunkel.
Jetzt ist es aber nicht dunkel. es ist hell und es sind genau die dreiundzwanzig Grad, um den Abend draußen zu verbringen. wer nicht weiß, was er dabei trinken soll (soll vorkommen), empfehle ich Aperol-Kirsch, eben entstandene Kreation. in der Luft liegt eine süße Duftmischung als Flieder und Raps, so dominant, dass sogar die gesammelten Grillanzünder der ganzen Nachbarschaft nicht dagegen ankommen.
Ich bewege mich durch den Garten und komme mir dabei vor wie Robinson Crusoe. ich suche Essen. Salat soll es geben, mit Kräutern und essbaren Blüten.
Seit sechs Jahren bringe ich den Pflanzen in meinem Garten bei: auf mich ist kein Verlass. und: alles was hier wächst, trägt selbst die Verantwortung dafür, wie es ihm / ihr geht. ich lasse Salat und Kräuterpflanzen so lange auf dem Beet, bis ihre Samen reif sind. das gleiche gilt für Blumen. dann suchen sich die Samen selbst den Boden, der ihnen schmeckt. Erdbeeren im Vorgarten, Zuccini zwischen Plümchen und Lavendel neben Porree. beim Jäten riechen meine Hände nach Rauke und Basilikum, beim Rasenmähen duftet es in einer Ecke immer nach Minze, die sich unterirdisch verbreitet. allen geht es gut in meinem kleinen Laissez-faire Paradies.
Gefunden! seit Jahren sähe ich keine Petersilie mehr aus. wenn man aufmerksam genug ist, findet man sie schon.
Der bunte Film muss noch ins Labor, aber hier schon mal ein Bild in SW. eins aus der Reihe *Mäuschen sein*. ihr erinnert euch vielleicht, um 5:30 aufstehen, Bäckers vorletzter Tag. um 2 Uhr nachts macht er im Backhaus das Licht an, abends um 6 ist Feierabend, wenn seine Frau den Laden zuschließt. “wie machen Sie das, ist doch ein doppelt so langer Arbetstag wie bei Anderen?” – “es ist doch keine Arbeit, es macht Spass!”, sagt er und zieht fingerleicht die nächsten Brötchen aus dem Ofen, als wäre er nicht über 70. ich fühlte mich ein wenig wie eine alte Oma neben ihm, noch nicht wach, irgendwie unbeweglich und ich schäme mich bereits für diese Frage.
Sehr spannend war der Zeitpunkt, als zischende Brötchen mit Wasser bepinselt wurden. ich erinnere mich gut an Diskussionen beim Frühstück, wie das wohl ist, warum manche Brötchen knusprig aber fest, andere locker, aber zu weich sind. nun wußte ich, es ist nicht nur Teig und Temperatur, es ist auch dieses geheimnissvolle Zischen (und vielleicht ein Knuspergebet dazu?), das unseren Lieblingsrundlingen dünne, aber unwiderstehlich knusprige Kruste zaubert.
Eine Tüte warmer Brötchen nahm ich nach dem Schooting mit. unvergesslich!