Diese Woche war eine Woche voller eines Ereignisses: Nachdenken. ich wußte gar nicht, dass dieser Prozess so einen Spaß bringen kann. am meisten bringt es Spaß, wenn es zielgerichtet ist. zum Beispiel schreibe ich an einem Buch. und an einem Vortrag. ich teste den Prototypen einer kundenspezifischen Earned Value Variante. und auf der Ebene über all diesen Dingen schweben Fragen: wer bin ich? was tue ich? warum?
Die Antwort lautet: warum nicht? es gibt keinen Grund, nicht nachzudenken, nicht an etwas zu arbeiten. und es gab auch keinen Grund, nicht zu der “Work in progress” Konferenz zu fahren. dort habe ich Cathi getroffen. und das war ganz toll. ganz leicht und sehr inspirierend. denn Cathie sagt Sätze wie: “Es ist mir egal wo ich bin, solange ich tue was ich liebe” und viele ähnlichen Dinge, die zum Beneiden ehrlich sind und fernab des Marketings. Cathis Produkte regen zum Nachdenken ein und wecken jene Sehnsuht, die viele – zu viele – von uns tief in sich vergraben haben. Sehnsucht nach Freiheit, die nichts mit faul herumliegen zu tun hat. es geht nicht darum, sich noch mehr anzustrengen, sondern darum, das einzig richtige zu tun: ICH zu sein.
Je mehr ich tue, was mir liegt und was ich liebe, desto mehr fühle ich mich bestätigt. dies fließt in mein Wirken ein und macht mein Ergebnis noch besonderer. “Man lebt, um sich auszudrücken, und indem man es tut, bereichert man die Welt”. nicht umsonst steht dieser Satz auf der Titelseite meines Blogs. es ist eine Überzeugung, eine Philosophie, ein Lebensweg. darum geht es auch in dem Buch, das ich schreibe.
Work in progress.
Heute war ich bei einem Kunden. und habe meine Meinung gesagt – unangenehme Wahrheit über das laufende Projekt. ohne Schuldzuweisungen, ohne Analyse der Ursachen. das Ziel war, den Kunden aufzuwecken und eine Entscheidung zu ermöglichen, ob das laufende Projekt nun wirklcih gewollt und gebraucht wird und wie man das Projekt vor dem Fiasko retten könnte.
Nun, wach machen hat funktioniert. laut war es. und während ich da saß, dachte ich mir mehrere Minuten, ich halte das nicht mehr sehr lange durch. doch bevor ich mir ausgedacht hatte, was ich denn tun sollte, falls ich das nicht mehr aushalte, hat es aufgehört.
Der-die-das Adrenalin ist nun raus, ich höre die wunderbare Maria Callas, trinke Tee und denke, egal welchen Beruf man hat, man ist nur so gut wie das durch die Arbeit erreichte Ergebnis. und ich habe aus meiner Sicht heute alles gegeben, damit das Ergebnis des laufenden Projektes so gut wird, wie ich das gerne machen würde.
Streusalzspuren führen mich sicher zu meinem Ziel, das Großraumbüro im ersten Stock. es ist die zweite Arbeitswoche des Jahres, warum fühlt sie sich nicht als solche an? ich bin voll im Trott. ich habe Meetings, Kundentermine und Abgabetermine und keine Verabredungen nach Feierabend.
Völlig ausgehungert nach Wärme und Cappuchino in der Sonne, futtern wir, nein, wir fressen unglaubliche und mit nichts zu begründende Mengen Schokolade in uns hinein. Reste vom Adventskalender, Lebkuchenherzen und Eierlikörzapfen werden geräuschvoll aus der Verpackung entfernt und sofort verschlungen.
Warum geht es uns so dermaßen auf den Keks, die kalte Jahreszeit? sind wir entwöhnt? verwöhnt? bekloppt? und dann denke ich, es gibt überhaupt kaum etwas, was uns dermaßen aus der Verfassung zu bringen vermag, wie das Wetter. keine Nachricht des Tages scheint uns schocken zu können. Naturkatastrophen, politische Skandale, wirtschaftliche Probleme, her mit all dem Kram, uff, gib noch mal schnell einen Zimtstern rüber, es ist ja bald Feierabend.
Kein Tag in der Woche ist besser dafür geeignet, sich solchen Blödsinn von der Seele zu schreiben, als der Montag. bevor ich das Großraumbüro verlasse, denke ich noch kurz darüber nach, ob unser Kaktus Fencheltee mag, den ich da gleich hineinkippen werde. egal, er kann eh nix dagegen tun. ich muss los, in den Schneeregen.
Wecker um halb sechs. mit geschlossenen Augen waschen, ab in die Klamotten – bis ich am Steuer sitzen muss, kann ich ja noch ein Weilchen weiterschlafen. umparken auf P&R, jetzt bin ich Beifahrer und muss auf der Strecke nach Hannover Krawatte binden, schöne Augen malen und frühstücken. kurz vor acht sind wie auf der CeBIT, die rote Sonne freut sich mit uns, das Messegelände wäre jetzt ein tolles Fotomodell, in diesem warmen schräg einfallenden Morgenlicht. aber ich habe beschlossen, Architektur ist nicht mein Ding :-)
Bis um neun sind nur die Aussteller in den Hallen. sämtliche Kaffeemaschinen haben sich abgesprochen und funktionieren nicht, wir schnorren einen Latte bei der Konkurrenz. ab neun wird es spannend, was bringt der Tag, was von unseren Plänen schaffen wir umzusetzen? wir sind viel unterwegs, Gespräche, Visitenkarten, Händedruck, bitte danke, Notitz machen, weiter. ab Mittag sind auch die Beutelratten da. diese Give-aways sammelnde Spezies wäre auch gutes Fotomotov, wenn ich nicht beschlossen hätte, Street ist nicht mein Ding.
Kurz nach sechs ist Feierabend, alles zusammengeräumt und abgeschlossen, ich möchte möglichst schnell nach Hause, meine Kids in ihre Pyjamas stecken. als wir aus der Halle treten, kommt Polizeieskort an. wir scherzen, Herr Schwarzenegger will uns “Tschüss” sagen. es steigt tatsächlich der Terminator aus und geht zum Convention Center. er sieht ganz normal aus, genau wie im Kino. er hätte uns bestimmt auch gern Tschüss gesagt, aber die vielen Sicherheitsbeamten, ihr wisst schon. und Prominentenfotografie ist auch nicht mein Ding.
Bei uns im Dorf stehen übrigens Kamele auf der Weide hinterm Feuerwehrhaus.