Archiv für die Kategorie ‘tatsächliche Tatsachen’

Deutschland regt sich auf

Donnerstag, 02. September 2010

Heute Mittag stand ich an der Buttertheke bei Edeka und starrte auf die Süßrahmbutter. und dann kam eine sehr nette Dame vorbei und griff sich ein Paket, und ich fragte sie, ob sie wüßte, was der Unterschied zwischen Sauerrahm- und Süßrahmbutter sei. kaum habe ich meine Frage ausgesprochen, kam der Mann der netten Dame zu uns. klar, gibts da einen Unterschied. er würde keine andere aufs Brot schmieren. sie sei das Leckerste überhaupt.

Plötzlich stand ich in einem ganzen Pulk netter Damen, die sich alle einig waren, die Mildgesäuerte nehme man nur zum Backen, und sie unterhielten sich alle ganz aufgeregt und tauschten Rezept-Erfahrungen aus, und ich dachte mir, meine Güte, die kennen sich aber aus.

Heute Nachmittag habe ich mal wieder etwas über Thilo Sarrazin im Radio gehört. und was auf der Titelseite der Tageszeitungen gelesen. und eine hitzige Diskussion auf der Strasse miterlebt. und es war ein wenig mit der Butterdiskussion vergleichbar, nur dass wohl die wenigsten von uns das Buch bereits gelesen haben.

Meinungen bilden sich schnell. Erfahrungen brauchen länger. und es gibt genug Beweise, dass manche schnell gebildete Meinungen trotz widersprüchlicher Erfahrungen nicht geändert werden. so sind wir Menschen nun mal. ich hab dann plötzlich festgestellt, dass ich keine Meinung zu der Süßrahmbutter habe, aber eine zu dem Buch “Deutschland schafft sich ab”. folgende: ich habe keine Ahnung, ob ich das Buch gut finden würde, wenn ich das lesen würde, aber ich finde es gut, dass es das Buch gibt. da gibt es einen, der sich traut das zu sagen, was ganz viele andere denken, aber kaum schreibt er das, wird es von den Medien - wie nicht anderes zu erwarten - so verzerrt dargestellt, damit Meinungsbildung unumgänglich wird. und von den Menschen, die mit Herr Sarrazin vorher täglich verkehrt haben, hört man dann, dass man sich von ihm und seiner Meinung distanziere. und von all den anderen wird das Buch dazu genutzt, sich selbst darzustellen. ich bin da keine Ausnahme.

In Deutschland ist es - besonders in der Politik - unpopulär, eine klare Meinung zu haben. an allen Ecken und Kanten findet man Kompromissbereitschaft. lieber sich einen Zickzack-Kurs vorwerfen lassen, als unpopulär sein. lieber unbeliebt auf die Titelseite, als beliebt im Hintergrund. “Das habe ich so gar nicht gemeint”. kein Wunder, dass man auch im normalen Arbeitsalltag kaum versteht, was der andere möchte. und dass Kommunikations-Kurse gar nicht in der Lage wären, dieses zu lösen.

Pfui, jetzt habe ich tatsächlich was zur Politik gesagt. dabei bin ich gedanklich immer noch mit der Butterfrage beschäftigt.

Blind dates

Freitag, 20. August 2010

Sagen wir es mal so. ich bin keine 16 mehr und die Aufregung hält sich dadurch in Grenzen. Aber es ist verdammt nochmal trotzdem nicht ohne, sich per Mail zu verabreden und sich dann auch zu dem verabredeten Ort hinzutrauen um den Menschen, der vermutlich mein Blind date ist, zu fragen: “Bist du …?”

Das Ganze könnte noch ein wenig dauern, denn das Projekt hat erst angefangen. wenn ich fertig bin, erzähle ich weiter…

Wo ist Brunhilde?

Samstag, 03. Juli 2010

Das Äußere der Dame hinter uns passt wunderbar zu dieser Frage. Wir drehen uns kurz um und sind uns einig, dass es in diesem wunderbaren Stück zu wenig junge Zuschauer gibt. Ein paar Momente später verlassen wir die Oper, gehen über die noch warmen Straßen Hamburgs und diskutieren über

Die Autos vor der Spielbank

Als ob es eine strenge Vorauswahl gibt, welche der schwarzen Nobelmobile direkt vor dem Eingang in einer einhetlichen schwarzen Reihe parken dürfen. Gibt es bestimmt auch. Und zu unserem Glück gibt es auch noch freie Tische bei dem kleinen Franzosen hinter der Gänsemarktpassage, und auf der französischen Speisekarte gibt es Tafelspitzconsommé und Königsberger Klöpse mit Kapernsoße und

Zwei Löffel zu der Crème brulée

Zwei Löffel, zwei Menschen, fünfzehn Jahre Ehe. Viel erlebt, viel gelernt, manchmal geweint, aber immer wieder aufs Neue gelacht. Seit dem siebten Hochzeitstag, den wir in Berlin unter den Linden spazierend verbrachten, gehört zu unserem Hochzeitstag auf jeden Fall

Der Duft der blühenden Linden

Heute ist dieser Duft besonders deutlich in der stehenden Luft. Kurz vor dem Einschlafen lasse ich mir all die Eindrücke durch den Kopf gehen: Die Geräusche der Stadt, die Gesichter der vielen Menschen, den Geschmack von Crème brulée und die besorgte Stimme einer kleinen weißhaarigen Dame:

Wo ist Brunhilde?

Время ромашек

Freitag, 25. Juni 2010

Фотографии наугад.

Дурманящий запах цветущих кустов.

Холодные майские дни.

Встречи и прощания.

Шум отъезжающих поездов.

Ты, такой четкий в моём сознании, что я даже твой запах узнаю, как знакомую песню. Здравствуй!

heute habe ich in die Ostsee gepullert

Sonntag, 06. Juni 2010

Um 6 uhr bin ich wach und entscheide mich, joggen zu gehen. paar Stunden später beschließe ich, bis Anfang September diese Prozedur noch mindestens 10 Mal durchzuführen.

Als ich die Waschmaschine anstelle, wollen plötzlich alle im Haus an die Ostsee. und ja, sonst dauern die Vorbereitungen und Packaktionen mindestens eine Stunde, nur ausgerechnet dann, wenn man die Waschmaschine abwarten muss, sitzen alle schon im Auto und rufen, wann die Maschine fertig sei.

Und dann sind wir endlich wieder an der Ostsee. das sah ganz so aus wie auf dem Bild da oben, nur grünblauer. und ja, natürlich war ich in dem 14 Grad warmen Wasser. und irgendwann später auf dem Rückweg brachte mein Sohn den Witz des Tages:

Wie verbessert man den Geschmack von Salz?

Wer die Antwort kennt, wird mich verstehen. das Leben ist nett zu mir, und ich danke ihm dafür.

das mit den Zeichen von oben

Sonntag, 30. Mai 2010

Neulich bekam ich Lilien geschenkt. am Wochenende davor habe ich eine Hasselbladski geliehen bekommen. diese beiden Gaben schauten mich an. dann kam auch noch ein kleines Päckchen, in dem seltene Fomapanfilme (200 asa) drin waren. die Zeichen waren klar. das Universum verlangt schwarzweisse Lilienfotos.

Liebes Universum, hier sind sie.

Äpfel mit Bären vergleichen

Sonntag, 23. Mai 2010

Heute morgen zelebriere ich mir eine Birne. nach dem dritten Stückchen bin ich satt. wirklich. ich könnte zwar weiterhin kauen und schlucken, aber ICH WILL NICHT. ich will wirklich nicht mehr. seit gestern “esse” ich wieder und bin meistens nach dem zweiten Löffel satt.

Obwohl die Fastenwoche alles andere als entspannt war und ich so gut wie jede körperliche Nebenwirkung hatte, freue ich mich wie bolle, es getan zu haben. denn meine momentane mentale Klarheit darüber, was ich tatsächlich in den letzten Monaten alles gegessen habe, wie viel Kaffee und Cola ich in mich schüttelte, die hätte ich sonst nicht hinbekommen.

Und so lange diese Klarheit in meinem Kopf noch herrscht, schreibe ich mir ganz schnell die Eindrücke und die Gedanken dazu auf, ich merke wie es mir geht - wie gut es mir geht - und mache Vorsätze für “mein neues Leben nach dem Fasten”.

In dem Bauch gluckert es wieder vertraut, die Sonne scheint mir auf den Pelz, aus den Lautsprechern klingt gute Musik, so soll das Leben sein.

Nadja fastet

Dienstag, 18. Mai 2010

Ich sitze da und starre mein Essen an. dann fange ich an, es mechanisch zu zerteilen und in mich einzustopfen. ich kaue ordentlich, trinke viele unalkoholische Getränke und habe keine Beschwerden. aber Kummer. ich habe keine Lust auf das Essen, ich verspüre keinen Hunger, alles schmeckt irgendwie gleich und macht mich nicht glücklich. ich esse viel zu schnell und viel zu viel. Schnitzel, Nudeln, riesige Menge Salat, ganze Ananas, Nachtisch. es frustet mich. ich kann das alles nicht mehr sehen. und dann beschließe ich, einen Neustart zu machen. eine Woche Fasten, dass scheint mir eine Möglichkeit dafür zu sein.

Dieser Beschluss ist fast zwei Jahre alt.

Nun bin ich soweit. Gestern saß ich mit drei lieben Kolleginnen beim Thailänder und trank meine Mangoschorle. und stellte fest, so gut wie jeder andere Mensch um mich rum hat schon mal gefastet, alle aus unterschiedlichen Gründen, aber viele mit ähnlicher Quintessenz: es hilft, wogegen auch immer. das Gute an der gesammelten Erfahrung um mich rum ist, ich stelle fest, ein paar Dinge in den letzten zwei Tagen nicht ganz richtig gemacht zu haben. OK. macht nix. dann erkläre ich den heutigen Tag eben zu meinem Fastentag Nummer 1.

Und dieser Eintrag hier ist extra für Britta und Mareike. sie meinten, sie werden das lesen.

Gestalten treffen

Sonntag, 16. Mai 2010

Gestalt bezeichnet umgangssprachlich die äußere Form, den Umriss, Wuchs (Habitus) oder die Erscheinung von Gegenständen und Lebewesen. aha. na dann war der gestrige Vernissage-Abend in Bochum ein voller Erfolg!

Konzept: Nadja kommt mit 20 frischen holländischen Rosen, drückt sie den Ausstellern nach einander in die Hände, nach dem Signieren des Polaroids darf die Person eine Rose behalten… so werden es immer mehr Polas und weniger Rosen und in Summe eine Menge spannende Gespräche und durch und durch sehr angenehme Begegnungen!

Ich glaube, alles weitere wurde gestern schon gesagt. wenn nicht, einfach hier unten drunter notieren…

4 Stunden Woche

Montag, 10. Mai 2010

Jeden Abend wenn ich schlafen gehe, guckt mich dieses Buch vom Nachttisch an, als wäre es mein schlechtes Gewissen. schon wieder nicht geschafft, schon wieder gehst du viel zu spät ins Bett ohne mich gelesen zu haben… schon wieder warst du nicht früh am Nachmittag zuhause und hast mich auch nicht am Wochenende auf der Terrasse gelesen… na gut, das mit der Terrasse ist bei diesem Wetter eh nicht möglich, aber das mit dem früher nach Hause kommen und früher ins Bett, müssen das wirklich gute Vorsätze bleiben oder schaffe ich mal den Absprung?
warum arbeiten wir so gern? nein, Frage falsch gestellt: warum arbeite ICH so gern?

eigentlich passt dazu die Gegenfrage: warum habe ich mir dieses Buch gekauft? na gut, heute lese ich paar Seiten, vielleicht schaffe ich es dann, mehr zu können was man will und weniger zu dürfen oder wie auch immer der Spruch weiter ging. Redaktionsschluss 23:26