Our day will come

Der Regen tropft leise gegen die Windschutzscheibe, und ich bleibe im geparkten Auto sitzen, um den letzten Song – “Song for you” ausklingen zu lassen. Manche Lieder sind so lala, manche gut für Gänsehaut, zwei werde ich in meine Jogging-Playlist übernehmen. Dass es drei Alternativen von bereits bekannten Songs gibt, zeigt mir zwei Dinge: zu früh und zu spät. Zu früh ist Amy abgedüst und zu spät ist es, darüber zu sprechen.

Eine Frage hab ich noch: on Amy, ob Michael Jackson, ob andere Künstler oder Surfer – Rampensau auf der Bühne oder auf der Welle und scheu bis lebensunfähig abseits davon. Sind wir alle so?

Veröffentlicht am von in und in China fällt ein Sack Reiss um. Keine Kommentare.
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Was war das nochmal, Freundschaft?

Als ich noch klein war, war das mit der Freundschaft ganz einfach – Freunde waren die, mit denen man die meiste Zeit zusammen verbrachte, und zwar freiwillig.

Als ich größer wurde, waren Freunde die, mit denen mich aus der Vergangenheit etwas verband – gemeinsame Erlebnisse, gemeinsame Hobbies, gemeinsame Geburtstage.

Als es mit dem Job anfing, waren Freunde die, mit denen man sich in der Freizeit traf. Es verband uns immer noch etwas aus der Vergangenheit, und es wurden immer seltenere Stunden.

Und dann kam Internet. Ich diskutiere mit Onlinefreunden – bis tief in die Nacht – Themen, die mich bewegen, und lache unter den Fotos meiner Fotofreunde über Kommentare unserer gemeinsamen Buddies. Echte Treffen mit echten – im Sinne von “aus Fleich und Blut” – Freunden werden immer seltener und immer seltsamer, weil man zuerst in Facebook Places eincheckt und der Welt mitteilt, dass man sich dort mit einem Freund trifft…

Ich war am Freitag joggen und habe dabei meinen Schlüssel verloren. der Ersatzschlüssel wird 10 km entfernt aufbewahrt, und um dorthin zu kommen, habe ich in allen Nachbarhäusern geklingelt. erst drei Häuser weiter war jemand nicht in Urlaub. auf dem Weg unterhielten wir uns – wir unterhalten uns sonst sehr selten – und waren uns in ein paar Themen sofort einig. zum Beispiel wozu man arbeiten geht oder dass mit den Reisen. unter anderen Umständen hätten wir vielleicht Freunde werden können, doch weil in unserem Dorf paar ex-Freunde sich nur noch vor dem Richter unterhalten, gilt es bei uns als Tabu, sich mit Nachbarn anzufreunden. bekloppt.

Was war das also nochmal, die Freundschaft? muss man was gemeinsames erlebt haben? muss man eine gemeinsame Zukunft haben können? darf man gleichzeitig im wahren Leben und bei Facebook befreundet sein? wo geht die Freundesreise hin?

Meine Tochter bezeichnet als Freund jemanden, den sie mag. ich fahre gleich zu einem Geburtstag von meinem Lieblings-ex-Kollegen, den ich mag. ich glaube, er ist mein Freund.

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Milchzähne und Blues Brothers

Heute Abend habe ich mit meinen Kollegen Blues Brothers geschaut. Wir haben uns im großen Konferenzraum breit gemacht, Licht aus, Pizza bestellt, der Beamer hatte endlich mal was Sinnvolles zu tun. Es war großartig, es war wie in alten Zeiten, wo wir noch Studenten waren und zum hundertsten Mal Feuerzangbowle gucken gingen und einen Wecker mitnahmen, um den im richtigen Moment klingeln zu lassen. Ja, ich habe mich sogar fast so wie jünger gefüllt. Unbekümmert, zuversichtlich, laut lachend.

Als ich eben nach Hause kam, lag auf einem kleinen Stück Papier der fünfte Milchzahn meines Sohnes. Und zuerst wurde ich ein wenig traurig, dass die Zeit doch immer nur vorwärts läuft. Doch dann habe ich mich darauf gefreut, irgendwann mal Blues Brothers mit ihm zusammen zu schauen. Der Film wird ihm gefallen, das weiß ich.

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halb_siebzig

ich werde morgen fünfunddreißig, und das erste Mal im Leben habe ich überhaupt keine Lust auf den Geburtstag. klar, ihr werdet mir gleich schlau sagen, wart mal ab, Mädchen, wie es ist, wenn man erstmal 45 wird oder so. jepp. ihr habt ja recht. und es gibt kein aber.

und es gibt kein zurück. nach vorn schauen. ich habe mir ein hawajanisches Badesalz gekauft und Packung für die Haare und eine Körperlotion, die mir garantiert gut tun wird. ich backe nicht, ich lasse backen, und ich habe nur paar ganz ganz liebe Freundinnen eingeladen, die garantiert gehen, wenn sie merken, dass mir nicht nach Feiern zumute ist.

und dann werde ich mich in mein hawajanisches Bad legen und mir was singen.

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Schnupfenblues

über Nacht wurden die Blätter vor dem Fenster gelb und rot und zwei Stunden später raschelten sie schon unter meinen Füßen. Nein, schrie mein Inneres, nicht so schnell! als ich den Regenschirm aufmachte, hätte ich fast weinen können. ich kann mich von vielem trennen und verabschieden, nur der Herbst, die Trennung vom Sommer, das schmerzt jedes Jahr.

ich wurde erhört. im Radio berichtete die muntere Stimme zwischen Politik und Verkehr etwas über zehn Stunden Sonne und 14 bis 18 Grad. heute und morgen und sogar am Samstag noch. cool. was überhaupt nicht dazu passt, ist meine Schnupfnase, die hole ich mir immer in der Zeit, wo die dicke Jacke noch im Schrank hängt und man so tut als wäre es noch warm genung für einen Pullover. Bullshit. jedes Jahr das gleiche. zum Sommer-Trennungsschmerz kommt die Schnupfnase, die Welt ist doof, alles passt nicht zusammen, ich bin ein Star, holt mich hier raus!

eins ist in diesem Herbst anders: ich habe frei! ich werde sowohl meine Nase auskurieren, als auch die bunten Blätter bewußt genießen. nicht im Vorbeifahren im Bus, nicht aus Erzählungen von Menschen, die im Park waren, nein. aus dem eigenen Erleben.

in diesem Sinne *warme Jacke anzieht und Film in die Kamera einlegt*

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