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Barfussgedanken

Freitag, 19. Juni 2009

Am Rande eines Wolkenbruches gehe ich im Feld spazieren, barfuss. Hundert Meter links von mir regnet es, hier scheint die Sonne, der Boden unter meinen Füßen warm. Dann kommt der Regen näher und für einzweidrei Sekunden regnet es genau neben mir, so dass ich das Nass riechen und hören, aber noch nicht spüren kann. und in diesen drei Sekunden ischen nass und trocken wie die Grenze zwischen ja und nein, zwischen weiß und schwarz, sein oder nicht sein, Glück und Unglück wurden voneinander getrennt und nebeneinander auf die Bühne gestellt.

Dann bricht der Regen über mich, nun stehe ich da, von ober Sonne und Nass abbekommend und begreife binnen diesen Augenblicks, dass es keine Grenzen gibt zwischen ja und nein, möglich und unmöglich, gestern und heute, sein oder nicht sien. Alles ist eins, in diesem hier und jetzt dieses blinden Regens, von der Sonne geblendete Regengüsse ziehen wieder ab und verschwinden ganz plötzlich.

und es kommt ein Regenbogen.

das Nix hat einen Durchmesser von 40 km

Freitag, 24. April 2009

mein Sohn hat sich neuerdigs das Sonnensystem vorgenommen. man sagt ja, dass Kinder diesen unstillbaren Wissensdurst haben, aber mein Sohn hat Durst hoch zwei, der trinkt das Wissen Eimerweise - und vor allem fordert er Nachschub, und er kann laut werden.

in dem kleinen Brockhaus stand nicht viel drin.in den üblichen Kinderbüchern auch nicht wirklich das, was er wissen wollte. zum Glück gibt es Wikipedia. der Pluto war zuerst dran. aufrufen, ausdrucken, dem durstigen Kind in die Hand drücken, damit es endlich aufhört zu quengeln. am Morgen danach wurden wir mit den Ergebnissen der Studie konfrontiert. der Pluto hat drei Monde. von dem einen meine ich mal was gehört zu haben, der andere wäre nur aus Gas und der dritte heisst Nix und hat einen Durchmesser von 40 km.

angefangen hat es in Jena, in dem Zeiss-Planetarium. nun ist morgen der Neptun dran. und nächstes Wochenende bauen wir die Planeten maßstabgeträu nach und hängen sie abstands-maßstabgeträu auf. dann heisst es nicht “geh dich waschen”, sondern “ab zum Uranus und komm erst wieder auf die Erde, wenn die Zähne glänzen wie die Sterne!”

im Weltall mit Robert Redford [für Nika]

Mittwoch, 20. August 2008

Am Samstag war ich mit Robert Redford im Weltall. das war der Tag, wo das Wetter nicht wußte, wie man uns auf der Erde glücklich machen soll, es stand ziemlich umentschlossen in der Gegend rum und verhalf mir somit zu der Entscheidung, was neues zu entdecken. unter anderem den All. und die kosmischen Kollisionen. ich mag es sehr, dass Planetarium runde Räume sind. der Film lief ca 25 Minuten und wurde von Robert Redford besprochen. diese Stimme ist [Männer einfach mal weghören] WOW. es gibt Dinge, die kann man nicht erklären. nicht beschreiben. dazu gehört Robert Redfords Stimme. mir ist egal, wie klein seine Füße sind, der Mann ist einfach sexy. und - ich würde mit ihm nicht nur auf einer kleinen Insel Urlaub machen [hehe], ich würde mit ihm durchaus auch Sachen machen, wie dieser Weltallflug. das besondere bei solchen Stimmen ist, sie lesen nicht einfach nur den Text, sie entführen. das besondere an Weltallfilmen ist, ich mag sie nicht besonders. bis auf Star Treck. aber da ist es anders. hier war es so, dass der Robert mich in meine Vergangenheit entführte. ich fühlte mich plötzlich klein, so sehr klein in Anbetracht der Galaxien, die vor meinen Augen zusammenkrachten, doch Roberts Stimme sagte mir: fürche dich nicht, Mädel, du bist ein Teil davon. ganz sicher.

und ich sah mich kleine Walderdbeeren in einen Kinderbecher sammeln, da musste ich 5 Jahre alt gewesen sein. ich sah mich einen verschneiten Berg runter fahren, mit voller Wucht gegen eine Birke fahren und eine Gehirnerschütterung kriegen, nach der ich 48 Stunden durchschlief (da war ich wohl 7), ich sah noch viele andere kleine *Kinderfilme*, alle waren fester Bestandteil meines Lebens und komischerweise waren sie auch ein fester Bestandteil des Universums, so eng fühlte ich mich damit verbunden, so sehr traute ich Robert, als er mir erzählte, all die Kollisionen sind wichtig, es ist gut, dass Dinge aufeinanderprallen und: nichts bleibt wie es ist, alles, von minimal klein bis undenkbar groß verändert sich, jede Sekunde, und ich bin mitten drin.

als ich dann aus dem Planetarium hinausging, schaute ich schnell über die Schulter. Robert nickte mir zu und sagte: Nur zu, Mädel, trau dich, alles wird wunderbar.